Dieses Lernmodul wurde von dem Verein EUCC - Die Küsten Union Deutschland e.V. im Rahmen des Forschungsprojektes „Forschung für ein Integriertes Küstenzonenmanagement in der Odermündungsregion (IKZM-Oder)“ unter Einbeziehung der Forschungergebnisse erstellt.

2.1. 

Auswirkungen und Probleme von Küstentourismus

Segelboot auf der Swine
Inhalt Kapitel 2.1 Im Folgenden werden die kurzen Ausführungen aus Kapitel 2 vertieft und die gefährdeten Teilsysteme im Küstenbereich sowie Auswirkungen auf beispielsweise Flora & Fauna näher erörtert.

 

Gesetze und Regelwerke zum Schutz der Küstenzone und des Meeres sind noch immer unzureichend. Gründe sind: Das Fehlen zuverlässiger und umfangreicher Datenmengen über den Lebensraum Meer und die oft mangelnde Kooperation zwischen Naturschutz, touristischen Marketing-Organisationen und touristischen Leistungsträgern. Beides erschwert den Schutz von Land und Meer. 

  Zum Lesen

Als Folgen des Meeres- und Küstentourismus können für den Bereich Flora und Fauna Artenverlust und die Einschleppung fremder Organismen angeführt werden.  

Flora und Fauna:

Artenverlust: Küstentourismus bringt, wegen der wenigen, verlässlichen Kenntnisse über das Habitat Meer, Verlust von Arten mit sich, da mangelnde Information zu unbedachtem und falschem Verhalten von Besuchern derselben führen kann (z. B. Begehung der Dünenlandschaft, Kauf von „Meeres“Souvenirs wie Muscheln, Schnecken etc.). Ferner werden Lebensräume und Ressourcen vieler Organismen durch den Menschen gestört bzw. beeinträchtigt.

Einschleppung fremder Organismen: Häufig kommt es zur Einschleppung fremder Organismen durch die immer zahlreicheren Kreuzfahrtschiffe, die die angestammte Tier- und Pflanzenwelt bedrohen. (Weitere Informationen entnehmen Sie bitte dem nebenstehenden Dokument.)

Gesellschaft:

Für die Gesellschaft bedeutet der Küsten- und Meerestourismus Probleme im Bereich Verdrängung, Identitätsverlust und Abwanderung. 

Verdrängung: So hat der Küstentourismus sozial-ökonomische Folgen, wenn es durch ihn zur Verdrängung der einheimischen Bevölkerung kommt, weil Grundstückspreise steigen.

Identitätsverlust: Ebenso kann es zum Verlust der regionalen Identität aufgrund von Überprägung und Globalisierung kommen. Viele Küstenorte sind inzwischen gleichgemacht und beliebig austauschbar, das Ortsbild wird durch weltweit agierende Restaurant- und Handelsketten bestimmt und ermöglicht dem Besucher kein Erleben der individuellen, landestypischen und einzigartigen Besonderheit der Region.

Abwanderung: Zum dritten kann eine schlecht geplante touristische Erschließung von Küstenregionen den regionalen Wirtschaftszweigen und dem sozialen Gefüge der örtlichen Gemeinden nachhaltigen Schaden zufügen. Durch den Tourismus geben viele Anwohner ihre früheren Tätigkeiten (Landwirtschaft, Fischerei) auf, um stattdessen in der Gastronomie zu arbeiten oder abzuwandern.

Landschaft:

Die Landschaft einer Küstenregion erfährt vor allem in den Bereichen Infrastruktur, Erosion und Küstenschutzwälder besondere Beeinflussung.

Infrastruktur: Tourismus ist durch extreme Saisonalität geprägt. Diese Saisonalität ist sowohl ein wirtschaftliches als auch ein ökologisches Problem. Die für die Hochsaison erforderliche Infrastruktur (für Unterbringung, Verkehr und Ver- und Entsorgungseinrichtungen) wird einen großen Teil des Jahres nicht ausgenutzt, muss aber dennoch bereitgehalten und unterhalten werden und verursacht damit in ökologischer und ökonomischer Hinsicht Kosten.

Die vielerorts geforderten infrastrukturellen Erweiterungen, auch im maritimen Tourismus, können deshalb nur unter ökologischen Aspekten erfolgen, wenn man die einmalige, unverbaute Küstenlandschaft, die es noch vielerorts entlang der Ostseeküste gibt, erhalten will.

Erosion: Im Bereich von küstennahen Fremdenverkehrseinrichtungen ist häufig eine anthropogen verstärkte Küstenerosion festzustellen. Stellenweise sind stark erodierende, nicht oder nicht effektiv gesperrte wilde Strandabgänge am Kliff festzustellen. An einigen Küstenabschnitten zeigen sich bereits deutliche Zersiedelungserscheinungen durch Fremdenverkehrs- und Freizeitinfrastruktur. Küstenschutzmassnahmen und Entwässerungsmaßnahmen bedrohen die Küsten zusätzlich.

Küstenschutzwälder: Die an die Ostseebäder angrenzenden, z.T. unter besonderen Schutz stehenden Küstenwälder sind ein wichtiger Bestandteil des Naturschutzes und durch ihre Schönheit und Vielfalt bei den Touristen sehr beliebt. Leider werden auch sie oft durch Unachtsamkeit gefährdet. So kommt es beispielsweise zu Freilegung, Beschädigung und Zerstörung der Baumwurzeln, Stamm- und Astschäden, Vernichtung der Bodenvegetation durch Begehen und Befahren, Belastung des Bodens durch Waschwasser (Campingplätze), Erosion infolge der Zerstörung der Bodendecke durch Wasserabflussgräben u.ä., mäßige bis starke Auflichtung des Küstenschutzwaldes für Stellflächen, Wege und Aktionsräume sowie starke Einschränkung oder Stillstand der Waldverjüngung und damit Überalterung der Bestände  

 

Ressourcen:

Für den Bereich Ressourcen sind Wasser, Boden, Luft und Rohstoffe als betroffene Bereiche zu nennen.

Wasser: Die touristische Erschließung von Küstenregionen bedeutet auch eine hohe Belastung für die örtliche Trinkwasserversorgung oder Entsorgung. Problematisch für die Wasserqualität ist u.a. der Anstrich von Booten mit Schutzfarben oder Mitteln gegen Seepocken, die ein ernsthaftes Problem für die örtlichen Fischzuchtbetriebe und die Gewässer darstellen.

Boden: Auch die Ressource Landschaft wird in erhöhtem Maße verbraucht. Natur- und Kulturlandschaften verlieren durch die touristische Nutzung bzw. Übernutzung ihre Qualität und ihren Wert als Erholungsgebiete. Vor allem hat die starke Zunahme beim Bau von Infrastruktur wie Hotels, Ferienhäusern, Straßen, Parkplätzen, Ferienparks u.a. dazu geführt, dass Landschaften stark verändert werden.

Luft: Ein schlechtes touristisches Management in Küstenorten kann zu einer erheblichen Verschmutzung der Luft führen: Durch die touristische Erschließung einer Region steigt hier der Verbrauch an fossilen Brennstoffen und kann bei entsprechend schlechtem Management zu einer nicht unbeträchtlichen Verschlechterung der Luftqualität vor Ort führen. So werden die fossilen Brennstoffe beispielsweise zum Betrieb der örtlichen Hotels, Cafés und Restaurants, für den Verkehr sowie Freizeit- und Sportaktivitäten (Wasserfahrzeuge etc.) verwendet. 

Rohstoffe (Sand, Kies): In Küstentourismusregionen ist der Verbrauch an Rohstoffen wie beispielsweise Sand und Kies höher als in anderen nicht touristisch genutzten Küstenräumen, da hier Sand und Kies benötigt werden, um den Bau von Einrichtungen, Gebäuden oder Straßen zu ermöglichen. Dieser erhöhte Verbrauch mindert die Qualität der Strände, die durch den hohen Nutzungsdruck ohnehin stärker belastet sind.

Fazit

Die Küstenregionen und ihre Bewohner brauchen: 

  • nachhaltige Tourismuskonzepte,
  • nachhaltiges Tourismusmanagement,
  • Gebietsschutz,
  • Forschung und Datenerhebung,
  • Information und Bildung,
  • einen schonenden Umgang mit Ressourcen,
  • eine Stärkung der lokalen Wirtschaft,
  • die Beschränkung des Baus von Gebäuden und Infrastruktur,
  • Abfallvermeidung und Recycling und
  • Alternative Verkehrsmittel.