Dieses Lernmodul wurde von dem Verein EUCC - Die Küsten Union Deutschland e.V. im Rahmen des Forschungsprojektes „Forschung für ein Integriertes Küstenzonenmanagement in der Odermündungsregion (IKZM-Oder)“ unter Einbeziehung der Forschungergebnisse des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung und anderer Forschungseinrichtungen erstellt.

1.1. 

Definition "Eutrophierung"

Es gibt eine große Zahl von unterschiedlichen Definitionen des Begriffs Eutrophierung. Dies ist sicher durch die unterschiedlichen Schwerpunkte, die die Autoren bei der Betrachtung dieses komplexen Phänomens setzen, zu erklären. Schwerpunkt dieses Lernmoduls ist das Management.

In Europa wird das Gewässermanagement maßgeblich durch die Gemeinschaftspolitik der EU gesteuert. Auf dieser Ebene findet sich die Definition von Eutrophierung in der Richtlinie über die Behandlung von kommunalem Abwasser (91/271/EWG) aus dem Jahr 1991:

"Eutrophierung: Anreicherung des Wassers mit Nährstoffen, insbesondere mit Stickstoff- und/oder Phosphorverbindungen, die zu einem vermehrten Wachstum von Algen und höheren Formen des pflanzlichen Lebens und damit zu einer unerwünschten Beeinträchtigung des biologischen Gleichgewichts und der Qualität des betroffenen Gewässers führt."

Diese Definition benennt Stickstoff und Phosphor als zentrale, zu managende Ursachen für Eutrophierung. Im Zentrum steht das Problem des "vermehrten" Algenwachstums. Eine Schwäche dieser Definition für die praktische Anwendung besteht jedoch darin, dass die Angaben nicht quantifizierbar sind.

Bei einem "vermehrten Algenwachstum" handelt es sich um eine relative Angabe. Es wird also davon ausgegangen, dass es einen Zustand mit geringerem Algenwachstum gibt, der den natürlichen Zustand ohne Einfluss des Menschen darstellt. In der Praxis ist dieser natürliche Zustand jedoch normalerweise unbekannt bzw. kann nicht nachträglich anhand von zielgerichteten Messungen beschrieben werden.

Darüber hinaus wird auf das biologische Gleichgewicht verwiesen und eine "unerwünschte Beeinträchtigung" desselben im Falle von Eutrophierung angenommen. Die Vorstellung, eine "unerwünschte Beeinträchtigung des biologischen Gleichgewichts eines Gewässers" in Form messbarer Größen darzustellen, fällt schwer. Greifbarer ist der Begriff der Gewässerqualität, die in vielen Gewässern bereits seit Jahrzehnten anhand ausgewählter Parameter wie Phytoplanktonkonzentration, Sauerstoffsättigung oder biologischem Sauerstoffbedarf erfasst wird. Um Eutrophierung eindeutig zu definieren, müssen für diese und ggf. weitere Parameter konkrete Referenzwerte festgelegt werden, anhand derer bestimmt werden kann, ob ein Gewässer von Eutrophierung betroffen ist oder nicht.

Die im Jahr 2000 erlassene EG-Wasserrahmenrichtlinie (2000/60/EG, WRRL) bietet hierfür eine konkrete Lösung an. Die WRRL sieht vor, spezifische Referenzwerte für die europäischen Gewässer - gruppiert nach Gewässertypen - zu ermitteln. Übergeordnetes Ziel der WRRL ist es, die Gewässer in einen "guten Zustand" zu versetzen, der mithilfe ausgewählter, standardisierter Indikatoren beschrieben wird.

Da es sich um eine rechtlich verbindliche Vorgabe handelt, die von den EU-Mitgliedstaaten umgesetzt werden muss, stellt die WRRL derzeit das wesentliche Mittel zur Verbesserung der Gewässerqualität in der Europäischen Union dar. Welche Schritte die WRRL vorsieht, wie die Referenzwerte bestimmt werden, welche Parameter sie erfassen und wie die Gewässerqualität praktisch verbessert werden soll, können Sie hier nachlesen:



Zusammenfassung

Die Komplexität des Prozesses macht eine Definition des Begriffes "Eutrophierung" vor einem bestimmten Hintegrund notwendig. Vor dem Hintergrund des Eutrophierungsmanagements, sind die vom Menschen verursachten Einträge von Stickstoff und Phosphor wesentlich.

Um festzustellen, ob ein Gewässer von Eutropierung betroffen ist oder nicht, bedarf es Referenzwerten für ausgewählte Schlüsselparamter. Diese müssen für Gewässer individuell ermittelt werden. Die EG-Wasserrahmenrichtlinie sieht genau dieses für alle europäischen Oberflächengewässer vor und ist daher derzeit das zentrale Instrument zum Eutrophierungsmanagement in Europa.