{"id":567,"date":"2021-01-19T14:54:46","date_gmt":"2021-01-19T13:54:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ikzm-d.de\/gocoase\/?page_id=567"},"modified":"2024-01-09T09:48:32","modified_gmt":"2024-01-09T08:48:32","slug":"kuestenschutz-arten","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.ikzm-d.de\/kuestenschutz\/klimawandel-kuestenschutz\/kuestenschutz\/kuestenschutz-arten\/","title":{"rendered":"2.2 Arten des K\u00fcstenschutzes"},"content":{"rendered":"\n<p>Es gibt verschiedene K\u00fcstenschutzelemente, die dazu dienen, die K\u00fcste und die k\u00fcstennahe Infrastruktur zu erhalten. Das klassische Sturmflutschutzsystem an der Ostsee besteht in der Regel aus Buhnen &#8211; sandreichem Strand &#8211; D\u00fcne &#8211; K\u00fcstenschutzwald und Seedeich. Buhnen, die auch als Wellenbrecher bezeichnet werden, sind wand- oder dammartige Bauwerke quer zur Uferlinie. Durch sie wird den anrollenden Wellen bereits ein Gro\u00dfteil der Kraft genommen, bevor sie Strand und D\u00fcne erreichen. Die Buhnen in MV reichen 40 bis 80 Meter ins Meer und bilden insgesamt etwa 80 Kilometer uferstabilisierende Buhnensysteme an der K\u00fcste. Ebenfalls zu den Wellenbrechern geh\u00f6ren uferparallele Steinbauwerke, welche an besonders stark exponierten K\u00fcstenabschnitten den K\u00fcstenr\u00fcckgang reduzieren k\u00f6nnen<sup>1<\/sup>. <\/p>\n\n\n\n<p>K\u00fcstenschutzd\u00fcnen sind zur Wasserlinie parallele Sandk\u00f6rper, die gemeinsam mit dem Strand- und Schorrebereich einen sch\u00fctzenden Puffer gegen \u00dcberflutungen und Landverluste bilden. An vielen K\u00fcsten, so auch in MV, stellen sie das zentrale Schutzelement der K\u00fcste dar und sind mit \u00fcber 100 Kilometer das l\u00e4ngste Element an der Au\u00dfenk\u00fcste von Mecklenburg-Vorpommern<sup>1<\/sup>.<\/p>\n\n\n\n<p>Da Sturmfluten und der allgemeine K\u00fcstenr\u00fcckgang jedoch die Schutzwirkung dieser Ma\u00dfnahmen negativ beeinflusst, muss stetig neuer Sand &#8222;nachgef\u00fcllt&#8220; werden. Teilweise geschieht dies auf nat\u00fcrliche Weise durch Abrutschungen an Steilk\u00fcsten. Zum Gro\u00dfteil muss der Sand jedoch k\u00fcnstlich zugef\u00fchrt werden. Das Aufsp\u00fclen marin gewonnener Sande geh\u00f6rt daher auch zu einer h\u00e4ufig genutzten Ma\u00dfnahme des K\u00fcstenschutzes. Durchschnittlich werden so jedes Jahr rund 500.000 m<sup>3<\/sup> Sand entlang der K\u00fcste eingebracht<sup>1<\/sup>.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1704\" height=\"406\" src=\"http:\/\/www.ikzm-d.de\/gocoase\/wp-content\/uploads\/sites\/43\/2022\/03\/Sandaufspuelung.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1061\"\/><figcaption><sup>Schematischer Ablauf einer Sandaufsp\u00fclung (StALU MM 2017)<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Ein weiteres Element zum Schutz der bestehenden K\u00fcstenlinie, insbesondere von tiefer gelegenen Flachk\u00fcsten, ist die Erh\u00f6hung bzw. Befestigung von Deichen. Deiche sind k\u00fcnstlich angelegte, lang gestreckte Erdd\u00e4mme, die an der Seeseite abgeflacht sind, um die Energie des Wellenlaufs zu verringern<sup>2<\/sup>.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1264\" height=\"728\" src=\"http:\/\/www.ikzm-d.de\/gocoase\/wp-content\/uploads\/sites\/43\/2022\/03\/Kuestenschutzelemente.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1075\"\/><figcaption><sup>K\u00fcstenschutzelemente (GoCoase Coastline Report 2022)<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Unter Ber\u00fccksichtigung des Meeresspiegelanstieges sowie der Langlebigkeit der Geb\u00e4ude im st\u00e4dtischen Bereich, k\u00f6nnen Schutzl\u00f6sungen direkt am Bauwerk eine sinnvolle L\u00f6sung sein. Durch entsprechende Sicherungen der Fundamente und durch eine eingeschr\u00e4nkte Nutzung des Erdgeschosses k\u00f6nnen sehr lokale L\u00f6sungen geschaffen werden<sup>3<\/sup>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" style=\"font-size:18px\"><strong>Graue und gr\u00fcne Ma\u00dfnahmen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>K\u00fcstenschutzma\u00dfnahmen werden grunds\u00e4tzlich in zwei Kategorien unterteilt: Harte oder graue K\u00fcstenschutzinfrastruktur steht den weichen bzw. gr\u00fcnen K\u00fcstenschutzma\u00dfnahmen gegen\u00fcber. Nachfolgend werden die beiden Arten charakterisiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Die <strong>graue K\u00fcstenschutzinfrastruktur<\/strong> umfasst konventionelle K\u00fcstenschutzbauwerke, die im klassischen K\u00fcstenschutz eingesetzt werden. Beispiele daf\u00fcr sind Ufermauern, Deiche, Wellenbrecher sowie Deck- oder Sperrwerke. Die starren Bauwerke f\u00fchren zu einer irreversiblen Ver\u00e4nderung des Naturraums. Wegen umfangreicher Erfahrungen mit hartem K\u00fcstenschutz, ist die Wirkung ausreichend erforscht und damit kann das Schutzniveau der Bauwerke zuverl\u00e4ssig bestimmt werden. Somit sind graue K\u00fcstenschutzma\u00dfnahmen teilweise noch n\u00f6tig, um den Schutz vor dem steigenden Meeresspiegel und Sturmfluten mit Sicherheit zu gew\u00e4hrleisten<sup>6<\/sup>.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gr\u00fcne K\u00fcstenschutzma\u00dfnahmen<\/strong> sind naturnahe Ma\u00dfnahmen, die den Eingriff in die Natur so gering wie m\u00f6glich halten. Zus\u00e4tzlich zur Schutzfunktion k\u00f6nnen sie zudem weitere \u00d6kosystemleistungen bereitstellen. Hierzu z\u00e4hlen zum Beispiel, die Kohlenstoffspeicherung durch Salzwiesen, der Erhalt der Artenvielfalt und ein h\u00f6herer Erholungswert. Au\u00dferdem k\u00f6nnen weiche Ma\u00dfnahmen potentiell mit steigenden Belastungen mitwachsen und sich so nat\u00fcrlicherweise an die wandelnde K\u00fcstendynamik und den steigenden Meeresspiegel anpassen. Ein Beispiel von gr\u00fcnen K\u00fcstenschutzma\u00dfnahmen sind Salzwiesen. Auch D\u00fcnen und Sandaufsp\u00fclungen z\u00e4hlen zu den weichen Ma\u00dfnahmen, allerdings erfordern sie eine kontinuierliche Unterhaltung, um den Anforderungen von K\u00fcstenschutz, aber auch Tourismus gerecht zu werden<sup>6<\/sup>. F\u00fcr den gr\u00fcnen K\u00fcstenschutz gibt es bisher wenig Langzeiterfahrungswerte, sodass dessen Schutzniveau wenig erforscht und bislang unzul\u00e4nglich bestimmt werden kann. Grunds\u00e4tzlich muss beachtet werden, dass gr\u00fcne K\u00fcstenschutzma\u00dfnahmen oft eine gr\u00f6\u00dfere Fl\u00e4che in Anspruch nehmen, wogegen harte K\u00fcstenschutzinfrastruktur mit weniger Raum auskommen. Dies kann insbesondere an bebauten und besiedelten K\u00fcstenabschnitten mit erh\u00f6htem Nutzungsdruck die M\u00f6glichkeiten der K\u00fcstenschutzma\u00dfnahmen einschr\u00e4nken<sup>4<\/sup>.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image wp-image-755\"><figure class=\"aligncenter\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ikzm-d.de\/gocoase\/wp-content\/uploads\/sites\/43\/2021\/02\/EUCC-D-Stybel_D\u00fcnen-und-Buhnenhinweisschil_Hiddensee.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-755\"\/><figcaption><sup>Hochwasserschutzd\u00fcne auf Hiddensee. \u00a9Nardine Stybel\/ EUCC-D<\/sup><\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Hybride K\u00fcstenschutzma\u00dfnahmen<\/strong> bezeichnen eine \u00f6kologische Aufwertung von grauen K\u00fcstenschutzma\u00dfnahmen, also eine Kombination von hartem und weichem K\u00fcstenschutz. Es entsteht eine umweltfreundlichere graue K\u00fcstenschutzinfrastruktur, zum Beispiel durch das Bepflanzen von Deckwerken oder das Anlegen einer Salzwiese vor einem Deich<sup>6<\/sup>. Grunds\u00e4tzlich sollten naturn\u00e4here K\u00fcstenschutzma\u00dfnahmen nach M\u00f6glichkeit eingesetzt werden, um Eingriffe in die Umwelt zu minimieren und zeitgleich von den nat\u00fcrlichen \u00d6kosystemen zu profitieren. Dazu z\u00e4hlen u.a. der wellend\u00e4mpfende Effekt von Wasservegetation und nat\u00fcrlichen Riffen, wie beispielweise Austernriffe<sup>5<\/sup>.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1098\" height=\"363\" src=\"http:\/\/www.ikzm-d.de\/gocoase\/wp-content\/uploads\/sites\/43\/2022\/03\/harte-weiche-Massnahmen.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1048\"\/><figcaption><sup>Einteilung der K\u00fcstenschutztypen nach ihrer \u00f6kologischen Wertigkeit. In Anlehnung an Schoonees et al. (2019).<\/sup><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\">Literaturhinweise<\/h2>\n\n\n\n<ol class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-list\" style=\"font-size:10px\"><li>Staatliches Amt f\u00fcr Landwirtschaft und Umwelt Mittleres Mecklenburg (StALU MM): K\u00fcstenschutz. <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.stalu-mv.de\/mm\/Themen\/K%C3%BCstenschutz\/\" target=\"_blank\">Hier lesen.<\/a><\/li><li>ESKP: K\u00fcstenschutzma\u00dfnahmen in Deutschland.&nbsp;(o.D.). [Grundlagenartikel]. <em>Earth System Knowledge Platform<\/em>.&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.eskp.de\/grundlagen\/klimawandel\/kuestenschutzmassnahmen-in-deutschland-935637\/\">Hier lesen.<\/a><\/li><li>Sommermeier &amp; Tiepolt (2020): Sturmflut, Hochwasser, Meeresspiegelanstieg. Wie sch\u00fctzt sich MV? In: EUCC \u2013 Die K\u00fcsten Union Deutschland e.V. (Hrsg.), Meer &amp; K\u00fcste \u2013 Deutsche Ostsee, V. 8, S. 10-11. <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/eucc-d-inline.databases.eucc-d.de\/files\/documents\/00001252_MuK_8-2020_E-Book.pdf#page=22\" target=\"_blank\">Hier lesen.<\/a><\/li><li>Hirschmann, Hoffmann &amp; Welp (2012): Anpassung an den Klimawandel: K\u00fcstenschutz. Themenblatt. Umweltbundesamt. <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.umweltbundesamt.de\/sites\/default\/files\/medien\/364\/publikationen\/kompass_themenblatt_kuestenschutz_net_0.pdf\" target=\"_blank\">Hier lesen.<\/a><\/li><li>Schoonees, Gij\u00f3n Manche\u00f1o, Scheres, Bouma, Silva, Schlurmann &amp; Sch\u00fcttrumpf (2019): Hard Structures for Coastal Protection, Towards Greener Designs. Estuaries and Coasts, V. 42, S. 1709\u20131729.<\/li><li>Tiede &amp; Schlurmann (2020): K\u00fcsteningenieurwesen \u2013 Planen im Klimawandel. In: EUCC \u2013 Die K\u00fcsten Union Deutschland e.V. (Hrsg.), Meer &amp; K\u00fcste \u2013 Deutsche Ostsee, V. 8, S. 22-23. <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/eucc-d-inline.databases.eucc-d.de\/files\/documents\/00001252_MuK_8-2020_E-Book.pdf#page=22\" target=\"_blank\">Hier lesen.<\/a><\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\">Abbildungen?<\/h2>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt verschiedene K\u00fcstenschutzelemente, die dazu dienen, die K\u00fcste und die k\u00fcstennahe Infrastruktur zu erhalten. Das klassische Sturmflutschutzsystem an der Ostsee besteht in der Regel aus Buhnen &#8211; sandreichem Strand &#8211; D\u00fcne &#8211; K\u00fcstenschutzwald und Seedeich. Buhnen, die auch als Wellenbrecher bezeichnet werden, sind wand- oder dammartige Bauwerke quer zur Uferlinie. 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