{"id":664,"date":"2022-10-06T03:35:46","date_gmt":"2022-10-06T01:35:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.ikzm-d.de\/wasserstoff-und-sdgs\/?page_id=664"},"modified":"2023-05-08T13:29:45","modified_gmt":"2023-05-08T11:29:45","slug":"flaecheninanspruchnahme","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.ikzm-d.de\/gruener-wasserstoff-und-sdgs\/chancen-und-risiken\/flaecheninanspruchnahme\/","title":{"rendered":"Fl\u00e4cheninanspruchnahme"},"content":{"rendered":"\n<p>F\u00fcr die Herstellung von gr\u00fcnem Wasserstoff werden in der Wertsch\u00f6pfungskette Fl\u00e4chen u.&nbsp;a. f\u00fcr die Erzeugung von erneuerbaren Energien, die Wasserstoffproduktionsanlage (ggf. inkl. Meerwasserentsalzungsanlage), bei der Herstellung von Folgeprodukten f\u00fcr die direkte Luftabscheidung (DAC) sowie f\u00fcr eventuell notwendige Transport- und Infrastruktur ben\u00f6tigt (vgl. HEINEMANN &amp; MENDELEVITCH, 2021). Insbesondere die Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien, der f\u00fcr die Erzeugung gr\u00fcnen Wasserstoffs ben\u00f6tigt wird, ist fl\u00e4chenintensiv (vgl. SRU, 2021).<\/p>\n\n\n\n<p>Im Hinblick auf die Standortwahl von Elektrolyseuren muss untersucht werden, \u201ewann diese sinnvollerweise in der N\u00e4he des Erzeugungsortes der erneuerbaren Energien oder der Nutzung von Wasserstoff errichtet werden sollen. Dabei geht es auch um die langfristige und integrierte Planung des Stromnetzausbaus und die Umr\u00fcstung von Erdgaspipelines bzw. den Neubau von reinen Wasserstoffpipelines.\u201c (SRU, 2021, S.\u00a077) \u201eDie hiermit verbundenen \u00c4nderungen der Fl\u00e4chennutzung k\u00f6nnen die biologische Vielfalt oder lokale \u2013 manchmal informelle \u2013 Landrechte beeintr\u00e4chtigen.\u201c (STAMM et al., 2021, S.\u00a02) Dies kann zu Landnutzungskonflikten und (bei Produktionen im Ausland) zu weitreichenden Folgen wie Zwangsumsiedlungen und Enteignungen f\u00fchren (vgl. NWR, 2021b &amp; HEINRICH-B\u00d6LL-STIFTUNG, 2021). Daher fordern zivilgesellschaftliche Akteure, dass potenzielle Landnutzungskonflikte im Sinne der lokalen Bev\u00f6lkerung zu l\u00f6sen sowie Zwangsumsiedlungen oder illegale Landnahme auszuschlie\u00dfen sind (vgl. KLIMA-ALLIANZ DEUTSCHLAND, 2021; NWR, 2021b).<\/p>\n\n\n\n<p>Mit Blick auf die anvisierten Herstellungsmengen ist auch in Deutschland mit einem deutlichen Zubau von Windkraft- und PV-Anlagen zu rechnen ist, so dass sich der Fl\u00e4chenbedarf insbesondere im Offshore-Bereich bemerkbar machen wird (vgl. SRU, 2021). \u201eDadurch werden oft Standorte im Norden und bezogen auf Windenergie onshore und offshore (Anlandungspunkte) bevorzugt, um die zu erwartenden \u00dcberschussstrommengen durch Umwandlung in Wasserstoff nutzbar zu machen. Eine wirtschaftliche Bewertung dieser Standorte und der damit verbundenen Einsatzstrategien der Elektrolyseanlagen gibt es in den Studien bisher nicht. Es gibt jedoch wichtige Hinweise auf m\u00f6gliche stromseitige Rebound-Effekte.\u201c (WUPPERTAL INSTITUT, 2020, S.&nbsp;12) Neben den Windr\u00e4dern beanspruchen auch Stromtrassen, die f\u00fcr den Transport der Energie ben\u00f6tigt werden, Fl\u00e4chen und k\u00f6nnen zu Zerschneidung wie z.&nbsp;B. dem UNESCO Weltnaturerbe Wattenmeer f\u00fchren (vgl. DETLOFF, 2020; NABU, 2020).<\/p>\n\n\n\n<p>Der voraussichtliche Zubau von Windenergieanlagen wird insgesamt u.&nbsp;a. zu Landschaftsfragmentierung, Verlust von Habitaten, Minderung der biologischen Vielfalt, Bodendegradierung, Schadstoffeintr\u00e4gen und der Gef\u00e4hrdung bestimmter Artengruppen f\u00fchren. Das hieraus resultierende Konfliktpotenzial zeigte sich zuletzt u.&nbsp;a. an der Novellierung des Windenergie-auf-See-Gesetztes (WindSeeG) und der Fortschreibung der Raumordnungspl\u00e4ne f\u00fcr die deutsche ausschlie\u00dfliche Wirtschaftszone (AWZ) in Nord- und Ostsee. Denn obwohl es in Deutschland und Europa zahlreiche umweltrechtliche Vorgaben, Regularien und Richtlinien gibt (z.&nbsp;B. SUP, ROG, MRO-RL, MSRL, CBD), tritt der Ausbau der Offshore-Windenergie in Konkurrenz zum Schutz von Meer und K\u00fcste.<\/p>\n\n\n\n<p>Naturschutzverb\u00e4nde appellieren daher an die Bundesregierung, \u201edass der Ausbau von Windenergie auf See im Einklang mit den europarechtlichen und national-naturschutzrechtlichen Vorgaben des Biodiversit\u00e4tsschutzes durchgef\u00fchrt wird.\u201c (NABU, 2022, S.&nbsp;2; vgl. auch DEUTSCHE UMWELTVERB\u00c4NDE, 2021) \u201eZwar sind die Naturschutzgebiete der AWZ als Vorranggebiete ausgewiesen, jedoch werden sie entgegen festgeschriebener Schutzgebietsma\u00dfnahmen und -zielen und der EU-Biodiversit\u00e4tsstrategie stark von wirtschaftlichen Nutzungen \u00fcberlagert. Im Gegensatz zur aktuell g\u00fcltigen MRO von 2009 wird Windenergie aus Schutzgebieten nicht mehr ausgeschlossen \u2013 weitere Nutzungen wie Sand- und Kiesabbau, Leitungsbau, Verteidigung, Forschung, Schifffahrt und Fischerei kommen hinzu. (\u2026) Europ\u00e4ische und internationale Ziele, wie 30&nbsp;% der Meeresgew\u00e4sser \u201awirksam unter Schutz zu stellen\u2018, darunter 10 Prozent \u201astreng gesch\u00fctzt\u2018, m\u00fcssen in die neue marine Raumordnung integriert werden. Effektive Meeresschutzgebiete sind dabei auch unerl\u00e4sslich, um den von der MSRL geforderten guten Umweltzustand in Nord- und Ostsee zu erreichen.\u201c (DEUTSCHE UMWELTVERB\u00c4NDE, 2021, S.&nbsp;3)<\/p>\n\n\n\n<p>Da der Ausbau der Offshore-Windenergie auch f\u00fcr die gr\u00fcne Wasserstoffwirtschaft nach derzeitigem Wissens- und Technologiestand notwendig ist, sollten parallel die kumulativen Belastungen, die aus einer Vielzahl an anthropogenen Nutzungen resultieren, reduziert werden, f\u00fcr den Schutz der marinen Biodiversit\u00e4t r\u00e4umliche Pufferzonen um Windenergieanlagen eingeplant und Fl\u00e4chennutzungs\u00e4nderungen f\u00fcr die Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien f\u00fcr Wasserstoff m\u00f6glichst nicht in \u00f6kologischen Schutzgebieten stattfinden (vgl. NABU, 2020; HEINEMANN &amp; MENDELEVITCH, 2021).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr die Herstellung von gr\u00fcnem Wasserstoff werden in der Wertsch\u00f6pfungskette Fl\u00e4chen u.&nbsp;a. f\u00fcr die Erzeugung von erneuerbaren Energien, die Wasserstoffproduktionsanlage (ggf. inkl. Meerwasserentsalzungsanlage), bei der Herstellung von Folgeprodukten f\u00fcr die direkte Luftabscheidung (DAC) sowie f\u00fcr eventuell notwendige Transport- und Infrastruktur ben\u00f6tigt (vgl. HEINEMANN &amp; MENDELEVITCH, 2021). 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