{"id":677,"date":"2022-10-06T03:42:42","date_gmt":"2022-10-06T01:42:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.ikzm-d.de\/wasserstoff-und-sdgs\/?page_id=677"},"modified":"2022-10-11T02:54:37","modified_gmt":"2022-10-11T00:54:37","slug":"wassernutzung-und-verschmutzung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.ikzm-d.de\/gruener-wasserstoff-und-sdgs\/chancen-und-risiken\/wassernutzung-und-verschmutzung\/","title":{"rendered":"Wassernutzung und -verschmutzung"},"content":{"rendered":"\n<p>Neben dem Einsatz von Strom und Land kommt Wasser als Ausgangsmaterial f\u00fcr die Herstellung von Wasserstoff bei der Elektrolyse eine nicht zu vernachl\u00e4ssigende Rolle zu. \u201eSo braucht es f\u00fcr eine Kilowattstunde Wasserstoff rund 0,3&nbsp;l aufgereinigtes S\u00fc\u00dfwasser. Hochgerechnet auf 100 TWh w\u00e4ren daf\u00fcr rund 30 Millionen Kubikmeter Wasser n\u00f6tig, was dem durchschnittlichen j\u00e4hrlichen Wasserbedarf von knapp 700.000 Menschen in Deutschland entspricht.\u201c (KLIMA-ALLIANZ DEUTSCHLAND, 2021, S.&nbsp;9) Dar\u00fcber hinaus wird es f\u00fcr die K\u00fchlung, den Betrieb und die Reinigung der erneuerbaren Stromerzeugungsanlagen ben\u00f6tigt (vgl. MATTHES, 2021).<\/p>\n\n\n\n<p>Je nach Produktionsstandort kann dieses Wasser knapp bemessen sein und insbesondere in ariden Gebieten Verteilungsfragen ausl\u00f6sen, wenn es z.&nbsp;B. um die Versorgung der heimischen Bev\u00f6lkerung mit Trinkwasser oder die Nahrungsmittelproduktion geht (vgl. WUPPERTAL INSTITUT\/ DIW ECON, 2020).<\/p>\n\n\n\n<p>Ist am Standort kein oder nicht ausreichend S\u00fc\u00dfwasser vorhanden, werden Meerwasser-Entsalzungsanlagen eingesetzt (vgl. MERTEN &amp; SCHOLZ, 2021). Mit der Entsalzung von Meerwasser gehen allerdings ein hoher Energieverbrauch, CO<sub>2<\/sub>-Emissionen und nicht unerhebliche Mengen an R\u00fcckst\u00e4nden in Form von Salzlauge (Sole) einher. \u201eDie physikalischen und chemischen Abwassereigenschaften h\u00e4ngen von dem Entsalzungsverfahren und dem Betrieb der einzelnen Anlagen ab. (\u2026) Neben geringen Konzentrationen an Kupfer und Nickel aus der Korrosion von W\u00e4rmetauscherfl\u00e4chen sind oftmals im Abwasser Restmengen von Chlor, das zur Verminderung von Bewuchs zugesetzt wird, halogenierte organische Reaktionsprodukte wie z.&nbsp;B. Trihalomethane, sowie so genannte Antikalk- und Antischaumbildner. (&#8230;) Die Reinigung thermischer Anlagen erfolgt durch Sp\u00fclen mit sauren L\u00f6sungen, denen Korrosionsinhibitoren zugesetzt werden. In gro\u00dfen Anlagen in Europa, Israel, Australien und den USA werden diese Schl\u00e4mme neuerdings i.d.R. entw\u00e4ssert und \u2013 aufgrund ihres Salzgehaltes \u2013 in speziellen Deponien entsorgt, um Tr\u00fcbungsfahnen im Meer und dadurch bedingte m\u00f6gliche Umwelteffekte zu vermeiden.\u201c (LATTEMANN, 2011, S.&nbsp;454-458; vgl. auch NWR, 2021b) Da bislang ein internationaler Standard f\u00fcr eine nachhaltige Meerwasserentsalzung fehlt, mit dem sowohl der Energieverbrauch als auch die Entsorgung der R\u00fcckst\u00e4nde geregelt wird (vgl. HEINEMANN &amp; MENDELEVITCH, 2021), muss bei Wasserstoffproduktionen au\u00dferhalb der oben genannten L\u00e4nder sichergestellt werden, dass die technischen M\u00f6glichkeiten und das Wissen um Auswirkungen auf die Meeresumwelt und ihr Schutz auch vor Ort entsprechend ausgesch\u00f6pft werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiteres Risiko liegt im Transport von gr\u00fcnem Wasserstoff und Folgeprodukten (vgl. SRU, 2021, S.&nbsp;30). Chemikalien, die als Tr\u00e4gersubstanzen eingesetzt werden, k\u00f6nnen bei Unf\u00e4llen umweltgef\u00e4hrdend sein (vgl. SRU, 2021). Werden z.&nbsp;B. bestehende Pipelines genutzt, ist zu pr\u00fcfen, ob eine Verspr\u00f6dung und Rissbildung des Stahls m\u00f6glich ist und erh\u00f6hte Wartungsarbeiten notwendig sind. \u201eEine Umr\u00fcstung bestehender Erdgasinfrastruktur f\u00fcr Wasserstoff ist technisch anspruchsvoll und mit hohen Unsicherheiten verbunden. Die allgemeine Schlussfolgerung, dass die Umr\u00fcstung g\u00fcnstiger als der Neubau reiner Wasserstoffpipelines sei, kann nach Ansicht des SRU nicht gezogen werden.\u201c (SRU, 2021, S.&nbsp;69) Werden neue Pipelines gebaut, gehen damit entsprechende Umweltauswirkungen einher; kommen Schiffe zum Einsatz (Fl\u00fcssigwasserstoff, Ammoniak, LOHL) besteht bei Unf\u00e4llen Gefahr f\u00fcr die Umwelt, da z.&nbsp;B. Ammoniak im Wasser l\u00f6slich und f\u00fcr Wasserorganismen giftig ist (vgl. SRU, 2021).<\/p>\n\n\n\n<p>Neben den \u00f6kologischen Aspekten wie der Entsorgung der R\u00fcckst\u00e4nde aus einer Meerwasser-Entsalzungsanlage gilt es \u2013 vorrangig bei Produktionen f\u00fcr Importe \u2013 Verteilungskonflikte um Wasser zu vermeiden sowie die lokale Wasserversorgung durch die Produktion von Wasserstoff nicht zu gef\u00e4hrden. \u201eBei Zielkonflikten hat der Ausbau der erneuerbaren Trinkwasserentsalzung stets Vorrang. Im Fall von Entsalzungsanlagen muss sich auch die Wasserversorgung entsprechend verbessern, indem ein Teil des entsalzten Wassers bei Bedarf der lokalen Bev\u00f6lkerung zug\u00e4nglich gemacht werden kann (NWS, 2021, S.\u00a09). Zudem sollten lokale Wasserpreise \u00fcberwacht und bei durch die Wasserstoffproduktion ausgel\u00f6sten Preissteigerungen Gegenma\u00dfnahmen ergriffen werden. \u201eInvestitionen in eine verbesserte lokale Wasserinfrastruktur zur Verringerung von Verlusten und Verdunstung sowie zus\u00e4tzliche Wasserproduktion durch Meerwasserentsalzung k\u00f6nnten die lokale nachhaltige Entwicklung unterst\u00fctzen.\u201d (HEINEMANN &amp; MENDELEVITCH, 2021, S.\u00a05; vgl. auch KLIMA-ALLIANZ DEUTSCHLAND, 2021)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neben dem Einsatz von Strom und Land kommt Wasser als Ausgangsmaterial f\u00fcr die Herstellung von Wasserstoff bei der Elektrolyse eine nicht zu vernachl\u00e4ssigende Rolle zu. \u201eSo braucht es f\u00fcr eine Kilowattstunde Wasserstoff rund 0,3&nbsp;l aufgereinigtes S\u00fc\u00dfwasser. Hochgerechnet auf 100 TWh w\u00e4ren daf\u00fcr rund 30 Millionen Kubikmeter Wasser n\u00f6tig, was dem durchschnittlichen j\u00e4hrlichen Wasserbedarf von knapp [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"parent":630,"menu_order":4,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-677","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.ikzm-d.de\/gruener-wasserstoff-und-sdgs\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/677","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.ikzm-d.de\/gruener-wasserstoff-und-sdgs\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.ikzm-d.de\/gruener-wasserstoff-und-sdgs\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ikzm-d.de\/gruener-wasserstoff-und-sdgs\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ikzm-d.de\/gruener-wasserstoff-und-sdgs\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=677"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.ikzm-d.de\/gruener-wasserstoff-und-sdgs\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/677\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1050,"href":"https:\/\/www.ikzm-d.de\/gruener-wasserstoff-und-sdgs\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/677\/revisions\/1050"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ikzm-d.de\/gruener-wasserstoff-und-sdgs\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/630"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.ikzm-d.de\/gruener-wasserstoff-und-sdgs\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=677"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}