Dieses Lernmodul ist Teil der Informationsplattform Wer, Wie Watt?, die im Rahmen eines Umweltbildungsprojektes erstellt wurde. Die hier dargestellten Informationen wurden von Zivildienstleistenden aus dem Naturschutz im Rahmen ihrer Ausbildung zusammen getragen. Mehr über das Projekt Wer, Wie, Watt erfahren Sie hier.

3.2. 

Magnet-Elektro-Felder

Um elektrische Leitungen, durch die ein Strom fließt, bilden sich magnetische bzw. elektromagnetische Felder (siehe auch Zusatzinfo am Rande). Solche Felder können in unmittelbarer Kabelnähe sehr stark sein. Die in den Kabeln auftretenden elektrischen und magnetischen Felder haben auf den Menschen keine direkten Auswirkungen. Es stellt sich  allerdings die Frage, ob die Leitungen über Elektromagnetische Felder die Lebewelt des Meeres negativ beeinflussen.

Wie stark sind die magnetischen Felder von Seekabeln?


Glasfaserkabel zur Datenübertragung erzeugen verhältnismäßig schwache magnetische Felder, dennoch lassen sich beispielsweise Haie von diesen schwachen Feldern anziehen und irritieren (siehe 3.1 Verlegung). Von HGÜ-Kabeln zur Stromübertragung gehen wesentlich stärkere Magnetfelder aus. Je weiter man von dem Kabel weg ist, desto schwächer wird das Magnetfeld. Das natürlich Magnetfeld der Erde ist im Nordseebereich ungefähr 50 Mikroteslar (µT) stark. Zum Vergleich hier ein Beispiel für das Magnetfeld eines Kupferkabels mit einem Durchmesser von 11,7 cm, durch das ein Strom von 1600 Ampère geleitet wird. Das Magnetfeld

 

Entfernung vom Kabel Stärke des Magnetfeldes in Mikrotesla
20 cm
1200
1 m
320
10 m
50
64 m
5

Dieses Feld tritt auch auf, wenn das Kabel vorschriftsgemäß (mindestens 1 m oder mehr) in den Boden versenkt wurde. Tiere, die sich in einer Entfernung von weniger als 10 m zum Kabel aufhalten, werden also in diesem Falle einem deutlich stärkeren Feld ausgesetzt als das natürliche Magnetfeld der Erde.

 

 

 

Stören Seekabel den Orientierungssinn der Meerestiere?

Das natürliche Magnetfeld der Erde dient verschiedenen Lebewesen zur Orientierung. Es besteht also die Befürchtung, dass künstlich erzeugte Magnetfelder im Meer die Navigation ziehender Meeresbewohner beeinträchtigen könnten.

 

Wissenschaftlich belegt ist die Orientierung von Fischen am Magnetfeld der Erde. Sie greifen es gewissermaßen ab und ändern ihr Verhalten schon bei den natürlichen Schwankungen. Bekannt sind hierzu Untersuchungen mit Aalen im Schwimmkanal. Dabei wurden zwei grundsätzliche Feststellungen gemacht: Zum einen überquerten weniger Fische ein künstliches Feld, je stärker dieses ist. Zum anderen änderten sie ihre natürliche Schwimmrichtung. Die Studie der Universität Oslo geht außerdem davon aus, dass vor allem Haie und Rochen (Elasmobranchier) durch solche magnetischen Felder irritiert werden können. Daten über die Beeinflussung von wirbellosen Meeresbewohnern waren der Universität Oslo nicht bekannt, sie gehen jedoch davon aus, dass für Krebstiere eine Beeinflussungsgefahr besteht, da verschiedene Tests bereits gezeigt haben, dass Meereskrebstiere auf bereits schwache Magnetfelder reagieren. Vögel, Fische und Meeressäuger, welche sich in den höheren Gewässern aufhalten, werden durch die Felder nicht beeinträchtigt. (Quelle: Poléo & Harboe 1996)

Bei Untersuchungen an einem Seekabel in Schweden wurde seltsames festgestellt: Fisch, die direkt über einem Kabel schwammen, setzten ihre Reise zwar in der gleichen Richrung fort, aber um einige Meter zur Seite versetzt.

Es bleibt zu berücksichtigen, dass das Magnetfeld der Erde natürlich nur eine von mehreren Orientierungsmöglichkeiten für Meeressäuger und Fische ist. So wird die Umwelt auch chemisch, akustisch, physikalisch und visuell wahrgenommen, d.h. durch "Riechen", Hören, Fühlen und Sehen.