Disclaimer:

Dieses Informationsmodul präsentiert eine Seminararbeit, die von Studenten zu den Themen Küsten im Wandel bzw. Kulturpflanze Mais im Rahmen des weiterbildenden Fernstudiengangs "Umwelt & Bildung" der Universität Rostock angefertigt wurde.

Klimawandel und Küstenschutz

- Betrachtungen am Beispiel der Küste Mecklenburg-Vorpommerns -

von

Iris Bechtold, Dörte Poszig & Olaf Schwark

Dezember 2006

 

Ahrenshoop, Baltic Sea (GERMANY)

"Es ist besser beizeiten Dämme zu bauen, als zu hoffen, daß die Flut Vernunft annimmt."    

 

Bertolt Brecht

Klimawandel ist derzeit ein heiß diskutiertes Thema in allen Medien. Nicht nur das Eis der Polargebiete ist von einer Erderwärmung betroffen, wie wir mittlerweile wissen, auch die Meere werden in Zukunft wärmer werden und das Wasser wird an den Küsten höher stehen. Braut sich da etwas zusammen für die Menschen und die Wirtschaft, die Flora und Fauna an der deutschen Küste? Und was bedeutet der Klimawandel für den Küstenschutz? 

Auf den folgenden Seiten werden wir Ihnen die Küste Mecklenburg-Vorpommerns mit ihren vielfältigen Nutzungen in Wort und Bild vorstellen, die Konsequenzen eines Klimawandels für die Ostseeküste umreißen und mögliche Maßnahmen des Küstenschutzes unter einer Klimaerwärmung darstellen. Diese Seiten informieren nicht nur über die Hintergründe einer Klimaerwärmung und die Folgen für den Küstenschutz, sondern sie zeigen auch, was jeder Einzelne von uns tun kann, um dem Ausmaß des Klimawandels Paroli zu bieten.

Viel Spaß beim Informieren!    

 

1. 

Inhaltsverzeichnis

1. Inhaltsverzeichnis
2.2. Wirtschaft
2.3. Umwelt
6.7. Beispiele
 

2. 

Die Küste Mecklenburg-Vorpommerns - von vielen genutzt, von wenigen geschützt

Lubmin (GERMANY)

 

Die Küste Mecklenburg-Vorpommerns wird von vielen genutzt. Neben den Mecklenburgern kommen jährlich Millionen Touristen an die Ostseeküste, um sich zu erholen oder einfach nur, um die Natur zu genießen. Allein im Jahre 2004 hat es offiziell mehr als 24 Millionen Übernachtungen gegeben (STATISTISCHES AMT M-V 2006). Diese Zahl macht deutlich, wie hoch der Stellenwert des Tourismus für die wirtschaftliche Situation des Landes und seiner Bürger ist.   

In diesem Kapitel laden wir Sie ein mehr über das Land Mecklenburg-Vorpommern, kennen zu lernen. (OS)

 

2.1. 

Daten und Fakten

  WWW-Link

Mecklenburg-Vorpommern liegt im Nordosten der Bundesrepublik Deutschland und hat eine Fläche von 23.178 Quadratkilometern. Rund 1,7 Millionen Menschen leben zwischen Polen im Osten, Brandenburg im Süden, Niedersachsen im Südwesten und Schleswig-Holstein im Westen. Im Norden bildet die Ostsee eine natürliche Grenze. Landeshauptstadt ist Schwerin. Die Außenküste Mecklenburg-Vorpommerns ist 381 Kilometer lang. Davon sind 245 Kilometer Steilküste.

Seine Geografie wird durch die Zugehörigkeit zur norddeutschen Tiefebene bestimmt. Typische Landschaftsform ist das hüglige Flachland mit Wäldern und Seen. Charakteristisch für die eiszeitliche Prägung der Landschaft ist der Mecklenburger Höhenrücken, die Mecklenburgische Seenplatte und die Heidelandschaften im Osten und Westen. Etwa 64 % der Landesfläche werden landwirtschaftlich genutzt, 7 % sind Siedlungs- und Verkehrsflächen und ca. 20 % des Landes ist bewaldet.

Gewässer nehmen über 5 % der Landesfläche ein. Die Müritz ist mit 109 km2 Wasseroberfläche der größte deutsche Binnensee. Der längste Fluss Mecklenburg-Vorpommerns ist die Elde. Sie mündet in die Elbe und ist innerhalb der Landesgrenzen auf einer Länge von 180 km schiffbar. Die Helpter Berge bilden mit 179 Metern über NN die höchste Erhebung.

In den von einer Überschwemmung bzw. einem Meeresspielanstieg betroffenen Gebieten leben rund 163.000 Menschen. (OS)

[Quelle: http://www.mecklenburg-vorpommern.eu]

 

2.2. 

Wirtschaft

In Mecklenburg-Vorpommern gehen derzeit rund 700.000 Menschen einer Erwerbstätigkeit nach. Mehr als 90 % von ihnen sind Arbeitnehmer, fast ein Zehntel der Erwerbstätigen ist selbständig. Die Arbeitslosenquote liegt bei durchschnittlich 20 %. Die Struktur des Arbeitsmarktes spiegelt den tiefgreifenden Wandel im Wirtschaftsgefüge seit der Wiedervereinigung im Jahr 1990 wider. Während es immer mehr Selbständige gibt, sinkt die Zahl der Arbeitnehmer. Im Jahr 2005 verringerte sich die Anzahl der Arbeitsplätze im Saldo um 1,1 % (Deutschland: -0,2 %). Besonders betroffen waren mit Verlusten von über 7 % das Baugewerbe und die Landwirtschaft. Im Plus liegt der Dienstleistungsbereich, wo fast 80 % aller Arbeitsplätze im Land beheimatet sind.

Das Wirtschaftsgefüge Mecklenburg-Vorpommerns ist modern und leistungsfähig. Traditionelle Wirtschaftsbereiche sind die Landwirtschaft, die maritime Wirtschaft (z.B. Schiffbau) oder der Tourismus. Hinzu kommen aus den neuen Wirtschaftsbereichen zahlreiche Neuansiedlungen aus der Holz- oder Automobilindustrie, der Luft- und Raumfahrt, der Offshore-Windkraft, der Kunststoffverarbeitung sowie Callcenter. (OS)

[Quelle: http://www.mecklenburg-vorpommern.eu]

 

2.3. 

Umwelt

Mecklenburg-Vorpommern bietet ca. 1.700 km Strand und Steilküsten, und außerdem 2.014 Seen, die für kurze Wege zum Wasser sorgen. Ein Land, in dem Biber und Seeadler zu Hause sind, Storch und Kranich ihre Nester haben. In diesem Bundesland kann man die Natur in ihrer ganzen Vielfalt erleben – sanfte Hügel und schroffe Klippen, sandige Dünen und saftige Wiesen, urwüchsige Wälder und gut bestellte Felder, Wälder, Moore und Flusstäler mit artenreicher Pflanzen- und Tierwelt. Seen mit klarem Wasser – Mecklenburg-Vorpommern verfügt über große Naturreichtümer.

Diesen Schatz gilt es zu bewahren. Aus diesem Grund wurden zahlreiche Schutzgebiete ausgewiesen. Zu drei Biosphärenreservaten und sieben Naturparken gesellen sich knapp 300 Naturschutzgebiete und über 140 großflächige Landschaftsschutzgebiete. Und nicht zuletzt befinden sich drei der zwölf deutschen Nationalparks in Mecklenburg-Vorpommern. Diese haben als Vogelbrut- und Rastgebiet überregionale Bedeutung. 

Neben seiner Bedeutung für Natur und Landschaft spielt der Umweltschutz auch für den Tourismus eine nicht zu unterschätzende Rolle. Die intakte Natur und die saubere Luft locken viele Urlauber und sind besonders im Gesundheitstourismus von Bedeutung. Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund gilt auch dem Klimaschutz besonderes Augenmerk.

Der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromversorgung ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Auf Platz eins liegt dabei die Windenergie mit einem Anteil von 84 %, gefolgt von der Biomasse mit 10 %. Ohne die erneuerbaren Energien wäre allein 2002 der CO2-Ausstoß um 1,4 Millionen t höher gewesen. Schon jetzt liegen die Pro-Kopf-Emissionen mit einem Wert zwischen 5,3 und 6 t in Mecklenburg-Vorpommern weit unter dem bundesweiten Durchschnitt von 10,4 t je Einwohner.

Neben Maßnahmen zum Klimaschutz unterstützt Mecklenburg-Vorpommern mit dem Landesumweltwettbewerb und der Stiftung für Umwelt- und Naturschutz weitere Projekte. Zu den zentralen Landesveranstaltungen gehört der jährliche Umwelttag. (OS)

[Quelle: http://www.mecklenburg-vorpommern.eu]

 

3. 

Klimawandel an der Küste

Ostseeküste heute.
Ostseeküste morgen?

Die Aussicht auf ein Sonnenbad am Palmenstrand nicht nur im Urlaub, sondern tagein, tagaus, würde manchen Ostseeanwohner womöglich heiter stimmen. Aber wie man schon ahnt - ganz so einfach verhält es sich mit dem Klimawandel und seinen Folgen nicht.

Wenn uns wärmere Temperaturen also vielleicht keine Palmen bescheren, was haben sie dann für Auswirkungen? Und kann man das überhaupt mit einer gewissen Sicherheit vorhersagen? Wie schließt man vom globalen auf das regionale Klima? Und was für Zeithorizonte betrachtet man – ist das nicht alles noch sehr weit weg? Was haben die Gletscher Grönlands mit der Ostsee zu tun?    

In diesem Kapitel soll der Versuch gemacht werden, Antworten auf diese Fragen zu finden. Im Mittelpunkt steht dabei die Betrachtung der Auswirkungen des globalen Klimawandels auf die Küste Mecklenburg-Vorpommerns – ihre Bevölkerung, Wirtschaft und natürlichen Lebensgrundlagen. Sie alle werden sich unter dem globalen Klimawandel verändern. Die Frage ist nur: Wie? (DP)

 

3.1. 

Klimaforschung - Vom Globalen ins Regionale

Ob unsere Vorfahren wohl schon ahnten, dass sich ihre Lebensweise auf das Klima unserer Tage auswirken würde? Wahrscheinlich nicht. Mit Beginn der Industriellen Revolution Mitte des 18. Jahrhunderts veränderte sich die Lebensweise der Bevölkerung Europas dank stetiger Innovation und neuer Technologien grundlegend. Die Verbrennung fossiler Energieträger - anfangs nur Kohle, später auch Öl und Gas - zur maschinellen Produktion von Waren nahm damals ihren Anfang und markiert damit den Beginn einer drastischen Veränderung unseres Klimas (SCHREINER 2006). Seit 1861, das den Beginn systematischer meteorologischer Aufzeichnungen markiert, ist die global gemittelte Temperatur um 0,6 +/- 0,2°C gestiegen (UBA 2004). Obwohl dies weniger als ein Grad ist, hat diese geringe Erwärmung einen großen Einfluss auf unser Klima. Es ist die größte Temperaturerhöhung auf der Nordhalbkugel während der letzten 1000 Jahre (EBD.).    

Heute wissen wir, dass unsere Lebensweise auch Folgen für das Klima zukünftiger Generationen haben wird (RAHMSTORF & SCHELLNHUBER 2006). Dieses Wissen eröffnet uns die Möglichkeit, umzudenken, zu handeln und dagegen zu steuern, um den Klimawandel zumindest in seinem Ausmaß zu begrenzen. Klimamodelle ermöglichen es uns dabei, die Größe zukünftiger Klimaänderungen im Vorfeld zu ermitteln, damit wir angemessene Anpassungsmaßnahmen treffen können (HÜBENER 2006). Klimasimulationen bieten aber auch die Möglichkeit herauszufinden, welche Einflüsse welche Wirkung nach sich ziehen (EBD.). Im Folgenden soll daher kurz auf Klimamodelle als Vorhersageinstrument eingegangen werden.   

 

Abweichungen der Oberflächentemperatur der Erde vom langjährigen Mittel (1961-1990) für die letzten 140 Jahre (globale Betrachtung) und die vergangenen 1000 Jahre (nördliche Hemisphäre) (IPCC 2001)

Klimamodelle: Wie gut sind sie? 

"Viele Menschen glauben, dass die Bedrohung durch den globalen Klimawandel eine theoretische Möglichkeit ist, die sich aus unsicheren Modellberechnungen ergibt. Gegenüber solchen Modellrechnungen haben sie ein verständliches Misstrauen - schließlich ist ein Klimamodell für den Laien undurchschaubar und seine Verlässlichkeit kaum einzuschätzen. Manch einer glaubt gar, wenn die Computermodelle fehlerhaft sind, dann gibt es vielleicht gar keinen Grund zur Sorge über den Klimawandel.

Dies trifft jedoch nicht zu. Die wesentlichen Folgerungen über den Klimawandel beruhen auf Messdaten und elementarem physikalischen Verständnis. Modelle sind wichtig und erlauben es, viele Aspekte des Klimawandels detailliert durchzurechnen. Doch auch wenn es gar keine Klimamodelle gäbe, würden Klimatologen vor dem anthropogenen Klimawandel warnen." (RAHMSTORF & SCHELLNHUBER 2006, S. 7)

Dieses Zitat aus dem gerade erschienenen Buch zum Klimawandel zweier international namhafter Experten, Stefan Rahmstorf und Hans Joachim Schellnhuber vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), nennt zwei wichtige Punkte, die immer wieder zur Sprache kommen, wenn es um Klimamodelle geht: der Zweifel vieler Menschen an der Verlässlichkeit solcher Modelle, aber auch ihr Potenzial für Wissenschaftler, mit ihrer Hilfe bestimmte Aspekte des Klimawandels zu berechnen und sie damit vorhersagbar zu machen. 

Wie funktioniert also ein Klimamodell? CUBASCH (2002) beschreibt dies verständlich. Klimamodelle beschreiben das Klima der Erde mit physikalisch-mathematischen Gleichungen. Mit Hilfe von Klimamodellen kann für einen bestimmten geografischen Raum die charakteristische Verteilung der häufigsten, mittleren und extremen Wetterzustände und Witterungsvorgänge berechnet werden. Dazu werden die beiden wichtigsten Klima-Einzelsysteme, die Erdatmosphäre und die Ozeane, in Gitterzellen mit z. Zt. typischerweise 250-500 km horizontaler Kantenlänge und in ca. 10-20 vertikale Schichten aufgeteilt. Die in den jeweiligen Gitterzellen ablaufenden physikalisch-chemischen Prozesse, z. B. die Wolkenbildung, werden danach „parametrisiert“. Das bedeutet, dass die Prozesse aus den an den Rändern der Gitterzelle bekannten Werten über meteorologische Gesetzmäßigkeiten abgeleitet werden. Mit einem Prozess, der "Downscaling" heisst, kann man die Information eines globalen Klimamodells, wie es oben beschrieben wird, weiter auf die regionale Skala mit einer wesentlich höheren Auflösung herunterbrechen (STORCH et al. 1999). 

Um zu prüfen, ob Klimamodelle tatsächlich richtig vorhersagen, werden sie an der Realität „geeicht“ (CUBASCH 2002). Das macht man, indem man mit ihnen das heutige Klima nachrechnet und die Ergebnisse mit dem tatsächlich beobachteten Klima vergleicht. Eine solche „Validierung“ zeigt, dass die Ergebnisse der gegenwärtig benutzten Klimamodelle im Großen und Ganzen mit der tatsächlich beobachteten Klimaentwicklung übereinstimmen.

Aufgrund der fortwährend steigenden Computer-Rechenleistung werden die Klimamodelle immer besser. Auch die Simulation des Klimageschehens der letzten Jahrhunderte ist mittlerweile aufgrund der schnelleren Rechenanlagen möglich. So kann auch überprüft werden, ob das mit Modellen errechnete historische Klima mit dem bekannten Klimageschehen der letzten Jahrhunderte übereinstimmt. Der Blick in die Vergangenheit gibt damit Auskunft über die Güte eines Klimamodells. 

   

Regionale Prozessstudien für die Ostseeregion und Deutschland

Die Erarbeitung von grundlegendem Handlungs- und Orientierungswissen für praxisrelevante Klimaschutzmaßnahmen in Deutschland ist ein wichtiges Ziel des 2001 gestarteten und auf mehrere Jahre ausgelegten Klimaforschungsprogramm DEKLIM, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung ins Leben gerufen wurde. Es unterstützt das Nationale Klimaschutzprogramm und die Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung.

Ein Forschungsbereich von DEKLIM beschäftigt sich mit dem Einfluss globaler Klimaveränderungen auf das Wassereinzugsgebiet der Ostsee. Multidisziplinäre Forschergruppen untersuchen in diesem Bereich, wie sich Änderungen in der Atmosphäre, des Meeres und der Landoberfläche auf das Klima der Ostseeregion auswirken, aber auch welchen Einfluss zukünftige Klimaveränderungen auf terrestrische und marine Ökosysteme im Wassereinzugsgebiet der Ostsee haben werden. Die einzelnen Projekte liefern einen Beitrag zum Baltic Sea Experiment (BALTEX), einem Teilprogramm des Weltklimaforschungsprogramms (WCRP).    

In der Studie "Künftige Klimaänderungen in Deutschland - Regionale Projektionen für das 21. Jahrhundert" des Umweltbundesamtes in Kooperation mit dem Max-Planck-Institut für Meteorologie werden die regionalen Auswirkungen des Klimawandels in Deutschland beschrieben und analysiert (UBA und MPI für Meteorologie 2006). Die Studie stellt hoch aufgelöste Daten zur künftigen Klimaentwicklung flächendeckend für Deutschland vor. Das für die Studie verwendete regionale Klimamodell REMO hat eine Auflösung von 10km x 10km und liefert Daten zu Temperatur, Niederschlag und Schnee. Regionalisierte Informationen zu möglichen Änderungen des Klimas in Mecklenburg-Vorpommern liegen auf der Basis von REMO und einem weiteren Modell, WETTREG, für den Zeitraum bis 2100 vor (JACOB & KREIENBERG 2006).

Zu was für Ergebnissen die Klimaforscher aufgrund ihrer Untersuchungen für die Ostseeküste kommen, das soll in Kapitel 3.3 beispielhaft dargestellt werden. (DP)  

 

3.2. 

Meeresspiegelanstieg - "Land unter" auf lange Sicht

Küstenrelevante Aspekte des Klimawandels sind der Anstieg der Luft- und Wassertemperaturen, Änderungen in der Niederschlagsverteilung, der Meeresspiegelanstieg und die Zunahme von Stürmen (BMU 2006). Der Meeresspiegelanstieg, in Kombination mit einer höheren Sturmfrequenz und -intensität, hat von diesen Aspekten eine besonders große Bedeutung für die Küstenanwohner. „Land unter!“ – das erlebten die Anwohner der Küste Mecklenburg-Vorpommerns im 19. Jahrhundert und davor einmal, vielleicht zweimal in ihrem Leben. Mit dem Anstieg der Meere und der größeren Gefahr, die von Sturmfluten ausgeht, wächst die Wahrscheinlichkeit, dass man in Zukunft häufiger oder sogar dauerhaft „nasse Füße“ bekommen wird.

 

Hintergrund und Prognosen 

Der Meeresspiegelanstieg ist eine unausweichliche Folge der globalen Klimaerwärmung. Große Wassermassen auf unserem Planeten sind als Gletscher und Eis gebunden. Wenn Teile dieser landgebundenen Eismassen durch steigende Temperaturen zum Schmelzen gebracht werden, steigt dadurch der Meeresspiegel an (RAHMSTORF & SCHELLNHUBER 2006). Ein weiterer Grund für einen Meeresspiegelanstieg liegt daran, dass sich das Wasser der Ozeane aufgrund der Erwärmung ausdehnt (EBD.).

Ein Blick in die Erdgeschichte lehrt uns, dass Temperatur und Meeresspiegelanstieg eng miteinander verknüpft sind. Während der letzten Eiszeit (vor rund 20.000 Jahren) lag der Meeresspiegel rund 120 m niedriger als heute und das Klima war global ca. 4-7°C kälter (WBGU 2006, S. 34). Während der letzten Warmperiode vor 120.000 Jahren hingegen war das Klima nur etwa 1°C wärmer, der Meeresspiegel aber wahrscheinlich mehrere Meter höher (EBD.). Anstiegsraten des Meeresspiegels bis zu 5 m pro Jahrhundert, die wahrscheinlich noch nicht den oberen Grenzwert darstellen, wurden dokumentiert (EBD.). Die Höhe des Meeresspiegels wird neben klimatischen aber auch über nicht-klimatische Prozesse wie nacheiszeitliche Hebungs- und Senkungsprozesse der Landmassen beeinflusst (MEIER et al. 2006).

Der globale Meeresspiegel steigt derzeit um 3 cm/Jahrzehnt (RAHMSTORF 2006). Selbst wenn die Erwärmung bei 3°C gestoppt würde, würde der Meeresspiegel in den folgenden Jahrhunderten wahrscheinlich um weitere Meter ansteigen (EBD.). In seinem dritten Bericht zum Klimawandel prognostizierte das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) einen klimawandelbedingten globalen Anstieg des Meeresspiegels um 9 bis 88 cm bis zum Jahr 2100 (IPCC 2001), was jedoch eine Unterschätzung sein dürfte, wie der Wissenschaftliche Beirat für Globale Umweltveränderungen der Bundesregierung (WBGU) in seinem 2006 erschienenen Sondergutachten "Die Zukunft der Meere - zu warm, zu hoch, zu sauer" feststellt. Unklar ist nach wie vor, wie schnell das Eis in den polaren Regionen schmelzen wird. Erst jüngste Untersuchungen aus dem Frühjahr 2006 machten deutlich, dass wichtige Faktoren zur Beschleunigung des Schmelzvorgangs, wie etwa die Rolle des Schmelzwassers als Schmiermittel bei der Gletscherwanderung sowie die Rolle der Reibungswärme beim Gletscherabfluss und die Bedeutung des Wegfalls mechanischer Bremswirkung durch Gletscherzungen, in den bisherigen Rechenmodellen noch nicht ausreichend berücksichtigt wurden (z.B. JOUGHIN 2006). Ein Zerfall der polaren Eiskappen könnte unter Berücksichtigung dieser Faktoren möglicherweise in einem Zeitraum von Jahrhunderten statt wie bisher angenommen von Jahrtausenden ablaufen (WBGU 2006).

Gletscher auf Grönland aus der Luft, im Vordergrund sieht man die Abbruchkante des Eises ins Meer.

Auf lange Sicht – nämlich für die kommenden Jahrhunderte bzw. Jahrtausende – könnte das Abschmelzen der großen Eismassen auf der Erde einen noch erheblicheren Anstieg nach sich ziehen, verglichen mit dem die prognostizierten 9 bis 88 cm des IPCC sogar recht harmlos wirken: Das vollständige Abschmelzen des Grönlandeises würde den Meeresspiegel um 7 m, das Eis des westantarktischen Eisschildes um 6 m anheben; das Schmelzen des ostantarktischen Eisschildes würde den Meeresspiegel sogar um über 50 m steigen lassen (WBGU 2006). Der WBGU geht bis 2300 von einer Erhöhung zwischen 2,5 und 5,1 m aus. Eine neuere fundierte Einschätzung, mit wie viel cm oder m zu rechnen ist, wird voraussichtlich der im Frühjahr 2007 zu erwartende vierte IPCC-Bericht enthalten. Nach neueren Modellrechnungen des Max-Planck-Instituts für Meteorologie in Hamburg und des Deutschen Klimarechenzentrums (DKRZ) wird die globale Erwärmung gegen Ende dieses Jahrhunderts (relativ zum Mittelwert der Jahre 1961-1990) zwischen 2,5°C und 4,1°C liegen - je nachdem, wie viele Treibhausgase bis dahin in die Atmosphäre abgegeben werden (DKRZ 2005). Die Abnahme der Eisbedeckung würde dann zwischen 30% und 50% liegen und als Folge der globalen Erwärmung könnte die Arktis gegen Ende dieses Jahrhunderts im Spätsommer eisfrei sein (EBD.).

 

Meeresspiegelanstieg an der Ostsee 

Im Rahmen des europäischen Projektes SEAREG ("Sea Level Change and Spatial Planning in the Baltic Sea Region") wurden die Auswirkungen des Klimawandels auf den Meeresspiegelanstieg und Überflutungsereignisse im Ostseeraum mit Hilfe regionaler Klimamodellsimulationen untersucht (MEIER et al. 2006). Ziel des Projektes war es, überflutungsgefährdete Räume an der Ostsee ausfindig zu machen und auf Karten darzustellen. Da die Ostsee in einem Gebiet postglazialer Hebungs- und Senkungsprozesse liegt, müssen diese Prozesse in die Betrachtung der Änderungen des Meeresspiegels einbezogen werden (KALLIO 2006). Die Landhebung im Ostseeraum variiert zwischen 0 und 9 mm im Jahr - die niedrigsten Werte werden im Süden der Ostsee, also auch an der deutschen Küste, und die höchsten Werte im Bottnischen Meerbusen im Norden Schwedens gemessen (MEIER et al. 2006).

Genaue Angaben, wie viel höher das Meer an der deutschen Ostseeküste stehen wird, sind zwar noch nicht möglich, aber die SEAREG-Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass die größten Meeresspiegelanstiege in der östlichen und südöstlichen Ostsee und damit auch an der Küste Mecklenburg-Vorpommerns, im Golf von Riga und im Finnischen Meerbusen auftreten werden (EBD.). Die extremen Wasserstände (also z.B. während einer Sturmflut) werden voraussichtlich verhältnismäßig höher ausfallen als der mittlere Meeresspiegel höher sein wird (EBD.). Da das Überflutungsrisiko damit steigt, besteht grosser Bedarf, die Verletzlichkeit von Küstenzonen besser zu verstehen.

Im Rahmen von SEAREG wurde für Deutschland die Verletzlichkeit der Insel Usedom gegenüber einem Klimawandel untersucht (EBD.). Die Klimaforscher kommen für Usedom zu dem Schluss, dass 13% der gesamten Inselfläche durch einen Meeresspiegelanstieg von 25 cm beeinträchtigt wären, während es 28% im Falle eines 80 cm-Anstiegs wären. Die folgende Abbbildung zeigt anschaulich, welche Bereiche von Usedom bei einem Meeresspiegelanstieg von 1 m überflutet wären. Usedom wird, zusammen mit der Küste zwischen Rostock und Hiddensee, als erstes vom Meeresspiegelanstieg betroffen sein. Langfristig und bei einem größeren Meeresspiegelanstieg wäre hingegen die ganze Küste Mecklenburg-Vorpommerns betroffen. (DP)

 

 

3.3. 

"Was geht mich das an?" - Folgen des Klimawandels für die Küste Mecklenburg-Vorpommerns

Höhere Luft- und Wassertemperaturen, veränderte Niederschläge, der Meeresspiegelanstieg und möglicherweise häufigere Stürme werden see- und landseitige Auswirkungen auf die Küste und damit auf Flora und Fauna, die Menschen,  die Wirtschaft und die Infrastruktur haben (BMU 2006). Im Folgenden sollen einige mögliche Auswirkungen eines Klimawandels für die Küste Mecklenburg-Vorpommerns exemplarisch genannt werden:

 

Lebensräume, Flora und Fauna

Ein erhöhter Meeresspiegel in Kombination mit höherer Sturmfrequenz und -intensität wird zu starken Erosionserscheinungen im Flachwasser und an den Stränden führen und die Form von Ästuaren und den Meeresboden sowie dessen Sedimentstruktur beeinflussen (KNOGGE et al. 2004). Dies wiederum wird Auswirkungen auf die Tiere und Pflanzen haben, die an diese Lebensräume angepasst sind und auf sie angewiesen sind wie z.B. Muscheln, Fische und Vögel. Die Auswirkungen auf die dort vorkommenden Vogelpopulationen (insbesondere brütende und nahrungssuchende See- und Küstenvögel) werden stark davon abhängen, wie der Mensch auf den Anstieg reagiert (EBD.). So wird sich bei Beibehalten der jetzigen Deiche und anderen starren Küstenschutzmaßnahmen die Fläche der Lebensräume der See- und Küstenvögel verringern. Wird jedoch eine Veränderung der Küste zugelassen, könnten landeinwärts neue Wattgebiete und Salzwiesen entstehen und einen Ersatz für die verloren gegangenen Gebiete sein (EBD.).

 

Gesundheit

Die Gesundheit vieler Menschen könnte unter einer Klimaveränderung leiden. Hitzewellen, wie sie uns seit 2003 wohlbekannt sind, könnten besonders für geschwächte Personen zum Problem werden (CRAMER 2006). Regionalmodelle kommen zu dem Ergebnis, dass Perioden mit einer starken Wärmebelastung in Mecklenburg-Vorpommern zunehmen werden (JACOB & KREIENBERG 2006). Aber auch mit einer Ausbreitung von Krankheiten rechnet man im Rahmen des Klimawandels (CRAMER 2006). Bei hohen Wassertemperaturen (> 20°C) kann sich beispielsweise die Konzentration krankmachender Bakterien im Meerwasser deutlich erhöhen. So wurde in Mecklenburg-Vorpommern an mehreren beprobten Badestellen im strandnahen Bereich Vibrio vulnificus, ein Verwandter des Choleraerregers, nachgewiesen (DUTY 2006). Seit 2004 traten bei vier Personen in Mecklenburg-Vorpommern Erkrankungen an diesem Bakterium auf, die sogar bei Personen mit Vorerkrankungen tödlich enden können. Bei steigenden Temperaturen wird sich die Zahl der von Vibrio vulnificus Betroffenen aller Voraussicht nach erhöhen.

  

Tourismus

Einer der wichtigsten Wirtschaftszweige an der Küste Mecklenburg-Vorpommerns ist der Tourismus. Nicht umsonst stellt das Bundesland das bedeutendste innerdeutsche Reiseziel dar (EBNET 2004). Tourismusmanager können sich freuen - Forscher rechnen damit, dass der Sommertourismus an den Küsten der Nord- und Ostsee durch den Klimawandel begünstigt werden wird (CRAMER 2006). Falls jedoch durch Meerwasser übertragene Krankheiten zunehmen sollten, dürften die Touristenzahlen an der Küste eher abnehmen.

 

Handels- und Sportschifffahrt 

Die Schifffahrt wird womöglich durch die veränderten Hoch- und Niederigwasserstände eingeschränkt werden (CRAMER 2006). Aber auch eine zunehmende Sturmaktivität könnte die Handels- und Sportschiffahrt sowie den Fährverkehr in den Küstengewässern beeinträchtigen (STERR et al. 1995). Beispiele dafür sind die Zerstörung vieler Segeljachten in der Kieler Bucht durch Orkanböen im August 1989 oder der Untergang einer polnischen Fähre vor Rügen im Februar 1993 (EBD.). 

 

Landwirtschaft 

Der Klimawandel wird sich auch deutlich im Bereich der Kulturpflanzen zeigen (ZEBISCH et al. 2005). Wenn die Sommer heißer und trockener werden, dann müssen beispielsweise andere Getreidearten angepflanzt werden, die widerstandsfähiger gegen Dürre sind. Ein größeres Problem könnte der Meeresspiegelanstieg darstellen. Für Usedom kommen Wissenschaftler zu dem Schluss, dass 13% der gesamten Inselfläche durch einen Meeresspiegelanstieg von 25 cm und 28% im Falle eines 80 cm-Anstiegs beeinträchtigt wären (MEIER et al. 2006). 70% dieser gefährdeten Fläche wird derzeit landwirtschaftlich genutzt (EBD.). Die Landwirtschaft würde diese Fläche also verlieren.

 

Bausubstanz

Private Häuser, öffentliche Gebäude und Kulturgüter in den durch Überflutung gefährdeten Gebieten entlang der Küste werden durch den Meeresspiegelanstieg direkt betroffen sein. Einen Vorgeschmack für die möglichen Auswirkungen haben die Küstenanwohner beispielsweise während der Sturmflut vom 3. und 4. November 1995 bekommen (UMWELTMINISTERIUM DES LANDES MECKLENBURG-VORPOMMERN 2005). (DP)

 

4. 

Küstenschutz in Mecklenburg-Vorpommern

Steilküste zwischen Wustrow und Ahrenshoop

Weiße Strände, Steilküsten, Bodden, Wieken und Haffe - eine abwechslungsreiche und attraktive Küstenlandschaft findet man in Mecklenburg-Vorpommern vor. Diese fasziniert nicht nur die an der Küste lebenden Menschen, sondern jedes Jahr auch zahlreiche Touristen. Doch ist die Küste Mecklenburg-Vorpommerns ständigen Veränderungsprozessen unterlegen, so dass sich Form und Aussehen stetig ändern. Soll und kann diesen Veränderungen Einhalt geboten werden oder sind sie als natürliche Prozesse zu akzeptieren und zuzulassen?

Im Folgenden erfahren Sie, ob und wann Küstenschutzmaßnahmen sinnvoll sind, welche rechtlichen Grundlagen in Mecklenburg-Vorpommern bestehen, welche Küstenschutzmaßnahmen es gibt und wann sie eingesetzt werden. (IB)

 

4.1. 

Küstenschutz - sinnvoll oder überflüssig?

Diese Frage ist durchaus berechtigt, denn Küsten sind keine starren Gebilde, sondern sie unterliegen ständigen natürlichen Veränderungsprozessen auf Grund von meteorologischen und hydrodynamischen Einwirkungen. "Gott schuf das Meer, der Friese die Küste" heißt es in Schleswig-Holstein. Dies kann so auch auf die Küste Mecklenburg-Vorpommerns übertragen werden. Die schon jahrhundertelange Nutzung des Küstenraums Mecklenburg-Vorpommerns und die damit verbundenen Maßnahmen zur Küstensicherung und zum Hochwasserschutz haben die natürliche Küstendynamik ver- bzw. behindert. 

Küstenschutzmaßnahmen sind nicht notwendig, um die Küstenlandschaft an sich zu schützen, sondern sie ergeben sich in erster Linie aus der Nutzung des Küstenraumes durch den Menschen. Oberste Priorität hat hier der Schutz von Menschenleben. Küstenschutzanlagen und -maßnahmen werden immer aufwendiger, da immer mehr Menschen in unmittelbarer Küstennähe wohnen und sich immer größere Kapitalwerte angehäuft haben. Auch diese gilt es dann zu schützen. Eine Alternative zu den aufwendigen Maßnahmen ist nur der Rückzug aus den sensiblen Gebieten oder das in Kauf nehmen von Menschenleben und hohen materiellen Verlusten.

Prinzipiell können zwei Arten von Küstenschutzmaßnahmen unterschieden werden, solche, die den lokalen Verlust von Land mittel- bis langfristig verhindern und Hochwasserschutzmaßnahmen, die vor Überschwemmungen und Küstendurchbrüchen schützen.

 

Hydrodynamische Prozesse

Die Küstenlinie verändert sich auf Grund dynamischer Prozesse. Seegang und Strömung wirken ständig auf die Küste ein. Die Ausbildung einer starren Küstenlinie ist daher unter natürlichen Bedingungen unmöglich. Als Konsequenz hieraus ergibt sich an manchen Orten ein Küstenrückgang, auch Abrasion genannt, und an anderen Orten Anlandungen. Diese Prozesse laufen verhältnismäßig langsam ab, können aber mit der Zeit erhebliche Auswirkungen haben. So nimmt im Mittel die Außenküste Mecklenburg-Vorpommerns um 34 m in 100 Jahren ab. In Rosenort, in der Rostocker Heide, werden die Kräfte besonders deutlich. Hier beträgt der Rückgang sogar 210 m in 100 Jahren (MINISTERIUM FÜR BAU, LANDESENTWICKLUNG UND UMWELT 1997).

Die Küsten Mecklenburg- Vorpommerns befinden sich zu 70% im Rückgang (DUPHORN et al. 1995). Mit Küstenschutzmaßnahmen wird versucht, dieser natürlichen Dynamik entgegenzuwirken.

 

Sturmflut Warnemünde 2002

Meteorologische Prozesse (Sturmfluten)

Die Entstehung und die Beschreibung historischer Sturmfluten im Ostseeraum wird in der Informationsbroschüre "Küstenschutz in Mecklenburg-Vorpommern" (MINISTERIUM FÜR BAU, LANDESENTWICKLUNG UND UMWELT 1997) ausführlich beschrieben. Schwere Sturmfluten sind demnach Naturphänomene. Sie treten in der Regel selten auf und sind von verhältnismäßig kurzer Dauer. Allerdings können sie innerhalb weniger Stunden verheerende Folgen haben. Im Vergleich zur Nordsee sind Sturmfluten an der deutschen Ostseeküste verhältnismäßig selten, die letzten schweren Sturmfluten liegen über 100 Jahre zurück und die verheerenden Folgen sind daher heute nicht mehr im Bewußtsein der Menschen. Heute leben allerdings mehr Menschen in den gefährdeten Regionen, mit wesentlich größeren Kapitalwerten. So kann angenommen werden, das eine vergleichbare Sturmflut wie die vom 12./13. November 1872 weit verheerendere Folgen hätte. Vor allem da derzeit an der Küste Mecklenburg-Vorpommerns nicht alle gefährdeten Ortschaften ausreichend durch Sturmflutschutzanlagen gesichert sind, und selbst wenn sie es wären, bleibt der Küstenschutz eine Daueraufgabe (www.mv-regierung.de/staeun/rostock/pages/abtk_sturmflut.htm).

Voraussetzung für Sturmfluten an der deutschen Ostseeküste sind heftige, orkanartige Stürme aus nordöstlichen Richtungen, in Zusammenhang mit andauernden Westwinden. Allein auf Grund eines starken Westwinds kann sich der Wasserstand in der Ostsee um einen halben Meter erhöhen. Treffen alle für eine Sturmflut günstigen Faktoren zusammen, kann sich der Wasserstand um nahezu 3 m aufstauen und verheerende Folgen anrichten. Vor allem da die Verweilzeiten des anstehenden Wassers bei Sturmfluten an der Ostseeküste verhältnismäßig lange sind. Dies kann unter anderem zu großem Landverlust, zum Deichbruch und der Verwüstung dahinterliegender Landstriche führen.

Verheerende Sturmfluten waren beispielsweise die Fluten von 1304, 1320, 1449, 1625, 1694, 1784, 1825, 1872, 1904, 1913, 1949 und 1954. Wobei die höchste gemessene Sturmflut an der Küste Mecklenburg-Vorpommerns die vom 12./ 13. November 1872 war. Sturmfluten sind mit extremen Belastungen für die Küsten und die Küstenschutz-anlagen verbunden. Da starke Sturmfluten selten, aber dafür umso verheerender sind, sind sie bestimmend für die Bemessung von Küstenschutzanlagen.

Küstenveränderungen sind weder als Störfälle noch als Umweltschäden zu betrachten. Der Küstenschutz hat hier die eigentlich unvereinbare Aufgabe, zum einen die ständigen Veränderungen der Küstenlinie zuzulassen und zum anderen, die Lebens- und Nutzungsräume des Menschen zu erhalten und zu schützen.

Im Gefahrengebiet der mecklenburg-vorpommerschen Küste leben ca. 163.000 Einwohner, die es zu schützen gilt (MINISTERIUM FÜR BAU, LANDESENTWICKLUNG UND UMWELT 1997). Die Aufgabe des Küsten- und Hochwasserschutzes ist der Schutz von Menschenleben und Sachwerten. Der Naturschutz und die Landschaftspflege ist dafür zuständig, die Grundlage allen Lebens zu erhalten. Da wir die Veränderlichkeit der Küste als einen natürlichen Prozess verstehen, haben Naturschutz und Landschaftspflege die gleiche Ausgangsbasis für die Durchsetzung ihrer Ziele, wie der Küsten- und Hochwasserschutz. Dies kann zu Konflikten zwischen den Belangen beider führen (MINISTERIUM FÜR BAU, LANDESENTWICKLUNG UND UMWELT 1995).  (IB)

 

4.2. 

Regelungen und Zuständigkeiten

Küstenschutzmaßnahmen sollen naturnah und umweltverträglich durchgeführt werden. Doch immer wieder gibt es Konflikte zwischen Anspruch der Naturschützer und dem Schutz der menschlichen Nutzungen und Interessen (ZARNCKE 1997). Oft sind Kompromisse zwischen dem Naturschutz auf der einen und dem Küstenschutz auf der anderen Seite notwendig. Sind allerdings Menschenleben bedroht, steht deren Sicherung an erster Stelle.

Die Planung und Durchführung von Küstenschutzmaßnahmen ist eine Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern. Der Küstenschutz gehört zur sogenannten konkurrierenden Gesetzgebung. Dies bedeutet, dass das jeweilige Bundesland solange die Befugnis zur Gesetzgebung hat, solange der Bund von seinem Gesetzgebungsrecht keinen Gebrauch gemacht hat. Die anfallenden Kosten für den Schutz von bebauten Gebieten werden in der Regel zu 70 % vom Bund und zu 30 % vom Land übernommen.

In Mecklenburg-Vorpommern ist der Küstenschutz im Landeswassergesetz (LWaG) aus dem Jahre 1992 verankert. Auf dessen Grundlage wird der Generalplan Küsten- und Hochwasserschutz Mecklenburg-Vorpommern erstellt. Er beinhaltet den gegenwärtigen Stand der Küstenschutzarbeiten, sowie die zukünftigen Planungen. Wenn es sich um Schutzmaßnahmen für landwirtschaftliche Flächen handelt, ist nicht das Land zuständig, sondern der jeweilige Wasser- und Bodenverband. Die Kosten werden dann in erster Linie von den Eigentümern der geschützten Grundstücke getragen.

Der Bau von Küstenschutzanlagen berührt aber nicht nur wasserwirtschaftliche Bestimmungen, sondern auch gesetzliche Regelungen des Naturschutzes, der Raumordnung und der Schifffahrt. So erfordern Küstenschutzmaßnahmen landseitig außerdem das Einvernehmen der Naturschutzbehörde. Ferner ist die Landesplanungsbehörde zu beteiligen. Bei der Plaung des Küstenschutzes ist den natürlichen küstendynamischen Prozessen Rechnung zu tragen (ZARNCKE 1997). Für seeseitige Maßnahmen ist von der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung eine strom- und schifffahrtspolizeiliche Genehmigung einzuholen (MINISTERIUM FÜR BAU, LANDESENTWICKLUNG UND UMWELT 1997).

Küstenschutzmaßnahmen werden in den Nationalparken "Vorpommersche Boddenlandschaft" und "Jasmund" nicht durchgeführt, außer es sind Menschenleben bedroht. Hier darf in die natürliche Küstendynamik nicht eingegriffen werden, die natürlichen Veränderungen haben Vorrang (MINISTERIUM FÜR BAU, LANDESENTWICKLUNG UND UMWELT 1997).

Für die Planung und Umsetzung der Küstenschutzmaßnahmen sind in Mecklenburg-Vorpommern die Staatlichen Ämter für Umwelt und Natur (StAUN) zuständig. Dies sind das StAUN Schwerin, Rostock, Stralsund und Ückermünde. Wobei das StAUN Rostock eine Sonderrolle einnimmt. Es ist für die Erarbeitung des Generalplans Küsten- und Hochwasserschutz in Mecklenburg-Vorpommern zuständig. Hier wurde die Abteilung Küste eingerichtet, die für die Planung, Begutachtung und Prüfung der Küstenschutzmaßnahmen an der gesamten Außenküste zuständig ist. Die Abteilung Küste untergliedert sich in die drei Dezernate "Allgemeine Angelegenheiten und Küstenkunde", "Technische Planung Küsten- und Hochwasserschutz" sowie "Fachtechnische Prüfung". Ausserdem wird dort das Landesarchiv für Küstenschutz verwaltet.  (IB)

 

4.3. 

Deiche, Buhnen, Wellenbrecher... Maßnahmen des Küstenschutzes

Küstenschutzmaßnahmen sind zum einen Maßnahmen, die den Uferrückgang (Erosion) begrenzen und belastungsdämpfend bei Sturmfluten wirken, und zum anderen Hochwasserschutzmaßnahmen zum Schutz von Menschenleben und Sachwerten bei Sturmfluten. Für den Erosionsschutz werden z.B. Buhnen, Sandaufspülungen und Stranddrainagen verwendet. Für den Hochwasserschutz an den Küsten werden entweder Hochwasserschutzdünen allein oder die Kombination  von Düne - Küstenwald - Deich eingesetzt. Im Bereich von Ortschaften und Städten können aus Platzgründen Ufermauern (Uferlängswerke) erstellt werden (MINISTERIUM FÜR BAU, LANDESENTWICKLUNG UND UMWELT 1995).

Um Hochwasserschutzanlagen richtig dimensionieren zu können, werden unterschiedliche Parameter wie Wasserstand, Wellenhöhe, zeitlicher Ablauf und Dauer des Wasserstands der einzelnen Höhenstufen des Hochwassers herangezogen (KOPPE 2002). Da Küstenschutzanlagen zum Ziel haben, das Leben der Menschen und deren materiellen Güter weitestgehend zu schützen, wird für die Dimensionierung, die sogenannte Bemessung der Anlage, die schwerste bekannte und meßtechnisch sicher erfasste Sturmflut herangezogen. Dies war die Sturmflut vom 12./13. November 1872. Maßgeblich für konkrete Entscheidungen bezüglich des Hochwasserschutzes entlang der deutschen Ostseeküste ist der Bemessungshochwasserstand. Dieser setzt sich zusammen aus dem Scheitelwert des größten erfassten Ereignisses und dem säkularen Meeresspiegelanstieg. Der säkulare Meerespiegelanstieg beinhaltet eustatische Meerespiegelschwankungen, tektonische Anteile und alle klimatischen, meteorologischen, morphologischen und ozeanologischen Einflüsse auf den Wasserstand. Der Generalplan Küsten- und Hochwasserschutz Mecklenburg-Vorpommern sieht auf Grund von Trendberechnungen unter Berücksichtigung der örtlichen Besonderheiten einen Anstieg von 15 bis 25 cm pro Jahrhundert vor (MINISTERIUM FÜR BAU, LANDESENTWICKLUNG UND UMWELT 1995).

Auf Grund des Klimawandels kann in den nächsten 100 Jahren von einem weit größeren Meeresspiegelanstieg ausgegangen werden (siehe Kapitel 3. Klimawandel an der Küste). Denn zusätzlich zum natürlichen Meeresspiegelanstieg kommt das vom Menschen verursachte Maß noch hinzu. Im Zuge des Klimawandels werden zudem möglicherweise die Häufigkeiten und Intensitäten von Sturmfluten zunehmen. Für dieses wachsende Risiko gilt es, notwendige Abwehr- und Vorsorgestrategien zu entwickeln. Ein europaweit einheitliches Vorgehen sowie die Möglichkeiten für die Bewältigung der Hochwasserrisiken in der Praxis zu finden, versucht das Projekt Floodsite (www. floodsite.net). Es handelt sich hier um das größte EU-Forschungsprojekt zum Thema Hochwasser. Es berücksichtigt sowohl die hydrologischen und ökologischen als auch die ökonomischen und soziologischen Dimensionen von Hochwasserrisiken.

Die häufigsten Küstenschutzmaßnahmen werden im folgenden kurz beschrieben:

 

Buhnen

Erstmals kamen Buhnen vor ca. 150 Jahren zur Verhinderung des Strandrückgangs in Mecklenburg-Vorpommern zum Einsatz. Sie werden in einem Winkel von 90 ° quer zur Uferlinie eingebaut und dienen dazu, den Abtrag von Sand weitgehend zu unterbinden. Durch die so herabgesetzte Brandungsströmung wird der Küstenabbruch und Strandabtrag beim Zurück der Wellen begrenzt. Die Uferlinie wird stabilisiert oder sogar seewärtig verlagert. Allerdings wird auf der anderen Seite, der sogenannten Leeseite der Buhnen, die Erosion vergrößert ,was nur durch den Bau von weiteren Buhnen vermindert werden kann. Die einzelnen Buhnen reichen 40 bis 80 m in die See hinein und ihre Lebensdauer beträgt ca. 40 bis 60 Jahre. Sie werden in der Regel aus Holzpfählen errichtet, da Holz auf Grund seiner elastischen Eigenschaften gut für die dynamischen Beanspruchungen geeignet ist. Da heimische Hölzer vom Schiffsbohrwurm (Teredo navalis) befallen werden kann und dies im Jahr 1993 einen Schaden von ca. 25 Mio. DM verursacht hat, werden nun bohrwurmresistente Tropenhölzer verwendet. Aus umweltpolitischen Gründen werden nur FSC-zertifizierte Hölzer verwendet. FSC ist ein weltweites Zertifizierungssystem, mit Kriterien für eine umwelt- und sozialverträgliche Fortswirtschaft im Rahmen einer nachhaltigen Nutzung von Waldressourcen. Es ist aus einem Zusammenschluss von Waldbesitzern, Holzproduzenten, Umweltverbänden und Gewerkschaften aus mehr als 50 Ländern entstanden.

[http://www.mv-regierung.de/staeun/pages/buhnenbau.htm]

Steilküste zwischen Wustrow und Ahrenshoop mit Blick auf Buhnen

Deiche

Deiche sind künstlich aufgeschüttete Bauwerke. An der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns können drei unterschiedliche Typen angetroffen werden, nämlich See-, Bodden- und Haffdeiche. Sie schützen die dahinterliegenden Landstriche vor Überflutung. In der Regel werden sie zum Schutz von Siedlungen errichtet, in seltenen Fällen auch zum Schutz von landwirtschaftlichen Nutzflächen. Seedeiche werden an der Flachküste zur offenen Ostsee errichtet. Im Regelfall ist ein sogenanntes Vorland vor den Seedeichen anzutreffen, welches dazu dient, die auftreffenden Wellen zu dämpfen. Hierzu gehören in der Regel Strand, Düne und Küstenschutzwälder. Auf Grund des Vorlandes können die Deiche geringer dimensioniert und somit Kosten gespart werden. Allerdings setzt dies ausreichende Platzverhältnisse voraus. Bodden- und Haffdeiche können auf das Vorland verzichten, da die volle Funktionstüchtigkeit der Küstenschutzsysteme der Außenküste angenommen wird. Sie sind somit von geringerer Dimensionierung (MINISTERIUM FÜR BAU, LANDESENTWICKLUNG UND UMWELT 1995).

Die Höhe der Deiche ergibt sich aus dem Bemessungshochwasserstand, zuzüglich des Wellenauflaufs (dieser ist geringer anzusetzen, wenn ein Vorland vorhanden ist). 212 km Ostseeküste werden in Mecklenburg-Vorpommern von Deichen eingenommen (KOPPE 2002). Oft werden auf den Deichkronen Fuß- und Fahradwege eingerichtet, wodurch sich dem Betrachter ein eindrucksvoller Blick über die mecklenburg-vorpommersche Küstenlandschaft eröffnet.

 

Hochwasserschutzdünen

Hochwasserschutzdünen müssen extremen Belastungen standhalten. Dazu ist ein ausreichend dimensionierter Dünenkörper notwendig. Die Kronenhöhe, aber vor allem die Kronenbreite ist hier von besonderer Bedeutung. Bei Kronenhöhen von beispielsweise 3,5 m über HN, wird eine Kronenbreite von 40 bis 45 m erforderlich (MINISTERIUM FÜR BAU, LANDESENTWICKLUNG UND UMWELT 1995). Wenn sich hinter der Düne ein Küstenschutzwald und ein Deich befinden, sind auch geringere Breiten von 20 bis 25 m ausreichend. Denn hier dient die Düne und der Küstenschutzwald in erster Linie dazu, die Belastung des Deiches durch die Sturmflut abzuschwächen. In Mecklenburg-Vorpommern übernehmen auf 105 km Länge Hochwasserschutzdünen allein, ohne Kombination mit Deichen, den Hochwasserschutz (von insgesamt 226 km Außenflachküste) (MINISTERIUM FÜR BAU, LANDESENTWICKLUNG UND UMWELT 1995). Die Dünen sind in der Regel zur Stabilisierung mit Sandhafer bewachsen. Der Bewuchs verringert den Abtrag von Sand durch Winderosion und fördert gleichzeitig die Anlagerung. Wenn der vorgelagerte Küstenbereich auf Grund der natürlichen Dynamik stetig kleiner zu werden droht, sind Küstenschutzarbeiten wie Dünenaufspülungen, Buhnenbau und Sandaufspülungen notwendig.

 

Küstenschutzwälder

Küstenschutzwälder zählen zu den sogenannten ingenieurbiologischen Bauweisen. Sie haben meist ihren Platz im System Düne - Küstenschutzwald - Deich und sind neben Düne und Deich ein wichtiges Element des Küstenschutzes in Mecklenburg-Vorpommern. Unterschieden werden drei Kategorien (Typ 1 bis 3) von Küstenschutzwäldern, in Abhängigkeit von ihrer Lage und ihrer Funktion (MINISTERIUM FÜR BAU, LANDESENTWICKLUNG UND UMWELT 1995). Als Typ 1 bezeichnet man Wälder, die sich zwischen Düne und Deich befinden. Ihre Aufgabe ist es, bei Dünendurchbrüchen die Energie aus den ankommenden Wellen herauszunehmen, um dadurch den dahinter liegenden Deich zu schützen. Sie sind sozusagen biologische Wellenbrecher. Wälder hinter der Düne, ohne anschließenden Deich, werden als Typ 2 beschrieben. Sie haben die Funktion auf Grund ihrer Windschutzwirkung den Dünenaufbau zu erhalten bzw. zu fördern. Zudem wirken sie bei Überflutungen bodenerosionsmindernd im Dünenbereich. Wälder an Steilküsten gehören zum Typ 3. Sie vermindern zum einen die Winderosion im Bereich der Kliffkannte und zum anderen den Kliffabbruch, da sie vor einer zu starken Durchfeuchtung der Steilküste schützen. Allerdings sind Mindestsaumbreiten von 75 bis 100 m notwendig, um die volle Schutzfunktion gewährleisten zu können. Diese Breite ist in vielen Fällen nicht gegeben. Auch ist die richtige Wahl der Gehölze wichtig, die in Abstimmung mit dem Naturschutz erfolgen muss. Küstenschutzwälder haben aber nicht nur eine Schutz-, sondern auch eine Erholungsfunktion. Ausführliche Informationen rund um das Thema Küstenschutzwald bietet Ihnen die Arbeit Küstenschutzwald unter www.ikzm-d.de/ub.

 

Sandaufspülungen

Sind Küstenabschnitte stark von Abrasion (Sandabtrieb) betroffen, gibt es die Möglichkeit der Sandaufspülung. So kann zum einen der Strand erhöht und verbreitert werden und zum anderen können Sturmflutschutzdünen verbreitert oder Vordünen geschaffen werden. Erstmalig erfolgten Aufspülungen an der Küste Mecklenburg-Vorpommerns im Jahr 1968. Seitdem werden sie in zunehmendem Umfang als naturnahe Maßnahmen ausgeführt. So wurden in den vergangenen 10 Jahren jährlich ca. 800.000 m³ Sand aus dem Meer gewonnen und in den Dünen sowie dem vorgelagerten Strandbereich eingebaut. Im Jahr wurden hierfür etwa 5 Mio. Euro verwendet, ein Drittel der insgesamt für den Küstenschutz zur Verfügung stehenden Mittel (www.mv-regierung.de/stauen/rostock/pages/abtk_sand.htm).

Sandaufspülung gilt als besonders naturnahe und umweltverträgliche Methode. Sie ist aber nur eine kurz- bis mittelfristige Lösung, da die aufgespülten Küstenabschnitte  wieder der Abrasion unterliegen. So werden Wiederholungsspülungen, etwa nach 6 bis 7 Jahren, notwendig.

 

Stranddrainagen
Stranddrainagen werden als sogenannte sanfte Küstenschutzmaßnahmen bezeichnet. Es ist eine verhältnismäßig neue Methode. Durch die Absenkung des Grundwasserspiegels im Küstenbereich mittels Drainagen wird die Rück- und Sickerströmung vermindert, der Strand stabilisiert bzw. verbreitert und erhöht. Die Maßnahme ist nur in Gebieten mit größeren Wasserspiegelschwankungen (auf Grund der Gezeiten) wirksam. Da es sich hierbei um eine verhältnismäßig junge Maßnahme handelt, gilt es noch viele Fragen zu klären, bevor sie zum Einsatz kommen kann. So fehlen zum einen Grundlagenkenntnisse und zum anderen sind bestehende Anlagen oft nicht ausreichend dokumentiert, um Aussagen über eine langfristige Küsten-stabilisierung liefern zu können (OUMERACI 2006). In Mecklenburg-Vorpommern gibt es eine Versuchsanlage am Strand von Markgrafenheide (KNOBLAUCH 2003).

 

Uferlängswerke

An der Küste Mecklenburg-Vorpommerns sind Uferlängswerke als Deckwerke, Steinwälle und Ufermauern parallel zur Küste angeordnet. Deckwerke sind bautechnische Maßnahmen, die der Böschungs-, Fuß- und Kronenbefestigung von Dünen und Deichen dienen. Steinwälle werden aus Findlingen oder Bruchsteinen hergestellt und in oder nahe der Uferlinie eingesetzt. Die Kronenhöhe liegt im Bereich des Bemessungshochwasserstands. Ufermauern befinden sich direkt am Fuß von Steilküsten und verhindern hier den Uferabbruch. Oberhalb der Mauer bildet sich eine natürliche Böschung heraus (MINISTERIUM FÜR BAU, LANDESENTWICKLUNG UND UMWELT 1995; KOPPE 2002). Die Uferlängswerke dienen zum Schutz vor Küstenrückgang, indem sie die Strömungs- und Seegangsbelastung fernhalten. Es sind starre Gebilde, die somit nicht auf die dynamischen Veränderungen der Küste eingehen können. Aus diesem Grund werden sie nur selten eingesetzt.

 

Ufermauer auf Bornholm
Wellenbrecher

Wellenbrecher sind Uferlängswerke, die der Küste vorgelagert sind und dazu dienen, die Wucht der Wellen zu mindern und so den Einfluß auf den Küstenbereich zu dämpfen. Seit 1978 sind Wellenbrecher an der Küste Mecklenburg-Vorpommerns im Einsatz. Hinter den Wellenbrechern kommt es durch die Seegangsdämfung zur Anlagerung von Sand und zur Stabilisierung der Küste. Wellenbrecher werden in der Regel aus Naturbruchsteinen hergestellt und sie befinden sich 50 bis 200 m vor der Küste und sind 50 bis 200 m breit. Oft werden sie in Kombination mit Buhnen und Aufspülungen eingesetzt, um deren Wirkung zu verstärken. (IB)

 

Küstenabschnitt zwischen Wustrow und Ahrenshoop, vorne rechts Buhne hinten im Bild ein Wellenbrecher
 

4.4. 

Beispiele für Küstensicherungen in Mecklenburg-Vorpommern

An der Küste Mecklenburg-Vorpommerns wurden in den letzten Jahren seitens des Landes zahlreiche Küstenschutzbaumaßnahmen durchgeführt. Für Schutzmaßnahmen an den Boddenküsten (ohne Städte) wurden beispielsweise 1997 rund 60 Million DM vorgesehen. Für die notwendigsten Küstenschutzmaßnahmen an der gesamten Küste Mecklenburg-Vorpommerns wurde eine Gesamtsumme von 250 Million DM ermittelt (MINISTERIUM FÜR BAU, LANDESENTWICKLUNG UND UMWELT 1997). Um ein Gefühl über die Höhe der Kosten von Küstenschutzmaßnahmen zu bekommen, hier einige Beispiele:

Die Baukosten der Deichverstärkung Börgerende in den Jahren 2004/ 2005 betrugen 510.000 Euro (UMWELT-KLIMASCHUTZREPORT 2005/2006). Die Kosten für den Sturmflutschutz/Renaturierung Ostzingst werden mit ca. 28 Millionen Euro veranschlagt.  Die Planung umfasst den Ersatz eines vorhandenen Boddendeichabschnitts, den Neubau eines See- und Riegeldeichs, sowie großräumige Renaturierungsmaßnahmen (UMWELT-KLIMASCHUTZREPORT 2005/2006). In der Legislaturperiode 2002 bis 2006 wurden rund 38 Millionen Euro für die Unterhaltung der Küsten- und Hochwasserschutzanlagen, sowie für die Unterhaltung der Gewässer ausgegeben (UMWELT-KLIMASCHUTZREPORT 2006/2007). 

Im Folgenden werden beispielhaft einige Maßnahmen kurz beschrieben:

 

Sturmflutschutz an der Außenküste von Warnemünde

Bei der höchsten gemessenen Sturmflut von 1872 stand das Wasser in Warnemünde bei 2,57 m über HN (ca. 2,7 m über dem Mittelwasserstand). 1914 wurde vor der Strandpromenade eine Uferschutzmauer aus Beton errichtet, die mittlerweile von einer Düne überlagert wird. Seit 1990 wird Strand und Schorre von einem Buhnensystem stabilisiert und die Düne immer wieder durch Sandaufschüttungen verstärkt, zuletzt 1996 und 2001. In manchen Bereichen kann der Hochwasserschutz im Sinne des Bemessungshochwassers aus Platzmangel nicht voll gewährleistet werden. Hierfür wäre eine Kronenbreite von über 30 m bei einer Höhe von 4,5 m HN oder Kronenbreiten von mehr als 40 m bei einer Höhe von 3,5 m HN notwendig. Um den Hochwasserschutz dennoch zu gewährleisten, wurden 2005/2006 die Dünen durch den Einbau von Geotextildämmen verstärkt. Außerdem wurde die Düne auf einer Länge von 1.000 m durch eine Sandaufschüttung verstärkt (STAUN ROSTOCK 2005).

Sturmflutschutz in Markgrafenheide

Markgrafenheide ist bei Sturmfluten stark überflutungsgefährdet. Der aus der Sturmflut von 1872 abgeleitete Bemessungshochwasserstand liegt hier bei 2,75 m HN. Besonders an Markgrafenheide ist, das es nicht nur seeseitig von Wasser bedroht ist, sondern von allen Seiten überflutet werden kann. Daher ist Markgrafenheide durch einen geschlossenen Ring geschützt worden. Zwischen 2003 und 2005 wurden folgende Maßnahmen geplant bzw. realisiert. Seeseitig wurde der Sturmflutschutz durch Sandaufspülungen für eine breite Düne mit breitem, vorgelagertem Strand gewährleistet (Bereich A). Im Westen, in der Nähe des Strandes, wurde die Straße durch eine Anrampung erhöht (Bereich B), im südlichen Teil schließt eine Sturmflutschutzwand an (Bereich C). Die Sturmflutschutzstrasse wird dann als Deich weiter geführt (Bereiche D, E und F). Im Osten, im Bereich der Moorgrabenbrücke, wird der Sturmflutschutz durch eine Schutzwand gewährleistet (Bereich G). Nördlich der Brücke beginnt wieder ein Deichabschnitt (Bereich H). Im Bereich K wurde der Budentanneweg auf die Deichkrone verlegt und zusätzlich ein neuer Gehweg errichtet. Im Bereich des Ostseeferienzentrums ist nur eine geringe Geländeerhöhung bis zur Düne notwendig (Bereich L) (STAUN ROSTOCK 2003).

Sturmflutschutz für Karlshagen

Karlshagen, im nördlichen Teil der Insel Usedom gelegen, wird im Westen vom Peenestrom und im Osten von der Ostsee begrenzt. Entlang des Peenestroms verläuft der in den 30-er Jahren gebaute Deich Karlshagen. In manchen Bereichen war der Deich nicht ausreichend dimensioniert, um dem Bemessungshochwasser von 2,4 m HN (für den Peenestrom) standzuhalten. Um den Schutz von Karlshagen zu gewährleisten, wurde 2001 der südliche Deichabschnitt und das Gelände im nördlichen Bereich bis zu einer Kronenhöhe von 2,9 m erhöht. Im Hafenbereich wurden beide Teile durch eine Hochwasserschutzwand verbunden (STAUN ROSTOCK 2001a).

Küstensicherung für Zingst

Der Sturmflutschutz des Ostseebades Zingst besteht ostseeseitig aus einem Buhnen-Düne-Küstenschutzwald-Deich-System und an der Boddenküste durch Deiche. Um dem Bemwessungshochwasserstand von 2,6 m HN standzuhalten ,muss das Deichvorland stabilisiert bzw. erweitert werden. 1965 wurde daher die Düne erstmalig durch Sandaufspülungen verstärkt und bis 2001 wurde diese Aufspülung 11 bis 12 mal wiederholt, um die vorgesehene Kronenhöhe von 4 m und die Kronenbreite von mind. 20 m zu erreichen. Außerdem wurden durch den Einsatz von Buhnen das Dünen- und Deichvorland stabilisiert. Schon Ende des 19. Jahrhunderts wurde auf der Halbinsel Zingst mit dem Buhenbau begonnen. Da das Buhnensystem östlich der Seebrücke auf Grund des Befalls mit dem Schiffsbohrwurm größten Teils zerstört wurde, kamen 1998 und 2000 FSC-zertifizierte Tropenhölzer für die Wiedererrichtung zum Einsatz (STAUN ROSTOCK 2001b).

Küstensicherung für Sellin/ Rügen

Sellin liegt im Südosten der Insel Rügen, der mittlere Küstenrückgang beträgt im südöstlichen Teil 0,6 m pro Jahr. 1970/72 wurde im Bereich der Seebrücke eine Ufermauer errichtet, um das Hochufer und die Ortsbebauung zu sichern. 1989/90 kamen Unterwasserwellenbrecher hinzu, um den seewärts gerichteten Sediment-transport zu unterbinden. Um einen vollen Sturmflutschutz zu gewährleisten, wurden 1998/1999 die Unterwasserwellenbrecher erhöht, um eine ausreichende Sandakkumulation zu erzielen. Zudem wurde die Ufermauerflankensicherung instandgesetzt und eine Initialsandvorspülung vorgenommen. Mit letzterem soll die Sandakkumulation zwischen Wellenbrecher und Ufer beschleunigt werden.Dadurch wird einer größerer Schutz für die vorhandene Ufermauer und Flankensicherung (STAUN ROSTOCK 1999) sichergestellt. (IB)

 

5. 

Küstenschutz unter einem veränderten Klima - Flexibilität gefragt

Der deutsche Küstenschutz hat eine über 1000 Jahre alte Tradition (SCHIRMER 2006). Früher lernte man aus den Fehlern im Küstenschutz für eine unbekannte Zukunft, doch heute müssen wir Vorsorge betreiben, um Fehler für eine absehbar gewordene Zukunft zu vermeiden (EBD.). Der Meeresspiegelanstieg und starke Stürme werden erhebliche Konsequenzen für den Sturmflut- und Hochwasserschutz an den deutschen Meeresküsten haben, um dort Menschenleben und Sachwerte zu schützen.  

Anders als an der Nordsee, an deren Küste sich fast auf der ganzen Länge Deiche ziehen, wurden an der Ostseeküste nach dem Jahrhunderthochwasser von 1872 nur selektiv Bedeichungen tiefgelegener Gebiete vorgenommen (STERR et al. 1995). Bei einem Sturmhochwasser der gleichen Größenordnung würden daher weite Areale dieser Küstenlandschaft einschließlich vieler Küstenorte überflutet (EBD.). Das Nachdenken über verbesserte Küstenschutzmaßnahmen ist in Mecklenburg-Vorpommern vor dem Hintergrund einer Klimaerwärmung also dringend nötig. 

Wie können Vorkehrungen für einen Klimawandel im Küstenschutz jedoch aussehen? Was ist realistisch? Was sollten wir jetzt tun für den Fall, dass das Meer einen halben Meter, einen Meter oder vielleicht auf lange Sicht betrachtet sogar 5 Meter höher steht an der Ostsee? Kann man solchen Fällen überhaupt vorbeugen oder muss vielmehr ein Umdenken in der Bevölkerung stattfinden, dass ein annähernd 100%iger Schutz der Menschen und ihrer Sachgüter an der Küste wie bisher in Zukunft unmöglich sein wird? Antworten auf diese Fragen sind nicht immer leicht zu finden oder sind sogar unmöglich, aber zumindest einige Grundlagen zum Nachdenken darüber möchten wir in den folgenden Kapiteln liefern. (DP)

 

5.1. 

Küstenschutz ja oder nein?

Da in Folge des Klimawandels Hochwasserereignisse in Häufigkeit und Intensität zunehmen werden, steigt das Gefahrenrisiko für die Küste und auch die Flussgebiete. Als Folge davon werden die Küstenschutzsysteme immer stärker belastet, so dass die Frage gestellt werden muss, wie ein Küstenschutz in Zukunft aussehen kann oder muss. Die verschiedenen Optionen für einen Küstenschutz kann man sich zur Veranschaulichung als ein Kontinuum vorstellen (angelehnt an DASCHKEIT & STERR 2005):

 

  1. Intensivierung des Küstenschutzes – Deicherneuerungen oder -erhöhungen, verstärkte Sandvorspülungen, Steinschüttungen etc. auf der gesamten Länge der durch einen Meeresspiegelanstieg und Sturmfluten gefährdeten Küstenbereiche Mecklenburg-Vorpommerns.
  2. Intensivierung des Küstenschutzes nur an einigen ausgesuchten Küstenabschnitten – Ein Verlust von einigen Küstenabschnitten, deren Sicherung ansonsten überproportional aufwendig wäre, wird akzeptiert. An den verbleibenden Küstenabschnitten wird der Küstenschutz intensiviert, so dass insgesamt eine kontrollierte Steuerung des Küstenrückgangs stattfindet.
  3. Ein Küstenschutz unterbleibt – Dies würde bei einem erhöhten Meeresspiegel und vermehrten Stürmen die Aufgabe des Küstenstreifens bedeuten.

 

Aber: Können wir es uns leisten, nichts zu tun (Option 3)? Aber auch: Können wir es uns leisten, alles erdenklich Mögliche zu tun (Option 1)? Die Antworten auf diese Fragen hängen sicherlich vom Standpunkt des Betrachters ab. Knapp 10% der Einwohner Mecklenburg-Vorpommerns leben in den Küstenbereichen, die durch Sturmfluten gefährdet sind (MINISTERIUM FÜR BAU, LANDESENTWICKLUNG UND UMWELT 1997). Sie haben ein berechtigtes Interesse daran, dort wohnen bleiben zu können. Das Land und der Bund müssen jedoch anteilig für den Küstenschutz aufkommen, dessen oberstes Ziel der Schutz von Menschenleben vor Sturmflutgefahren ist, aber natürlich auch den Schutz von Sachwerten beinhaltet (EBD.). Hier beginnt eine komplizierte Kostenabwägung, ab wann die Kosten für eine Umsiedlung der Bevölkerung und das Aufgeben der wirtschaftlichen Werte auf den gefährdeten Flächen günstiger ausfallen als die Küstenschutzmaßnahmen. Noch ist unklar, um wieviel teurer die notwendigen Küstenschutzmaßnahmen bei möglicherweise häufigeren und größeren Sturmfluten werden würden. Die erforderlichen Maßnahmen müssten in diesem Fall nicht nur größer dimensioniert werden, sondern aufgrund der wesentlich stärkeren Beanspruchung würden sie voraussichtlich auch häufigerer einer Instandsetzung bedürfen. Daher sind genaue Vorhersagen wichtig, um eine gute Kosten-Nutzen-Lösung zu finden. 

Das auf fünf Jahre angelegte EU-Projekt FLOODsite verfasst solche Hochwasserschadensanalysen, wobei sowohl Vermögensschäden als auch Umweltschäden und soziale Effekte mit einbezogen werden. Die Prognose möglicher Überflutungsschäden ist ein wesentlicher Bestandteil einer Risikoanalyse. Für derartige Prognosen ist es u. a. erforderlich, den gefährdeten Wertbestand im Küstenhinterland – das Schadenspotenzial – in seiner Quantität und räumlichen Verteilung zu ermitteln. Im Rahmen FLOODsite werden aber auch Vorschläge für Flutvorsorge- und Flutnotfallmaßnahmen entwickelt und Informationen und Lehrmaterial bereitgestellt.

 

Derzeitiger Küstenschutz - nicht ausreichend Schutz in der Zukunft   

Eine ganze Reihe von technischen und ingenieurbiologischen Maßnahmen werden bereits an der Ostseeküste eingesetzt, um die derzeitigen Hochwasserrisiken zu begrenzen, wie die Tabelle zeigt. Trotz des bestehenden Küstenschutzes ist die Außenküste Mecklenburg-Vorpommerns derzeit jedoch nicht ausreichend gegen eine, der Novemberflut von 1872 vergleichbare Flut gesichert.

 

Ort

Bauzeit

Maßnahmen

Außenküste Warnemünde
2005/ 2006
Geotextildämme, Dünenverstärkung, Promenadenerneuerung
Markgrafenheide2003 - 2005
Schorre- und Dünenverstärkung, Deichbau, Sturmflutschutzwand
Zingst2001/ 2002
Dünenverstärkung, Buhnen
Kühlungsborn
1998 - 2002
Ufermauerinstandsetzung, Buhnen
Karlshagen
2001Hochwasserschutzwand, Geländeaufhöhung
Dassow2000/ 2001
Deichneubau
Sassnitz
2000
Ufermauersanierung, Steinpackwerksrekonstruktion
Thiessow/ Rügen
1999/ 2000
Boddendeichinstandsetzung, Deichneubau u. -verstärkung, Steinwallerhöhung u. -verlängerung
Sellin/ Rügen
1998/ 1999
Wellenbrechererhöhung, Ufermauerflankensicherung, Initialstrandvorspülung
Börgerende
1998/ 1999
Packwerk, Geröllwall, Buhnen
Dierhagen/Ost - Wustrow
1997/ 1998
Buhnen, Dünenverstärkung
Rerik/ Wustrower Hals
1997
Dünenverstärkung
Ahrenshoop1997
Dünenverstärkung

 

Raum, Ästhetik, Kosten - wichtige Aspekte für einen zukünftigen Küstenschutz

Küstenschutzmaßnahmen müssen an die räumlichen Möglichkeiten des jeweiligen Küstenabschnitts angepasst werden, werden aber auch hinsichtlich ihrer technischen Machbarkeit, Ästhetik und Kosten ausgewählt. Die ideale Maßnahme für die gesamte deutsche Ostseeküste gibt es also nicht.

Küstenschutzmaßnahmen erfordern Land, das dort, wo sie noch nicht existieren, aber in Zukunft nötig werden, teilweise nicht mehr vorhanden ist. Gerade Küstenschutzwälder als attraktive ökologische Küstenschutzmaßnahme und gleichzeitig Erholungsrefugium, sind sehr platzraubend (wer sich gerne näher informieren möchte, den möchten wir gerne auf das Online-Modul zum Thema Küstenschutzwald hinweisen: http://www.ikzm-d.de/ub). 75 bis 100 m müssen zur Verfügung stehen, um die volle Schutzfunktion zu gewährleisten. Dieser Raum ist in vielen Fällen nicht (mehr) gegeben. Dort, wo Raum fehlt, aber Infrastruktur und Gebäude an überflutungsgefährdeten Sandküsten geschützt werden sollen, kommen häufig Sandaufspülungen zum Einsatz (StAUN o.J., a). Sand wurde beispielweise auch am Wustrower Hals vorgespült, um die Straßenverbindung zur Halbinsel Wustrow sowie die tiefliegenden bebauten Flächen von Rerik zu schützen (StAUN o.J., b). Nachteil dieser Maßnahme ist, dass sie alle paar Jahre wiederholt werden muss, um den Schutz aufrecht zu erhalten und dadurch in kurzen Abständen wiederholt Kosten verursacht.

 

Überflutungsgefährdete Sandküste: Strand zwischen Heiligendamm und Kühlungsborn mit Küstenschutzwald

Aber auch ästhetische Gesichtspunkte spielen bei der Wahl von Küstenschutzmaßnahmen eine Rolle. Gerade für touristisch bedeutende Küstenabschnitte sind sichtversperrende und unattraktive Maßnahmen wie Deiche und Steinwälle keine optimalen Lösungen. Hier erscheinen Sandaufspülungen, die sich "natürlich" in die Küste einfügen, geeigneter. Falls Deiche, Wellenbrecher oder andere offensichtliche Maßnahmen jedoch nötig werden – wie beispielsweise für die Stadt Barth am südlichen Ufer des Barther Boddens, die sich aufgrund der erhöhten Sturmflutgefahr für einen neuen Wellenbrecher, der keine freie Sicht auf den Bodden mehr zulassen wird, entschied - , muss darauf gehofft werden, dass die Besucher Verständnis dafür haben (UMWELT-KLIMASCHUTZREPORT 2005/2006).

Gerade für den Küstentourismus kann ein Zuviel an Küstenschutzmaßnahmen auch negative Folgen haben. Touristen wollen im Allgemeinen einen schönen großen Sandstrand und einen unverbauten Blick auf das Meer. Beides wird im Zuge des Klimawandels wahrscheinlich nicht zu realisieren sein. DASCHKEIT & STERR (2005, S. 284) untersuchten die Folgen eines Klimawandels für Sylt und warnen für die Insel vor einem Imageverlust durch ein Zuviel an Küstenschutz. Zwar stellt Sylt als der Reichen lieb(st)e Insel sicher eine Sondersituation dar, aber Ähnliches dürfte auch für die Küste Mecklenburg-Vorpommerns gelten. Mecklenburg-Vorpommern ist das beliebteste innerdeutsche Reiseziel (EBNET 2004), wozu sicherlich zu einem Großteil die Küste beiträgt.

Küstenschutzmaßnahmen sind generell teuer. Für die Nordsee liegen hierfür Schätzungen vor. Die trilaterale Expertengruppe CPSL ("Coastal Protection and Sea Level Rise"), die sich aus Vertretern aus Deutschland, den Niederlanden und Dänemark zusammensetzt, hält bei einem Meeresspiegelanstieg von 1 m bis 2100 und steigender Sturmfrequenz eine Verdoppelung der erforderlichen Kosten zur Gewährleistung der heutigen Sicherheitsstandards an der Nordsee für möglich (CPSL 2001). Im Vergleich zu Küstenschutzmaßnahmen an der Nordsee, wo mit höheren Wasserständen im Falle einer Sturmflut zu rechnen ist, fallen die Küstenschutzmaßnahmen an der Ostsee weniger mächtig und damit kostengünstiger aus. Sie sind also günstiger, werden aber auch hier in immer größerem Umfang notwendig werden, um die Küstenbewohner und ihre Sachwerte vor Überflutungen zu bewahren. In Zukunft muss der Schutz für diese Gebiete also aufrecht erhalten bleiben, aber auf Grund des zunehmenden Tourismus werden sie voraussichtlich sogar noch größer als kleiner werden. Somit steigt die Schutzbedürftigkeit.

 

Viele offene Fragen 

Ein idealer Küstenschutz unter einem veränderten Klima sollte also die Küste und das Hinterland schützen, die Küste touristisch und für die Anwohner aber nicht optisch beeinträchtigen und dabei sollten die Kosten noch vertretbar sein. Der Küstenschutz steht damit vor einer scheinbar unlösbaren Aufgabe.

Muss man den Küstenrückgang, der sich in Zukunft aufgrund des Klimawandels voraussichtlich noch verstärken wird und mit einem herkömmlichen Küstenschutz wahrscheinlich nicht zu bewältigen sein wird, also akzeptieren? Von den 381 km Außenküste Mecklenburg-Vorpommerns befinden sich 267 km in dauerhaftem Rückgang (StAUN o.J., a). Doch auch in diesen Küstenbereichen wurde in der Vergangenheit gesiedelt und gebaut. Darf, oder muss man sich also die Frage stellen, ob der Mensch aus diesen Gebieten in Zukunft nicht weichen muss? Untersuchungen im Forschungsprojekt KRIM deuten darauf hin, dass offene Küsten und Vorländer in begrenztem Umfang dem Meeresspiegelanstieg folgen können, Umlagerungsprozesse jedoch deutlich zunehmen werden (BMU 2006). Könnte es daher eine Lösung sein, strategisch wichtige Küstenabschnitte in ihren Grenzen zu "fixieren“, während die verbleibenden Abschnitte wandern oder verschwinden dürfen? Dies würde zumindest teilweise einen Umzug wider Willen der betroffenen Bevölkerung nach sich ziehen, worauf das nächste Kapitel kurz eingehen möchte.

Ob mit, mit begrenzten oder keinen Küstenschutzmaßnahmen: Es steht fest, dass sich die Bevölkerung in den gefährdeten Küstenbereichen auf einschneidende Veränderungen einstellen muss. (IB, DP)

 

5.2. 

Der letzte Strohhalm? Koordinierte Umsiedlungen

Eine ernstzunehmende, wenn auch vielleicht ungewöhnlich anmutende Maßnahme, einem höheren Meeresspiegel an der Küste zu begegnen, ist die Umsiedlung der Bewohner ganzer Dörfer, Städte oder sogar Regionen. Dies könnte v.a. Landstriche treffen, die beispielsweise wie Bangladesh oder viele pazifischen Inselstaaten nur knapp über dem Meeresspiegel liegen. Solch eine Maßnahme könnte aber auch für derzeit sichere Regionen notwendig werden, wenn der Anstieg des Meeresspiegels nicht gestoppt oder zumindest verlangsamt wird. Bedeutet das also, dass vielleicht auch Mecklenburger und Pommern nach Bayern in die Berge ziehen müssen?

Die Bewohner des pazifischen Inselstaates Tuvalu haben bereits einen Vertrag mit Neuseeland abgeschlossen, der ihnen im Falle, dass ihre Insel durch den erhöhten Meeresspiegel "versinkt", die Aufnahme nach Neuseeland garantiert (LECHTENBÖHMER & SCHOLTEN 2006). Dieses außergewöhnliche Beispiel zeigt, dass eine Umsiedlung der Küstenanwohner durchaus ein realitisches Szenario darstellt. 

Nicht vergessen werden darf jedoch, dass auch die Bevölkerung anderer Länder oder auch höherer Lagen im selben Land vom Klimawandel betroffen sein wird - zwar nicht durch einen Anstieg des Meeresspiegels, aber beispielsweise durch Überschwemmungen aufgrund höherer Niederschläge oder Brandgefahren durch längere Trockenperioden. So wäre ein Umzug der Bewohner aus den Gefahrengebieten Mecklenburg-Vorpommerns nach Bayern wahrscheinlich nicht ratsam, da Klimaforscher zu der Erkenntnis gekommen sind, dass Bayern neben Brandenburg am stärksten unter dem Klimawandel zu leiden haben wird (UBA & MPI-M 2006). Generell dürfte den Bundesländern im Falle einer Evakuierung gefährdeter Gebiete daran gelegen sein, eine gleichmäßige, i.S. einer gerechten, Aufteilung der Küstenanwohner auf alle Regionen des Bundesgebietes zu erreichen, damit alle Bundesländer finanziell gleichmäßig belastet werden.

Wohnen Sie selbst an der Küste? Sind Sie neugierig geworden und möchten gerne erfahren, bei welchem Meeresspiegelanstieg Sie möglicherweise zum "Klimawandel-Flüchtling" werden würden? Dann empfehlen wir Ihnen folgende Website:           

(DP)
 

5.3. 

Mehr als nur Küstenschutz - Anpassungsstrategien heute für morgen

Die Auswirkungen einer Klimaerwärmung werden aller Voraussicht nach eine deutliche Herausforderung an die Menschen an Mecklenburg-Vorpommerns Küste, ihre natürlichen und wirtschaftlichen Lebensgrundlagen darstellen. Experten sind sich aber einig, dass der tatsächliche Schaden verringert werden kann, wenn Maßnahmen zur Anpassung ergriffen werden (CRAMER 2006). Was kann also bereits hier und jetzt getan werden, um eine Anpassung zu ermöglichen?

  

(nach LECHTENBÖHMER & SCHOLTEN 2006; SCHIRMER 2006)

Um städtische und ländliche Infrastrukturen, Wirtschafts- und Sozialstrukturen rechtzeitig an die sich verändernden Klimabedingungen anzupassen, werden Überlegungen und Anstrengungen auf lokaler Ebene notwendig sein. Ein Beispiel hierfür ist die London Climate Change Partnership ("Adapting to Climate Change, Lessons for London"), der Interessenvertreter aus Politik und Wirtschaft angehören. Ihr Ziel ist es sicherzustellen, dass London auf den Klimawandel vorbereitet ist.

Aber auch für den Ostseeraum werden Überlegungen angestellt. Im Projekt ASTRA ("Developing Policies and Adaptation Strategies to Climate Change in the Baltic Sea Region") werden die regionalen Auswirkungen des Klimawandels untersucht und Strategien und Verfahrensweisen für eine Anpassung an den Klimawandel entworfen (SCHMIDT-THOM 2005). Die Auswirkungen und die Verletzlichkeit von Regionen werden dabei in verschiedenen regionalen und lokalen Falluntersuchungen in den Blick gerückt, u.a. wie beim Vorläuferprojekt SEAREG wieder die Insel Usedom. Dabei werden Bedrohungen durch Extremtemperaturen, Dürren, Waldbrände, Stürme und Überflutungen betrachtet. In das Projekt sind auch regionale und lokale Interessenvertreter und Planer eingebunden, da ohne sie Anpassungs- und Minderungsmaßnahmen nicht möglich sein werden. Die Ergebnisse des Forschungsprojekts sollen in die laufenden Planungsprozesse einfließen. ASTRA wird noch bis Ende 2007 laufen.

Bei all den notwendigen Anpassungsstrategien an den Klimawandel darf jedoch eines nicht vergessen werden: Es muss trotzdem Ziel bleiben, den Ausstoß von Treibhausgasen zu verringern. Nur diese Zweigleisigkeit wird die Folgen des Klimawandels abmildern können (UBA 2004). Das Umweltbundesamt geht davon aus, dass Deutschland die Treibhausgasemissionen bis zum Jahre 2020 um 40% und bis 2050 um 80% senken kann (EBD.). 

Nur wenn es gelingt, die globale Erwärmung, wie vom Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (2006) empfohlen, unter 2°C gegenüber vorindustriellen Werten zu begrenzen, können die Kosten der Anpassung bewältigt werden. Für einen angemessenen Klimaschutz müsste weltweit ungefähr 1% der globalen Wirtschaftsleistung ausgegeben werden (STERN 2006). Das aber ist nur ein Bruchteil der Kosten, die durch die Schäden entstehen können. Laut Umweltbundesamt können sie bis zu 10% der Weltwirtschaftsleistung betragen (UBA 2006). Noch ist Zeit, die schlimmsten Folgen des Klimawandels abzuwenden, kommt Sir Nicholas Stern in seiner Studie "Die wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels" (2006) zum Schluss - jedoch nur, wenn wir jetzt entschieden vorgehen.

Was zu einem entschiedenen Vorgehen gehören könnte – auf privater, aber auch auf öffentlicher Ebene -, das möchte Ihnen Kapitel 6. näher bringen. (DP)

 

6. 

Was tun?

In den vorherigen Kapiteln wurden die Zusammenhänge zwischen Klimaveränderung und Meeresspiegelanstieg verdeutlicht, Klimamodelle vorgestellt sowie die möglichen Auswirkungen auf die Küste Mecklenburg-Vorpommerns aufgezeigt. Die Entstehung von Sturmfluten wurde erklärt, welche baulichen Küstenschutzmaßnahmen möglich sind und wer grundsätzlich für Bau und Unterhaltung zuständig ist.

Ursachen, Wirkung und Gegenmaßnahmen sind somit umfassend beschrieben und erläutert worden. Doch was muss konkret getan werden? Was kann jeder tun? Was kann die Politik und was kann die Wirtschaft tun, um einen Klimawandel, wenn nicht aufzuhalten, dann wenigstens zu verlangsamen? Antworten auf diese Fragen finden Sie im folgenden Kapitel, abgerundet mit einigen Beispielen für die Praxis. (OS)

 

6.1. 

Was wird getan? Projekte zum Klimaschutz

Stadtbusse, die mit Erdgas fahren, Photovoltaikanlagen auf Kirchendächern oder öffentliche Gebäude, die ihren Energiebedarf aus regenerativen Quellen speisen. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es bereits einige Projekte zum Klimaschutz.

Zu den Vorhaben, die mit Hilfe des Umweltministeriums realisiert werden konnten, gehört die Energieversorgung im Natur- und Umweltpark Güstrow. Sie erfolgt ausschließlich aus regenerativen Quellen und umfasst den Einsatz von Sonnenenergie und Wärmepumpen für die Strom- und Wärmeversorgung des Parks. Darüber hinaus spielen die technischen Anlagen zur Energiegewinnung auch im Bildungskonzept eine wichtige Rolle. Besucher können zum Beispiel einer Photovoltaikanlage beim "Stromerzeugen" zusehen.

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Strom aus Sonnenenergie steht auch im Solarzentrum Mecklenburg-Vorpommern im Mittelpunkt. Ziel der Einrichtung im Landkreis Nordwestmecklenburg ist es, diese regenerative Energiequelle in unterschiedlichen Bereichen zu unterstützten. Der Wietower Gutskomplex wurde dafür saniert und mit dachintegrierten Photovoltaikmodulen ausgerüstet. Besucher können sich bei einem Rundgang durch den Komplex an 20 Stationen über den Nutzen solarer Techniken informieren.

In Barth liefert die Sonne die nötige Energie, um aus Wasser Wasserstoff und Sauerstoff zu gewinnen. Der Sauerstoff wird im Belebungsbecken der Kläranlage benötigt, um deren Leistung zu erhöhen. Den Wasserstoff als „Nebenprodukt“ nutzt das Wasserstoffprojekt Barth für die Brennstoffzelle eines Busses. Das umweltfreundlich angetriebene Fahrzeug ist im Überlandverkehr in der Nationalparkregion Darß-Zingst unterwegs.

[Quelle: http://www.mecklenburg-vorpommern.eu]

Reichen diese Projekte aus? Was kann noch getan werden? Wer kann was tun? Was kann die Politik? Was kann die Wirtschaft? Was kann jeder einzelne tun? Antworten auf diese Fragen finden Sie in den nachfolgenden Kapiteln. Viel Spaß! (OS)

 

6.2. 

Das kann jeder!

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Sich informieren

Sich über die Folgen seines Tuns sowie über Klimaschutzmaßnahmen und ihre Wirksamkeit auf dem Laufenden halten (z.B Internet, Tageszeitungen, Vorträge etc.). Jede noch so kleine Aktion, die zum Klimaschutz beiträgt, ist wichtig.     

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Selbstvertrauen haben

Mut haben, auch gegen den Trend etwas zu tun, was man selbst für richtig hält, z.B. auf das Auto oder den Flug verzichten. Wenn etwas bewegt werden soll, dann muss man sich selber auch bewegen.

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Solidarität zeigen

Schließen sie sich mit anderen (Freunde, Verwandte, Kollegen u.s.w.) zusammen und organisieren sie eine Aktion für den Klimaschutz. Erleben Sie das Gemeinschaftsgefühl und die Befriedigung durch Ihre Mitarbeit. Spenden Sie für Organisationen, die den Klimaschutz unterstützen.

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Zeit lassen und nachdenken

Führen Sie sich klar vor Augen, welche großen Vorteile Ihr heutiges Handeln für zukünftige Generationen haben kann. Reflektieren Sie Ihr Verhalten und überlegen sich, ob Sie etwas tun, weil es schöner und angenehmer ist als klimafreundlichere Alternativen, oder vielleicht doch eher weil es Gewohnheit ist.

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Wählen gehen

Wichtige Entscheidungen für oder gegen den Klimaschutz werden auf allen politischen Ebenen getroffen. Ihre Stimme entscheidet über die Zusammensetzung von Bundes-, Europa- und Landesparlamenten. Somit ist Ihre Stimme wichtig. Informieren Sie sich vor der Wahl über die einzelnen Umweltprogramme, insbesondere zum Klimaschutz, der Parteien.

Die Klima-Konsequenzen von Kaufentscheidungen berücksichtigen

Lassen Sie bei Kaufentscheidungen die Auswirkungen des Produktes auf die Umwelt nicht ausser Acht. Beachten Sie den Lebenzyklus des Produktes, von seiner Entstehung bis zur Entsorgung. Welchen Einfluss hat das Produkt auf die Umwelt?

Sie haben z.B. die Möglichkeit beim Kauf eines Autos eine Entscheidung pro oder kontra Klimaschutz zu fällen und das nicht nur hinsichtlich des eigenen Spritverbrauchs. Verkauft "meine" Tankstelle nur Benzin, oder gehört sie eventuell zu einem Konzern, der (im Gegensatz zu anderen) aktive Lobbyarbeit gegen Klimaschutzbemühungen der Politik betreibt? Bietet mir mein Automobilclub nur eine Dienstleistung wie z. B. Abschleppdienst an, oder gehört er eventuell zu denen, die sich (im Gegensatz zu anderen Anbietern solcher Dienstleistungen) gegenüber der Politik und in der Öffentlichkeitsarbeit für eine einseitige Förderung des Straßenverkehrs einsetzen? (OS)     

 

6.3. 

Das sollte jeder!

Dort sparen, wo es auch wirklich etwas bringt. Im privaten Bereich haben den mit Abstand größten Anteil am direkten und indirekten Treibhausgasausstoß der Auto- und Flugverkehr:

Ein in Deutschland gekaufter Neuwagen emittiert durchschnittlich 173 g CO2 pro gefahrenen Kilometer (BUND 2006).

Eine Fichte kann in einem Kaldenderjahr bis zu 11 kg CO2 speichern.

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Sie fragen sich jetzt, was das eine mit dem anderen zu tun hat?

Ein Beispiel soll den Zusammenhang verdeutlichen: 

Auf der Strecke von München nach Rostock (ca. 780 km) werden mit:

   dem PKW   ca.180  kg CO2 
   der Deutschen Bahn  ca. 78 kg CO2
   dem Flugzeug  ca. 226 kg CO2
 freigesetzt.   

Um diese Mengen an CO2 temporär speichern zu können müssten bei der Fahrt mit:

   dem PKW   ca.17 Fichten 
   der Deutschen Bahn  ca. 7 Fichten 
   dem Flugzeug  ca. 21 Fichten 
 angepflanzt werden.   

 (INTERNATIONALES WIRTSCHAFTSFORUM REGENERATIVE ENERGIEN (IWR) 2006)

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Berücksichtigt man die Tatsache, das in großer Höhe die gesamten Flugzeugabgase (CO2, Wasserdampf und Stickoxide) für das Klima dreimal so schädlich wirken wie am Boden, ist im Sinne des Klimaschutzes das Flugzeug als Transportmittel soweit wie möglich zu meiden. Für nicht vermeidbare Flüge gibt es die Möglichkeit, den Schaden für das Klima zumindest teilweise wieder auszugleichen.Dieses einfache Beispiel soll deutlich machen, das allein die Entscheidung über das Transportmittel zu einer Verringerung des CO2 Ausstoßes beitragen kann. Es kann also jeder etwas dazu beitragen, den Ausstoß an schädlichen Klimagasen zu verringern.Welche Möglichkeiten gibt es noch?
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Strom aus Erneuerbaren Energien

Der Bezug von Strom aus Erneuerbaren Energien und ggf. der Wechsel des Stromversorgers ist heute in den meisten Fällen problemlos möglich. Angebote gibt es bei vielen lokalen Stromversorgern, aber auch überregional. Wichtig ist, dass die Angebote wirklich glaubwürdig sind.

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Ernährung

Da die Produktion von Fleisch im Durchschnitt um ein Mehrfaches energieintensiver ist als die Herstellung einer gleichwertigen Menge von Gemüse und Obst, ist eine fleischarme Ernährungsweise ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz. Bei Rindfleisch ist neben der aufgewendeten Energie auch der Methanausstoß durch die Rinder selbst eine nicht unerhebliche Belastung für das Klima. Wer insgesamt auf eine ausgewogene Kost setzt, lebt nicht nur gesünder, sondern reduziert neben den Treibhausgasemissionen auch die vielen weiteren Probleme der Massentierhaltung. Außerdem können durch den Kauf regionaler Produkte aufgrund der geringeren Transportwege große Mengen CO2 eingespart werden. (OS)
 

6.4. 

Das kann die Politik!

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Global handeln

Eine globale Aufgabe wie der Klimaschutz braucht eine globale Strategie – nicht zuletzt wegen der Flexibilität von Unternehmen, die den nationalen Regelungen oft durch Standortverlagerungen ausweichen. Das Kyoto-Protokoll ist zwar ein erster, wichtiger Schritt, wird aber einen gefährlichen Klimawandel nicht vermeiden können, wenn es nicht als Basis für weitaus ehrgeizigere Maßnahmen nach 2012 genutzt wird.

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Vorsorgepolitik betreiben

Den Wählern gegenüber offensiv vertreten, dass Klimaschutzmaßnahmen eine Investition in zukunftsfähige Lebensbedingungen sind. Regierungen werden vor jeder Wahl an ihren Erfolgen gemessen – dass dies meist mit sehr einseitigen Maßstäben wie z.B. dem Bruttoinlandsprodukt geschieht, und dass oftmals nur Erfolge geltend gemacht werden, die eine bereits heute messbare Wirkung entfalten, haben nicht nur die Wähler-Innen, sondern auch ein großer Teil der Politiker-Innen selbst mitzuverantworten.

Klimaschädliche Subventionen abbauen

Fossile Energieträger werden weltweit mit schätzungsweise über 150 Mrd. US-Dollar pro Jahr subventioniert. Milliardensubventionen für diesen Bereich wirken nicht nur wettbewerbsverzerrend, sondern vor allem fatal für das Klima. Mit dem Abbau dieser Subventionen würde sich die ökonomische Wettbewerbsfähigkeit klimaschonender Alternativen wie der Erneuerbaren Energien radikal verbessern. Ein besonders zentraler Schlüssel zum langfristigen Klimaschutz liegt in der weltweiten Begrenzung der Kohleförderung, insbesondere im Verzicht auf den Aufschluss neuer Lagerstätten, da die Vorräte aller anderen fossilen Energieträger weitaus knapper sind. Dies gilt gleichermaßen für den heimischen Kohlebergbau wie für den Export entsprechender Fördertechnologien.

Internalisierung externer Kosten

Die vom Treibhausgasausstoß verursachten Schäden sollten sich soweit wie möglich in den Preisen von Produkten und Dienstleistungen widerspiegeln. Im Sinne des Klimaschutzes sind hier pauschale Preise (z.B. Kfz-Steuer) deutlich ungünstiger als beispielsweise verbrauchsabhängige Steuern bzw. Abgaben auf Mineralöl und Kerosin oder das Einbinden in den Emissionshandel. Die Steuerbefreiung des internationalen Flugverkehrs hinsichtlich Kerosin- und Mehrwertsteuer stellt eine besonders klimaschädliche Subvention dar. (OS)

[Quelle:http://www.germanwatch.org/download/rio/klima05.pdf] 

 

6.5. 

Das kann die Wirtschaft!

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Gemeinsam ihr Interesse am Klimaschutz aussprechen

Einige Unternehmen haben sich bereits im "Unternehmerrat e5" oder anderen Unternehmergruppen zusammengeschlossen, die sich gegenüber der Politik aktiv für mehr Klimaschutzmaßnahmen einsetzen.

Direkte und regulative Finanzrisiken erkennen

Es wird immer stärker deutlich, dass der Klimawandel für Unternehmen nicht mehr nur ein Aktivitätsfeld für uneigennütziges Handeln ist. Vielmehr werden zunehmend finanzielle Risiken für die Unternehmen selbst erkennbar. Sichert sich ein Unternehmen durch effektiven Klimaschutz angemessen gegen solche Risiken ab, so kann es nicht nur eine Gefahrenabwehr betreiben, sondern sich oftmals auch einen deutlichen Wettbewerbsvorteil gegenüber sorglosen Konkurrenten verschaffen.

In Zukunftstechnologien investieren

Die Nutzung fossiler Energiequellen im großen Maßstab hat auch wirtschaftlich gesehen keine Zukunft. Viele Firmen orientieren sich bereits um und tätigen erhebliche Investitionen in Erneuerbare Energien und Effizienztechnologien.

Betriebliche Ökobilanz erstellen

Wenn sich Unternehmen einem entsprechenden Check unterwerfen, bringt dies sehr oft auch große finanzielle Einsparungen z.B. beim Energieverbrauch.

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Management und Emissionsausgleich von Dienstreisen

Durch eine systematische Optimierung der Dienstreisetätigkeit können Unternehmen nicht nur große Mengen Treibhausgase, sondern meistens zugleich auch Geld einsparen. Hierzu gehört u.a. die Nutzung von Video- oder Telefonkonferenzen, insbesondere bei routinemäßig abgehaltenen Besprechungen. Bei der Abwägung zwischen Flügen, Bahnfahrten und Autofahrten sollte nicht nur die Länge der Reisezeit, sondern auch ihre Nutzbarkeit in die Kalkulation einbezogen werden. Einige Flüge werden sich aber dennoch nicht vermeiden lassen – hier bietet sich angesichts der besonderen Klimaschädlichkeit des Flugverkehrs ein freiwilliger Beitrag zu Klimaschutzprojekten an, um die Erwärmungswirkung der Flüge zumindest teilweise auszugleichen. (OS)

[Quelle:www.germanwatch.org, 2005]

 

6.6. 

Lösungsansatz

Bei dem folgenden Lösungsansatz werden lediglich zwei Obergruppen (Zielgruppen) betrachtet, die einheimische Bevölkerung und die Touristen. Eine feinere Unterteilung der Gruppen wird an dieser Stelle nicht vorgenommen, wäre aber bei einer vertiefenden Planung notwendig.

 

Die einheimische Bevölkerung

Für die Bewohnder der Region ist der Küstenschutz nichts Neues und eine seit Jahrhunderten, von Generation zu Generation überlieferte tägliche Notwendigkeit. Eine Notwendigkeit, die das Überleben sicherstellte. War es früher noch der Schutz des Lebens und des (Acker-) Landes vor dem Wasser, so gilt es heute u.a. auch erhebliche Wert- und Sachgüter zu schützen.

Zu schützen sind neben den privaten Wohnhäusern auch die Ferienhäuser, Pensionen, Hotels und andere Einrichtungen für die Touristen, denn der Tourismus stellt eine der Haupteinnahmequellen der Region dar. Jedoch dürfen die Schutzmaßnahmen nicht zu Lasten der Attraktivität des Standortes gehen, z.B. muss der Strand erhalten bleiben und darf nicht einem Deich zum Opfer fallen. Denn nur über bzw. mit den Touristen kann die eigene Existenz erhalten bleiben. Ein Spagat, der zwangsläufig zu Interessenkonflikte führen muss.

Zur Zielgruppe "Einheimische Bevölkerung" zählen:

Bewohner, Mitarbeiter der Stadtverwaltung (Touristeninformation u.s.w.), Vermieter von Ferienwohnungen, Hoteliers, Zeltplatzbetreiber und -mitarbeiter, Mitarbeiter der Jugendherbergen, Vereine, Parteien ... 

 

Touristen

Die Touristen reisen das gesamte Jahr über an die Ostseeküste. Sie suchen einen Ort der Ruhe, verbunden mit einer intakten und gesunden Umgebung um sich erholen zu können. Die Erwartungshaltung an die Infrastruktur, den Service und letztendlich an das "Erlebnis Ostsee" ist sehr hoch. Erwartet wird ein familiengerechter Strand, der sauber und ordentlich sein muss. Ein Zimmer mit Blick über das Meer soll den "perfekten" Urlaub unvergeßlich machen. Deiche oder andere Küstenschutzbauwerke stören da nur. Jede Störung, und sei sie noch so klein, ist zu vermeiden.

Wie kann nun erreicht werden, das sich die beiden Gruppen für das Thema interessieren? Wie kann ich eine gewisse Akzeptanz für bestimmte, oder auch für notwendige Küstenschutzmaßnahmen erreichen und nachhaltig beeinflussen? 

Die Antwortet lautet: Durch Partizipation. 

Darunter versteht man nicht nur die aktive Teilhabe, sondern auch die Information und das Einholen von Meinungen (nach FÜRST et.al, 2001).

Da sich Touristen immer nur kurzfristig an der Ostsee aufhalten soll weniger die Partizipation der Teilnahme am gestalterischen Prozeß, z.B. der langfristige Entwicklung von Küstenschutzmaßnahmen betrachtet werden, sondern die kurzfristige Partizipation über die Information. 

In einer Fallstudie Bürgerbeteiligung im Küstenschutz - Timmendorfer Strand und Scharbeutz wurde die Partizipation der Teilhabe bereits erfolgreich erprobt (Vorlauf, 2005). Weiterführenden Informationen entnehmen Sie bitte dem Link "Bürgerbeteiligung...".

 

Ansatz 

Beide Gruppen sollen durch zielgerichtete Informationsveranstaltungen "eingefangen" und zur langfristigen und aktiven Teilnahme bewegt werden. Ein erster Ansatz besteht darin, Grundlagenwissen zu vermitteln. Dieses kann auf unterschiedliche Arten erreicht werden, z.B. durch (Fach-) Vorträge.   

Fachleute, z.B. der Universität oder Bildungseinrichtungen werden zu den Themen rund um die Klimaveränderung und den Küstenschutz eingeladen. Denkbar ist hier eine Veranstaltung für die einheimische Bevölkerung in den Wintermonaten, in denen  z.B. die Betreiber von Ferienpensionen mehr Zeit haben, sich fortzubilden. Jedoch kann auch im Sommer eine solche Veranstaltung in den Badezentren durchgeführt werden. Wichtig ist, das diese Veranstaltung auf die Bedürfnisse der Zielgruppe "Touristen" abgestimmt wird, z.B durch kurze Vorträge.   

Für beide Gruppen liegt der Hauptschwerpunkt in der anschaulichen und interessanten Darstellung der Inhalte. Neben der guten und ausgewogenen Darstellung der wissenschaftlichen Fakten sollte auch ein gewisser "Unterhaltungswert" vorhanden sein. Den Zuhörern soll die Teilnahme "Spaß" machen und "Lust auf mehr" vermitteln.  Den Fachleuten muss es mit einfachen Worten gelingen, den Laien zu verdeutlichen, das es eine spür- und messbare Klimaveränderung gibt und diese Auswirkungen auf den Lebensraum Erde hat.

Ferner gilt es deutlich zu machen, das jeder durch die Änderung seines Verhaltens seinen Beitrag zur Reduzierung der Emission von schädlichen Klimagasen leisten kann. Die Selbstverantwortung für das Handeln ist hervorzuheben. Es muss deutlich werden, das mit der Umsetzung sofort begonnen werden muss.

Weitere Beispiele, wie Inhalte der Themen Küstenschutz und Klimawandel vermittelt werden können, entnehmen Sie bitte dem folgenden Kapitel. (OS)

 

6.7. 

Beispiele

Zielgruppe: Einheimische Bevölkerung

Ziel: Vermittlung von Grundlagenwissen zu den Themen Küstenschutz und Klimawandel. 

Methode: Langfristige Kooperationen mit Universitäten, Fachhochschulen, Ministerien, Umweltverbänden, Volkshochschulen...

Maßnahmen:

 

Zielgruppe: Touristen

Ziel: Vermittlung von Grundlagenwissen zu den Themen Küstenschutz und Klimawandel. 

Methode: Kurzfristige Information, Aktive und passive Teilnahme, Ansprache aller Altersgruppen (jung bis alt) 

Maßnahmen:

 

Maßnahmen zum Kimaschutz der Städte

Ziel: Klimaschutz erlebbar machen, Klimaschutz aktiv fördern und unterstützen, Signalwirkung für andere Städte setzen, aktiv Klimaschutz betreiben

 

Nun wissen Sie mehr über den Klimawandel und Klimamodelle, die Treibhausgase, die Entstehung von Sturmfluten und wie der Mensch diesen Naturgewalten mit baulichen Maßnahmen begegnet, um sich zu schützen. Sie haben gelernt, wie sich die Klimaveränderung auf die Ostseeküste auswirken wird. Wir haben aufgezeigt, was zu tun ist, wer welche Möglichkeiten besitzt und das möglichst bald etwas geschehen muss, um nachfolgenden Genarationen einen lebenswerten Raum "Erde" vererben zu können. Nun liegt es an Ihnen. Ziehen Sie Ihre persönlichen Schlussfolgerungen. Wir fordern Sie auf, aktiv zu werden, Mut zu haben. Machen Sie sich den Klimaschutz zu eigen. Überdenken Sie, wann immer es Ihnen möglich ist Ihr Handeln. Jeder, auch noch so kleine Beitrag zur Reduzierung der klimaschädlichen Umweltgase hilft und ist wichtig. Leisten Sie Ihren Beitrag. In welcher Form entscheiden Sie ganz allein!

„Wann, wenn nicht jetzt? Wo, wenn nicht hier? Wer, wenn nicht wir?“

John F. Kennedy

 

(OS)

 

7. 

Literatur

BMU (2006): Integriertes Küstenzonenmanagement in Deutschland - Nationale Strategien für ein integriertes Küstenzonenmanagement. Bestandsaufnahme, Stand 2006. Bonn: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit.  

CHRISTENSEN, J.H. (2004): Major characteristics of the global climate system, global and regional climate models. In: LANGE, Manfred A.; POSZIG, D. (Hrsg.): IRISEN-II. Integrated regional impact studies in the European North: Basic issues, methodologies and regional climate modelling - II. Münster: Centre for Environmental Research, Münster. S. 109-131.

CPSL (2001): Final Report of the Trilateral Working Group on Coastal Protection and Sea Level Rise. Wadden Sea Ecosystem No. 13. Wilhelmshaven: Common Wadden Sea Secretariat.

CRAMER, W. (2006): Klimafolgen und Anpassungskapazität in Deutschland. Vortrag zweiter nationaler Workshop "Anpassung an Klimaänderungen in Deutschland — Regionale Szenarien und nationale Aufgaben", 17. Oktober 2006, UBA.

CUBASCH, U. (2002): Perspektiven der Klimamodellierung. In: DEUTSCHER WETTERDIENST (Hrsg.): Klimastatusbericht 2002. Offenbach: Deutscher Wetterdienst. Vol. S, S. 7-16.

DASCHKEIT, A.; STERR, H. (2005): Klimawandel und Küstenschutz: Hat Sylt eine Zukunft?- In: GLAESER, B. (Hrsg.): Küste, Ökologie und Mensch: Integriertes Küstenmanagement als Instrument nachhaltiger Entwicklung. München, S. 267-291.

DEUTSCHES KLIMARECHENZENTRUM: Erste Modellrechnungen für den IPCC-Bericht fertiggestellt. Pressemitteilung von MPI-M, DKRZ und der Gruppe "Modelle und Daten" vom 15.2.2005. http://www.dkrz.de/dkrz/news/IPCC_AR4 (abgerufen am 11.12.2006).

DUPHORN, K.; KLIEWE, H.; NIEDERMEYER, R.-O.; JANKE, W.; WERNER, F. (1995): Sammlung geologischer Führer: Die deutsche Ostseeküste. Berlin, Stuttgart: Gebr. Borntraeger.

DUTY, O.: Klimawandel und Gesundheit. Vortrag auf der Veranstaltung "Komplexe Nachhaltigkeitsprobleme" des Fernstudiums Umwelt & Bildung, 7.10.2006.

EBNET, O. (2004): Vorwort. In: WIRTSCHAFTSMINISTERIUM MECKLENBURG-VORPOMMERN (Hrsg.): Landestourismuskonzeption Mecklenburg-Vorpommern 2010. Schwerin: Wirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern. S. 4.

JACOB, D.; KREIENBERG, F. (2006): Regionale Klimaszenarien für Deutschland. Vortrag zweiter nationaler Workshop "Anpassung an Klimaänderungen in Deutschland — Regionale Szenarien und nationale Aufgaben", 17. Oktober 2006, UBA.

JOUGHIN, I. (2006): Greenland rumbles louder as glaciers accelerate. Science, Vol. 311, S. 1719-1720.

KALLIO, H. (2006): The evolution of the Baltic Sea – changing shorelines and unique coasts. Geological Survey of Finland, Special Paper 41, S. 17–21.

KNOBLAUCH, T. (2002): Entwicklung und Installation einer automatischen Grundwasserpegelmessstation entlang der Stranddrainage in Markgrafenheide. Diplomarbeit, Universität Rostock. 68 S.

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LECHTENBÖHMER, S.; SCHOLTEN, A. (2006): Anpassungsstrategien: Global, national und regional. Vortrag auf dem 16. Symposiums des Zentrums für Umweltforschung "Globale Umweltveränderungen und Wetterextreme - Was kostet der Wandel?", 6. und 7.11.2006 an der Universität Münster.

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Danksagung

Folgenden Personen möchten wir für Auskünfte, das Übersenden von Informationsmaterial und das zur Verfügung stellen von Fotos danken: Frau Vilma Schmidt und Herrn Dr. Birger Gurwell, StAUN Rostock; Herrn Dr. Klaus Keuler, BTU Cottbus; Frau Dr. Daniela Jacob, MPI für Meteorologie, Hamburg; Herrn Jens Hoffmann, FH Neubrandenburg; Herrn Dr. Frank Kreienkamp, Climate & Environment Consulting, Potsdam; Frau Brigitta Krukenberg, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung; Alexander Wriege-Bechtold; Hildegard Poszig; David Thieltges.

 

 

8. 

Impressum und Kontakt

Website:www.ikzm-d.de
Rahmen:Dieses Onlinemodul ist im Rahmen einer Hausarbeit im Fernstudium "Umwelt und Bildung" an der Universität Rostock entstanden.
Zusammengestellt von:
Iris Bechtold, Dörte Poszig und Olaf Schwark
Inhalt:
Vorstellung der Küstenregion Mecklenburg-Vorpommerns sowie Informationen rund um das Thema Klimawandel und Küstenschutz bezogen auf Mecklenburg-Vorpommern.
Gewähr/ Haftung:
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