Dieses Informationsmodul präsentiert eine Seminararbeit, die von Studenten zu den Themen Küsten im Wandel bzw. Kulturpflanze Mais im Rahmen des weiterbildenden Fernstudiengangs "Umwelt & Bildung" der Universität Rostock angefertigt wurde.

Klimawandel und Küstentourismus

- Eine Untersuchung am Beispiel der Ostseeküste von Mecklenburg-Vorpommern -

 

Vorgelegt von:

Steffen Thränert

Walter Noack    

Modulprüfung 4 des Fernstudiums "Umwelt & Bildung", 9. Matrikel

 

s. Texte und Links !

Bearbeiter: Steffen Thränert 

 

Inhaltsverzeichnis

1.       Einleitung

1.1.    Definitionen 

2.       Küstentourismus in Mecklenburg - Vorpommern

2.1.    Entwicklung des Küstentourismus in Mecklenburg-Vorpommern seit   

          dem Jahre 1990 

2.2.    Perspektiven für die weitere Entwicklung des Tourismus in Mecklenburg-

          Vorpommern 

2.3.    Einordnung und Gliederung des Tourismus in den Küstengebieten 

3.       Globaler Klimawandel und Einfluß auf den Ostseeraum

3.1.    Anstieg des Meeresspiegels als Folge der globalen Klimaerwärmung

3.2.    Was bedeutet dies für den Ostseeraum?

3.3.    Sonstige Effekte

4.       Auswirkungen des Klimawandels auf den Küstentourismus

4.1.    Einfluß auf ausgewählte Sportarten

4.2.    Auswirkungen auf die touristische Infrastruktur - das Beispiel Usedom

4.2.1. Touristische Ausrichtung der Insel Usedom

4.2.2. Prognostizierte Folgen des Klimawandels für die Insel  

5.       Handlungsempfehlungen

5.1.    Handlungsempfehlungen  für politische Entscheidungsträger und Planer

5.2.    Handlungsempfehlungen für die Tourismusindustrie

6.       Zusammenfassung und Fazit

7.       Literaturhinweise

 

 

Tipp: "Links" weiter rechts ... (3)

 

Bearbeiter: Steffen Thränert 

 

1. Einleitung

Diese Arbeit befasst sich mit den globalen Klimaveränderungen auf der Welt und deren Einfluss auf den Küstentourismus in Mecklenburg-Vorpommern. Der globale Klimawandel, seine Ursachen und Folgen sind auch in Deutschland regelmäßig diskutierte Phänomene, allerdings verweist man in der öffentlichen Diskussion hierzulande häufig  auf ferne Regionen und Länder. Man betrachtet in erster Linie solche Klimaszenarien, die sich jenseits unseres eigenen Horizonts ereignen und deren Folgen uns vermeintlich zunächst einmal nicht unmittelbar zu betreffen scheinen.

Der Klimawandel wird allerdings auch Konsequenzen für Deutschland haben, dieses gilt insbesondere für die Küstenregionen. Mecklenburg-Vorpommern ist ein Bundesland, dessen Wirtschaftsstruktur mittlerweile stark durch den Tourismus gepägt wird. Der Küstentourismus, also der durch die maritimen Elemente des Landes geprägte Bereich des Tourismus, ist wiederum eine wesentliche Säule dieses Sektors. So steht Mecklenburg-Vorpommern beispielhaft für ein Land, dessen Tourismus mit signifikanten Klimaveränderungen konfrontiert werden wird und dessen Verantwortliche sich künftig diesem Phänomen vorausschauend und offensiv stellen müssen.

Im ersten Teil dieser Arbeit wird zunächst die Entwicklung des Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern dargestellt. In diesem Zusammenhang werden sowohl die Stärken und Schwächen dieses Wirtschaftssektors herausgearbeitet, als auch dessen Perspektiven dargestellt. Es folgt eine räumliche Beschreibung der Küste, dabei werden die einzelnen Küstenabschnitte und ihre spezielle Eignung für unterschiedliche Segmente des maritimen Tourismus beschrieben.

Im Abschnitt 3 werden zunächst der globale Klimawandel und seine Folgen skizziert. Im Abschnitt 4 wird dann konkret auf die Folgen des Klimawandels auf den Küstentourismus eingegangen. Zunächst werden mögliche Einflüsse von Klimaveränderungen auf einzelne Sportarten aus dem Bereich des Küstentourismus diskutiert. Darüber hinaus erfolgt eine Untersuchung über mögliche konkrete Folgen des Klimawandels für einen der vorher beschriebenen Küstenabschnitte. Hierfür wird das Beispiel der Insel Usedom gewählt. Im letzten Abschnitt werden Handlungsempfehlungen für Akteure aus Politik, Verwaltung und Tourismuswirtschaft gegeben.   

                      

1.1. Definitionen 

Was ist eine Küste?

Als Küste bezeichnet man das schmale Band, das sich land-und seewärts entlang eines Meeres erstreckt.Es ist dies eine - in geologischer Zeit - Momentaufnahme der Grenze zwichen Meer und Land, welche ständiger Veränderung unterliegt, z.B.durch Meeresströmungen, Brandung usw. Ursächlich sind die heutigen Küstenformen der Ostsee ein Resultat eiszeitlicher Gletscherbewegungen und nacheiszeitlicher Geländehebungen im nördlichen bzw. Geländeabsenkungen im südlichen Teil der Ostsee. Darüber hinaus liegt die Ostsee in der Westwindzone, d.h. über die Strömung von Westen her werden beständig Sedimente verdriftet. Prägende Küstentypen der Ostsee sind im Süden die Bodden-und Ausgleichsküste sowie im Norden die Schären- und Fjordküste.

 

 

Was ist Tourismus?

Die Gesamheit aller durchgeführten Reisen fasst man heute unter diesem Begriff zusammen.

Daher ist "Küstentourismus" der allumfassende Nutzungsanspruch von Reisenden an eine natürliche Grenzlandschaft. 

 

(1), (2)

 

Quellenangabe:

  • (1) NEUERBURG, Hans Joachim  (2006): "Tourismus - Sport -Umwelt", Rostock: Reader der Uni Rostock für Weiterbildendes Fernstudium Umwelt und Bildung
  • (2) SCHEIBE, Ralf (2006): "Wasser-Tourismus-Naturschutz-Wassersport-Klimawandel", Greifswald: CD-Rom der Uni Greifswald für Weiterbildendes Fernstudium Umwelt und Bildung der Uni Rostock
  • (3) WIKIPEDIA, Suchmaschiene und Lexikon im Internet: "http://de.wikipedia.org/wiki/Portal: Geographie", Internet
  •  

    Bearbeiter: Walter Noack 

     

    2. Küstentourismus in Mecklenburg - Vorpommern

    2.1. Entwicklung des Küstentourismus in Mecklenburg-Vorpommern seit 1990 

    Die rasante Entwicklung des Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern seit Beginn der 1990er Jahre basiert primär auf dem Potential "Wasser".1 Allgemein wird von der tragenden Säule des maritimen Tourismus für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes gesprochen. Während der Begriff "maritimer Tourismus" jedoch im erweiterten Sinne alle diejenigen Tourismusangebote umfasst, in denen das offene Meer, Küstengewässer, Seen, Flüsse und Kanäle die natürlichen Grundvoraussetzungen für Tourismusaktivitäten darstellen, beschränkt sich diese Arbeit primär auf den "Küstentourismus", und damit auf das offene Meer, die Küstengewässer und die unmittelbar an der Küste liegenden Landabschnitte.

    Mecklenburg-Vorpommern bietet besonders günstige natürliche Gegebenheiten für den Küstentourismus. So verfügt das Land über 340 km Ostsee-Aussenküste und rund 1130 km Boddenküste.2 Zu den maritim ausgerichteten Angebotsfaktoren im Küstenbereich gehören darüber hinaus wichtige kulturell-historische Segmente Mecklenburg-Vorpommerns. Dieses sind z.B. die Bauten und Stadtensembles der Hansezeit (wie die Innenstädte von Stralsund, Greifswald, Wismar und Rostock), die Bäderarchitektur und das typische Flair der Badeorte und Fischerdörfer. Bisher nur zum Teil touristisch genutzt werden dagegen industrielle Anlagen wie Großwerften in Wismar, Warnemünde, Stalsund und Wolgast, Seehäfen, Fischanlandungsplätze, Wassebauwerke, Leuchttürme u.ä.3

    Hieran knüpfen die sekundären Angebotskomponenten des Küstentourismus in Gestalt von ausgebauten und bewachten Stränden und Seebrücken, Campingplätzen an der Küste, Regattarevieren, Sportboothäfen, Schiffsanlegern, Surf-, Tauch - und Angelplätzen, Fähr- und Kreuzfahrtschiffen, Großseglern, maritimen Großevents usw. an. Unter dem Begriff des Küstentourismus sind somit durchaus heterogene Segmente zusammengefasst, die zum Teil eng untereinander verbunden sind, zum Teil aber auch nebeneinander stehen.

    Mittlerweile hat sich Mecklenburg-Vorpommern auf einem Spitzenplatz unter den beliebtesten Urlaubszielen der Deutschen etabliert. So war das Land im Sommer 2003 das beliebteste Ferienbundesland in Deutschland. Damals führten mehr als 20% aller Inlandsreisen in den Sommerferien in den Nordosten Deutschlands, die vormals beliebtesten inländischen Reiseziele, die Bundesländer Bayern und Schleswig-Holstein wurden auf die Plätze zwei und drei verwiesen.4 Auf das gesamte Jahr bezogen, hat sich das Land längst unter den "Top Ten" der beliebtesten Reiseziele der Deutschen etabliert. So zieht es mittlerweile mehr Deutsche nach Mecklenburg-Vorpommern als nach Frankreich, Griechenland oder Dänemark.

    Vergleicht man die Übernachtungszahlen der Jahre 1992 und 2003 (in Mio. 1992: 6,7; 2003: 22,0), so verzeichnet man bis dahin einen Zuwachs an Übernachtungen von 330%. Mit geschätzt 7,6 Mio. Touristen im Jahr zählt das Bundesland mittlerweile vier mal mehr Gäste als Einwohner. Damit hat Mecklenburg-Vorpommern die mit Abstand höchste Fremdenverkehrsintensität in Deutschland.5

    2003 lag der Anteil des Tourismus insgesamt am BIP (Bruttoinlandsprodukt) bei 10%. Jeder sechste Arbeitsplatz im Land hängt direkt oder indirekt mit dem Tourismus zusammen. Das Wirtschaftsministerium schätzt, dass im Jahr 2003 ca. 1.370 Unternehmen mit insgesamt 156 Mio. EUR Jahresumsatz dieser Branche zugeordnet werden konnten.6 Direkt und indirekt sind in der Tourismuswirtschaft des Landes über 130.000 Personen beschäftigt.

    In der Motivation der Gäste aus den alten und den neuen Bundesländern für ihren Urlaub in Mecklenburg-Vorpommern gibt es teilweise Unterschiede. So steht für die Gäste aus den alten Bundesländern die Landschaft/Natur (58,1%) an erster Stelle, an zweiter Stelle der maritime Tourismus in Form von Baden (31,3%) und an dritter Stelle das Motiv Ruhe und Erholung (30,4%). Die Gäste aus den neuen Bundesländern favorisieren als Urlaubsmotive vor allem den maritimen Tourismus in Form von Baden (49,9%), gefolgt von der Landschaft (44,5%) und Erholung (30,4%).

    Aus Analysen der Deutschen Zentrale für Tourismus ergibt sich darüber hinaus, dass Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen die meist besuchten Kulturziele Deutschlands sind. Für die Küstenregion Mecklenburg-Vorpommerns sind insbesondere die Hansesail in Rostock zu nennen, ein maritimes Event, das jedes Jahr über 1 Mio. Gäste anzieht, sowie die Störtebeker-Festspiele auf Rügen, mit rd. 300.000 Besuchern jährlich.

    Die Landestourismuskonzeption Mecklenburg-Vorpommern 2010 definiert Stärken und Schwächen des Landes in Bezug auf den Tourismus. Dabei werden als Stärken in Sachen Tourismus ausdrücklich genannt:7

    Als Schwächen des Tourismussektors werden folgende Punkte identifiziert:8

    Das Land Mecklenburg-Vorpommern hat also in den letzten Jahren hohe Anstrengungen unternommen, um die Tourismuswirtschaft zu einem der wichtigsten Wirtschaftssektoren zu entwickeln. Stärken und Schwächen sind deutlich herausgearbeitet. Dabei konzentrieren sich allerdings sowohl die Tourismusindustrie als auch die Politik derzeit sehr intensiv auf den Ausbau der o.a. Stärken bzw. auf die Reduzierung der Schwächen. Der globale Klimaaspekt und mögliche Auswirkungen spielen bei den Zukunftsüberlegungen für den Tourismus allerdings bislang nicht einmal eine untergeordnete Rolle. Die Entwicklungsperspektiven für den Tourismus im Land werden im Folgenden kurz dargestellt. Dieses sind die strategischen Herausforderungen, denen man sich derzeit stellt, sie sind es, die gegenwärtig bei den Überlegungen der Verantwortlichen dominieren.                 

                

                                         

    2.2  Perspektiven für die weitere Entwicklung des Tourismus in Mecklenburg-

           Vorpommern

    Die Tourismuswelt wird zunehmend komplexer und schnelllebiger. Für die weitere Entwicklung des Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern bis zum Jahr 2010 werden Prioritäten im Hinblick auf die weitere Erschließung von Marktpotentialen genannt. In diesem Zusammmenhang wird ein Produktportfolio für den künftigen Mecklenburg-Vorpommern-Tourismus definiert, das eine Reihe von Haupt- und Entwicklungsmärkten umfasst, die nachfolgend kurz dargestellt werden:9

    Unter strategischen Hauptmärkten werden solche Segmente verstanden,

    Als strategische Hauptmärkte werden folgende Märkte definiert:

    Dabei sind es insbesondere der Bade- und Wassertourismus, denen im Rahmen des Küstentourismus eine entscheidende Bedeutung zukommt. Auch der Campingtourismus kann -zumindest in Teilen- dem Küstentourismus zugeordnet werden.

    Strategische Entwicklungsmärkte sind in Abgrenzung zu den Hauptmärkten Segmente,

    Diese strategischen Entwicklungsmärkte sind u.a. deshalb auch für den Küstentourismus von Bedeutung, da sie zur Anreicherung bzw. zur Ergänzung auch des Tourismus an der Küste beitragen können. Zu diesen Entwicklungsmärkten gehören insbesondere folgende Bereiche:

     

     

    2.3. Einordnung und Gliederung des Tourismus in den Küstengebieten 

    Die nachfolgende Übersicht verdeutlicht die mit dem maritimen Toursimus verbundenen Angebote in Mecklenburg-Vorpommern:10

    (1) 

    Maritimer Tourismus im

    weiteren Sinne  

    (2) 

    Maritimer Toursimus im Sinne

    des "Landesgutachtens zur Entwicklung des maritimen Tourismus"

     

    (3) 

    Mit dem maritimen Tourismus verbundene Tourismusangebote in MV

     

    Strand-/BadetourismusWasserski Stadt- und Kulturtourismus 

    Campingtourismus am Wasser 

    Angeln/Fischen Fahrradtourismus 
    Standsport Schifffahrt Wandertourismus 
    Bootfahren Fahrgastschifffahrt Kur- und Gesundheitstourismus 
    Surven Fährpassagierschifffahrt Kongress- und Tagungstourismus 
    Segeln Hochseekreuzschifffahrt Wochenend-und Tagestourismus 
    Wasserwandern Flusskreuzschifffahrt Touristische Großprojekte  
    Hausboote Touristische Traditionsschifffahrt  Beherbergungswesen 
    Tauchen Maritime Veranstaltungen Gastronomie 
    Wasserski Maritimer Industrietourismus  
    Angeln/Fischen Maritimer Kulturtourismus  
    Fahrgastschifffahrt Bootstourismus/Wassersport  
    Fährpassagierschifffahrt Segeln  

    Touristische Traditionsschifffahrt 

    Wasserwandern  
    Maritime Veranstaltungen Hausboote  
    SchifffahrtsmuseenMotorboote  
    Maritimer Industrietourismus Tauchen 

    Die beiden Übersichten in den Spalten 1 und 2 zeigen die Vielschichtigkeit des Begriffs "maritimer Tourismus". Darüber hinaus wird aus Spalte 3 die enge Verknüpfung des maritimen Tourismus mit anderen Bereichen des Tourismus deutlich. Einbrüche, aber auch Boomphasen im maritimen (und damit natürlich auch im enger gefassten Küstentourismus) haben in der Regel immer auch Auswirkungen auf andere Bereiche des Tourismus im Lande.

    Durch eine gute Infrastruktur, 420 Marinas und 18.000 Liegeplätze an der Küste bietet Mecklenburg-Vorpommern ideale Bedingungen für Wassertouristen. Hinzu kommen rd. 14.000 Bootsliegeplätze im Binnenland. Die Anzahl der Wassertouristen, die jährlich das Land besuchen, wird mit rd. 150.000 geschätzt.11 

    Mecklenburg-Vorpommern besitzt in seiner Küstenregion unterschiedlich strukturierte Gewässertypen, die praktisch alle natürlichen Voraussetzungen für eine küstentouristische Nutzung bieten. Die Küstengewässer werden in sogenannte "wassertouristische Nutzungsgebiete" gegliedert (WTNG).12 Mit dieser Einteilung wird das Ziel verfolgt

    Die räumliche Gliederung in wassertouristische Nutzunsgebiete wird auf der Grundlage von Gewässerstrukturen vorgenommen, die für touristische Nutzungen nach Größe und Vernetzung relevant sind. Darüber hinaus werden gewässerangrenzende Gemeinden berücksichtigt, da vor allem die in diesen gewässernahen Bereichen vorhandene wassertouristisch attraktive, infrastrukturelle und kulturräumliche Potenziale nachgefragt werden. Als Gliederungsmerkmale für WTNG der Küstenregion werden berücksichtigt:

    Auch wenn der Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit ein anderer ist, wird aus Gründen der Systematik diese Gliederung im folgenden entsprechend übernommen. Schließlich sind es die hier genannten touristischen Zentren, auf die sich der Klimawandel entsprechend auswirken wird.

    Die Küstenregion wird danach in fünf WTNG gegliedert:13

    WTNG 1:Wismar

    Umfasst die Bereiche der Außenküste zwischen Pötenitz und dem Salzhaff (bis zur Ostgrenze der Planungsregion Westmecklenburg); mit Wismarer Bucht sowie mit den großen Angebots- und Nachfragezentren Hansestadt Wismar und Seeheilbad Boltenhagen.

    Der Synthesebericht "Maritimer Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern" weist in diesem Abschnitt für die Wismarbucht insbesondere die Wassersportarten Segeln und Fahren mit muskelgetriebenen Booten (z.B.Kanufahren) aus.14 Daneben wird dieser Bereich als eingeschränkt geeignet für die Fahrgastschifffahrt, sowie für das Befahren mit Motorbooten, für den Tauchsport und für das Surfsegeln identifziert. Nicht geeignet ist dieser Bereich für Sportarten wie Wasserski und Wassermotorrad. Neben natürlichen und rechtlichen Gründen sind es darüber hinaus auch naturschutzfachliche Argumente, die beide Sportarten in diesem Bereich in der Regel ausschließen.

    Die Gewässer der Außenküste des WTNG 1 sind besonders für alle Formen des Bootssports (einschließlich Segelsport), die Fahrgastschifffahrt, sowie den Tauchsport geeignet, alle weiteren Wassersportarten sind zumindest eingeschränkt möglich.      

    WTNG 2: Rostock

    Umfasst die Bereiche der Außenküste zwischen der Halbinsel Wustrow und Graal-Müritz (bis zur Ostgrenze der Planungsregion Mittleres Mecklenburg-Rostock) mit der Unterwarnow und dem Salzhaff sowie den Angebots- und Nachfragezentren Hansestadt Rostock/Warnemünde, den Ostseebädern Kühlungsborn, Rerik, dem Seeheilbad Heiligendamm sowie Graal-Müritz.

    Unterschieden wird hier in die beiden Bereiche Salzhaff und Außenküste. Für das Salzhaff werden insbesondere die Sportarten Kanu, Segeln und Surven genannt, wobei den letzten beiden Sportarten in diesem Bereich z.T. naturschutzrechtliche Gründe entgegenstehen. Die Gewässer der Außenküste sind in diesem Abschnitt für alle maritimen Sportarten sehr oder zumindest teilweise geeignet (letzteres gilt für Kanu, Surfen, Wasserski und Wassermotorrad).      

    WTNG 3: Darß/Zingst

    Dies sind die Bereiche der Außenküste von Fischland/Darß/Zingst sowie die inneren Küstengewässer des Saaler,- Bodstedter- und Barther Boddens und Grabow. Darüber hinaus gehören die Angebots- und Nachfragezentren Ribnitz-Damgarten, Barth und die Ostseebäder Dierhagen, Wustrow, Ahrenshoop, Prerow, Zingst sowie diverse lokale Kleinzentren im Boddenbereich dazu.

    Während die Bereiche der inneren Küstengewässer wegen des Nationalparkstatus der Vorpommerschen Boddenlandschaft für viele Wassersportarten zumindest Beschränkungen vorsehen, eignen sich die Gewässer der Außenküste für alle genannten Sportarten, insbesondere für die Bootssportarten und das Tauchen.15  

    WTNG 4: Rügen/Stralsund/Greifswald

    Umfasst Bereiche der Außenküste (besonders zwischen Kap Arkona und Mönchsgut) sowie Bodden (enschließlich des Greifswalder Boddens), Wieke, den Strelasund, den Mündungsbereich des Ryck (Bundeswasserstraße zwischen Greifswald und Greifswalder Bodden) und die Angebots- und Nachfragezentren Hansestsädte Greifswald und Stralsund, die Ostseebäder Binz, Sellin, Baabe, Göhren und Tiessow auf Rügen, sowie Lubmin (Greifswalder Bodden), Kloster und Vitte auf Hiddensee und andere lokale Kleinzentren.

    Im Bereich der inneren Küstengewässer sind es insbesondere das Kanufahren und -mit Einschränkungen- das Segeln, die durch den Synthesebericht als geeignete Sportarten besonders hervorgehoben werden. Wasserski und Wassermotorrad sind oft aus Gründen des Naturschutzes nicht möglich, auch wenn die sonstigen Gegebenheiten diese Sportarten durchaus zulassen würden. Alle weiteren genannten maritimen Sportarten sind i.d.R. -zumindest eingeschränkt- möglich. Für die Gewässer der Außenküste im WTNG 4 gilt, dass alle maritimen Sportarten i.d.R. möglich sind, für die Sportarten Kanu, Wasserski und Wassermotorrad gilt dieses mit Einschränkungen.   

    WTNG 5: Usedom

    Dazu gehören die Außenküste sowie die Bereiche Peenestrom, Achterwasser, Kleines Haff, die Mündungsbereiche der Uecker (Bundeswasserstraße zwischen Ueckermünde und Kleines Haff/Stettiner Haff) und die Angebots- und Nachfragezentren Wolgast, die Ostsee- bzw. Seeheilbäder Kröslin, Peenemünde, Karlshagen, Zinnowitz, Zempin, Koserow, Ückeritz, Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck.

    Die inneren Küstengewässer um Usedom eignen sich für alle bereits genannten maritimen Sportarten. Wasserski und Wassermotorrad sind jedoch aus naturschutzrechtlichen Gründen häufig nicht möglich. Die Gewässer der Außenküste eignen sich i.d.R. für alle maritimen Sportarten.

    Auf mögliche Konfliktsituationen zwischen maritimen Sportarten und dem Naturschutz, die in der Praxis natürlich häufig vorkommen und die oben z.T. angedeutet werden, wird hier aus Kapazitätsgründen nicht weiter eingegangen. Insgesamt bleibt für die wassertouristischen Potenziale der vorgestellten WTNG folgendes festzuhalten:16

    Die dargestellten Potenziale der WTNG der Küstenregion Mecklenburg-Vorpommerns zeigen, dass die sporttouristischen Nutzungsmöglichkeiten durch eine geringe Gliederung der Gewässer vor der Außenküste und durch eine starke Gliederung der binnenlandangrenzenden inneren Seegewässer mit Buchten, Bodden und Flussmündungsbereichen charakterisiert werden. Diese Potenziale sind in der Gesamtheit so vielfältig, dass praktisch für alle wassertouristischen Nutzungsformen Voraussetzungen bestehen.

    Als besonders vorteilhaft erweisen sich die Eignungsvoraussetzungen für seetüchtige Wasserfahrzeuge und damit für spezifische Zielgruppen des Wassertourismus an den Außenküsten der WTNG. Im Küstenmeer sind alle Voraussetzungen für vielfältige überregionale Schifffahrtsverbindungen (wie Fähr-, Fahrgast-, Kreuz-Küstenpassagierschifffahrt, Segeln, Motorbootfahren) zugleich aber ebenfalls für Wassersportaktivitäten mit größeren Raumansprüchen (besonders Funsportarten, wie Parasailing, Wassermotorradfahren/Jetski, Wasserski) gegeben. Dazu kommen andere meeresgebundene Nutzungen, wie z.B. Seeangeln und Wracktauchen. In den Außengebieten bestehen generell geeigente Voraussetzungen für die weitere Entwicklung von Funsportarten.17

    Besonders attraktiv sind die Segelreviere, die faktisch den gesamten Meeresraum vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns umfassen. Demgegenüber ist das Segelsurven stärker auf kleinere, relativ abgegrenzte Reviere mit geeigneten natürlichen Voraussetzungen (insbesondere Windstärke und -häufigkeit, Wellengang) eingegrenzt.

    Die inneren Küstengewässer bieten dagegen aufgrund ihrer starken Gliederung den historisch gewachsenen sowie dezentral entwickelten Angebotszentren für wassertouristische Leistungen stärker räumlich differenzierte Eignungsvorausetzungen für die Entwicklung des Wassertourismus, als die Bereiche der Außenküste.

    Eine weitere Stärke der Küstenregionen, die zwar nicht zum Bereich der maritimen Sportarten gehört, aber dennoch in diesem Zusammenhang erwähnt werden muss, sind die historisch-kulturellen Potenziale des Landes. Diese sind im Bereich der Küste wesentlich stärker ausgebildet, als in den Binnenregionen. So sind die hanseatischen Altstadtzentren (Wismar, Stalsund, Greifswald, aber auch Rostock), die Baukerne der Backsteingotik und anderer Stilepochen, die Bäderarchitektur des 19. und des 20. Jahrhunderts weitere Anziehungspunkte bzw. Ergänzungen für Küstentouristen. Hinzu kommen weitere touristische Angebote mit maritimem Bezug, wie Häfen, Museen (Meeresmuseum in Stralsund, Schifffahrtsmuseum in Rostock, Bernsteinmuseum in Ribnitz-Damgarten) und Großveranstaltungen (Störtebeckerfestspiele auf Rügen, Hanse Sail in Rostock).  

     

    1 DECKERS, Birgit: Wasser und Tourismus-eine erfolgreiche Verbindung. Der maritime  Tourismus im Küstenland, in HINSCHING, J. und STEINGRUBE W. (Hrsg.): Sporttourismus und Region. Das Beispiel Mecklenburg-Vorpommern. Hamburg (2004), 140ff.

    2 WIRTSCHAFTSMINISTERIUM MECKLENBURG-VORPOMMERN (Hrsg.): Entwicklungschancen des maritimen Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern, Synthesebericht.Schwerin (2000), 3.

    3 ebenda.

    4 STATISTISCHES LANDESAMT MECKLENBURG VORPOMMERN (Hrsg.): Daten und Fakten zum Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern. Rostock (2004), 1f.  

    5 ebenda.

    6 INDUSTRIE- UND HANDELSKAMMER ROSTOCK (Hrsg.): Maritime Wirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern. Rostock (2004), 35f.

    7 WIRTSCHAFTSMINISTERIUM MECKLENBURG-VORPOMMERN (Hrsg.): Landestourismuskonzeption Mecklenburg-Vorpommern 2010. Schwerin (2004), 27.

    8 ebenda.

    9 WIRTSCHAFTSMINISTERIUM MECKLENBURG-VORPOMMERN (Hrsg.): Landestourismuskonzeption 2010, 38f.

    10 INDUSTRIE-UND HANDELSKAMMER ROSTOCK, 35.

    11 ebenda.

    12 ebenda, 11ff.

    13 WIRTSCHAFTSMINISTERIUM MECKLENBURG-VORPOMMERN (Hrsg.): Entwicklungschancen des maritimen Tourismus, 12f.

    14 ebenda, 19 f.

    15 ebenda.

    16 ebenda, 23 f.

    17 ebenda, 24.  

     

             

    Bearbeiter: Steffen Thränert 

     

    Tipp: "Links" an der rechten Seite dieses Textes zur weiteren Themavertiefung! (8)

     

    3.   Globaler Klimawandel und Einfluß auf den Ostseeraum

     

    3.1. Anstieg des Meeresspiegels als Folge der globalen Klimaerwärmung

     

    Am letzten Oktobermontag des Jahres 2006 veränderte sich das Klima auf der Welt für die Öffentlichkeit. Da trat in London ein grauhaariger Mann mit einer randlosen Brille vor die Presse. Seine Worte waren klar, seine Botschaften alarmierend.

    Eine Zahl war es, die die gefühlte Temperatur auf dem Planeten schlagartig in die Höhe schießen ließ: 5,5 Billionen Euro. Nicholas Stern hat ein Phänomenen beziffert, das sich die meisten Menschen nur schwammig vorstellen können. Er hat komplexe physikalische Prozesse in eine Einheit umgerechnet, mit der die meisten Menschen täglich umgehen und die sie sich vorstellen können: Geld.

    5,5 Billionen Euro würde es kosten, wenn die Menschheit weiterhin zusätzlich so gewaltige Mengen von Klimagasen in die Atmosphäre pumpt. Das sind 20 % ihrer gesamten Wirtschaftskraft. Nur während der großen Depression der dreißiger Jahre hat die Weltökonomie in ähnlichem Umfang eingebüßt.

     

    Die Folgen des Klimawandels hat der ehemalige Chefvolkswirt der Weltbank penibel aufgelistet: Das Verdorren ganzer Landstriche, die Überflutung der Küsten, das Aussterben von Tier- und Pflanzenarten. Und all diese Schrecken und Katastrophen hat er jeweils schon für den Einzelfall mit einem Preisschild versehen. Zu zahlen nach Rechnungseingang am oben erwähnten 30.10.2006!

     

    Der Makroökonom hat damit das drängendste Umweltproblem unserer Zeit in die Sprache unserer Zeit übersetzt, in Geld. "Der Klimawandel ist das größte Marktversagen, das es je gab!".

    Umweltaktivisten jedenfalls fühlen sich bestätigt: Jetzt habe auch die Wirtschaft verstanden, was ihr jahrelang gepredigt wurde. Jetzt reiche es nicht länger, dass die Industriebosse nur ein "Windrädchen auf der Konzernzentrale" stehen hätten, das "knapp zur Beleuchtung der Vorstandstoiletten reicht", befand sogar das wirtschaftsfreundliche "Handelsblatt". Auch die Politiker müßten jetzt richtig ran. "Das Desaster wird sich nicht in einer Science-Fiction-Zukunft zutragen", sagte der britische Ministerpräsident Tony Blair. Der Premier stand zusammen mit Stern vor der Presse und nannte das 616-seitige Werk "den wichtigsten Bericht über die Zukunft" der Erde.

     

    Wie stets, wenn es um das Klima geht, ruft der Bericht auch Kritiker auf den Plan. Ganz gezielt habe Stern nur die düstersten Prognosen ausgewertet, meint etwa der niederländische Klimaökonom Richard Tool. Stern´s Resümee beschimpft er als "inkompetent". Dagegen lobt wiederum der Nobelpreisträger und Volkswirt Robert Solew Sterns Expertise als "ruhig, durchdacht und sorgfältig argumentierend". Als wohltuend empfinde er besonders Sterns Diktion die frei ist von moralinsaurer Untergangsrhetorik, wie sie oft in der Ökoszene benutzt wird.

    Stern macht vielmehr ganz nüchtern eine Kosten-Nutzen-Rechnung auf: Investitionen von einem Prozent der Weltwirtschaftskraft jährlich würden bereits reichen, um das Schlimmste noch abzuwenden. Dies ist eine frohe Botschaft! Die Investitionen in den Klimaschutz betrachtet er als ein riesiges Investitionsprogramm, welches die Wirtschaft zur neuen, grünen Blüte treibe. "Die Märkte für klimaschonende Technik könnten 2050 schon 550 Milliarden Dollar groß sein!", frohlockt Stern. Tony Blair ist von so viel Pragmatismus begeistert. Er stellte dem Volkswirt sogleich den wohl aktivsten politischen Handlungsreisenden in Sachen Weltklima, den Ex-Vizepräsidenten der USA Al Gore, zu Seite, damit sie zusammen den größten CO²-Produzenten der Welt, die USA, zur Mitarbeit bekehren.

    Von der britischen Insel weht nunmehr ein scharfer politischer Wind. Den bekam auch Bundeskanzlerin Angela Merkel zu spüren, als sie Anfang November von Tony Blair empfangen wurde. Er schwor sie gleich auf sein Ansinnen ein: Während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft und als Gastgeberin des nächsten G8-Gipfels müsse sie das Thema ganz oben auf die Tagesordnung heben.

    Ausgerechnet die Umwelt-Musterschüler aus Deutschland müssen nun also zusehen, wie sich die Briten zum Klimawächter des Planeten aufschwingen. Bisher reichte alle Umweltrhetorik nicht, um eine spürbare CO²-Reduzierung zu bewirken. Zu schnell wächst die globale Wirtschaft, zu schnell steigt der Wohlstand. Dies ist zwar zunächst positiv, bedeutet aber anderereits auch, dass die Treibhausgas-Emissionen der Industrie - und Schwellenländer steigen und zwar um 2,4 % seit dem Jahr 2000. Hauptursache ist vor allem der Verkehr mit plus 23,9 % seit 1990.

     

    Unter diesen dramatischen Vorzeichen hatten im November 2006 nun bis zu 6000 Delegierte auf der Weltklimakonferenz in Nairobi zu diskutieren. Zwei Fragen standen im Mittelpunkt: Wie lässt sich noch verhindern, das die Temperaturen auf der Erde noch um volle fünf Grad lt. "Worst-Case-Szenarium" steigen? Und wie sollte sich die Menschheit rüsten für eine Erwärmung von zwei Grad, die inzwischen als unabwendbar gilt?

     

    Dieses nämlich ist das Fazit von jahrzehntelanger Forschung über den Wandel im Treibhaus Erde. "Die Daten der laufenden Messungen haben unsere Hypothesen, die wir in den letzten zwanzig Jahren aufgestellt haben, weitgehend bestätigt", sagt Hans von Storch, deutscher Klimamodellierer der ersten Stunde und ein besonnener Geist in der oft hitzköpfigen weltweiten Klimagemeinde. Dies wird auch der Tenor des im Februar 2007 erscheinenden IPCC-Berichts der UN sein, den derzeit noch mehrere hundert Wissenschaftler als kleinsten gemeinsamen Konsens ihrer Erkenntnisse aushandeln.

    Das Kohlendioxid, das die Menschen zusätzlich in die Erdatmosphäre blasen, heizt die Atmosphäre auf, argwöhnte schon um die Jahrhundertwende der schwedische Nobelpreisträger Svate Arrhenius. Mit vier bis sechs Grad höheren Temperaturen rechnete er, falls der Mensch den CO²-Gehalt der Atmosphäre verdoppele. Der wohl erste Warner hieß Roger Revelle. Der US-Professor begann in den fünfziger Jahren in regelmäßigen Abständen auf den 4170 m hohen Vulkan Mauna Loa/ Hawaii Instrumente in den Himmel steigen zu lassen, um die Konzentration des Spurengases aufzuzeichnen. Die damit erhaltene Messkurve wies einen verwirrenden Trend nach oben auf. Revelle begriff rasch was das bedeutete: Etwas noch nie dagewesenes vollziehe sich auf dem Planeten, berichtete er in den siebziger Jahren vor dem US-Kongress. Zur gleichen Zeit jedoch spekulierte der angesehene US-Klimatologe über den Beginn einer neuen Eiszeit; ernst genommen wurde aber keiner von beiden.

    Erst in den achtziger Jahren nahm die Debatte Fahrt auf- auch auf Betreiben der Atomlobby. Die Nuklearfreunde hielten die drohende Erwärmung für das beste Argument für ihre emissionsarme Technik.

    Etwa zur gleichen Zeit begann der Aufstieg der Klimaforschung zur Milliarden-Dollar-Disziplin. Mit immer gewaltigeren Rechnern simulierten die Wissenschftler die Atmosphäre. Anhand von Eiskernen aus Grönland und der Antarktis rekonstruierten sie die Klimageschichte, mit Bojen und Ballons spürten sie den globalen Luft- und Wasserströmungen nach. So produzierten die Gelehrten all jene Mosaiksteine, die sich zum unheilvollem Bild zusammensetzen, das die heutige Debatte um den Klimawandel beherrscht. Zwar provozierte die Selbstgefälligkeit der Klimawarner, die die bevorstehende Sinnflut, hervorgerufen durch das Abtauen der Poleiskapppen in einem immer wärmeren Meer prognostizierten, Widerstand. Doch gehören die grundsätzlichen Kritiker zu einer verschwindenen Minderheit. Die Frage ist nur die Höhe der Temperaturerwärmung global und damit die Höhe der Folgen, z.B.: durch einen von ... bis ... höheren Meeresspiegel weltweit, für die Küstenanrainer.

     

    Vor zwei Jahren bekamen die Klimadissidenten noch einmal Aufwind. Michael Crichton, Bestsellerautor aus den USA, verfasste eine geschickte Mischung aus Fiktion und realen Fakten. Eine skrupellose Allianz aus Klimaforschern und Ökoaktivisten will eine Flutwelle auslösen, um die Menschheit aufzurütteln. Im Nachwort bezieht Crichton unmißverständlich Stellung: "Niemand weiß, inwieweit der derzeitige Erwärmungstrend vom Menschen verursacht wird." Den Kampf um die Bilder im Kopf der Bürger verlor er aber am Ende doch: An den Holllywood-Regisseur Roland Emmerich. Sein Film "The Day after Tommorow" schwelgt regelrecht in der Klimaapokalypse - erst versinkt die Erde unter einen enormen Flutwelle, dann erstarrt sie unter unter einem Eispanzer. Und: Nur ein Jahr später schien die Natur den Film bestätigen zu wollen: Hurrikan "Katrina" ertränkte New Orleans.

     

    Doch ist es wirklich zulässig, solche Katastrophen den Klimagasen anzulasten? Tatsächlich ist es unmöglich, einzelne Naturereignisse eindeutig auf den Treibhauseffekt zurückzuführen. Zuverlässige Aussagen können die Forscher nur über die Mittelwerte geben: Im Durchschnitt, so ihre Prognose, werde sich das Klima der Erde ändern, und zwar deutlich. Die Indizienlage dafür ist erdrückend.

     

    0,03 Prozent Kohlendioxid enthält die Luft, hieß und heißt es in den Schulbüchern. Dieses stimmt nicht mehr. Längst sind es 0,04 Prozent, eine Steigerung um mehr als ein Viertel. Und so winzig der Unterschied klingen mag: Er hat gewaltige Auswirkungen auf das globale Wettergeschehen. Denn wie das Glas eines Treibhauses im Garten, hindert das Kohlendioxid zusammen mit Wasserdampf und anderen Gasen die von der Erdoberfläche abgestrahlte Wärme daran, ins All zu dringen. Grundsätzlich ist das für das Leben auf der Erde gut, wenn nicht gar für unser aller Existenz notwendig, aber desto mehr wir selber als Gesellschaft Kohlendioxid in die Erdatmosphäre abgeben, desto mehr Wärme wird zusätzlich in der Atmosphäre zurückgehalten. Um rund ein halbes Grad ist dadurch die Erde heute wärmer als noch in vorindustrieller Zeit. Wird der Ausstoß von menschlich-industriell hervorgerufenen Treibhausgasen, zum Beispiel dem Kohlendioxid, nicht verringert, erwarten Experten bis 2050 ein Temperaturplus von zwei Grad Celsius. Im Jahr 2100 könnte die Erde sogar um fünf Grad wärmer sein als heute. Zum Vergleich: Auch zwischen der letzten Eiszeit und der Gegenwart liegt ein Temperaturunterschied von etwa fünf Grad.

     

    "Schon ein weiterer Anstieg um ein Grad Celsius bedeutet eine kritische Schwelle", urteilt Jim Hansen, Direktor des Goddard Institute for Space Studies der NASA. "Jenseits davon werden wir Veränderungen sehen, die die Erde zu einem anderen Planeten machen werden als denjenigen, den wir kennen". Hansen befürchtet wie viele Klmaforscher einen "Point of no return", der, einmal überschritten, zu positiven Rückkopplungen führen könnte, die sich selbst verstärken. Eine dramatische Beschleunigung der Erderwärmung erwarten die Forscher zum Beispiel, wenn die Permafrostböden der Tundren Sibiriens und Nordamerikas auftauen.

     

    Kilometertief ist dort das Erdreich gefroren. Doch diese Landschaft ächzt unter der neuen Wärme. Bis zu 90 % der steinharten Erde könnten noch in diesem Jahrhundert auftauen. Um mehrere hundert Kilometer nach Norden soll sich die Frostgrenze bald verschieben. Rückkopplungseffekte befördern das Tauwetter noch. Denn schmelzen Schnee und Eis in der Tundra, wird (dunklere) Vegetation sprießen. Die jedoch absorbiert die Sonnenstrahlung stärker, die Region erwärmt sich weiter. Das größte Problem allerdings lagert tief in den steinhart gefrorenen Böden: Geschätzte 400 Milliarden Tonnen Methan sind im Permafrostboden der Arktis gefangen, und dieses Gas ist noch weitaus "treibhauswirksamer" als CO². Wird bei Tauwetter auch nur ein Bruchteil davon frei, steigt die Welttemperatur entsprechend noch  weiter. Dann könnte selbst das "Worst-Case-Szenario" der Klimaforschung Wirklichkeit werden: Das Abschmelzen des grönländischen Eispanzers.

     

    Bis zu drei Kilometer dick und fünfmal so groß wie Deutschland ist das gewaltige Eisreservoir. Und es fängt bereits an, sich aufzulösen. "Die Eiskappe Grönlands schmilzt mit einer Geschwindigkeit von 235 Kubikkilometern jährlich, und auch am westantarktischen Eisschild hat man Anzeichen von Instabilität entdeckt", sagt der australische Foscher Tim Flannery, Autor des Buches "Wir Wettermacher". "Diese beiden Eismassen enthalten genug gefrorenes Wasser, um im Falle Ihres Abschmelzens den Meeresspiegel global um zwölf Meter anzuheben".  Werden also Tokio, Lissabon und New York bald in den Fluten versinken? 1000 Jahre werde es noch dauern, bis Grönland eisfrei werde, beschwichtigen Experten. Bis zum Ende des Jahrhundert rechnen Forscher aber dennoch schon mit einem Anstieg des Meeresspiegels von 10 bis 90 Zentimetern. Und selbst das wird die Weltgemeinschaft vor Probleme stellen.

     

    75 Millionen Menschen weltweit sind derzeit an den Küsten von sturmbedingten Überschwemmungen bedroht. Bei einem Meeresspiegelanstieg von 40 Zentimetern werde diese Zahl auf ca. 200 Millionen Menschen weltweit ansteigen, berichtet der wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung für Globale Umweltveränderungen in seinem letzten Gutachten: "Die Zukunft der Meere: zu warm, zu hoch, zu sauer". Mehr als 500.000 Menschen leben schon heute auf flachen Inseln wie den Malediven nur knapp über dem Wasserspiegel. In dem Inselstaat Vanatu finden die ersten Umsiedlungen auf höhergelegene Gebiete statt und auch in Indonesien führt der Meeresspiegelanstieg, hervorgerufen durch das "Global Warming", dazu, das "... wir mehrmals im Jahr unsere Dörfer verlassen müssen, weil das Meer immer weitere Teile des Strandes überflutet", wie ein Dorfvorsteher unweit von Jakarta vor Journalisten berichtete. Auch nimmt damit die Versalzung der Brunnen zu, Trinkwasser wird knapp.

     

    Singapur verzeichnete 2005 die größten Niederschlagsmengen seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Im Golf von Thailand messen Klimatologen inzwischen ein bis anderthalb Grad wärmeres Wasser. Vor verheerenden Auswirkungen auf das Festland warnt der thailändische Ozeanograf Anond Snidvongse: "Wir erwarten flutbedingte Erdrutsche im Norden Thailands und auch Bangkok wird wohl von nie gesehenen Überschwemmungen heimgesucht".

     

    Der Klimawandel, so scheint es, ist längst in der Lebenswirklichkeit vieler Menschen angekommen. Auch die Inuit der Arktis berichten von rasanten Veränderungen. Vogel- und Fischarten tauchen auf, für die es in Ihrer Sprache gar keine Namen gibt. Dagegen wird Jagdbeute (Robben, Walrosse, Eisbären) knapp, da deren Lebenszyklus eng an das Vorhandensein von Meereis geknüpft ist. Immer später kommt der Winter, die Eisschmelze immer früher, so daß sich zum Beispiel die Eisbären keine ausreichende Fettschicht für den Winter mehr anfressen können oder die Robben ihre Jungen nicht mehr auf dem Meereis rechtzeitig großziehen können, bevor die jährliche sommerlichen Meereisschmelze beginnt.

     

    Um 8% pro Jahrzehnt schmilzt die arktische Eiskappe inzwischen. Noch nie seit Beginn der Satellitenbeobachtung registrierten die Wissenschaftler weniger Meereis zwischen Grönland und Sibirien als im Sommer 2005: Im August 2005 überquerte die russische "Akademik Fjodorow" als erstes Schiff der Seefahrtsgeschichte ohne Eisbrecherhilfe den Pol. An Land kein besseres Bild: Der gesamte Wasserhaushalt der Arktis gerät durcheinander, wenn der Permafrostboden schmilzt. Ganze Seen versickern im Boden und die Flüsse schwellen an. Um 7 % hat sich die Wassermenge der sibirischen Flüsse,  die sich in das arktische Becken ergießen, in den letzten 60 Jahren erhöht.

     

    Dieses bedeutet gravierende Konsequenzen, nicht nur für die Region, sondern für das globale Klima. Sinkt nämlich durch den Süßwasserzufluß der Salzgehalt des Polarmeeres, könnte es im schlimmsten Fall sogar seine Funktion als Motor der globalen Ozeanzirkulation einbüßen, warnt Volker Rachold vom International Actic Science Committee. Zum Beispiel wäre der "Golfstrom" betroffen, welcher als warme Meeresströmung Europa sein mildes Klima beschert.

     

    Mehr Regen in den höheren Breiten, gleichzeitig viel weniger Regen in den ohnehin trockenen Zonen der Erde sind zu erwarten. Die Verlierer dieses Trends sitzen vor allen in den Entwicklungsländern. Mit bis zu 200 Millionen klimaflüchtigen Menschen rechnet der britische Ökologe Norman Myers. Fünfmal mehr Land als heute könnte schon 2050 unter extremer Dürre leiden, daruter die Mittelmeerregion (bisherige Tourismushochburg Europas), Gebiete in Afrika sowie Süd- und Mittelamerikas. "Schmelzende Gletscher werden in der Regenzeit das Überflutungsrisiko erhöhen; in der Trockenzeit wird sich die Wasserversorgung reduzieren, was schließlich einem Sechstel der Weltbevölkerung die Existenz bedrohen könnte", schreibt der Brite Stern in seinem Report. Versalzenes Trinkwasser, schlechte Ernten und Seuchenzüge seien mögliche Folgen. Laut einer Studie der WHO sterben schon heute jährlich mehr als 150.000 Menschen an den Folgen des Klimawandels und am dadurch hervorgerufenen Verlust ihrer Existenzbedingungen. Ursache dafür ist vor allem die Zunahme bestimmter Krankheiten, wie zum Beispiel der durch die Anophelesmückenausbreitung hervorgerufenen Zunahme der Malaria. Mit 40 - 60 Millionen  zusätzlichen Opfern allein in Afrika rechnet Stern bei einem globalen Temperaturanstiegs von 2 Grad.

     

    Die Lebenswelt spielt verrückt, sobald sich Temperatur- und Wasserhaushalt der Erde ändern. Zum Beispiel schwirrt immer häufiger das Taubenschwänzchen durch Norddeutschlands Vorgärten, ein Schmetterling, der eigentlich rund um das Mittelmeer heimisch ist. Von dort stammt auch ein  weiterer Neuankömmling,der inzwischen Brandenburg terrorisiert: Der Dornfinger, eine Spinne, die schmerzhaft beißen kann.

     

    Ohnehin Deutschland: Zu schön erscheint manchem die Aussicht auf Palmen an der Ostsee und plauschige Oktoberabende in Hamburger Strandcafés. Tatsächlich sind 2 - 3 Grad zusätzlich in Deutschland bis zum Ende des Jahrhunderts sehr wahrscheinlich - sehr zur Freude der Tourismusindustrie. Erkauft wird der Temperaturanstieg, den Prognosen der Klimaforscher zu Folge, allerdings durch mehr und stärkere Stürme, Hitzewellen, Sturmwellen an der Küste und Sturzregen. "Das Wetter wir einfach extremer", sagt Daniela Jacob vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg, Chefautorin einer im April vom Umweltbundesamt vorgelegten Studie mit dem Titel "Regionale Klimasimulationen für Deutschland, Österreich und die Schweiz". Die klimatische Fieberkurve der Nation bis zum Jahr 2100 haben Jacob und ihre Kollegen von einem Supercomputer errechnen lassen; 42.000 Gigabyte Klimadaten lagern nunmehr in einem Hamburger Unigebäude. Ein klarer Trend zeichnet sich dabei ab: Feuchtere, wärmere Winter und trockenere (und evtl. wärmere) Sommer als bisher. Regelrecht mediteran könnte es vor allem im Osten Deutschlands werden. Viel Sonnenschein ab sofort?

     

    Tatsächlich gehört Deutschland eher zu den Gewinnern des zu erwartenden Klimawandels. Vor allem die Hoteliers an der Ostseeküste dürfen frohlocken. Bis zu drei Grad wärmer dürfte es auf Usedom und dem Darß werden.

     

    In anderen Branchen ist die Stimmung durchwachsen. Freunde des deutschen Ökowaldes dürfte es freuen, daß die ungeliebte Fichte eines der ersten deutschen Opfer der hiesigen Veränderung sein könnte.  Aber diese "Bergbaumart" spielt an der Küste kaum eine Rolle.

     

    Dennoch lassen sich die Folgen des Klimawandels beliebig und bald unumkehrbar weltweit fortsetzen. So könnten vielleicht Stätten des Weltkulturerbes, wie Venedig,  in den Fluten versinken, stiege der Meeresspiegel auch nur um einen Meter. Ein Szenario raubt den Forschern aber vor allem den Schlaf: Jene Ökokatastrophe, die sich in den Ozeanen abzeichnet. Fische verändern ihre Züge, um wärmeren Wasser zu entfliehen. Giftige Algen sind auf dem Vormarsch. Die Korallenriffe sind gleich dreifache Verlierer des Klimawandels: Wird das Wasser wärmer, stoßen die Korallenpolypen ihre symbiotischen Algen ab und die Riffe bleichen aus; steigt der Meeresspiegel (schnell) an, versinken die auf Licht angewiesenen Lebensgemeinschaften in ewiger Dunkelheit; und löst sich zu viel CO² im Wasser, droht dessen Versauerung den Kalk der Korallentiere aufzulösen. Schon sind die Skelette der Korallen vielerorts messbar dünner geworden. Auch gepanzerte Planktoorganismen sind dadurch bedroht; und diese stehen am Anfang der gesamten ozeanischen Nahrungskette.

     

    Das Desaster in den Meeren kündigen die Forscher bereits seit Jahren an - Warum schlägt dann Professor Sterns Bericht solche Wogen? Denn in der Tat sorgte Sterns Bericht in Großbritannien für Aufsehen. Vieleicht war der Zeitpunkt gut gewählt. Brütend heiße Sommer, Wasserknappheit, und dann das Verbot den Rasen zu sprengen ("ein nationales Heiligtum"): All das verfehlte seine Wirkung auf die Volksseele nicht. Offenbar hat das Thema "Global Warming" in den vergangenen Monaten das Bewußtsein des "Insel-/ und Seefahrervolks" der Briten im Sturm erobert. Laut einer Umfrage vom September 2006 gilt Ihnen der Treibhauseffekt als "äußerst ernste Gefahr für die Zukunft des Planeten", weit vor Terrorismus und Krieg. Vielleicht weil die Klimaerwärmung und der mit ihr verbundene Meeresspiegelanstieg existentiell für uns alle ist?  (3)

     

    siehe Link: Ostseeraum (heutige Situation!!) (8)

    3.2. Was bedeutet dies für den Ostseeraum?

    Eigentlich kommt der Ostseeraum noch recht glimpflich davon. Der Meeresspiegel steigt in diesem Binnenmeer kaum im Verhältnis zu Nordsee und Atlantik. Nur: In diesem Jahrhundert nehmen die Wetterextreme zu, aber es wird eher mediteran. Für die Anrainer und Hoteliers nicht schlecht - für die Natur aber dennoch belastend: Die Ringelrobbe in der östlichen Ostsee ist bedroht. Sie zieht ihre Jungen auf dem Eis auf, was in der Binnensee bzw. im Brackwassermeer "Ostsee" bisher aufgrund der Wintervereisung möglich war. Die Dauer der Eisbedeckung könnte aber schon bald zu kurz sein für die erfolgreiche Jungenaufzucht. Auch die Algenblüte und das Vorkommen von Meereswürmern (Holzbohrwürmern, Schmarotzern usw.) könnten durch die Erwärmung der Luft und des Wassers der Ostsee zunehmen. Für die Ostsee nimmt dadurch die Wasserbelastung zu, allerdings nicht bedrohlich (eher bedrohlich für Hansekoggenwracks aus dem Mittelalter und damit für die Unterwasserarchäologie der Ostsee) Ausnahme: Wenn sich der Giftmüll, der nach dem 2. Weltkrieg in die Ostsee verklappt wurde sich lösen würde.

    Tatsächlich gehört Deutschlands Ostseeküste eher zu den Gewinnern des zu erwartenden Klimawandels. Vor allem die Hoteliers an der Ostseeküste dürfen frohlocken. Bis zu drei Grad wärmer dürfte es auf Usedom und dem Darß werden. Die Saison wird länger.

    In anderen Branchen ist die Stimmung durchwachsen. Stürme und Sturmfluten schaden den Hafenanlagen und der Schifffahrt bzw. der Fischerei, die sich auch noch mit einer sich langsam verändernden Meeresfauna konfrontiert sehen wird. Trotz Ferienfeierstimmung an Land wird die Grenzlinie "Küste" stärker bedrängt. Für die Anrainer heißt das: Küstenschutz.

    Häufigere "Tropennächte", in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad sinkt, sagen Forscher für den Ostseeraum Ende unseres Jahrhunderts voraus. Auch die Zahl der heißen Tage mit Temperaturen über 30 Grad wird sich beispielsweise in Rostock mehr als verdoppeln. Die jungen Spaßurlaubs-Touristen werden das begrüßen. Bei anderen Personengruppen, zum Beispiel Kurgästen, schwächst die Hitze möglicherweise die Lebensgeister. Die Urlauberströme werden sich also wohl ändern und mit diesen erfolgt eine Anpassung der Tourismusindustrie auf eine mehr und mehr (jüngere) "Fun-Sport-Tourismuswelle". Hoffentlich wird dieser Trend nicht verschlafen in Mecklenburg - Vorpommern!

    (1), (2), (4), (5), (6), (7) 

     

    3.3. Sonstige Effekte

     

    Welche weiteren Auswirkungen des Klimawandels sind zu erwarten (Sturmhäufigkeit, usw)?

     

    Unbedingt zur Vertiefung sich anschauen:

     

    siehe "Links": "Küstenschutzplan Mecklenburg-Vorpommerns"

                           "Klimawandeleffekte im Ostseeraum" !!!               (8)

     

    siehe Unterpunkt unter 3.1.: "Was bedeutet dies für den Ostseeraum?"

                                                  (sozusagen als Kurzzusammenfassung) 

    (3)

     

    Quellenangabe:

  • (1) AUTORENKOLLEKTIV, Europäische Kommission, Generaldirektion Umwelt, Referat Kommunikation (2005): "Umwelt für Europäer", Brüssel, Informationsheft
  • (2) AUTORENKOLLEKTIV, Europäische Kommission, Generaldirektion Umwelt, Informationszentrum (2005): "Qualität der Badegewässer der EU", Luxemburg, Informationsheft
  • (3) DER SPIEGEL , Zeitschrift (2006): "Achtung Weltuntergang - Wie gefährlich ist die globale Erwärmung wirklich?!", Internet (Abdruck von Professor Sterns Bericht)
  • (4) WEGENER, Uwe (1991): "Schutz und Pflege von Lebensräumen", Gustav Fischer Verlag Jena - Stuttgart
  • (5) BALZER, Konrad (1989):"Wettervorhersage - Fortschritte und Grenzen", Urania Verlag Leipzig-Jena-Berlin
  • (6) BONEWITZ, Michael (1994): "Kampfplatz Naturschutz", vgs verlagsgesellschaft Köln
  • (7) DÖRFLER, M./ E. (1989): "Zurück zur Natur?", Urania Verlag Leipzig-Jena-Berlin
  • (8) WIKIPEDIA, Suchmaschiene und Lexikon im Internet: "http://de.wikipedia.org/wiki/Portal: Geographie", Internet
  •  

    Tipp: Links am rechten Textrand beachten!  (3)

     

    4.     Auswirkungen des Klimawandels auf den Küstentourismus

     

    Bearbeiter: Steffen Thränert

     

    4.1.  Einfluß auf ausgewählte Sportarten

     

    -Bootssport

    Der Bootssport wird mehr und mehr nur etwas für "sichere Schiffe", wie zum Beispiel Yachten und Katamarane, werden. Dies hängt mit dem mehr und mehr unsicheren Wetter (Sturmböen u.ä.) zusammen, welche in vielleicht 100 Jahren die ruhige Ostsee trotz Binnen"meer"charakters, die auch für kleine Holzboote usw. bislang oft gängig ist, eher in die Wetterlage des jetzigen Mittelmeers mit Starkgewitterneigung verwandeln. Auf bisherigen Niveau bleibt der Bootssport aber insgesamt erhalten (Wassersport bleibt Wassersport-Hobby).

     

    -Surven

    Dürfte, trotz derzeitig sinkender Nachfrage, zunehmen: Mehr Wind, mehr Wellengang und wärmeres Wasser! Falls Surfen als Sportart nicht in der Versenkung verschwindet, sondern "up to date" bleibt, könnte die Ostsee der Nordsee in einigen Jahrzehnten durchaus Konkurrenz machen - und das ohne die dort "störenden" Wechsel von Ebbe und Flut.

     

    -Badetourismus

    Nimmt zu, schon durch das mittelfristig (max. 100 Jahre) um durchschnittlich 3 Grad wärmere Wasser; also nichts mehr mit "Eisbaden", sondern angenehme Freibad-Temperaturen! Somit könnte die Ostsee Nahziel für viele Mitteleuropäer werden, die es bisher mit Blick auf das Klima an der deutschen Ostseeküste eher zum Mittelmeer zog. Ob allerdings die Wassergüte (zum Beispiel eine evtl. verstärkte Algenentwicklung, sonstige Verschmutzungen usw.) dazu nicht konträr läuft, muß abgewartet werden.

     

    -Tauchen

    Wärmeres Wasser hat mehr Stoffe in sich gelöst; das Wasser wird also vermutlich trüber und damit werden die Chancen auf erlebnisreiche, klare Tauchgänge in der Ostsee geringer. Auch die Chancen als Taucher  Wracks zu besichtigen werden immer schlechter, denn durch das wärmere Wasser dringt aus der Nordsee ein untermeerischer Holzbohrwurm immer weiter in die Ostsee vor, der den hölzernen Anlagen an der Küste und den bislang gut erhaltenen Hansekoggenwracks am Grund der Ostsee zusetzt. Außer für "Fun-Taucher" und Experten der Bundesmarine werden die Bedingungen für zukünftige Taucherlebnisse nicht ausreichen. Daher ist damit zu rechnen, dass das zur Zeit steigend nachgefragte Tauchen einen Dämpfer erhält.

     

    (1), (2), (4), (5), (6) 

     

    Quellenangabe:

  • (1) NEUERBURG, Hans Joachim  (2006): "Tourismus - Sport -Umwelt", Rostock: Reader der Uni Rostock für Weiterbildendes Fernstudium Umwelt und Bildung
  • (2) SCHEIBE, Ralf (2006): "Wasser-Tourismus-Naturschutz-Wassersport-Klimawandel", Greifswald: CD-Rom der Uni Greifswald für Weiterbildendes Fernstudium Umwelt und Bildung der Uni Rostock
  • (3) WIKIPEDIA, Suchmaschiene und Lexikon im Internet: "http://de.wikipedia.org/wiki/Portal: Geographie", Internet
  • (4) AUTORENKOLLEKTIV, Verlagsgruppe Weltbild GmbH(2004): "Die Nationalparks in Europa", Augsburg: Naturführer
  • (5) AUTORENKOLLEKTIV, Europäische Kommission, Generaldirektion Umwelt, Referat Kommunikation (2005): "Umwelt für Europäer", Brüssel, Informationsheft
  • (6) AUTORENKOLLEKTIV, Europäische Kommission, Generaldirektion Umwelt, Informationszentrum (2005): "Qualität der Badegewässer der EU", Luxemburg, Informationsheft
  •  

     

    Bearbeiter: Walter Noack 

    4.2.  Auswirkungen auf die touristische Infrastruktur - das Beispiel Usedom

    4.2.1. Touristische Ausrichtung der Insel Usedom

    Neben Rügen gehört die Insel Usedom zu den wichtigsten Urlaubsgebieten und Ferienregionen in Mecklenburg-Vorpommern. Weit im Nordosten gelegen und mit 445 km2 räumlicher Ausdehung einen länglichen Landstreifen mit Außenküste an der Ostsee und Hinterland am Achterwasser und Peenestrom bildend, wird Usedom in jedem Jahr Ziel von immer mehr Urlaubssuchenden. Der Tourismus ist für die Mehrzahl der 30.000 Bewohner der Insel die wichtigste Erwerbsquelle, so wie er öffentlichkeitsbestimmend und deutschlandweit wirkend für das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern der dominierende Wirtschaftsfaktor insgesamt ist.1

    Usedom wurde von industrialisierungsbedingten Eingriffen weitestgehend verschont und war auch von Zersiedlungstendenzen wenig betroffen. Seit 1990 ist die gesamte Insel -einschließlich des küstennahen, ca. 15 km langen Festlandssaumes am Peenestrom- als Naturpark Insel Usedom ausgewiesen. Bedingt durch die extreme Längenausdehnung der Insel, sind die touristisch traditionell ausgebauten und intensiv genutzten strandnahen Gebiete mit dem stark ländlich geprägten Hinterland eng verbunden. Das Hinterland stellt sich als stark untergliederter, von Wäldern und Wiesen durchzogener Bereich dar, durch den die Insel bei aller Weltoffenheit und Modernität zugleich ein Flair von Urwüchsigkeit, Naturbelassenheit und Zivilisationsferne erhält. Insofern lädt die einzigartige Boddenlandschaft der Insel Usedom die Nachfrager eines bewegungsaktiven Urlaubsangebotes auch zu einer abechslungsreichen Zeitreise ein. Zum touristischen und sporttouristischen Grundkapital der Region gehören:

    Insgesamt kann festgestellt werden, dass die Insel über eine besonders günstige Ressourcenstruktur für den Sporttourismus bzw. den Sporturlaub verfügt. Darüber hinaus wird die starke Ausrichtung der Insel auf den Tourismus deutlich.             

     

    4.2.2. Prognostizierte Folgen des Klimawandels für die Insel  

    Eindeutige Aussagen über die konkreten Auswirkungen des Klimawandels und den dadurch induzierten weltweiten Meeresspiegelanstieg auf die Küstengebiete Mecklenburg-Vorpommerns gibt es bislang nicht. Auch der Generalplan Küsten- und Hochwasserschutz Mecklenburg-Vorpommern orientiert sich stattdessen an der bislang bekannten schwersten und messtechnisch sicher erfassten Strurmflut. Dieses ist die Strurmflut vom 12./13. November 1872.2 Aufgrund der seinerzeitigen Ereignisse werden Höhe und Umfang der Hochwasserschutzeinrichtungen dimensioniert. Insgesamt, so wird allerdings im Generalplan Küsten- und Hochwasserschutz festgestellt, ist das bestehende Küstenschutzsystem des Landes bereits heute unter Zugrundelegung des Bemessungshochwasserstandes nicht ausreichend. Als kritisch wird insbesondere der Hochwasserschutz zahlreicher Boddenküsten und mehrerer Küstenstädte bewertet. Neben dem hier offenbar bestehenden Nachholbedarf in Sachen Küstenschutz wird konstatiert, dass darüber hinaus auch die gegenwärtig gesicherten Außenküsten-Strecken ständiger Anstrengungen zur Erhaltung des Status-Quo bedürfen.3

    Der den derzeit gültigen Berechnungen zugrunde liegende Bemessungshochwasserstand kann täglich eintreten. Die großräumigen klimatischen Änderungen machen ihn heute sogar wahrscheinlicher als zu früheren Zeiten. Dabei verzichtet der Generalplan derzeit gänzlich auf die Einbeziehung von Prognosen eines verstärkten weltweiten Meeresspiegelanstiegs. Die gegenwärtige Küstenschutzplanung des Landes, in der die derzeitige Situation insgesamt als durchaus problematisch gesehen wird, hat demnach die Auswirkungen des weltweiten Klimawandels noch gar nicht in ihre Prognosen übernommen. Stattdessen wird festgestellt, dass "sollten der golbale Klimawandel tatsächlich so ausfallen, wie ihn einige wissenschaftliche Szenarien heute vorhersagen, der vorliegende Generalplan grundsätzlich zu übearbeiten wäre".4

    Der Klmawandel wirkt sich also  auch auf die Ostseeküste aus. Aufgrund der Temperaturzunahme kommt es zur Wärmeausdehung des Meerwassers und zu einem Meeresspiegelanstieg. Darüber hinaus wird der Meeresspiegelanstieg durch tektonische Senkungstendenzen im Bereich der südlichen Ostseeküste verstärkt.5 Gleichzeitig kommt es zu einer Zunahme im Auftreten von Sturmfluten und Starkniedeschlägen. Damit wird auch der Wirtschaftszweig Tourismus betroffen und dieses gleich auf zweierlei Weise. Zum einen von den Auswirkungen des globalen Klimawandels, d.h. von steigenden Wasserständen und Wetterturbulenzen (Sturm), zum anderen aber auch durch die notwendigen Maßnahmen des Küsten- und Hochwasserschutzes. So werden notwendige Deichneubauten- und erhöhungen, die Anlage von sonstigen Küstenschutzmaßnahmen usw. Einfluss auf das Landschaftsbild und evtl. auch auf die Möglichkeiten der touristischen Nutzung der Insel haben.

    In einer 2005 erschienenen Studie des Bundesumweltamtes wird ausdrücklich auf mögliche Folgen des Klimawandels für den Sommertourismus, insbesondere auf den Badeurlaub eingegangen.6 Dabei geht man eher von einer positiven Entwicklung für Deutschland aus. Höhere Temperaturen und geringere Niederschläge im Sommer erhöhen die Attraktivität deutscher Badeziele und können die Badesaison erheblich verlängern. Im Zusdammenhang mit einem Attraktivitätsverlust der klassischen Badeziele in der Mittelmeerregion durch Sommertemperaturen von z.Zt. über 40o C kann es zu einer Verlagerung des Sommertourismus aus südlichen Regionen nach Deutschland kommen. Der Klimawandel würde danach zu einer Verstärkung und Verlängerung der Saison auch auf Usedom führen, beides würde für die Region u.a. höhere Einnahmen und zusätzliche Arbeitsplätze bedeuten und damit zu einer positiven Gesamtentwicklung der Region beitragen.

    Demgegenüber stehen die negativen Auswirkungen des globalen Klimawandels. Auf der gesamten Insel Usedom sind im Regionalen Raumordnungsprogramm Vorpommern sogenannte Tourismusentwicklungsräume ausgewiesen. Diese sollen als Entlastungs- und Ergänzungsräume zu den Hauptferienorten weiterentwickelt werden, die Beherbergungskapazitäten dieser Bereiche sollen deutlich erweitert werden. Weiterhin wird angestrebt, die vorhandenen natürlichen und kulturhistorischen Potenziale der Insel stärker zu  nutzen und mit weiteren touristischen Angeboten zu ergänzen. In den Tourismusschwerpunkten besteht dagegen Vorrang für alle touristischen Vorhaben. Hier geht es insbesondere um die Sicherung, Verbesserung und ständige Weiterentwicklung dieses Wirtschaftszeiges.

    Da es bislang keine zuverlässigen Angaben über einen zu erwartenden Meeresspiegelanstieg gibt, kann allenfalls mit Vermutungen und Simulationen gearbeitet werden. Im folgenden wird dargestellt, wie sich ein Anstieg des Meeresspiegels von 25 cm, von 40 cm und von 80 cm auf die Insel auswirken würde.7

    Bereits ein Meeresspiegelanstieg von 25 cm hätte weitreichende Folgen für die Entwicklung des Tourismus auf der Insel. Eine Zerschneidung der Landschaft würde Einschränkungen in der Nutzung und Erreichbarkeit touristischer Angebote nach sich ziehen. Eine dauerhafte Überflutung dieser Flächen würde diese einer weiteren Nutzung durch den Tourismus entziehen.

    Ein Meeresspiegelanstieg von 40 cm würde in den Tourismusschwerpunkt-raum eingreifen, hier wären die Strandbereiche an der Außen- und Innenküste betroffen. Dieses hätte möglicherweise zur Folge, dass die dort befindlichen Hotels und Pensionen gefährdet wären.

    Im Falle eines Meeresspiegelanstieges von 80 cm käme es zu zahlreichen Durchbrüchen auf der Insel. Damit wäre nicht nur die weitere Entwicklung des Tourismus, sondern ebenso die Aufrechterhaltung der vorhandenen Infrastruktur nicht mehr möglich. Um ein solches Szenario zu beherrschen, wären Küsten- und Hochwasserschutz-maßnahmen zu ergreifen, die Umfang und Ausmaße der heute vorhandenen Schutzbauten weit übersteigen würden.

    In den Jahren 1991-2004 entfielen rd. 40% der Küstenschutzmaßnahmen in Mecklenburg-Vorpommern auf die Sandaufspülungen. Diese Maßnahmen dienen primär der Stabilität von Schutzbauten, darüber hinaus zeichnet sich gerade Usedom durch seine breiten Sandstrände aus, die für den Küstentourismus wichtig sind. Mit dem Anstieg des Meeresspielgels würde die Abrasionsrate (also der Abtrag von Sand durch das Meer) zunehmen, die Kosten für Sandaufspülen würden weiter steigen und letztlich nicht mehr in dem nötigen Umfang aufgebracht werden können. Dieses würde den Rückgang der Sandflächen an den Stränden beschleunigen, die Stabilität der Schutzbauten beeinträchtigen und hätte einen entsprechend negativen Effekt für die touristische Attraktivität der Insel. Insbesondere für den klassischen Badeurlaub hätte eine solche Entwicklung  sehr ungünstige Folgen.

    Der Nordbereich der Insel Usedom ist als Tourismusentwicklungsraum ausgewiesen. Er würde nach dem vorliegenden letzten Szenario (80 cm) komplett überschwemmt. Es ist davon auszugehen, dass sich Küsten- und Hochwasserschutzmaßnahmen schon aus Kostengründen künftig auf die zusammenhängend bebauten Bereiche beschränken werden. Damit wäre allerdings sichergestellt, dass die die touristische Infrastruktur in den Ortschaften selbst nicht gefährdet wäre. Das bisherige Entwicklungskonzept für den Tourismus auf der Insel wäre allerdings nicht mehr aufrechtzuerhalten, da das Umland als Entwicklungsbereich in Teilen ausfallen würde. Ein Bau weiterer Beherbergungsstätten wäre beispielsweise nicht mehr möglich. Darüber hinaus würde sich das naturräumliche Potenzial der Landschaft und die Zugänglichkeit bei dauerhaft überfluteten Flächen verändern. Ein Verlust an Aktivitätenraum würde sich ebenfalls negativ auf den Tourismus auswirken. 

    Für die Insel Usedom hat ein Klimawandel also sowohl Vor- als auch Nachteile. Mögliche Vorteile liegen eindeutig in einer künftig längeren Bade- und Wassersportsaison. Stabilere Wetterverhältnisse werden -verbunden mit einer erheblichen Erwärmung in den bisherigen alternativen Reisegebieten (z.B. Südeuropas)- zu einer höheren Attraktivität des Ostseeraumes und damit auch der Isel Usedom führen. Im Grunde gilt diese Aussage für alle Wassersportarten, insbesondere aber auch für den Badetourismus.

    Erhebliche Nachteile sind allerdings dann zu erwarten, wenn es zu einem stärkeren Ansteigen des Meeresspiegels kommen sollte. Eindeutige Aussagen über konkrete Szenarien sind derzeit nicht möglich, die skizzierten Alternativen würden jedoch zu Überflutungen von Teilen der Insel führen. Damit würde die bisherige regionale Entwicklungsplanung für die Insel in der vorgesehenen Form nicht mehr realisierbar sein. 

    Diese Aussagen gelten allgemein für alle Bereiche der Ostseeküste, für jede Region können Vor- und Nachteile des Klimawandels entsprechend dargestellt werden. Die Bedrohungsszenarien ändern sich je nach Küstensituation. Die mit einer Erwärmung einhergehenden Chancen für den Sommertourismus sind für den Küstentourismus des Landes insgesamt ähnlich ausgeprägt.      

         

    1 HINSCHING, J. u. STEINGRUBE, W.: Sporturlaub auf Usedom: Möglichkeiten eines Marktangebotes, in: HINSCHING/STEINGRUBE (Hrsg.): Sporttourismus und Region. Das Beispiel Mecklenburg-Vorpommern. Hamburg (2004), 91.

    2 UMWELTMINISTERIUM MECKLENBURG-VORPOMMERN (Hrsg.): Generalplan Küsten- und Hochwasserschutz Mecklenburg-Vorpommern (Online-Broschüre). Entwurfsgrundsätze im Küsten- und Hochwasserschutz von Mecklenburg-Vorpommern. Rostock (o.J.), 2.

    3 ebenda.

    4 ebenda.

    5 LANGE, Stefanie: Auswirkungen des globalen Klimawandels auf die Odermündungsregion unter besonderer Berücksichtigung des Küstenschutzes und dessen Folgen für den Tourismus. Geographisches Institut, Humboldt-Universität zu Berlin. Berlin (2006), 61 f.

    6 UMWELTBUNDESAMT (Hrsg.): Klimawandel in Deutschland. Vulnerabilität und Anpassungsstrategien klimasensitiver Systeme. Dessau (2005).

    7 LANGE, S.: a.a.O., 72f.

              

                  

     

     

     

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     Ihr  Bearbeiter Steffen Thränert

     

     

     

    5.  Handlungsempfehlungen

     

    Bearbeiter: Walter Noack

    5.1.  Handlungsempfehlungen  für politische Entscheidungsträger und Planer

    Einflüsse des Kilmawandels spielen derzeit für das Handeln und Planen der Verantwortlichen weder in der Politik noch in der Tourismusindustrie eine signifikante Rolle. In der vom Bundesumweltamt 2005 erstellten Studie wurden Experten aus sieben Bundesländern befragt, darunter auch Vertreter des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Die hier veröffentlichten Ergebnisse stützen diese Einschätzung.1 Während die Folgen für den Wintertourismus wegen steigender Schneegrenzen, einer künftig kürzeren Wintersaison und dem Ausweichen der Touristen auf schneesichere Gebiete (Hochalpen) als kritisch bewertet werden, sind die Reaktionen im Sommertourismus erher uneinheitlich. Maßnahmen zur Erhöhung der Attraktivität des Sommertourismus werden nicht mit dem Klimawandel begründet und z.B. mit der Tatsache, dass künftig mit einer Verlängerung der Bade- und Wassersportsaison zu rechnen sein wird, sondern mit der allgemeinen Notwendigkeit, den Tourismus und den Arbeitsmarkt zu fördern sowie mit der ständigen Aufgabe der Erneuerung und Entwicklung neuer Angebote im Tourismus. Der Klimawandel wird als Motiv für die Planung und Entwicklung von neuen Angeboten nicht genannt.2

    Eine der Hauptursachen für die geringe Umsetzung von Anpassungsmaßnahmen der Tourismusbranche liegt in der mangelnden Auseinandersetzung mit dem Thema Klimawandel. Andere Probleme (wirtschaftliche Entwicklung, Konkurrenz etc.) erscheinen oft dringlicher und es wird in relativ kurzfristigen Zeiträumen gehandelt bzw. argumentiert. In keiner Verwaltung, so das Resumee der Studie, nimmt das Thema Klimawandel derzeit einen "sehr wichtigen" Stellenwert ein. In den Tourismusressorts der Bundesländer scheint daher die Anpassung an die Folgen des Klimawandels momentan eine eher geringe Bedeutung zu haben.3

    Dieses Ergebnis trifft sicherlich auch auf den Küstentourismus in Mecklenburg-Vorpommern zu. Das Land hat es geschafft, sich bundesweit einen Spitzenplatz im Tourismus zu erarbeiten. Die derzeitigen Schwerpunkte bei  den tourismuspolitischen Aktivitäten liegen in der Fokussierung auf die Stärken des Landes sowie in der Suche nach neuen strategischen Marktsegmenten im Tourismus. Das Thema Küstenschutz spielt zwar in der öffentlichen Diskussion im Land eine wichtige Rolle. So fand im Herbst 2005 im Rahmen der Hochwasserschutzübung "Arche 05" die bis dahin umfangreichste Katastophenschutzübung an der Ostseeküste statt, in der das Zusammenwirken aller Katastrophenschutzkräfte systematisch geübt wurde. Auch hier spielte in der öffentlichen Wahrnehmung allerdings der Klimawandel als Ursache für eine mögliche zunehmende Gefährdung der Küstenregion keine Rolle. Der Generalplan Küsten- und Hochwasserschutz des Landes verzichtet bislang auf eine Berücksichtigung von Prognosen eines verstärkten Meeresspiegelanstieges, darüber hinaus wird ausdrücklich vermerkt, dass in Mecklenburg-Vorpommern das Gefährdungsbewusstsein bei der Bevölkerung und den zuständigen Verwaltungen geringer ist, als es dem tatsächlichen Schutzgrad enspricht. Dieses wird u.a. darauf zurückgeführt, dass entscheidende Sturmflutereignisse von der jetzt handelnden Generation meist nicht aus eigener Anschauung erlebt wurde.4

    Konkrete Handlungsempfehlungen erstrecken sich sowohl auf mögliche Chancen, die sich aus dem Klimawandel ergeben, als auch auf die Risiken bzw. negativen Effekte. Adressat der Handlungsempfehlungen sind im folgenden Politik und Verwaltung.

    Handlungsempfehlungen zur Beherrschung der Risiken:

    Klimaschutz: Die Priorität für die Politik muss weiterhin auf der Verfolgung von Strategien zur Vermeidung von Treibhausgasemissionen liegen. Selbst wenn es aber gelingt, Treibhausgasemissionen substanziell zu vermeiden und die Meeresspiegelleitplanke einzuhalten (d.h. den Meeresspiegelanstieg in bestimmten Grenzen zu halten), werden sich einige Auswirkungen des Klimawandels auf die Küstengebiete nicht mehr vermeiden lassen. Um diesen Auswirkungen zu begegnen, sind geeignete Anpassungsmaßnahmen erforderlich.5 Daher muss der Klimaschutz Bestandteil auch der regionalen Politik sein und bleiben. Im Regionalen Raumordungsprogramm und in den Regionalen Entwicklungskonzepten müssen der Klimawandel und seine möglichen Folgen für die jeweiligen Regionen thematisiert werden.6

    Information und Diskussion: Das Thema Auswirkungen des Klimawandels auf die Ostseeküste ist weder bei der potenziell betroffenen Bevölkerung, noch bei den örtlichen Verwaltungen präsent. Dasselbe gilt auch für die Tourismuswirtschaft. Hier besteht breiter Aufklärungs- und Diskussionsbedarf. Zwar lassen sich die Folgen eines Meeresspiegelanstiegs derzeit nicht konkret definieren, dennoch darf das Thema in der öffentlichen Diskussion nicht länger ausgeblendet werden. Der Zusammenhang zwischen dem globalen Klimawandel, dem Küstenschutz und dem Tourismus muss in den Medien entsprechend dargestellt werden. Dieses gilt insbesondere auch für die regionalen Medien.

    Einfluss des Meeresspiegelanstiegs auf die touristische Infrastruktur: Grundsätzlich ist bei der Beurteilung der Folgen des Meeresspiegelanstiegs und der zunehmenden Sturmfluten-und Hochwasserereignisse zu beachten, dass die Szenarien auf theoretischen Berechnungen beruhen und sich in der Praxis vermutlich in modifizierter Weise auswirken werden. Der natürliche Ablauf lässt sich nicht in all seinen Facetten simulieren, dafür ist die Wahrscheinlichkeit des Eintretens, das Maß des Auftretens, die Wirkung von Küstenschutzbauten und der natürlichen Gegebenheiten zu differenziert. Darüber hinaus zieht ein langsam ansteigender Meeresspiegel andere Konsequenzen nach sich, als ein kurzzeitig heftig auftretendes Sturmhochwasser. Auf das erstgenannte Ereignis kann  sich die Region einstellen und Maßnahmen ergreifen, einer Sturmflut lässt sich dagegen nur bedingt entgegenwirken. Die Unsicherheit in der Forschung schlägt sich ebenfalls in Form von Skepsis und Ignoranz in der Praxis nieder. Außerdem gestaltet es sich als schwierig, den heute tätigen Akteuren die Dramatik eines "im Jahre 2100 eintretenden Ereignisses" zu verdeutlichen. Letztlich muss mit unterschiedlichen Szenarien gearbeitet und anhand derer Aufklärungsarbeit geleistet werden. Mögliche Maßnahmen zum Schutz der touristischen Infrastruktur wären:

    Handlungsempfehlungen zur Nutzung der Chancen:

    Die genauen Auswirkungen des Klimawandels sind -wie gezeigt- nicht genau vorherseh- und kalkulierbar. Das bedeutet für den Küstentourismus, dass konkrete Folgen für einzelne Sportarten z.B. nur vermutet werden können. Entscheidungen für die Zukunft haben also bis zu einem bestimmten Umfang unter Unsicherheitsaspekten zu erfolgen. Für die Tourismusindustrie aber auch für die Politik heisst dieses, dass die künftige Ausrichtung des maritimen Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern breit angelegt werden muss. Klassische Bereiche des maritimen Tourismus sollten künftig stärker durch weitere Segmente ergänzt bzw. mit ihnen vernetzt werden. Beispiele für geeignete Zusatzelemente für den Küstentourismus sind der Gesundheits- und der Kulturtourismus. Beide Märkte sind nicht unmittelbar vom Wetter abhängig, darüber hinaus sprechen sie eine Zielgruppe an, der ohnehin eine immer stärkere Bedeutung zukommen wird, nämlich die der Senioren. Die Senioren der Zukunft sind reiseerfahren, umsatzstark und anspruchsvoll. Die Anbieter von touristischen Leistungen haben sich in Mecklenburg-Vorpommern erst ansatzweise auf die Bedürfnisse des am stärksten wachsenden Marktsegments für den Deutschland-Tourismus eingestellt.8 

    Vorbereitung auf eine unsichere Zukunft, das heißt für den Sektor Tourismus auch, sich möglichst breit aufzustellen und frühzeitig Alternativen z.B. zum klassischen Badetourismus zu entwickeln. Die Nutzung aller Möglichkeiten und Ressourcen, die sowohl die Küstenregion als auch das touristisch noch unerschlossene Hinterland bieten, das Einstellen auf neue Zielgruppen und das Schärfen der Tourismusmarke Mecklenburg-Vorpommern, dieses sind auch Maßnahmen, um den Unsicherheiten eines künftigen Klimawandels zu begegnen und die Tourismuswirtschaft insgesamt zukunftsfähig zu machen. Hier sind neben der Tourismuswirtschaft und ihren Interessenverbänden auch Verwaltung und Politik gefordert.  

     

    1 UMWELTBUNDESAMT (Hrsg.): Klimawandel in Deutschland, a.a.O. 146f.

    2 ebenda.

    3 ebenda, 147

    4 UMWELTMINISTERIUM MECKLENBURG-VORPOMMERN (Hrsg.): Generalplan Küsten- und Hochwasserschutz. Online-Broschüre. Schlußbetrachtung. Rostock (o.J.), 2.

    5 WISSENSCHAFTLICHER BEIRAT DER BUNDESREGIERUNG GLOBALE UMWELTVERÄNDERUNGEN (WBGU) (Hrsg.): Die Zukunft der Meere - zu warm, zu hoch, zu sauer. Sondergutachten. Brerlin (2006), 54.

    6 LANGE, S. a.a.O., 86.

    7 MINISTERIUM FÜR ARBEIT, BAU UND LANDESENTWICKLUNG MECKLENBURG-VORPOMMERN (Hrsg.): Standortkonzept für Sportboothäfen an der Ostseeküste. Schwerin (2004), 9 f.

    8  WIRTSCHAFTSMINISTERIUM MECKLENBURG-VORPOMMERN (Hrsg.): Landestourismuskonzeption Mecklenburg-Vorpommern 2010, a.a.O. 27 ff.           

                               

          

                                                   

     

     

     

    Bearbeiter: Steffen Thränert 

     

    Tipp:Zur Vertiefung am rechten Seitenrand die "Links" nutzen! (1)

     

    5.2. Handlungsempfehlungen für die Tourismusindustrie

     

    In erster Linie gehören zur  "Tourismusindustrie" alle am Massen-Tourismus mitverdienenden Einrichtungen und Anbieter für die gruppenweise anreisenden Touristen, also Hoteliers, die Fahrgastschifffahrt und die großen Sport- und Eventveranstalter, insbesondere in den Ostseeanrainerstädten, wie zum Beispiel Rostock.

    Möglich ist nur eine Einflußnahme auf den sogenannten "ausufernden" Massentourismus durch erstens den anlieger-politischen Willen "Was, wo und Wie will ich die Ostseeküste vor meiner Haustür nutzen ?" und den zweitens danach entsprechend festgelegten "Rahmenbedingungen", wie zum Beispiel Verkehrskonzepte, Einrichtungen von Ruheräumen, wie zum Beispiel Nationalparks und dies auch drittens unter Berücksichtigung des sensiblen Raumes Küste. Lezteres geschiet zum Beispiel durch das "Küstenschutzkonzept/ Generalplan Küste des Landes Mecklenburg - Vorpommern". Sonst wehrt sich die "Natur" ganz schnell. Und nicht zuletzt müßten alle Anlieger entlang der Küste viertens an einem Strang ziehen.

    Der Markt an sich (wo Nachfrage ist, wird auch ein entsprechendes Angebot unterbreitet) regelt den Rest in den möglichst festen Banden eines Rahmens zum Küstentourismus von ganz allein. Wenn zum Beispiel ein Hotelier eine entsprechende Nachfrage nach touristischen Leistungen erkennt, wird er diese Chance nutzen und sein Leistungsspektrum den geänderten Nachfragetrends anpassen.

    Die gegenwärtige Küstenschutzplanung des Landes Mecklenburg-Vorpommern muß vor allem die Prognosen eines sich weltweit andeutenden Meeresspiegelanstiegs erst einmal  in ihren Planungen berücksichtigen. Der den derzeit gültigen Berechnungen zugrunde liegende Bemessungshochwasserstand kann täglich eintreten; d.h. es steigt die Chance auf starke Sturmfluten extrem. Auch durch den mit einer durchschnittlichen Wasser- bzw. Lufttemperaturanstieg einhergehenden höheren Sturmhäufigkeiten bzw. Starkniederschlagshäufigkeiten wurde bislang keinerlei Beachtung geschenkt. Und schon in den nächsten Jahrzehnten wird diese jetzige Entwicklung unumkehrbare Realität vor Ort sein. Demzufolge müßten die gesamte Küstennutzung, Bebauungspläne (zum Beispiel die Prüfung von Marinas u.ä. im Ostseeraum auf deren "(Un-)Wetterfestigkeit" hin) schon jetzt Vorrang vor allen anderen Maßnahmen genießen. Nutzen kann und wird man die Ostsee auch weiterhin - aber mit verschobenen (Sicherheits-) -Schwerpunkten.

    Der Klimawandel wirkt sich eben auch auf die Ostseeküste aus, es gibt keinen wie auch immer gearteten Schutzraum. Aufgrund der Temperaturzunahme kommt es erstens zu einem Meeresspiegelanstieg global, demzufolge auch etwas gemildert im "Binnenmeer" Ostsee. Darüber hinaus wird der Meeresspiegelanstieg hier durch tektonische Senkungstendenzen im Bereich der südlichen Ostseeküste verstärkt.

    Und durch die Temperaturzunahme kommt es zweitens auch zu einer Zunahme im Auftreten von Sturmfluten und Starkniederschlägen. Damit wird auch der Wirtschaftszweig Tourismus betroffen und dieses gleich auf zweierlei Weise. Zum einen von den Auswirkungen des globalen Klimawandels, d.h. von steigenden Wasserständen und Wetterturbulenzen (Sturm), zum anderen aber auch durch die notwendigen Maßnahmen des Küsten- und Hochwasserschutzes. So werden notwendige Deichneubauten- und erhöhungen, die Anlage von sonstigen Küstenschutzmaßnahmen usw. Einfluss auf das Landschaftsbild und evtl. auch auf die Möglichkeiten der touristischen Nutzung der Ostseeküste haben.

    In einer 2005 erschienenen Studie des Bundesumweltamtes wird ausdrücklich auf mögliche Folgen des Klimawandels für den Sommertourismus, insebesondere auf den Badeurlaub an der Ostsee eingegangen. Dabei wird eher von einer positiven Entwicklung für die deutsche Ostseeküste ausgegangen. Höhere Temperaturen und geringere Niederschläge im Sommer erhöhen die Attraktivität deutscher Badeziele und können die Badesaison erheblich verlängern. Im Zusammenhang mit einem Attraktivitätsverlust der klassischen Badeziele in der Mittelmeerregion durch Sommertemperaturen von z.Zt. über 40o C kann es zu einer Verlagerung des Sommertourismus aus südlichen Regionen nach Deutschland kommen. Der Klimawandel würde danach zu einer Verstärkung und Verlängerung der Saison auch im deutschen Ostseeraum führen, beides würde für die Region u.a. höhere Einnahmen und zusätzliche Arbeitsplätze bedeuten und damit zu einer positiven Gesamtentwicklung der Region beitragen.

    Demgegenüber stehen die negativen Auswirkungen des globalen Klimawandels, die ob als Sturm, Flut oder Starkniederschlag immer wieder einmal in das Kontor "einschlagen" werden.

    Um die touristische Nutzung mehr zu streuen, sind im gesamten deutschen Ostseeraum im "Regionalen Raumordnungsprogramm Vorpommerns" sogenannte "Tourismusentwicklungsräume" ausgewiesen. Diese sollen als Entlastungs- und Ergänzungsräume zu den Hauptferienorten weiterentwickelt werden, die Beherbergungskapazitäten dieser Bereiche sollen deutlich erweitert werden. Weiterhin wird angestrebt, die vorhandenen natürlichen und kulturhistorischen Potentiale der Ostseeküste stärker zu  nutzen und mit weiteren touristischen Angeboten zu ergänzen. In den Tourismusschwerpunkten besteht dagegen Vorrang für alle touristischen Vorhaben. Hier geht es insbesondere um die Sicherung, Verbesserung und ständige Weiterentwicklung dieses Wirtschaftszeiges.

    Da es bislang keine zuverlässigen Angaben über einen zu erwartenden Meeresspiegelanstieg gibt, kann allenfalls mit Vermutungen und Simulatuionen gearbeitet werden. Bereits ein Meeresspiegelanstieg von 25 cm hätte aber schon weitreichende Folgen für die Entwicklung des Tourismus unmittelbar an der Küste. Eine Zerschneidung der Landschaft würde Einschränkungen in der Nutzung und Erreichbarkeit touristischer Angebote nach sich ziehen. Eine dauerhafte Überflutung dieser Flächen, zum Beispiel der flachen Sandstrände, würde diese einer weiteren Nutzung durch den Tourismus entziehen.

    Demzufolge müssen wir uns schon jetzt in der Region auf solche Entwicklungen einstellen. "Was wollen wir", "wohin wollen wir" ... mit dem Tourismus an der Küste ? werden Fragen sein, die sich jetzt schon stellen. Und danach müssen wir jetzt schon planen, was wir an der zukünftigen Entwicklung der Naturausstattung des Ostseeraums und damit der touristischen Nutzungsmöglichkeiten des Ostseeraums für bewahrenswert bzw. ausbauwürdig halten und was nicht. Wir können uns nicht alles leisten und uns von der demnächst neuen Ostsee nicht durch zig Meter hohe Dämme schützen, die uns von Wasser und Wind trennen. Denn damit ruinieren wir auch den Tourismus an der Küste. Wir müssen mit zukünftigen Entwicklungen leben und gleichzeitig lernen, wie man sie gestalten kann  - der Küstennatur und dem Tourismus zuliebe. Ergreifen wir den Klimawandel auch als eine Chance zum umzudenken.

     

    (2), (3) 

     

    Quellenangabe:

  • (1) WIKIPEDIA, Suchmaschiene und Lexikon im Internet: "http://de.wikipedia.org/wiki/Portal: Geographie", Internet
  • (2) AUTORENKOLLEKTIV, Europäische Kommission, Generaldirektion Umwelt, Referat Kommunikation (2005): "Umwelt für Europäer", Brüssel, Informationsheft
  • (3) AUTORENKOLLEKTIV, Europäische Kommission, Generaldirektion Umwelt, Informationszentrum (2005): "Qualität der Badegewässer der EU", Luxemburg, Informationsheft
  • Und ein letztes Mal: Ein "Link"! (1)

    Bearbeiter: Steffen Thränert

     

    6. Zusammenfassung und Fazit

    "Quo vadis": Küstentourismus in Mecklenburg-Vorpommern?

     

    Der globale Klimawandel wird auch Folgen für die Situation an der deutschen Ostseeküste haben. Genaue Aussagen über konkrete Szenarien sind derzeit nicht möglich, d.h. sowohl über eine Erhöhung des Meeresspiegels, als auch über Veränderungen der Großwetterlage sind bislang nur grobe Vorhersagen möglich. Hinzu kommt ein derzeit noch stark unterentwickeltes Bewußtsein in Politik, Tourismuswirtschaft und bei weiten Teilen der Bevölkerung für die Tatsache, dass es zu Klimaänderungen und damit zu entsprechenden Folgen auch für die südliche Ostseeküste kommen wird. Da der Klimawandel vermutlich zwar hinsichtlich seiner Dimension noch beeinflußbar ist, grundsätzlich jedoch Realität werden wird, sind Anpassungsmaßnahmen notwendig, um das für Mecklenburg-Vorpommern wichtige Segment Tourismus frühzeitig auf mögliche Veränderungen im Küstenbereich einzustellen. Eine Neuausrichtung des Tourismus findet zwar derzeit statt, die Gründe hierfür liegen allerdings nicht in einer ernsthaften Beschäftigung mit dem Phänomen Klimawandel, sondern in einem ständig schärfer werdenden Wettbewerb mit anderen Tourismusgebieten (z.B. auch Polen), mit Qualitätsüberlegungen, Veränderungen in der Struktur der Nachfrager (demographischer Wandel) usw. Notwendig ist daher jetzt bereits auch die Einbeziehung möglicher Folgen des Klimawandels in die Überlegungen über die Zukunft des Küstentourismus in Mecklenburg-Vorpommern. Der Klimawandel birgt -wie gezeigt- nicht nur Risiken für den Tourismus, sondern auch große Chancen.      

    Die Risiken durch frühzeitiges Reagieren zu beherrschen und die Chancen bewußt zu nutzen, das wird die Aufgabe von Politikern, Planern und Unternehmern auch mit Blick auf dem Klimawandel sein.

     

    Quellenangabe:

     

  • (1) WIKIPEDIA, Suchmaschiene und Lexikon im Internet: "http://de.wikipedia.org/wiki/Portal: Geographie", Internet
  •  

    Bearbeiter: Steffen Thränert / Walter Noack

     

    7. Literaturhinweise

     

    Teil Steffen Thränert:

    Teil Walter Noack: