Dieses Lernmodul wurde von dem Verein EUCC - Die Küsten Union Deutschland e.V. im Rahmen des Forschungsprojektes „Forschung für ein Integriertes Küstenzonenmanagement in der Odermündungsregion (IKZM-Oder)“ unter Einbeziehung der Forschungergebnisse des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung und anderer Forschungseinrichtungen erstellt.

2. 

Die Küstengewässer der Ostsee

Unter die Bestimmungen der Wasserrahmenrichtlinie fallen nicht nur die Binnen- sondern auch Küstengewässer, unter anderem die der Ostsee. Die Ostsee ist von neun Anrainerstaaten umgeben, die, mit Ausnahme Russlands, EU-Recht umsetzen. Sie alle verfolgen neben internationalen Kooperationen auch eigene Ansätze, auf die im Modul nur eingeschränkt eingegangen werden kann. Der Schwerpunkt liegt auf der Vorgehensweise in Deutschland. Soweit möglich wird über Links und angehängte Dokumente auf den Arbeitsstand in anderen Anrainerstaaten verwiesen - viele Dokumente liegen jedoch nur in der jeweiligen Landessprache vor, zudem sind nicht in allen Anrainerstaaten die Verfahren und Ergebnisse über das Internet frei zugänglich.

Abbildung 2.1: Karte der Ostsee mit Anrainerstaaten

Die Ostsee ist eines der größten Brackwassergebiete der Erde, sie umfasst eine Fläche von 412.560 km² und ein Volumen von 21.631 km³. Sie erreicht Ihre maximale Tiefe im Landsorttief mit 459 m, die mittlere Tiefe beträgt jedoch lediglich 52 m - insbesondere die ausgedehnten Küstenzonen sind sehr flach. Einen nennenswerten Tidenhub gibt es nicht, Wasserstandschwankungen sind in der Regel windinduziert. Den Großteil der Wasserzufuhr machen die einmündenden Fließgewässer aus, insbesondere im Osten spielt der Zufluss aus der Nordsee nur noch eine untergeordnete Rolle - die Folge ist ein starker Salzgradient vom euhalinen Südwesten bis zum olighalinen Nordosten. Und schließlich besitzt die Ostsee durch die Eiszeit und ihre Folgeerscheinungen eine sehr kleinteilig geformte Küste mit einer Vielzahl von Buchten, Förden, Bodden und Haffen mit jeweils spezifischen Lebensgemeinschaften. 

All diese Eigenschaften machen die Typisierung und Bewertung der Ostsee-Küstengewässer komplizierter als die der vergleichsweise einheitlich gestalteten und aufgrund der starken Tideeinwirkung "berechenbareren" Nordsee.