Dieses Lernmodul ist Teil der Informationsplattform Wer, Wie Watt?, die im Rahmen eines Umweltbildungsprojektes erstellt wurde. Die hier dargestellten Informationen wurden von Zivildienstleistenden aus dem Naturschutz im Rahmen ihrer Ausbildung zusammen getragen. Mehr über das Projekt Wer, Wie, Watt erfahren Sie hier.

3.2. 

Ölbekämpfung

Der alles entscheidende Faktor für eine erfolgreiche Ölunfallbekämpfung ist die Zeit. Sind Spezialschiffe zum Aufnehmen eines Ölteppichs nicht innerhalb weniger Stunden am Unfallort, kann der Ölteppich nicht mehr aufgesaugt werden. (van BERNEM 1996)

Um im deutschen Nordseeraum einen schnellen und effektiven Bekämpfungseinsatz zu ermöglichen, hat 2003 das infolge des Pallas-Unglücks gegründete Havariekommando seinen Betrieb aufgenommen. Mithilfe des Vorsorgeplans Schadstoffunfall wird die Bekämpfung von Schadstoffunglücken aller Art an der gesamten deutschen Küste koordiniert.

Mittel zur Ölbekämpfung 

Im Folgenden wird kurz auf einige mechanische und chemische Möglichkeiten eingegangen, wie man Öl aus dem Wasser zu entfernen kann. Die erste Maßnahme ist häufig der Einsatz von Ölbarrieren und Spezialschiffen; erstere dämmen das Öl ein und sogenannte Skimming-Schiffe schöpfen es anschließend ab. Diese Methode setzt aber voraus, dass ruhige See herrscht und der Ölteppich noch recht dick ist, der Einsatz muss also innerhalb weniger Stunden nach Austreten des Öls erfolgen.

Eine andere Möglichkeit ist der Einsatz von Dispergatoren: dies sind Chemikalien, welche das Öl stärker in der Wassersäule verteilen und das Haften am Sediment verhindern. Somit wird vermieden, dass ein zusammenhängender Ölteppich die Küste erreicht. Der Einsatz von Dispergatoren ist allerdings stark umstritten: erstens ist die Ausbringung der Dispergatoren sehr schwierig, zweitens zeigen zahlreiche Experimente, dass Öl-Dispergator-Gemische toxischer sind als das Öl allein.

(van BERNEM 1996) 

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Verschiedenste Hilfsmittel wurden entwickelt, um ausgetretenes Öl an der Ausbreitung zu hindern und zu beseitigen. Doch gerade auf dem Wasser ist die Bekämpfung oft sehr schwierig. Einige Standardhilfsmittel sollen hier genannt werden. Man sollte jedoch im Hinterkopf behalten: Ungünstige Wetterbedingungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit für Tankerunfälle und erschweren gleichzeitig die Bekämpfungsmaßnahmen erheblich.

Ölsperren
Mit Ölsperren, z.B. luftgefüllten Plastikrahmen, die an der Wasseroberfläche treiben, wird die vertikale Ausbreitung eines Ölteppichs gebremst. Sie können außerdem mit saugfähigen Stoffen beschichtet sein. Bei entsprechendem Seegang kann das Öl jedoch über die Sperren treten.

Ölpumpen
Mit Pumpen kann das Öl direkt von der Wasseroberfläche abgepumpt werden. Ist es jedoch schon zu stark verklumpt, versagt die Methode.

Ölabsorptionsmittel
Diese Stoffe werden ausgebracht, damit sie das Öl aufsaugen. Die schwimmfähigen Bindemittel können oft ein vielfaches ihres eigenen Gewichts aufsaugen und bleiben zeitweilig schwimmfähig. Sie können dann aufgenommen und entsorgt werden. Beim Einsatz solcher Absorptionsmittel sollte jedoch deren Umweltverträglichkeit berücksichtigt werden.

Öl-Mop
Hierbei handelt es sich um ein vollautomatisches Gerät, welches bis zu 16 m3 Öl aufnehmen kann. Von nur einer Person bedient, lässt es sich horizontal und vertikal einsetzten. Eine dicke Schnur aus Polypropylen, an der das Öl anhaftet, wird über ein Rollensystem verlegt und kann bis zu 100 Meter weit das Wasser reinigen.
Nachteile dieses Gerätes:
Es kann nur auf offener, ruhiger See arbeiten. Im Küstenbereich und bereits bei einem Wellengang von mehr als 0,5 m lässt es sich nicht mehr einsetzen. Zur Zeit sind in Deutschland elf Öl-Mops im Einsatz, neun an der Nordsee und zwei weitere an der Ostsee (Rostock, Stralsund). Die Anschaffungskosten betragen 50.000 DM.