Dieses Lernmodul wurde von dem Verein EUCC - Die Küsten Union Deutschland e.V. im Rahmen des Forschungsprojektes „Forschung für ein Integriertes Küstenzonenmanagement in der Odermündungsregion (IKZM-Oder)“ unter Einbeziehung der Forschungergebnisse erstellt.

1.2. 

Meeres- und Küstentourismus im Ostseeraum

Inhalt Kapitel 1.2 In diesem Kapitel werden die Bedeutung des Ostseeraumes für den Tourismus, die darin stattfindenden Aktivitäten und mögliche Entwicklungen dargestellt.

  Zum Lesen

Die Ostseeregionen ziehen schon heute eine immer größere Zahl an Besuchern an. Die Geschichte, die Kultur und die Natur sind dabei die Anziehungspunkte. Die Mehrzahl der Touristen sind Einheimische oder kommen aus den direkten Nachbarländern. Massentourismus, wie am Mittelmeer gibt es in der Region nicht, doch es gibt regional starke Unterschiede im Besucheraufkommen. Die deutsche Ostseeküste ist in der Region am stärksten frequentiert. Ferientourismus ist auf die Sommermonate beschränkt, im Winter sind die Küsten nur wenig besucht, ausgenommen die Grenzregionen von Dänemark-Schweden und Deutschland-Dänemark für den grenzüberschreitenden Einkaufsbummel und in Tallinn, wo Finnen und Schweden Tagesbesuche machen, da die Fährtickets hier sehr preiswert sind. Über-Nacht Fährfahrten zwischen Finnland und Schweden sind das ganze Jahr über beliebt. Außerhalb der Saison ist der Bereich des Geschäftstourismus (Konferenzen, Tagungen) für die Hotels und Restaurants, vor allem in den Städten, von großer Bedeutung. Vor allem in den neuen EU-Ländern wurden in kurzer Zeit weitere Übernachtungskapazitäten geschaffen. Die neuste Entwicklung ist der Tourismus aus Russland nach Finnland und Schweden und die Zunahme von polnischen Touristen in der Region.

(vgl.: Baltic 21 Series No 7/98: Agenda 21– Baltic Sea Region Tourism, Baltic 21 Tourism Group, S. 24)

 

Zu der starken Frequentierung der Ostsee durch Boote und Schiffe und deren Auswirkungen auf die Lebensräume der Ostsee und ihrer Küsten (vgl. Kapitel 2) kommt das Problem der zunehmenden Bebauung der Küsten. So hat Europa nach einer Studie im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) zwischen 1900 und 1990 etwa 43 % seiner Dünen durch Tourismus verloren. Bislang ist an der deutschen Nord- und Ostseeküste ein Rückgang der Dünen um 15 bis 20 % seit 1900 zu verzeichnen. Hier muss eine naturverträgliche Tourismusentwicklung weitere Schäden verhindern. Weitere Ausführungen dazu finden Sie in Kapitel 2.

  Zum Lesen

Tourismusaktivitäten finden sich entlang aller Küsten der Ostseeanrainer, doch es gibt regionale Schwerpunkte des Tourismus.

In Nordschweden und Finnland liegt der Schwerpunkt auf dem Bereich Städte- und Naturtouristik, Angeln und Boot- und Ferienhausvermietung, da es hier keine großen Ferienorte, wie beispielsweise an der schleswig-holsteinischen Osteseeküste gibt. Gründe dafür sind die niedrigeren Temperaturen im Norden und das Fehlen langer Sandstrände. Damit sind die Bedingungen für sommerlichen Badetourismus nicht oder nur selten gegeben.  

In den Baltischen Staaten setzt man, neben dem Städtetourismus, auf Natur-, Rad- und Wandertourismus. Schwerpunkt ist außerdem aufgrund der reichen Artenvielfalt an Vögeln der Vogelbeobachtungstourismus und der Wassertourismus (Kajak und Kanu fahren, Segeln) in den Naturparken. In Estland, im Vogelschutzgebiet Matsalu bei Pärnu und im Gebiet der inselreichen Buchten an der Westküste, treffen beispielsweise mehrere Vogelzugrouten aufeinander. In Kolka, Lettland, sammeln sich im Frühjahr riesige Vogelschwärme. Besonders beliebt ist auch die Dünenlandschaft der Kurischen Nehrung in Litauen, die heute Nationalpark ist und seit 2000 als UNESCO Welterbe geschützt wird. Sie gilt auch als eines der teuersten Feriengebiete dieses Landes.

Ausführliche Beschreibungen zum Tourismus in der Bucht von Riga, oder auf den Inseln Gotland, Saarema, Seeland oder in Städten wie Gdansk & Sopot, Helsinki, Kaliningrad, Kopenhagen, St. Petersburg oder Stockholm und weiteren Orten finden Sie im Küstenatlas Ostsee von IKZM-Lernen über nebenstehenden Link.

FazitTrotz der konstant hohen Nachfrage im Tourismus gilt für alle Ostseeländer, dass der Wettbewerb größer wird und die kommende Entwicklung schwer abzuschätzen ist. Zuwächse für die Ostseeanrainer könnte aber der erwartete Klimawandel bringen, denn ein Anstieg der Temperaturen und das Auftreten häufiger Hitzewellen würde mehr Besucher in die nördlichen Regionen bringen, bzw. viele Urlauber davon abhalten, in die dann trockenen südlichen Urlaubsregionen zu reisen. Um die kommende Situation richtig einschätzen zu können, sind Untersuchungen und Informationsaustausch notwendig. Fehleinschätzungen würden die Küstenregionen sowohl in ökonomischer, sozialer als auch in ökologischer Hinsicht belasten. Überlegtes touristisches Management ist vor allem für die "neuen" Anbieterländer im Ostseetourismus (Baltische Staaten, Polen) von großer Bedeutung.