{"id":583,"date":"2021-01-19T15:04:19","date_gmt":"2021-01-19T14:04:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ikzm-d.de\/gocoase\/?page_id=583"},"modified":"2024-01-09T09:48:27","modified_gmt":"2024-01-09T08:48:27","slug":"kuestenschutz-beispiele","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.ikzm-d.de\/kuestenschutz\/klimawandel-kuestenschutz\/kuestenschutz\/kuestenschutz-anpassungsstrategien\/kuestenschutz-beispiele\/","title":{"rendered":"Beispiele in MV"},"content":{"rendered":"\n<p>Als m\u00f6gliche Anpassungsstrategie an die Risiken des Klimawandels im K\u00fcstenraum wird in Kapitel 2.1 der qualifizierte R\u00fcckzug genannt. Dies bezeichnet die R\u00fcckverlegung der K\u00fcstenschutzlinie ins Hinterland, sodass die Entwicklung der nat\u00fcrlichen Dynamik in gef\u00e4hrdeten K\u00fcstenniederungen wieder zugelassen wird. Bisherige Schutzma\u00dfnahmen, wie Deiche oder Ufermauern, werden g\u00e4nzlich oder teilweise zur\u00fcckgebaut oder aufgegeben, um die \u00dcberflutung dieser vormals gesicherten Gebiete zuzulassen. Auf den neu gewonnenen \u00dcberflutungsfl\u00e4chen k\u00f6nnen sich Salzwiesen und K\u00fcsten\u00fcberflutungsmoore ausbreiten, die f\u00fcr eine effektive Abschw\u00e4chung der Wellenenergie sorgen und somit die Erosion reduzieren und Sediment zur\u00fcckhalten. K\u00fcstenerosion und die Gefahr von \u00dcberflutung durch Hochwasserereignisse werden dementsprechend vermindert. Bei einer regelm\u00e4\u00dfigen \u00dcberflutung mit einhergehender Sedimentation w\u00e4chst das vormals gesch\u00fctzte Gebiet in der H\u00f6he mit, passt sich so nat\u00fcrlicherweise an den steigenden Meeresspiegel an und bildet einen nat\u00fcrlichen Puffer<sup>2<\/sup>.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image wp-image-761\"><figure class=\"aligncenter is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ikzm-d.de\/gocoase\/wp-content\/uploads\/sites\/43\/2021\/02\/Abb.-1-R\u00fcckverlegung.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-761\" width=\"421\" height=\"231\"\/><figcaption><sup>Schematische Darstellung der R\u00fcckverlegung der K\u00fcstenschutzlinie in der Aufsicht. \u00a9CAU Kiel\/ Maria Malmberg.<\/sup><\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>R\u00fcckverlegung der Deichlinie der Karrendorfer Wiesen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Etwa zehn Kilometer n\u00f6rdlich von Greifswald ragt die Landzunge Karrendorfer Wiesen in den Greifswalder Bodden. Das urspr\u00fcngliche K\u00fcsten\u00fcberflutungsmoor mit Salzweidentorf wurde ab dem 18. Jahrhundert sukzessive durch Gr\u00e4ben und Sch\u00f6pfwerke entw\u00e4ssert und eingedeicht. Ein rasanter Moorschwund folgte. Infolgedessen sank die Oberfl\u00e4che des eingedeichten Gebiets teilweise unter Meeresspiegelniveau ab<sup>1<\/sup>. Die K\u00fcstenschutzlinie der Halbinsel wurde 1993 nach langer landwirtschaftlicher Nutzung zur\u00fcckverlegt, so dass sich das 3,6 km\u00b2 gro\u00dfe \u00dcberflutungsgebiet naturnah weiterentwickeln konnte<sup>2<\/sup>. Alte Sch\u00f6pfwerke, der ehemalige Deich und die Entw\u00e4sserungsgr\u00e4ben wurden zur\u00fcckgebaut<sup>1<\/sup>. Eine landwirtschaftliche Nutzung des Gebiets als Weidefl\u00e4che ist unter Auflagen weiterhin m\u00f6glich. Zum Schutz der angrenzenden Ortschaften wurde im Inland ein neuer Deich gebaut<sup>2<\/sup>.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit der Umsetzung des Projektes geh\u00f6ren die Karrendorfer Wiesen zum Naturschutzgebiet \u201eInsel Koos, Kooser See und Wampener Riff\u201c durch dessen Renaturierung ein naturnahes K\u00fcsten\u00fcberflutungsmoor mit nat\u00fcrlichem \u00dcberflutungsgeschehen entstehen konnte. Die Karrendorfer Wiesen sind ein Paradebeispiel der R\u00fcckverlegung, die sehr schnell umgesetzt wurde und zum Erhalt eines K\u00fcsten\u00fcberflutungsmoors beitragen konnte<sup>2<\/sup>.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>R\u00fcckverlegung der K\u00fcstenschutzlinie und Renaturierung des Ostzingsts<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft gelegene Halbinsel Ostzingst umfasst den Osterwald, ein urspr\u00fcngliches Regenmoor, die Sundische Wiese, eine urspr\u00fcngliche Salzwiese, sowie das gro\u00dfe Wei\u00dfd\u00fcnenfeld Hohe D\u00fcne bei Pramort. Die prim\u00e4re Landschaft wurde im 19. Jahrhundert eingedeicht und entw\u00e4ssert. Die ausgedeichten Fl\u00e4chen wurden jahrzehntelang durch Landwirtschaft und Milit\u00e4r genutzt. Die R\u00fcckverlegung wurde im Rahmen der Erneuerung des Leitdeichs durchgef\u00fchrt. Daf\u00fcr wurde der vormalige Boddendeich abgetragen und der Seedeich an mehreren Stellen geschlitzt. Vormalige Sch\u00f6pfwerke wurden zur\u00fcckgebaut. Vormals eingedeichte Fl\u00e4chen (16 km\u00b2) wurden anschlie\u00dfend als Ausgleichsma\u00dfnahme f\u00fcr den Bau des neuen Leitdeichs renaturiert. S\u00fcdlich des neuen Leitdeichs entstehen K\u00fcsten\u00fcberflutungsmoore mit Salzwiesen, die weiterhin als Weidefl\u00e4chen genutzt werden k\u00f6nnen. N\u00f6rdlich des neuen Leitdeichs wird die nat\u00fcrliche Dynamik wiederhergestellt. Eine Ausbreitung von Strandseen, Mooren, R\u00f6hrichten und Mischw\u00e4ldern wird erwartet. Durch h\u00e4ufigere \u00dcberflutungsereignisse wird die hydrologische Situation verbessert und neue Lebensr\u00e4ume k\u00f6nnen sich ausbreiten<sup>3<\/sup>. <\/p>\n\n\n\n<p>Das Gebiet innerhalb des Nationalparks eignet sich zwar aufgrund der fehlenden Besiedlung und geringen Infrastruktur f\u00fcr eine R\u00fcckverlegung, allerdings handelt es sich um drastische Eingriffe in das Kerngebiet des Nationalparks. W\u00e4hrend das Planungsfeststellungsverfahren bereits 1994 eingeleitet wurde, begann die praktische Umsetzung der R\u00fcckverlegung erst 2004. Die Renaturierungsma\u00dfnahmen auf dem Ostzingst werden auch im Jahr 2020 noch fortgef\u00fchrt<sup>2<\/sup>.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image wp-image-760\"><figure class=\"aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1419\" height=\"663\" src=\"http:\/\/www.ikzm-d.de\/gocoase\/wp-content\/uploads\/sites\/43\/2021\/02\/Abb.-3-Ostzingst.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-760\"\/><figcaption><sup>Karte der Halbinsel Zingst mit alter und neuer Deichlinie. \u00a9StALU VP, ver\u00e4ndert.<\/sup><\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\">Literaturhinweise<\/h2>\n\n\n\n<ol class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-list\" style=\"font-size:10px\"><li>Michaelis, Dierk (2003): Die Karrendorfer Wiesen. In: Billwitz, Konrad (Hrsg.), 2003: Landschafts\u00f6kologische Exkursionen in die Greifswalder Umgebung. Greifswalder Geographische Arbeiten; 2003, 30, DOI: 10.23689\/fidgeo-1961 <span><a href=\"\"><img decoding=\"async\" title=\"Titel anhand dieser DOI in Citavi-Projekt \u00fcbernehmen\" class=\"citavipicker\" src=\"image\/svg+xml;base64,PD94bWwgdmVyc2lvbj0iMS4wIiBlbmNvZGluZz0idXRmLTgiPz48IURPQ1RZUEUgc3ZnIFBVQkxJQyAiLS8vVzNDLy9EVEQgU1ZHIDEuMS8vRU4iICJodHRwOi8vd3d3LnczLm9yZy9HcmFwaGljcy9TVkcvMS4xL0RURC9zdmcxMS5kdGQiPjxzdmcgdmVyc2lvbj0iMS4xIiBpZD0iRWJlbmVfMSIgeG1sbnM9Imh0dHA6Ly93d3cudzMub3JnLzIwMDAvc3ZnIiB4bWxuczp4bGluaz0iaHR0cDovL3d3dy53My5vcmcvMTk5OS94bGluayIgeD0iMHB4IiB5PSIwcHgiIHdpZHRoPSIxNnB4IiBoZWlnaHQ9IjE2cHgiIHZpZXdCb3g9IjAgMCAxNiAxNiIgZW5hYmxlLWJhY2tncm91bmQ9Im5ldyAwIDAgMTYgMTYiIHhtbDpzcGFjZT0icHJlc2VydmUiPjxnPjxnPjxwYXRoIGZpbGw9IiNGRkZGRkYiIGQ9Ik04LjAwMSwxNS41QzMuODY0LDE1LjUsMC41LDEyLjEzNiwwLjUsOGMwLTQuMTM1LDMuMzY1LTcuNSw3LjUwMS03LjVTMTUuNSwzLjg2NCwxNS41LDhTMTIuMTM3LDE1LjUsOC4wMDEsMTUuNXoiLz48cGF0aCBmaWxsPSIjRDUyQjFFIiBkPSJNOC4wMDEsMUMxMS44NiwxLDE1LDQuMTQxLDE1LDhzLTMuMTM5LDctNi45OTksN0M0LjE0LDE1LDEsMTEuODU5LDEsOFM0LjE0LDEsOC4wMDEsMSBNOC4wMDEsMEMzLjU4MiwwLDAsMy41ODIsMCw4czMuNTgyLDgsOC4wMDEsOEMxMi40MTgsMTYsMTYsMTIuNDE4LDE2LDhTMTIuNDE4LDAsOC4wMDEsMEw4LjAwMSwweiIvPjwvZz48cGF0aCBmaWxsPSIjRDUyQjFFIiBkPSJNNi43NDUsMTIuNTg5Yy0wLjIyNywwLjEyMi0wLjQ5NywwLjI0Ny0wLjY4NCwwLjI0N2MtMC4zMTgsMC0wLjUwMS0wLjE2NC0wLjUwMS0wLjQ1MmMwLTAuMjA3LDAuMTQtMC4zNzUsMC41OTUtMC42MjJjMS41NDktMC45MDQsMi41OTQtMi4yNzIsMi41OTQtMy43MjFjMC0wLjgyNS0wLjIyNy0xLjExOS0wLjY4MS0xLjExOWMtMC4xMzUsMC0wLjMyLDAuMjE5LTAuNjM2LDAuMjE5SDcuMTU3QzYuMTAyLDcuMTQzLDUuMzMzLDYuMjY0LDUuMzMzLDUuMjNjMC0xLjE1MiwwLjk1OC0yLjAwNiwyLjI4LTIuMDA2YzEuNzc3LDAsMy4wNTMsMS4zNzMsMy4wNTMsMy40M0MxMC42NjYsOS4yMTUsOS4yMDMsMTEuMjcsNi43NDUsMTIuNTg5Ii8+PC9nPjwvc3ZnPg\" style=\"border: 0px none!important;width: 16px!important;height: 16px!important;margin-left:1px !important;margin-right:1px !important\"><\/a><\/span>. <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/e-docs.geo-leo.de\/handle\/11858\/00-1735-0000-0023-AD27-7\" target=\"_blank\">Hier lesen.<\/a><\/li><li>Petersen &amp; Stybel (2021): R\u00fcckverlegung von K\u00fcstenschutzlinien. GoCoase Factsheet No. 3. <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.eucc-d.de\/tl_files\/eucc_images\/img\/projekte\/GoCoase\/GoCoase%20Factsheet%20No%203_final_v14-01-2021.pdf\" target=\"_blank\">Hier lesen.<\/a><\/li><li>Staatliches Amt f\u00fcr Umwelt und Natur (StAUN) Stralsund (2009): Sturmflutschutz Renaturierung Ostzingst \u2013 Eine Zwischenbilanz. 1. Auflage. Stralsund.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als m\u00f6gliche Anpassungsstrategie an die Risiken des Klimawandels im K\u00fcstenraum wird in Kapitel 2.1 der qualifizierte R\u00fcckzug genannt. Dies bezeichnet die R\u00fcckverlegung der K\u00fcstenschutzlinie ins Hinterland, sodass die Entwicklung der nat\u00fcrlichen Dynamik in gef\u00e4hrdeten K\u00fcstenniederungen wieder zugelassen wird. Bisherige Schutzma\u00dfnahmen, wie Deiche oder Ufermauern, werden g\u00e4nzlich oder teilweise zur\u00fcckgebaut oder aufgegeben, um die \u00dcberflutung dieser [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"parent":643,"menu_order":5,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-583","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.ikzm-d.de\/kuestenschutz\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/583","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.ikzm-d.de\/kuestenschutz\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.ikzm-d.de\/kuestenschutz\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ikzm-d.de\/kuestenschutz\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ikzm-d.de\/kuestenschutz\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=583"}],"version-history":[{"count":31,"href":"https:\/\/www.ikzm-d.de\/kuestenschutz\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/583\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1143,"href":"https:\/\/www.ikzm-d.de\/kuestenschutz\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/583\/revisions\/1143"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ikzm-d.de\/kuestenschutz\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/643"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.ikzm-d.de\/kuestenschutz\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=583"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}