Dieses Lernmodul wurde von dem Verein EUCC - Die Küsten Union Deutschland e.V. im Rahmen des Forschungsprojektes „Forschung für ein Integriertes Küstenzonenmanagement in der Odermündungsregion (IKZM-Oder)“ unter Einbeziehung der Forschungergebnisse des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung und anderer Forschungseinrichtungen erstellt.

1.2. 

Gewässertypologie

Nach der Ausweisung von Flussgebietseinheiten werden die Oberflächenwasserkörper zunächst nach morphologischen Kriterien in Gewässerarten und schließlich in Gewässertypen untergliedert. Es werden zunächst folgende Gewässerarten unterschieden: Flüsse, Seen, Übergangsgewässer und Küstengewässer. Sind natürliche Gewässer

„...durch physikalische Veränderungen durch den Menschen in ihrem Wesen erheblich verändert...,“(WRRL Artikel 2, Absatz 9)

so können sie als "erheblich veränderte Gewässer" ausgewiesen und im Wesentlichen wie künstliche Gewässer behandelt werden.

Alle Gewässerarten werden dann anhand ihrer - zunächst abiotischen - Eigenschaften in Gewässertypen "top down" gruppiert d. h. es werden zunächst große übergreifende Einheiten gebildet, die nach und nach auf immer kleinere Gruppen von Gewässern mit ähnlichen abiotischen Eigenschaften heruntergebrochen werden. Diese Eigenschaften haben zunächst grundsätzlichen Charakter, wie z. B. die Ökoregion in der das Gewässer liegt (System A nach WRRL). Die Ökoregion fasst Gebiete mit ähnlichen abiotischen Rahmenbedingungen zusammen, dies betrifft Faktoren wie Klima oder Höhenlage.

Eine weitaus genauere Einteilung bietet das System B der WRRL. Hier werden zunächst für die drei Gewässerarten - Seen, Fließgewässer und Küstengewässer - die bestimmenden abiotischen Faktoren identifiziert. Dies sind für Seen z. B. die Geologie des Einzugsgebietes oder die Durchmischungseigenschaften, für Fließgewässer unter anderem die Größe des Einzugsgebietes, für Küstengewässer der Salzgehalt oder die Sedimentzusammensetzung. Entsprechend der Ausprägung solcher Faktoren werden die Gewässer zu Gewässertypen gruppiert. Eine solche abiotisch hergeleitete Typologie liegt inzwischen für alle Gewässerarten vor.

Beispiel: Abiotisch abgeleitete Typisierung von Seen in Mecklenburg-Vorpommern

Die Typisierung der Seen richtet sich nach folgenden Kriterien:


In Mecklenburg-Vorpommern zum Beispiel sind fünf Seentypen anzutreffen (Abbildung 1.4).

Abbildung 1.4: Die Karte zeigt die Anwendung der abiotisch hergeleiteten Seentypologie auf die Seen Mecklenburg-Vorpommerns.
(Quelle: Landesamt für Umwelt, Naturschuz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern, 2005)

Da jedoch die sich anschließende Bewertung im Wesentlichen auf Grundlage der Lebensgemeinschaften im Gewässer geschehen soll, muss die Typenliste anhand dieser Lebengemeinschaften 'bottom up' validiert werden. Das heißt, dass anhand von Flora- und Faunadaten möglichst unbelasteter Gewässer aller potentiellen Gewässertypen Ähnlichkeitsberechnungen durchgeführt werden. Eine Gruppe abiotisch ähnlicher Gewässer muss sich auch hinsichtlich ihrer Biozönose ähneln, um einen Gewässertyp zu bilden.

In Deutschland liegt bisher für die Fließgewässer und die Küstengewässer eine solche validierte Typologie vor. Die Validierung der nationalen Typologie für die Seen ist noch in Beabeitung.

Beispiel: Biologisch validierte Typisierung von Fließgewässern in Mecklenburg-Vorpommern

Die abiotische Typisierung der Fließgewässer richtet sich nach folgenden Kriterien:


Diese Typologie wurde anhand des Makrozoobenthos auf ihre Schlüssigkeit überprüft und validert. Das vorläufige Ergebnis ist in der angehängten Tabelle zu sehen.
In Mecklenburg-Vorpommern beispielsweise sind neun Fließgewässertypen anzutreffen (Abbildung 1.5).

Abbildung 1.5: Anwendung der biologisch validierten Fließgewässertypologie auf die Fließgewässer Mecklenburg-Vorpommerns
(Quelle: Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern, 2005)

Ziel dieser Einstufungen ist es, typbezogene Leitbilder zu erstellen, anhand derer die ökologische Bewertung erfolgen soll. Nur wenn die abiotisch konstruierte Typologie durch die Biozönose widergespiegelt wird kann eine typgerechte Bewertung erfolgen!

Festlegung von Referenzbedingungen

Nach WRRL Anhang II Nr. 1.3 sind nun für jeden Gewässertyp spezifische hydromorphologische, physikalisch-chemische und biologische Referenzbedingungen festzulegen.

Der Referenzzustand entspricht dabei dem in Anhang V WRRL beschriebenen ‚sehr guten ökologischen Zustand’, der bei ‚Abwesenheit störender Einflüsse’ im Gewässer vorherrscht. Ohne eine besondere Rangordnung der Verfahren herstellen zu wollen, sind die wichtigsten Optionen für die Festlegung von Referenzbedingungen die folgenden:

 

Grundlagen für die Bestimmung von Referenzbedingungen werden in Anhang II 1.3 der Richtlinie genannt. Wo die Anwendung all dieser Verfahren nicht möglich ist, können Referenzbedingungen durch Sachverständige festgelegt werden.
Eine ausführliche Beschreibung der Referenzbedingungen für die einzelnen Gewässertypen existiert bisher nur für die Fließgewässer, daher ist diesem Absatz die Beschreibung des Fließgewässertyps 17 als Beispiel angehängt.