Disclaimer:
Dieses Informationsmodul stellt eine studentische Arbeit dar, die im Rahmen des Hauptseminars "Europas Küsten im Wandel" am Geographischen Institut der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel erstellt wurde.

Küsten im Wandel: Rumänien

Studentische Arbeit im Rahmen des Hauptseminars "Küsten im Wandel" am Geographischen Institut der Universität Kiel im Sommersemester 2007 (http://www.ikzm-d.de/main.php?page=152,3205) 

Autoren:

Tina Geisler & Johannes Tiffert

Juni 2007

Rumänien ist mit dem Beitritt zur EU am 1. Januar 2007 zu einem der jüngsten EU-Mitgliedsstaaten geworden. Die östliche Grenze der Republik, die durch das Schwarze Meer gebildet wird, ist zugleich auch die östliche Grenze der Europäischen Union. Entlang des 244 Kilometer langen Küstenabschnittes zwischen der Ukraine im Norden und Bulgarien im Süden finden sich neben dem schützenswerten Donaudelta auch verschiedene Häfen und Industrie, wie etwa in Konstanza, der größten rumänischen Stadt am Schwarzen Meer. Der Anteil der rumänischen Küste an der gesamten Meeresküste des Schwarzen Meers beträgt etwa 6%.

Aktuelles Staatsoberhaupt in Rumänien, das 1991 zur Republik wurde, ist Traian Basescu, Mitglied der Demokratischen Partei (PD). Die Hauptstadt des 238.391 km2 großen Landes ist Bukarest. Im Jahre 2004 wohnten in Rumänien 21.685.000 Menschen. Rumänisch ist die Amtssprache.

 

Während der letzten 30 Jahren erlebte das Ökosystem des Schwarzen Meeres einen enormen Einbruch. Aufgrund eines wachsende Einströmens von belasteten Wässer aus den großen europäischen Flüssen, wie etwa der Donau, nahmen die Flora und Fauna des Meeres erheblichen Schaden. Zusätzlich haben Missmanagement und Unachtsamkeit zu einer Beeinträchtigung und Verschmutzung des Landschafsraumes „Schwarzes Meer“ geführt. Um eine zukünftige nachhaltige Nutzung der Ressourcen der Region zu gewährleisten, ist eine Kooperation der betroffenen Anrainerstaaten dringend notwendig.

 

1. 

Die Küstenzone

Mit einer Küstenlinie von etwa 244 km verfügt Rumänien im Vergleich zu den meisten anderen europäischen Küstenländern über einen eher kürzeren Küstenabschnitt. Zudem entsprechen diese 244 km Küstenlinie gerade einmal 7,65% der gesamten Länge der rumänischen Grenze. Dennoch ist die Küstenzone aufgrund ihrer ökonomischen und ökologischen Besonderheiten von großer Bedeutung für Rumänien. Hier befindet sich neben der bedeutenden Hafenstadt Konstanza und primären Tourismusdestinationen auch die mit Abstand größte Ansamlung von Naturschutzgebieten der Republik, die Danube Delta Biospheren Reservate. Nicht zuletzt bildet das Gebiet für das östliche Europa und westliche Asien ein wichtiges Bindeglied im (Güter-)verkehrnetz der europäischen Union.

 

1.1. 

Definition

Zur Eingrenzung des Gebietes, in dem aus morphologischen, strukturellen, administrativen oder anderen Gründen ein Integriertes Küstenzonenmanagement sinnvoll erscheint, bieten sich vier verschiedene Herangehensweisen an. Neben einer Definition des Anwendungsgebietes anhand von Pufferzonen fester Größe sind die in der Ausdehnung variablen oder je nach örtlich spezifischen Gegebenheiten angepassten Grenzräume denkbar. Als vierte Möglichkeit ergibt sich eine hybride Abgrenzung als Mischform der anderen Herangehensweisen.

Bis 2004 ist es für Rumänien nicht zur rechtskräftigen Ausweisung einer Küstenzone als Management- und Planungseinheit gekommen. Vorgeschlagen ist eine Mischlösung, die sich stark an bereits vorhandenen (administrativen) Strukturen und Gesetzen innerhalb Rumäniens, etwa dem Einfluss des Ministeriums für Umwelt und Wassermanagement (MEWM), orientiert und sowohl ein optimales Wassermanagement, als auch ein erfolgreiches Integriertes Küstenzonenmanagement ermöglichen soll. Dabei ist es zu einer Deklaration von vier Teilzonen so wie der Beschreibung eines Küstenstreifens innerhalb der Küstenzone gekommen, die sich teilweise gegenseitig überschneiden. Als Grenzlinie zwischen Landfläche und dem Schwarzem Meer dient die Höhenlinie des mittleren Meeresspiegels in der Region (NN).

 

Die vorgeschlagene Definition einer Küstenzone für Rumänien:

 

 

 

 

 

 

 

1.2. 

Naturraum

Physiographisch

Die rumänische Küste und ihr näheres Hinterland im südöstlichen Teil des Landes liegen landschaftsgeographisch vollständig in der Dobrogea Region. Diese meist hügelige Region lässt sich physiographisch in drei Subgebiete untergliedern. So weist der nördliche Teil Dobrogeas mit Höhenlagen von 180-467 Metern über dem Meeresspiegel die höchsten Erhebungen der Region auf. Im Hinterland überwiegen paläozoische und mäsozoische Bodenformationen, während der östliche Bereich entlang der Küste vom weitläufigen Deltagebiet der Donau und zahlreichen Lagunen geprägt wird. In Zentral-Dobrogea flacht das Gelände von Nord nach Süd auf Höchstwerte um 300 Meter ab. Das vorrangige Bodenbildende Gestein ist schiefrig. Süd-Dobrogea wird aus etwa 100 bis 200 Meter über dem Meeresspiegel liegenden Kalksteinplateaus die von Lössböden bedeckt sind gebildet. Insgesamt erhebt sich 60% der Landfläche Dobrogeas nicht über 100 Höhenmeter hinaus.

(Quelle: Outline Strategy, 2004)

 

Klima

Das Klima in der Dobrogea Region ist überwiegend ein temperiertes Kontinentalklima, wobei im Küstenbereich ein starker mediterraner Einfluss festgestellt werden kann. Die überwiegend vorherrschende Windrichtung ist West, wobei besonders in den Monaten von November bis Januar, sowie von Juli bis September die Westwinde überwiegen. Allerdings zeigen die Winde in der Litoralzone der Region bei generell mäßig starker Ausprägung deutliche Schwankungen in Richtung und Geschwindigkeit auf. Sturmereignisse sind eine Seltenheit und treten wenn hauptsächlich aus nördlichen bis nordöstlichen Richtungen auf. Die Jahresmitteltemperatur bewegt sich im Bereich um 11°C, und der Jahresniederschlag fällt im Küstenbereich mit 400mm bis 600mm eher gering aus.

(Quelle: Outline Strategy, 2004)

 

Der Küstenbereich

Auf Grund geomorphologischer Eigenschaften lässt sich der rumänische Küstenbereich in zwei unterschiedliche Zonen untergliedern. Die nördliche Zone reicht über fast 164km von der Bucht von Musara zum Kap Midia. Damit schließt der von sandigen Stränden und einer seicht in Ufernähe ansteigenden Schorre, deren geringe Höhenänderung sich landeinwärts fortsetzt, geprägte Bereich sowohl das Donau Delta Biosphären Reservat (DDBR) und die Lagunen bei Razim-Sinoe ein.

Weiter südlich des Kap Midia beginnt eine zweite Zone, die über eine Länge von gut 80km bis Vama Veche reicht. Diese südliche Zone wird geprägt von Kalksteinkliffs, die in ihrer Höhe zwischen 3 Metern und 35 Metern alternieren. Besonders dort, wo Flüsse den Kliffgürtel durchbrechen, säumen sandige Strände die Mündungsbereiche. Schließlich bilden Hafengebiete mit Anlegern und Molen die dritte in der südlichen Zone prägnante Landschaftsform.

Entlang der Küste des Schwarzen Meeres herrscht eine sehr geringer Tidenhub. Selbst bei Springfluten steigt der Meeresspiegel nur um rund 11cm über das mittlere Niedrigwasser. Allerdings kann es in Folge von Sturmereignissen zu Anstiegen um bis zu mehr als einem Meter kommen. Außerdem sind im Bereich des Donaudeltas stehende Wellen (Seiches) bekannt, die sich bis zu 1,80 Metern aufbauen.

Die Hauptströmungsrichtung entlang der rumänischen Küste verläuft von Nord nach Süd. Dementsprechend kommt es entlang dieser Strömungsachse auch zum hauptsächlichen Sedimenttransport aus dem Donaudelta die Küste abwärts in südliche Richtung. Als Konesequenz ist die Zusammensetzung und der Verunreinigungsgrad der in der Donau beförderten Sedimentfracht zu einem großen Teil auschlaggebend für die Entwicklung des Naturraumes entlang der rumänischen Küste. Die Errichtung von Dämmen in der Donau etwa in den 1970ern haben die Menge des von ihr in das Schwarze Meer getragenen Sediments um mehr als 30% verringert und damit auch den quantitativen Eintrag von Schadstoffen gesenkt, allerdings wurde so auch die südlich des Deltas gelegene Küste anfälliger für Erosion.

Einige Quellen bezeichnen nicht Kap Midia als Grenzpunkt zwischen den beiden Küstenabschnitten, sondern das Kap Signol, das sich jedoch in nächster Nähe befindet. Über das Kap Signol verläuft auch die Grenze zwischen den beiden administrativen Einheiten der Dobrogea Region. Tulcea County im Norden ist mit etwa 8500 km² das größere Gebiet. Im Süden schließt sich das Constanta County (7000 km²) an. Die Landkreise sind auf administrativer Ebene weiter unterteilt.

(Quelle: Outline Strategy, 2004)

 

 

2. 

Nutzung der Küstenzone

Küsten stellen seit jeher einen viel genutzten anthropogenen und beanspruchten Raum dar. Dadurch kommt es zu konkurrierenden Flächennutzungsansprüchen verschiedenen Akteure. Ökonomische Interessen, Beanspruchung des Raumes durch Siedlungen oder Erholungsaktivitäten stehen oft im Zwiespalt mit der Umwelt als natürlichen Lebensraum für Flora und Fauna. Auf lange Sicht ist es aber von fundamentaler Bedeutung, dass die verschiedenen Interessensgruppen im Einklang nebeneinander oder durcheinander existieren. Geschieht dies nicht, treten zuerst gravierende Probleme nur für einige Flächennutzungen auf. Diese Probleme oder daraus resultierende werden sich mit der Zeit jedoch auch auf andere Bereiche ausweiten. Folglich kommt es zur Hemmung oder möglicherweise sogar zur negativen Entwicklung des sozialen und ökonomischen Wachstums des Küstengebietes.

 

2.1. 

Naturschutzgebiete der rumänischen Küste

 

Rumänien besitzt eine reichhaltige Flora, Fauna und Aquakultur, die viele bedrohte Arten zählt. Damit stellt die Region für mehrere Arten einen der letzten verbleibenden Lebensräume in Europa dar. Zu dessen Erhaltung und Schutz erfolgte eine Einrichtung von:

Insgesamt ist damit 8,48% der Landesfläche Rumäniens betroffen. Zusätzlich gibt es weitere Schutzgebiete die so genannten BIRDS Direktive, welche von der EU im Rahmen der Natura 2000 festgelegt und von der rumänischen Gesetzgebung übernommen wurden. Trotzdem ist das Fischen und Jagen sowie Öko-Tourismus unter Berücksichtigung der Richtlinien in diesen Gebieten gestattet.

(Quelle: In Environmental Report for the OP for Fisheries)

 

Naturschutz im Donaudelta

Eines der größten Feuchtgebiet der Erde ist das Donaudelta. Laut der rumänischen Fachliteratur erstrecke sich der rumänische Teil des Deltas von der ersten Gabelung des Donau Flusses bis zum Schwarzen Meer und von der Chilia Abzweigung im Norden bis zur Razim- Sinoue- Lagune im Süden. Dabei wird der Bereich des fluvialen Deltas und des fluvial-marinen Delta unterschieden. Aufgrund des verzweigt mäandrierendem Flußarmsystems hat sich eine Vielfalt von einzigartigen Standorten herausgebildet. Zeitweilige Überflutungstäler, leicht versandende Uferzonenbereiche, Sandbänke, Dünen, Lagunen, ehemalige abgeschlossene Buchten, etc. sowie Bereiche von Salzwasser und Frischwasserzonen bieten für eine Vielzahl von Arten einen Lebensraum. Gleichzeitig herrscht ein kontinentales Klima mit punktuellem maritimen Einfluss bei einer Durchschnittstemperatur von ca. 11°C.

Das Donau Delta beherbergt 3 Biosphären Reservate mit einer Fläche von 580 000 ha (2004). Dies entspricht einem Anteil von 87.3% an allen in Rumänien ausgewiesenen Biosphären Reservaten. Im Detail erfolgt eine weitere Unterteilung der Reservate in: 18 streng geschützte Gebiete, 13 Puffergebiete, ökonomische Zonen und Gebiete der ökologischen Restauration.

 

Das Donau Delta ist eines der größten Schilfrohrbetten dieses Planeten mit ca. 30 verschiedenen Ökosystemtypen bei 5137 aufgelisteten Arten. Darunter befinden sich aus der Flora 4 endemische Arten: Centaurea pontica, Centaurea jankae, Ornithogallum amphibolum, Ornithogallum oreoides, Elymus pycnanthus ssp.deltaicus. und 14 gefährdete Arten: Centaurea pontica, Centaurea jankae, Astragalus dolicophyllus, Astragalus versicarius pseudoglaucus, Anacamptis pyramidalis, Orchis coriophora fragrans, Platanthera bifolia, Cephalanthera longifolia, Dactylorhiza incarnata, Trachomitum venetum, Artemisia tscernieviana, Centaurium spicatum, Convolvulus persicus, Stachys maritima.

 

Geschützte Tierarten

Spezies

strikt geschützt

geschützt

Gesamtanzahl der vorkommenden Arten

Weichtiere

-

-

86

Amphibien

6

3

10

Säugetiere

7

15

42

Insekten

1

-

22191

Reptilien

9

2

11

Fischarten

1

23

125

Vögel

224

89

325

 

(Quelle: Environmental Report,2007)

 

2.2. 

Küstenschutz

Küstenart

Rumänien ist durch eine Erosionsküste mit einem generell gradlinigen Verlauf gekennzeichnet. Dabei bestehen 70.4% der Küste aus Sand wobei 62% davon zum Donaudelta gezählt werden. Sandiges erodiertes Material wird windgetrieben von Norden aus dem Donaudelta nach Süden mit einer Strömungsgeschwindigkeit von 0.03-0.3 m/s transportiert. Verläuft dabei der Küstenlängstransport parallel zur Küste bilden sich Sandbänke heraus. Fluktuationen der Küstenmorphologie stehen hier in Abhängigkeit der Sedimentnachlieferung. Im nördlichen Territorium kommt es entlang der Küste zur verstärkten Akkumulation von Feinsand und Schluff. Das südliche Territorium dagegen weist aktive und inaktive Kliffs von 3 – 35 m Höhe mit sich abwechselnden vereinzelten Stränden auf. Kalkstein und loses Material bestimmen dabei die Zusammensetzung der Kliffs.

 

  WWW-Link

Aufgetretene Problematiken an der Küste

Das Fehlen ausreichender gesetzlicher Vorschriften und Regelungen hat in den letzten Jahrzehnten zu erheblichen Problemen und Umweltzerstörungen an der Rumänischen Küste geführt. Auch die Umsetzung vorhandener Richtlinien geschah nur äußerst mangelhaft. Demzufolge müssen für eine zukünftige IKZM-Planung folgende Konfliktsituationen beachtet werden:

 

 

 

 

 

 

 

Folgen

Die Küstendegeneration der letzten Jahrzehnte hatte bereits mehrfach negative wirtschaftliche Folgen. Auf den vorgelagerten Sandbänken z. B. in St. Gheorghe sind einige Ansiedlungen akut abtragungsgefährdet. Es wurden Maßnahmen, die mit einem hohen Kostenaufwand verbunden sind, eingeleitet.

Einzelne Hotels entlang der Rumänischen Küste mussten bereits aufgrund der sich zurückverlagernden Küstenlinie schließen. Zusätzlich kommen mit schwindenden Sandstränden auch immer weniger Touristen. Es hat somit bereits mehrere wirtschaftliche Einbußen gegeben. Betroffen ist zum Beispiel auch der Strand von Mamaia. Ein zu spätes Handeln zieht jetzt wiederum einen größeren finanziellen Aufwand nach sich. Da überwiegend der Transportweg und die damit einhergehende Akkumulation der Sedimente abgeschnitten ist, wird keine natürlichen Regeneration der Strände erfolgen. Mittlerweile ist es erforderlich außer Schutz- und Befestigungsanlagen auch riesige Mengen von Sandaufschüttungen vorzunehmen.

Die Belastung der Donau mit Nähr- und Schadstoffen zieht eine starke Beeinträchtigung des aquatischen Ökosystems in den Küstengebieten Rumäniens nach sich. Bestimmte Arten wie Algen oder in diesem Falle auch die Rippenqualle ctenophore Mnemiopsis leidyi verdrängen andere und zerstören in Folge dessen aquatische Biotope. Hieraus ergibt sich wieder ein Nachteil für Bereiche des Ökotourismus (z.B. Tauchen).

  Zum Lesen

Maßnahmen

Mit dem Eintritt in die EU 2007 steht Rumänien nun in der Pflicht eine nachhaltige IKZM-Strategie zu implementieren. Viele Jahre lang wurde das Problem der Küstendegradation von der rumänischen Regierung ignoriert und hat sich dadurch drastischen zugespitzt. Nur vereinzelt wurden in der Vergangenheit Maßnahmen zur Erhaltung der Küstenlinie unternommen. 

So wurden z. B. 1988 erstmals lokal Wellenbrecher im Wasser bei Mamaia errichtet und anschließend Sandaufschüttungen mit Sanden aus einem nahegelegenen See vorgenommen. Der damals aufgeschüttete Feinsand eignete sich allerdings nicht für die viel zu starke Strömung und erodierte augenblicklich. Vielmehr führte diese Sandverlagerung fast zu einer Beeinträchtigung des Ökosystems des Sees.  

Seit dem Jahre 2005 finden Studien und Planungen in gemeinschaftlicher Kooperation mit der JICA (Japan International Cooperation Agency) zum Schutz der Rumänischen Küste statt. Das betrachtete Gebiete erstreckt sich von Kap Midia im Norden bis Vama Veche im Süden. Bis zum Abschluss des Projektes 2020 sollen 25 neue Buhnen, 11 weite, gestreckte, unter der Wasseroberfläche liegende Wellenbrecher, 6 separiert stehende Wellenbrecher vor der Küste sowie 3.2 Mio. m³ Sand aus dem Flussbett der Donau aufgeschüttet werden. Insgesamt wurde für dieses Projekt einen Summe von 316 Mio. € veranschlagt. (JICA, 2006)  

Am 23.02.2007 hat Rumänien eine gemeinsame Deklaration mit den anderen 10 betroffenen Staaten zur Reduzierung der durch den Menschen verursachten Belastung der Donau und des Schwarzen Meeres in Bukarest unterzeichnet. (DECLARATION OF THE MINISTERS IN CHARGE OF WATER MANAGEMENT OF THE CONTRACTING PARTIES TO THE DANUBE RIVER PROTECTION CONVENTION AND THE CONVENTION FOR PROTECTION OF THE BLACK SEA AGAINST POLLUTION ON THE ENHANCEMENT OF COOPERATION)  

Hierbei wird deutlich, dass es bis zur abgeschlossenen Implementierung einer IKZM –Strategie für die gesamte Küste Rumäniens noch einige Zeit vergehen wird. Von großer Bedeutung wird nicht zuletzt die Finanzierung und die damit verbundene zeitliche Umsetzung bis zu einem nachhaltigen Küstenmanagement des Landes sein.

 

 

2.3. 

Tourismuspotential der rumänischen Küste

Bedeutung für Rumänien

Rumänien weist ein sehr hohes Potential in der Tourismusbranche auf. Vielfältige, beeindruckende Landschaften, sowie kulturell und traditionell geprägte Lebensweisen bieten ein großes Angebot für unterschiedlichste Tourismuszweige. Diese Branche kann und wird in Zukunft eine wachsende Bedeutung für gewisse Regionen des Landes erreichen. 2006 arbeiteten offiziell bereits 485 002 Menschen in diesem Industriezweig, wobei ein Jahreswachstum von 9,2 % verzeichnet wurde. Das entsprach einer Gesamtbeschäftigungszahl von 5.8 % der Arbeitenden. Allerdings ist zu beachten, dass die Hauptsaison lediglich von Juni bis September / Oktober geht. Ein Großteil der internationalen Besucher stammt aus Ungarn. Weitere – steigende – Zahlen von Einreisenden werden aus Moldawien, Bulgarien, Serbien, Montenegro, Deutschland, Italien, Schweiz, Frankreich und Großbritannien verzeichnet.

(Quelle: National Institute of Statistics)

 

  Einreisende internationale Touristen (in tausend)

 

Rumänischer Tourismus tritt verstärkt in spezielle Regionen des Landes auf. Zwei der drei Haupttouristengebiete liegen in der Küstenregion. Zum ersten ist es das Donaudelta mit seiner einzigartigen Flora und Fauna und das zweite Gebiet umfasst das südliche Dobrogea, im speziellen den litoralen Streifen zwischen Midia und Vama Veche. Wobei bereits von einem Massentourismus im Süden zwischen Mamaia und Vama Veche gesprochen werden muss. Im Gegensatz dazu steht das Donaudelta. Hier herrschen viele Vorschriften und Beschränkungen in Bezug auf den Tourismus und andere Wirkungsbereiche. Dies hat bisher eine Einengung des Tourismus zum Schutz des Deltas bewirkt.

 

Art des Tourismus

 

Tourismustypen an der rumänischen Küste:

 

· Strand- / Badetourismus (an den verschiedenen Stränden)

· Schifftourismus (auf dem Meer)

· Sightseeing (hauptsächlich in den Küstenstädten)

· Erholungs- / Entspannungstourismus (therapeutische Behandlung, Fitness und Wellness)

· religiöser Tourismus

· kultureller- / traditioneller Tourismus

· Weintourismus

 Tourismustypen im Donaudelta:

 

· Individuell (organisierte oder selbst organisierte Reisen)

· Spezialisiert (wissenschaftliche Orientierung)

· Spezial Jugendprogramme (für des Erwerben von Wissen, Verstehen und Schätzen lernen der Natur)

· Ländlicher Tourismus (Touristenführungen von Einheimischen)

· Vögelbeobachtungen

· Aquatischer Sport (eingeschränkt möglich)

· Trekking (auf vorgegebenen Wegen, oder mit Führer)

· Camping (auf vorgegebenen Plätzen)

· Angeln (eingeschränkt und mit Genehmigungen möglich)

· Jagen (eingeschränkt und mit Genehmigungen möglich)

Für Tourismus im Donaudelta ist die jeweilige Genehmigung einzuholen. Das Delta ist bis auf sehr wenige Dörfer und die Städte, Tulcea, Crisan und Sulina, unbewohnt. Vor allem im nördlichen Donaudelta wird Ökotourismus betrieben. Auch hier besteht noch Ausbaupotential.

(Quelle: National Institute of Statistics)

Zukünftige Entwicklung

 

Um das Potential Rumäniens vollständig nutzen zu können ist dringend eine Verbesserung der Qualität der Unterkünfte und Einrichtungen nötig. Die meisten der Übernachtungsmöglichkeiten entsprechen lediglich ein oder zwei Sterne-Unterkünften. Um weitere internationale Touristen anzulocken ist dies unzureichend. Jährlich steigt aber die Anzahl der 3, 4 und 5 Sterne Hotels.

 

Komfortabilität der Unterkünfte (2005)

 

 

Eine viel größere Bedeutung stellen allerdings die technischen Schutzmaßnahmen der Küste sowie ein integriertes Küstenzonenmanagement dar. Nur mit einem nachhaltigen Konzept lassen sich die derzeitigen Probleme, wie z. B. Stranddegeneration, lösen und eine positive Entwicklung des Tourismussektors für die Zukunft erzielen. 

 

Tourismusprojekte

 

325 Million Euro wurden in der Vergangenheit von der Rumänische Regierung für die Entwicklung und den Ausbau der touristischen Infrastruktur bewilligt. Im Zuge dessen wurden 5 “multi-annual-Programme” bewilligt. Eines dieser Programme beschäftigt sich mit der ausgeglichenen, integrierten Entwicklung des Donaudeltas und der Küste des Schwarzen Meeres.

Des Weiteren ist ein Projekt namens "Blue Flag" geplant. Es beinhaltet eine Verbesserung der Qualität von Stränden des Schwarzen Meeres auf internationalen Standards.

(Quelle: National Institute of Statistics)

 

2.4. 

Hafenbereich

Bedeutung der rumänischen Hafenindustrie

In den letzten Jahren stiegen das Handelsaufkommen und das Verkehrswesen an der rumänischen Küste und entlang der Donau. Dabei haben sich diverse Hafenstädte als Umschlagplätze herauskristallisiert. Konstanza, Mangalia, Midia und Sulina nehmen eine führende Rolle ein. Der mit Abstand wichtigste Hafen jedoch befindet sich in Konstanza. Er stellt das Drehkreuz Südosteuropas dar. Sein Aufschwung wird zukunftsweisend für die ganze Region sein. Bereits 1980 zeichnete sich ein Wachstum des Gütertransportes von 14.5 Mio. Tonnen (1970) auf 45 Mio. Tonnen ab. Gleichzeitig erfolgte ein Ausbau des Verkehrswesens bei Importraten von 65%. Der Exportanteil des Hafens betrug 35%, was einem gesamten Landesexport von 60% entsprach. Im Zuge der Umstellung auf eine freie Marktwirtschaft ab 1980 erfolgte mit der Privatisierung staatlicher Unternehmen eine Schrumpfung der Wirtschaft. Heutzutage ist allerdings vor allem in den Küstengebieten wieder ein positives Wirtschaftswachstum zu verzeichnen.

 

 

Die Häfen Rumäniens, vor allem Konstanza, bergen ein enormes wirtschaftliches Potential. Frachtspediteure und Schiffe anderer Länder nutzen verstärkt diesen Hafen. In den nächsten Jahren wird es zu einem ökonomischen Aufschwung und Ausbau dieses Sektors kommen.

(Quelle: ICMR 2000)

Die Häfen Midia, Sulina und Mangalia spielen - wenn auch weniger bedeutend - eine Rolle für den Handel an der Rumänischen Küste. Hinzu kommt der Hafen von Tulcea, welcher am Donaudelta liegt.

 

Industrielle Sektoren in bedeutenden Rumänischen Häfen

 

Hafen

Industrien
KonstanzaLebensmittel / Textilien / Metall / Energie / Holzverarbeitung / Möbel
Navodari - MidiaPetrol / Düngungsmittel
MangaliaLebensmittel / Schiffbau / Metall / Textil / Kleidung / Baumaterialherstellung
SulinaFreihafen mit erhötem Schwerlastverkehr
TulceaKleidung / Schiffbau / Baumaterialherstellung / Metall

 

(Quelle: Outline Strategy ICZM, 2004)

Auswirkungen auf die Umwelt

Mit dem Wachstum der Hafen- und Schiffindustrie gehen aber auch immer mehr negative Folgen für die Küstenlandschaft sowie für das Schwarze Meer und die Donau einher:
· Wasserverschmutzung im Hafenbereich und in Baderegionen
· Einschleppung von Arten durch belastetes Wasser
· Beeinflussung der Biocenose durch das Verwenden von Steinen für Hafenbefestigungen
· aufgrund des Ausbaues der Häfen kommt es zu Veränderungen der natürlichen aquatischen Strukturen

(Quelle: ICMR, 2000)

 

Aus diesen Gründen erscheint die Implementierung einer IKZM-Strategie besonders notwendig um die Hafenindustrie und das aquatische Ökosystem in Einklang zu bringen.

 

Ausbau und Perspektiven rumänischer Häfen

In Zukunft ist ein verstärkter Ausbau spezieller Handels- und Wirtschaftsrouten vom Trans–Europäische–Netzwerk durch Europa geplant. Für die Rumänische Küste sind zwei dieser so genannten Korridore von Bedeutung. Zum einen ist das der Korridor VII welcher den Handelsweg auf der Donau beschreibt. Die Donau verbindet West- und Osteuropa durch die Flüsse Rhein, Main und den Rhein–Mainkanal. Konkret bedeutet das, dass somit eine Verbindung zwischen der Nordsee und dem Schwarzen Meer besteht. Eine erhöhte anthropogene Nutzung vor allem im Schiffsverkehr wird die Folge sein. Veränderungen für die terrestrische und aquatische Umwelt der Donau resultieren daraus.

Speziell für Rumänien sind eine Rehabilitation und Modernisierung des Hafens Alba-Media und eine Erweiterung der Häfen Tulcea, Galati und Drobeta-Turn Severin vorgesehen. Eine gezielte Planung und Umsetzung umweltverträglicher und auf Nachhaltigkeit bedachter Richtlinien, sowie die Einbeziehung verschieden kultureller Lebensweisen sind dabei unabdingbar. Auch hier wird die Bedeutung einer IKZM–Strategie deutlich. Korridor IV, welcher die zweite Achse darstellt, erstreckt sich von Dresden über Prag, Wien, Pressburg und Budapest bis nach Konstanza. Dabei teilt sich die Route in Rumänien. Der nördlichere Teil endet in Konstanza (siehe Abb.). Zukünftige Entwicklungen werden sich voraussichtlich in der Tourismus-, Handel- und Industriebranche ergeben. Mit ihnen wird sich ein Ausbau der Infrastruktur vollziehen. Zusammenfassend bedeutet das, dass Konstanza und seine Infrastruktur einem schnellen Wachstum entgegenblicken. Durch eine rechzeitige Implementierung einer IKZM-Strategie bietet sich hier die einmalige Gelegenheit ein nachhaltiges Miteinander der verschiedenen Nutzungsansprüche zu ermöglichen.

(Quelle: Outline Strategy ICZM, 2004)

 

2.5. 

Küstenfischerei

Wirtschaftskraft und deren Problematiken

Im Jahre 2000 betrug der wirtschaftliche Fischereianteil am BIP 0.007% (ca. 2 MillionUS$ / Jahr). 70 % des rumänischen Fischfanges kam im selben Jahr aus dem Schwarzen Meer. Das größte Problem der Rumänischen Fischfangindustrie ist der abnehmende Fischbestand im Schwarzen Meer. Gründe hierfür sind:

(Quelle: ICMR, 2000)

Seit 1980 verkleinert sich die rumänische Fischfangindustrie beständig. So wurden in der aktiven Fischerei 1993 noch 2.490 t gefördert, wohingegen es 2002 nur noch 641 t waren. Demzufolge ist auch die Beschäftigungszahl von 180-200 auf 70-90 Arbeiter gesunken. In Rumänien besteht die Fischfangflotte aus kleineren Fischerbooten, die mit Schleppnetzen arbeiten. Stationärer Fischfang wird dagegen in der Region zwischen Sulina und Vama Veche im flachen Küstenwasser betrieben. Des Weiteren ist illegale Fischerei entlang der gesamten Küste verbreitet. Schätzungsweise gehen auf Grund von illegaler Fischerei und ausländischen Fischfangbooten jährlich 1000 t Fisch (ca. 3mio. US $) verloren.

(Quelle: Outline Stategy, 2004)

 

Zukünftige Richtlinien

Um eine nachhaltige Fischfangindustrie zu gewährleisten sind diverse Projekt zur Bestandsaufnahme der aquatischen Flora und Fauna angelaufen. Mit Hilfe der erhobenen Daten sollen computergestützte Simulationen zum Marinen–Ökosystem erstellt werden. Daraus abgeleitet Erkenntnisse fließen anschließend in eine nachhaltige flexible IKZM-Strategie ein. Ein solches Projekt ist z.B. „die Nationale Strategie für die Fischerei“ welche in Anlehnung an den European Fisherie Fund (EFF) am 27.07.2006 vom NSP für Fische und Aquakultur entworfen wurde. Dessen Implementierung soll zwischen 2007 und 2013 stattfinden

(Quelle: Environmental Report,2007)

 

3. 

Management der Küstenzone

Entwicklung einer Strategie

Seit Beginn 2004 wird in Rumänien auf politischer Ebene eine Strategie zum IKZM diskutiert. Im März des Jahres traf sich erstmals eine „ad hoc“ Arbeitsgruppe der achtzehn Hauptinteressenvertreter aus Politik und Öffentlichkeit zu diesem Thema und verfassten als Grundlage weiteren Vorgehens eine sogenannte „outline strategy“. Damit agierte die Arbeitsgruppe in gewisser Weise als Vorgänger des „National Comittee for the coastal zone“.
(Quelle: Outline Strategy, 2004)

 

 

3.1. 

Rechtliche Grundlagen

IKZM und Gesetz

Rumänien ist seit 1991 eine Republik. Alle ihre Gesetze verabschiedet das Parlament. Seit Januar 2003 ist eine offizielle Notfallverordnung zum Integrierten Küstenzonenmanagement (E.O. 202/2002) veröffentlicht, konkrete Gesetze zum Umgang, zur Durchführung oder zu Aufgabenbereichen von Integriertem Küstenzonenmanagement fehlen jedoch. Darüber hinaus ist die Notfallverordnung, die später zum Gesetz modifiziert worden ist (Gesetz Nr. 280/2003), an einigen anderen Stellen noch sehr ungenau oder unschlüssig. Vorschläge zur Nachbesserung der Verordnung liefert ein Entwurf zur IKZM-Strategie Rumäniens aus dem Jahr 2004.

Neben der Notfallverordnung bestehen zahlreiche Gesetze, die Teile des IKZM direkt oder indirekt betreffen oder sogar beschreiben. Als wichtiges Gesetz ist dabei, gerade in Bezug auf die enge Verknüpfung von IKZM und Wassermanagement in der rumänischen Strategie, das Wassergesetz (Gesetz Nr. 107/1996) zu nennen. Dieses mahnt zu einer Integration in das Wassermanagement von allen betroffenen natürlichen Systemen und Interessenvertretern. Ebenfalls von besonderer Bedeutung ist der im Gesetz Nr. 98/1992 festgeschriebene und im Jahr 2002 korrigierte „Black Sea Strategic Action Plan“, das den Umweltschutz des Schwarzen Meeres für alle Anrainerstaaten regelt. Eine nationale Strategie für Rumänien gibt es noch nicht (Stand 2004).

Zusätzlich zu diesen genannten allgemeinen Rahmensetzungen betreffen viele weitere Gesetze ein Management der Küstenzone in Rumänien mehr oder weniger stark. Als Beispiele seien hier nur die Gesetze zum Katasterwesen (7/1996), zur nationalen Infrastruktur (71/1966) und zur regionalen Entwicklung (151/1998) erwähnt.

 

Finanzierung

Die IKZM-Finanzierung in Rumänien ist aufgrund des Fehlens klarer rechtlicher Rahmenbedingungen noch spekulativ. Auch die 2003 veröffentlichte Notfallverordnung spricht nicht explizit über ökonomische Instrumente zur Entscheidungsfindung, sondern beschränkt sich allgemein darauf die Finanzierung aus öffentlichen Geldtöpfen und privaten Schenkungen, sowie anderen inländischen und ausländischen Geldquellen aufzubauen. Damit wagt sich die nationale Strategie in diesem Punkt auch nicht weiter vor als die Empfehlung der Europäischen Union. Darin rät die EU zu einem ausgewogenen Finanzierungskonzept und zur Erschließung langfristiger Geldquellen. Diese langfristige Finanzierung könnten im Fall von Rumänien zum Beispiel spezielle Steuern oder sonstige Abgaben etwa eine Wasserentnahmeabgabe oder eine Tourismussteuer gewährleisten, die direkt auf lokaler bzw. regionaler Ebene erhoben werden. Darüber hinaus muss den agierenden Körperschaften vor Ort aber auch die langfristige finanzielle Unterstützung seitens des Staates in Form von festen Mittelzuweisungen garantiert werden. Neben diesen verpflichtend geregelten Finanzierung ist besonders im privaten Sektor auf freiwillige Beteiligungen und finanzielle Partnerschaften zu hoffen. Im Entwurf zur IKZM-Strategie Rumäniens heißt es, eine umfassende Information und Integration des privaten Sektors in die Umsetzung der Strategie schafft ein Gefühl der Zugehörigkeit und Verantwortung bei privaten Investoren sich auch finanziell am IKZM zu beteiligen. Der Entwurf sieht dafür dem Privat Puplic Partnership ähnliche Instrumente vor.

 

 

3.2. 

Zuständigkeiten

Ansatz für eine Integriertes Küstenzonenmanagement

Zur Ausarbeitung eines Ansatzes zum Integrierten Küstenzonenmanagement für Rumänien, der möglichst alle Betroffen zu Wort kommen lässt, werden im Wesentlichen drei logisch aufeinander folgende Abschnitte angestrebt. Als Grundlage ist eine „outline strategy“ in enger Zusammenarbeit aller Interessengruppen, unterstützt durch Regierungsvertreter verfasst worden. Dieses Papier liegt seit Ende 2004 vor. Im zweiten Schritt soll diese auf höherer administrativer Ebene mit landesweiten (Staats-) Zielen und Interessen abgestimmt werden. Die tatsächliche Umsetzung und Anwendung der Strategie in letzter Konsequenz fällt bereits existierenden Einrichtungen der regionalen und lokalen Verwaltung zu. Ihnen obliegt somit auch eine Formulierung konkreter Aktionspläne auf lokaler und regionaler Ebene. (OS/04)

 

 

 

Institutioneller Aufbau und Aufgabenbereiche

Die Schaffung eines funktionsfähigen institutionellen Systems zum IKZM in Rumänien, das sowohl Flexibilität, als auch eine klare Strukturierung aufweist, birgt einige Schwierigkeiten, da auf der einen Seite bereits eine Vielzahl von Einrichtungen und Institutionen bestehen, die direkt oder indirekt als Akteure im Küstenmanagementprozess auftreten, während auf der anderen Seite aber keine Körperschaft existiert, deren Verantwortung sich über alle Bereiche der Küstenzone nach nationaler Definition erstreckt. Dadurch ist es in vergangener Zeit auf Grund variierender Zielvorstellungen, die etwa durch unterschiedliche Aufgabenstellungen gewachsen sind, zu unkoordinierten Einzelprojekten im Küstenbereich gekommen. Diese teilweise konträren Zielsetzungen und Herangehensweisen, sowie die sie vertretenden Körperschaften gilt es nun mit einer verbindlichen Strategie institutionell zu ordnen. Grundsätzlich gilt dabei, dass kein Betroffener in das neue System gezwungen wird. Das heißt mit anderen Worten, dass alle Interessen so weit es geht berücksichtigt werden müssen. Mit dieser Aufgabe wurde sich in Rumänien im Jahr 2004 befasst und folgendes Modell vorgestellt. 

 

 

Das Modell geht von den Grundüberlegungen aus, dass die Ausarbeitung und Durchführung spezifischer Taktiken und Aktionspläne sowie die Beschaffung und Bearbeitung der dafür erforderlichen Datengrundlage Aufgaben der betroffenen lokalen und regionalen Regierungsbehörden sind. Zu deren Leitung, Steuerung und Koordination muss eine weitere höher Ebene existieren, die national agiert. Damit findet Integriertes Küstenzonenmanagement in Rumänien generell auf zwei verschiedenen administrativen Ebenen statt, die untereinander in Verbindung stehen. Dabei beschränkt sich die Verantwortung auf nationaler Ebene auf eine taktische Verwaltung der landesweiten Strategie, während regional und lokal agierende administrative Körper ausschließlich für die tatsächliche Implementation des Konzeptes verantwortlich sind. Die politische Legitimation der Strategie und ihre politische Anpassung an andere Leitziele bilden dementsprechend ebenso wie Kontrolle und öffentliche Bekanntmachung auf inhaltlicher Ebene den Rahmen für die aktive Anwendung der Strategie. Diese Beziehung in Form einer Umrahmung findet sich auch in der Konstellation der Verantwortungsträger wieder. Die beteiligten Körperschaften sind auf nationaler Ebene das Technische Sekretariat (TS), das Nationale Komitee (NC) sowie optional verschiedene Arbeitsgruppen (WG). Sie alle müssen neu eingerichtet werden. Damit ihre staatliche Autorität gewährleistet ist, werden sie direkt dem bestehenden Ministerium für Umwelt und Wassermanagement (MEWM) untergeordnet. Auf lokaler und regionaler Ebene bleiben die bereits arbeitenden Körperschaften erhalten.

Die einzelnen Bausteine  

Ministerium für Umwelt und Wassermanagement (MEWM)

 

Nationale Komitee (NC)

 

Technische Sekretariat (TS)

 

Arbeitsgruppen (WG)

 

3.3. 

Fallbeispiel I: Mamaia

Generelle Beschreibung des Gebietes

Der Mamaia-Strand ist Teil des südlichen Küstengebietes, das charakterisiert wird als Erosionsküste mit aktiven Kliffzonen und zwischengelagerten Strandzonen, hinter denen an einigen Stellen Süßwasserseen oder Lagunen liegen. Nahe Konstanza, der größten Stadt der Region, gelegen zwischen dem Schwarzen Meer und dem Siutghiol See befindet sich ein 250 bis 300 Metern breite Sandstrand. Er stellt die wichtigste touristische Destination Rumäniens dar. Sowohl am nördlichen, als auch am südlichen Ende des acht Kilometer langen Strandabschnittes finden sich konzentrierte Siedlungs-, Industrie- und Hafengebiete. Trotzdem ist der Mamaia-Strand einer der berühmtesten Strände Rumäniens. Aufgebaut wird der Strand mit einer nahezu linearen Küstenlinie aus sandigem Material und organischen Muschelsedimenten, die aus der Donau ausgeschwemmt und die Küste entlang südwärts transportiert werden. In seiner Farbe bewegt sich der feine Sand in hellen Grautönen. Der Siutghiol See im unmittelbaren Hinterland hat sich mit der Zeit von einer brackigen Lagune zu einem Frischwassersee entwickelt.

Auch der Sandkörper selbst hat sich in den letzten Jahrzehnten verändert. Besonders im Winter, wenn das Eintreten von Sturmereignissen wahrscheinlicher ist, kommt es zur starken Erosionverlusten an der Sandfläche. Aber auch in den Sommermonaten überwiegt die Erosion die Akkumulation von Sediment. Verstärkt werden die natürlichen Antriebskräfte der Erosion (Wind, Wellen und Strömung) durch anthropogene Eingriffe, so dass es mittelfristig zu einer Degradierung des touristischen Potentials der Region gekommen ist.

Mamaia ist 1906 die erste touristisch erschlossene Region an der rumänischen Küste. Der seicht ins Meer übergehende feine Sandstrand ist mit seinen wilden Birnbäumen gerade bei Familien ein beliebtes Reiseziel. Im Jahr 2002 bot die Tourismusregion Mamaia-Strand 21.737 Übernachtungsplätze in 61 Hotels, 14 Villas und 3 Campingplätzen.

Problembeschreibung

Mit dem Bau eines Erweiterungsdeiches, der fünf Kilometer in das Schwarze Meer reicht, zum Schutz des Hafens von Midia ist der natürliche Sedimenttransport von Norden nach Süden entlang der rumänischen Küste in nächster Nähe zum Untersuchungsgebiet künstlich unterbrochen und umgeleitet worden. Die Lage im „Schatten“ dieses Baus bedeutet demnach für den Mamaia-Strand eine verringerte Versorgung mit Material, das akkumuliert werden kann. Zusätzlich ist auch der absolute Austrag von Sediment als Grundlage für den Strandaufbau über das Donaudelta negativ verändert worden. So leitet (a) die verlängerte Mole am Ende eines der drei Mündungsarme der Donau (Sulina-Arm) das gebundene Sediment weiter in das Schwarze Meer hinein und damit weg von der Küste. Zwar entfallen auf den Sulina-Arm nur 19% des gesamten Wassers der Donau im Mündungsbereich, aber die dort errichtete Mole bildet (b) eine Barriere für den Sedimenttransport aus dem nördlich gelegenen Donauarm (Chilia-Arm), über den 58% des Wassers der Donau ins Schwarze Meer fließen. Schließlich haben (c) wasserwirtschaftliche Eingriffe an der Donau und ihren Zuflüssen die Menge des gesamten transportierten Sediments um 50% verringert.

Neben diesen Sedimentversorgungproblemen verstärken zudem einige Faktoren und Eingriffe den Verlust von Strandmaterial in Mamaia. Zu nennen sind neben der natürlichen Verlagerung der Küstenlinie landeinwärts, aufgrund eines mittleren Meeresspiegelanstieges von 0,15 mm pro Jahr, das verstärkte Auftreten von Sturmereignissen, ein illegale Abtransport von Strandmaterial für private Zwecke und die ausgeprägte touristische Nutzung des Mamaia-Strandes, die natürliche Schutzbereiche gegen Erosion wie Dünen oder Vegetation welche dadurch einer Zerstörung unterliegen. Insgesamt verzeichnet das Untersuchungsgebiet besonders starke Verluste im südlichen Bereich. Falls man der Erosion nicht entgegengewirkt besteht das potentielle Risiko der vollständigen Abtragung des Mamaia-Strandes, was nicht zuletzt die touristische Nutzung des Gebietes in der gewohnten Form beenden würde.

 

Lösungsansatz

Die bereits vor 1990 durchgeführten Maßnahmen sollten lediglich regional das Problem der Küstenerosion bekämpfen. Dafür wurden zwei unterschiedliche Methoden des Küstenschutzes gewählt. Diese waren namentlich eine „harte“ Methode in der Form von mehreren Wellenbrechern und eine „weiche“ Methode in Gestalt von künstlicher Vorspülung größere Sandmengen. Auf diese Weise sollte sowohl der Erosionskraft von Starkwindereignissen und dem generellen Mangel an Sediment zum Strandaufbau, das heißt den beiden Hauptproblemen der Küstenerosion im Untersuchungsgebiet, entgegengewirkt werden. In der Praxis kam es 1988 zum Bau von sechs parallel zum Strand verlaufenden Wellenbrechern in Wassertiefen bis zu fünf Metern am Südende des Strandes. Das dahinterliegende Strandgebiet mit einer Länge von 1,5 km wurde zusätzlich mit Sand künstlich aufgeschüttet, der in langen Rohren aus dem Siutghiol See herangepumpt wurde. Dieses feuchte, schlammige Material hatte zwar die gleiche feine Textur wie die ursprüngliche Sandfläche, unterschied sich jedoch deutlich in der Farbe. Dennoch kam es ab 1989 für fast zwei Jahre zur künstlichen Vorspülung von circa 500.000 m³ Sand auf eine Fläche von 64.000 m², bis 1991 die Maßnahmen eingestellt wurden. Der herbeigeschaffte Sand verschwand binnen kurzer Zeit wieder. Gleichzeitig ging eine Störung des biologische Gleichgewicht des Siutghiol See damit einher. Insgesamt konnte zwar durch die Kombination zweier Schutzmechanismen für kurze Zeit ein Rückgang der Strandlinie gestoppt werden, aber langfristig blieb die Erosionsbilanz negativ.

Die Kosten für das Projekt trug zu 100% die damalige kommunistische Regierung. Wie hoch diese Kosten waren ist nicht bekannt.

 

Bezug zu IKZM

Das Problem der Erosion an Rumäniens Küste, insbesondere auch an touristisch erschlossenen Strandgebieten, bleibt bis heute in gleichem Maße wie vor 17 Jahren bestehen. Die Versorgung des südlichen Küstenabschnittes mit Sedimenten aus dem Donaudelta ist aufgrund weiterer Großbauten sogar noch geringer als zuvor. Dementsprechend wird sich ein zukünftiges IKZM mit Sicherheit mit diesem Problem beschäftigen müssen und dabei die touristischen Interessen in Rumäniens populärsten Strandurlaubsziel mit ökologischen Bedenken in Einklang bringen. Ein erster Schritt könnte die bereits 1999 auf administrativer Ebene erfolgte Integration in Form der Zuordnung der „National Administration - Romanian Waters“ (NARW), die für das Management der touristisch genutzten Strände verantwortlich ist, zum MWEM als untergeordnetes Organ bedeuten.

 

Neueste Entwicklungen

 

Im März 2005 begann ein von der Japan International Cooperation Agency (JICA) zusammengestelltes Expertenteam mit Arbeiten zu einer Gesamtkonzeption zum Schutz und zur Regenerierung der rumänischen Küste. Als voraussichtliches Datum für die Vorlage des Abschlussberichtes wurde September 2006 angestrebt. Der geographische Rahmen der Studie erstreckt sich über den gesamten südlichen Sektor der rumänischen Küste zwischen Kap Midia und Vama Veche, wobei die Hafengebiete von Midia, Konstanza und Mangalia nicht berücksichtigt wurden.

Eine Präsentation erster Ergebnisse vom März 2006 ordnet die höchsten Erosionsverluste innerhalb des Untersuchungsgebietes dem südlichen Strand von Mamaia zu und prognostiziert ohne entsprechende Schutzmaßnahmen einen Rückgang der Uferlinie um bis zu 70 Meter innerhalb der folgenden 20 Jahre. Als sinnvolle Maßnahmen für Mamaia schlägt der Zwischenbericht sowohl die Renovierung der bereits bestehenden Wellenbrecher, als auch die erneute Vorspülung von ortsfremdem Material aus dem Donaubett und dessen Schutz durch Buhnen vor. Insgesamt veranschlagt der Bericht allein für diese Maßnahmen 20 Millionen Euro Durchführungskosten. Die tatsächliche Realisierung der einzelnen Baumaßnahmen wird sich auf zwei Phasen verteilen. In der ersten Phase bis 2020 sollen alle für den Strand von Mamaia vorgeschlagenen Arbeiten abgeschlossen sein, wobei der besondere Problemraum im Süden des Strandes bereits zehn Jahre früher geschützt sein soll.

 

3.4. 

Fallbeispiel II: DDBR

Gebiet

Das DDBR umfasst die gesamten 4178 km² des Deltabereiches der Donau, dem mit 2840 km zweitgrößten Fluss Europas, in Rumänien (82%) und der Ukraine (18%). Innerhalb des DDBR teilt sich die Donau in drei Arme, die das Donaudelta bilden. Dabei verteilt sich mehr als die Hälfte der 6.350 m³ Wasser, die pro Sekunde in das Delta gelangen, auf den Chilia-Arm im Norden des Deltas. Mit der weltweit einzigartigen Erklärung eines gesamten Deltabereiches zum Biosphären Reservat 1990 ist eines der größten Feuchtgebiete der Welt in diesen Status erhoben worden. Das Reservat beheimatet allein 30 verschiedene Ökosysteme und ist bekannt als Habitat seltener Wasservögel. Zudem beherbergt es das größte Schilfvorkommen der Erde.

 

 

Bevölkerung

Die Besiedlungsgeschichte des Donaudeltas geht bis in das Neolithikum (vor bis zu 7000 Jahren) zurück. Als Flächen der ältesten Besiedlungen gelten Felssporne und Terrassen am Ufer der beiden Seen Razim und Sinoie, sowie die Küste beim heutigen Baia. Heute leben mehr als 14.000 Menschen im Deltagebiet. Sie verteilen sich auf 25 Siedlungen, von denen nur eine (Sulina) als Stadt angesprochen werden kann, in der 2002 etwa ein drittel der Gesamtbevölkerung der Region wohnte. Im gleichen Jahr waren 44,4% der berufstätigen Gesellschaft im Donaudelta in der Fischerei/Fischzucht, der Landwirtschaft oder der Forstwirtschaft beschäftigt. Weitere 15,4% arbeiteten im Bereich „Tourismus, Transport, Kommunikation“

 

 

Verwaltung des Reservats

Gemäß der Gesetzeslage in Rumänien (Gesetz Nr. 82/1993) wird das Donau Delta Biosphären Reservat von einem wissenschaftlichen Gremium geleitet. Diesem Ausschuss gehören neben Vertretern der Donau Delta Biosphären Reservat Verwaltung (DDBRA) auch Sprecher der Lokalpolitik, verschiedener Ministerien, der Wirtschaft, wissenschaftlicher Institutionen und weitere Personen an. Die DDBRA selbst ist eine öffentliche Institution, die dem Ministerium für Umwelt und Wassermanagement (MEWM) unterstellt ist. Ihr Präsident wird von diesem Ministerium vorgeschlagen, von der Regierung ernannt und vom Landkreis Tulcea sowie der Akademie der Wissenschaften bestätigt.

 

 

Public Awareness Strategy

Da auf der einen Seite das Donaudelta einen hochgradig schützenswerten Naturraum darstellt, auf der anderen Seite die örtliche Bevölkerung aber in ihrem Handeln stark auf eben diesen Naturraum angewiesen ist und diesen so beeinflusst (etwa in der Fischzucht), ist es zur Formulierung einer Strategie zur Bewusstseinsförderung in der Öffentlichkeit dem Delta gegenüber gekommen. Bei ihrer Ausarbeitung wirkten neben internationalen Organisationen (etwa der Weltbank) und der Donau Delta Biosphären Reservat Verwaltung auch örtliche Interessenverbände mit. Besonders am Arbeitsprozesses zur Strategie ist neben dem Pilotcharakter für Rumänien auch die bewusste Integration verschiedenster Interessengruppen etwa auch aus wirtschaftlichen oder sozialen Bereichen. Damit wird in Form dieser Strategie auch die Chance für ein zukünftiges Integriertes Management im Deltagebiet geschaffen.

Inhaltlich lässt sich die zwischen Oktober 1999 und May 2000 formulierte Zielvorgabe im Wesentlichen als die Unterstützung einer ökologisch und ökonomisch nachhaltigen Entwicklung in der Region unter Einbeziehung der lokalen Bevölkerung fassen. Wörtlich heißt es auf der Internetseite der Verwaltung (http://www.ddbra.ro/):

 

Objective of the strategy - is to support the conservation and sustainable management of the natural resources of the Danube Delta, improving socio-economic benefits for the local population in the Danube Delta, and the financial sustainability of DDBRA, through the implementation of an integrated and clearly targeted public awareness strategy.“


Im Wesentlichen setzt sich die Strategie zum Ziel die von ihr aufgestellten zwölf Hauptprobleme bzw. -missstände zu bekämpfen. Die nach Relevanz geordnete Liste beinhaltet neben der Umweltverschmutzung auf Platz Eins, als konkretes Problem in der Natur, auch Mängel im sozialen Bereich, was die umfassende Herangehensweise der Strategie unterstreicht. Dementsprechend ist es auch das Ziel der Strategie so viele Interessengruppen wie möglich anzusprechen. 


(Quelle:http://www.ddbra.ro)

 

4. 

Herausforderungen & Perspektiven

Herausforderung: Koordination & Kommunikation

Die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Implementierung eines IKZM–Konzeptes in Rumänien ist eine ausreichende Kooperation und Kommunikation der einzelnen Sektoren untereinander. Im Moment herrschen allerdings noch große Unstimmigkeiten innerhalb der einzelnen Sektoren. Deutlich macht dies unter anderem der Bau des Dammes in Midia: Für die Hafenstadt selbst ist der Damm eine Bereicherung, für den südlicher gelegenen Küstenstreifen hat er aber schwerwiegende Folgen in Bezug auf die Sedimentlieferung (siehe Problematiken an der Küste). Der wirtschaftliche Vorteil, den Midia durch den Damm erhalten hat ist bei Weitem nicht mit dem finanziellen Aufwand, welcher nun zur Befestigung der Küste erforderlich ist, in Einklang zu bringen. Ökonomische und ökologische Nachteile sind das Resultat dieses Projektes. Solche fehlgeleiteten Planungen müssen in Zukunft vermieden werden.

Der Grund für zum Teil gegenläufige Projekte liegt bei einer regional begrenzten Raumplanung der Rumänischen Regierung. Mit der Erstellung eines IKZM–Konzeptes soll dies in Zukunft verhindert werden. Aufgrund der schnellen Degeneration der rumänischen Küste und der fortschreitenden Zerstörung der natürlichen und aquatischen Lebensräume ist eine schnelle und exakte Ausarbeitung und Umsetzung des IKZM–Konzeptes dringend erforderlich. Dies ist nicht nur aus ökonomischer sondern auch aus ökologischer Sicht anzuraten.

Realisierbarkeit

Mit dem Eintritt Rumäniens in die EU hat sich das Land verpflichtet ein „Integriertes Küstenzonenmanagement“ zu betreiben. In Folge der mangelnden Erfahrung mit der Einführung, Umsetzung und Durchsetzung nachhaltiger ökologischer und sozioökonomischer Richtlinien und Projekte wird die Zusammenarbeit mit anderen Ländern und Organisationen (der EU) für eine schnelle und erfolgreiche Durchführung von großer Bedeutung sein. Erste Schritte in diese Richtung wurden bereits zum Teil in Kooperation mit der JICA zur Befestigung einiger Küstengebiete eingeleitet (siehe Beispiel Mamaia).

Als Nächstes folgt in Kürze das zurzeit noch im rumänischen Parlament diskutierte IKZM-Konzept des Landes. Ebenso wichtig wie die Planung ist aber auch die Durchsetzung gesetzlicher Regelungen. Ein Beschluss ist wenig hilfreich wenn er keine Berücksichtigung findet. In diesem Bereich hat Rumänien noch große Defizite. Die Einführung von funktionellen Überwachungsapparaten – zum Beispiel einer effizienten Küstenschutzpolizei – ist dringend notwendig. Andernfalls ist die Ausweisung von aquatischen Schutzgebieten mit expliziten Angelbestimmungen oder die Formulierung restriktiver Auflagen zum Einleiten von Abwässern ins Meer bzw. in die Donau wenig sinnvoll. Dies sollte aber in absehbarer Zeit durchaus realisierbar sein.

Der zurzeit laufende Prozess der Implementierung eines IKZM-Konzeptes und dessen Folgen sind noch nur eine Verordnung der EU und nicht eine Notwendigkeit, die aus dem gesellschaftlichen Druck der rumänischen Bevölkerung entstanden ist. Allerdings ist eben dieser Prozess ohne breiten Rückhalt in der Bevölkerung nicht umsetzbar. Damit es nicht zu einem Boykott kommt, ist es unabdingbar Aufklärungsarbeit zu leisten. Alle betroffenen Rumänen müssen begreifen, warum solch ein landesweites Konzept und die damit einhergehende Regelungen notwendig sind. Dies ist ein Aspekt, der ohne Zweifel sehr viel Arbeit mit sich bringt und einige Zeit dauern wird. Trotzdem ist die Akzeptanz des Volkes maßgebend für eine erfolgreiches „Integriertes Küstenzonenmanagement“.

Ein weiterer Punkt ist die Pflege erforderlicher Verhandlungen mit den anderen Staaten des Schwarzen Meeres und der Donau. Probleme, die die aquatischen Ökosysteme betreffen, lassen sich nicht von Rumänien alleine bewältigen. Meist treten ähnliche Probleme an alle Stellen des Meeres und des Flusses auf. So zum Beispiel die Rippenqualle, deren Eindämmung nur auf großer Fläche erfolgreich sein kann. Weiterhin kann das Problem der Überfischung im Schwarzen Meer nur mit Hilfe aller beteiligten Länder geregelt werden. Auch die Belastung der Donau durch Abwässer lässt sich nur mit Hilfe aller angrenzenden Donaustaaten verringern.

1992 haben die Türkei, Rumänien, die Ukraine, Russland und Bulgarien die so genannte Bukarest Konvention und Odessa Deklaration zur Rehabilitation und Schutz der Ökosysteme und Ressourcen des Schwarzen Meeres unterzeichnet. Im Zuge dessen kam es 1996 zu einem „Strategie Aktions-Plan für die Rehabilitation und Bewahrung des Schwarzen Meeres“ (SAPARPBS). Daraufhin folgte 2002 ein Bericht über den Zustand des Schwarzen Meeres auf der Basis der unternommenen Aktivitäten der einzelnen Länder und Regionen. Zurzeit ist aufgrund der neuen Erkenntnisse eine Korrektur der „Bukarest Konvention“ und des „Schwarzen Meer Aktionsplan“ für 2007 vorgesehen

Gleichzeitig beschlossen 1994 die dreizehn angrenzenden Donaustaaten die „Danube River Protection Convention“, welche 1998 in Kraft trat. Hierbei handelt es sich um eine Zusammenarbeit für eine angemessene Wasserqualität im Donaudelta und im Schwarzen Meer.

(Quelle: Outline Strategy ICZM, 2004)

 

Fazit

Rumänien unterliegt mit dem Beitritt in die Europäische Union noch stärkeren Zwängen ihre bisherige „Politik des Ignorierens“ im Bereich des IKZM zu ändern und sich den Problemen zu stellen. Die anderen Länder in der Region unterliegen dieser Verpflichtung nicht. Einige der Schwarz-Meer-Staaten sind durch ihre politisch schwierige Situation nicht in der Lage oder nicht bereit an den Verhandlungstisch zu kommen. Nichtsdestotrotz sind die zukünftigen Maßnahmen Rumäniens überaus wichtig für das Schwarze Meer. Sie stellen ein zukünftig wegweisendes Konzept zur Handhabung von Küstengebieten in diesem Raum dar. Ausführliche Problemanalysen, Untersuchungen und Lösungsansätze in allen Bereichen des Küstenmanagements betreffend stellen die ersten Schritte für ein nachhaltiges Leben miteinander von Fora, Fauna und Mensch dar.

 

5. 

Literatur

Bilder