Disclaimer:
Der "Küstenatlas Ostsee" umfasst unabhängige regionale Module zu einzelnen Küstenzonen. Die einzelnen Module sind zum Selbststudium gedacht und richten sich an Fachleute, Studenten aber auch Touristen, die einen kurzen Überblick über die verschiedenen Küstenzonen der Ostsee erhalten möchten. Der Küstenatlas wurde von Studenten im Rahmen des Geographiestudiums an der Universität Kiel erarbeitet.

Rügen

Autor
Daniel Koch

Vor über 200 Jahren begann die begeisterte Beschreibung der Insel Rügen. Nicht nur die ersten Touristen, sondern auch Dichter, Wissenschaftler, Künstler und Schriftsteller, wie Ernst Moritz Arndt, Caspar David Friedrich oder Theodor Fontane ließen sich durch die Faszination der Insel inspirieren. Der Reiz der Insel geht wohl nicht nur von der einmaligen Landschaft, sondern auch von Flora und Fauna, sowie dem Zusammenspiel von Land und Meer aus. Keine der 319 Städte und Dörfer ist weiter als 8 km vom Meer entfernt. Riesige Steilküsten, weiß leuchtende Kreidefelsen, kilometerlange Sandstrände, Buchten, Felder, Wiesen, dunkle Buchen- und lichte Kiefernforste prägen die wunderschöne Landschaft.

 

1. 

Kenndaten zur Region

Übersichtskarte Rügens

Die größte deutsche Insel bedeckt eine Fläche von 926 km². Zusammen mit den Inseln Ummanz (20km²), Hiddensee (18,6 km²) und einigen kleineren Inseln ergibt sich eine Gesamtfläche für den Kreis Rügen von 972,6 km². In der maximalen Länge misst Rügen 52 km (von Süd nach Nord) und eine maximale Breite von 41 km. Wodurch sich eine Gesamtlänge der Küste von 574 km ergibt. Ausgewiesen sind 39 Strände an der Außenküste mit einer nutzbaren Länge von ca. 48 km. An der Boddenküste kommen noch einmal 41 Strände mit einer Länge von ca. 13 km dazu, woraus sich eine Geamtlänge der Badestrände von 61 km ergibt. Der höchste Punkt ist mit 161 m der Piekberg (Jasmund). 76.200 Menschen gehören dem Landkreis Rügen, mit seiner Kreisstadt Bergen an. Weitere Städte sind Putbus, Sassnitz und Garz. Hinzu kommen die Ostseebäder Binz, Sellin und Göhren.

 

2. 

Natur und Landschaft

 

2.1. 

Klima

Da der Badetourismus für Rügen als Fremdenverkehrsregion eine zentrale Rolle spielt, ist das Klima von entscheidender Bedeutung für die Zufriedenheit der Feriengäste. Durch die Insellage verfügt Rügen über klimatische Besonderheiten. Die Insel befindet sich im Klimagebiet des „Ostseeklimas“, welches sich entlang der gesamten mecklenburgisch-vorpommerschen Küste einschließlich ihrer Inseln, in einem schmalen Streifen erstreckt. Das ozeanisch geprägte Ostseeklima zeichnet sich durch einen niedrigen Jahresmittel und einer geringen Jahrestemperaturschwankung aus. Die phänologischen Daten sind verzögert. Der Frühling ist feucht und kühl, der Sommer warm und unbeständig, der Herbst beständig und der Winter teils streng oder milde und feucht, aber immer lang anhaltend.

http://www.klimadiagramme.de/Deutschland/arkona.html

Man unterscheidet zwei Klimabezirke. Der West-Rügener-Nordmecklenburgische Klimabezirk umfasst die Insel Hiddensee und den Westteil Rügens. Östlich schließt sich der Ost-Rügener-Usedomer Klimabezirk, bis zur polnischen Grenze, an. Aufgrund der Jahresschwankung der Lufttemperatur von 1° C unterscheidet man diese beiden Klimabezirke. Diese Kontinentalitätszunahme entsteht aufgrund der Erhöhung der Temperatur in östlicher Richtung. Auffällig ist das besonders reizstarke Seeklima an der Westküste sowie auf Hiddensee. Beide Klimabezirke zeichnen sich durch einige Merkmale aus. So dominieren maritime gegenüber kontinentaler Luftmassen. Die tägliche Sonnenscheindauer liegt durchschnittlich bei 4-6 Stunden, im Juli wird das Maximum von 8-11 Stunden erreicht. Die relative Luftfeuchtigkeit beträgt in den küstennahen Bereichen 70-95%. An den Küsten fällt verhältnismäßig wenig Niederschlag. So belaufen sich die Niederschlagssummen auf 530-620 mm/a, so dass sie als Trockengebiete (unter 650 mm/a) eingestuft werden müssen. Aufgrund dessen, obwohl durch die Meeresnähe eine hohe Luftfeuchtigkeit vorherrscht, kann das Rügener Klima nicht als rein ozeanisches Klimas gewertet werden.

Die geringen Niederschlagssummen lassen sich durch das Fehlen großer Erhebungen und das Abregnen der maritimen Luftmassen über den westlichen Landmassen, sowie der allgemeinen Abnahme atlantischer Strömungen über Landflächen und in Richtung Osten, erklären. Auffällig ist die Variabilität der Jahresniederschläge. Sie schwankt zwischen knapp 500mm auf Mönchgut (Liesschow/Ummanz) und 700mm um Bergen und in der Stubnitz. Die gleichmäßige Niederschlagsverteilung ist durch ein sommerliches Maximum und ein winterliches Minimum gekennzeichnet. Im Einflussbereich der russischen Winterhochdruckgebiete wird winterliche Kaltluft herangeführt, wodurch sich strenge Fröste ergeben. Klimaextreme an der Küste werden durch die Ostsee im Gegensatz zum Landesinneren abgemildert. In Mecklenburg-Vorpommern nehmen die durchschnittlichen Temperaturen im Januar landeinwärts und nach Osten hin ab. Die durchschnittlichen Temperaturen im Juli liegen bei knapp 17° C. Im März und April herrschen noch Nieselregen und Nasskälte vor.

Durch die flache Südküste Rügens ist eine starke Abhängigkeit von der Zyklonentätigkeit, die durch die europäische Großwetterlage bestimmt ist und eine unbeständige Witterung hervorruft, vorhanden. Nach dem Rückgang der Zyklonentätigkeit im September ist hauptsächlich heiteres und beständiges Wetter vorzufinden. Der Wind kann häufig sehr rau, aber auch sehr milde sein. So liegt mit 43,8% die jährliche Häufigkeit von Windstärken über drei Beaufort (Hiddensee 72,3%). Eine Wassertemperatur von 17° C wird nur von Mitte Juni bis Anfang September erreicht. Die Mittelwerte der letzen Jahrzehnte lassen erkennen, dass das mitteleuropäische Wetter sommerlicher und trockener wird.

 

2.2. 

Geologie

Auf dem heutigen Gebiet Rügens wurden bereits vor 120000 bis 130000 Jahren, in den ersten beiden großen Eiszeiten durch skandinavische Inlandgletscher, Sedimente abgelagert. Rügen entsstand aber erst durch die Gletscher der jüngsten Eiszeit. Sie hinterließ durch ihren Vorstoß über das damalige Festland End- und Grundmoränen, Gletscherzungen- und Toteisbecken, Sölle, Oser und Schmelzwasserrinnen. Damit war, obwohl die Ostsee noch nicht existierte, die Basis für das heutige Rügen geschaffen.

Die Entwicklung reicht aber noch bis in die Oberkreide vor 70 bis 80 Mio. Jahren zurück. Das Weltmeer der Oberkreide bedeckt auch Rügen. In einer etwa 100 km breiten Zone innerhalb der Ostwestausdehnung, in 200 bis 400 m Meerestiefe, lagern sich hier gewaltige Mengen Kalkschalen kleinster Meeresorganismen ab. Über die Jahrmillionen hinweg erreicht das Sediment stellenweise Mächtigkeiten von 400 m.

An und in den Kreidekliffs von Arkona und Jasmund liegen zwischen Millionen Feuersteinen zahlreiche Fossilien, wie z.B. Kalkschwämme, Korallen, Seesterne, Seeigel, Dickmuscheln, Belemnitenrostren und Donnerkeile. Die Feuersteine enstanden aus abgestorbenen Organismen, welche die im Kalkschlamm vorkommene Kieselsäure banden. In bestimmten Abständen lassen sich heute die im Kreidekliff verlaufenden Feuersteinbänder erkennen. Der schräge Verlauf dieser beweist die Verkippung und Aufpresssung der Kreideschollen durch die Gletscher der letzten Eiszeit.

Am Ende der Kreidezeit weicht das Meer langsam zurück, es beginnt die Erdneuzeit, das Tertiär. Braunkohle, welche in dieser Zeit entsteht findet man auf Rügen nur sehr wenig, umso mehr ist aber vom Bernstein zu finden. Dieser fossile Harz entstand aus Nadelhölzern, besonders aber von den so genannten Bernsteinkiefern. Im Skandinavischen Raum kommt es am Ende des Tertiärs zu einer erheblichen Abkühlung, woraus starke Niederschläge und Gletscher resultieren. Diese Gletscher dringen über den Ostseeraum, bis teilweise zu unseren Mittelgebirgen vor. Unsere Landschaft wird durch sie geprägt. Weiterhin hinterlassen sie gewaltige Ablagerungen.

In 340000 Jahren gibt es drei Kälteperioden: die Elster-, die Saale-, und die Weichseleiszeit. In den dazwischen liegenden Wärmeperioden ist ein Teil des Ostseeraums mit Meer bedeckt. In der Weichseleiszeit kommt es, in den bereits mit Geschiebemergel überdeckten Kreidegebieten von Arkona und Jasmund zu einer Erdkrustenbildung, die eistektonisch noch begünstigt wird. Es bilden sich die Schreibkreidehorste, die nun den aus Nordost heranrückenden Gletschern im Wege sind. Der dicke Eispanzer „öffnet“ die Kreidehorste und schiebt sie über alle Hindernisse hinweg, wodurch sich neuer Geschiebemergel ablagert. Dabei werden die Kreideschollen vertikal verschoben.

Beim letzen Stadium der Gletschervorstöße wird der Kreidehorst Jasmunds, später auch der Arkonas nicht mehr „überfahren“. Die Hindernisse wirken als „Gletscherstromgabel“ – das Eis teilt sich. Es entsteht der nördliche Beltsee-Eisstrom, der nach Westen verläuft, und der östliche Oder-Eisstrom, der eine südliche Richtung einnimmt. Der Eisrand der abgespaltenen Loben, aktive Gletscher, löst sich in Gletscherzungen auf. Die Aktivität dieser ist unterschiedlich. Auf Westrügen bilden sich durch das Abschmelzen im Beltsee-Eisstrom, Toteisfelder und eine leicht gewellte Grundmoränenebene. Der Oder-Eisrom ist für die Prägung von Ostrügen von größerer Bedeutung. Von Jasmund bis Mönchgut ist das Eis so aktiv, dass es die Landschaft regelrecht modelliert. Durch einen Abbruchgletscher des Oder-Eisstroms, dem sogenannten „Mönchguter Lobus“ werden in Richtung Westen mehrere, bis zu 20 m tiefe Becken geschürft. Schon durch die ersten Gletschervorstöße der Nordrügenstaffel, sind im Bereich Ostrügens Gletscherzungenbecken sowie Grund- und Stauchmoränen entstanden. Bei längeren Gletscherstillstand, wenn abschmelzendes und nachrückendes Eis im Gleichgewicht ist, werden durch Schmelzwasser Endmoränen aufgeschüttet (Mittelrügensche Stillstandslage). Diese Moränen bestehen aus, von Skandinavien mitgeführten, Gestein, welches zum großen Teil fein, als Geschiebemergel abgelagert wird. Weiterhin werden Kiese, Schotter und die bekannten Findlinge mitgeführt. Die Formung der Landschaft ist abgeschlossen.

Die darauf folgende Erwärmung bringt die Gletscher zum Schmelzen. Nach dem Abschmelzen bleibt das Gebiet Rügens noch lange Zeit Festland, da die Ostsee noch nicht existiert. Doch im mittleren Ostseeraum hat sich, durch das Abschmelzen, der Baltische Eissee gebildet. Vor etwa 8000 Jahren hebt sich der Wasserspiegel, so dass eine Verbindung zu den Weltmeeren entsteht. Durch den abnehmenden Eisdruck in Süd- und Mittelschweden vor etwa 6800 Jahren hebt sich das Land an, was eine Unterbrechung zu den Weltmeeren zur Folge hat. Zwischen 5500 und 2000 v. u. Z. erfolgt stufenweise die Litorinatransgression. Es beginnt eine Überflutung großer Landesteile da sich der Meeresspiegel um ca. 18 m hebt. Es werden erstmals die Inselkerne Wittow und Jasmund sowie Mönchgut umflutet. Durch die Brandung an den Inselkernen enstehen Steilufer. Das abgelagerte Material wird durch bestimmte Küstenströmungen meist wieder im Strömungsschatten angelagert. Es entstehen zwischen 3000 und 2000 v. u. Z. Nehrungen die teilweise die Inselkerne miteinander verbinden. So wachsen Wittow und Jasmund, das zentrale Rügen und Mönchgut zusammen.

Auch gegenwärtig gibt es noch ständige Küstenabtragungen und gleichzeitig damit verbundene Landversetzungen. Sichtbare Abtragungen sind z.B. seit jeher bei Arkona, am Kreidekliff von Jasmund sowie am Dornbusch auf Hiddensee zu beobachten. Landbildungen finden sich am Gellen, Neuen Bessin auf Hiddensee und am Rügenschen Bodden. Der neue Bessin, der erst in der vorletzen Jahrhundertwende entstanden ist, wuchs seitdem mehr als 3,5 km nach Süden. Das Material stammt hauptsächlich vom Dornbusch Inselkern. Zu einem der größten Uferausbrüche seit Jahrzehnten, welche v. a. durch Oberflächenerosion entstehen, kam es 1958 am Kreidekliff der Stubnitz. Mehr als 100.000 Kubikmeter Kreidestein lösten sich und rutschten ins Meer. Schon 8 Jahre später war der gesamte Ausbruch vom Meer abgetragen worden – es bildete sich eine neue Küstenlinie. Aber nicht nur durch Erosion, sondern auch durch Sturmfluten kommt es zu solchen Abbrüchen. Rügen wurde von mehr als 80 Sturmfluten in historischen Zeiten heimgesucht. So entstand 1304 das „Neue Tief“, eine Bodensenke südlich von Thiessow. Weiterhin gab es 1864 und 1872 schwere Sturmfluten. So wurde Hiddensee südlich von Neuendorf in zwei Hälften gespalten. Zu nennen ist auch die Entstehung der 14 Feuersteingeröllwälle im Naturschutzgebiet „Schmale Heide“, welche von großen Sturmfluten vor über 4.000 Jahren aufgeschüttet wurden.

Das heutige Rügen wurde so in weniger als 10.000 Jahren vom Meer geformt.

 

2.3. 

Naturraum

Die Kreidesteilküste von Jasmund, mit ihren Kliffs, gehört genauso wie der 117 m hohe Königsstuhl und das Kap Arkona zum Pflichtprogramm eines Rügenbesuchs. Wanderungen auf den aus der Kreide herausgebrochenen Feuersteinen am Fuß der Felsen oder im Waldgebiet Stubnitz an der Oberkante der Steilküste vermitteln gewaltige Eindrücke. Die anderen Steilküsten Rügens, die teilweise Höhen von über 40 m erreichen, sind Kliffs aus Geschiebemergel, die von der See langsam abgetragen werden. Weiterhin findet man vor der Göhrener Küste den riesigen Buskam, einen Findling mit einem Gewicht von 1626 Tonnen. Rügen ist geprägt durch die Durchdringung von Land und Meer und den Wechsel von Steil- und Flachküsten. So findet man im Norden und Osten der Insel eine hügelige Endmoränenlandschaft, im Süden und Westen dagegen flaches Land.

Das heutige Relief ist im Wesentlichen auf zwei Prozesse zurückzuführen: die eiszeitliche Überformung im Pleistozän und küstendynamische Prozesse der Ostsee im Holozän. Die Prägung der Küstengestalt entstand aus dem mehrmaligen Ansteigen des Meeresspiegels, welches mit starker Sedimentation verbunden war, vor ca. 6000 bis 8000 Jahren. Die Boddenausgleichsküste entstand durch Abtragung und Anlagerung von Inselkernen, wobei die Bodden isoliert wurden. An der Seeseite wechseln hohe materialliefernde Steilküsten mit langen akkumulierenden Flachküsten; die Boddenseite ist durch fossile Kliffstrecken, vermoorte Niederungen und ausgedehnte Röhrichtflächen geprägt. Vor allem im Norden und Osten ist der Wechsel von Steil- und Flachküste zu erkennen. Durch Nehrungen oder Haken geschützt bzw. fast isoliert von der offenen See, bildet eine Kette von Bodden, Binnenküsten aus.

Der große Formenreichtum Rügens wird durch die vielseitige Vegetation der Insel unterstrichen. Die Landschaft wird durch die große Anzahl von Wäldern geprägt. In den ausgedehnten Buchenmischwaldgebieten Stubnitz auf Jasmund und die Granitz im Südosten Rügens, ist vor allem die Traubeneiche häufig zu finden. Im Westen und der Mitte der Insel sind Nieder- und Mittelwälder zu finden. An den Flachküsten wurden aus Gründen des Küstenschutzes Kiefernforste angelegt. Landwirtschaftliche Felder von über 100 ha sind im reliefarmen Flachland zu finden. Die besten Böden sind auf der nördlichen Halbinsel Wittow zu finden, welche zum Gemüseanbau genutzt werden. Weiterhin findet man auf Rügen eine große Anzahl Vegetationsgesellschaften und Biotopen, wie Wälder, Moore, Hutungen, Salzweiden, Zwergstrauchheiden und verschiedene Küstenlandschaften. Beispielhaft für diese vegetative Vielseitigkeit sind der Nationalpark „Jasmund“, der Nationalpark „Vorpommersche Boddenlandschaft“ und das Biosphärenreservat „Südostrügen“.

Im Nationalpark von „Jasmund“ ist eine einzigartige Kreidehorstlandschaft mit einem durch starke Küstendynamik unterworfenen Steilufer zu finden. Allein im Waldgebiet Stubnitz sind in Tälern, Kleingewässern, Mooren, Bächen und Quellen, 20 verschiedene Orchideenarten zu finden.

Der Nationalpark „Vorpommersche Boddenlandschaft“ umfasst außer der Insel Hiddensee, der Halbinsel Bug und dem Größten Teil der rügenschen Westküste die benachbarten Halbinseln Darß und Zingst, das Fischland sowie die dazwischen liegenden Boddengewässer. Die Landschaft besteht vor allem aus Salzwiesen, Röhricht, Magerrasen und Heiden, in denen 10 Seeadlerpaare, 40.000 Kraniche und 70.000 Enten rasten, brüten und überwintern. Die typische südbaltische Küstenlandschaft zeigt alle Formen der natürlichen Küstendynamik einer Ausgleichsküste.

Die Jungmoränenlandschaft des Biosphärenreservats „Südostrügen“ besteht vor allem aus Hutungsflächen auf Trockenrasen, den größten Deutschlands.

22 Neben- und Halbinseln gehören zum Landkreis Rügen. Interessant ist die 19,7 km² große Insel Ummanz die mit Rügen über eine 250 m lange Brücke verbunden ist. Aufgrund ihrer geringen Höhe wurde sie vollständig eingedeicht und wird jetzt hauptsächlich zur Jungrinderzucht genutzt. Weiteres Augenmerk ist auf die nur 1 km entfernte, 18,6 km² große, Fährinsel Hiddensee und die Insel Vilm im Rügenschen Bodden zu legen.

 

2.4. 

Gewässer

Die Salz- bzw. Brackwasser führenden Bodden sind Meeresbuchten, die nur durch eine oder mehrere schmale Verbindungen einen sehr eingeschränkten Wasseraustausch mit der offenen See haben. Der kleine Jasmunder Bodden zeichnet sich praktisch durch einen Binnenwassercharakter aus. Die Bodden weisen ausgedehnte Röhrichtflächen auf und neigen zur Verlandung. Einige Bodden, wie z.B. der Große Jasmunder und der Rügische Bodden eignen sich nur zum Baden, sondern auch zum Segeln und Angeln. Neben zahlreichen Touristen, finden sich dort auch eine große Anzahl von verschiedenen Wasservögeln. Die 23 Seen, Teiche und Moore, sowie die wassergefüllten ehemaligen Kreidebrüche und andere Kleingewässer sind teils aus Naturschutzgründen, teils aus hygienischen Gründen für den Badebetrieb gesperrt, bieten aber für die Wasservögel wichtige Rückzugsgebiete und Rastplätze.

 

3. 

Geschichte und Kultur

 

3.1. 

Geschichte

Die ältesten Siedlungsspuren auf Rügen gehen in die Jungsteinzeit zurück und stellen mit der Zeit einen wichtigen Brückenpfeiler zu Skandinavien. Mit ihren reichhaltigen Fundstätten der Ur- und Frühgeschichte zählt Rügen zu den größten Fundstätten des Ostseeraums. Nach der Abwanderung der germanischen Stämme im 3.-4. Jahrhundert, folgt zu Anfang des 6. Jahrhunderts die Neubesiedlung durch slawische Stämme. Von dem Stammesverband der Ranen, der sich in den folgenden Jahrhunderten entwickelt, stammt wahrscheinlich der Name Rügen. Den ältesten Beleg für den Inselnamen Rügen liefert eine in der ersten Hälfte des 12. Jahrhundertsgefälschten Urkunde, aus der hervorgeht, dass Kaiser Lothar I. die Insel „Rugacense“ am 20. März 844 dem Kloster Corvey an der Weser geschenkt haben soll. Im 11. und 12. Jahrhundert hatte die wirtschaftlich-politische Entwicklung der Ranen ihren Höhepunkt. Es entstehen bis ins 12. Jahrhundert 26 Burgwälle Die Ranen machen den Dänen die Herrschaft in dieser Region streitig, wobei es in der folgenden Zeit zu Kämpfen, Überfällen und Plünderungen kommt. Erst ein gemeinsamer Kriegszug des sächsischen Herzogs Heinrich des Löwen (1156-1180) und des dänischen Königs Waldemar I. (1157-1182) setzt der ranischen Selbständigkeit ein Ende.

Am 19. Mai 1168 landen die Dänen auf Rügen und unterwerfen die slawischen Ranen, Dänemark. In der folgenden Christianisierung und dem Engagements des Bischofs von Roskilde unterstellt der Papst Alexander III., Rügen dem Bistum Roskilde, worauf Rügen in neun Vogtbezirke aufgeteilt wird. Die deutsche Besiedlung Rügens erfolgt aber erst wesentlich später. Im Allgemeinen siedelten die Deutschen getrennt in eigenen Dörfern oder eigenen Ortsteilen. Diese Situation ermöglichte es, dass die ranischen Lebensverhältnisse unter deutschen Verfassungs- und Verwaltungsstrukturen weitgehend erhalten blieben. Die slawische Sprache verschwindet erst am Anfang des 12. Jahrhunderts, nachdem die beiden Bevölkerungsgruppen langsam miteinander verschmolzen. 1319 wird die 1313 gegründete, erste deutsche Stadt Rugendal, nach Garz verlegt. Bis Bergen 1613 das Stadtrecht erhielt, blieb Garz die einzige Stadt auf Rügen. Nach dem Tod des letzen rügischen Fürsten 1325 fiel das Fürstentum mit der Insel Rügen an die Herzöge von Pommern, die sich das Erbe gegen die mecklenburgischen Ansprüche erkämpfen mussten. Im Laufe der Zeit ging die staatsrechtliche Bindung Rügens an Dänemark fast völlig verloren – Dänemark verzichtet bis 1648 trotzdem nicht offiziell auf die Lehensoberhoheit.

Für Pommern war die zweite Hälfte des 16. und der Beginn des 17. Jahrhunderts eine wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit. Erst mit Beginn des Bauernlegens im letzten Viertel des 16. Jahrhunderts treten nachhaltige Veränderungen im ländlichen Siedlungsbild Rügens auf. Neben dem Landbesitz erhielten die Adelsgeschlechter die unbeschränkte Verfügungsgewalt über die Bauern, die es ihnen ermöglichte ihren Besitz auf Kosten der Bauern zu vergrößern. So entstanden aus dieser Situation in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts und zu Beginn des 17. Jahrhunderts viele neue Rittergüter und zahlreiche neue Herrenhäuser. Auch der Dreißigjährige Krieg, nach dessen Ende zwei Drittel aller Hofstellen wüst lagen und die Bevölkerung halbiert war, förderte die Vernichtung des Bauernstandes und die Zunahme des adligen Großgrundbesitzes. Als 1645 die Leibeigenschaft eingeführt wurde, welche erst am 4. Juli 1806 wieder aufgehoben wurde, verschärfte sich die Situation.

Noch waren die Wunden des Dreißigjährigen Krieges nicht verheilt, als neue Kriegwirren die Insel heimsuchten. Während des schwedisch-dänischen Krieges wurden im Jahr 1657 bei dem Einfall der Dänen mehrere Ortschaften erneut zerstört. 1675, nach der Schlacht bei Fehrbellin und der Niederlage Schwedens, landen dänische und brandenburgische Truppen auf Rügen. 1679 kommt die Insel erneut unter schwedische Herrschaft. 1715 besetzen die Dänen wiederum Rügen für fünf Jahre, wonach sie an Schweden zurückgegeben wird. Am 1. Oktober 1807 muss die antinapoleonische Koalition, zu der Schweden zählte, Rügen an Frankreich abtreten, welches die Insel bis 1813 behält. In den Verträgen vom 4. und 7. Juni wird Schwedisch-Pommern mit Rügen schließlich nach über 160 Jahren schwedischer Herrschaft an Preußen abgetreten. Seit 1817 gehört der Kreis Rügen zum Regierungsbezirk Stralsund, seit 1932 zu Stettin der preußischen Provinz Pommern. Nach dem 2. Weltkrieg fiel Rügen an das Land Mecklenburg und von 1952 an war die Insel dem DDR-Bezirk Rostock unterstellt. Seit 1990 gehört Rügen zum Land Mecklenburg-Vorpommern.

 

3.2. 

Kultur

Den ersten Eindruck, der vor allem in der DDR favorisierten Plattenbauarchitektur, bestätigt die Insel Rügen nicht. So erregen vor allem an der Ostküste die Seebäder Binz, Sellin und Göhren durch ihre besondere Bäderarchitektur Aufsehen. Weiterhin ist auch die Stadt Putbus einen Besuch wert. Eine großzügige, komplett unter Denkmalschutz stehende, klassizistische Anlage, mit zwei Plätzen, dem runden Circus und dem rechteckigen Marktplatz charakterisiert die kleine Stadt. Von besonderer prägender Bedeutung sind auch die vielen kleinen Orte mit ihren Reetdachhäusern, bei denen vor allem Breege mit seinen zahlreichen Kapitänshäusern und das unter Denkmalschutz stehende Fischerdorf Vitt, zu nennen sind.

Nachdem Rügen nach dem 30jährigen Krieg 1325 an Schweden fiel, kam es zu einer Ausweitung des Großgrundbesitzes. So entstanden in dieser einige Schlösser und zahlreiche Gutshäuser. Doch nicht alle Schlösser blieben bis heute erhalten. So überdauerten das größte Schloss auf Rügen in Putbus und das Schloss in Dawasieden nicht bis in unsere Zeit. Als Alters- und Pflegeheim wird hingegen das um 1900 errichtet Schloss Renaissanceschloss in Ralswiek genutzt. Das Spycker Schloss diente bis 1989 als FDGB-Fereinheim. Eine weitere interessante Anlage, im florentinischen Rundbogenstil 1840 in der Granitz erbaut, besitz einen 38 m hohen Aussichtsturm. Das 1834 erbaute Jagdschloss von Karnitz, ein interessanter burgähnlich her Bau mit Achtecktürmen und Zinnen, wurde 1991 von zwölf Familien bewohnt. Weiterhin befinden sich in Lietzow noch zwei weitere Schlösser.

Auf Zentralrügen sind sehr viele Gutshäuser zu finden. Ein sehr aufwendiger Bau ist beispielsweise das Gutshaus in Granskevitz; mit Turm und Wassergraben. Architektonisch sehr interessant sind auch das aus dem 17. Jahrhundert stammende Gutshaus in Boldevitz, das gut erhaltene Herrenhaus in Ralswiek und das Jugendstil-Gutshaus in Klein Kubbelkow.

Interessant ist auch der 75 ha große, ehemalige Schlosspark in Putbus. Ein Englischer Garten, der bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts angelegt wurde und in dem mehr als 60 Baumarten zu finden sind. Im Park sind weiterhin ein Schwanenteich mit Freitreppe, eine klassizistische Kirche, ein Mausoleum, ein ehemaliges Affenhaus, sowie die als Cafe und Galerie genutzte Orangerie.

Bekannt sind auch die vielen Alleen auf Rügen, vor allem deswegen, da diese in Westdeutschland aufgrund der Verkehrssicherheit häufig von den Straßenrändern entfernt wurden. Ein bedeutendes Kulturelement bilden die Allen aus Krimlinden, Eichen, Kastanien, Eschen, Birken und Bergulmen.So stehen 28 besonders schöne Alleen auf Rügen schon länger unter Schutz. Hier ist v. a. die Krimlindenallee zwischen Garz und Kasnevitz zu nennen.

Ein beliebtes Ausflugsziel sind auch die beiden Leuchttürme bei Kap Arkona – der 1826 erbaute viereckige Leuchtturm und sein schwarz-rot-gestreifter Nachfolger, welcher 1903 fertig gestellt wurde. Weitere Leuchttürme sind weiterhin am Saßnitzer Hafen, südlich von Neuendorf auf Hiddensee und ein weiterer an der Westküste Hiddensees zu finden. Weitere Sehenswürdigkeiten sind das Museumsschiff „Luise“, eine Außenstelle des Mönchgut-Museums Göhren und das Windschöpfwerk bei Lobbe, welches als Technisches Denkmal unter Schutz steht. Die bekannteste Attraktion ist wohl der „Rasende Roland“, der seit 1975 unter Denkmalschutz steht. Fünf Dampflokomotiven verbinden die Bäder Südrügens mit Putbus. Auf einer Gesamtstrecke von 24,4 km werden so jeden Sommer über 2000 Touristen befördert.

Das Bruttoinlandsprodukt pro Erwerbstätigen betrug 2001 34.799 EURO, um somit nur 88% des landesweiten Wertes. Daraus zeigt sich die Notwendigkeit um Bemühungen die wirtschaftliche Situation zu verbessern. Die unterdurchschnittliche wirtschaftliche Situation Rügens spiegelt sich auch in den Arbeitslosenzahlen wieder. Die Arbeitslosenquote betrug im Jahre 2003 18,7%, unterlag aber starken jahreszeitlichen Schwankungen (16,5% im August, 26,4% im Februar).

Die Unternehmensstruktur zeichnet sich durch kleine Betriebe aus, die jedoch in einem großen Branchenmix vorkommen. Großunternehmen sind auf Rügen fast keine zu finden. Ausnahmen bieten hier das Euro Baltic Fischverarbeitungszentrum in Sassnitz-Mukran und das Fischwerk der Neuen Rügen Fisch GmbH. Für den Industrie- und Gewerbestandort Sassnitz-Mukran wird erhofft, dass weitere geplante Ansiedlungen einen Impuls auf die Standortentwicklung ausüben werden. Die Anzahl der Unternehmen verteilt sich in 74 Betriebe der Land- und Forstwirtschaft, sowie der Fischerei. 180 Betriebe finden sich im Bereich des Verarbeitenden Gewerbes, Energie und Wasserversorgung. Im Baugewerbe 96. Weiterhin gibt es 1.393 Unternehmen des Handels, 1.212 Gastgewerbe, 276 im Bereich Verkehr und Nachrichtenübermittlung und 1.201 im Kredit- und Versicherungsgewerbe, sowie Dienstleistungen. Die 26.000 Beschäftigten verteilen sich in folgende Wirtschaftszweige: in Land- und Forstwirtschaft, sowie der Fischerei 920, im Bergbau und der Gewinnung von Steinen und Erden 57, im Verarbeitenden Gewerbes, Energie und Wasserversorgung 2.103, Baugewerbe 2.305, Handel 3.517, Gastgewerbe 4.643, Verkehr und Nachrichtenübermittlung 1.979, Kredit und Versicherungsgewerbe 416, Grundstücks- und Wohnungswesen 2.454, Öffentliche Verwaltung 1.826 und öffentliche und private Dienstleistungen 6.026. Somit spiel die Land- und Forstwirtschaft, sowie die Fischerei nur eine untergeordnete Rolle, obwohl das reliefarme Flachland Rügens sich sehr gut für die Landwirtschaft eignet. Als Folge der Zusammenfassung zu LPG´s sind die Felder oft sehr groß (einige über 100 ha). Die besten Böden sind auf der nördlichen Halbinsel Wittow und werden für intensiven Gemüseanbau genutzt.

 

4. 

Wirtschaft & Tourismus

Das Bruttoinlandsprodukt pro Erwerbstätigen betrug 2001 34.799 EURO, um somit nur 88% des landesweiten Wertes. Daraus zeigt sich die Notwendigkeit um Bemühungen die wirtschaftliche Situation zu verbessern. Die unterdurchschnittliche wirtschaftliche Situation Rügens spiegelt sich auch in den Arbeitslosenzahlen wieder. Die Arbeitslosenquote betrug im Jahre 2003 18,7%, unterlag aber starken jahreszeitlichen Schwankungen (16,5% im August, 26,4% im Februar).

Die Unternehmensstruktur zeichnet sich durch kleine Betriebe aus, die jedoch in einem großen Branchenmix vorkommen. Großunternehmen sind auf Rügen fast keine zu finden. Ausnahmen bieten hier das Euro Baltic Fischverarbeitungszentrum in Sassnitz-Mukran und das Fischwerk der Neuen Rügen Fisch GmbH. Für den Industrie- und Gewerbestandort Sassnitz-Mukran wird erhofft, dass weitere geplante Ansiedlungen einen Impuls auf die Standortentwicklung ausüben werden. Die Anzahl der Unternehmen verteilt sich in 74 Betriebe der Land- und Forstwirtschaft, sowie der Fischerei. 180 Betriebe finden sich im Bereich des Verarbeitenden Gewerbes, Energie und Wasserversorgung. Im Baugewerbe 96. Weiterhin gibt es 1.393 Unternehmen des Handels, 1.212 Gastgewerbe, 276 im Bereich Verkehr und Nachrichtenübermittlung und 1.201 im Kredit- und Versicherungsgewerbe, sowie Dienstleistungen. Die 26.000 Beschäftigten verteilen sich in folgende Wirtschaftszweige: in Land- und Forstwirtschaft, sowie der Fischerei 920, im Bergbau und der Gewinnung von Steinen und Erden 57, im Verarbeitenden Gewerbes, Energie und Wasserversorgung 2.103, Baugewerbe 2.305, Handel 3.517, Gastgewerbe 4.643, Verkehr und Nachrichtenübermittlung 1.979, Kredit und Versicherungsgewerbe 416, Grundstücks- und Wohnungswesen 2.454, Öffentliche Verwaltung 1.826 und öffentliche und private Dienstleistungen 6.026. Somit spiel die Land- und Forstwirtschaft, sowie die Fischerei nur eine untergeordnete Rolle, obwohl das reliefarme Flachland Rügens sich sehr gut für die Landwirtschaft eignet. Als Folge der Zusammenfassung zu LPG´s sind die Felder oft sehr groß (einige über 100 ha). Die besten Böden sind auf der nördlichen Halbinsel Wittow und werden für intensiven Gemüseanbau genutzt.
 

4.1. 

Tourismus

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Bereits 1750 begann die touristische Entwicklung Rügens. Schon von Anfang an war eine kontinuierliche Steigerung der Nachfrage zu erkennen. Der Tourismusboom war um die Jahrhundertwende zu verzeichnen. Dieser brach aber während des Ersten Weltkriegs völlig zusammen und konnte sich in den Zwischenkriegsjahren nur leicht erholen. Der Zweite Weltkrieg brachte noch einen größeren Einschnitt mit sich. Die nach dem Krieg eingetretene Wohnungsnot durch eine Vielzahl von Flüchtlingen, zerstörte die Funktion von den Hotels und Pensionen, die nun für die Flüchtlinge zur Verfügung standen. Erst in der Phase der sozialistischen Herrschaft konnten einige dieser Etablissements ihre Funktion wiedergewinnen.

Seit 1950 galt Rügen als schier überlaufen. In den 50er Jahren wurden mit Aufbau des sozialistischen Erholungswesens die privaten Fremdenverkehrsbetriebe verstaatlicht. Diese Verstaatlichung erfolgte zuerst unsystematisch, in den 60er und 70er Jahren zunehmend organisiert. Die Urlauberzahlen stiegen so bis zum Höchststand 1989 mit ca. 900.000 Besuchern und 26 Mio. Übernachtungen kontinuierlich an. Rügen besaß somit die Funktion der wichtigsten Urlaubsregion in der DDR.

Mit der Wiedervereinigung sanken die Besucherzahlen aufgrund erhöhten Angebots der Urlaubsziele und mangelnden Komforts der Hotels und Pensionen auf ca. 580.000 Besucher und 3 Mio. Übernachtungen (1990). In den folgenden Jahren war ein stetiger Anstieg der Besucher zu verzeichnen (1994, 750.000 Besucher). Seit 1995 stieg die Zahl der Übernachtungen um beachtliche 88% an. Aber dennoch: aufgrund des großen Absinkens der Besucherzahlen im Vergleich zu 1989, nahm auch die Übernachtungskapazität ab. So gab es 1989 noch eine Übernachtungskapazität von ca. 110.000. Heute liegt sie bei ca. 60.000, wobei sie von 1995 an, um 95% zugenommen hat. Auf der Insel Rügen gibt es 635 touristische Betriebe.

Ein Großteil dieser liegt in den touristischen Schwerpunkten Südrügens, Mönchgut und Binz. Aber auch die Ostseebäder Baabe, Sellin und Göhren, sowie die Halbinsel Wittow, weisen eine große Anzahl von Übernachtungsmöglichkeiten auf.

Für die zukünftige Entwicklung der touristischen Nachfrage ist aufgrund der nicht genau abschätzbaren wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen keine genaue Prognose möglich. So müssen bei der Betrachtung aber verschiedenen Sachverhalte berücksichtigt werden. Rezessive Tendenzen in der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung können sich negativ auf den Tourismus auswirken. Positiv ist, dass Rügen eine Vielzahl von Stammgästen besitzt. Weiterhin ist zu berücksichtigen, dass die Reiseintensität der Deutschen eher konstant bleibt und dadurch keine touristischen Wachstumsschübe zu erwarten sind. Da aber Verlagerungen des Zielgebietes möglich sind, könnten durch Werbung Potentiale aus anderen Urlaubsgebieten abgezogen werden. Da sich die demographische Struktur der Deutschen zunehmend nach oben verschiebt, könnten die älteren Generationen eine besondere Zielgruppe darstellen. Weiterhin könnte Rügen durch verschiedene Sicherheitsbedenken in anderen Ländern, die durch eine erhöhte Anzahl von terroristischen Anschlägen entstanden sind, profitieren.

Eine Steigerung der Nachfrage soll durch eine Qualitative Verbesserung der Beherbungskapazitäten sowie Maßnahmen mit dem Ziel der Saisonverlängerung erreicht werden. Ausgeschlossen sind hierbei aber Ansiedlungen in Nationalparks, Biosphärenreservaten und in Naturparks. Es sollen Entwicklungen im Bereich der wasserbezogenen Aktivitäten, wie z.B. Segeln und Surfen, im Bereich des Kur-, Bade- und Gesundheitswesens, bei ökologiebezogenen Aktivitäten, wie z.B. Urlaub in der Natur, agrarbezogenen Angeboten (Urlaub auf dem Lande), sonnenbezogenen Aktivitäten, wie Strand und Meer, gruppen- und gesellschaftsbezogenen touristischen Aktivitäten und Entwicklungen im Bereich des internationalen Tourismus stattfinden. Ein weiterhin wichtiger Bestandteil ist auch die Entwicklung des Campingwesens.

Bei den verschiedenen Entwicklungen soll darauf geachtet werden, dass die Größenstruktur der Übernachtungseinrichtungen nicht in zu große Dimensionen vordringt und dass keine Konzentrationen auf der Insel entstehen, sondern dass diese Entwicklungen gleichmäßig über die Insel verteilt sind.

 

4.2. 

Landwirtschaft

 

4.3. 

Fischerei

 

4.4. 

Industrie

 

5. 

Natur und Küstenschutz

 

5.1. 

Naturschutz

Schließt man von den ab 1990 in der Presse Wellen schlagenden Berichten über das ökologische Notstandsgebiet der ehemaligen DDR auf einen allgemeinen geringen Stellenwert des Natur- und Landschaftsschutzes, so wird man auf Rügen angenehm überrascht. Es gab 1990 insgesamt sechzehn Naturschutzgebiete und ein Landschaftsschutzgebiet sowie zahlreiche Naturdenkmäler und Kulturlandschaftselemente. Die Schutzgebiete reichen von kleinen, vorwiegend dem Vogelschutz dienenden Inseln oder Halbinseln, Seen und Wieken über Magerrasenflächen und besondere Waldgesellschaften bis hin zu Gebieten mit speziellen morphologischen Strukturen, z.B. Kliffranddünen oder besonderen geologischen Erscheinungen wie die Feuersteinwälder bei Mukran. Weiterhin standen 83 Einzelbäume, 28 Alleen, 8 Parkanlagen sowie 22 Findlinge unter Schutz.

Positiv für den Besucher ist die gute Beschilderung und Erklärung der Gebiete, wodurch das Verständnis und die Sensibilisierung für die Naturschutzgebiete geweckt werden. Die spektakuläre Kreideküste gehört beispielsweise zum größten (15 km²) rügenschen Naturschutzgebiet „Jasmund“. In den Buchenwäldern findet man uralte Eiben, die Stechpalme, Große Segge, Berghirschwurz, Elsbeere und seltene Orchideen wie Frauenschuh und Rotes Waldvöglein. Im außergewöhnlichen Naturschutzgebiet „Feuersteinfelder“ am Kleinen Jasmunder Bodden wachsen Wacholder, Bergahorn, Schmaler Streifenfarn, Glanzkraut, Krähenbeere, Geflecktes Knabenkraut und Moosglöckchen. Im Naturschutzgebiet Hiddensee sind vor allem Sanddorn, Ginster, Heidekraut, Sonnentau, Glockenheide, Strandhafer, Stranddistel und Sauergräser sowie die einheimische Vogelwelt von Bedeutung. Interessant ist auch das Insel Naturschutzgebiet „Vilm“.

Die forstliche Nutzung endete bereits vor über 150 Jahren. Heute findet man dort v. a. Rotbuchen, Stieleichen, Hainbuchen und Wildobstbäume sowie eine reiche Bodenvegetation, besonders die Stranddistel und der Tatarenlattich. Bei der Fauna findet man v. a. elf Kleinsäger und 65 brütende Vogelarten; u. a. Waldkauz, Hohltaube, Zwergschnäpper, Brandgans, Gänsesäger und Seeadler.

Die Ausweisung mehrer Großschutzgebiete auf Rügen ist ein wichtiger Grundstock zum Erhalt der wertvollen Landschaftsteile. Besonders dabei ist, dass die Großschutzgebiete den positiven Ansatz haben, auf großen Teilen der Insel neue Modelle des Naturschutzes zu installieren. Hierbei geht es um eine Verbindung von Naturschutz und Naturnutzung. Der in den letzten Jahrzehnten betriebene Naturschutz, der sich auf aufwendig gepflegte – und nicht nutzbare – Totalreservate stütze, ist aufgrund seiner offensichtlichen Nachteile nicht weiter durchführbar. Jedoch stellt das Biosphärenreservat einen guten Ansatz dar, Naturschutz und Naturnutzung zu vereinen. Gestaltungsmöglichkeiten einer wünschenswerten Entwicklung innerhalb und außerhalb des Naturparks sind durch das Raumordnungsgesetz gegeben.

Es ist somit grundsätzlich kein Widerspruch, dass der Nationalpark „Jasmund“ und das Biosphärenreservat „Südostrügen“ im Landesraumordnungsprogramm als Räume mit besonderer Eignung für Fremdenverkehr und Erholung ausgewiesen sind. Dabei können Großschutzgebiete als Potential eines ökologischen bzw. ornithologisch orientierten Tourismus sinnvolle Dienste erweisen.

 

5.2. 

Küstenschutz

Von besonderer Bedeutung für den Küstenschutz sind die geschützten Dünengürtel und kilometerlangen Küstenschutzwälder zwischen Thießow, Göhren, Sellin, an der Schmalen Heide und der Schaabe. Die erosionsgefährdeten Gebiete von Südost Rügen und Hiddensee werden weiterhin durch Küstenschutzbauwerke geschützt. Diese Küstenschutzgebiete unterliegen besonderen Einschränkungen, wie z.B. dem Verbot Sandburgen zu bauen. Doch gibt es bei der Durchführung dieser und anderer Maßnahmen erhebliche Defizite, v. a. an den zahlreichen Campingplätzen in den Küstenschutzwäldern. Weiterhin verbietet ein Beschluss des Kreisrates von Rügen das Bauen in einem Streifen von 200m entlang der Außenküste und 100m entlang der Boddenküste. Dieses Verbot wurde nur in seltenen Ausnahmefällen durchbrochen.

 

6. 

Probleme und Perspektiven

 

6.1. 

Probleme

Die größten Probleme Rügens liegen in der hohen Arbeitslosigkeit und dem niedrigen Bruttoinlandsprodukt pro Erwerbstätigen. Weiterhin wird Rügen durch die große jahreszeitliche Schwankung der Arbeitslosigkeit vor Probleme gestellt. Da es nur wenige große Betriebe in der Fischverarbeitung gibt, wird es sehr schwer in der Zukunft sein, die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Der Tourismus der als wichtigste Einnahmequelle Rügens zu betrachten ist, wirft auch einige, v. a. ökologische Probleme auf. Durch die große Anzahl von Touristen und den damit verbundenen Umweltbelastungen, wie z. B. dem starken Autoverkehr, wird die Insel vor eine weitere große Aufgabe gestellt, die es zu bewältigen gilt.

 

6.2. 

Perspektiven

Den vorhandenen Problemen stehen eine relativ große Anzahl von Lösungsmöglichkeiten und Perspektiven gegenüber. Die einmalige Landschaft Rügens bietet gute Möglichkeiten den Tourismus zu forcieren. Vor allem im Bereich des Naturtourismus könnten zukünftige Entwicklungspotentiale genutzt werden, die auch für die Insel ökologisch zu vertreten sind. Eine weitere wichtige Zielgruppe des Tourismus, die es anzusprechen gilt, sind die älteren Urlauber. Rügen sollte gerade auch für sie vielfältigste Erholungsmöglichkeiten anbieten. Die durch die Entwicklung des Tourismus entstehenden Arbeitsplätze können das Problem der Arbeitslosigkeit eindämmen. Aber auch das Ansiedeln größerer Betriebe, von denen ein „Schub“ auf die einheimische Wirtschaft ausgehen könnte, wäre eine wünschenswerte, wenn auch schwer zu erreichende Maßnahme.

 

7. 

Quellen und Links

Helfer, M.: Tourismus auf Rügen – Chancen und Risiken der Umstrukturierung infolge der deutschen Einigung, Saarbrücken 1993.

Hofer, K. – J.: Rügen – Bilder einer Insel, Leipzig 1985.

Splittler, R.: Tourismus und Naturschutz auf Nord-Rügen – Möglichkeiten und Grenzen einer naturschutzverträglichen Tourismusentwicklung, Münster 1996.

Zdrenka, J.: : Die Inschriften des Landkreises Rügen, Berlin 2002.

Internet:

http://www.ruegen.de

http://www.ruegenstars.de