Dieses Lernmodul wurde von dem Verein EUCC - Die Küsten Union Deutschland e.V. im Rahmen des Forschungsprojektes „Forschung für ein Integriertes Küstenzonenmanagement in der Odermündungsregion (IKZM-Oder)“ unter Einbeziehung der Forschungergebnisse erstellt.

1. 

Einführung zum Meeres- und Küstentourismus

Die Seebrücke von Heringsdorf auf Usedom
Inhalt Kapitel 1.In diesem Kapitel geht es thematisch um die inhaltliche Klärung der Begriffe Meeres- und Küstentourismus und weiterer Erscheinungsformen des auf die Küsten orientierten Tourismus. Außerdem werden Formen des Meeres- und Küstentourismus im gesamten Ostseegebiet behandelt.
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Tourismusverkehr

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Wirtschaftsfaktor Tourismus 

Im Jahr 2004 entfiel knapp die Hälfte der Personen-Ankünfte (363,4 Mio.) auf nur 10 Länder, ein Drittel auf die Top 5 Frankreich (75 Mio.), Spanien (53,6 Mio.), USA (46,1 Mio), China (41,8 Mio.) und Italien (37,1 Mio.). Deutschland lag mit 20,1 Mio. Personen-Ankünften auf Rang neun.

Entsprechend der Zunahme des Tourismusverkehrs haben sich die Einnahmen aus dem Tourismusverkehr entwickelt. Die Einnahmen stiegen von lediglich 2,1 Mrd. US-Dollar im Jahr 1950 über 106,5 Mrd. 1980 auf bis dahin unerreichte 622,7 Mrd. US-Dollar im Jahr 2004.


Mit 326,7 Mrd. US-Dollar entfiel der größte Teil der Einnahmen wiederum auf Europa. An zweiter Stelle standen Nord-, Mittel- und Südamerika mit 131,7 Mrd. US-Dollar. Obwohl auf die Region Asien und Pazifik im Jahr 2004 die zweitmeisten Personen-Ankünfte entfielen, stand sie bei den Einnahmen an dritter Stelle (125,0 Mrd. US-Dollar). Parallel zu den Personen-Ankünften entfielen die geringsten Einnahmen aus dem Tourismusverkehr auf den Mittleren Osten (21,0 Mrd. US-Dollar) und Afrika (18,3 Mrd. US-Dollar).


51,6 Prozent der Einnahmen aus dem Tourismusverkehr bzw. 321,2 Mrd. US-Dollar entfielen auf nur 10 Länder. Mit 223,9 Mrd. US-Dollar entfiel über ein Drittel der Einnahmen auf die Top 5 USA (75,5 Mrd.), Spanien (45,2 Mrd.), Frankreich (40,8 Mrd.), Italien (35,7 Mrd.) und Deutschland (27,7 Mrd. US-Dollar).


Kein Land gab im Jahr 2004 mehr Geld für den grenzüberschreitenden Tourismus aus als Deutschland (71,0 Mrd. US-Dollar). Da sich der Wechselkurs von Euro und US-Dollar zu Gunsten des Euro verändert hat, lagen die USA (65,6 Mrd.) auf Rang zwei. Großbritannien folgte mit 55,9 Mrd. US-Dollar.

 

(Aus: World Tourism Organization (WTO): Tourism Market Trends, 2005. Diese und weitere Ergebnisse können dem nebenstehendem Dokument "Tourismusverkehr" der Bundeszentrale für politische Bildung entnommen werden)

In Deutschland erzielte die Tourismusbranche mit 2,8 Millionen Beschäftigen einen Umsatz von 140 Milliarden Euro. 116 Millionen Gäste tätigten 339 Millionen Übernachtungen in 54.166 Unterkünften mit etwa 2,6 Millionen Betten. 4.000 der 12.431 Gemeinden Deutschlands sind in Tourismusverbänden organisiert, 310 davon sind als Heilbäder oder Kurorte anerkannt. Den Gästen stehen unter anderem 6.135 Museen, 366 Theater, 34 Freizeit- und Erlebnisparks, 45.000 Tennisplätze, 648 Golfplätze, 122 National-/Naturparke beziehungsweise Biosphärenreservate, ein Wanderwegnetz von 190.000 km sowie 40.000 Kilometer Radfernwege zur Verfügung. (http://de.wikipedia.org)

Laut 36. Reisenalayse RA 2006 der F.U.R. (Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e.V.) verbringen 30,4 % der Bundesbürger, also 19,5 Millionen, ihren Urlaub in Deutschland. Diese Angabe bezieht sich auf Urlaubsreisen (ab 5 Tagen Dauer) der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahre. (siehe Grafik rechts)

Weitere Ergebnisse der Reiseanalyse (RA) 2006 der F.U.R. (Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e.V.) sind:

Weltweit beliebte Reiseziele sind in diesem Segment die Küstenregionen, die starke Besucherzuwächse verzeichnen können. Für manche Regionen mag dies von Vorteil sein, doch meist sind mit diesen Steigerungsraten massive Probleme für die Gebiete verbunden.

 

Nachteile von Tourismus

 

Bewohner der Küstenregionen haben mit vielfältigen Auswirkungen zu kämpfen, wie Belastung und Zerstörung von Natur und Landschaft, Verkehrszunahme, Lärm und Abgase, Wasserverschmutzung, und gesellschaftlichen Folgen, wie Abwanderung, Wegfall von Arbeitsplätzen (Landwirtschaft, Fischerei) oder Verlust der eigenen kulturellen Identität.

Doch der Tourismussektor und seine Akteure sind auch selbst durch das eigene Fehlverhalten betroffen. Auswirkungen sind beispielsweise Zerstörung der Natur und Landschaft, Umweltbelastungen oder schlechte Trink- und Badewasserqualität. Grund dafür sind vielerorts fehlende touristische Managementkonzepte und mangelnde Kommunikation und fehlender Austausch mit anderen Sektoren wie Wirtschaft (Fischerei, Aquakultur), Raum- und Verkehrsplanung, Naturschutz oder Schifffahrt.

Hinzu kommen externe Faktoren, die ebenfalls auf den Tourismussektor wirken, wie Klimawandel und damit verbundene Auswirkungen wie beispielsweise Meeresspiegelanstieg oder die Zunahme von Wirbelstürmen und hohen Fluten. Sie bedrohen die Küsten und fordern Konzepte, die all diese Probleme angehen und zukunftsfähige Lösungen formulieren.

Vorteile von Tourismus

Vorteile von Tourismus gibt es aber auch. Durch geeignete Tierschutzprojekte, beispielsweise für Wale oder Delfine, können die Einheimischen erfahren, dass man Natur schützen und auch noch Geld damit verdienen kann. Vielerorts ist der ist der Bestand an Meeressäugern nicht mehr so stark gefährdet. Die Einheimischen haben die Vorteile von Tourismus und Naturschutz erkannt.

Urlaubs- und Kurzurlaubsreisen

Die RA 2006 für Deutschland zeigt, dass die Zahl der Kurzurlaubsreisen weiter steigt. 2005 wurden 48,3 Millionen Kurzurlaubsreisen und 64,1 Millionen Urlaubsreisen mit mehr als 5 Tagen gemacht.

55,3 % der Bevölkerung gaben 2005 an in den letzten 3 Jahren mindestens eine Urlaubsreise gemacht zu haben (siehe Grafik rechts).

Urlaubsformen mit den stärksten Zuwächsen

Natururlaub steht schon auf Platz 2 der Rangliste. Damit ist eine intensive Zusammenarbeit zwischen Tourismus und Naturschutz notwendig.

Der Begriff Natururlaub bezieht sich hier allerdings nur auf die eigenen Angaben der befragten Teilnehmer. Die Frage, die gestellt wurde, war: "Wo würden Sie ihren Urlaub zuordnen? Hier kann also Vogelbeobachtung, Wandern, Tauchen oder ähnliches gemeint sein, der Tourist aber dabei im Hotel gewohnt haben. (Telefonische Rücksprache mit F.U.R am 12.02.2007)

Urlaubsziele Inland - 2005

Über ¾ der Inlandsurlaubsreisenden entschieden sich für nur fünf Bundesländer: Bayern liegt auf dem ersten Platz, mit einem Anteil von 7,2 % an den gesamten Urlaubsreisen. Mecklenburg-Vorpommern behauptet den zweiten Rang mit 4,7 % trotz leichter Einbußen in den letzten beiden Jahren. Auf den Plätzen 3 - 5 liegen: Schleswig- Holstein (4,2%), Niedersachsen (3,5%) und Baden-Württemberg mit 2,5 %.

Auffallend ist hier, dass drei der beliebtesten Länder Zugang zum Meer haben, was sicherlich von entscheidender Bedeutung für die Wahl der Urlaubsregion ist.

FazitDie globale Bedeutung des Tourismus als wirtschaftlicher Faktor ist sehr hoch und die Küsten als Reiseziele sehr beliebt. Die Reiseintensität wird in den nächsten Jahren noch weiter zunehmen, vor allem was den Anteil an Kurzreisen betrifft.