Dieses Lernmodul wurde von dem Verein EUCC - Die Küsten Union Deutschland e.V. im Rahmen des Forschungsprojektes „Forschung für ein Integriertes Küstenzonenmanagement in der Odermündungsregion (IKZM-Oder)“ unter Einbeziehung der Forschungergebnisse des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung und anderer Forschungseinrichtungen erstellt.

1.1. 

Abgrenzung von Flussgebietseinheiten und Wasserk├Ârpern

Die Gewässerbewirtschaftung wird sich in Zukunft am Einzugsgebiet eines Gewässers orientieren; dazu zählen alle Fließ- und Stillgewässer ebenso wie Mündungsbereiche und sich anschließende Küstengewässer. Die Mitgliedsstaaten werden dazu aufgefordert, die einzelnen Einzugsgebiete ihres Hoheitsgebietes Flussgebietseinheiten zuzuordnen, in denen dann

„...die Anforderungen dieser Richtlinie zur Erreichung der Umweltziele...und insbesondere alle Maßnahmenprogramme...koordiniert werden.“ (WRRL Artikel 3, Absatz 4)

Die Umsetzung der WRRL in den nationalen Flussgebieten wird durch Arbeitsgemeinschaften geleistet, die sich aus Vertretern der betreffenden "Anrainer-Bundesländer" zusammensetzen z. B. die ARGE Weser. Die Umsetzung der WRRL in den transnationalen Flussgebieten geschieht durch Kommissionen, die mit Vertretern der am Flussgebiet beteiligten Staaten besetzt sind. Für den Rhein ist dies z. B. die "Internationale Kommission zum Schutze des Rheins (IKSR)", für die Oder die "Internationale Kommission zum Schutze der Oder" (IKSO).

Abbildung 1.1: Durch das Umweltbundesamt ausgewiesene Flussgebietseinheiten für die Bundesrepublik Deutschland. Es wurden vier nationale Flussgebietseinheiten - Eider, Schlei/Trave, Warnow/Peene und Weser ausgewiesen. Deutschland hat außerdem Anteil an den internationalen Flussgebieten der Donau, der Maas, des Rheins, der Elbe und der Oder.
(Quelle: Umweltbundesamt, Februar 2002; www.umweltbundesamt.de)

In diesen Flussgebieten werden nun Wasserkörper ausgewiesen.
Wasserkörper sind in der EU-WRRL definiert als

"...ein einheitlicher und bedeutender Abschnitt eines Oberflächengewässers, z. B. ein See, ein Speicherbecken, ein Strom, Fluss oder Kanal, ein Teil eines Stroms, Flusses oder Kanals, ein Übergangsgewässer oder ein Küstengewässerstreifen."(WRRL Artikel 2, Absatz 10)

Der Begriff „einheitlich“ führt zu folgenden Bedingungen, die bei der Abgrenzung von Wasserkörpern zu berücksichtigen sind:

 

Ergänzend können aufgrund von Vor-Ort-Kenntnissen weitere Kriterien zur Abgrenzung von Oberflächenwasserkörpern herangezogen werden, zum Beispiel dann, wenn an den Hauptströmen aufgrund der o. a. Kriterien noch sehr große Abschnitte verbleiben.

Beispiel: Ausweisung von Wasserkörpern in der Flussgebietseinheit Schlei/Trave (SH)

Abbildung 1.2 zeigt die in der Flussgebieteinheit Schlei/Trave ausgewiesenen Wasserkörper. Es wurden folgende Kriterien zur Abgrenzung von Fließgewässer-Wasserkörpern berücksichtigt:


Daraus ergeben sich 215 Fließgewässer-Wasserkörper in der Flussgebietseinheit Schlei-Trave.

In Abbildung 1.3 wird dies am konkreten Beispiel der Oxbek verdeutlicht.
Im obersten Abschnitt ist die Oxbek dem Gewässertyp "kiesgeprägter Tieflandbach" zuzuordnen, mit zunehmender Größe und Eintritt in die Marsch wechselt sie den Typ und wird zum "Fließgewässer der Niederungen". Aufgrund des Typwechsels ist dieser zweite Abschnitt - in der Karte rot markiert - als neuer Wasserkörper auszuweisen. Die Eigenschaften des Wasserkörpers sind der Tabelle neben der Karte zu entnehmen.

Abbildung 1.2
Wasserkörper der Flussgebietseinheit Schlei/Trave in Schleswig Holstein
(Quelle: Landesamt für Umwelt und Natur Schleswig-Holstein, 2005)

Abbildung 1.3:
Ausweisung und Beschreibung eines Wasserkörpers am Beispiel der Osbek
(Quelle: Landesamt für Natur und Umwelt Schleswig-Holstein, 2005)

Ein Wasserkörper ist ein kohärenter Teil einer Flussgebietseinheit, der die Umweltziele der WRRL erfüllen soll. Entsprechend muss ein Wasserkörper so ausgewählt werden, dass sein Zustand exakt beschrieben und mit den Umweltzielen der WRRL verglichen werden kann.