Disclaimer:
Der "Küstenatlas Ostsee" umfasst unabhängige regionale Module zu einzelnen Küstenzonen. Die einzelnen Module sind zum Selbststudium gedacht und richten sich an Fachleute, Studenten aber auch Touristen, die einen kurzen Überblick über die verschiedenen Küstenzonen der Ostsee erhalten möchten. Der Küstenatlas wurde von Studenten im Rahmen des Geographiestudiums an der Universität Kiel erarbeitet.

Darß-Zingster Bodden

Autoren
Uta Lungershausen & Stefan Weiel

Der Darss-Zingster Bodden ist ein wesentliches Glied der Vorpommerschen Boddenlandschaft in Mecklenburg Vorpommern und zugleich Teil der südlichen Ostseeküste. Erdgeschichtlich betrachtet, handelt es sich hierbei um eine sehr junge und dynamische Landschaft. Vor etwa 7000 Jahren übten die Strömungs- und Brandungskräfte der Ostsee zum ersten Mal Einfluss auf diesen Küstenraum und prägen seitdem die Küstengestaltung vor Ort. Einzigartige Lebensräume konnten sich im Laufe der Zeit etablieren, die besonders gefährdeten Vogelarten Rückzugsmöglichkeiten bieten. So ist die Halbinsel Darss-Zingst nicht nur bei Ornitologen bekannt als größter Kranichrastplatz Mitteleuropas.


Aufgrund seines einzigartigen Naturpotentials ist die Bodden- und Küstenlandschaft des Darss-Zingst Magnet für eine Vielzahl von Touristen. So strömen jährlich bis zu 280.000 Touristen (2002) auf die Halbinsel, um hier vor allem in den Ostseebädern Urlaub zu machen.

 

1. 

Kenndaten zur Region


Gebietsgröße:
  1. Fischland: 4.790 ha
  2. Darß/Zingst: 14.950 ha

Einwohnerdichte
  1. Fischland: 55 Ew/qkm
  2. Darß/Zingst: 163 Ew/qkm


Der Darß-Zingster Bodden liegt an der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns in dem Landkreis Nordvorpommern. Die wichtigsten, größeren Städte im Umland dieser Region sind die Hansestädte Stralsund und Rostock. Auf der Halbinsel selbst gibt es mehrere Ortschaften, die sich als Ostseebad auszeichnen dürfen. Dazu gehören Wustrow und Ahrenshoop auf dem Fischland sowie Prerow und Zingst auf der Darss-Zingster Halbinsel.

Die Küsten Mecklenburg-Vorpommerns weisen insgesamt eine Länge von 1711 km auf, wovon rund 1357 km Boddenküste und 354 km Ostsee- oder Außenküste sind. Die Küstenregion des Darss-Zingster Bodden umfasst etwa eine Fläche von 196 qkm und stellt damit einen wichtigen Teil der Ausgleichküste Mecklenburg Vorpommerns dar. Die Küsten sind vor allem durch die dynamischen Prozesse der Abtragung und Anlandung - also Erosion und Akkumulation - geprägt, so dass hier rund 40 km der ostseeseitigen Küste dem Prozess der Abtragung unterworfen ist und durch Uferrückgang gekennzeichnet sind. Anlandungsprozesse, d.h. Küstenzuwachs, dominieren einen etwa 16 km langen Küstenabschnitt.

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In den 4 Gemeinden der Halbinsel Prerow, Zingst, Born und Wieck leben insgesamt rund 8100 Menschen, wobei Zingst mit 3200 Einwohner die bevölkerungsreichste Gemeinde ist, gefolgt von Prerow mit 1800 Einwohnern. In der Gemeinde Born leben etwa 1100 und in Wieck nur knapp 750 Menschen.
 

2. 

Natur und Landschaft

Düne im Naturschutzgebiet Darßer Ort
 

2.1. 

Klima


Im Allgemeinen lässt sich das Klima der Küstenregionen der südlichen Ostsee in den Klimatyp der Gemäßigten Breiten einordnen. Dieses zeichnet sich vor allem durch deutliche jahreszeitliche Schwankungen mit hohen Temperaturunterschieden zwischen Sommer und Winter aus.

Die Boddenlandschaft Darß-Zingst und der Küstenraum Deutschlands im Allgemeinen wird zu dem Klimatyp „kühlen Westküstenklima“ zusammengefasst. Der stark maritime Einfluss des Westwindgürtels sorgt in diesen Gebiete der höheren mittleren Breiten (35°-60°) für ganzjährige Niederschläge. Des Weiteren manifestiert sich der temperaturausgleichende Einfluss der Ostsee in relativ geringen Temperatur-Jahresschwankungen (Amplitude = 17-18 °C).

Der maritime Einfluss äußert sich in durchschnittlich niedrigeren Temperaturen im Frühjahr und Sommer und durchschnittlich höheren Temperaturen im Herbst und Winter als weiter im Binnenland. Der wärmste Monat ist der Juli, der kälteste der Monat Januar. Die Mittelwerte der Jahressummen der Niederschläge betragen zwischen 500 und 600 mm.

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Das Klima der Küstenregionen lässt sich zudem im Vergleich zum Binnenland weiter durch folgende Merkmale abgrenzen:

  1. geringere Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht
  2. längere Sonnenscheindauer
  3. höhere Luftfeuchtigkeit
  4. größere Windgeschwindigkeiten



Das Küstenklima im Speziellen wirkt sich ca. 20 km ins Landesinnere aus und verliert dann seinen Einfluss. Eine noch geringere Ausdehnung hat der Einfluss des eigentlichen Strandklimas. Es wirkt sich nur etwa 100 m landeinwärts aus. Es zeichnet sich insbesondere durch eine stärkere UV-Strahlung sowie einen erhöhten Salz- und Jodgehalt in der Luft aus. Obwohl das Küstenklima als relativ regenreich gilt, zeichnet sich dieser unmittelbare Küstenbereich durch deutlich geringere Niederschlagsmengen aus.

 

2.2. 

Geologie und Entstehungsgeschichte

Darß

Erdgeschichtlich betrachtet, ist die Vorpommersche Boddenlandschaft eine sehr junge Landschaft, die zu großen Teilen erst nach der letzten Eiszeit entstanden ist. Seine Genese und Ausprägung ist in einem engen Zusammenhang mit der Entwicklung der Ostsee zu sehen. So sind wesentliche Ereignisse bzw. Voraussetzungen für die Entstehung der Darß-Zingster-Halbinsel nacheiszeitliche Meeresspiegelanstiege und –absenkungen, so genannte Transgressionen und Regressionen.

Die Ostsee ist vor etwa 12.000 Jahren nach der letzten Vergletscherung, der Weichsel-Eiszeit, entstanden. Mit dem Abschmelzen der Gletscher und mit dem daraufhin ansteigenden Meeresspiegel - der Litorina-Transgression -, drang das Meer zunächst langsam in den Ostseeraum vor. Zu dieser Zeit lag der Meeresspiegel noch weit unter dem heutigen Niveau.

Vor etwa 7.000 Jahren kam es zu einem relativ raschen Meeresspiegelanstieg, der das Meer bis in den heutigen Küstenraum vordringen ließ und große und vor allem tief liegende Bereiche von diesem überfluteten. Ausnahme bildeten einige höher gelegene Gebiete, die als Inselkerne zurückblieben. Häufig spricht man deshalb bei diesen Gebieten von „Ertrunkenen Grundmoränenlandschaften“. Zu diesen Inselkernen zählen das Fischland, der Westzingst und der Ostzingst (Sunnische Wiesen) sowie der spätere Altdarß. Diese Inselkette setzte sich mit dem Dornbusch (Hiddensee) und den Rügener Gebieten fort.
Die Inselkerne werden als Ausgangsbasis für die Boddenlandschaft und für die Entstehung der Darß-Zingster-Halbinsel verstanden. Denn diese waren nun den Strömungskräften der Ostsee ausgesetzt. Die wichtigsten Prozesse waren und sind noch heute die der Ausgleichküste, also:

  1. Prozesse des Küstenabtrags und


  2. Prozesse der Neulandbildung.



Durch diese Küstenprozesse kam es zur Ausbildung von Steilufern, bei denen eiszeitliche Sedimente, meist Geschiebemergel oder Schmelzwassersande, abgetragen, parallel zum Ufer verfrachtet und wiederum sortiert abgelagert wurden. Auf diese Weise entwickelten sich im Laufe der Zeit Steilküsten, Nehrungen und Haken. Bei der Neulandbildung (Haken und Nehrungen)entstehen durch das Auffüllen von Meeresbecken mit Sedimenten zunächst flachere Senken. Dabei handelt es sich um seichte Senken, die bei Niedrigwasser trocken fallen. Auf den trocken gefallenen Sandflächen können dann Strandwälle abgelagert werden und mit Hilfe des Windes Sand allmählich zu Dünen aufgeweht werden.

Auf diese Weise entwickelten sich vor rund 3000 Jahren an den Inselkernen zwei entgegengesetzt verlaufende Haken. Besonders groß war bei dieser Entwicklung die Abtragung des Fischland-Inselkernes. Der so entstandene Haken ist heute noch, ebenso gut wie das ehemalige Steilufer des Altdarsser Inselkernes auf dem Vordarß, gut erkennbar.


Vor etwa 800 Jahren wurden die langsam zusammenwachsenden Haken zu Nehrungen und zu Landbrücken von Inselkern zu Inselkern. Dies hatte zur Folge, dass die Boddengewässer immer weiter von der offenen See abgeschnitten wurden, sowie, dass der ehemalige Inselkerne Zingst von Dünensanden überdeckt wurde.

Heute zeigt sich von Graal Müritz bis zum Darßer Ort sowie zwischen Prerow und der Insel Bock im Osten eine fast durchgehende Ausgleichküste. Weite Strecken der Außenküste unterliegen dem Küstenabtrag, wie beispielsweise an der Westküste des Darss zu beobachten ist. Nur zwischen Darßer Ort und Prerow sowie östlich des Zingst, nahe der Insel Bock und Werder, ist ein Küstenzuwachs zu verzeichnen.
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Darßer Ort

Darßer Ort gilt als größtes Anlandungsgebiet in Mitteleuropa. Es ist in den letzten 300 Jahren etwa 2,5 Kilometer in Richtung Ostsee gewachsen. Die ungewöhnliche Wachstumsrichtung des Darßer Ortes, die sich nach Norden ausbildet, ist Resultat aus sowohl westlichen als auch östlichen Meeresströmungen. Die Sedimente, die hier angereichert werden, stammen hauptsächlich vom Weststrand des Darß (Hohes Ufer) und aus östlicher Richtung von der Nordseite des Zingst.

Es handelt sich um eine junge Dünenlandschaft, welche sämtliche Dünenstadien und dazwischen liegende Dünentäler sowie Verlandungsgebiete am Rand der Strandseen vereint.

Das ehemalige Kliff bzw. Meeresufer des Inselkerns Altdarß, welches sich mit dem steigenden Meeresspiegel vor 7000 Jahren herausbildete, ist heute immer noch zu erkennen. Dieses wurde mit der Ausbildung von Nehrungen und Haken dem offenen Meer und damit seiner Strömungsenergie entzogen. Nördlich des Altdarß schließt sich das relativ junge Gebiet des Neudarß an, dessen jüngstes Gebiet der Darßer Ort bildet. Der Neudarß ist strukturiert durch aneinander gereihte Strandwälle, an die sich lang gestreckte Senken anlagern, die man auch als Riegen bezeichnet. Diese Riegen stellen Senken oder ehemalige Strandseen dar, die wiederum durch Haken- und Nehrungsbildung mit der Zeit von der Ostsee abgeschlossen wurden. Diese Strandseen verlanden und die ältesten sind bereits vollständig zugewachsen. Die nassen bzw. feuchten Riegen des Neudarß sind demnach durch ihre Vegetation von den höher liegenden Strandwällen, Reffen, zu unterscheiden, vor allem durch Erlenbruchwälder.
 

2.3. 

Naturraum

Die Darß-Zingster-Boddenlandschaft ist erdgeschichtlich betrachtet eine sehr junge Landschaft. Sie ist geprägt durch aktive Abtragungs- und Ablagerungsprozesse.

Marine und terrestrische Lebensräume stehen hier in enger Vernetzung zueinander. Etwa die Hälfte der Region wird allein von Wasserflächen der Ostsee eingenommen. Charakteristisch für die Gebiete der südlichen Ostsee sind ausgedehnte Flachwasserzonen und ihre dazugehörigen terrestrischen und semiterrestrischen Lebensräume der Ausgleichküste wie Windwatte der Insel Bock, Haken und Nehrungen des jüngsten Anlandungsgebietes Darssser Ort, aktive Kliffs am Weststrand des Altdarß, Strände, Strandseen und Dünen. Die Boddengewässer zählen ebenfalls zu den Flachwasserökosystemen und gestalten wassernahe Naturräume wie Küstenüberflutungsmoore und Uferbereiche mit Brackwasserröhrichten.

Die terrestrischen Naturräume stehen in ihrer Vielfalt den marinen nicht nach, so findet man Waldökosysteme des Darßwaldes mit einem vollständigen Spektrum von Pionier- zu Hauptwaldstadien sowie Bruch- bzw. Moorwälder in enger räumlicher Nähe. Des Weiteren sind kulturhistorisch geprägt Offenlandschaften charakteristisch für die Halbinsel. In ihnen sind aufgrund extensiver traditioneller Landnutzungsformen wertvolle Lebensräume mit zahlreichen bestandsbedrohten Tier- und Pflanzenarten entstanden. Obwohl diese Offenlandschaften unter Naturschutz stehen, werden zum Erhalten z.B. von Salzgrasländern auf Inseln wie der Insel Kirr und entlang der Boddenküste extensive Landnutzungsformen weitergeführt.

Drei naturräumliche Beispiele:

1. Windwatte



Der Darß-Zingster Boddenkette ist ostseeseitig die Sandplatte der Insel Bock vorgelagert. Bei diesen Flachwasserbereichen handelt es sich um ein das Windwatt, welches in Abhängigkeit vom Wind und Tidegeschehen bereits bei mittlerem Wasserstand trocken fällt.

Die der Strömung exponierten Wattgebiete, also Bereiche mit stärkerer Brandung, sind im Wesentlich frei von Vegetation. In den strömungsabgewandten Windwattgebieten, mit Nähe zu den Bodden, sind die Flachwasserzonen schlick- und nährstoffreicher und bewachsen mit Röhrichten und anderen Makrophyten. An besonders schlickreichen Stellen können sich hier auch die salztoleranten Queller ansiedeln. Allgemein wird im Windwatt aber lediglich Deckungsgrade durch die Vegetation von 5-10 % vermutet.

Windwatte stellen extreme Standorte für Fauna und Flora dar. Pflanzen und Tiere, die sich hier eingenischt haben, müssen vor allem an schwankende Salzgehalte und einem Wechsel von Trockenheit und Überschwemmung angepasst sein. Sommerliche Verdunstung und Trockenfallen der Windwattflächen führt zu einer Zunahme des Salzgehaltes, wobei bei starken Regenfällen dieser Gehalt rasch verringert werden kann. Wie bei Extremstandorten üblich, können hier nur wenige Arten existieren, dafür aber in großen Massen (v.a. wirbellose Tierarten).

2. Strände, Sandhaken und Nehrungen



Eine Nehrung ist ein schmaler, meist aus Sand aufgebauter Strandstreifen, der flache Buchten weitgehend vom Meer trennt. Diese lang gestreckte Landzunge entsteht durch Strandversetzung. Hinter Landvorsprüngen oder Buchteingängen kommt es zum Nachlassen der Strömungskraft, so dass sich die Transportkraft erschöpft. Mit abnehmender Strömungsgeschwindigkeit wird hier Küstenmaterial – Sand – abgelagert. Es baut sich an dieser Stelle ein Nehrungshaken auf. Der Haken wächst weiter, so dass ein Haff bzw. eine Lagune entsteht. Wenn die Nehrung am anderen Ende wieder die Küste erreicht und damit dass Haff vollständig eingeschlossen wurde, entsteht ein Strandsee, der im Laufe der Zeit verlandet. Wird die Verbindung mit der Küste durchbrochen, spricht man von einer Nehrungsinsel.


Ausgedehnte Strandabschnitt mit Dünenentwicklung befinden sich auf der Darß-Zingster Halbinsel hauptsächlich auf der Ostsee zugewandten Seite, wie beispielsweise Darsser Ort oder der Weststrand des Darßes und auf dem Ostzingst die Hohe Düne. Die Bodden weisen nur kleine, schmale, meist auch grobsandige Strände mit Geröll auf. Die Strandgebiete schließen sich oft Windwatten oder sandigen Flachwasserzonen an und sind starken Winden, Sandüberwehungen, kurzzeitigen Überflutungen ausgesetzt.

Auch Strände sind für die meisten Arten lebensfeindliche Regionen und auch hier haben sich Spezialisten der Natur eine Nische gesucht. Typische Pflanzen sind hier der Meersenf, Salzkraut und Salzmiere, wobei der Meersenf und das Salzkraut Rote-Liste-Arten sind.

3. Wälder

Die Darßregion wird etwa zur Hälfte ihrer Fläche von Wald eingenommen. Die größten zusammenhängenden Waldgebiete sind der Darßwald auf dem Neu- und Altdarß mit einer Fläche von 5000 ha und der Osterwald auf dem Zingst, der eine Fläche von 800 ha.

3.1. Der Darßwald

Waldentwicklung am Darßer Ort


Auf dem Anlandungsgebiet des Darßer Ortes haben sich verschiedenste Waldentwicklungsstadien auf den sandigen Böden herausgebildet. In den geschützten Dünengebieten hat sich im Laufe der Zeit eine Primäre Kiefernwaldentwicklung stattgefunden. (siehe Exkurs: Sukzession)

In unmittelbarer Nähe zu den vegetationsfeindlichen Dünenlandschaften entwickeln sich zunächst nur kleine Kiefernformationen, die mosaikartig die Landschaft prägen. Neben den weitständigen, sehr knorrig aufwachsenden Kiefern kann sich hier ebenfalls Pflanzen aus Dünengesellschaften sowie Zwergstrauchheiden und Gebüsche durchsetzten. Die weit auseinander stehenden Kiefern, werden, aufgrund der Ausrichtung ihrer Krone mit dem Wind, auch Windflüchter genannt. Mit zunehmender Entfernung von der Küste schließen sich allmählich Kiefern zu einem dichten Pionierwald. Im weiteren Verlauf der primären Sukzessionsreihe dringen schließlich Laubbäume ein. Voran die Eichen und Ebereschen, die gut in den lichten Primärwäldern der Kiefern keimen können.


Wälder des Neudarß und Altdarß

Auf dem Neudarß sind aufgrund unterschiedlicher topographischer Verhältnisse, also aufgrund der Riegen und Reffen, unterschiedliche Waldtypen anzutreffen. In den feuchten Riegen, ehemalige Strandseen, haben sich infolge von Sukzession Erlenbruchwälder mit ihren typischen Pflanzengesellschaften ausgebildet. Auf den höher gelegenen, grundwasserferneren Reffen ist die Rotbuche dominant. Dass Buchestadium stellt zudem das Endstadium der Dünensukzession dar. Die Buche dringt dabei vom Süden her in die Kiefernbestände vor und breitet sich aus, allerdings muss eine ausreichend dicke Humusschicht vorhanden sein, damit sie sich ansiedeln kann.

Wo der Buchenwald an die Westküste trifft, kommt es auch hier zu Ausbildung von Windflüchtern. Die meisten Bestände dieses Laubwaldes sind aber infolge forstlicher Umnutzung in Kiefer- und Fichtenmonokulturen umgewandelt worden, deshalb sind naturnahe Buchenwälder mittlerweile nur an wenigen Stellen zu finden.
3.2. Der Osterwald

Der 800 Hektar große Osterwald befindet sich östlich der Ortschaft Zingst auf der gleichnamigen Halbinsel und war ursprünglich ein Eichen-Buchenwald. Als Folge anthropogener Nutzungen als Waldweide ist ein Großteil des ehemaligen Waldes zu verheideten Offenlandschaften degradiert. Eine Umnutzung in Monokulturen wurde auch hier durchgeführt.
 

2.4. 

Bodden und Ostsee

Die Bodden

Bodden sind flache Küstengewässer, die mit der Formung der Ausgleichküste entstehen. Als mit der Entstehung von Nehrungen und Haken die dem Festland vorgelagerten Inselkerne miteinander verbunden wurden, wurden gleichzeitig die dazwischen liegenden Gewässer von der Ostsee abgeschlossen. Auf diese Weise wurde der Saaler Bodden, Bodstedter Bodden , Barther Bodden und der Grabower Bodden durch die alten Festlandkerne der Halbinsel Darß-Zingst fast vollständig abgeschlossen. In jüngeren Entwicklungsstadien der Halbinsel blieben zunächst einige Verbindungen zwischen Ostsee und Boddengewässer erhalten. Diese Verbindungen nennt man Fluttore oder Seegatts . Die meisten dieser Fluttore wurden aus Gründen des Hochwasserschutzes geschlossen oder gingen nach schweren Sturmfluten verloren.

Bis 1872 verband noch der Prerowstrom die Bodden mit der Ostsee bis diese letzte Wasserverbindung nach der großen Sturmflut 1872 aus Gründen des Hochwasserschutzes geschlossen werden musste. Um die Boddenortschaften vor weiteren Überflutungen bzw. -schwemmungen zu schützen, wurde zudem ein Deich zwischen Prerow und Zingst errichtet. Mit diesen Schutzmaßnahmen ging Prerow allerdings seine Bedeutung als Hafenstandort verloren. Ein weiteres, ehemaliges Fluttor verläuft zwischen Stralsund und der Insel Hiddensee. Damit dieses als Wasserstraße dienen kann, sind stetig Fahrwasserarbeiten vonnöten. Damit die Fahrrinne nicht versandet und die Werderinsel und die Insel Bock mit Hiddensee zusammenwachsen, muss sie in regelmäßigen zeitlichen Abständen ausgebaggert werden.


Die Darß-Zingster Bodden sind gegliedert in vier einzelne Becken die durch mehrere schmale Überflüsse mit einander verbunden sind. Dabei wird der Saaler Bodden im Westen über die Borner Bülten vom Bodtstedter Bodden räumlich abgetrennt. Bei Bresewitz entlang der Insel Kirr und Oie schließt sich dann östlich der Barther und Grabower Bodden an, die dann wiederum über den Gellenstrom zwischen der Insel Bock und Hiddensee in die Ostsee münden. Zusammen ergeben die Bodden eine Fläche von 192 qkm.

Der Begriff „Bodden“ leitet sich aus dem niederdeutschen Wort für Boden ab und spiegelt ihre geringe Tiefe wieder. Die mittlere Boddentiefe in der Darß-Zingster Boddenlandschaft bewegt sich um 2 Meter oder weniger. Der Bodstedter Bodden erreicht eine maximale Tiefe von bis zu 10 Meter, der Barther Bodden von bis zu 6 Metern.



Durch Süßwasserzuflüsse von Festland sind die Boddengewässer mit der Zeit ausgesüßt und weisen einen geringen Salzgehalt auf. Der Salzgehalt der einzelnen Bodden schwankt jedoch je nach Ein- oder Ausstromsituation mit der Ostsee. Dieser erhöht sich jedoch von Westen nach Osten mit zunehmender Nähe zum offenen Meer. Das Wassereinzugsgebiet der Süßwasserzuflüsse der Darß-Zingster Boddenkette umfasst insgesamt rund 1600 qkm.

Die Küsten der Bodden sind durch eine Vielzahl von Buchten gegliedert und weisen einen unregelmäßigen Verlauf auf. Ungestörte Boddenufer sind geprägt durch weitläufige Schilfgürtel aus Schilfröhrichten.Die Schilfflächen sind vor allem von großer Bedeutung für Vogelarten, die sich an diesen Lebensraum angepasst haben. An anderen Stellen sind die Boddenufer von Weideland gesäumt.
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Die Bodden stellen sich weiter als Küstenbinnengewässer dar, die eine hohe biologische Produktivität aufweisen. Sie sind eine Senke für Nährstoffe und Sedimente und halten diese halten diese zunächst von einem Eintritt ins offene Meer fern, so dass die Ostsee länger vor zu hohen Nährstoff- und Sedimenteinträgen geschützt wird. Die hat jedoch eine Eutrophierung der Bodden zur Folge. Diese Eutrophierung ist einerseits natürlich bedingt, andererseits ist sie zurückzuführen auf einen unzureichenden Gewässerschutz und damit hohen Einträgen von z.B. Klärwasser und Düngemittel.



Die Ostsee

Die Ostsee war und ist noch heute Initiator der Küstenbildung und prägt seit ihrer Entstehung die mecklenburgische Ausgleichs- und Boddenküste. Neben den Boddengewässern stellt sie zudem einen sehr wichtigen marinen Lebensraum dar. Besonders die Flachwasserzonen der Ostsee sind essentiell für viele Lebewesen, vor allem für Wasser- und Watvögel.
Im "Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft" nimmt das Brackwassermeer mehr als die Hälfte der gesamten Nationalparkfläche ein.
 

3. 

Geschichte & Kultur

 

3.1. 

Geschichte

Die Geschichte des Darß/Zingst reicht weit zurück. Funde aus der Stein- und Bronzezeit belegen, dass das Gebiet auch schon zu vorgeschichtlicher Zeit, zumindest zeitweise besiedelt gewesen ist. 1046 wird Pommern in den „Annales Altahenses“ zum ersten Mal urkundlich erwähnt. "Pommern" bedeutet "Land am Meer". Den Namen gab dem Lande das westslawische Volk der Pomoranen ("Leute am Meer"), welche sich hier seit dem frühen Mittelalter angesiedelt haben.
In der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts entwickelte sich im westlichen Teil des pomoranischen Siedlungsgebietes das Herzogtum der Greifen. Ihr erster gesicherter Vertreter war Wartislaw I. Anfang des 12. Jahrhunderts unterwarf der piastische Polenherzog Boleslaw III. Schiefmund das gesamte Siedlungsgebiet der Pomoranen. Er leitete die Christianisierung Pommerns ein.

Die politischen Bindungen an Polen lösten sich schnell wieder auf, und Pommern geriet in den Strudel der Auseinandersetzungen des Sachsenherzogs Heinrich des Löwen mit Dänemark um den Einfluß an der südlichen Ostseeküste und stand ab 1164 unter sächsischer Oberhoheit. Nach Heinrichs Sturz ließ sich Herzog Bogislaw I. 1181 vor Lübeck von Kaiser Friedrich I. Barbarossa mit Pommern belehnen, das dadurch zum erstenmal mit dem Reich in eine unmittelbare rechtliche Beziehung trat. Doch schon 1185 mußte sich Bogislaw dem Dänenkönig unterwerfen. Bis zum Zusammenbruch der dänischen Großmachtstellung im Ostseeraum (Schlacht bei Bornhöved 1227) blieb Pommern von Dänemark abhängig. Die Besiedlung Pommerns mit deutschen Bauern und Bürgern, die im 13. Jahrhundert einsetzte, veränderte das schwach bevölkerte Land von Grund auf.In die neugegründeten oder zu deutschem Recht umgesetzten slawischen Orte wurden vielfach die ansässigen Slawen sofort einbezogen und nicht selten der slawische Ortsname übernommen (z.B. Wustrow, Prerow); oftmals blieben die Slawensiedlungen neben den deutschen bestehen. Vertreibung der slawischen Bevölkerung kam nirgends vor. Die zahlenmäßige Überlegenheit der Deutschen führte zur sprachlichen Assimilierung der Slawen. Die Eindeutschung Vorpommerns war noch vor dem Ende des 13. Jahrhunderts abgeschlossen.
Nach dem Aussterben des Greifenhauses 1637 hätte das Land vertragsgemäß an Brandenburg fallen müssen. Doch standen bereits seit 1631 die Schweden im Land und dachten gar nicht daran, es aus der Hand zu geben. Die schrecklichen Kriegsereignisse des 30 Jährigen Krieges löschten die Bevölkerung zu fast zwei Dritteln aus. Am Ende des Krieges war "Pommerland abgebrannt". Durch den Osnabrücker Friedensvertrag fiel nur Hinterpommern an Brandenburg, während ganz Vorpommern und ein Streifen rechts der Oder an die Krone Schwedens kam. "Schwedisch Pommern" war mit Schweden in Personalunion verbunden: Der König von Schweden war auch Herzog von Pommern und als solcher deutscher Reichsfürst; Vorpommern blieb Reichsterritorium. Während des Siebenjährigen Krieges (1756-63) war Vorpommern Ort von Kampfhandlungen zwischen Schweden und Preußen. In der Napoleonischen Zeit erlebte Schwedisch-Pommern eine mehrjährige französische Besetzung. 1815 (Wiener Kongreß) fiel der nördlich der Peene liegende Teil Pommerns mit Stralsund, Greifswald und der Insel Rügen, bisher schwedisch, an Preußen. Die auf dem Darß/Zingst gelegenen Siedlungen weisen einen ähnlichen Charakter auf, da sie sich von Bauern- und Fischerdörfern allmählich zu Seefahrerorten und nach dem Rückgang der Segelschiffahrt zu Seebädern entwickelten.
 

3.2. 

Kulturelle Besonderheiten


Eine Besonderheit der Orte auf dem Darß, sind die vielen, so unterschiedlich, aber liebevoll gestalteten Haustüren. Mit dem wirtschaftlichen Wandel der Zeit, ausgehend von der bäuerlichen Struktur über das Seefahrerdorf zum Urlauberort, ging auch ein Wandel der in den Dörfern verbreiteten Hausformen einher. Mit dem Umschwung von der bäuerlichen Wirtschaft zur Seefahrt und zum Schiffbau hat sich dann ein neuer Haustyp verbreitet.

Typisch für diese Häuser sind, die tragenden Außenwänden, das Krüppelwalmdach und dass die breite Seite der Straße zugewandt ist. Dadurch hat die Haustür eine besondere Bedeutung - sie ist Mittelpunkt der Fassade und Haupteingangstür. Demzufolge wurden diese Türen mit besonders aufwendigen Oramenten gestaltet. Diese Verzierungen sind aber nicht nur dekorative Elemente, sondern haben auch unterschiedliche Bedeutung. So ist der Lebensbaum das Sinnbild für Lebensenergie, das Kreuz - die Abwehr des Bösen und der Anker - zeigt die Verbundenheit mit der Seefahrt.
Kapitänshaus in Zingst
 

4. 

Wirtschaft und Tourismus

 

4.1. 

Tourismus

Die Geschichte des Tourismus auf der Halbinsel Darß/Zingst beginnt bereits im 19.Jahrhundert mit der Errichtung von Ostseebädern in den Gemeinden Zingst, Prerow und Wustrow. Auch die Gemeinden Ahrenshoop und Dierhagen eröffnen kurze Zeit später ihre eigenen Seebadeanstalten, um an dem Geschäft mit den stetig wachsenden Gästezahlen teilzuhaben Ihre langen unberührten Strände bieten dafür beste Voraussetzung. Die 1910 fertigstellte "Darßbahn" zwischen Barth - Prerow führt zu einer erheblichen Steigerung der Gästezahlen. In der Zeit von 1935 –1939 wird der Badebetrieb hauptsächlich durch die KdF- Programme der Nationalsozialisten organisiert und kommt während der Kriegsjahre nahezu vollständig zum erliegen.1948 wird der Badebetrieb durch den staatlich organisierten FDGB- Feriendienst wieder aufgenommen und in der Saison 1951 konnten bereits wieder 11.000 Gäste gezählt werden.
Die Darß/Zingst- Region entwickelte sich in der DDR zu einer sehr beliebten Ferienregion und bescherte den Orten Prerow und Zingst jährlich zwischen 60.000 und 70.000 Urlaubsgäste. Einen hohen Stellenwert nimmt der Campingtourismus ein.
Die Wiedervereinigung brachte weitere Steigerungen in den Gästezahlen und einen deutlichen Ausbau des Bettenangebots. Eine deutliche Attraktivitätssteigerung erhielt die Region durch den 1990 ausgewiesenen Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft. Ein Hauptaugenmerk liegt seit dem auf der Entwicklung zum naturnahen „sanften“ Tourismus. 1997 werden diese Bemühungen belohnt und die Gemeinde Zingst erhält den Bundespreis „Umweltfreundlicher Fremdenverkehrsort“. Auch das Kur- und Reha Angebot wurde Mitte der 90er erheblich ausgebaut, so dass heute 8 Kliniken mit unterschiedlichen Behandlungsschwerpunkten auf dem dem Darß zu finden sind
Die Bedeutung und Entwicklung des Tourismus in dieser Region wird 1994 im Regionalen Raumordnungsprogramm Vorpommern, durch die Landesregierung festgesrieben. Alle an den Nationalpark Nationalparkangrenzenden Landflächen sind entweder Tourismusschwerpunkt- oder Tourismusentwicklungsräume. Hier soll der Tourismus in besonderem Maße als Wirtschaftszweig gesichert und entwickelt werden. Seine Belange haben hier Vorrang vor denen anderer Wirtschaftsbereichen.
So gefördert stiegen die Gästezahlen bis 2000 auf knapp 140.000, und hier wurden die Campingurlauber und die Gäste in Herbergen mit unter 9 Betten noch nicht mitgezählt. Die Hauptreisezeit auf dem Darß ist die Sommersaison von Mai bis Oktober, wobei die durchschnittliche Aufenthaltsdauer 4,5 Tage beträgt. Gemessen an der gesamt Bettenzah1 von knapp 13200 (ohne Campingplätze) ergab sich damit für das Jahr 2000 eine mittlere Auslastung von 36,1 %. Deutlich erkennen lassen sich 4 verschiedene Besuchertypen.
Urlauber: Hier dominiert der 14-Tage-Aufenthalt, allerdings mit abnehmender Tendenz. Stranderlebnis, Natur,Klima, Landschaft, Ruhe und Erholung sind wichtige Reisemotive.
Kurgäste: Die Aufenthaltsdauer beträgt drei bis vier Wochen. Aufgrund umfangreicher Planungen in der Region Darß/Zingst ist mit einer weiteren Erweiterung des Angebots in diesemSektor zu rechnen.
Kurzurlauber/Wochenendgäste: Sie bleiben zwei bis vier Tage. Einen starken Anteil haben Sportbegeisterte (Badegäste, Surfer, Segler). Ansonsten finden sich wie bei den Urlaubern die Motive Natur, Landschaft, Ruhe und Erholung.
Tagesausflügler: Die Aufenthaltsdauer der Tagesausflügler beträgt durchschnittlich 4 bis 6 Stunden. Es dominieren im Sommer Bade-/Strandgäste und Sportbegeisterte. Eine schon heute bedeutsame Gruppe sind aber auch Naturliebhaber.
Beherbergungsangebot Darß/Zingst
 

4.2. 

Landwirtschaft

Da die Böden der Region nur eine sehr geringe landwirtschaftliche Ertragsfähigkeit haben, entstand auf dem Darß, Zingst und eine im Wesentlichen auf Subsistenzwirtschaft gerichtete kleinbäuerliche Struktur. Die Ackerzahlen (Bodenpunktzahlen nach Reichsbodenschätzung) liegen zwischen 13 und 22. Große Höfe oder gar Gutshöfe finden sich, im Gegensatz zum Festland und Rügen, in der Architektur der Siedlungen daher nicht. Einkommensüberschüsse mussten durch Saisonarbeit im Wald, in der Fischerei, im Schiffbau oder in der Schifffahrt erzielt werden. Seit dem Ende des letzten Jahrhunderts spielt der Fremdenverkehr eine zunehmende Rolle.
Die Wirtschaftsstruktur wurde mit der zentral geplanten Wirtschaft der DDR, vor allem mit der Gründung der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG)und Volkseigenen Güter (VEG) radikal verändert. Die neuentstandenen Großbetriebe waren in die Nahrungsmittelerzeugung der DDR voll integriert und produzierten im Gesamtplan der ganzen Volkswirtschaft (Volkswirtschaftsplan). Das VEG Zingst wurde als hochspezialisierter Modellbetrieb geführt und war mit bis zu 20.000 Rindern eine der größten Rinderhaltungen Europas. Eine Flurbereinigung ist nicht durchgeführt worden. Jedoch hat sich in der Wirtschaftsphase der Großbetriebe der DDR faktisch eine Flächenzusammenlegung ergeben
Im Bereich des Nationalparks haben die Förderung der naturschutzgerechten Grünlandnutzung, die Förderung des ökologischen Landbaus und die Tierprämien für Mutterkühe und Mutterschafe besondere Bedeutung. Nach der Grünlandförderrichtlinie vom 22. Dezember 2000 können im Rahmen dieses Förderprogrammes fünf verschiedene Vertragsmuster für als Dauergrünland genutzte Flächen zur Anwendung kommen:
• Salzgrasland
• Feuchtgrünland
• Magergrünland
• Moorgrünland
• Grünland nährstoffarmer Standorte
Tiefgreifende Entwässerungs- und Meliorationsmaßnahmen haben die vernässten Flächen im Nationalpark -brackwasser- wie süßwasserbeeinflusste- erheblich dezimiert. Sosind heute nur noch kleine Restbestände vorhanden. Auf dem Darß/ Zingst sind die ehemals für das Feucht- und Nassgrünland (und damit die ganze Halbinsel) prägenden Pflanzengesellschaften, verschiedene Typen von Pfeifengraswiesen, heute in ihren typischen Ausprägungen vollständig vernichtet und kommen nur noch in winzigen, unvollständig ausgebildeten Fragmenten vor. Die Nass- und Feuchtgrünländer weisen standortbedingt Moor- oder Anmoorböden auf. Teilweise hat durch Entwässerungsmaßnahmen eine Torfzehrung stattgefunden. Die Flächen werden heute vorwiegend als Weideland für Rinder genutzt. Kleine Bereiche, wie die wenigen noch vorhandenen feuchteren Flächen der Buchhorster Maase im Darßwald, werden entweder gemäht oder unterliegen zurzeit keiner landwirtschaftlichen Nutzung.
Etwa 89 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche werden als Grünland und 11 % als Acker genutzt. Während sich die Ackerflächen vollständig im nicht überfluteten Bereich befinden, sind Teile des Grünlandes regelmäßig oder sporadisch von Überflutungen durch Boddenwasser betroffen. Diese Flächen werden ausschließlich beweidet oder derzeit nicht mehr genutzt. Die überflutungsfreien Grünländer befinden sich zu großen Teilen auf eingedeichten und meliorierten ehemaligen Überflutungsstandorten (niedriger als 1 m über NN). Für Flächen die im Nationalpark liegen gelten Besondere Vorschriften. Nach der Nationalparkverordnung, § 6 (1) Nr. 5 ist es „im Nationalpark verboten Düngemittel, Pflanzenschutzmittel, sonstige Chemikalien sowie Gülle, Klärschlamm oder Abwasser auszubringen“. Wobei hier auch verschiedene Ausnahmen zugelassen sind.
 

4.3. 

Fischerei

Die Fischfauna der Boddengewässer und der Ostsee wurde vermutlich schon von den ersten Besiedlern der Boddenlandschaft genutzt. Die Fischerei, besonders der Heringsfang spielte für die Wirtschaft der kleinen Orte eine große Rolle. Geräucherte Heringe wurden bis nach Kopenhagen verschifft. Märkte im Binnenland konnten mit dem Bau der Eisenbahnlinien stärker erschlossen werden. Nach der Gründung der DDR kam es zur Gründung von Fischwirtschafts- und Fischproduktionsgenossenschaften. Diese unternahmen mehrere Versuche, u. a. in der Fischbrutanlage Born, durch Jungfischaufzucht und Besatz die Erträge zu steigern. Die Versuche mit Hechtbrutbesatz wurden bis in die 70er Jahre durchgeführt. Zur Steigerung der Produktion wurden jährlich bis zu 100.000 Karpfen ausgesetzt. Nach der politischen und wirtschaftlichen Wende 1990 änderten sich die Bedingungen für die Küstenfischerei radikal. Wie in der Landwirtschaft ist ein dramatischer Rückgang der Beschäftigtenzahl zu verzeichnen. Für die verbliebenen Fischereibetriebe lag die größte Schwierigkeit in der Vermarktung des Fanges. Durch Direktvermarktung u. a. an Touristen bestehen für die kleinen Fischereibetriebe besondere Chancen.
In der kleinen Hochsee- und Küstenfischrei dominieren mittlerweile Einzelbetriebe, Familienunternehmen und GbR. Der überwiegende Teil ist genossenschaftlich organisiert, und in der Vereinigung der Erzeugerorganisationen der Kutter- und Küstenfischerei Meckenburg-Vorpommern zusammengeschlossen . Die Ausübung der Fischrerei unterliegt neben den Bestimmungen der Nationalparkverordnung der Landesfischereigesetzgebung. Für die Existenz der Fischereiunternehmen sind vor allem die Erlöse aus dem Fangaufkommen der fünf Fischarten Hering, Dorsch, Zander, Barsch und Aal wichtig. Mengenmäßig dominiert in den inneren Küstengewässern seit jeher der Heringsfang. Die vom Erlös her wichtigste Fischart ist in der Darß-Zingster Boddenkette der Zander. Gefangen wird überwiegend mit Reusen, Kettenreusen, Stellnetzen und Aalschnüren. Zum Schutz der Fischbestände sind gemäß § 16 (1) FischG für das Land Mecklenburg-Vorpommern Fischschonbezirke und Laichschonbezirke ausgewiesen. Außerdem sind für verschiedene Fischarten Schonzeiten festgelegt, in denen diese Tiere nicht gefangen werden dürfen. Neben Berufsfischerei spielt auch die Sportfischerei, besonders für den Tourismusbereich eine bedeutende Rolle.
 

4.4. 

Industrie

 

5. 

Natur- und Küstenschutz


"Wir leben in einem gefährlichen Zeitalter: Der Mensch beherrscht die Natur, bevor er gelernt hat, sich selbst zu beherrschen."


Albert Schweitzer

 

5.1. 

Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft


Das Gebiet der Mecklenburgischen Boddenlandschaft um die Halbinsel Darß-Zingst und Hiddensee wurde im Jahr der Wiedervereinigung am 12. September 1990 zum "Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft“ erklärt. Der Nationalpark umfasst eine Fläche von rund 800 qkm und gliedert sich im Speziellen in die Landschaftseinheiten: Halbinsel Darß und Zingst, Inseln Werder, Bock, Hiddensee und Ummanz, ein Teil des Hakens Buk und das Gebiet zwischen Lüßvitz und Dußvitz in Westrügen. Eingeschlossen sind ebenfalls ein Großteil der dazwischen liegenden Boddengewässer, sowie die Ostsee bis zur Zehnmetertiefenlinie.

Die Wasserflächen machen hierbei einen sehr großen Flächenanteil aus: insgesamt 87 % der Nationalparkfläche sind Wasser, d.h. 673 qkm. Davon wiederum nehmen die Bodden 241 qkm und die geschützten Wasserflächen der Ostsee 432 qkm ein. Der Flächenanteil, der durch Land eingenommen wird, beträgt 132 qkm, das ergibt rund 16% der Gesamtfläche des Nationalparks.

Von dem Landanteil nehmen rund 67 qkm Wälder ein, 36 qkm sind landwirtschaftlich genutzte Flächen und rund 28 qkm nehmen andere offene Flächen wie Brachen, Röhrichte, Strände, Dünen etc. ein.

Definiton "Nationalpark" vom Umweltministerium Mecklenburg Vorpommern:

"Nationalparke (NLP) sind rechtsverbindlich festgesetzte einheitlich zu schützende Gebiete, die

  1. großräumig und von besonderer Eigenart sind,


  2. in einem überwiegenden Teil ihres Gebiets die Voraussetzungen eines Naturschutzgebiets erfüllen und


  3. sich in einem überwiegenden Teil ihres Gebiets in einem vom Menschen nicht oder wenig beeinflussten Zustand befinden oder geeignet sind, sich in einen Zustand zu entwickeln oder in einen Zustand entwickelt zu werden, der einen möglichst ungestörten Ablauf der Natur-vorgänge in ihrer natürlichen Dynamik gewährleistet".



Für den nachhaltigen Schutz der Dynamik und Artenvielfalt der Boddenregion versucht der Nationalpark zwei verschiedene Schutzkategorien umgesetzt. Die Ziele und Gebote der beiden Schutzzonen sind in der „Verordnung über die Festlegung des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft“ aus dem Jahr 1990 festgelegt:

§ 5 Gebote

(1) Im Nationalpark ist es geboten,

  1. in der Schutzzone I vorrangig durch geeignete Schutzmaßnahmen die ungestörte Entwicklung natürlicher und naturnaher Lebensgemeinschaften zu sichern, sowie gestörte Lebensgemeinschaften in natürliche oder naturnahe Zustände zu überführen, insbesondere durch
    a) Einstellung der wirtschaftlichen und militärischen Nutzungen nach einem mit der Nationalparkverwaltung abzustimmenden Zeitplan,
    b) schrittweise Entnahme von nichteinheimischen
    Baumarten und Rückbau aller Entwässerungseinrichtungen,
    c) Bestandesregulierungen von wildlebenden Tierarten entsprechend den Zielsetzungen des Nationalparks durch das Nationalparkamt oder im Auftrage des Nationalparkamtes.


  2. In der Schutzzone II vorrangig durch gezielte Pflege und Renaturierungsmaßnahmen die biotoptypische Mannigfaltigkeit der heimischen Pflanzen- und Tierwelt zu erhalten und zu fördern, insbesondere
    a) die schrittweise Umwandlung der Waldbestände, so daß langfristig eine Überführung in Schutzzone I möglich wird,
    b) die Walderneuerung vorrangig über Naturverjüngung zuzulassen,
    c) die Pflege der Graslandflächen durch Mahd und Beweidung ohne Düngung zu gewährleisten,
    d) die Erholungsnutzung so zu gestalten, daß Beeinträchtigungen der Naturausstattung vermieden oder verringert werden,
    e) durch geeignete Maßnahmen der Verkehrs- und Besucherlenkung den Ruhecharakter des Gebietes insgesamt stärker auszuprägen,
    f) Bestandesregulierungen von wildlebenden Tierarten entsprechend den Zielsetzungen des Nationalparks nach Maßgabe des Nationalparkamtes vorzunehmen.





Gesamtflächen der Schutzzonen I und II:

Schutzzone I: 143 qkm = rund 18 % der Nationalparkfläche
Schutzzone II: 662 qkm = rund 82 % der Nationalparkfläche



Die wichtigsten internationalen und nationalen Rechtsvorschriften & Richtlinien für den Nationalpark:



1. Das Prinzip NATURA 2000

Die Umweltpolitik der Europäischen Union zum Erhalt des europäischen Naturerbes basiert im Wesentlichen auf 2 Rechtsvorschriften:
zum einen auf der EU-Vogelschutzrichtlinie( Richtlinie 79/409/EWG) und zum anderen auf der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (Richtlinie 92/43/EWG, FHH-RL). Diese Vorschriften sollen den Erhalt von natürlichen Lebensräumen sowie wildlebender Pflanzen und Tiere schützen, indem europaweit geschützte Gebiete ausgewiesen werden sollen. Weiterhin sollen sie den schleichenden Artenrückgang eindämmen und eine allgemein gültigen Rahmen zur Förderung der biologischen Vielfalt in Europa stellen. Dies ist der Kerngedanke des europäischen Netzes „Natura 2000“.

Die Vogelschutzlinie, aufgestellt im Jahr 1979, dient dabei vorrangig dem nachhaltigen bzw. langfristigen Schutz wildlebender Vögel, v.a. Zugvögel, und ihrer Lebensräume. Diesbezüglich wird von den Mitgliedstaaten der EU erwarten, eigens für bedrohte Vogelarten besondere Schutzgebiete auszuweisen. Die FFH-Richtlinie soll grundsätzlich die Erhaltung von natürlichen, ursprünglichen Lebensräumen gewährleisten sowie den Erhalt wildlebenden Tiere und Pflanzen.


2. Die Ramsar-Konvention

Die Ramsar-Konvention verpflichtet sich dem Erhalt und der Förderung von Feuchtgebieten und allen auf sie angewiesenen Pflanzen- und Tiergesellschaften. Der Schutz gilt vor allem Wasser- und Wattvögeln, denen die ausgewiesenen Gebiete langfristig als Rast-, Brut-, Nahrungs- und Überwinterungsstandort dienen. Die von Deutschland in Mecklenburg Vorpommern diesbezüglich ausgewiesenen Schutzgebiete ergeben eine Gesamtfläche von 671.204 ha. Die Feuchtgebiete der Boddenlandschaft tragen davon einen Flächenanteil von insgesamt 25.800 ha (Ostteil Zingst/ Westrügen-Hiddensee).

Die Vogelwelt auf dem Darß-Zingst

Die enge räumliche Nähe von Wasser- und Landflächen ergeben eine Vielzahl von Lebensräumen und ökologischen Nischen vor allem für die Vogelwelt. Allein der „Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft“ zählt bis zu 244 verschiedene Vogelarten. Zudem ist die Küstenlandschaft der Bodden und Ostsee schon lange ein ornithologisches, international bedeutendes Brut-, Rast- und Überwinterungsgebiet. Deshalb stehen die Erhaltung wichtiger Wasser- und Watvogelbrutplätze sowie der Schutz ungestörter Rast- und Winteraufenthaltsgebiete für ziehende Vögel im Nationalpark an vordere Stelle. Weiter wird sich um den Erhalt von Brutplätzen des Seeadlers und anderer Großvogelarten bemüht. Das Gebiet Ostufer Zingst mit seinen Boddengewässern gilt seit Ende der siebziger Jahre als Feuchtgebiet internationaler Bedeutung gemäß der Ramsar-Konvention von 1971. Die gesamte Boddenlandschaft des Nationalparks trägt außerdem seit 1992 den Status Europäisches Vogelschutzgebiet (gemäß EU-Vogelrichtlinie), wobei der international bedeutende Status vor allem auf die Wasserflächen der Region zutrifft.
Die Darß-Zingst-Boddenkette, als Teil der Vorpommerschen Boddenlandschaft, ist unter anderem das wichtigste Überwinterungsgebiet für Wasservögel wie beispielsweise Haubentaucher, Höckerschwan, Singschwan, Tafelente, Reiherente, Stockente, Bergente, Zwergsäger, Gänsesäger, Blässralle etc.

International bedeutende Vogelarten im Nationalpark
Quelle: Landesamt für Forsten und Großschutzgebiete Mecklenburg Vorpommern, 2002
  Zum Lesen

Kraniche in der Boddenlandschnaft

Auf den Windwatten der Insel Bock und Insel Kirr befindet sich eines der größtes Rastgebiete für Kraniche in Nord- bzw. Mitteleuropa. Jedes Jahr ziehen tausende Kraniche in die Flachwasserbereiche der Boddengewässer und Ostsee, weil diese ideale Übernachtungs- und Rastplätze darstellen. Ein weiterer Vorteil dieser Region wird mit der engen Vernetzung von terrestrischen und aquatischen Lebensräumen begründet. So sind Nahrungsflächen und Rastflächen nah beieinander gelegen.
Im Herbst (ab September) kommen immer mehr Kraniche in diese Gebiete, so dass bis zu 40.000 Kraniche zeitgleich in den Boddengewässern rasten bis sie Ende Oktober - November weiterziehen Sie sind von Skandinavien aus auf dem Weg in ihre Winterquartiere in Südwesteuropa und Nordafrika. Etwa zwei Drittel der ziehenden Kraniche auf dem Weg nach Südwesteuropa rasten oder übernachten in den Boddengewässern des Darß-Zingst.
 

5.2. 

Küstenschutz


Die Küsten der mecklenburgischen Ostsee und Bodden sind im stetigen Wandel und zeichnen sich durch Prozesse der Abrasion und Akkumulation aus. Eine Folge ist eine ausgeprägte Ausgleichküste mit einem Wechsel von Steil- und Flachküsten.

Der Küstenraum ist gleichzeitig ein wichtiger Kultur-, Wirtschafts- und Lebensraum für den Menschen. Tatsache ist auch, dass sich 70 % Außenküsten im Rückgang befinden (durchschnittlich 34 m pro Jahrhundert), also zunehmend durch Küstenerosion gekennzeichnet und bedroht sind.

Küstenschutzmaßnahmen ergeben sich somit aus den unterschiedlichen, anthropogenen Nutzungsansprüchen, die einen Rückgang der Küste, und damit einen Landverlust, nicht vereinbaren können.

Im Wesentlichen dienen Maßnahmen des Küstenschutzes:
  1. der Reduzierung und Verhinderung des Küstenrückgangs


  2. und dem Schutz vor Sturmfluten

Die wichtigsten Methoden des Küstenschutzes


Noch bis zur ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren die Küsten in Mecklenburg und die der Darß-Zingster Boddenlandschaft lediglich durch Dünen und hölzerne Pfahlreihen geschützt. Nach schweren Sturmfluten in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden erste Deiche zum Schutz vor Überflutungen und zur Sicherung der Küstenlinie angelegt. Diese Deiche lagen in etwa 100 -250 m Entfernung zum Wasser und schlossen an Steilküsten oder ausreichend mächtigen Küstendünen an.

Sturmflutschutzanlagen wurden aber nicht nur zum Schutz der Außenküste beschlossen. Um Ortschaften der Boddenküste vor Einbrüchen zu schützen wurden hier ebenfalls Deiche gebaut. Eine weitere Maßnahme zur Verhinderung des Küstenrückgangs, war der Bau von Buhnen. Neben der Sicherung der Küstenlinie galt es nun die angelegten Deiche zu erhalten und langfristig zu sichern (Überschwemmungsschutz). Um dies zu erreichen wird an einigen Küstenabschnitten zudem auf die Sandaufspülung zurückgegriffen.

Die Außenküste der Darß-Zingster Halbinsel wird vor allem durch das System Buhne-Düne-Küstenschutzwald-Deich vor Sturmfluten geschützt. Nahe der Außenküste gelegene Ortschaften wie Zingst und Prerow sind auf diesen Küstenschutz besonders angewiesen. Aber auch der Weststrand des Darß, welcher erheblich durch Strömungsenergien abgetragen wurde und wird (60-90m pro Jahrhundert), wird vor Ahrenshoop durch Buhnenbau und Dünen geschützt.
1. Deiche

Grundsätzlich werden in der Vorpommerschen Boddenlandschaft zwei Deichtypen unterschieden. Die Seedeiche und die Bodden- bzw. Haffdeiche. Seedeiche schützen flache Küsten auf der Ostsee zugewandeten Seite. Sie schützen das dahinter gelegene Küstenland vor schweren Sturmfluten. Vor dem Deich muss ausreichend Deichvorland vorhanden sein, da nur in Verbindung mit vorgelagerten, brandungsdämpfenden Dünen, Küstenwälder, Stränden etc. hinreichender Küstenschutz gewährleistet werden kann. Nach der großen Sturmflut von 1872 wurde 1884 die Außenküste des Zingst eingedeicht. Die Deichlinie reicht von Prerow nach Pramort und umfasst 18,5 km.
Bodden-bzw. Haffdeiche haben eine geringere Höhe als Seedeiche, da Boddengewässer allgemein geringeren Hochwasserbelastungen ausgesetzt sind. Sie schützen die unmittelbar an die Bodden grenzenden Ortschaften und landwirtschaftliche Flächen.

2. Sturmflutschutzdünen

Dünen bieten einen natürlichen Schutz vor Überschwemmungen. An der Außenküste Mecklenburg-Vorpommerns übernehmen auf über 100 km allein die Dünen den Küstenschutz und damit die Sicherung des Hinterlandes und Boddenortschaften. Voraussetzung für diese Schutzaufgabe sind Dünen von ausreichendem Volumen oder Mächtigkeit. Pflegemaßnahmen dieser Dünen hinsichtlich ihrer Beanspruchung sind unumgänglich und werden in regelmäßigen Abständen je nach Anzahl und Dauer der jährlichen Sturmflutereignisse durchgeführt. So werden beispielsweise die Sturmflutschutzdünen von Küstenabschnitten mit starkem Küstenrückgang regelmäßig durch Aufspülungen „restauriert“.


3. Buhnen

Um die Wirkung und die Effektivität der Strandaufspülungen zu erhöhen, werden zusätzlich Buhnen angelegt. Sie dienen damit dem sowohl der Vermeidung von Küstenrückgang und Sandmangel. Eine Buhne ist eine senkrecht oder schräg ins Meer führende, meist hölzerne Pfahlreihe oder auch ein Wall. Ihre Errichtung fördert eine Sedimentation bzw. Akkumulation von Sand und hat somit ein immer flacher werdendes Ufer zur Folge . Mit der seewärtigen Verlagerung der Uferlinie werden Wellen bereits vor dem Auftreffen auf den Strand abgeschwächt. Buhnen befestigen somit die Strandlinie und erweitern sie seewärts. Die Buhnen reichen zwischen 40 und 60 m in die Ostsee hinein. Der Bau von Buhnen wurde vor und östlich vor der Ortschaft Zingst notwendig und 1998 erweitert.



4. Sandaufspülungen

Der Sandmangel der durch den Küstenverlust durch Erosion entsteht wird u.a. mittels Strandaufspülungen ausgeglichen. Dafür werden große Sandmengen vom Meeresboden entnommen und an die Ufer transportiert. So können Strand und Schorre gezielt erhöht und verbreitert. Zugleich werden mit Strandaufspülungen ebenfalls geschädigte Sturmflutschutzdünen genährt und somit repariert.
Allerdings ist mit Strandaufspülungen ein hoher finanzieller Aufwand verbunden und damit ein vollständiger Ersatz der Sandverluste an den Stränden nicht immer realisierbar. Nach schweren Sturmfluten mussten die Dünen vor und östlich von Zingst zwischen 1965 und 1997 sieben Mal durch Sandaufspülungen stabilisiert werden. Durch die Wirksamkeit von Buhnen sollen die kostenaufwendigen Sandaufspülungen in Zukunft in zeitlich weiteren Abständen stattfinden.


Küstenschutzmaßnahmen an den Küsten Mecklenburg Vorpommerns bis 1994
Quelle: http://www.um.mv-regierung.de/kuestenschutz/bschutz/ks_8vorhandene.htm
 

6. 

Probleme und Perspektiven

 

6.1. 

Probleme in der Region


Küstengebiete sind sehr komplex, sie werden von unzähligen, in Wechselbeziehungen stehenden Triebkräften und Zwängen beeinflusst, einschließlich hydrologischer, geomorphologischer, sozialökonomischer, administrativer, institutioneller und kultureller Systeme. In der Darß-Zingster Boddenkette werden Probleme vor allem durch unterschiedliche anthropogene Nutzungen, wie Landwirtschaft, Tourismus und Küstenschutzmaßnahmen hervorgerufen.

Probleme der Boddengewässer

Die Boddengewässer besitzen die Funktion einer natürlichen Nährstoffsenke, die den Eintrag von Nährstoffen in die Ostsee abpuffert. Durch diffuse und direkte Einträge aus der Landwirtschaft, Industrie, Gewerbe und kommunalen Abwässern wird der natürliche Prozess der Eutrophierung auf bedenkliche Weise beschleunigt. Aus diesem Grund befinden sich die Boddengewässer heute in einem hocheutrophen Zustand. Die Überbelastung der Gewässer mit Nährstoffen führt zu einem vermehrten Algenwachstum. Dieses wiederum verursacht ein Sauerstoffdefizit und eine erhöhte Schlickakkumulation mit negativen Folgen für das gesamte Ökosystem Bodden.

Probleme durch Küstenschutzmaßnahmen

Durch den Bau von Küstenschutzanlagen wie Buhnen und Deichen wurde die natürliche Dynamik an vielen Stellen stark eingeschränkt. Diese Maßnahmen führten zu einem erheblichen Verlust an natürlichen Überflutungsräumen und deren spezialisierten Ökosystemen. Neben dem Schutz von Siedlungen dienen diese Küstenschutzmaßnahmen vor allem der Ausweitung landwirtschaftlicher Nutzflächen.

Probleme durch Tourismus

Jährlich besuchen etwa 200.000 Touristen die Region Darß-Zingster Bodden. Einerseits ist der Tourismus der wichtigste Wirtschaftfaktor, andererseits bedeutet er auch eine erhebliche zusätzliche Belastung durch ein hohes Verkehrsaufkommen, zunehmenden Bootsverkehr, Ausbau touristischer Infrastruktureinrichtungen und ökologisches Fehlverhalten vieler Urlauber.
 

6.2. 

Zukunftsperspektiven

  Zum Lesen

Um die Probleme in der Region Darß-Zingster Bodden zu lösen, bedarf es einer Zusammenarbeit aller im Gebiet wirkenden Interessensgruppen. Vorrangiges Ziel ist die Verbesserung der Wasserqualität von Bodden und Ostsee. Dies könnte durch eine Verminderung der diffusen Einträge aus der Landwirtschaft und den Ausbau von Kläranlagen erreicht werden.
In Bezug auf den Küstenschutz ist zu überlegen, wie notwendig eingedeichte landwirtschaftliche Nutzflächen sind und ob eine partielle Rückdeichung nicht eine sinnvolle Entlastung des Küstenökosystems darstellen würde.
Um die Belastungen durch den Tourismus zu reduzieren, empfiehlt sich eine gezielte Lenkung der Besucherströme. Auf den weiteren Ausbau touristischer Infrastruktur sollte wenn möglich verzichtet werden. Vielmehr sollte versucht werden, die bestehenden Kapazitäten besser auszunutzen. Eine ökologische Sensibilisierung der Touristen durch Umweltbildung könnte zu einer Entlastung beitragen.
 

7. 

Quellen und Links


Landesamt für Forsten und Großschutzgebiete Mecklenburg Vorpommern (2002): Nationalparkplan (Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft): Bestandsanalyse, Malchin

Landesamt für Forsten und Großschutzgebiete Mecklenburg Vorpommern (2002): Nationalparkplan (Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft): Leitbild und Ziele, Malchin

Hagge, H./ Liedl F.(Hrsg.)(1996): Ostsee-Nationalparks: Fischland, Darß, Zingst, Hiddensee, Rügen, Ellert&Richter, Hamburg, S. 52 – 55

Goudie, A. (2002): Physische Geographie – Eine Einführung, 4. Aufl., Spektrum Akademischer Verlag GmbH, Heidelberg ∙ Berlin, S. 418 – 421

Regionaler Planungsverband Mittleres Mecklenburg/Rostock(1994): Regionales Raumordnungsprogramm-Mittleres Mecklenburg/Rostock, Rostock