Disclaimer:
Dieses Informationsmodul stellt eine studentische Arbeit dar, die im Rahmen des Hauptseminars "Europas Küsten im Wandel" am Geographischen Institut der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel erstellt wurde.

Küsten im Wandel: Spanien

Studentische Arbeit im Rahmen des Hauptseminars "Europas Küsten im Wandel" am Geographischen Institut der Universität Kiel im Sommersemester (http://www.ikzm-d.de/main.php?page=152,3205)

Autoren

Kathrin Portala und Sven Thomsen

Juni 2007 

Spanien liegt im Südwesten Europas, erstreckt sich über eine Fläche von 504.782 km2 und hat ca. 42.690.000 Einwohner. Davon leben rund 3,1 Millionen in der Hauptstadt Madrid und diese ist damit die größte Stadt auf der Iberischen Halbinsel. Insgesamt hat Spanien eine Küstenlänge von etwa 6.150 km.

Seit 1978 herrscht in Spanien die parlamentarische Monarchie unter dem Staatsoberhaupt König Juan Carlos I. de Borbón y Borbón. Das Land unterteilt sich in 17 autonome Regionen, zu denen auch die Balearischen und Kanarischen Inseln gehören.

Die Amtssprache ist Spanisch, jedoch wird nach Region auch Katalanisch, Galicisch, Valencianisch und Baskisch gesprochen. Außerdem sind rund 94 % der Bevölkerung katholisch.

(Stand: 2005)

 

1. 

Die Küstenzone

Die spanische Küstenlinie hat einschließlich der Balearischen und Kanarischen Inseln eine Länge von 6.150 Kilometern. Die Küste wird im Norden und Südwesten durch den Atlantischen Ozean und im Osten vom Mittelmeer begrenzt. Durch die Situation Spaniens zwischen zwei Kontinenten und zwei Meeren entsteht eine Vielzahl von Lebensräumen. Die Verschiedenartigkeit spiegelt sich an den Küsten wider. Neben der häufig felsigen Küstenstruktur existieren auch sandige Ausdehnungen, zu denen auch Dünen und sumpfige Ästuare gehören.

Die Küste lässt sich in drei Hauptabschnitte untergliedern:

Die atlantische Nordküste mit einer Länge von 2.012 Kilometern ist abwechselnd durch Klippen, Sandstrände und Flussmündungen geprägt.

Bei der atlantischen Südküste mit 949 Kilometern Länge sind überwiegend sandige Küsten und Dünen sowie Sumpfgebiete vorzufinden.

Die Mittelmeerküste hat eine Länge von 1.063 Kilometern und besitzt neben felsigen Abschnitten große Küstenebenen auch Sandstrände. Ebenso existieren einige Dünensysteme sowie ein Flussdelta.

(vgl. www.coastalguide.org/icm/index.html)

 

1.1. 

Definition

Jedes europäische Land hat seine eigene Definition für den Küstenbereich. Spanien definiert die Küste als den Uferbereich des Meeres und seiner Eingänge einschließlich des Küstenvorlandes zwischen dem höchsten und niedrigsten Wasserstand der Äquinoktialtiden. Weiterhin zählen zu dem Küstengebiet Sumpfgebiete und Lagunen, die durch die Gezeiten mindestens gelegentlich überschwemmt werden sowie natürliche und künstliche Strände mit Böschungen, Klippen und Dünen.

(vgl. www.coastalguide.org/icm/index.html)

 

1.2. 

Begriffserklärungen

Riaküste

Eine Riaküste entsteht durch einen Anstieg des Meeresspiegels oder durch eine Absenkung der Kruste, wodurch die Uferlinie an den Seiten von Tälern zu liegen kommt, die zuvor von Flüssen erodiert worden waren (Bild A). Anschließend entstehen durch die Wellen Kliffe, die an exponierten Stellen Inseln und Vorsprünge ausweisen (Bild B). Danach sammelt sich das produzierte Lockermaterial in Form von Stränden am Fuß der Kliffe und im inneren Bereich der Buchten an. Davon wird ein Teil durch den Küstenlängstransport bewegt, wodurch Haken und Nehrungen quer über die Mündungen der Buchten bzw. Tombolos zwischen Festland und Inseln entstehen (Bild C). Im Endeffekt sind alle Inseln im Vorküstenbereich durch die Wellen abgetragen worden. Folglich bildet sich eine nahezu gerade Uferlinie heraus, deren Küstenstrecken durch Nehrungen verbunden sind (Bild D). Die offenen Buchten sind nun vom Meer abgetrennt, wobei schmale Durchlässe durch die Tidenströmungen in den Nehrungen zurückbleiben können. In einem späteren Stadium weicht die Küstenlinie hinter die inneren Enden der ursprünglichen Buchten zurück (Bild E) (vgl. Strahler/Strahler, 2005, S. 449).


Deltaküste

Als Delta bezeichnet man eine Landform, bei der ein Fluss in ein stehendes Gewässer mündet und sich Sedimente aus Ton, Schluff und Sand akkumulieren. Die Ablagerung geschieht auf Grund der starken Abnahme der Fließgeschwindigkeit beim Hinausströmen. Meistens teilt sich dabei das Flussbett in kleine Deltaarme auf. Die zuerst abgesetzten groben Sedimente bilden die Böschungsschichten des Delta. Dagegen bringt der Kontakt mit Salz- und Süßwasser die feinen Partikel zur Aufflockung und sie sinken auf den Meeresgrund (vgl. Strahler/Strahler, 2005, S. 451f.).

Man unterscheidet weiterhin folgende Deltatypen:

Bogendelta: breiter, bogenförmiger Grundriss wie bei einem Schwemmfächer

Vogelfußdelta/Fingerdelta: lange „Finger“, die an den Enden der Deltaarme weit hinaus ins Wasser vorgebaut sind

Spitzdelta: Wellen verbreiten die Sedimente von der Mündung ans Ufer, konkav gekrümmte Seiten

Ästuardelta: Delta bildet sich um einen Ästuar herum

(vgl. Strahler/Strahler, 2005, S. 451)


Ausgleichsküste

Bei der Ausgleichsküste unterscheidet man zwischen Kliff- und Flachküsten. Zwischen diesen beiden Küstentypen findet ein Transportmechanismus statt, den man Küsten- oder auch Strandversatz nennt. Gemeint ist, dass Wellen in einem schrägen Winkel auf die Küste treffen und dadurch Material wie Sand und Kies in schräger Richtung an den Strand transportiert werden. Nach dem Energieverlust der Welle fließt sie dem Gefälle folgend senkrecht, von der Schwerkraft gezogen, von der Küste ab. Dabei zieht das abfließende Wasser wiederum Material mit. Die Körner treiben also im Zickzack in einer Welle an der Küste entlang. Durch die aus der gleichen Richtung kommenden Wellenfronten entsteht somit der Strandversatz. Im Zuge des Wechsels von Kliff- und Flachküsten kommt es zu einem Vorspringen und Zurückweichen der Küstenlinie. Kliffküsten liegen zumeist auf konvexen Vorsprüngen, Flachküsten dagegen haben eine leicht „durchhängende“ Form (vgl. Strahler/Strahler, 2005, S. 441ff).

 

Kliffküste
Kliffküsten entstehen hauptsächlich aus festem Gestein. Sie fallen meist zum tiefen Wasser hin steil ab und werden deshalb auch Tiefenwasserküsten genannt (vgl. Leser, 1993, S. 170). Kliffküsten entstehen hauptsächlich durch Brandung. Obwohl gerade circa 20% der Brandungsenergie das Ufer erreichen, ist diese so stark, dass sie Sedimente abträgt (vgl. Duphorn, 1995, S. 81). Dabei ist zu beachten: Je größer die Korngrößen und je schwächer die Sturmflut, desto geringer ist der zurückgelegte Transportweg. Große Steine bleiben meist untransportierbar und schützen am Unterwasserstrand liegend die Küste vor den Wellenbrechern (vgl. Hassenpflug et al., 1985, S. 36). Man spricht bei diesen Vorgängen auch von landseitigen und seeseitigen Kräften. Die landseitigen Vorgänge wirken gegenüber den schon angesprochenen seeseitigen Vorgängen sehr langsam und daher auch unscheinbar. Sickerwasser tritt in kliffnahen Boden ein und durchweicht diesen. Infolgedessen lockert die Frostsprengung den Bodenverband und einzelne Böschungen rutschen hangabwärts. Am intensivsten sind diese Vorgänge im Winter. Das abgerutschte Material bildet schließlich eine Schutthalde am Klifffuß. Anschließend wirken die seeseitigen Vorgänge (vgl. Hassenpflug et al., 1985, S. 36).

 

 

Flachküste

Flachküsten entstehen vor allem dort, wo lockeres Material die Küste bildet. Die Küste senkt sich allmählich ab, sodass die Wellen langsam an ihr auslaufen und die mitgebrachte Fracht akkumulieren können (Leser, 1993, S. 170). Bei den Flachküsten kommt es zur Akkumulation von Sedimenten, die die Küste aufbauen. Die Wellen, die langsam an der Flachküste auslaufen, verlieren an Energie und können auf Grund der schwindenden Transportkraft die Sedimente nicht mehr mit Hilfe des Rückstroms ins Meer zurückführen. Schwerere Bestandteile bleiben am Strand haften und es bildet sich ein Strandwall heraus (vgl. Leser, 1993, S. 173f).

Als Strandwall bezeichnet man also eine Anhäufung von Sand und Geröll in der Wellenauflaufzone. Je höher der Sturmflutstand und der Wellenlauf sind, desto höher ist der Strandwall und desto höher liegt der Strandwall am Strand (vgl. Hassenpflug et al., 1985, S.39). Nach mehreren Extremhochwässern bilden sich mehrere Strandwälle heraus, die zu einem großen Strandwallsystem zusammenwachsen. Man unterscheidet bei den Strandwällen weiterhin zwischen einem Winter- und einem Sommerstrandwall. Zur Charakteristik lässt sich sagen, dass der Winterstrandwall höher ist und sich weiter zum Land hin parallel zum Meer erstreckt; der Sommerstrandwall ist niedriger und näher zum Wasser hin. (Klug/Sterr/Boedecker, 1988, S. 13).
 

1.3. 

Naturraum

Die spanische Küste lässt sich in viele Abschnitte untergliedern, die im Folgenden einzeln beschrieben werden. Dabei gehen wir auf die physisch-geographischen Gegebenheiten wie Küstenbeschaffenheit, klimatsche Einflussfaktoren etc. ein. Die Karte gibt einen Überblick über die verschiedenen Küstenzonen Spaniens. Dabei gilt es zwei Aspekte zu beachten:
1. Costa Dorada (span.) = Costa Daurada (dt.)
2. Rías Gallegas setzt sich aus den Küstenabschnitten Rías Baixas un Rías Altas zusammen

Nordatlantische Küste

Costa Verde

Die nördliche Atlantikküste wird insgesamt als Costa Verde (Grüne Küste) bezeichnet, wo sich die niederschlagsreichsten Gebiete Spaniens befinden. Sie lässt sich allerdings noch von Ost nach West in weitere Küstenabschnitte untergliedern.

Die Küste der Provinz Baskenland heißt Costa Vasca (Baskische Küste). Die bekanntesten Orte sind San Sebastián und Bilbao.

Dem schließt sich die Küste der Provinz Kantabrien, Costa de Cantabria (Kantabrische Küste), an. Satander ist einer der bekanntesten Orte.

Mit Costa Verde bezeichnet man im engeren Sinne die Küste der Provinz Asturien, wobei Gijón einer der bekanntesten Orte ist.

Die stark durch Flussmündungen zerklüftete Küste Galizien bezeichnet man als Rías Gallegas (Galizische Flussmündungen). La Coruña und Vigo zählen zu den bekanntesten Orten dieser Region.

Man bezeichnet diese Küste als grüne Küste, da durch die Flora in dieser regenreichen Region bedingt eine grüne Landschaft bis an die Grenzen des Wassers heranragt. Insgesamt ist die nordatlantische Küste durch ein maritimes Klima gekennzeichnet. Die Winde im Golf von Biscaya sind häufig sehr stürmisch. Ebenso wie die südatlantische Küste ist der Norden von den Tidenströmungen beeinflusst.

Die Bereiche der Costa Vasca, der Costa de Cantabria und der Costa Verde bestehen überwiegend aus Sandstränden, die allerdings noch nicht den touristischen Bekanntheitsgrad der Mittelmeerküsten erreicht haben, die sich vereinzelt mit Klippenküsten abwechseln. Der Bereich der galizischen Küste ist durch zahlreiche abgeschnürte Buchten und Rias geprägt.

(vgl. Keefe, 1975 u.a.) 

 

Südatlantische Küste

Costa de la Luz

Von der portugiesischen Grenze bis zu Gibraltar erstreckt sich in der Provinz Andalusien die Costa de la Luz (Küste des Lichts). Bekannte Städte sind Cadíz, Huelva und an der südlichen spanische Spitze Tarifa. Tarifa ist nur 14 Kilometer vom marokkanischen Festland entfernt.

Die südatlantische Küste ist eine Ausgleichsküste mit sehr schönen Stränden von Steilküstenabschnitten. Des Weiteren mündet der 650 Kilometer lange Guadalquivir, der drittlängste Fluss Spaniens, in den Atlantik.

Ähnlich wie die Costa Verde ist die Costa de la Luz keine Touristenhochburg. Eine weitere Parallele ist der Gezeiteneinfluss, der die Küstenerosion fördert.

Die Costa de la Luz wird von zwei unterschiedlichen Klimaten beeinflusst. Zum einen vom maritimen Klima des Atlantischen Ozeans, zum anderen vom afrikanischen Wüstenklima. Dieses wird durch das Klimadiagramm von Jerez de la Frontera durch die hohen Niederschläge in den Wintermonaten und die ariden Sommermonate bestätigt.

(vgl. Keefe, 1975 u.a.) 

 

Mittelmeerküste

Costa del Sol

Die 300 Kilometer lange Costa del Sol (Küste der Sonne) erstreckt sich von Gibraltar bis zum östlichen Grenzpunkt der Bucht von Almería. Sie lässt sich allerdings von Ost nach West noch weiter untergliedern.

Die Provinz Cadíz nennt ihren Küstenabschnitt am Mittelmeer von La Línea de la Concepcion (Gibraltar) bis Sotogrande Costa Gaditana (Gaditanische Küste).

Die Costa del Sol, im engeren Sinne betrachtet, umfasst das Küstengebiet, welches zur Provinz Málaga gehört. Zu den bekanntesten Städten und zugleich Touristenzentren gehören Málaga und Marbella.

Der Küstenname der Provinz Granada Costa Tropicana (Tropische Küste) ist wohl ein aus Vermarktungsgründen eingeführter Name.

Die gesamte Küste der Provinz Almería heißt Costa Almería (Küste von Almería).

Durch vorherrschende subtropische Klima, sind die Temperaturen ganzjährig sehr hoch. Im Durchschnitt liegt sie bei 18°C. Weiterhin sind die Strandküstengebiete durch Gebirgsketten vor dem Nordwestwind geschützt. Das Gebiet der Costa del Sol ist auch aufgrund der über 320 Sonnentage eines der meist besuchtesten internationalen Tourismusgebiete. Durch die hohe Sonneneinstrahlung ergeben sich im Sommer viele aride Monate, so dass die Landwirtschaft nicht ohne Beregnungen auskommt.

(vgl. Keefe, 1975 u.a.) 


Costa Cálida

Der Küstenabschnitt der Provinz Murcia heißt Costa Cálida (Heiße Küste). Das dortige Klima ist subtropisch und die Sonne scheint pro Jahr 2.800 Stunden. Daraus resultieren auch die fünf ariden Sommermonate; Regen fällt hauptsächlich im Herbst. Die Temperaturen in den Küstengebieten fallen im Gegensatz zum Binnenland nur selten unter 10°C, wofür das in der Nähe liegende Gebirge ein Faktor ist. Daher ist der jährliche Niederschlag mit 600mm im Binnenland doppelt so hoch wie an der Küste. Die 170 Kilometer lange Küste besteht aus kleinen Stränden und Buchten sowie aus felsigen Küsten und Klippen. Der vorgelagerte Küstenstreifen La Manga liegt so, dass die Lagune Mar Menor vom Mittelmeer abgetrennt ist. Die Sanddünen, Salzlagunen und Strände bieten auch Forschern ein interessantes Gebiet.

(vgl. Keefe, 1975 u.a.) 


Costa Blanca

Mit Costa Blanca (Weiße Küste) wird die Küstenzone der Provinz Alicante genannt. Ihren Namen hat die Küste von den weißen Häusern und der hohen Lichteinstrahlung, die den Sand weiß erscheinen lassen. Der Gegensatz des blauen Meeres und des weißen Strandes wurde auch bei Alicantes Fahne aufgenommen. Aufgrund dessen wird die Costa Blanca häufig auch Golf von Alicante genannt. Wegen des maritimen Klimas ist die Küstenzone rund um Alicante ein beliebtes Touristenziel. Mit einer Durchschnittstemperatur von 17,9°C bietet die Costa Blanca ganzjährig hohe Temperaturen. Mit gerade einmal vier bis fünf humiden Monaten im Herbst und Winter gehört die Provinz Alicante zu den trockensten Gebieten Spaniens. Wie alle anderen Mittelmeerküstenabschnitte wechseln sich Kliffküsten und Strände ab; es existiert demnach eine Ausgleichsküste. Weiterhin reichen Teile der mit Hinterland liegenden Gebirgszüge bis an die Küstezone heran.

(vgl. Keefe, 1975 u.a.) 


Costa del Azahar

Die Küste der Provinzen Castelló und Valencia trägt den Namen Costa del Azahar (Küste der Orangenblüte). Wegen ihrem Bezug zur drittgrößten Stadt Spaniens wird sie auch Golf von Valencia genannt. Im Gegensatz zu den übrigen Küstengebieten in Spanien und trotz der vier ariden Sommermonate befinden sich fruchtbare Ebenen entlang der Küste. Das Bild ist von Orangenhainen und -plantagen sowie von Mandelbäumen und Gemüsegärten geprägt.

Ebenfalls liegt in dieser Region das sumpfige Flussdelta des Ebros, welches auch zu den fruchtbarsten Gebieten der Iberischen Halbinsel gehört. Aufgrund seiner großen Artenvielfalt wurde das Delta zum spanischen Naturschutzgebiet ausgerufen. Mit seinen ca. 300 km2 gehört das Ebro-Delta zu den größten Feuchtgebieten der Mittelmeerküste. Das Ufer besteht aus Sanddünen oder aus mit Schilf und Röhricht umgebenen Lagunen. Zudem bildet das Delta eines der größten Reisanbaugebiete Spaniens.

(vgl. Keefe, 1975 u.a.) 


Costa Dorada

Als Costa Dorada (Goldküste) wird der Küstenabschnitt der Provinz Tarragona bezeichnet. Die langen, feinen und gold scheinenden Sandstrände bilden eine ideale Vorraussetzung für den Badetourismus, wodurch die Küste auch ihren Namen erhalten hat. Der Anteil der Felsküsten ist dagegen eher gering. Eine der bekanntesten Sandbuchten mit einem kilometerlangen Strand ist Salou. Des Weiteren gehört der nördliche Abschnitt des Ebro-Deltas zur Costa Dorada. Viele Urlauber schätzen das milde Klima. Neben den Einflüssen des Mittelmeers spielen auch kontinentale Klimaerscheinungen eine Rolle. Das Hinterland des Meeres wird für die Landwirtschaft genutzt, u.a. werden Weinstöcke, Olivenhaine und Johannesbrotbäume angebaut.

(vgl. Keefe, 1975 u.a.) 


Costa del Garraf / Costa del Maresme

Die Küstenzone der Provinz Barcelona wird in zwei Abschnitte unterteilt. Der südliche Teil trägt den Namen Costa del Garraf (Garraf-Küste), die früher zur Costa Dorada gezählt wurde. Durch die Nähe zur zweitgrößten Stadt Spaniens wird dieser Streifen auch als „Hausküste“ Barcelonas bezeichnet. Der Sandstrand dient für die Bürger der Großstadt als Erholungsort – nach der Arbeit oder am Wochenende. Die nördlich angrenzende Küste wird mit Costa del Maresme (Maresme-Küste) betitelt und gehörte früher zur Costa Brava. Der Name stammt ursprünglich von Sumpflandschaften (span. marismes), die früher an der Küste existierten. Sie dient als Naherholungsraum für die Einwohner von Barcelonas Vorstädten. Beide Küstenabschnitte sind durch ein Gebirge im Westen begrenzt, welches Schutz vor Westwinden bietet und somit für ein mildes Mittelmeerklima sorgt. Bis auf den Juli und August besitzt die Region zehn humide Monate und hat eine Durchschnittstemperatur von 16°C.

(vgl. Keefe, 1975 u.a.) 


Costa Brava

Als Costa Brava (Wilde Küste) bezeichnet man den Küstenabschnitt der Provinz Girona, der bis zur spanisch-französischen Grenze reicht. Einer der bekanntesten Orte und ein beliebter Touristenort ist Lloret de Mar. Ihren Namen hat die Küste von den zerklüfteten Felsmassiven, die von dem parallel zur Küste laufenden Gebirge zum Meer hinabfallen. Einige kleine Buchten und Sandstrände sind sogar nur über den Schiffverkehr erreichbar; die großen Sandflächen liegen im Bereich von Lloret de Mar. Die felsigen Küstengebiete sind u.a. mit einigen Pinienbäumen bewachsen, die in der Vergangenheit häufig aufgrund der heißen, trockenen Sommern durch Waldbrände befallen waren. Das Klima entspricht in etwa dem der südlichen gelegenen Küsten, wobei der kontinentale Einfluss höher ist – je südlicher, desto geringer ist der Niederschlag.

(vgl. Keefe, 1975 u.a.) 


Belearische Inseln

Mallorca
Rund um die Küste herum erstrecken sich viele Sandstrände und kleine Buchten. Ebenfalls besitzt die mallorquinische Küste entlang der Gebirgskette Sierra de Tramuntana im Norden steile Klippen zugänglichen, flachen Felsenküsten und feinen Sandstränden. Zwischen den Klippen liegen Schulchten und Buchten, deren Strände zumeist aus Geröll und Sand bestehen. Die Küste wird zum Nordosten hin flacher, so dass außerdem Dünenvegetation existiert. Die Küstenstrandabschnitte, die häufig kilometerlang sind, ziehen sich um die gesamte Küste und sind natürlich ein touristischer Anziehungsfaktor.
(vgl. http://de.belearsnautic.com/nautico/reportage.dp?action=viewReportage&category_id=15&
reportage_id=6)

Menorca
Im Norden und im Süden liegen zerflüftete Steilküsten, die im 90°-Winkel ins Meer ragen - allein im Süden lassen sich vereinzelt Buchten finden, an deren Eingängen Geröllstrände existieren. Im Osten und Westen gibt es viele Sandstrände.
(vgl. http://de.balearsnautic.com/nautico/reportage.do?action=viewReportage&category_id=15&
reportage_id=6

Ibiza
Viele kleine Buchten mit abgeschlossenen Sandstränden prägen das Bild Ibizas, die zumeist aus Sand und Kies bestehen. Weiterhinn gibt es zahlreiche Dünen wie an der Playa de’n Bossa.
(vgl. http://de.balearsnautic.com/nautico/reportage.do?action=viewReportage&category_id=15&
reportage_id=6)

Formentera

Auf Formentera existieren viele Sandstränden, in deren Hintergrund zahlreiche Dünen zu finden sind.
(vgl. http://de.balearsnautic.com/nautico/reportage.do?action=viewReportage&category_id=15&
reportage_id=6

Kanarische Inseln

Die Kanarischen Inseln sind eine Inselgruppe im Atlantik und ca. 100 bis 500 km westlich des südlichen Marokko. Die Kanaren bestehen aus sieben Hauptinseln.

  

Teneriffa

Teneriffa ist die größte der Kanarischen Inseln und bietet ein saftiges, tropisches Paradies gemischt mit kleinen Vulkankratern. Der höchste Berg Spaniens, Pico del Teide mit seiner schneebedeckten Bergspitze, zeichnet die Insel aus.

 

Fuerteventura

Fuerteventura ist, nach Teneriffa, die zweitgrößte Insel und bildet der nördlich gelegenen Insel Lanzarote die östliche Grenze der Kanaren. 

Ein wüstenhafter Charakter und breite kilometerlange Sandstrände im Norden und Süden zeichnen die Insel aus.

 

Gran Canaria

Gran Canaria ist die drittgrößte Insel. Besonderes Merkmal sind die Schluchten, die von hohen Gipfeln bis zu den Ufern des Meeres reichen. Es gibt weitläufige, goldfarbene Sandstrände, die hauptsächlich im Süden der Insel zu finden sind sowie noch viele einsame Buchten.

 

Lanzarote

Lanzarote ist die nördlichste der Kanarischen Inseln und ist durch weite Sandflächen an der Küste, kahle Bergrücken mit bis zu 600 Metern Höhe und zahlreiche Vulkankegel geprägt.

 

La Palma

La Palma ist die nordwestlichste der sieben Hauptinseln mit landschaftlicher Vielfalt, wie z.B. Bergmassive, Schluchten, Kiefernwälder. Der Küstenbereich kennzeichnet sich durch Felsenküsten, Lavastrände und Buchten.   

 

La Gomera

La Gomera ist die zweitkleinste Insel der Kanaren. Auch hier wird die Landschaft von Bergen, Schluchten, Tälern und üppiger Vegetation geprägt.

 

El Hierro

El Hierro ist die kleinste und westlichste Insel der Kanarischen Inseln. Die entlegene kleine Insel ist bis heute so gut wie noch nicht touristisch erschlossen.

  

(vgl. http://www.canarias-reisen-bleidorn.de/kanarische_inseln/index.php)

 

2. 

Nutzung der Küstenzone

Spaniens Küsten werden vielseitig genutzt. In diesem Kapitel soll ein Überblick der unterschiedlichen Nutzungen wie

Natur- und Küstenschutz, Häfen, Tourismus, Windenergie, Fischerei, Aquakulturen und Illegale Migration

gegeben werden.

 

2.1. 

Natur- und Küstenschutz

In Spanien existieren 13 Nationalparks (Berge, Feuchtgebiete, Stände, Wälder, Vulkane, Lava und Seen), die sich durch ihre einzigartigen Artenreichtümer auszeichnen. In allen Gebieten steht die Natur im Vordergrund. Einige dieser Gebiete wurden sogar von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Wir werden uns auf eine Auswahl beschränken, die im engen Verhältnis zu den Küstenräumen steht.

(vgl. http://www.spain.info)

 

Das Ebro-Delta

Das Delta von Spaniens längstem Fluss Ebro ist eines der größten Feuchtgebiete des Mittelmeerraumes und steht unter Naturschutz. Die Formen und die Nutzung der Uferbereiche sind sehr unterschiedlich. Im Inneren der Halbinsel wird überwiegend Gemüse, Obst und Reis angebaut. An den Lagunen, umgeben von Schilf und Röhricht, findet man kilometerlange Sandstrände. Ebenfalls zeichnet sich das Delta durch eine hohe Artenvielfalt von Flora und Fauna aus. Etwa 250 Vogelarten undsehr viele unterschiedliche Fischarten haben an der Küstenmündung ein Zuhause gefunden.

(vgl. http://www.eco-world.de/service/news/archiv/2398/index.htm)


Die Meeresreservate

Die Meeresreservate Spaniens stehen aufgrund ihrer großen Biodiversität und ihres ökologischen Reichtums unter Naturschutz. Sie besitzen eine hohe Vulnerabilität und unterliegen strikten Kontrollen, an die sich vor allem Fischer und Taucher zu halten haben. In einigen Reservaten sind zwar sportliche Aktivitäten erlaubt, dennoch sind sie zeitlich beschränkt und spezielle Lizenzen erforderlich.

Wie auf der Karte zu erkennen ist, liegen die Meeresreservate nicht nur auf den Kanarischen und Balearischen Inseln, sondern u.a. auch an der Costa Brava. Auf dem Meeresgrund existieren eindrucksvolle Grotten und Korallenriffs mit diversen Fischarten.

(vgl. http://www.spain.info)


Islas Atlánticas

Der 8.000 ha große Nationalpark Islas Atlánnticas liegt vor der galizischen Küste und umfasst die Inseln Ciés, Ons, Cortegada und Sálvora. Das Wasser-Land-Ökosystem zeichnet sich durch seinen Reichtum an Vogelarten aus. Die vier Inselgruppen, die sich zwischen den Meeresarmen von Vigo, Pontevedra und Arousa befinden, besitzen eines der größten Möwenkolonien. Des Weiteren wurden bislang 200 Algenarten und 400 Landpflanzenspezies gezählt.

(vgl. http://www.spain.info)


Verbot für unsichere Tanker

Neben Frankreich hat Spanien als eines der ersten EU-Länder die Benutzung von unsicheren Tankerschiffen auf ihren Gewässern verboten. Dabei sollen Tanker, die älter als 15 Jahre sind und keinen doppelwandigen Rumpf besitzen, stärkeren Kontrollen unterzogen werden. Des Weiteren ist es unsicheren Schiffen untersagt, näher als 200 Seemeilen (etwa 370 Kilometer) an die Küsten heranzufahren. Weitere europäische Industrienationen wollen dem folgen und haben dieses in der Gegenwart bereits getan. Damals sagte NABU-Seefahrtsexperte Rüdiger Wohlers, dass es das Ziel sein muss, „dass die Mitgliedsstaaten der Internationalen Schiffahrts-Organisation (IMO) statt 2015 bereits an 2005 so genannte Einhüllen-Tanker ausmustern“ (http://www.nabu.de/m07/m07_04/00844.html).
Bei den vor Spanien gesunkenen Tankern „Prestige“ (2002) und „Aegean Sea“ (1992) sind insgesamt 140.000 Liter Rohöl ausgetreten und haben dadurch der Flora und Fauna nachhaltig geschädigt.


Blaue Flaggen für Spaniens Küsten

Spaniens Küsten haben 2007 499 Blaue Flaggen für ihre Küstenbereiche erhalten. Die Blaue Flagge wird seit 1987 jährlich von der Stiftung für Umwelterziehung (Foundation for Enviromental Education – FEE) im Auftrag der EU-Kommission vergeben und ist international anerkannt. Dabei werden u.a. die Strand- und Wasserqualität sowie der Küsten- und Umweltschutz berücksichtigt. Der Provinz Valencia wurden allein fast 20% der Blauen Flaggen zugesprochen. Dennoch besitzt die Blaue Flagge auch Nachteile, da sie häufig als Marketing-Strategie eingesetzt wird. Das wiederum ist der Stiftung ein Dorn im Auge, da der Küstenbereich von den vielen Besuchern häufig in einem sehr schlechten Zustand wieder zurückgelassen wird.

(vgl. http://www.spanien-abc.com/Blaue_Flagge_OEko_Label_in_Spanien.408.0.html; http://www.blueflag.org)

 

2.2. 

Tourismus

Der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Spanien. Das Land gilt als eines der beliebtesten Urlaubsreiseziele der Welt.

Bis zum 18. Jahrhundert hatte Spanien einen schlechten Ruf als touristisches Reiseland, da die Reisestrapazen aufgrund mangelnder Straßen enorm hoch waren und es keine Unterkunftsmöglichkeiten gab. Zu Beginn des 19. Jahrhundert wandelte sich das Interesse, allerdings nicht aufgrund infrastruktureller Fortschritte. Stattdessen wurden Aspekte wie räumliche Weite und wilde Landschaften als reizvoll betrachtet. Der Trend ging dahin, dass einheimische und ausländische Oberschichten den Sommer in ihren Zweitresidenzen verbringen. In Santander und San Sebastian entstand beispielsweise eine Seebadetradition.

 

Eine neue Art des Tourismus etablierte sich Anfang des 20. Jahrhundert, die nichts mit dem elitären Tourismus der nordspanischen Küste gemeinsam hatte. Wohlhabende Adelige und Rentner verbrachten die Wintermonate an der spanischen Mittelmeerküste. Nachdem der Tourismus in der Zeit des Spanischen Bürgerkrieges (1936-1939) und des Zweiten Weltkrieges der Tourismus fast zum Erliegen kam, begann ab 1950 die Zeit des Massentourismus. Der verbesserte Lebensstandard und steigende Wohlstand nach dem Zweiten Weltkrieg in Europa, die Entwicklung der Transportmöglichkeiten und eine dadurch höhere Mobilität führten zu einem gewaltigem Reiseboom. Hotelbau und Verkehrsinfrastruktur wurden stark gefördert und das Angebot von Pauschalreisen von Reiseveranstaltern setzte sich durch. Das Hauptmotiv der Touristen war ein Badeurlaub mit Sonnengarantie an der spanischen Mittelmeerküste.

 

Einen kleinen Einbruch erlitt der Tourismus in den 90er Jahren, da inzwischen das Preisniveau in Spanien gestiegen ist und andere Destinationsziele auf dem Reisemarkt interessant wurden (z.B. Türkei, Karibik).

(http://kups.ub.uni-koeln.de/volltexte/2004/1309/pdf/D.pdf)

 

Die spanischen Küsten sind sehr bekannt als „Costas“ und waren in den letzten Jahrzehnten Hauptziele der Touristen. Jedes Jahr kommen über 50 Millionen Touristen nach Spanien, davon verbringen 82% der Touristen ihren Urlaub an der Küste. Valencia, Katalonien und Andalusien sind die Hauptziele der einheimischen Touristen, während sich die ausländischen Touristen auf den Balearen, Kanaren und in Katalonien aufhalten. Rund 24% der Küsten werden touristisch genutzt. Besonders in den Jahren zwischen 1960 und 1970 kam es zu intensiver Verstädterung an den spanischen Küsten. Der Mittelmeerraum und Teile der Südatlantikküste wurden von Gebäuden überzogen. Ebenso entstanden an der Nordatlantikküste ebenfalls Hotels und Appartements, jedoch blieb dort ein Grossteil der Küste noch unbeschädigt. Erst in den letzten Jahren wird die Nordatlantikküste für die Touristen interessant, die nicht länger an überfüllten Stränden im Osten und Süden sein möchten, und sich von den noch vorhandenen großen Naturräumen im Norden faszinieren lassen möchten.

(www.coastalguide.org/icm/spain.html)

 

Statistiken

Diese Graphik zeigt die Gesamtanzahl der Touristen in Millionen. Im Jahr 2000 gab es rund 46 Millionen Touisten in Spanien. Über die Jahre ist ein stetiger Anstieg der Touristenzahlen zu verzeichnen. Im letzten Jahr (2006) erreichten die Zahlen einen absoluten Höchststand von rund 58,5 Millionen internationaler Touristen.

 

 

Gesamtzahlen und Ausgaben der Touristen

Die Anzahl der Touristen ist im Jahr 2006 um 4,5 % angestiegen. Insgesamt wurden 48.227 Millionen Euro von den Touristen ausgegeben, der einen Anstieg von rund 4,8 % ausmacht. Auf den einzelnen Touristen umgerechnet ergibt das im Durchschnitt eine Höhe der Ausgaben von 857 Euro pro Tourist (ca. 91 Euro pro Tag). Im Schnitt blieben die Touristen 9,5 Nächte.

 

 

Prozentsatz/Absolute Zahlen der ankommenden Touristen in den unterschiedlichen autonomen Regionen in 2006

Die drei am stärksten von Touristen bereisten Regionen sind die Balearen (17,3%), Kanaren (16,4) und Katalonien(25,7%). In den absoluten Zahlen läßt sich deutlich der Trend hinsichtlich des zunehmenden Tourismus an der Antantikküste erkennen. So war der Anstieg der Touristenzahlen in Katalonien mit 6,9% schon sehr stark (abgesehen von Städtetourismus wie beispielsweise Madrid).

 

 

Anzahl der Touristen hinsichtlich ihrer Nationalität

Deutschland 17,4%

Frankreich 15,7%

Italien 5,7%

Skandinavien 5,3%

Niederlande 4,3%

Portugal 3,8%

Belgien 3,3%

Großbritannien16,9%

Rest 27,7%

 

Die meisten Touristen in Spanien kommen aus Deutschland, Frankreich und Großbritanien (ohne Rest). In den absoluten Zahlen spiegeln sich Deutschland und Frankreich wieder. Italien hat trotz der wenigen 5,7% Touristenanteil einen starken Anstieg zum Vorjahr mit 13,6% zu verzeichnen.

 

2.3. 

Häfen

Große Hafenstädte an der nordatlantische Küste

San Sebastián liegt im Golf von Biscaya, ist etwa 20 km von der französischen Grenze entfernt und hat in etwa 180.000 Einwohner. In der Geschichte war der Fischfang die Haupteinnahmequelle. Die Einfahrt zur Bucht „La Concha“ (die Muschel) ist zwischen zwei großen Felsen und einer Insel gelegen und war früher somit ein leicht zu verteidigender Hafen. Die Altstadt San Sebastiàns liegt zwischen Bucht und der Mündung des Flusses Urumea.

(vgl. http://www.spanishcourses.info/cities/170_san_sebastian_DE.asp)

Bilbao liegt rund 80 km westlich von San Sebastián und hat ca. 350.000 Einwohner. Der Hafen von Bilbao zählt auf Grund der besonders guten Anschlüsse nach Amerika und Nordeuropa und des Tiefganges zu den führenden europäischen Häfen. Die Waren werden von Bilbao auf zu über 500 weltweiten Häfen verschifft. Zu den Hauptumschlagswaren gehören Roh- sowie Heizöl, Eisen- und Stahlprodukte, Erdgas, Kohle, Koks, Treibstoff und chemische Produkte. Rund um die Uhr werden die Schiffe von den über 9.000 Mitarbeitern be- und entladen. Das Investitionsvolumen beträgt ca. 240 Mio. €. In den letzten Jahren hat Handel im Hafen Bilbaos um 13 % zugenommen. Erst vor wenigen Jahren wurde der Hafen ausgebaut. Im Zuge dessen wurde ein neuer 8 km langer Deich errichtet, eine ebenso lange Mole mit 25 m Tiefe erschaffen und weitere Hafengebiete erschlossen. Vor allem profitiert die autonome Baskenregion von den Steuereinnahmen.

(vgl. http://www.bm30.es/proyectos/puert_de.htm; http://www.bilbaoport.es)

Santander liegt an einer Bucht umgeben von kleinen Hügeln. Die kantabrische Hauptstadt besitzt zahlreiche Sandstrände und war bis in die Neuzeit ein bedeutender Seehafen. Nicht nur für viele Segler und Yachtenbesitzern ist die 200.000-Einwohner-Stadt ein Ziel auf der Landkarte. Auch die Kreuzfahrtschiffe machen in Santander Halt.

(vgl. http://www.spanien-aktuell.info/kantabrien)

Die Hafen- und Industriestadt Gijón liegt in der Provinz Asturien und hat ca. 273.000 Einwohner. Der etwa 6 km von dem Zentrum entfernte Hafen „El Musel“ zählt zu den bedeutendsten Häfen Spaniens. Der Hafen ist dabei auf die Verladung von Schutt, Zement und Containern sowie auf Schwermetalle spezialisiert. Darüber hinaus dient er auch als Fischereihafen. Auf Grund verschiedener Wassertiefen können die Schiffe mit unterschiedlichen Tiefgängen an drei unterschiedlichen Zonen anlegen. Der vor Ort liegende Yachthafen bietet 870 Anlegestellen und wurde seit 1996 ununterbrochen mit der blauen Flagge der EU ausgezeichnet.

(vgl. http://www.gijon.info)

Die auf der galizischen Halbinsel und am Ria-Ästuar gelegene Stadt La Coruña hat rund 245.000 Einwohner. Der Hafen hat eine Länge von rund 8 km, wo im Jahr über 2.000 kleine und größere Schiffe andocken. Ebenfalls fertigt die Schifffahrt ca. 35.000 Passagiere pro Jahr ab. 2006 hat der Hafen über 30 Mio. € erwirtschaftet.

(vgl. http://www.puertocoruna.com)

Vigo ist einer der wichtigsten Hafen- und Industriestädte Spanien. Im Nordwesten am Atlantischen Ozean gelegen hat Vigo ca. 300.000 Einwohner. Weiterhin existiert in Vigo einer der größten natürlichen Häfen Spaniens und ist wichtiger Standort für die Fischereiflotte und ist weltweiter Vorreiter bei der Belieferung mit Meeresfrüchten. Ebenso ist die größte galizische Stadt ein von Kreuzfahrtschiffen oft besuchtes Ziel.

(vgl. http://www.spanien-abc.com/Vigo_Galizien.239.0.html)

Große Hafenstädte an der südatlantischen Küste

 

Der Hafen von Huelva, Palos de la Frontera, liegt in der Flussmündung der beiden Flüsse Odiel und Tinto. Schiffe mit einem geringeren Tiefgang können bis an den Hafenmolen in der Innenstadt anlegen. Huelva, von wo aus Christopher Kolumbus nach Amerika ausstach, hat ca. 145.000 Einwohner.

(vgl. http://www.suncruiseandalucia.com/deutsch/porthuelva.htm)

In der andalusischen Stadt Cadíz leben heute etwa 145.000 Menschen. Der Hafen wird hauptsächlich für den Personenverkehr genutzt, d.h. für Kreuzfahrt- und Segelschiffe. Dabei sind Afrika, die Kanarischen Inseln und Norditalien das Hauptanlaufziel.

(vgl. http://www.andalusien-web.com/cadiz.htm)

Große Hafenstädte an der Mittelmeerküste

Málaga ist mit ca. 560.000 Einwohnern die sechstgrößte Stadt Spaniens. Der Hafen, der in einer natürlich geschützten Bucht liegt, ist mittlerweile der zweitwichtigste für Kreuzfahrtschiffe auf der Iberischen Halbinsel. Durch den neuen Terminal will Málaga seine hervorragende Stellung weiter ausbauen. Weiterhin soll der Hafen in Richtung Zentrum ausgebaut werden, um die Schiffe „in die Stadt zu holen“.

(vgl. http://www.malagaturismo.com/jsp/malagapractica/como_llegar.jsp?
opc=43&id_idioma=4)

Der Hafen der 185.000-Einwohner-Stadt Almería war zur Zeit der arabischen Herrschaft einer der wichtigsten Seehäfen Spaniens, hat aber bis heute immer mehr an Bedeutung verloren. Dagegen existieren acht Yacht-Häfen mit knapp 3.000 Liegeplätzen.

(vgl. http://www.schwarzaufweiss.de/spanien/andalusien/almeria.htm)

Alicantes Hafen war Jahrhunderte lang das Zentrum der lokalen Wirtschaft mit den reichhaltigen Schätzen, die von dort aus in alle Welt transportiert wurden. Heutzutage ist er wohl bedeutender als wunderschöne Kulisse mit einem besonderen Charme für Touristen sowie Einheimische mit vielen Lokalen, Vergnügungsstätten und Promenaden. Wie auch Almería besitzt Alicante viele Yacht-Häfen.
(vgl. http://www.spain-online.de/costablanca/staedte/alicante/freizeit/haefen.
htm)

Valencia ist mit ca. 850.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Spanien. Der östlich des Stadtkerns liegende Hafen El Grao schlägt hauptsächlich als Waren Zitrusfrüchte, Wein, Rosinen, Olivenöl und Reis um, die in die gesamte Welt verschifft werden. Im Hafengebiet findet man ebenfalls eine Metall-, Chemie- sowie Textilindustrie und Werften. Weiterhin ist Valencia für seine zahlreichen Segler bekannt. So fanden 2007 die Verläufe vom America’s Cup vor Valencia statt.

(vgl. http://www.spain-online.de/costablanca/staedte/valencia/index.htm)

 

Mit seinen 1,6 Millionen Einwohnern ist Barcelona die zweitgrößte Stadt Spaniens. Dank seiner verkehrsgünstigen Lage am Mittelmeer und am Schnittpunkt wichtiger Verkehrswege ist Barcelona nicht nur der bedeutendste Hafen Spaniens, sondern einer der wichtigsten Häfen des Mittelmeerraumes überhaupt. Neben seiner herausragenden Funktion als Umschlagplatz für Waren ist er auch eine beliebte Anlaufstelle von Kreuzfahrtschiffen. An der Stelle des heutigen Hafens befand sich die größte Schiffswerft des Mittelalters.

(vgl. http://de.encarta.msn.com/media_631506773_761567148_-1_1/
Hafen_von_Barcelona.html)

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2.4. 

Fischerei

  Zum Lesen

Der Fischfang in Spanien spielt keine so bedeutende Rolle mehr in der Wirtschaft. 1970 lag der durchschnittliche Fang (ohne die Aquakulturen) bei 1.400.000 Tonnen. Bis zum Jahr 2000 ist ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen und der Fischfang ging bis auf rund 970.000 Tonnen zurück. Verglichen mit dem gesamten Fischfang in Europa, der sich in 2000 auf ca. 15.300.000 Tonnen belief, ist es nur ein mäßiger Anteil, den Spanien dazu beiträgt. Der Rückgang in der Fischerei läßt auch auf die Entwicklung des Exports und Imports im Fischhandel schließen. Während der Export und Import in 1980 noch mit rund 500.000 U.S. Dollar dicht beieinander lag, ist der Import im Jahr 2000 doppelt so hoch wie der Export.

(http://earthtrends.wir.org)

Europäische Union: Gemeinsame Fischereipolitik

Fischerei und Aquakultur sind zwei der wichtigsten Nutzungsarten des Meeres. Die Europäische Union regelt die Fischerei zum Schutz der natürlichen Ressourcen und im Interesse der Fischer und der Verbraucher. Mit der Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) verfügt die Europäische Union über ein Management-Instrument für die Fischerei und die Aquakultur. Da die lebenden Ressourcen sowohl des Meeres wie der Binnengewässer nicht beliebig reproduzierbar sind und ein Gleichgewicht zwischen Fangkapazitäten und vorhandenen Ressourcen hergestellt werden muss, ist diese Politik notwendig geworden. Die Gemeinsame Fischereipolitik umfasst vier große Bereiche:
  1. die Erhaltung und Bewirtschaftung der Ressourcen, vor allem durch die Festsetzung von Fangmengen, die Begrenzung der Fangtätigkeit, den Erlass technischer Vorschriften (z.B. zur Gestaltung der Fanggeräte oder zur Ausweisung von Schutzgebieten) und durch die Kontrolle der Fangtätigkeit,
  2. die Gestaltung der Flottenstruktur insbesondere durch mehrjährige Programme, mit deren Hilfe die Kapazitäten sozialverträglich an die vorhandenen Ressourcen angepasst werden sollen,
  3. die Aufrechterhaltung eines Marktes für Fischereierzeugnisse durch eine gemeinsame Marktorganisation, in dem Angebot und Nachfrage in einem ausgeglichenen Verhältnis zueinander stehen,
  4. die Gestaltung guter internationaler Beziehungen durch den Abschluss von Fischereiabkommen mit Drittstaaten und die Mitarbeit in internationalen oder regionalen Fischereiorganisationen.

(Stand 04.01.2006)

(http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Europa/Aufgaben/Fischerei.html)(http://ec.europa.eu/fisheries/cfp_de.htm)

 

 

2.5. 

Aquakulturen

Als Aquakultur bezeichnet man die kontrollierte Aufzucht von im Wasser lebenden Organismen mit Hilfe von Techniken, die eine Produktionssteigerung zur Folge hat, welche unter natürlichen Bedingungen nicht möglich wäre. Die Produktion umfasst Fische, Muscheln, Krebstiere und Pflanzen. Aquakulturen lassen sich noch weiter untergliedern: Süßwasserfischzucht und marine Aquakulturen. Beide Formen verfolgen eine unterschiedliche Artenproduktion und haben unterschiedliche Einflüsse auf die Umwelt.

Weltweit stieg der Anteil der Produktion von Aquakulturen von 1970-2000 um das 8-fache. 2006 deckte die Fischzucht ca. 1/3 des Bedarfs ab; bis 2025 soll die Quote auf 50% steigen. Ebenso ist der Anteil dieser künstlichen Produktion in Europa gestiegen, so dass 2000 etwas 17% der Fischereierzeugnisse aus Aquakulturen stammen. Spanien gehört neben Frankreich und Italien zu den drei größten Erzeugerländern Europas, die sich auf die Weichtierproduktion (Muscheln und Austern) spezialisiert haben.

Insgesamt produziert Spanien etwa 335.000 Tonnen und erwirtschaftet damit einen Umsatz von 212 Millionen Euro. In der globalen Betrachtung macht die europäische Gesamtproduktionsmenge aber lediglich nur 3% aus.

In Spanien existieren heute über 200 Aufzuchtstationen. Dabei profitiert das Land auch von den klimatischen Bedingungen, die optimale Vorraussetzungen für die Fischzucht bieten. Auch die geographische Lage, dass Spanien fast nur von Meer umgeben ist, verdeutlicht den Wettbewerbsvorteil. Die Hochburg der spanischen Aquakulturen liegt an der Nordatlantikküste bei Galicien. Der Großteil der Miesmuschelerzeugnisse stammt aus dieser Gegend, die auch den geschützten Namen „Mejillón de Galicia“ tragen. Deswegen wird dieses Gebiet auch als Zentrum der Miesmuschelproduktion in Europa bezeichnet. Ebenso werden dort auch weitere Muschelarten sowie der Steinbutt kultiviert. Die an der Mittelmeerküste herrschenden physisch-geographischen Begebenheiten begünstigen die Produktion der Dorade und des Wolfbarsches. Weiterhin besitzt Andalusien das Monopol bezüglich der Garnelen. In den Aquakulturen im Innenland dominiert der Süßwasserfisch „Forelle“.
  Zum Lesen

In der Zukunft sollen die Aquakulturen weiterhin ausgebaut werden und weitere Fischsorten gezüchtet werden. So gelang den Wissenschaftlern des Ozeanographischen Zentrums in Murcia, den atlantischen Thunfisch künstlich zu vermehren. Die Erhöhung der Produktivität und der Erzeugung regelt sich dabei mit dem Interesse des Konsumenten. In einem nächsten Schritt werden in Spanien Arbeitslose, die Genossenschaften oder Arbeitnehmergesellschaften gründen möchten, finanziell und durch Wissen unterstützt. Einer dieser Tätigkeitsfelder ist das Betreiben einer Aquakultur, wie es an der Küste Ceutas erfolgreich betrieben wird. Der Grund für diese Art von Integration der Arbeitslosen ist, dass die Fischerei auf dem Meer Schritt für Schritt gegenüber den Aquakulturen an Bedeutung verlieren wird.

 

2.6. 

Windenergie

Seit dem Abschluss des Kyoto-Protokolls auf der Klimakonferenz 1997, welches auch Spanien unterzeichnet hat, setzt auch Spanien auf den Wind als erneuerbare und saubere Energiequelle. Die staatlichen Förderprogramme bewirkten einen massiven Anstieg der Windenergie. So wird durch die Sonderverordnungen den Windanlagenbetreibern ein Erlös von 7 Cent pro Kilowattstunde garantiert. Dabei sind die gut nutzbaren und unbesiedelten Flächen und die Atlantik- und Mittelmeerküste enorme Pluspunkte für eine funktionierende Windenergieproduktion. Seit der Umsetzung nahm Spanien immer einen Spitzenplatz bei der Energieproduktion durch Wind in Europa ein und konnte 2004 6 % des Elektrizitätsbedarfs im eigenen Land dadurch abdecken. Die großen einheimischen Stromkonzerne Iberdrola und Endesa verfügten 2004 über 60 % der Windkraftanlagen. Dagegen werden neue Windkraftparks häufig von Banken wie der Banco Bilbao Vizcaya Argentaria (BBVA) finanziert.

Und dieses Geschäft wird weiter boomen. Von 1997-2005 ist Spaniens Stromverbrauch um 50 % gestiegen – Tendenz steigend. Daher werden Windräder von der spanischen Bevölkerung auch nicht als „Schandflecken der Landschaft“ bezeichnet, sondern stehen für Fortschritt und Moderne.

Im Jahr 2006 wurde das erste küstennahe Offshore-Projekt vor Bilbao in Betrieb genommen. Der in Spanien führende Windanlagenhersteller Gamesa baute fünf Zwei-Megawatt-Anlagen, die als Prototyp für Spanien gelten. In den kommenden Jahren sollen zwei Offshore-Windparks mit 170 Rotoren mit einer Leistung von 450 MW vor Cadíz gebaut werden.

Die im Jahr 2006 geleistete Energie von 10.000 MW soll bis zum Jahre 2011 auf 20.000 MW erhöht werden, was eine Abdeckung von rund 15 % der benötigten Elektrizität durch Windenergie wäre. Weiterhin würde sich die Zahl der Beschäftigen bis 2011 auf 60.000 verdoppeln.

 

2.7. 

Illegale Migration

In Rabat fand am 10. und 11.07.2006 die erste euro-afrikanische Migrationskonferenz statt, an der 30 europäische Staaten (davon 25 EU-Staaten) sowie 27 afrikanische Staaten teilnahmen. Das Thema war eine mögliche politische Zusammenarbeit zur Bekämpfung der Süd-Nord-Migration, die in einem Aktionsplan verabschiedet wurde (vgl. Mattes, 2006, S. 1).


Gründe
Seit Jahren versuchen überwiegend junge männliche Afrikaner über Spanien und Italien nach Westeuropa zu gelangen, was sich zuletzt deutlich verstärkt hat. Dabei besitzen die EU und die Maghrebstaaten (Algerien, Libyen, Marokko, Mauretanien, Tunesien) konträre Meinungen. Auf der einen Seite fordert die EU die Maghrebstaaten auf, die illegale Migration einzudämmen, auf der anderen Seite fordern die afrikanischen Staaten auf, sich nicht als „Polizei“ aufzuführen, da das Migrationsproblem kein regionales sei. Dennoch haben sie in den letzten vier Jahren eine Politik zur Bekämpfung illegaler Migration konsequent verfolgt. Dazu gehörten auch die polizeilichen Gegenmaßnahmen und Repatriierungsmaßnahmen seitens Europa. Aufgrund des überproportional steigenden Bevölkerungswachstums in Afrika und der daraus resultierenden soziökonomischen Misere wird das Problem nicht kleiner werden. Der damalige Höhepunkt war im Herbst 2005, als schwarzafrikanische Migranten gewaltsam in die spanische Enklave einzudringen versuchten. Daraufhin meinte UN-Generalsekretär Kofi Annan, „es sei naiv zu denken, man könne die ‚Mobilität von Menschen’ mit Gewalt unterbinden und rief als Lösungsansatz zu einer besseren ‚Verwaltung der Migrationsströme’ auf (Mattes, 2006, S. 2). Aktuell versuchen jährlich 30.000 Migranten über die Maghrebstaaten illegal nach Europa zu gelangen, wobei die Zahl der Wanderungswilligen deutlich höher liegt (vgl. Mattes, 2006, S. 1f).

Migrationsursachen

Die Migrationströme besitzen zwei Hauptursachen – zum einen das Ungleichgewicht im Entwicklungsniveau zwischen dem Afrika südlich der Sahara gegenüber Europa, zum anderen die politische Lage der afrikanischen Staaten. Als Migrationszentren gelten Nador und Tanger (Nordmarokko), Maghnia und Tamanrasset (Algerien) sowie Tripolitanien (Libyen), wobei sich über eine halbe Million Schwarzafrikaner in Libyen aufhalten sollen, die nach Europa wollen. Allerdings existieren neben den vielen Push- auch Pull-Faktoren. Spanien räumt illegalen Migranten, die schon einige Zeit im Land leben, einen legalen Status ein. 2004 und 2005 erhielten z.B. 700.000 illegale Einwanderer eine Aufenthaltsgenehmigung (vgl. Mattes, 2006, S. 2).


Migrationsrouten

Maghreb ist aufgrund seiner geographischen Lage ein Dreh- und Angelpunkt für die illegale Migration nach Europa. Die Haupanlaufpunkte in Spanien sind die Kanarischen Inseln sowie das südliche Festland. Da die marokkanischen Behörden den Hauptmigrationsausgangspunkt in Nordmarokko blockiert haben, weichen die Flüchtlinge über weitere Routen aus. Die Zahl der ankommenden Illegalen lag 2006 mit steigender Tendenz bei 20.000 (vgl. Mattes, 2006, S 2f.). Bei den Überfahrten nach Europa kommt es häufig zu Verletzten und Toten, deren Zahl aufgrund von vielen Unglücken auf dem Meer nur geschätzt werden kann (vgl. Migration und Bevölkerung, 2005).

Die illegalen Migranten, die nach Spanien einreisen, stammen überwiegend aus den westafrikanischen Staaten Ghana, Guinea-Bissau, Kamerun, Mali, Nigeria und Senegal. Dabei ist das Phänomen der illegalen Einreise in die spanischen Exklaven Ceuta und Mellila nicht neu. An den Grenzen stehen die Soldaten der Guarda Civil und versuchen die Wanderungsprozesse einzudämmen. 2005 haben sich die Einreiseversuche erhöht, da Spanien bis Ende 2005 den Grenzzaun von 3m auf 6m erhöhte. Auch durch die Einführung des Grenzüberwachungssystems SIVE (Integriertes System zur Außenüberwachung) seit 2002 an der Küste Andalusiens und der Kanarischen Inseln, wurde die Überfahrt auf dem Seeweg erschwert (vgl. Migration und Bevölkerung, 2005).

Folgen für Spanien
Spanien hat sich seit den 1980er Jahren von einem Aus- zu einem Einwanderungsland entwickelt. Daraus, dass Spanien bis 1985 keine Ausländergesetz hatte, resultiert die kontinuierlich anwachsende illegale Migration. Erst das 2000 verabschiedete verschärfte Ausländergesetz, in dem eine konsequente Bekämpfung der illegalen Einwanderung im Mittelpunkt steht, brachte eine kleine Verbesserung. Seit 1990 hat sich Spanien als das Land in Europa mit der höchsten illegalen Einwanderungsrate herauskristallisiert (vgl. Migration und Bevölkerung, 2003). Hinzukommen weitere Folgen für den Küstenbereich. Durch die Zäune, die immer weiter erhöht werden, wird nachhaltig in den Küstenabschnitt eingegriffen.
 

3. 

Küstenmanagement

Eine Küste, die so vielseitig und intensiv genutzt wird wie in Spanien, bedarf eines ausgearbeitetes Küstenmanagements.

Um den Schutz der spanischen Küste zu sichern, ist der „National Shores Act“ ein bestehendes Instrument. Dieses Gesetz erscheint als hilfreich, um die Entwicklung an den Küstenzonen hinsichtlich der Urbanisierung, die zu den Hauptbedrohungen an den spanischen Küsten gehört, zu kontrollieren. Allerdings kann dieses Gesetz nicht als Naturerhaltungsgesetz gesehen werden, denn nicht alle unbeschädigten Gebiete, die es noch entlang der spanischen Küste gibt, sind automatisch durch den „National Shores Act“ geschützt. Ein solches Gesetz wäre aus Sicht der Natur wünschenswert.

 

In diesem Kapitel geht es nun um die rechtlichen Grundlagen und Zuständigkeiten inkl. Fallbeispielen.

 

3.1. 

Rechtliche Grundlagen

Es gibt keine nationale Gesetzgebung zum Küstenmanagement in Spanien. Bis vor Kurzem gab es sogar eine bedeutende Lücke hinsichtlich des Interesses am Küstenmanagement von der Regierung. Es hat beispielsweise elf Jahre gedauert, die gesetzliche Regelung vom „National Act“ in 1969 anzunehmen. Inzwischen gibt es rechtliche Rahmen und eine Reihe von gut entwickelten Gesetzen. Diese sollen eine bessere Integration der wirtschaftlichen Entwicklung bedeuten, die Erhaltung der Natur fördern und darin eingeschlossene Gesetze, die speziell auf Küstenschutz ausgelegt sind, umsetzen. Der „National Shore Act“ von 1988, der 1991 erneuert wurde, ist der wichtigste unter diesen. Trotz der rechtlichen Rahmen gibt es entlang der Küste viele Naturgebiete die bedroht sind. Wenn es um die Erhaltung der Küstenlinien geht, ergeben sich einige Probleme, die u.a. auch aus dem „National Shores Act“ hervorgegangen sind. Das Hauptziel des Gesetzes ist, die Küste im Sinne von Gemeingut-Charakter zu schützen. Genau dabei liegt das Problem, denn es wird versichert, dass jeder Zugang zur Küste erhält. Der Naturschutz ist zwar auch ein Ziel, wird allerdings dem Hauptziel untergeordnet. Der „National Shore Act“ legt aber auch einige Nutzungsrechte in Bezug auf die Küste und ihren Schutz fest. Außerdem werden die Verantwortlichkeiten für die Küstenzonen unter den verschiedenen Behörden unterschieden. Die Zentralregierung ist für die Pflichten, die aus dem „National Shore Act“ hervorgehen, verantwortlich.

 

Der „National Shores Act“ besagt, dass, wenn ein Gebiet außergewöhnliche Natureigenschaften besitzt, wird das Gesetz dem dort geltenden Gesetz für Naturschutz untergeordnet. Dies aber bezieht sich nicht auf außergewöhnliche Schönheiten der Natur. Kurzum, alle Gebiete, die es wert sind geschützt zu werden, brauchen einen rechtlichen Schutzstatus. Diesen Status für ein Gebiet zu erhalten, ist nicht leicht, denn die Entscheidung eines Naturschutzgebietes liegt bei den autonomen Regionen und diese haben oft sehr unterschiedliche Auffassungen, welches Gebiet Schutz bedarf und welches nicht. Das ist der Grund dafür, dass viele Küstengebiete von herausragender Schönheit keinen Schutz erhalten und der „National Shores Act“ hat keine Regelungen dafür, dass diese Gebiete geschützt werden müssen.

 

Die Gesetze können als Beispiel genutzt werden, wie Küstenschutz betrieben werden kann auch im Hinblick auf massive Bauprojekte. Jedoch fehlen zwei Elemente im „National Shores Act“ : integrierte Planung und Naturschutz. Auch die Realisierung von strengen Kontrollen der Umsetzung tragen zur Effektivität eines Gesetzes bei.

 

Damit geben die rechtlichen Grundlagen eher einen düsteren Ausblick für die Zukunft für viele besondere Gebiete an der spanischen Küste und das, obwohl ein zunehmendes Bewusstsein in Spanien entwickelt wird, dass ihre Küste essentielle Bedeutung für sie hat.

 

(http://www.coastalguide.org/icm/spain.html)

 

3.2. 

Zuständigkeiten

1978 wurde die grundlegende Verwaltung vom Staat an die autonomen Regionen übergeben. Zu dieser Verwaltung gehört u.a. auch

Jede autonome Region hat „Regional Coastal Departments“. Viele von ihnen entwickeln regionale Küstenzonen-Richtlinien, die als gute Grundlage dienen könnten, aber in der Realität anscheinend nur wenig umgesetzt werden. Es gibt keine einheitlichen Strukturen in den autonomen Regionen und viele haben keine spezielle Personen für die Verantwortung über die Planung und das Management von Küstengebieten.

(http://www.coastalguide.org/icm/spain.html)

 

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EUCC ist ein Verein zur Förderung des Integrierten Küstenmanagement (IKZM) und verfolgt das Ziel durch Informationsbereitstellung Küstenmanagement zu fördern.

 

EUROSION beschäftigt sich mit EU-Projekten zum Küstenmanagement. Auf der Homepage der "Coastal Union" sind weitere Informationen und verschiedene Prjoekte zu finden.

Das "EUROSION" Portal verfügt  über Daten zum Küstenmanagment und diverse Fallstudien zur Erosion. Daraus werden unter 3.3. auch zwei Studien vorgestellt.    

 

 

 

3.3. 

Aktivitäten und Fallstudien

Erosion

In den meisten Fällen, wenn Küstenerosion auftritt, wird eine Lösung verlangt, die besonders von Bedeutung ist, wenn die erodierte Küste wichtige Nutzungen (z.B. wirtschaftlich) in einer Region erfüllt. Lösungswege bringen meist hohe Ausgaben und Kosten mit sich. Eine der wichtigsten und am weit verbreitesten Möglichkeiten ist die künstliche Aufschüttung von Stränden, die als „softer“ Eingriff betrachtet wird. Entlang der katalonischen Küste ist die künstliche Aufschüttung die am häufigsten genutzte Lösung.

Künstliche Aufschüttungs-Projekte müssen gut geplant sein, denn andernfalls können sie bei schlechter Planung noch zu weiteren Problemen (besonders bei ökologischer Betrachtung) führen. Wenn aber ein Projekt gut geplant ist, stellt sich die Frage, wer die Kosten übernimmt. Es klingt logisch, dass die Gesellschaft dafür aufkommen muss, weil es ein Naturproblem ist und alle angeht, aber wer soll die Kosten tragen wenn die Probleme aus anthropogenen Handlungen erfolgen? In Spanien erfolgt die Umsetzung und Finanzierung der künstlichen Aufschüttung durch das Ministerium für öffentliche Arbeiten.

 

Fallbeispiel der künstlichen Aufschüttung (Eurosion)

 
Ort: Can Picafort (Alcudia), Balearische Inseln, Mallorca

Das Gebiet, das in der Fallstudie dargestellt wird, liegt in der Bucht von Alcudia mit einem Küstenabschnitt von 5 km Länge (von Can Picanfort bis S`Oberta). Hier findet man Sandstrand und Dünen vor. Die Hauptnutzung des Küstenabschnittes ist Tourismus und Erholung. Verschwindet der Strand aufgrund von Erosion, hat das erhebliche wirtschaftliche Folgen für die Bewohner und nicht nur für die, die in der Nähe der Küste wohnen.

  Zum Lesen
PDF-File
Eurosion Can Picafort

(PDF, 290,2 kB)

Die Gezeiten sind fast nicht zu bemerken und die höchsten Wellen erreichen nicht mehr als 4 Meter auf offener See. Zwei voneinander unabhängige, sedimentäre Zellen können in der Bucht von Alcudia bestimmt werden (eine im Norden und eine im Süden der Bucht). Diese Fallstudie befasst sich mit den sedimentäre Zellen im Norden. Der durch die Wellen verursachte Transport (südöstlicher und nordwestlicher Richtung) wird als wichtigster Prozess in der Bucht gesehen. Die Studie dieses Küstenabschnittes zeigt Erosion und Ablagerung an unterschiedlichen Plätzen. Der untersuchte Erosionstyp ist ein schrittweiser Verlust von Sediment aufgrund des Süd-Nord-Transports.

Die Möglichkeiten der Gegenmaßnahmen sind begrenzt und erlauben nur einen bedingten Eingriff. Die angenommene Strategie beruht auf künstlicher Aufschüttung von Sand.

(http://www.eurosion.org/shoreline/47canpicafort.html)

 

 

 

 

Fallbeispiel in Gross, San Sebastian, Spanien (Eurosion)

 

Der Strand von Gross ist relativ offen mit starker Ausbuchtung und Hartgestein im Untergrund. Das Gebiet der Fallstudie begrenzt sich auf 800 Meter. Die Nutzung des Abschnittes ist hauptsächlich Tourismus. Die Fischereiwirtschaft ist hier kaum noch von Bedeutung.

Der Hauptgrund für die Erosion ist der Mensch, der seit dem 20. Jahrhundert den Strand für sich nutzt. Zudem lösten Wellenbrecher und die Mauer der Esplanade Erosion und Sandverlust aus.

  Zum Lesen
PDF-File
Eurosion Gross

(PDF, 261,8 kB)

Die Situation der Instabilität der Küste brachten die Regierung dazu, ein Regenerationsprojekt in die Wege zu leiten. Verschiedene Möglichkeiten, der Erosion entgegenzuwirken, wurden diskutiert. Zum einen wurde ein Auffangbecken errichtet und zum anderen am Strand Sand aufgeschüttet.

 

4. 

Perspektiven

Spaniens Küste wird auf vielfältige Weise, wie wir ausreichend unter dem Menüpunkt "Nutzung der Küstenzone" beschrieben haben, genutzt. Daher existieren viele Herausforderungen, die Spanien bewältigen muss. Daher nimmt Spanien am IKZM-Programm der Europäischen Union teil, die im Folgenden erklärt wird. Zum Abschluss werden wir ein Fazit ziehen und vorhandene Defizite herausstellen.
 

4.1. 

Herausforderungen

Die wichtigsten Probleme an der Mittelmeerküste sind die zunehmende Verkünstlichung der Küste, welche durch einen unaufhaltsam expandierenden Tourismus zurückzuführen ist. Die städtische Zersiedelung, der Bau von Zweitwohnsitzen sowie die Versiegelung von Böden sind nur einige zu nennende Punkte. Weitere Probleme sind die Veränderungen in der Küstendynamik der Küstengewässer- und uferbereiche, das Schwinden der traditionellen Fischerei, die Degradierung von Ökosystemen und Habitaten, verstärkte Umweltrisiken entlang der Küste, Verlust und Degradierung der Landschaft sowie Umweltprobleme aufgrund von Aquakulturen, Wassersportaktivitäten und Schiffstransport.

Des Weiteren gilt es, die fünf Interessengruppen (Regierungsstellen; Privatsektor; Nicht-Regierungsorganisationen; Wissenschaftler und Experten; Küstenbewohner) miteinander zu vereinen. Dadurch, dass es nicht nur zu Interessenskonflikten zwischen den Gruppen, sondern auch innerhalb der Gruppen kommt, wird dieses Vorhaben nicht sehr einfach. Die unterschiedlichen Positionen reichen von intensiv ausgerichteten Umweltzielen bis zu einem ökonomischen Wachstum auf Kosten der Nachhaltigkeit.

(vgl. http://www.rupprecht-consult.de/iczm/iczm_national_reporting_spain.htm)


Schlecht geplante touristische Erschließung

Eine richtige Planung und Verwaltung bei der Tourismusentwicklung kann einen finanziell wertvollen Beitrag zur Belebung der Küstenzonen leisten. In der Realität hat sich der Tourismus eher zufällig entwickelt und verursacht schwerwiegende ökologische und soziale Probleme. Zum Beispiel kam es zu einer hohen Trinkwasserbelastung, was zu erheblichen Problemen geführt hat. Durch den erhöhten Wasserverbrauch, gelang eine hohe Konzentration von Salzwasser in den Grundwasserbereich, welches folglich ungenießbar wurde. Eine weitere Folge ist erhöhte Meeres- und Luftverschmutzung durch den vermehrten Verbrauch von fossilen Brennstoffen. Dabei spielt vor allem die steigende Zahl von verliehenen motorisierten Fortbewegungsmitteln eine wichtige Rolle. Ferner ist auch der Einklang des unkontrollierten Wachstums mit den lokalen traditionellen Wirtschaftsstandorten ein Ziel. Viele mussten ihren eigenen Beruf aufgeben und arbeiten in der Gastronomie und Hotellerie (vgl. Europäische Kommission, 2001, S. 7f.).


Der Rückgang der Fischwirtschaft

Die vielen Küstenstädte wurden in der Historie von dem Fischfang geprägt. Aktuell stehen die Fischer vor großen Schwierigkeiten. Als Hauptgrund gilt die Überfischung, die zu einem dramatischen Rückgang geführt hat und viel Arbeitsplätze in Gefahr gebracht hat. Die EU hat als ersten Schritt die Fischerei begrenzt. Die Fischereistädte mussten durch den Verlust des traditionellen Stadtbildes einen enormen Rückgang an Besucherzahlen verzeichnen (vgl. Europäische Kommission, 2001, S. 8ff.).


Schlechte Planung der Verkehrswege

Viele Gebiete sind aufgrund des unkontrollierten Wachstums der Tourismusbranche durch ein ungeplantes Verkehrsnetz geprägt. Die Straßen wurden ausschließlich für die Touristenströme gebaut; Einheimische sind häufig von der „Außenwelt“ abgeschnitten. Daher muss das vorrangige Ziel sein, einen Ausgleich herzustellen (vgl. Europäische Kommission, 2001, S. 10f.).


Die zunehmende Verstädterung

In den letzten Jahrzehnten hat die Bebauung der Mittelmeerküste in Spanien enorm zugenommen. Doch werden ähnliche Szenarien in den kommenden Jahren für die Atlantikküste hervorgesagt. Dennoch war die Bebauung, teilweise illegal, häufig vom Zufall geprägt und hatte keinen stadtplanerischen Hintergrund. Viele dieser Häuser werden als Zeitwohnsitz genutzt und stehen die überwiegende Zeit des Jahres leer. Dadurch wurden viele natürliche Lebensräume zerstört und die Einheimischen von den Küsten abgeschnitten (vgl. Europäische Kommission, 2001, S. 11f.).


Erosion

Durch die Gezeitenbewegungen sind die Erosionsprozesse vor allem an der spanischen Atlantikküste natürlichen Ursprungs. Sie spielen allerdings im Hinblick auf die Umwelt nur eine geringe Rolle. Dagegen wird das Gefährdungspotential in Städtenähe als höher angesehen. Eine Verhinderung der Erosionstätigkeiten wurde in der Vergangenheit durch kostspielige Projekte, jedoch ohne großen Erfolg, durchgeführt. Daher ist das Ziel, einen wirksamen Schutz für die Küstenbewohner zu gewährleisten (vgl. Europäische Kommission, 2001, S. 12f.).


Verschmutzung

Die Küstenzonen sind in zweierlei Hinsicht durch Verschmutzung bedroht. Die erste Bedrohung geht vom Meer aus, z.B. durch Tankerunfälle und hinaustretendes Öl. Vor allem auf wichtigen internationalen Schiffrouten wie die Straße von Gibraltar existiert ein erhöhtes Gefahrenpotential. Zwar gilt der Schiffverkehr als relativ umweltfreundlich, dennoch haben solche Unfälle zumeist katastrophale Auswirkungen. Die zweite Bedrohung der Küstenzonen geht vom Landesinneren aus. Die Verschmutzung aus dem Binnenland, vor allem von Fabriken und Betrieben, gelangt durch Flüsse an die Küsten. Dabei stellt die Nitratanreicherung durch die Düngung in der Landwirtschaft sowie durch die tierischen Exkremente eines der größten Probleme dar. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, muss die Zusammenarbeit zwischen den Küstenregionen und dem Binnenland verbessert werden. Die von der EU beschlossene „Wasserrahmenrichtlinie“ ist dafür der erste Schritt in die richtige Richtung (vgl. Europäische Kommission, 2001, S. 14ff.).


Steigende illegale Migrationsrate

Für die Zukunft muss es ein weiteres Ziel für Spanien sein, die illegale Migration einzudämmen. Dafür muss eine konsequente Migrationspolitik eingeführt werden, dass sich Spanien selbst mit der Konsolidierung der Einwanderung die Frage der Integration der Migranten immer stärker stellen. Dazu gehört auch eine Zusammenarbeit mit den Maghrebstaaten, die mit dem ersten Treffen 2006 eingeleitet wurde.

(vgl. http://www.focus-migration.de/Spanien.1236.0.html)

 

4.2. 

IKZM-Strategie

Ein entscheidender Faktor für ein langfristiges Wachstum und das Wohlgefühl der Bürger in der Europäischen Union ist ein ökologisch guter Zustand der Meere und Küstengebiete. Daher wurde 2002 auf europäischer Ebene ein Beschluss gefasst, indem alle Mitgliedstaaten aufgefordert wurden, eine nationale Bestandsaufnahme durchzuführen und nationale Strategien zu entwickeln. Um sich über gegenseitige Erfahrungen auszutauschen, wurde eine intensive Kooperation zwischen den teilnehmenden Ländern vereinbart. Dazu wurden auch acht Grundsätze für ein gutes Integriertes Küstenzonenmanagement implementiert (vgl. Rupprecht-Consult, 2006, S. 23).

Bis Juni 2006 haben 18 der 24 Mitgliedstaaten und damaligen zukünftigen Beitrittsländer offizielle Berichte über die Implementierung der EU-IKZM-Empfehlung abgegeben. Die vollständige Umsetzung hatte bis zum August 2006 noch kein Land vorgenommen. Spanien war zum damaligen Zeitpunkt eines der sieben Länder neben Deutschland, Finnland, Malta, Portugal, Rumänien und dem Vereinigtem Königreich, bei dem die Durchsetzung einer nationalen IKZM-Strategie bevor stand (vgl. Rupprecht-Consult, 2006, S. 26).

Die teilnehmenden Länder grenzen alle an ein oder mehrere Regionalmeere, wodurch diese in fünf Gebiete unterteilt wurden:

Da Spanien an den Atlantik und an das Mittelmeer grenzt, werden wir uns auch nur mit diesen zwei Regionen detailliert beschäftigen.

 

Die atlantische Küstenmeerregion

Die Strategien und Aktivitäten bezüglich des IKZM an der atlantischen Küste sind noch in der Entwicklung. Neben Spanien sind auch das Vereinigte Königreich, Irland, Belgien, die Niederlande, Frankreich und Portugal am Küstenschutz dieser Region beteiligt. Diese haben überwiegend die EU-Empfehlungen für eine IKZM-Strategie übernommen. Dennoch zeigt sich, dass nicht alle beteiligten Länder mit der gleichen Intensität die Ziele verfolgen. Die vereinbarten vertikalen und horizontalen Informations- und Beteiligungsflüsse wurden vernachlässigt. Einzig Spanien zielt auf eine komplette Umsetzung für das Jahr 2008. Gegenüber den anderen europäischen Regionalmeeren fehlt der atlantischen Küste eine Regionalpolitik, die die gemeinsamen Probleme auf einer Regionalmeerebene behandelt.

 

Die Mittelmeerregion

Der Fortschritt an der Mittelmeerküste ist sehr variiert zu betrachten. Nur Malta, Frankreich, Slowenien und Spanien haben sich intensiv mit dem Integrierten Küstenzonenschutz befasst. Spanien hatte schon in einer ersten Phase (2002-2006) eine Strategie entwickelt. In einer zweiten Phase (2007-2008) wird sich Spanien mit weiteren Detailplanungen der Aktivitäten befassen, so dass 2008 die komplette Implementierung vollzogen sein soll. Ein Grund für die Umsetzung 2008 war, dass man den Beteilungsprozess in der übrigen EU abwarten wollte. Leider sind aus spanischer Sicht die grenzüberschreitenden Organisationen und Kooperationsstrukturen nicht sehr ausgeprägt.

 

Trotz aller Hindernisse muss es Spaniens Ziel sein, seine Vorschläge schnellstmöglich umzusetzen und wichtige Schritte für ein Gelingen des IKZMs einzuleiten. Dazu gehören die geeignete Verteilung von Kompetenzen, Funktionen und Aufgaben auf allen Ebenen. Außerdem müssen erste IKZM-Projekte umgesetzt werden, um die Vorteile herauszustellen und eine verbesserte Kommunikation zwischen den Interessengruppen zu demonstrieren. Dafür hat die EU ein Neun-Punkte-Programm herausgegeben, um strategische Empfehlungen zu geben:

 

1. Stärken der europäischen Dimension von IKZM basierend auf einem Regionalmeeransatz

2. Anheben des IKZM-Profils und Stärken der Integration von sektoralen Politiken

3. Ausarbeiten eines strategischen IKZM-Ansatzes, der auf einer ausgewogenen sozialen, ökonomischen und kulturellen Entwicklung basiert

4. Ausgehen von bedeutenden langfristigen Risiken: Katastrophenanfälligkeit und Klimawandel

5. Zustimmen zur Bewusstseinsbildung, Leitlinienerstellung, Ausbildung und Bildung

6. Verbessern der Koordination und Teilhabe von Betroffenen und Interessengruppen

7. Allgemeine Abstimmung der Europapolitiken

8. Harmonisieren der Monitoring- und Evaluierungsrahmen

9. Verbessern der Wissensbasis von IKZM

 

Aktueller Stand

2006 wurden erste Projekte in die Wege geleitet. Für den Schutz von Bauwerken an Küsten sowie für die Wiederherstellung der Küsten wurden 35 Millionen € investiert. Weitere 6 Millionen € wurden für den Director’s Plan der Nachhaltigkeit ausgegeben.

Spanien will in Zukunft auf regionale, nationale und europäische Foren mit Unparteiischen setzen, die mit Hilfe der EU gegründet werden sollen. Die spanische IKZM-Strategie sieht z.B. Unparteiische im nationalen Küstenrat vor. Allerdings besitzt Spaniens Bestreben sowohl auf nationaler sowie auf europäischer Ebene nicht genügend Akzeptanz.

Aktuell liegt ein Fokus auf den Flusseinzugsgebieten. Dabei ist ein wichtiges Durchführungsinstrument die EU-Wasserrahmenrichtlinie. Dabei sollen die autonomen Behörden für den Flussschutz an die Küstenverwaltung angegliedert werden.

(vgl. www.rupprecht-consult.de/iczm/iczm_national_reporting_spain.htm)

 

4.3. 

Defizite und Fazit

Spaniens Küste wird aufgrund seiner Lage zwischen zwei Kontinenten und Meeren von unterschiedlichen Faktoren beeinflusst. Die verschiedenen Eigenschaften des Ozeans und des Binnenmeers wirken differenziert auf die Küste, was selbstverständlich fürs Integrierte Küstenzonenmanagement zu berücksichtigen ist. Des Weiteren besitzt Spanien sehr viele bedeutende Hafenstädte, die sowohl in der Vergangenheit als auch in der Zukunft wichtige Wirtschaftsstandorte waren und sind. Weiterhin zeigt es, dass auch auf der Iberischen Halbinsel die Fischereiwirtschaft immer weiter durch die Aquakulturen verdrängt wird, worin Spanien in Europa zu den führenden Kräften gehört. Ein wesentlicher Nutzungsfaktor ist der Tourismus, der vor allem an der Mittelmeerküste ausgeprägt ist. Diese und noch weitere Küstennutzungsformen gilt es bei den Überlegungen zum Integrierten Küstenzonenmanagement zu berücksichtigen.

 

Spanien gehörte zu den ersten Nationen, die einen Bericht für ein IKZM bei der Europäischen Union eingereicht haben. Allerdings geschah der erste Schritt relativ unüberlegt, wodurch der das spanische IKZM unübersichtlich und unkontrolliert erscheint. Ein weiteres Defizit ist, dass die Zuständigkeiten auf die autonomen Regionen verteilt sind und dadurch keine nationale Gesetzgebung wie in anderen europäischen Meeresanrainerstaaten existiert. Daher ist auch die Zusammenarbeit mit den anderen Küstenstaaten zusammengebrochen, so dass es keine gemeinsam verfolgende Linie gibt.

 

Für Spanien existieren viele Herausforderungen, die Spanien beim IKZM zu bewältigen hat. Dennoch besitzen die Spanier viele gute Ansätze wie das Fahrverbot für unsichere Tanker, die konsequent verfolgt werden müssen. Weiterhin ist auch das Bewusstsein für die Notwendigkeit für ein IKZM gestiegen, wobei eine ausgereifte Umsetzung bislang fehlt. Daher muss Spanien auf eine nationale Gesetzgebung pochen und die Zusammenarbeit mit den übrigen EU-Länder wieder aufzunehmen und zu fördern.

 

5. 

Literatur

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Abbildungen