Der "Küstenatlas Ostsee" umfasst unabhängige regionale Module zu einzelnen Küstenzonen. Die einzelnen Module sind zum Selbststudium gedacht und richten sich an Fachleute, Studenten aber auch Touristen, die einen kurzen Überblick über die verschiedenen Küstenzonen der Ostsee erhalten möchten. Der Küstenatlas wurde von Studenten im Rahmen des Geographiestudiums an der Universität Kiel erarbeitet.

2.3. 

Geologie

In diesem Kapitel gibt es Informationen zur Glazialen Formung, zum Meeresspiegelanstieg, zum Küstenausgleich und den Böden auf der Insel Poel.

Glaziale Formung

Die Oberflächenform der gesamten Wismarbucht entstand durch die letzte Eiszeit und wurde durch den Gletschervorstoß des Mecklenburger Stadiums bestimmt. Der Gletscher schob Gesteinsschutt von Skandinavien in Richtung Süden. Beim Abschmelzen des Eises wurde dieses Geschiebe im Bereich des ehemaligen Gletschers als Grundmoräne abgelagert.
Transportiert hat der Gletscher den so genannten Geschiebemergel. Neben größeren und kleineren Felsblöcken, Kiesen und Sanden ist darin Mergel enthalten, ein graues bis blaues Gemisch aus Tonen und Kalken. Der Kalkanteil beträgt zwischen 25-27%.

Auf der Insel Poel hat sich Schutt in einer Mächtigkeit von 53 Metern abgelagert. Die von Nordnordost nach Südsüdwest verlaufende Erhebung der Insel Poel stellt in der sonst ebenen bis flachwelligen Grundmoräne der Wismarbucht eine Unregelmäßigkeit dar.
Am Westkliff der Insel Poel kann man die drei Grundmoränenschichten verschiedener Gletschervorstöße und dadurch bedingte Stauchungen und Faltungen erkennen.

Meeresspiegelanstieg

Die Klimaerwärmung nach der letzten Eiszeit verursachte ein weiteres Abschmelzen der Eismasse auf der Nordhalbkugel. Das von den Gletschern abgeschmolzene Wasser sorgte für einen Anstieg der Weltmeere.
Das Wasser drang vor ca. 8000 Jahren über den Kattegat und die Beltsee ins Ostseebecken ein und überflutete schrittweise die Becken und Schwellen der Grundmoränenlandschaft. Dieses Litorina-Meer ist nach der Gemeinen Strandschnecke Littorina littorea benannt.
Es wies einen relativ hohen Salzgehalt auf. Vor 3000 Jahren verlangsamte sich der Meeresspiegelanstieg, und ca. um Christi Geburt hatte der Meeresspiegel ungefähr die heutige Küstenlinie erreicht.
Allerdings verändert sich durch Erosion an Steilküsten und Sedimentation an Sandhaken die Küstenform auch heute noch.

Ausgleichsküste

Durch Bildung von Haken und Strandwällen veränderte sich der Küstenverlauf zum Teil. Es entstand eine Ausgleichsküste mit einem Wechsel von Steilküstenabschnitten, Blockstränden und Flachküsten.
Vor der Abbruchkante des Kliffs liegt Schutt, immer wieder bricht neues Material ab, somit zieht sich an dieser Stelle das Ufer zurück. Die Ostsee nimmt beispielsweise bei Hochwasser lockeres Abbruchmaterial mit und lagert es um. Dies geschieht an Poels Steilküsten besonders bei Stürmen aus West bis Nordwest. Der Sand wird an der Westküste meist nach Süden transportiert, an der Nordküste der Insel Poel nach Osten.
In flachen, ruhigen Buchten lagert sich das vom Meer angeschwemmte Material ab. Es bilden sich Sandbänke, die zu aus dem Wasser ragenden Strandhaken anwachsen können. Hieraus entwickeln sich bei kontinuierlicher Sandablagerung Nehrungen mit Dünen, die die Bucht irgendwann abschnüren. Verlandet der Strandsee, hat das Land hier dem Meer selbst ein Stückchen abgewonnen.
Geschehen ist dies auf Poel an mehreren Stellen. Im Nordwesten und Norden in den ehemaligen Buchten des Timmendorfer Torfmoores, des Rethmoores, der Senke am Kurhaus Schwarzer Busch und die Swölken- und Westerwiese in Richtung Gollwitz.
Am Faulen See kann man die Bildung des 2 km langen, bis zu 400 m breiten Nehrungshakens Rustwerder beobachten.
Ein weiterer Nehrungshaken im Süden der Insel, der Brandenhusener Haken, wächst immer wieder in die nur 2 m tiefe Kirchsee hinein. Hier ist es nötig, die Fahrrinne nach Kirchdorf immer wieder auszubaggern.
Im Nordosten Poels hat sich auf einer Untiefe durch Aufschüttung von Kies- und Sand das Strandwallsystem der Vogelschutzinsel Langenwerder gebildet.
Im Osten der Insel lagerte sich zwischen Strandwällen Schlick ab, der sich zu Marschland mit Salzwiesen entwickelte.

Böden

Das anstehende Gestein auf der Insel Poel ist kalkreicher, durch Verwitterung aus Geschiebemergel entstandener Geschiebelehm. Darauf bildeten sich vorrangig Parabraunerden und Pseudogley-Parabraunerden. Der Boden ist relativ sandig. Dadurch sind die Bodendurchlüftung und der Bodenwasserhaushalt begünstigt.
Die Insel Poel weist einen der fruchtbarsten Böden von ganz Mecklenburg auf. Der dunkelbraune bis schwarze Humushorizont kann bis zu 50 cm mächtig sein. Dieser entstand durch die dichte Bewaldung der Insel mit einem Eichen-/Hainbuchenwald, der heute aufgrund von Rodungen fast nicht mehr vorhanden ist.