Disclaimer:
Der "Küstenatlas Ostsee" umfasst unabhängige regionale Module zu einzelnen Küstenzonen. Die einzelnen Module sind zum Selbststudium gedacht und richten sich an Fachleute, Studenten aber auch Touristen, die einen kurzen Überblick über die verschiedenen Küstenzonen der Ostsee erhalten möchten. Der Küstenatlas wurde von Studenten im Rahmen des Geographiestudiums an der Universität Kiel erarbeitet.

Falster

Autorin:
Nelly Friedland
Juli 2005

Abb.0-1: Ein Blick über den Grønsund. Man erkennt deutlich die sanfte Hügellandschaft Falsters, die durch die letzte Eiszeit geprägt wurde.
Die Insel Falster ist vielen nur als Durchgangsstation auf dem Weg von Deutschland nach Kopenhagen bekannt. Allerdings hat sie auch selber einiges zu bieten, gerade abseits des Massentourismus. Neben dem Tourismus sind Dienstleistungen als Wirtschaftszweig dominierend, und die Landwirtschaft besitzt immer noch einen relativ hohen Anteil an der Erwerbstätigkeit. Lange Sandstrände laden ebenso zum Verweilen ein wie die sanfte Landschaft.
Abb. 0-2: Die Lage Falsters in Dänemark: Die Insel liegt ganz im Süden.
 

1. 

Kenndaten zur Region

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Administration: Die vier Kommunen, die heute Anteile an Falster haben, werden ab 2007 zusammen mit den Kommunen Sakskøbing und Nysted (beide auf Lolland) eine neue Großkommune bilden. Dies geschieht im Rahmen einer umfassenden Strukturreform in Dänemark. Die neue Großkommune wird etwa 64.000 Einwohner haben.

Abb.1-1: Übersicht über die neue Großkommune und ihre Bestandteile.
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Bevölkerung:
Die Bevölkerung Falsters blieb in den Jahren 1970 bis 1996 relativ konstant.

Nykøbing Kommune veränderte von 1995 bis 2005 ihre Bevölkerung von 25 135 auf 25 483 Einwohner, Nørre Alslev von 9504 auf 9595, Sydfalster von 6801 auf 6953. Lediglich Stubbekøbing büßte einige Einwohner ein, hier änderte sich die Zahl von 6815 auf 6786.

Die Kommunen wiesen in den Jahren von 1990-1994 eine Bevölkerungsänderung von -1,1 bis +1,2 auf, während in dieser Zeit die Bevölkerung ganz Dänemarks um 1,2% stieg. Nørre Alslev (-1,1%) und Stubbekøbing (-0,4%) hatten zwischen 1990 und 94 sinkende Bevölkerungszahlen, in Nykøbing Kommune (+0,1%) und Sydfalster (+1,2%) stiegen sie im gleichen Zeitraum an. Für alle vier Kommunen bis auf Stubbekøbing erfolgte aber seitdem eine Zunahme der Bevölkerung.
Die höchste Bevölkerungsdichte weist mit 188 Einwohner/km2 Nykøbing Kommune auf, gefolgt von Sydfalster (61), Nørre Alslev (52) und Stubbekøbing (44).

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Wahlen: Bei der Folketings-Wahl im Jahre 1998 waren die Sozialdemokraten die stärkste Partei auf Falster mit insgesamt über 13000 Stimmen.

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2. 

Natur & Landschaft

Inhaltsverzeichnis:
2. Natur & Landschaft
2.1. Klima
2.2. Geologie
2.3. Naturraum
2.4. Gewässer
Abb.2-1: Das Tunneltal im Norden Falsters.
 

2.1. 

Klima

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Das Klima Falsters ist wie das ganz Dänemarks ozeanisch geprägt. Dies äußert sich in milden Wintern und vergleichsweise kühlen Sommern. Die Sonnenscheindauer ist jedoch angenehm hoch.

Die höchsten Niederschlagswerte weist der Juli mit durchschnittlich 62mm auf, die niedrigsten der Februar mit 31. Insgesamt kommt Falster auf 584mm Niederschlag pro Jahr. Zum Vergleich: In Norddeutschland sind es im Schnitt 700 bis 800mm. Dabei verteilt sich in der dänischen Inselregion der Niederschlag auf 113 Tage, wobei im Monatsmittel die Spanne von 8 Tagen (Februar, April, Mai, Juni) bis zu 12 Tagen (November) reicht.
Die Temperaturen erreichen im Juli und August mit 16,2 beziehungsweise 16,3 °C ihr Maximum, Tagsüber werden im August im Schnitt 20,7°C erreicht. Dei kältesten Monate sind der Januar mit -0,1°C und der Februar mit 0,0°C. Die Jahresmitteltemperatur beträgt 8,1°C.
Die Spannweite der Sonnenstunden reicht von lediglich 42 im Januar bis zu 218 im Juni. Insgesamt kann man sich auf im Schnitt 1546 Sonnenstunden pro Jahr freuen.

Im Vergleich dazu hat der Rest Dänemarks ein etwas kühleres Klima.

Sowohl die Durchschnittstemperaturen mit 15,6°C im Juli bzw. 15,7°C im August als auch die Tagestemperaturen mit 20,0°C im August sind für Gesamtdänemark niedriger.
Die niederschlagreichsten Monate sind auch hier der Juli (66mm) und der August (67mm). Der Februar weist als niederschlagärmster Monat 38mm auf. Mit einer Gesamtmenge von 712mm liegt der dänische Schnitt deutlich über dem der Südseeregion. Auch die Anzahl der Niederschlagstage ist mit 121 höher.
Obwohl die durchschnittliche Sonnenscheindauer in der Gesamtbetrachtung für die Wintermonate (Dezember und Januar) etwas höher ist (jeweils 43 Stunden), liegen sowohl die Anzahl der Sonnenstunden im Mai und Juni mit 209 Stunden als auch die Gesamtzahl von 1495 Stunden unter dem Schnitt der Inselregion.

Zum Vergleich: das Klima in Berlin-Dahlem ist insgesamt etwas wärmer, die Niederschlagsmenge ist in etwa gleich. (Siehe Bild)

 

2.2. 

Geologie

Das gesamte Gebiet der dänischen Inseln ist stark von der letzten Eiszeit, der so genannten Weichsel-Eiszeit, geprägt. In diesem Bereich oszillierte im Daniglazial der Eisrand und hinterließ seine Ablagerungen.
Falsters Untergrund besteht hauptsächlich aus Kreide, die ca. 20-30 m unter der Oberfläche anzutreffen ist. Darüber liegen die lehmigen Moränen, größere Sanderflächen fehlen auf Falster. Insgesamt ist der Untergrund homogen, die lehmigen, schwach gewellten Grundmoränen werden nur von Ausnahmen unterbrochen.

Geologische Strukturen: Mitten durch die Insel verläuft ein Endmoränenzug, der mit dem Bavnehøj (44 m ü NN) im Norden Falsters höchste Erhebung bildet, während der Rest der Insel Höhen von 0-20 m ü NN aufweist. Nach Süden hin führt der Moränenzug bis Gedser und submarin auch darüber hinaus.

Im nördlichen Teil Falsters befindet sich ein Tunneltal, das sich südlich von Stubbekøbing auf einer Länge von 13-14 km hinzieht und in Richtung Westen bis Nørre Vedby- Kirche reicht. Es ist etwa 10 bis 12 Meter tief. Auf seinem Grund befindet sich eine Reihe Seen, die aber größtenteils verlandet sind, sowie einige Moore.

In der gleichen räumlichen Ausrichtung verläuft ein Oserfeld, das im Osten bei Astrup beginnt und auf einer Breite von 100-200 m bis Virket reicht, das sind etwa 10 km. Es besteht aus Sanden und Kiesen, die auch in Kiesgruben abgebaut werden. Seitlich davon liegen die für Oserfelder typischen Niederungen.

Interessant ist die Entstehung der Südspitze Falsters: zunächst schoben die Weichsel-Gletscher, deren Hauptvorstoßrichtung Ost-West war, eine bogenförmige Hügelkette auf. Diese stellte in der Steinzeit eine Halbinsel dar. Im Mittelalter bildete sich ein System von Standwällen, das die Bucht bis auf zwei schmale Durchlässe abriegelte. Somit war Bøtø Nor als Lagune entstanden. Die Lagune ist heute verlandet.

Außerdem sind als interessante geologische Formationen unter anderem die Eisrandlage von Pomle Nakke bei Hesnaes und die Hügel von Nørre Vedby und Systofte zu nennen.

Neben eiszeitlichen Kräften ist Falster also auch vom Meer geprägt.
Die Küste Falsters war ursprünglich deutlich stärker zerklüftet als heute, kleine Buchten und Fjordarme waren überall zu finden. Durch Eindeichungen und Landgewinnung sind viele dieser Strukturen verschwunden.
 

2.3. 

Naturraum

Falster gehört zum Naturraum der Dänischen Südseeinseln. Die Region ist von der Weichsel- Eiszeit geprägt. Die Inseln bilden den Rest einer Landverbindung von Jütland nach Schweden.
Auf Falster dominieren Moränenküsten, die vor allem im Westen und Norden zu finden sind. Die Ostküste wird von Moränenkliffs geprägt, im Südosten ist das Strandwallsystem auffällig, das das Bøtø Nor abtrennt.
Insgesamt besteht die Landschaft Falsters aus lehmigen Grundmoränenhügeln. Der Untergrund ist weitgehend homogen. Es werden keine großen Erhebungen erreicht, der höchste Punkt Falsters ist mit 44 m ü NN der Bavnehøj im Norden der Insel.

Abb.0-1: Ein Blick über den Grønsund. Man erkennt deutlich die sanfte Hügellandschaft Falsters, die durch die letzte Eiszeit geprägt wurde.

Flora und Fauna:
In den meisten Teilen Dänemarks dominiert als Wald der durch Aufforstungen entstandene Nadelwald, der zum Beispiel beim Bøtø Nor zu finden ist. Im Wald von Korselitze herrschen aber Laubbäume, hauptsächlich Buchen, vor. Ansonsten ist die Wiese ein häufig auf Falster anzutreffender Landschaftstyp.
Das Bøtø Nor mit seinem 110 ha großen Vogelschutzgebiet bietet gute Beobachtungsmöglichkeiten für Vögel. Neben einigen Raubvogelarten wie z.B. Falken sind hier vor allem zahlreiche Zugvögel anzutreffen, die das Nor als Rastplatz benutzen. Allerdings gibt es auch diverse Vögel, die hier das ganze Jahr zu beobachten sind, wie die Graugans.

Abb. 2.3-2: Die Graugans ist einer der Vögel, die im Bøtø Nor beobachtet werden können.
 

2.4. 

Gewässer

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Falster besitzt nicht sehr viele Binnengewässer. Das Bøtø Nor wird heute über eine Kanal Richtung Westen entwässert, ansonsten existieren nur kleinere Flüsse.
Das Tunneltal im Norden Falsters beinhaltete ursprünglich eine Reihe kleinerer Seen, von denen aber nur Brarup sø und Skerne sø noch nicht vollständig verlandet sind. Weitere kleine Seen wie Listrup Lyng dienen zum Teil zum Angeln. Ursprünglich war das Bøtø Nor mit seiner Lagune ein wichtiges Binnengewässer, das jedoch heute vollständig verlandet ist. Lediglich kleinere Bereiche wurden renaturiert und diene heute als Naturschutzgebiet.

Deutlich wichtiger sind die umgebenden Teile der Ostsee. Zwischen Lolland und Falster liegt der Guldborgsund, der Grønsund bildet die Grenze zu Møn im Norden und Seeland wird über den Storstrømmen erreicht. Vor allem an der Ostküste wird gerne in der Ostsee gebadet. Nach der Badewasserkarte besitzen die Strände Falsters eine gute Wasserqualität. Die z.T hohe Schadstoffbelastung der Ostsee scheint in dieser Gegend (noch) nicht aufzutreten.

Abb. 3.2-1: Schloss Kronborg am Øresund, gesehen von der Fähre Helsingør–Helsingborg

 

3. 

Geschichte & Kultur

Inhaltsverzeichnis:
3. Geschichte & Kultur
3.1. Geschichte
3.2. Kultur
Abb.3-1: Nykøbing Falster waterfront
 

3.1. 

Geschichte

Abb.3.1-1: Nykøbing Slot sign

Bereits kurz nach der letzten Eiszeit (Ende ca. 10.000 v.Chr.) besiedelten Jäger und Fischer Falster. In der Jungsteinzeit und der Bronzezeit erbauten die inzwischen seßhaften Bewohner eindrucksvolle Grabanlagen, Hügel- und Großsteingräber. Die wichtigsten Wege über die Insel waren wohl ebenfalls schon zur Bronzezeit bekannt. In der Wikingerzeit (8.-11. Jahrhundert n.Chr.) lag Falster am wichtigen Handelsweg vom schwedischen Birka am Mälarsee nach Haithabu an der Schlei beim heutigen Schleswig. In diese Zeit fallen auch Einflüsse aus dem südlichen Ostseeraum. Funde von slawischer Keramik und einer Bootswerft in Fribrøbredalen bei Stubbekøbing, die um 1100 Schiffe nach slawischer Bauart fertigte, belegen die Kontakte ebenso wie slawische Ortsnamen auf Falster. Diese enden typischerweise auf -itse, das bekannteste Beispiel dafür ist sicherlich der Gutshof Korselitse, oder haben vinde- im Namen (Vindeby). Beit Virket befinden sich noch heute Reste des Falster Virke, ein Wallsystem, das vermutlich 1158 der Bevölkerung Schutz vor slawischen Angriffen bot.

Das 12.-14. Jahrhundert, auch die Waldemarszeit genannt, waren geprägt durch Waldrodungen und rege Bautätigkeiten. Neben Auseinandersetzungen mit den Slawen und der Hanse bereiteten Machtkämpfe zwischen König, Adel und Kirche Probleme. Die Friedensschlüsse mit der Hanse wurden 1365 und 1507 in Nykøbing unterzeichnet. Falster wie auch Lolland kam seit diesr Zeit eine große Bedeutung als Kornlieferant zu, die beiden Inseln befanden sich jedoch an der Peripherie des Reiches.

Ab der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts verlor der König an Macht, und im Jahre 1332 befand sich von ehemals drei königlichen Burgen auf Falster (Egenseborg, Nykøbinghus, Gedesgard) keine mehr in Kronbesitz. Das änderte sich mit der Regierung Waldemar Atterdags (ab 1340), der Burgen zurückeroberte, obwohl dem Adel weiterhin mehr Güter gehörten. Nach der Reformation war ab 1550 die Kirche als Machtfaktor weitgehend verschwunden, was die Zunahme des Kronbesitzes förderte.

1807 bis 1814 war das Gebiet um Falster ein wichtiger Schauplatz im Krieg gegen England.

Falster blieb auch in der Neuzeit unter Einfluss der südlichen Osteseegebiete, gerade in der Landwirtschaft wurden Impulse aus Holstein und Mecklenburg-Vorpommern aufgenommen. In den Jahren von 1868 bis 1900 verließen zahlreiche junge Männer Falster (mit Lolland zusammen etwa 13.500), um nach Amerika auszuwandern. Der Bedarf an Hilfskräften in der Landwirtschaft wurde hauptsächlich durch Arbeiter aus Polen gedeckt.

Ein einschneidendes Erlebnis war die große Sturmflut von 1872, bei der zahlreiche Menschen starben und das erst 1860 trockengelegte Bøtø Nor wieder überflutet wurde. Kurz darauf wurden viele Deiche verstärkt.

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Abb.3.1-2: Coat of arms (1655)

Um die Wende zum 20. Jahrhundert begann mit dem Bau der ersten 3 Ferienhäuser in der ehemaligen Künstlerkolonie Marielyst Falsters Karriere als Touristeninsel. Zu den Gästen zählte auch Franz Kafka.

Die Stadt Stubbekøbing war einst Falsters größte Siedlung. Sie erhielt 1354 die Stadtrechte. Ihre Kirche geht allerdings schon auf die Zeit von 1160-1180 zurück, es ist die älteste der Insel. Früher besaß Stubbekøbing auch eine Burg, deren Wurzeln ins 12. Jh. zurückreichen. Stubbekøbing war schon der Flottenübungsplatz Waldemars des Großen, da die Stadt strategische günstig gelegen ist. Als Kriegshafen war die Nähe zu Rügen sehr bedeutsam. Im Jahre 1288 erfolgte eine Plünderung durch die Anhänger Marsk Stigs, die Stubbekøbing auch niederbrannten. Als Handelsplatz konnte die Stadt sich schenll ausbreiten und erlebte im 15. Jh ihre Blütezeit, als mit der Heringsfischerei im Øresund viel Geld verdient wurde. 1478 konnte hier die Braut König Hans', Christine von Sachsen, begrüßt werden. Während des Englandkrieges von 1807-1814 Kam Stubbekøbing immer noch eine militärische Bedeutung zu- hier fanden Kaperer und Kanonenboote Schutz.

Nykøbing/ Falster ist heute die größte Stadt der Insel. Seit dem 12. Jh. gab es dort immer ein Schloß, das jedoch 1767 nach langem Verfall abgerissen wurde. Neben den beiden Friesdensschlüssen mit der Hanse (1365 und 1507) war die Stadt Ort eines Besuchs Zar Peter des Großen. 1716 war er mit seiner Flotte unterwegs und ging dabei in Nykøbing an Land. Statt im dafür hergerichteten Schloß speiste er jedoch im nächsten Gasthaus, das seitdem den Namen "Zarens Hus" trägt. Bedeutsam ist auch die 1532 erbaute Klosterkirche. Königin Sophia (1557-1631) nahm nach dem Tode ihres Mannes Frederik II. ihren Witwensitz im Schloß von Nykøbing. Sie stiftete der Kirche ien Altarbild und ließ eine Ahnentafel von ihrer Familie anferigen, das ebenfalls in der Klosterkirche von Nykøbing zu sehen ist.
Seit 1849 ist Nykøbing Bischofssitz.

 

3.2. 

Kultur

Abb. 3.2-1: Schloss Kronborg am Øresund, gesehen von der Fähre Helsingør–Helsingborg

Gerade in der Sommerzeit als Haupturlaubssaison bietet Falster diverse Kulturelle Möglichkeiten. Das Theater in Nykøbing ist für sein Sommerkabarett bekannt, und auf dem Marktplatz finden im Sommer Jazzkonzerte statt. Aber auch außerhalb der Saison treten sowohl die professionelle als auch die Amateurtheatergruppe auf. In Nørre Alslev gibt es ebenfalls eine Laienschauspielgruppe.
Für klassische Konzerte bieten sich vor allem die zahlreichen Kirchen an, hier sei neben der Klosterkirche in Nykøbing die Kirche von Stubbekøbing genannt. Die neuere Musikszene ist in Nykøbing im Studentenhaus und der Kulturfabrik beheimatet.

Auf Falster gibt es verschiedene Museen. Falsters Minder ist in Nykøbing im Zarens Hus untergebracht und behandelt die Geschichte der Insel von der Vorzeit bis heute. Dort gibt es auch eine archäologische Abteilung, der unter anderem die Bodendenkmalpflege obliegt. In Gedser kann man das Ökomuseum, den Wasserturm und das Schwarze Museum mit einer großen Sammlung geologische Funde besichtigen, in Gedesby lädt die alte Mühle Gedesby Mølle und in Stovby die einzige Bockmühle dieser Art Stovby Mølle ein. Verschiedene Museen widmen sich technischen Einrichtungen: in Marrebaek bei Vaeggerløse befindet sich die alte Pumpstation, mit der das Wasser aus dem Bøtø Nor abgepumpt wurde. Sie ist ebenso zu besichtigen wie das Traktormuseum in Eskilstrup, das Sportautomuseum in Marielyst und das Museum für Waldgeräte in Korselitse. Weit bekannt ist das Motorcykel- og Radiomuseum in Stubbekøbing. Es erinnert unter anderem an den Erfinder des Lautsprechers, Peter L. Jensen, der in der Kommune geboren wurde und später in die USA auswanderte.

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Weiterhin sind viele, vor allem gotische, Kirchen sehenswert. Nicht nur die schon oft genannte Klosterkirche mit ihrem Altarbild und Königin Sophias Ahnentafel, sondern auch die Kirchen in Stubbekøbing, Kippinge und Vaeggerløse, um nur einige Beispiel zu nennen. Kunstgeschichtlich bemerkenswert ist die Kirche von Nørre Alslev, wo sich eine von zwei dänischen Darstellungen des Totentanzes befindet. Der Fresko wurde um 1480 gemalt, im 17. Jahrhundert jedoch übertüncht. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde er wiederentdeckt.
In Halskov Vaenge, dem größten Waldgebiet der Insel, liegen 6 jungsteinzeitliche Großsteingräber sowie zwei große und ca. 70 kleinere bronzezeitliche Hügelgräber, die im Rahmen einer Wanderung erkundet werden können. Von den weiteren Großsteingräbern Falsters ist besonders Ørnehoj im Corselitse Osterskov erwähnenswert.

Abb.3.2-2: Die Klosterkirche von Nykøbing

Abb.3.2-3: Kirche von Nørre Alslev

Ein besonderes Erlebnis ist das seit 2000 stattfindende Sandskulpturen-Festival. Internationeale Künstler gestalten hierbei Sandskulpturen zu einen vorgegebenen Thema. Dieses Jahr beschäftigt sich das Festival mit Hans Christian Andersen, passend zum Andersen-Jahr 2005: "Ein Sandmärchen". Austragungsort ist der Strand von Marielyst. Das Aufbauen der Figuren beginnt am 13. Juni, offiziell eröffnet wird das Festival am 25. Juni mit der Preisverleihung. Danach bleiben die Figuren bis August zugänglich. Ein Rahmenprogramm mit Mitmachaktionen ist vorgesehen.

 

4. 

Wirtschaft & Tourismus

Obgleich die Landwirtschaft hier stärker vertreten ist als im Landesschnitt, ist wie in ganz Dänemark ist auf Falster der Dienstleistungssektor am stärksten vertreten. Zahlreiche Arbeitsplätze finden sich im Finanzbereich, aber auch in der Verwaltung. So ist die Verwaltung des Storstrøms Amt in Nykøbing ansässig. Auch die Häfen von Nykøbing und Gedser bieten Arbeit. Die Industrie hingegen ist vergleichsweise schwach ausgeprägt. Sehr wichtig ist der Tourismus (siehe Unterkapitel 4.1).
Inhaltsverzeichnis:
4. Wirtschaft & Tourismus
4.1. Tourismus
4.3. Fischerei
4.4. Industrie
4.5. Verkehr

Abb.4-1: Eine Architektonische Besonderheit: Häuser mit Reetwänden.

 

4.1. 

Tourismus

Abb.4.1-1: Die langen Sandstrände Falsters sind ohne Zweifel die wichtigste Touristenattraktion.

Der Tourismus ist eine der wichtigsten Einnahmequellen auf Falster. Vor allem Ferienhäuser sind in großer Anzahl vorhanden. Über die Vogelfluglinie ist die Insel gut zu erreichen, jedoch besteht auch die Gefahr, dass über diese Verbindung der Touistenstrom nach Norden, Richtung Kopenhagen, "gesaugt" wird.
Falster bietet neben Sandstränden auch Wälder und zahlreiche Fahrradwege, denen das flache Relief der Insel entgegenkommt.
Auch die zahlreichen Segler, die Falster auf ihrem Törn anlaufen, finden die entsprechende Infrastruktur vor.

Obwohl von offizieller Seite immer wieder betont wird, dass Tourismus und Umwelt sich gut vertragen, birgt die starke Präsenz des Fremdenverkehrs die Gefahr von zahlreichen Belastungen für die Natur.
Auch wenn der Tourismus so wichtig für die Region ist, sind die Übernachtungszahlen im Storstrøms Amt rückläufig. Von 868.000 Übernachtungen im Jahr 1998 sank die Zahl auf 724.000 (2002) und lag 2004 bei 732.000.

Abb.4.1-2: Ferienhäuser in Marielyst.

Ferienhäuser: Die meisten Ferienhäuser befinden sich in Marielyst im Südosten Falsters. Hier gibt es neben dem bekanntesten Sandstrand Falsters viele Einrichtungen zur Unterhaltung. Neben Cafés und Restaurants sowie zahlreichen Supermärkten gibt es vor allem Sportangebote wie Golfplatz, Minigolf, Tennis, Go-Kart und Fahrradvermietungen. Obwohl die Ostküste Falsters die meisten Ferienhäuser zu bieten hat, finden sich auch weitere Gebiete im Norden der Insel, z.B. Ore Strand bei Stubbekøbing. Diese Gebiete sind nicht so groß wie Marielyst, dafür aber ruhiger und kommen so denjenigen entgegen, die auf ein großes Ferienzentrum verzichten wollen. Über die einschlägigen Anbieter lassen sich inzwischen fast alle Häuser im Internet buchen.

Die ersten Ferienhäuser wurden in Marielyst um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert errichtet, heute sind es auf dem ca. 1 mal 20 km großen Streifen etwa 6000. Zu den frühen Gästen gehörte Übrigens Franz Kafka, der hier gerne viel Zeit verbrachte.

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Campingplätze: Für Zelt- und Wohnwagenreisende stehen zahlreiche Campingplätze zur Verfügung. Auch für diese Touristen bietet Marielyst wohl das größte Angebot, aber auch Nykøbing und Stubbekøbing haben einen Campingplatz. Viele Plätze haben deutschsprachige Mitarbeiter.

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Yachthäfen: der Segeltourismus erfreut sich auf Falster wachsender Beliebtheit, und es stehen eine Reihe von Yachthäfen, Marinas und Häfen mit Gastliegeplätzen zur Verfügung. In Nykøbing ist der Nordhavnen Anlaufpunkt für Segler. Weitere beliebte Yachthäfen findet man in Gedser, Stubbekøbing und Hesnaes.

Abb.4.1-3: Yachthäfen
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Anderes: In Nykøbing gibt es eine Jugendherberge. Hotels finden sich neben in Nykøbing auch in Eskilstrup und Marielyst.

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Die wichtigsten Attraktionen:
Die meisten Touristen werden natürlich von den Sandstränden Falsters angezogen. Neben Marielyst, wo sich der bekannteste Strand befindet, bieten auch Hesnaes und andere Gebiete der Ostküste gute Badebedingungen. Bei Stubbekøbing östlich der Farøbrücke laden ebenfalls Strände ein. Insgesamt besitzt Falster etwa 20 km Strand.
Hinzu kommen zahlreiche Möglichkeiten, in der Natur aktiv zu sein. Halskov Vaenge, Der Park von Korselitse und das Moorgebiet von Borremose laden zum Wandern ein. Zahlreiche Sportmöglichkeiten sind vorhanden, z.B. die Golfklubs in Eskilstrup, Nykøbing und Vaeggerløse, die auch ein umfangreiches Programm für Nicht-Golfer im Angebot haben.
Die wichtigsten Museen sind Falsters Minder in Nykøbing (Geschichte), das Motorrad- und Radiomuseum in Stubbekøbing, sowie in Gedser das Ökomuseum, der Wasserturm und das Schwarze Museum (Geologie).
Sehr bekannt ist das Herrenhaus von Korselitse, das 1777 von General Claassen mitsamt einem 17ha großen Park im englischen Stil errichtet wurde. Hier und im Ort Hesnaes sind Häuser mit einer einzigartigen Bauweise zu bewundern: Nicht nur das Dach, auch die Wände sind mit Reet verkleidet.
In diesem Sommer ist das Sandskulpturenfestival am Strand von Marielyst eine besondere Attraktion.
Wer einmal am südlichsten Punkt Dänemarks stehen möchte, solte Gedser Odde mit dem Sydsten besuchen. Dort befindet sich auch ein Leuchtturm.
Nicht mehr auf Falster gelegen, aber dennoch zu Nykøbing gehörig ist das Mittelalterzentrum in Sundby auf Lolland. Hier warten zahlreiche Attraktionen auf große und kleine Besucher.

Anreise: Falster ist von Deutschland aus gut zu erreichen. Die erste Möglichkeit ist die Vogelfluglinie. In diesem Fall führt der Weg über Puttgarden auf Fehmarn, mit der Fähre von Puttgarden nach Rødby (Lolland), dann weiter auf der E4. Der Guldborgsund wird durch den Tunnel gequert. Über die Vogelfluglinie ist Nyköbing auch mit der Bahn zu erreichen.
Eine andere Möglichkeit ist die Autofähre von Rostock/Warnemünde nach Gedser.

 

4.2. 

Landwirtschaft

Auf Falster hat die Landwirtschaft und Fischerei einen höheren Anteil am Erwerb als im Landesschnitt. Besonders Stubbekøbing Kommune weist mit 16% einen dreimal so hohen Anteil auf. Nykøbing als Kommune mit einem starken urbanen Zentrum hat jedoch nur einen Anteil von 3% Erwerbsarbeit in der Landwirtschaft. Der Landesschnitt betrug 1992 5,4%.
In absoluten Zahlen ausgedrückt waren auf Falster 2003 350 Arbeitsplätze in der Landwirtschaft vorhanden, das sind 42 weniger als 2002.

Falster war schon vor vielen Jahrhunderten ein wichtiger Kornlieferant für das dänische Reich. Auch heute werden Getreide (vor allem Weizen) und Zuckerrüben angebaut. Im Storstøms Amt wurden 2004 316,8 Mio kg Winterweizen geerntet.

Abb.2-1: Das Tunneltal im Norden Falsters.
 

4.3. 

Fischerei

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Die Fischerei ist nach wie vor ein wichtiger Erwerbszweig auf Falster wie im gesamten Land. Hauptsächlich werden Seefische wie Hering und Dorsch gefangen.
Die wichtigsten Fischereihäfen sind Nykøbing, Stubbekøbing und Gedser.
In den letzten Jahren erfuhr die Fischrei in der Ostsee starke Beschränkungen durch EU-Verordnungen, die unter anderem Schonzeiten festlegten, Mindestgrößen für die Netzmaschen und gefangenen Fische bestimmten und Vorgaben für den Umgang mit Schleppnetzen machten. Dies soll die Überfischung der Ostsee vermeiden, bedeutete jedoch für die Fischer Einbußen. So sanken die Arbeitsplätze in der Fischerei laut Statistik von 24 (2002) auf 16 (2003).

Ein wichtiger Aspekt ist die Sportfischrei, die sowohl in Binnengewässern als auch in den Ostseegebieten rund um Falster betrieben werden kann. Im Lystrup Lyng bei Eskilstrup kann kostenfrei geangelt werden, ansonsten sind Angelkarten nötig, die in Postämtern erhältlich sind. In der Ostsee ist das Angeln in der Regel kostenlos. Auf Genehmigungen muss allerdings geachtet werden, sie sind bei der örtlichen Fischereibehörde erhältlich. Angeltouren mit Fischkuttern sind ebenfalls möglich

 

4.4. 

Industrie

Bis auf Nørre Alslev Kommune liegt Falster unter dem dänischen Durchschnitt der Arbeitsplätze in Industrie und Handwerk. Der dänische Durchschnitt betrug 1992 24,9%, in Falster sind es meist um die 20%. An vorhandenen Industrien dominieren die Betriebe zur Weiterverarbeitung landwirtschaftlicher Produkte und Fischen. Sehr wichtig ist die Zuckerfabrik in Nykøbing, die eine von landesweit nur noch drei Zuckerfabriken ist. Sie wurde 1884 gegründet und blieb bis zu ihrer Übernahme durch die Danisco A/S 1989 eine genossenschaftliche Einrichtung.
Weiterhin gibt es fischverarbeitende Betriebe und Einrichtungen zur Metallverarbeitung. Es wird versucht, durch die Ausweisung neuer Industriegebiete neue Betriebe anzusiedeln, allerdings sollen keine Grundstücke für stark verschmutzende Industrien verwendet werden.

 

4.5. 

Verkehr

Abb.4.5-1: Farø south bridge to Falster.

Die wichtigsten Wege über die Insel Falster sind schon seit Jahrhunderten bekannt. Heute ist Falster ein wichtiger Abschnitt auf der Durchgangsstrecke nach Norden.

Obwohl es schon lange Schiffsverbindungen von Falster aus gab, markiert die Aufnahme der festen Fährverbindung von Warnemünde nach Gedser an der Südspitze Falsters einen wichtigen Schritt. Diese Linie erlebte nach dem 2. Weltkrieg durch die Teilung Deutschlands erhebliche Probleme. Sie besteht noch immer, allerdings nicht mehr für den Transport von Eisenbahnen.
Trotz der inzwischen bestehenden Brückenverbindung ist auch die Fähre von Stubbekøbing nach Bogø immer noch aktiv und bietet eine reizvolle Alternative.

Nach Norden hin erhielt Falster mit der 1937 eröffneten Storstrømsbro eine feste Verbindung. Sie ist 3210 Meter lang und befindet sich zwischen Orehoved auf Falster und Masnedø auf Seeland. Über sie führt auch die Eisenbahnverbindung. Durch das steigende Verkehrsaufkommen wurde der Bau einer weiteren Brücke nach Seeland notwendig. 1985 konnte die Farøbrücke eingeweiht werden, die von Havnsø (Falster) kommend auf ihrem Weg nach Bakkebølle/Fredskov die kleine Insel Farø quasi als Brückenpfeiler nutzt.

Abb. 4.5-2: Svendborg Sund, Blick von Svendborg nach Tåsinge

1951 wurde zunächst eine Fährverbindung zwischen Großenbrode und Gedser aufgenommen, nach dem Bau der Fehmahrnsundbrücke 1963 wurde die sogenannte Vogelfluglinie ausgewiesen. Dadurch erhielt Nykøbing eine neue Eisenbahnverbindung nach Rødby, inklusive einer neuen Brücke (Kong-Frederik-IX-Brücke) über den Guldborgsund. 1988 schließlich war auch der Tunnel unter dem Guldborgsund fertig, der die alte Brücke von 1934 entlastet, die im Norden des Sundes eine Querung bildet. Er unterquert den Sund in einer Tiefe von 6,2 Metern.

Die Hauptverbindung für den Durchgangsverkehr ist heute die E4, die den Tunnel unter dem Guldborgsund und die Farøbrücke nutzt.
Auch die Nebenstraßen sowie zahlreiche Radwegen sind in den letzten Jahren verstärkt ausgebaut worden.

 

5. 

Natur- & Küstenschutz

Inhaltsverzeichnis:
5. Natur- & Küstenschutz
 

5.1. 

Naturschutz

Für den Naturschutz auf Falster ist im wesentlichen die staatliche Wald- und Naturbehörde zuständig, die dem Umweltministerium untersteht. Auf lokaler Ebene ist es der Falster Statsskovdistrikt, dem zahlreiche Wälder unterstehen. Er umfasst neben den Inseln Lolland, Falster und Møn den südlichen Teil Seelands. Bøtø Nor, Sønder Kohave, Bangsebro Skov, Hannenov Skov, Halskov Vaenge und Ovstrup Skov unterstehen der Behörde.
Der Falster Staatskovdistrikt ist auch für die Vergabe der Fischereilizenzen zuständig.

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Das Programm Natura 2000 wird in Dänemark mit vielen geschützten Gebieten umgesetzt. In und um Falster liegen 5 Vogelschutzgebiete. Neben dem Bøtø Nor sind es der nördliche Teil des Guldborgsundes bis Nykøbing, ein großes Gebiet an der Südwestküste, eines an der Nordwestküste und Teile des Grønsundes. Diese Gebiete sind seit 1994 als Vogelschutzgebiete ausgewiesen.
Hinzu kommt das Landschaftsschutzgebiet Listrup Lyng bei Eskilstrup.

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Um die Qualität der Landschaft zu erhalten, werden auf Falster zahlreiche Naturschutzbemühungen unternommen. Eine davon ist die Initiative für saubere Industrie, die bereits seit 1989 besteht.
Die Badewasserqualität wird jährlich untersucht. Für 2005 haben alle untersuchten Strände Falsters eine gute Badewasserqualität.

 

5.2. 

Küstenschutz

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Für den Küstenschutz ist in Dänemark das Kystdirektorat im Verkehrs- und Energieministerium zuständig. Es führt Küstenschutzmaßnahmen durch und ist für den Hafenbetrieb zuständig.
Die Gefahr von Erosion ist im Gebiet Falsters (im Gegensatz zur Nordseeküste) vergleichsweise gering, deswegen konzentrieren sich die Maßnahmen des Kystdirektorat auch eher auf die jütische Westküste. Allerdings sind auch Falsters Küsten natürlich von Erosion betroffen.
Insgesamt wird der Zustand der Küsten Dänemarks als "gut" eingeschätzt, was ökologische Aspekte betrifft. Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Ostsee zunehmend starken Belastungen durch Schadstoffeinträge ausgesetzt ist.

Auch in der Ostsee ist die Errichtung von Deichen sehr wichtig. Schon im 19. Jahrhundert wurden Deiche zum Zwecke der Landgewinnung gebaut. Nach der großen Sturmflut von 1872 verstärkten sich die Bemühungen. Heute sind neben dem Bøtø Nor vor allem kleinere Bereiche ehemaliger Buchten eingedeicht, z.B. an der Vaalse Vig im Norden der Insel.
Aber auch andere Maßnahmen zum Küsterschutz werden ergriffen. Für die Neuerrichtung von Ferienhäusern hat das Umweltministerium Richtlinien harausgegeben, nach denen eine Freizone von 300 Metern zur Küste eingehalten werden soll.

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Das größte Problem für Falsters Küstenschutz ist die Lage an der vielbefahrenen Kadetrinne. Dabei handelt es sich um ein Nadelöhr der Seeschiffahrt zwischen Falster und Mecklenburg-Vorpommern. Das hohe und weiterhin steigende Verkehrsaufkommen steht im Gegensatz zur Enge der berüchtigten Wasserstraße. Viele Schiffe sind veraltet und stellen eine potentielle Gefahr dar. Besonders die große Menge der Jährlich ca. 8000 Öltanker bietet Grund zur Sorge, und zahlreiche Unfälle in der Vergangenheit zeigen, wie berechtigt diese Sorge ist. Ein Beispiel ist die "Baltic Carrier", die 2001 nach einer Kollision ca. 3000 Tonnen Öl verlor. Immer vehementer fordern Umweltschutzorganisationen (z.B. Greenpeace) sowie Politiker der angrenzenden Gebiete die Einführung von Sicherheitsmaßnahmen wie einer Lotsenpflicht bei der Durchfahrt. Außerdem wird darauf gedrängt, Einhüllentanker, die eine große Gefahr darstellen, schneller zu verbieten. Einhüllentanker, die Schweröl transportieren, dürfen bereits seit 2003 europäische Häfen nicht mehr anlaufen, alle anderen Einhüllentanker können dies noch bis 2010 tun.

 

6. 

Probleme & Perspektiven

Inhaltsverzeichnis:
6. Probleme & Perspektiven
6.1. Probleme
 

6.1. 

Probleme

Ein wesentliches Problem Falsters ist, dass die Insel stets nur als Randbereich Dänemarks behandelt wird. In Reiseführern und Ähnlichem erscheint Falster oft nur als Randnotiz. Hauptinformation über Falster ist oft die schnelle Verkehrsverbindung nach Norden. Damit ist ein weiteres Problem genannt: Die Sogwirkung der Autobahn, die nicht nur für eine gute Erreichbarkeit sorgt, sondern auch Touristen an Falster vorbeit zieht.
Falster ist überdurchschnittlich stark an die Landwirtschaft gebunden. Wichtige Wachstumsbereiche, wie IT und Medizintechnik, sind jedoch nur schwach vorhanden. Insgesamt liegt der Anteil an Arbeitskräften in Industrie und Handwerk unter dem dänischen Durchschnitt. Dazu kommt, dass die auf Falster ansässigen Industrien zur Weiterverarbeitung landwirtschaftlicher Produkte stark von Rationalisierungsprozessen und Verlagerungen betroffen sind. Die dänische Zuckerproduktion beispielsweise wird zunehmend nach Mecklenburg-Vorpommern ausgelagert. Die Entwicklung zeigt deutlich, dass in den Bereichen Landwirtschaft, Fischerei und Industrie zunehmend Arbeitsplätze wegfallen.
Die Konzentration auf den Tourismus bringt aber auch Probleme mit sich: hier besteht die Schwierigkeit, den Tourismus umweltverträglich zu gestalten. Weitere Probleme bei der Umsetzung von Umweltprogrammen ergeben sich, wie wohl überall, in der Zusammenarbeit mit Landwirten und Fischern, die sich oftmals durch den Naturschutz benachteiligt fühlen und Einbußen fürchten.

Falster liegt an der Kadetrinne, die als stark befahrene Wasserstraße ein erhebliches Risiko birgt. In der Vergangenheit hatte Falster zwar Glück, als der Ölteppich der "Baltic Carrier" an der Insel vorbeizog, aber das steigende Verkehrsaufkommen wird mit weiteren Unglücken einhergehen. Die Auswirkungen einer Ölpest wären für Falster katastrophal, da nicht nur mit einer starken Umweltverschmutzung, sondern auch mit einem Einbruch im Tourismus gerechnet werden müsste.

 

6.2. 

Perspektiven

Einen weiterhin wachsenden Markt verspricht der Tourismus. Hier bieten sich gute Perspektiven, neue Arbeitsplätze zu schaffen. Allerdings birgt der Tourismus auch die Gefahr der Umweltbelastung, z.B. der Strände und Dünen, aber auch durch den Bau von Ferienhäusern und anderer Infrastruktur. Heute wird verstärkt auf die Umweltverträglichkeit des Fremdenverkehrs Wert gelegt. Diese sollte im Idealfall jedoch nicht als Hemmnis, sondern als Investition in die Zukunft betrachtet werden. Falster hat hier gute Aussichten, da die Region vom Massentourismus mit seinen Hotelburgen weit entfernt ist.
Ohne eine Erhaltung der Umwelt kann der Tourismus nicht weiter ausgebaut werden, da sonst der wichtigste Anziehungspunkt der Region wegfallen würde. Von der Verwaltungsseite her sind entsprechende Konzepte zahlreich vorhanden. Ob diese geeignet sind, den Tourismus mit der Natur zu vereinbaren, bleibt abzuwarten.

Die Konzentration auf den Tourismus als Wachstumsmarkt ist wirtschaftlich gesehen auch deswegen so wichtig, weil stark verschmutzende Industrien nicht angesiedelt werden sollen und in der Landwirtschaft und ihren verarbeitenden Industrien in Zukunft Arbeitsplätze wegfallen werden.

 

6.3. 

Lösungsansätze (IKZM)

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  Zum Lesen

Integriertes Küstenzonenmanangement:
Das Amt Sorstrøm, in dem auch Falster liegt, war Gegenstand des inzwischen abgeschlossenen IKZM-Projektes Coastlink Storstrøm. Die Region besitzt einen sehr großen Anteil von Küstengebieten, da sie viele Inseln beinhaltet. Anlass des Projektes war die Zunahme des Tourismus infolge des Abnahme von Arbeitsplätzen in Landwirtschaft, Fischerei und Industrie. Die Hauptziele des Projektes waren
1.)die Umweltverträglichkeit des zunehmenden Tourismus zu gewährleisten und
2.) Konflikte zwischen Anwohnern/Landbesitzern und dem wachsendes Tourismussektor zu vermeiden.
Hierfür wurde der strenge Schutz der 300-Meter-Ufer-Zone durchgesetzt. Neue touristische Einrichtungen unterliegen zahlreichen Auflagen und müssen auf ihre Umweltverträglichkeit geprüft werden. Die Zusammenarbeit mit den Im Tourismus Tätigen erwies sich als gut, da diesen durchaus bewusst war, dass ein Ausbau des Tourismus ohne die Erhaltung einer intakten, typischen Landschaft nicht möglich ist. Probleme ergaben sich im Interessenkonflikt mit Landwirten, die unter anderem durch Ausgleichszahlungen für die Rückführungen von Agrarflächen in Feuchtgebiete beigelegt werden konnten.
Diese Wiedereinführung von Feuchtgebieten ist ein wichtiger Teil des IKZM im Amt Storstrøm. Es konnte ebenfalls erreicht werden, dass Windräder auch unter visuellen Aspekten aufgestellt werden, d.h. an Stellen, and denen sie möglichst nicht als störend empfunden werden. Probleme bestehen allerdings noch im Bereich der Klärung von Schmutzwasser, da hierfür in kleineren Gemeinden oftmals nicht die nötige Infrastruktur besteht.
Schwierig wird in Zukunft auch weiterhin die Akzeptanz von Naturschutzmaßnahmen bei Landwirten sowie bei Investoren, da der Tourismus der wichtigste Wachstumsmarkt auf Falster ist und das wirtschaftliche Potenzial oftmals über die Natur gestellt wird.

 

7. 

Quellen & Links

Internet- Quellen

Bundesamt für Naturschutz: http://www.bfn.de/03/0303.htm (26.5.05)
Coastal Management: http://www.coastalguide.org/icm/ (14.6.05)
Dänisches Meteorologisches Institut: http://www.dmi.dk/dmi/index/danmark/oversigter/klimanormaler.htm (17.5.05)
Dänisches Zuckermuseum: http://www.sukkermuseet.dk/A%20tyskside.htm (30.5.05)
Danmarks Statistik:http://dst.dk/ (4.7.05)
Europäische Union: http://europa.eu.int/eur-lex/lex/LexUriServ/site/de/consleg/1998/R/01998R0088-19980205-de.pdf (19.5.05)
Falster-Net: http://falster.net
Museum Falsters Minder: http://www.aabne-samlinger.dk/deutsch/falsters-minder/udstillinger-t.htm (20.5.05)
Norddeutscher Rundfunk: http://www.ndrinfo.de/ndrinfo_pages_std/0,2758,OID130046,00.html
Norre Alslev Kommune: http://www.norrealslev.dk (11.5.05)
Nyköbing/Falster Kommune: http://www.nyk-f-kom.dk(19.5.05)
Staatliche Behörde für die Wälder: http://www.sns.dk/Falster/oplev/fiskeri.htm (19.5.05)
Storstrøms Amt: http://stam.dk (14.6.05)
Storstrøms Amt Museer og Arkiver: http://aabne-samlinger.dk (14.6.05)
Stubbeköbing Kommune: http://www.stubbekoebingkom.dk (11.5.05)
Sydfalster Kommune: http://www.sydfalster.dk (11.5.05)
Wald- und Naturagentur: http://www.skovognatur.dk (26.5.05)
http://ww.daenemarkinfo.de/zahlen.html (19.5.05)

www.deepwave.org/html/news/dw_news1103.html (19.5.05)
http://www.de6kommuner.dk (17.5.05)
http://www.geschichte-schleswig-holstein.de/vonabisz/vogelfluglinie.htm (3.5.05)
http://www.lolland-falster.nu (3.5.05)
http://www.724-reisen.de/daenemark-falster.0.html (13.6.05)

Literatur

Johannesen, Erik: Danmark nu 3. Köbenhavn 1998
Raben-Leventzau, Frederik: Lolland Falster Mön. Köbenhavn 1988
Scharnweber, Werner: Reisebilder Dänemark: von Aero bis Bornholm. Nürnberg 1991
Zölitz, Reinhard: Die Siedlungsstrukturelle Entwicklung der Insel Falster vom Mittelalter bis zum Ende des 17. Jahrhunderts. Dissertation Kiel 1983