Dieses Lernmodul ist Teil der Informationsplattform Wer, Wie Watt?, die im Rahmen eines Umweltbildungsprojektes erstellt wurde. Die hier dargestellten Informationen wurden von Zivildienstleistenden aus dem Naturschutz im Rahmen ihrer Ausbildung zusammen getragen. Mehr über das Projekt Wer, Wie, Watt erfahren Sie hier.

1.1. 

Bedeutung und Vorkommen von Erdöl

Wie entsteht Erdöl?

Erdöl ist ein fossiler Brennstoff. Es wurde vor Jahrmillionen herausgebildet und befindet sich in abgeschlossenen Lagerstätten im Gestein der Erde. Es ist eine begrenzte Ressource, die eines Tages aufgebraucht sein wird.

Erdöl entsteht aus der Zersetzung von abgestorbenen pflanzlichen und tierischen Lebewesen, die sich auf dem Boden, z.B. dem Meeresgrund ablagern. Durch die Vermischung mit Sedimenten entsteht ein unverfestigtes feinkörniges Erdölmuttergestein. Durch weitere Auflagerung gerät das Erdölmuttergestein allmählich in tiefere Schichten. Dadurch steigt in ihm der Druck und die Temperatur (bis max 200 °C). Bei der Umwandlung der organischen Bestandteile zu Erdöl wirken Bakterien mit. Die organischen Substanzen werden schließlich zu einfachen Kohlenwasserstoffen abgebaut.

Die Bildung von Erdöl dauert normalerweise sehr lange, geht aber auch manchmal – an geologischen Zeitmaßstäben gemessen – sehr rasch vor sich. Sie benötigt teilweise, unter einem Zusammenspiel von den besten Voraussetzungen (Temperatur, Druck, Zusammensetzung), nicht mehr als 10.000 Jahre, normalerweise etwa 350 bis 400 Mio. Jahre (Wikipedia: Erdöl 2006).

Die so entstandenen Kohlenwasserstoffverbindungen lagern sich im Grundgestein von unten nach oben in der Reihenfolge Erdwachs, salzhaltige Ölwässer, Schweröl, Leichtöl und zuoberst Erdgas ab.

(Quelle: Groth 2004 sofern nicht anders angegeben)

Welche Bedeutung hat Öl für uns?

Erdöl als Ausgangsstoff zur Erzeugung von Treibstoffen und Grundstoff der chemischen Industrie ist bedeutendster Rohstoff der Industrienationen. Ohne Öl würden keine Autos fahren und viele Heizungen kalt bleiben. Auch ein Großteil der alltäglichen Gebrauchsgegenstände - seien es Textilien, CDs, der Bildschirm, vor dem man sitzt, Farben, Wasch- oder Arzneimittel - verdanken ihre Existenz gänzlich oder zumindest teilweise der Kunstoffindustrie und somit deren Grundstoff, dem Öl. In den Industrienationen sind alle Lebensbereiche der Menschen massiv von Öl abhängig. Deshalb hat Erdöl eine enorme wirtschaftliche Bedeutung. Durch die Begrenztheit und die weltweit ungleichmäßige Verteilung der Ölvorkommen ergibt sich außerdem eine große politische Bedeutung für das Erdöl.

Ölförderung in der Nordsee

Erdgas und Erdöl werden in der Nordsee seit Ende der 1960er-Jahre gefördert (OSPAR 2000). Seit den 1990ern befinden sich in der Nordsee über 450 Öl- und Gasförderinseln (Gee et al. 2006), die 1999 insgesamt 6 Millionen Barrel Erdöl gefördert haben. Die meisten Förderinseln befinden sich in der zentralen und nördlichen Nordsee und werden von Norwegen, England und den Niederlanden betrieben.
In der deutschen Bucht steht seit 1985 die einzige deutsche Erdölförderplattform, die Mittelplate A, im Wattenmeer vor Dithmarschen. Das gleiche Ölfeld beutet die Bohrstation Dieksand I aus, die binnendeichs in Friedrichskoog steht.
Die von Deutschland geförderte Ölmenge ist im Vergleich zur Gesamtförderung in der Nordsee verschwindend gering. Sie beläuft sich auf 500.000 Tonnen Erdöl pro Jahr (OSPAR 2000). Das Konsortium RWE-DEA, das das Ölfeld in Dithmarschen nutzt, bezeichnet dieses Ölvorkommen jedoch als „bedeutend". Von insgesamt 100 Mio. Tonnen seien 40 % gewinnbar (RWE DEA & Wintershall AG 2006), was dem Bedarf der Bundesrepublik Deutschland bei einer autarken Versorgung von 14 Tagen entspricht.

 

Abb.: Diese Karte der Nordsee zeigt die Standorte der Öl-und Gasplattformen in der Nordsee, ebenso Pipelines und Kabel.