Dieses Lernmodul wurde von dem Verein EUCC - Die Küsten Union Deutschland e.V. im Rahmen des Forschungsprojektes „Forschung für ein Integriertes Küstenzonenmanagement in der Odermündungsregion (IKZM-Oder)“ unter Einbeziehung der Forschungergebnisse erstellt.

2.2. 

Zukunftsperspektive nachhaltiger Tourismus

Ueckermünde
Inhalt Kapitel 2.2In diesem Kapitel wird als eine mögliche Zukunftsperspektive für touristisch intensiv genutzte Gebiete der nachhaltige Tourismus vorgestellt. Vertiefend wird dann im weiteren auf verschiedene Konzepte hierzu eingegangen.
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Reisende nehmen Umweltprobleme zunehmend wahr und lassen sich in der Wahl ihres Reiseziels davon beeinflussen, wie intakt die Natur vor Ort ist. Tourismus wird durch diese Nachfrage zum entscheidenden Faktor für eine nachhaltige Entwicklung in den Küstenregionen.

Um Tourismus und Naturschutz in Einklang zu bringen und um die Auswirkungen von Tourismus auf die Umwelt zu mindern, sind in den letzten Jahren eine Vielzahl von Konzepten und Richtlinien entstanden. Sie reichen von anwendungsbezogenen Qualitäts-Gütesiegeln, über Managementstrategien bis hin zu nationalen und internationalen Richtlinien und Gebietsfestlegungen.

 

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Karte Naturparke

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Im Folgenden werden die vier Beispiele „Europäische Charta für Nachhaltigen Tourismus“, CBD-Leitlinien (CBD= Convention on Biological Diversity), Großschutzgebiete und Meeresschutzgebiete vorgestellt. 

Die Europäische Charta für Nachhaltigen Tourismus in Schutzgebieten

Gebietsschutz ist eine wichtige Strategie des nachhaltigen Tourismus. Die Europäische Charta ist eine Auszeichnung für europäische Großschutzgebiete. Sie basiert auf der Idee einer nachhaltigen Tourismusentwicklung in Übereinstimmung mit den Tourismusleitlinien des Übereinkommens zur Biologischen Vielfalt (CBD= Convention on Biological Diversity). Ausgezeichnet werden Parke, die sich für einen nachhaltigen Tourismus engagieren. Der Schwerpunkt der Charta liegt nicht allein auf dem Schutz der Umwelt, sondern es wird ein Ausgleich zwischen ökologischen, sozialen und ökonomischen Aspekten angestrebt. In Deutschland ist die "Europäische Charta" bisher in drei deutschen Naturparken (Steinhuder Meer, Frankenwald und Insel Usedom), sowie im Nationalpark Harz und im Biosphärenreservat Pfälzer Wald erfolgreich umgesetzt worden. Die Hauptziele sind:

 

CBD Leitlinien (CBD= Convention on Biological Diversity)

Die CBD-Leitlinien beziehen sich auf alle Arten des Tourismus.

Sie gliedern sich in Abschnitte zu:

 

Zentrales Merkmal eines nachhaltigen Tourismusmanagements sollte demnach die Einbeziehung von und Abstimmung mit allen relevanten Akteuren und Gruppen auf nationaler und regionaler Ebene sein. Zusätzlich werden zehn Anforderungen an das Management formuliert. Hierzu zählen u.a.

Anforderungen an

nachhaltiges

Tourismusmanagement

  • die Ermittlung von Basisdaten zur wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Situation,
  • die Erarbeitung von Visionen bzw. Leitbildern der zukünftigen Entwicklung,
  • die Formulierung daraus abgeleiteter Ziele und Maßnahmen,
  • die Ermittlung möglicher Auswirkungen neuer Vorhaben vor ihrer Realisierung,
  • transparente Entscheidungsprozesse,
  • die Umsetzung und das Monitoring beschlossener Vorhaben.
  • Die CBD-Leitlinien verlangen die Information der Öffentlichkeit bzw. aller tatsächlich und potenziell betroffener Akteure über geplante Projekte vor deren Realisierung. Projektplanungen müssen Aussagen über die zu erwartenden wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Folgen enthalten. Besonderen Wert legen die CBD-Leitlinien außerdem auf die Maßnahmen zur Aufklärung und Bewusstseinsbildung. Informations- und Bildungsangebote sollen für Touristen und für touristische Leistungsträger und Behördenmitarbeiter angeboten werden.

    Die CBD-Leitlinien und die Europäische Charta unterscheiden sich sowohl in Reichweite als auch Charakter. Während die CBD-Leitlinien allgemeine Anforderungen für einen nachhaltige Tourismusentwicklung definieren, handelt es sich bei der Europäischen Charta um eine Auszeichnung für Großschutzgebiete. Damit sind die Anforderungen der CBD-Leitlinien weit reichender als die der Europäische Charta. Dies zeigt sich auch darin, dass stärker auf die Verantwortung von Regierungen und Behörden Wert gelegt wird.

    Großschutzgebiete

    Großschutzgebiete leisten einen wichtigen Beitrag zum Schutz und zur Entwicklung von Natur und Landschaft. Während in Nationalparken die Natur im Mittelpunkt steht, dienen Biosphärenreservate und Naturparke dem Schutz und der Entwicklung intakter Kulturlandschaften. Der jeweilige Gebietsstatus regelt das Verhältnis von Tourismus und Erholung. Das steigende Interesse an Naturerlebnissen und Aktivangeboten, die Veränderung der Altersstruktur der Bevölkerung und die Zunahme von Kurzreisen führen zu einer wachsenden Nachfrage nach Reisen und Aufenthalten in diesen Regionen. 

    (Weitere Informationen entnehmen Sie bitte dem nebenstehenden Dokument des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (2003): Der Weg ist das Ziel. Das deutsche Modellprojekt zur Erprobung der Europäischen Charta für nachhaltigen Tourismus in Schutzgebieten.)  

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    Meeresschutzgebiete

    Im Meeresbereich ist es ebenfalls möglich und erforderlich Schutzgebiete festzulegen. So wurden 2004 zehn NATURA 2000-Gebiete in der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ = 200 Seemeilenzone) der Nord- und Ostsee an die Europäische Kommission gemeldet.

    Weitere Informationen zu Natura 2000 hierzu finden Sie über den Link zum Modul Natura 2000 bei IKZM-Lernen.

    Fazit

    In Bezug auf eine nachhaltige Entwicklung und das geeignete Management ist das Ziel, die touristische Entwicklung auf die individuelle Belastbarkeit einer Region zu beziehen und geeignete Tourismusmodelle zu fördern, damit die Auswirkungen auf die Gesellschaft und die Umwelt ein akzeptables Maß nicht übersteigen.