Dieses Lernmodul wurde von dem Verein EUCC - Die Küsten Union Deutschland e.V. im Rahmen des Forschungsprojektes „Forschung für ein Integriertes Küstenzonenmanagement in der Odermündungsregion (IKZM-Oder)“ unter Einbeziehung der Forschungergebnisse des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung und anderer Forschungseinrichtungen erstellt.

1.4. 

Interkalibrierung

Mit der von der WRRL vorgesehenen Interkalibrierung soll eine EU-weite Vergleichbarkeit der Ergebnisse der biologischen Gewässerüberwachung sichergestellt werden. Die Interkalibrierung beinhaltet nach WRRL folgende Zeitskala:

 

 

Zur Präzisierung der Kriterien für die Interkalibrierung wurde die EU-Arbeitsgruppe INTERCALIBRATION eingerichtet, die ab 2003 von der Arbeitsgruppe ECOSTAT abgelöst wurde. Die Grundprinzipen der Interkalibrierung, die Einteilung der Mitgliedstaaten in GIGs sowie die Erläuterung der verschiedenen Optionen für die Durchführung der Interkalibrierung sind in der Leitlinie „Guidance on the Intercalibration Process“ enthalten, die im Oktober 2004 verabschiedet wurde.
Es wurde vereinbart, die Interkalibrierung auf ausgewählte gemeinsame europaweite Gewässertypen, ausgewählte Belastungen und ausgewählte biologische Qualitätselemente zu begrenzen. Die länderübergreifenden Gewässertypen, an denen die Eichung der nationalen Bewertungssysteme erfolgt sind im angehängten Dokument aufgelistet und erläutert.
Der Interkalibrierungsprozess selbst findet innerhalb sogenannter Geographical Intercalibration Groups (GIGs) statt – größerer geographischer Einheiten, zu denen jeweils mehrere Mitgliedstaaten mit ähnlichen Gewässertypen gehören.
Deutschland hat dabei Anteil an den GIGs:


Neben den Grundprinzipien der Interkalibrierung wurden von der Arbeitsgruppe auch drei Optionen für eine Herangehensweise an den Interkalibrierungsprozess erarbeitet:

Option 1: Nutzung gemeinsamer europäischer Bewertungsmethoden
Alle Staaten eines GIG einigen sich auf ein gemeinsames Bewertungsverfahren, das auf gleichen Bewertungsmetrizes und gleichen Methoden zur Identifizierung von Referenzbedingungen basiert. Die Berechnung der Bewertungsmetrizes erfolgt in allen Staaten gleich, die Sammlung der Daten mit denen gerechnet wird folgt der immer gleichen Standardmethode.
Diese Option ist sinnvoll, wenn es bereits ein gängiges, in vielen Staaten angewendetes Bewertungsverfahren gibt, das die Ansprüche der WRRL erfüllt. Aufgabe der Interkalibrierung ist dann lediglich die Abstimmung der Klassengrenzen, insbesondere der Grenze zwischen mäßigem und gutem Zustand.
Option 2: Eichung der nationalen Methoden an einem europäischen "common metric"
Es sollen geeignete gemeinsame Bewertungsmetrizes identifiziert werden. Geeignet ist ein Metric dann, wenn er die relevanten biologischen Qualitätselemente berücksichtigt und die zu bewertende Belastung sicher anzeigt. Die Parameter könnten z. B. aus einem bereits bestehenden nationalen Bewertungsverfahren ausgewählt werden. Diese Option kann zur Anwendung kommen, wenn es kein übergreifendes Bewertungssystem gibt (Option 1), sich die Mitgliedsstaaten jedoch auf einzelne gemeinsame Metrices einigen können. Wichtig ist die Datenqualität; die Ergebnisse der einzelnen Staaten sind nur dann vergleichbar, wenn die ausgewählten Metrizes auch auf einer vergleichbar sicheren Datengrundlage stehen.
Option 3: Test der nationalen Bewertungsmethoden an gemeinsamen Messstellen
Die Mitgliedsstaaten eines GIGs nutzen zwar die jeweils national entwickelten Bewertungmethoden, es werden jedoch gemeinsame Messstellen festgelegt. Der Vergleich der Ergebnisse verschiedener Bewertungsverfahren an denselben Messstellen zeigt Unterschiede in der Bewertung auf. Aufgabe der Interkalibrierung ist es dann, die nationalen Bewertungsergebnisse ineinander "umrechenbar" zu machen.
Da die Mitgliedstaaten traditionell sehr unterschiedliche Ansätze in der biologischen Gewässerbewertung verfolgen ist Option 1 - eine gemeinsame Methode für alle - kaum durchsetzbar.
Für die Option 2 und 3 bzw. Kombinationen dieser beiden Optionen sind gemeinsame Messstellen erforderlich, anhand derer die verschiedenen Bewertungsergebnisse verglichen werden können. Diese Stellen sollten alle Gewässerarten, alle Gewässertypen und unterschiedliche Belastungssituationen widerspiegeln. Insbesondere Grenzfälle zwischen gutem und mäßigem Zustand sind nötig um diese Grenze - die ja später in die Frage: Maßnahmen erforderlich oder nicht? mündet - international vergleichbar und transparent zu machen. Die Messtellen, die in Deutschland für den Prozess der Interkalibrierung herangezogen werden sind in der nebenstehenden Abbildung zu sehen.
Durch die Interkalibrierung sollen die Ergebnisse der nationalen Bewertungsverfahren untereinander vergleichbar gemacht werden. Insbesondere die Klassengrenze zwischen mäßigem und guten Zustand muss eindeutig definiert werden - hieraus leitet sich später der Handlungsbedarf ab.