Dieses Lernmodul wurde von dem Verein EUCC - Die Küsten Union Deutschland e.V. im Rahmen des Forschungsprojektes „Forschung für ein Integriertes Küstenzonenmanagement in der Odermündungsregion (IKZM-Oder)“ unter Einbeziehung der Forschungergebnisse des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung und anderer Forschungseinrichtungen erstellt.

1.3. 

Gewässerbewertung

Die EG-Wasserrahmenrichtlinie strebt einen „guten Zustand“ aller Oberflächengewässer der EU an. Doch wie ist dieser gute Zustand definiert?

Die Richtlinie sieht eine Beurteilung der chemischen Gewässerqualität sowie eine fünfstufige Klassifizierung der ökologischen Gewässerqualität vor. Bezugsgröße für die Bewertung sind dabei die im vorigen Kapitel erläuterten typspezifischen Referenzbedingungen, die der sehr guten Gewässerqualität entsprechen und einen anthropogen weitgehend unbeeinflussten Gewässerzustand charakterisieren sollen. Das zu bewertende Gewässer wird anhand in der WRRL vorgegebener Kriterien mit den Referenzbedingungen seines Typs verglichen.

Prioritär ist die Biologie - je nach Gewässerart werden die Merkmale Phytoplankton, Makrophyten/Phytobenthos, Makrozoobenthos und Fischfauna zur Bewertung herangezogen (Abbildung 1.6). Diese Gruppen werden in der WRRL als "biologische Qualitätselemente" (BQE) bezeichnet.
Es sind jedoch nicht alle biologischen Qualitätselemente gleich gut zur Bewertung geeignet - während sich die pflanzlichen Komponenten gut zur Trophiebewertung eignen, haben die tierischen Komponenten ihre Stärken in der Strukurbewertung von Gewässern Auch ist nicht jedes BQE gleich gut für alle Gewässerarten und -typen geeignet. Einige BQEs indizieren eher langfristige Belastungen (Fische) während andere besonders schnell reagieren (Phytoplankton).

Zunächst einmal sollte für jedes BQE ein Bewertungsansatz entwickelt werden. Stellt sich nach eingehender Untersuchung jedoch heraus, dass eine oder mehrere BQE zur Bewertung einer Gewässerart oder eines Typs nicht geeignet sind, räumt die WRRL ausdrücklich ein, diese bei der Bewertung zu vernachlässigen.

Abbildung 1.6: Die Tabelle zeigt, welche Gruppen aus Fauna und Flora mit welchen Parametern in welcher Gewässerkategorie zur Bewertung anzuwenden sind.
(Quelle: Umweltbundesamt; www.umweltbundesamt.de)

Die Ergebnisse der biologischen Überwachung mit den Organismengruppen Fischfauna, Makrozoobenthos und Gewässerflora führen zur Einstufung in Zustandsklassen, wobei das schlechteste Ergebnis die Einstufung bestimmt ("worst-case"-Prinzip).
Die sehr gute Gewässerqualität als Klasse I entspricht dabei vollständig oder weitgehend vollständig den natürlichen Bedingungen, während die gute Gewässerqualität als Klasse II geringfügig und der mäßige Zustand als Klasse III mäßig von den Referenzbedingungen abweicht.
Für künstliche und erheblich veränderte Gewässer wurde abweichend hiervon das höchste ökologische Potenzial als Referenz definiert, das dem Zustand nach Durchführung aller Maßnahmen zur Gewährleistung der bestmöglichen ökologischen Durchgängigkeit entspricht.

Bei der biologischen Bewertung werden drei Ebenen betrachtet (Abbildung 1.7):


Abbildung 1.7: Vorgehensweise bei der Zusammenführung der einzelnen Bewertungergebnisse zur biologischen Gesamtbewertung.
(Quelle: CIS Guidance "Ecostat" - deutsche Übersetzung, 2003)

 

  Zum Lesen

Unterstützend zur biologischen Bewertung werden die Hydromorphologie sowie die physikalisch-chemischen Bedingungen mit den drei Merkmalsgruppen klassische Messgrößen, synthetische Schadstoffe und nichtsynthetische Schadstoffe (andere als die o.g. prioritären Stoffe) herangezogen. Der "sehr gute Zustand" wird nur erreicht, wenn er durch alle Parametergruppen angezeigt wird. Ist zwar eine Referenzbiozönose im Gewässer vorhanden, Chemie und Hydromorphologie zeigen jedoch Defizite, so ist das Gewässer im "guten ökologischen Zustand".
Werden die Grenzwerte der in der WRRL als prioritär definierten Stoffe überschritten, kann das Gewässer höchstens als mäßig eingestuft werden.

Abbildung 1.8: Ablaufschema zur Bestimmung des ökologischen Zustands nach EU-WRRL.
(Quelle: CIS Guidance "Ecostat" - deutsche Übersetzung, 2003)

Die WRRL verlangt eine immissionsorientierte Betrachtung von Belastungen, das heißt deren Auswirkungen im Gewässer sind der Bewertungsmaßstab. Dabei spielt die Indikation durch biologische Größen in Zukunft die Hauptrolle. Bewertet wird im Vergleich zum unbelasteten Referenzzustand.
Knackpunkt der Bewertung ist die Wahl der Klassengrenzen. Es zeigt sich bereits jetzt, dass sich die Maßstäbe der Bewertung von Staat zu Staat sehr unterscheiden können. Ein Gewässer, das beispielsweise in Schweden mit gut bewertet wurde, kann durchaus nach dem französischem System nur mäßig sein. Insbesondere um die Grenze zwischen gutem und mäßigem Zustand, die entscheidet, ob Handlungsbedarf besteht, wird heftig gerungen.

Eine Vergleichbarkeit der Ergebnisse der in den Mitgliedstaaten zu implementierenden biologischen Gewässerüberwachung soll durch eine Interkalibrierung sichergestellt werden.