Dieses Lernmodul wurde von dem Verein EUCC - Die Küsten Union Deutschland e.V. im Rahmen des Forschungsprojektes „Forschung für ein Integriertes Küstenzonenmanagement in der Odermündungsregion (IKZM-Oder)“ unter Einbeziehung der Forschungergebnisse erstellt.

2.3. 

Tourismusindikatoren

Ueckermünde
 
Inhalt Kapitel 2.3In diesem Kapitel werden zunächst verschiedene Indikatorensets vorgestellt (entsprechende Dokumente sind beigefügt), mit deren Hilfe eine erfolgreiche Arbeit im Tourismusbereich gemessen werden kann. Außerdem wird ein Indikatorenset für die Oderregion vorgestellt, dass im Rahmen eines EU-Projekts vor Ort erarbeitet wurde.

Indikatoren sind Kriterien, die eine Überprüfung und einen Vergleich von unterschiedlichen Reisezielen im Hinblick auf umweltbewusste und nachhaltige Tourismusentwicklung ermöglichen. Entwickelt wurden hierzu auf nationaler und internationaler Ebene Indikatorensets für nachhaltigen, ressourcenschonenden oder ökologischen Tourismus. Dabei wurde deutlich, dass eine erfolgreiche Arbeit im Tourismusbereich nicht durch die reinen Ausgabenzahlen bei den Gästen oder die Anzahl der Gästeankünfte zu messen ist. Stattdessen sind zunehmend Indikatoren wichtig, die eine Nutzung vorhandener Ressourcen bei möglichst geringer Belastung der Umwelt widerspiegeln.

Aussagekräftiger sind hier Angaben zu:

 

Indikatoren quantifizieren den Erfolg eines regionalwirtschaftlich orientierten und nachhaltigen Tourismuskonzeptes.

Gütesiegel mit den entsprechenden Indikatoren wurden im Tourismus bisher hauptsächlich auf Unterkünfte (Hotels, Pensionen, Campingplätze), Restaurants/Raststätten oder Strände/Häfen angewendet. Sie sollen einen gewissen Qualitätsstandard sicherstellen, den Besucher über die Vorzüge des angebotenen Produktes informieren und außerdem einen gewissen Werbeeffekt erzielen. Mittlerweile existieren auch über die klassischen Gütesiegel hinausgehende Indikatoren für nachhaltigen Tourismus.

Indikatorensets und Gütesiegel haben die Information der Verbraucher zum Ziel. Der Reisende soll sich in die Lage versetzt sehen, sich vor seiner Reise umfassend über die Umweltstandards in der ausgewählten Zielregion informieren zu können. Aussagekräftige Indikatorensets/Gütesiegel geben ihm damit eine bessere Produkt- und Marktübersicht und bieten eine Orientierungshilfe bei der Zielortentscheidung. Indikatoren/Gütesiegel bedeuten daher auch Verbraucherschutz. Durch die gemachten Aussagen werden dem Besucher gewisse Qualitätsstandards für das Reiseziel versichert.

Bei den touristischen Anbietern kann die Auszeichnung mit einem Gütesiegel einen Wettbewerbs- und Marktvorsprung vor gleichwertigen Angeboten ohne Kennzeichnung bedeuten. Marktanteilsverschiebungen zugunsten von  gekennzeichneten Angeboten sind das Ziel. Auch steigert das Gütesiegel den Bekanntheitsgrad des Urlaubsortes. Ebenfalls von Bedeutung ist der Effekt der Motivation, dass ein erfolgreiches Gütesiegel auf weitere Anbieter ausüben kann, mit der Folge einer Erhöhung der Produkt- und Leistungsqualität.

Indikatoren können außerdem bei politischen Entscheidungsprozessen hilfreich sein. Sie ersetzen damit aber nicht die politische Entscheidungsfindung selbst und sind auch keine Maßnahme, um Nachhaltigkeit zu erreichen.

  WWW-Link

Umweltzeichen in Europa

Im Rahmen des Programms VISIT wurde ein Vergleich der Kriterien und Prüfverfahren aller Systeme in Europa durchgeführt. Mehr als zehn Umweltzeichen in Europa einigten sich auf einen Mindeststandard mit 21 Anforderungen zu Umweltaspekten, Organisationsstruktur und Prüfverfahren. Ziel ist die Entwicklung gemeinsamer Werbestrategien und der Aufbau einer gemeinsamen Datenbank mit allen zertifizierten Produkten der VISIT Umweltzeichen sowie freier Zugang für Kunden und Reiseveranstalter.

(Weitere Informationen gibt es dazu unter nebenstehendem www.LINK)

  Zum Lesen
PDF-File
BMU Studie Indikatoren

(PDF, 589,5 kB)

Deutschsprachige Indikatorenansätze

Im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) wurden deutsche Indikatorenansätze und Ansätze aus Österreich analysiert, die Hinweise für die Entwicklung von Indikatoren zu Tourismus und Biodiversität liefern können. Berücksichtigt wurden dabei 13 Indikatorenansätze für die Umsetzung der speziellen Ziele eines Nachhaltigen Tourismus. Davon wurden 8 Studien einer detaillierten Analyse und Bewertung unterzogen werden, da sie einen konkreten tourismusspezifischen Indikatorensatz enthalten. (Die Ergebnisse entnehmen sie bitte dem nebenstehenden Dokument: BMU (2002): "Recherche und Auswertung bestehender Indikatoren zu Tourismus und Biodiversität auf nationaler und internationaler Ebene")

  WWW-Link

Umweltzeichen für die Oderregion

Weitreichender als bisherige Gütesiegel und Zertifikate soll das europaweite  "QualityCoast Label" (QualitätsKüsten Siegel) der EU Initiative "Coastal Practice Network" (CoPraNet) sein, welches ganze Regionen oder Gemeinden für ein nachhaltiges Tourismusmanagement auszeichnen will.

Regionen oder Gemeinden, die sich für ein solches Qualitätssiegel im nachhaltigen Tourismusmanagement qualifizieren möchten, haben bestimmte Standards zu erfüllen. Diese Standards werden mittels Indikatoren definiert. Wie solch ein Indikatorenset aussehen kann wird im Folgenden anhand eines Beispielprojektes, das 2005 in der Odermündungsregion durchgeführt wurde, nachvollzogen. 

  Zum Lesen
PDF-File
Akteure

(PDF, 8,1 kB)

Als Referenzregion für die Beurteilung und Anwendung der Meilensteine wurde durch den deutschen Projektpartner (Innenministerium Schleswig-Holstein) die Region Odermündung, einschließlich der Insel Usedom und dem Stettiner Haff, ausgewählt (vgl. "Lernmodul zur Odermündungsregion“). Zahlreiche Akteure aus den Gemeinden in dieser Region wurden aufgefordert, sich an den Aktivitäten zur Beurteilung der Indikatoren, zu beteiligen, um dadurch Einfluss auf die Gestaltung des Siegels zu nehmen.

Die Auswahl der Akteure (vgl. "Zum Lesen Akteure") erfolgte unter dem Gesichtspunkt Ausgewogenheit. Ziel war, möglichst viele verschiedene Ansichten zu hören, damit durch die Beurteilung und Auswahl der Indikatoren die Region optimal, und damit für den Besucher hilfreich, definiert wird. Die Entwicklung von umsetzbaren Definitionen für die Indikatoren war das Ziel. Zudem galt es herauszufinden, ob diese praxisnah und anwendbar sein können. Außerdem sollte eine Bewusstwerdung der Indikatoren erreicht werden. Die Akteure wurden auch gebeten, eine mögliche Umsetzung und Akzeptanz zu diskutieren. Das Ergebnis ist eine kritische Evaluierung auf der Basis der Erfahrungen vor Ort und die Auswahl angemessener Indikatoren für die Region.

Hafen Ueckermünde

Indikatorenset für die Odermündungsregion

Im Bereich Natur wurden folgende Kriterien festgelegt:   

1. Information der Besucher zu Möglichkeiten von Naturerleben (z.B. Vogelbeobachtung),

2. große zusammenhängende Naturgebiete und Landschaften sollen Bestandteil der Region sein,

3. die Artenvielfalt soll hoch sein,

4. Touristen sollen am Naturschutz beteiligt sein und 

5. die Erreichbarkeit von Landschaften soll gewährleistet sein  

Im Bereich Wasser- und Umweltqualität wurden ausgewählt:

6. der Besucher soll über Gesundheitsrisiken (z.B. Luftverschmutzung), aber auch Umweltqualitäten (gute Luft, sauberes Wasser) aufgeklärt werden und

7. die Wasserqualität soll regelmäßig kontrolliert werden und die Ergebnisse dem Gast zur Verfügung gestellt werden

Im Bereich Sozialökonomie sollen folgende Kriterien erfüllt werden:

8. die Region soll ein Angebot von traditionellen Übernachtungsmöglichkeiten und lokalen Speisen machen,

9. im Angebot sollen lokale Produkte und Produktionsweisen verankert sein,

10. die kulturelle Authentizität / lokale Identität der Region soll gewahrt bleiben und

11. das kulturelle Erbe soll geschützt werden

Im Bereich Qualität und Zugang zu Informationen sollen folgende Standards beachtet werden:

12. der Gast soll über Erholungs- und Freizeitaktivitäten informiert werden,

13. der Gast soll über Unterkünfte mit Öko-Siegel informiert sein und

14. der Gast soll über den Öffentlichen Personennahverkehr informiert sein

(Weitere Ausführungen zu den gewählten Kriterien entnehmen Sie bitte dem beigefügten IKZM-Oder Bericht "Bewertung von Tourismusindikatoren", Nr. 19, 2006) 

Fazit

Gütesiegel und Zertifizierungen für nachhaltigen Tourismus und ihre Indikatoren sind hilfreich und notwendig, wenn die Umweltqualität auch für künftige Generationen erhalten bleiben soll. Allein freiwillige Umweltleistungen der Tourismuswirtschaft reichen aber nicht aus.

Neben den "weichen" Instrumenten wie Selbstverpflichtungen, Ökosiegel, Umweltpreise und Zertifizierungen, Netzwerken und Seminaren sind "harte" Instrumente wie Regulierung der Trinkwasserpreise und Abfallgebühren zur Durchsetzung des Verursacherprinzips notwendig. So ist es notwendig, dass die Politik auf nationaler als auch auf internationaler Ebene entsprechende gesetzliche und steuerliche Regelungen erlässt.

Denn je nachhaltiger das touristische Angebot ist (Angebot regionaler Produkte, bessere Luft und Wasserqualität, weniger Abfälle) desto mehr Arbeitsplätze und Lebensqualität wird es für die lokale Bevölkerung geben und umso mehr Gäste werden die Region als Urlaubsziel auswählen.