Disclaimer:
Der "Küstenatlas Ostsee" umfasst unabhängige regionale Module zu einzelnen Küstenzonen. Die einzelnen Module sind zum Selbststudium gedacht und richten sich an Fachleute, Studenten aber auch Touristen, die einen kurzen Überblick über die verschiedenen Küstenzonen der Ostsee erhalten möchten. Der Küstenatlas wurde von Studenten im Rahmen des Geographiestudiums an der Universität Kiel erarbeitet.

Poel

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Autorin:
Julia Goldhammer
Juni 2005

Abb. 0.1 Lage der Insel Poel.

Die Insel Poel, in der Wismarbucht gelegen, ist 37 km² groß. Ein Damm verbindet das staatlich anerkannte Ostseebad mit dem Festland. Per Schiff erreicht man über den Kirchsee, eine Bucht, die bis ins Zentrum der Insel ragt, den Hauptort Kirchdorf. Schon von weitem kann man den 47 m hohen Turm der Inselkirche erkennen, die bereits im 13. Jahrhundert erbaut wurde.
Auf der gesamten Insel leben 2900 Personen. Der höchste Berg ist mit 25 m ü. NN der Kieckelberg nordwestlich von Kirchdorf. Von dort hat man im Frühjahr einen weiten Blick auf gelb blühenden Rapsfelder. Im Sommer sind die bekannteren Strände der Insel wie Timmendorf-Strand und Schwarzer Busch mit vielen Badegästen bevölkert und die Häfen von Timmendorf und Kirchdorf liegen voller Segeljachten. Abb. 0.2, Der nordwestliche Teil der Insel Poel aus der Luft.
 

1. 

Kenndaten zur Region

Die Insel Poel zählt zum Landkreis Nordwestmecklenburg (mit dem Autokennzeichen NWM).
Sie befindet sich nördlich der Hansestadt Wismar in der Wismarbucht.
Die Wismarbucht ist eine Ausbuchtung der Mecklenburger Bucht, die am südwestlichen Ende der Ostsee liegt.

Die 37 km² der Insel teilen sich auf in 2856 ha Landwirtschaftsfläche, 93 ha Wald und 97 ha Wasserflächen.

Die Nord-Süd-Ausdehnung reicht von 53°57’28’’ – 54°01’30’’ nördlicher Breite,
die West-Ost-Ausdehnung von 11°22’32’’ – 11°29’54’’ östlicher Länge.

Die Postleitzahl: 23999
Die Telefon-Vorwahl: 038425

Abb. 1.1, Übersichtskarte der Insel Poel.

Das Inselwappen wird von einem gelben Balken zweigeteilt und zeigt in der oberen Hälfte ein weißes Segelboot auf blauem Grund, im unteren Teil eine gelbe Rapsblüte auf grünem Grund.

Abb. 1.2, Das Wappen der Insel Poel.
 

2. 

Natur und Landschaft

Obwohl Poel so flach ist, hat die Insel eine sehr abwechslungsreiche Landschaft zu bieten. Hier findet man sanfte Hügel und Steilküsten, Teiche und kleine Seen, Salzwiesen, dichte Schilfufer, feinsandige Strände, Äckerflächen und grüne Weiden.


Das Relief wurde von den Gletschern der letzten Eiszeit geformt, der Meeresspiegelanstieg füllte in den letzten 8000 Jahren das Ostseebecken bis zum heutigen Wasserstand. Nur die höchsten Erhebungen im Grundmoränenbecken, zu denen die Insel Poel zählt, ragen noch heraus.


Durch den stetig stattfindenden Ausgleich der Küsten kam und kommt es auf Poel an den Steilküsten zum Küstenabbruch, während an anderen Stellen sandiges Material aus dem Meer angeschwemmt wird. So entstand durch Ablagerung von Sand beispielsweise der Nehrungshaken Rustwerder im Süden Poels.

Abb. 2.1, Die Westküste der Insel Poel. Foto: Julia Goldhammer 2003
 

2.1. 

Gewässer

Poel ist umgeben von der Ostsee, die in der Meerenge „Breitling“ östlich der Insel eine Wassertiefe von nur einem Meter erreicht. Nördlich von Poel hingegen fällt der Meeresgrund auf ca. 12 m ab, bis er bei der Untiefe „Hannibal“ wieder ansteigt. Der Wasserstand schwankt je nach Wind jedoch im Mittel bis zu einem Meter.

Der Salzgehalt der Ostsee rund um Poel beträgt ca. 13‰. Die Temperatur des Oberflächenwassers in der Wismarbucht beträgt im August-Monatsmittel 17°C, im Februar -0,2°C.

Die Insel Poel hat nur wenige Süßgewässer und fast keine fließenden Gewässer, lediglich kurze Bachläufe, die nicht immer Wasser führen. Die 97 ha an Wasserfläche beinhalten verschiedene kleine Seen und Teiche. Der Faule See wurde durch einen Nehrungshaken von der Ostsee abgeschnürt und ist so als Strandsee mit Brackwasser gefüllt. Die Kirchsee ist lediglich 2 m tief und wäre schon längst ebenfalls von der Ostsee abgeschnürt, würde nicht immer wieder die Fahrrinne zum Kirchdorfer Hafen ausgebaggert werden.

Durch die Klimaerwärmung nach der letzten Eiszeit stieg der Meeresspiegel weltweit an. Das Wasser drang vor ca. 8000 Jahren über den Kattegat und die Beltsee ins Ostseebecken ein und überflutete dieses schrittweise. Um die Zeit von Christi Geburt hatte der Meeresspiegel ungefähr die heutige Küstenlinie erreicht.

Abb. 2.2, Blick vom Timmendorfer Strand über eine Düne und die Strandkörbe auf die Ostsee.
Foto: Julia Goldhammer 2004

 

2.2. 

Klima

Die mittlere Jahrestemperatur auf der Insel Poel beträgt 8 °C, der mittlere Jahresniederschlag liegt bei 535 mm. Das Klima ist maritim geprägt, im Mittel sind an der Küste Mecklenburg-Vorpommerns 200 Tage des Jahres frostfrei.

Gebremst durch die langsame Erwärmung der kalten Ostsee beginnt der Frühling erst spät. Die Wachstumsperiode setzt bei einer mittleren Tagestemperatur von mehr als 5°C ein. Dieser Zeitpunkt liegt auf Poel erst Anfang April. Die durchschnittliche Jahresschwankung der Temperaturkurve beträgt ungefähr 17 Grad.

Obwohl die Insel relativ niederschlagsarm ist, treten dadurch Wasserdefizite für die Vegetation nicht auf, da sich in unmittelbarer Meeresnähe eine hohe Luftfeuchtigkeit ausbildet. Auf Poel liegt diese im Mittel bei 84 Prozent.

Vorwiegend kommen die Winde aus West. Im Mittel hat Poel ca. 146 bewölkte und 43 sonnige Tage.

Abb. 2.3, Ein Strandkorb bei wolkigem Himmel am Strand von Timmendorf.
Foto: Julia Goldhammer 2004
Die Insel Poel liegt in einem relativ niederschlagsarmen Gebiet. Ein Klick aufs Bild macht ganz Deutschland sowie die Legende sichtbar.
 

2.3. 

Geologie

In diesem Kapitel gibt es Informationen zur Glazialen Formung, zum Meeresspiegelanstieg, zum Küstenausgleich und den Böden auf der Insel Poel.

Glaziale Formung

Die Oberflächenform der gesamten Wismarbucht entstand durch die letzte Eiszeit und wurde durch den Gletschervorstoß des Mecklenburger Stadiums bestimmt. Der Gletscher schob Gesteinsschutt von Skandinavien in Richtung Süden. Beim Abschmelzen des Eises wurde dieses Geschiebe im Bereich des ehemaligen Gletschers als Grundmoräne abgelagert.
Transportiert hat der Gletscher den so genannten Geschiebemergel. Neben größeren und kleineren Felsblöcken, Kiesen und Sanden ist darin Mergel enthalten, ein graues bis blaues Gemisch aus Tonen und Kalken. Der Kalkanteil beträgt zwischen 25-27%.

Auf der Insel Poel hat sich Schutt in einer Mächtigkeit von 53 Metern abgelagert. Die von Nordnordost nach Südsüdwest verlaufende Erhebung der Insel Poel stellt in der sonst ebenen bis flachwelligen Grundmoräne der Wismarbucht eine Unregelmäßigkeit dar.
Am Westkliff der Insel Poel kann man die drei Grundmoränenschichten verschiedener Gletschervorstöße und dadurch bedingte Stauchungen und Faltungen erkennen.

Meeresspiegelanstieg

Die Klimaerwärmung nach der letzten Eiszeit verursachte ein weiteres Abschmelzen der Eismasse auf der Nordhalbkugel. Das von den Gletschern abgeschmolzene Wasser sorgte für einen Anstieg der Weltmeere.
Das Wasser drang vor ca. 8000 Jahren über den Kattegat und die Beltsee ins Ostseebecken ein und überflutete schrittweise die Becken und Schwellen der Grundmoränenlandschaft. Dieses Litorina-Meer ist nach der Gemeinen Strandschnecke Littorina littorea benannt.
Es wies einen relativ hohen Salzgehalt auf. Vor 3000 Jahren verlangsamte sich der Meeresspiegelanstieg, und ca. um Christi Geburt hatte der Meeresspiegel ungefähr die heutige Küstenlinie erreicht.
Allerdings verändert sich durch Erosion an Steilküsten und Sedimentation an Sandhaken die Küstenform auch heute noch.

Ausgleichsküste

Durch Bildung von Haken und Strandwällen veränderte sich der Küstenverlauf zum Teil. Es entstand eine Ausgleichsküste mit einem Wechsel von Steilküstenabschnitten, Blockstränden und Flachküsten.
Vor der Abbruchkante des Kliffs liegt Schutt, immer wieder bricht neues Material ab, somit zieht sich an dieser Stelle das Ufer zurück. Die Ostsee nimmt beispielsweise bei Hochwasser lockeres Abbruchmaterial mit und lagert es um. Dies geschieht an Poels Steilküsten besonders bei Stürmen aus West bis Nordwest. Der Sand wird an der Westküste meist nach Süden transportiert, an der Nordküste der Insel Poel nach Osten.
In flachen, ruhigen Buchten lagert sich das vom Meer angeschwemmte Material ab. Es bilden sich Sandbänke, die zu aus dem Wasser ragenden Strandhaken anwachsen können. Hieraus entwickeln sich bei kontinuierlicher Sandablagerung Nehrungen mit Dünen, die die Bucht irgendwann abschnüren. Verlandet der Strandsee, hat das Land hier dem Meer selbst ein Stückchen abgewonnen.
Geschehen ist dies auf Poel an mehreren Stellen. Im Nordwesten und Norden in den ehemaligen Buchten des Timmendorfer Torfmoores, des Rethmoores, der Senke am Kurhaus Schwarzer Busch und die Swölken- und Westerwiese in Richtung Gollwitz.
Am Faulen See kann man die Bildung des 2 km langen, bis zu 400 m breiten Nehrungshakens Rustwerder beobachten.
Ein weiterer Nehrungshaken im Süden der Insel, der Brandenhusener Haken, wächst immer wieder in die nur 2 m tiefe Kirchsee hinein. Hier ist es nötig, die Fahrrinne nach Kirchdorf immer wieder auszubaggern.
Im Nordosten Poels hat sich auf einer Untiefe durch Aufschüttung von Kies- und Sand das Strandwallsystem der Vogelschutzinsel Langenwerder gebildet.
Im Osten der Insel lagerte sich zwischen Strandwällen Schlick ab, der sich zu Marschland mit Salzwiesen entwickelte.

Böden

Das anstehende Gestein auf der Insel Poel ist kalkreicher, durch Verwitterung aus Geschiebemergel entstandener Geschiebelehm. Darauf bildeten sich vorrangig Parabraunerden und Pseudogley-Parabraunerden. Der Boden ist relativ sandig. Dadurch sind die Bodendurchlüftung und der Bodenwasserhaushalt begünstigt.
Die Insel Poel weist einen der fruchtbarsten Böden von ganz Mecklenburg auf. Der dunkelbraune bis schwarze Humushorizont kann bis zu 50 cm mächtig sein. Dieser entstand durch die dichte Bewaldung der Insel mit einem Eichen-/Hainbuchenwald, der heute aufgrund von Rodungen fast nicht mehr vorhanden ist.

 

2.4. 

Naturraum

Der Bereich der südwestlichen Ostsee war nach dem Rückzug der Gletscher eine Landschaft mit Hügeln und Senken und Tundravegetation.
Mit der Klimaerwärmung entwickelte sich die Tundra zu Nadelwäldern, später zu Laubwald. Im Laufe der Jahrhunderte rodeten die Bauern den Eichen-/Hainbuchenwald, lediglich das Wäldchen „Schwarzer Busch“ ist übrig geblieben. Moore wie beispielsweise das Rethmoor wurden entwässert, zur Torfgewinnung oder als Wiese genutzt. Heute ist das Rethmoor mit Schilf bewachsen.

Abb. 2.6, Meersenf.

Pflanzenwelt

Auf der Insel Poel findet man eine vielfältige Vegetation.
Die Landschaft der gesamten Wismarbucht ist reich gegliedert in Überschwemmungsgrasland, Uferröhricht, Flachwasserbuchten. Sie weist die artenreichste Salzflora der südlichen Ostseeküste auf.

An der Küste wachsen Pflanzen, die eine salzige Umgebung bevorzugen oder dulden können. Das sind beispielsweise das Salz-Milchkraut (Glaux maritima), die Salzmiere (Honckenya peploides), der Meersenf (Cakile maritima) und der Meerkohl (Crambe maritima).

Auf Dünen wachsen zum Beispiel die Strand-Salzmiere (Hanckenya peploides) und das Kali-Salzkraut (Salsola kali).

In feuchteren Gebieten findet man den Strand-Dreizack (Triglochia maritima), die Salzbinse (Juncus gerardii), den Strandflieder (Limonium vulgare) und verschiedene Arten des Löffelkrautes (Cochlearia).

Auch an der Kliffküste existieren typische Pflanzengesellschaften. Diese wurden durch Anpflanzung von fremden Gewächsen im Zuge des Küstenschutzes zwar teilweise verdrängt. Diese fremden Gehölze setzen sich zusammen aus Eschen-Ahorn, Später Traubenkirsche, Ölweiden und verschiedenen Weidenhybriden.
An manchen Standorten, wie dem niedrigen Kliff bei Hinter Wangern, findet man allerdings trotzdem noch das Echte Labkraut (Galium verum) und die Sichel-Luzerne (Medicago falcata).

Im Schlickgebiet am südlichen Rand der Insel Poel findet man auch noch Queller (Salicornia herbacea).
An Wasserpflanzen kommen ufernah das Seegras (Zostera marina), der Blasentang (Fucus vesiculosus) und Grünalgen wie beispielsweise der Meersalat vor.

  WWW-Link

Tierwelt

Im Sommer trifft man als Badegast besonders häufig die bläuliche Ohrenqualle (Aurelia aurita). Sie ist für den Menschen vollkommen ungefährlich und kann einen Durchmesser von bis zu 30 cm erreichen. In sehr warmen Sommern können durch Strömungen aus dem Kattegat auch die seltenen Feuerquallen (Cyanea capillata) bis zur Insel Poel gelangen. Berührt man die langen Tentakteln dieser Qualle, wird das darin sitzende Nesselgift abgegeben.

Eine besonders häufige Muschel ist die bläulich-schwarze Miesmuschel. Auch Herzmuscheln (Cardium edule) und die weiße Sandklaffmuschel (Mya arenaria) kommen vor der Insel Poel vor.

Auf der Insel Poel leben neben zahllosen Vögeln (siehe auch bei Punkt Natur- und Küstenschutz: Vogelschutzinsel Langenwerder) außerdem Rehe, Hasen, Igel und Füchse.

(Weiteres auch unter den Punkten "Naturschutz" und "Fischerei".)

 

3. 

Geschichte und Kultur

Die Insel Poel kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Auch für die Vorgeschichte ist schon eine Besiedlung der Insel bezeugt. In neuerer Zeit fanden Unterwasserarchäologen zahlreiche steinzeitliche Siedlungsspuren in der Ostsee, die aufgrund des Meeresspiegelanstiegs heute unter Wasser liegen.
In historischer Zeit war die Insel Poel aufgrund ihrer hervorragenden strategischen Lage bei den Herrschenden sehr begehrt.

In der wechselhaften Geschichte entstanden viele Sitten und Gebräuche, die der Poeler Kultur-, Heimat- und Sozialpflegeverein e.V. versucht, am Leben zu erhalten.

Abb. 3.1, Friedhofstor an der Kirchdorfer Kirche.
Foto: Julia Goldhammer 2003

 

3.1. 

Vorgeschichte

  WWW-Link

Die ersten Spuren von Menschen in der Region der heutigen Insel Poel stammen aus dem Spätpaläolithikum, aus der Zeit um 10.000 v. Chr. Damals gab es die Ostsee in der heutigen Form noch nicht.
Die flachwellige Endmoränenlandschaft war noch nicht lange eisfrei und von einer Tundra- und Waldtundravegetation bedeckt. Hier lebten die Menschen von der Jagd und Fischerei.
In den darauffolgenden Jahrtausenden verändert sich die Vegetation kontinuierlich durch die Klimaerwärmung. Die Waldtundra wandelte sich zu Buchen-Eichen-Mischwäldern.

Vor 8000 Jahren begann das Litorina-Meer über den Kattegat und die Beltsee schrittweise ins Ostseebecken einzudringen. Das ansteigende Wasser ergoß sich in die Tallagen, nur das erhöhte Relief blieb sichtbar.
Durch den Anstieg des Meeresspiegels mussten die Menschen ihre Siedlungsplätze verlegen. Vor der Insel Poel finden Unterwasserarchäologen deshalb heute in drei bis zwölf Metern Tiefe zahlreiche Reste mittel- und jungsteinzeitlicher Besiedlung.

Aus der Bronzezeit sind Hügelgräber bekannt, z.B. der „Ruger Barg“ südöstlich von Brandenhusen. Auf dem Friedhofsgelände von Kirchdorf wurde altslawische Keramik entdeckt. Man kann also sicher davon ausgehen, dass Kirchdorf bereits in slawischer Zeit ein Siedlungsplatz war, die Slawen wanderten wohl Ende des 6., Anfang des 7. Jahrhunderts nach Christus auf Poel ein.
Einige Ortsnamen auf der Insel Poel mit den typisch slawischen Endungen –itz und -ow geben Hinweise auf die slawische Besiedlung der Insel. Auch der Ortsname „Wangern“ ist slawischen Ursprungs.
Der Name „Poel“ könnte aus der slawischen Bezeichung für „flaches Feld“ entstanden sein.

Abb. 3.2, Ein Unterwasserarchäologe an einer steinzeitlichen Fundstelle.
 

3.2. 

Geschichte

  Zum Lesen

Mittelalter

Die erste urkundliche Erwähnung der Insel Poel stammt aus dem Jahr 1163. Poel zählte zu der Zeit zum Bistum Lübeck.
Die Kirchdorfer Backsteinkirche stand schon vor 1258. Eine Erwähnung im Register der Diözese Lübeck stammt aus dem Jahre 1259. Schon von weitem kann man den 47m hohen Turm der Kirche erkennen, der noch aus dieser Zeit erhalten ist. Durch die Christianisierung der Slawen im 13. bis 15. Jahrhundert stieg die Bevölkerung an, es entstanden zahlreiche neue Dörfer.

Im 13. und 14. Jahrhundert hatte ein fürstlicher Vogt seinen Sitz in Kirchdorf. Die Gründung der Stadt Wismar Anfang des 13. Jahrhunderts gab der gesamten Wismarbucht wichtige Entwicklungsimpulse. Die spätere Hansestadt wurde ein sehr bedeutender Handels- und Hafenplatz.

Frühe Neuzeit bis zum Ende des 19. Jahrhunderts

1614 begannen die Bauarbeiten an der Poeler Festungsanlage. Es wurde ein 11 m hoher Hauptwall mit fünf Bastionen aufgeschüttet. Der Herzog Adolf Friedrich I. wollte mit dieser Festung seine Stellung im Lande stärken und die strategisch günstige Lage der Insel Poel als Stützpunkt für eine Flotte nutzen (zum Weiterlesen: "Der Festungsbau").

Während der kriegerischen Auseinandersetzungen des Dreißigjährigen Krieges wurden das Schloss und die Festungsanlage öfter verwüstet. Abwechselnd hielten die Kaiserliche Armee und die Schwedischen Soldaten die Festung der Insel Poel besetzt.
Beim Abschluss des Westfälischen Friedens am 24. Oktober 1648 erhielt Schweden die Insel Poel als Reichslehen. Im Schwedisch-Dänischen Krieg fiel die Insel für vier Jahre von 1675-1679 unter dänische Herrschaft. Es folgten der Nordische Krieg (1711-1720), der Siebenjährige Krieg (1756-1763), Poel wurde besetzt und die Bevölkerung musste Not leiden.
1803 kam die Insel Poel als Pfand wieder zu Mecklenburg, 100 Jahre später verzichtete Schweden komplett auf die Stadt Wismar und die umliegenden Ländereien. 1871 errichteten die Poeler am Strand von Timmendorf den Leuchtturm, ein Zollhaus und ein Lotsenwohnhaus.

  Zum Lesen

Abb. 3.3, Die Festung auf Poel.

 

Links unten der Rekonstruktionsversuch des Schlosses, rechts eine Abbildung Kirchdorfs mit der Festungsanlage. 

 

20. Jahrhundert bis zur Nachkriegszeit

Im Jahr 1927 wurde eine feste Brücke mit Damm zwischen der Insel mit Brückenwärterhaus und Fährdorf installiert, diese Brücke wurde 2001 ersetzt.
Seit Mitte der 1920er Jahre ist Kirchdorf an die elektrische Stromversorgung angeschlossen.
Der zweite Weltkrieg ging nicht spurlos an Poel vorüber. Am Schwarzen Busch gibt es eine Grabstätte für 28 angeschwemmte Opfer der CAP ARCONA-Schiffskatastrophe mit Gedenktafel. Diese Gedenkstätte ist eine von 17 Stück, die rund um die Lübecker Bucht an die tragische Schiffskatastrophe am Ende des 2. Weltkriegs erinnern, bei der 7000 Menschen getötet wurden (zum Weiterlesen: "Die Schiffskatastrophe der CAP ARCONA").

Am 3. Mai 1945 besetzten sowjetische Truppen die Insel. Die Einwohnerzahl erhöhte sich durch die Zuwanderung von Menschen ausgebombter Städte und Vertriebenen aus den östlichen Gebieten drastisch. Während im Jahr 1939 auf der gesamten Insel die Einwohnerzahl bei 1895 lag, erhöhte sich diese in den Nachkriegsjahren auf geschätzte 4600. 1950 war sie wieder auf 3557 Personen gesunken.

Die Landwirte mit einem Besitz von über 100 ha Größe wurden enteignet und wurden gezwungen, mit ihren Familien die Insel zu verlassen. Flüchtlingen aus Hinterpommern und Ostpreußen wurde Land zugewiesen und fast alle Betriebe wurden zu landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften zusammengelegt.

Die Wende

Bis zum Zusammenbruch der DDR nutzte die Nationale Volksarmee die Steilküsten zwischen Timmendorf und Schwarzer Busch als Horchposten Richtung Westen.
Die Wende brachte einige Veränderungen für die Insel. 1990 erreichte die Einwohnerzahl mit 2590 Personen den niedrigsten Stand. Der Übergang zur Marktwirtschaft stand bevor, viele Poeler beantragten die Einrichtung privater Gewerbebetriebe. Die der LPG angehörigen Landwirte organisierten sich in einer neuen Struktur.
In Kirchdorf wurde das Gemeinde-Zentrum neu errichtet, in dem die Gemeindeverwaltung, Wohnungen, Läden und Dienstleistungseinrichtungen ihren Platz haben.
1997 wurde die Insel Poel zum staatlich anerkannten Erholungsort.

 

3.3. 

Kultur

  Zum Lesen

In der Vergangenheit entstanden auf Poel viele verschiedene Sitten und Gebräuche, die auch heute noch gepflegt werden. Hierfür hat sich eigens der Verein "Poeler Leben" zusammengefunden, ein Kultur-, Heimat- und Sozialpflegeverein, der beispielsweise die Tradition der Inseltracht und des Trachtentanzes aufrecht erhält.
In jedem Sommer findet ein dreitägiges Inselfest statt, das aus Fischerfesten und den Markttagen der Bauern entstand. Im Herbst wird die Ernte gefeiert.

Es gibt auf Poel auch einige regionaltypische Gerichte. Aal fingen schon die steinzeitlichen Poeler, bei Ausgrabungen konnten deren Aalfanggeräte gefunden werden. Die heutigen Poeler kennen die verschiedensten Zubereitungsarten des Aals, sei es Aalsuppe, Spiekaal, Saueraal, Brataal oder Schmoraal (zum Weiterlesen: "Poeler Schmoraal").
Weitere typische Speisen sind Himmel und Erde, Milchsuppe, Rote Grütze, Schwarz Sauer, Blutklöße mit Leberwurst, Grünkohleinopf, Klopfschinken, Schwarzbrot mit geräuchertem Speck, gekochter Dorsch mit Meerettich und zerlassener Butter oder gebratener Dorsch mit brauner Soße.

Im Heimatmuseum der Insel (Möwenweg 4, Kirchdorf, Tel. 20 732) werden die Geschichte der Insel, das Leben der Poeler in früheren Zeiten und ihre Bräuche ausführlich dargestellt.

Seit 2003 besteht eine Partnerschaft zwischen der Insel Poel und der schwedischen Insel Hammarö. Im Jahr 2004 kamen private Urlauber aus Hammarö nach Poel, außerdem wurden Austauschprogramme begonnen.

 

4. 

Tourismus und Wirtschaft

Poel weist ein hohes Tourismuspotenzial auf. Mit der hervorragenden Badewasserqualität, Sandstränden an Flachwasserzonen, guten Segelrevieren und einer abwechslungsreichen Natur- und Kulturlandschaft lockt die Insel viele Erholungssuchende an. Der Tourismus ist somit ein bedeutender Wirtschaftsfaktor.

Weiter ist die Landwirtschaft auf der Insel von großer Bedeutung, einige Fischer gehen noch ihrer Tätigkeit nach; das breit gefächerte Dienstleistungsangebot ist sehr vom Tourismus geprägt.

Großindustrielle Betriebe sind auf der Insel nicht zu finden, es gibt allerdings mittelständische Unternehmen, die mit ihren Produkten in die landwirtschaftliche Sparte einzuordnen sind. Zum einen ist das die Norddeutsche Pflanzenzucht Hans-Georg Lembke KG, und die Prophyta - biologischer Pflanzenschutz GmbH.

Abb. 4.1, Der Strand von Timmendorf-Strand an einem Sonntag im Sommer.
Foto: Julia Goldhammer 2003

 

4.1. 

Tourismus

Der Tourismus hat auf Poel heute eine große Bedeutung. Bereits in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts gab es die ersten Badegäste in Timmendorf. Eine richtige Entwicklung des Tourismus ist allerdings erst ab dem Beginn des 20. Jahrhunderts zu verzeichnen. 1910 wurde das Kurhaus am Schwarzen Busch erbaut, 1913 standen Urlaubsgästen etwa 310 Betten in 150 Zimmern zur Verfügung.
Abb. 4.2, Timmendorf Poel

Im Jahr 2004 gab es ein Angebot von 6221 Betten. 2/3 davon zählen zu Ferienwohnungen, Ferienhäusern, Ferienzimmern und Wochenendhäusern. Auf dem Campingplatz können ca. 1500 Personen übernachten. Die 250 Betten der Sanitas Kurklinik in Schwarzer Busch sind das ganze Jahr über konstant annähernd komplett belegt.
Im Jahr 2004 zählte die Kurverwaltung der Insel Poel 548.358 Gästeübernachtungen, das waren allerdings rund 70.000 weniger als im Vorjahr. Die Übernachtungen teilen sich prozentual auf 68,4% in Ferienwohnungen, -häusern und -zimmern, 16,1% Übernachtungen am Campingplatz und 15,5% Übernachtungen in der Kurklinik.
Saisonal bedingt ballen sich die Übernachtungszahlen auf dem Campingplatz und in den Ferienunterkünften in den Sommermonaten Mai bis August. Durchschnittlich hielten sich Urlaubsgäste, die in Ferienwohnungen, -häusern und -zimmern wohnten 6,2 Tage auf Poel auf. Camper blieben 5,9 Tage, Gäste der Ostseeklinik blieben mit 21 Tagen deutlich länger auf der Insel.

Der Tagestourismus ist besonders an den Wochenenden im Sommer zu spüren – wenn die Festlandbewohner bis von Schwerin an „ihren“ Strand beim Timmendorfer Leuchtturm oder am Schwarzen Busch fahren. An Strandgästen wurden im Jahr 2004 50.500 Personen gezählt, weniger als im besonders heißen Sommer 2003.

Auf Poel gibt es das ganze Jahr über ein großes Angebot für Touristen. Neben Volks- und Straßenfesten, Strand- und Kinderfesten, Open-Air-Events, Konzerten und Kunstausstellungen werden von der Kreisvolkshochschule auch naturkundliche Führungen angeboten.

 

4.2. 

Landwirtschaft

Böden

Auf der Insel Poel findet man die für die Landwirtschaft besten Böden Mecklenburgs mit einer Ackerwertzahl bis 64. Die Grundmoränenböden sind vorrangig Parabraunerden und Pseudogley-Parabraunerden. Die Bodenart ist sandiger Lehm, die Böden weisen einen sehr mächtigen Ah-Horizont (die Ackerkrume), gute bis sehr gute bodenphysikalische Eigenschaften und eine gute bis sehr gute Ertragsfähigkeit auf.

Die Bauern

Die Poeler Bauern hatten traditionell seit dem 14. Jahrhundert über 500 Jahre lang besondere Rechte. Sie waren freie Leute, ihre Höfe waren ihr Eigentum, sie leisteten keine Hofdienste und hatten Äcker gepachtet. Im 19. Jahrhundert mussten sie diese Rechte verteidigen, als die Insel Poel wieder an Mecklenburg fiel. Die Flur wurde neu aufgeteilt, jeder Hof erhielt eine zusammenhängende Ackerfläche. Dadurch änderte sich das Siedlungsbild auf der Insel teilweise drastisch.

Abb. 4.3, Rapsfeld

Raps

Stattet man der Insel Poel im Mai einen Besuch ab, erblüht die Insel in strahlendem Gelb. Die Rapsblüte ziert auch das Wappen von Poel.
Raps entstand durch die spontane Kreuzung von Rübsen und wild wachsendem Kohl, zwei Arten mit unterschiedlicher Chromosomenzahl. Der Raps war zunächst nur als Wildpflanze im Mittelmeerraum und Asien verbreitet. Das Rapsöl wurde hier als Brennstoff für Lampen verwandt. In Mitteleuropa wurde der Raps ab dem späten Mittelalter zur Kulturpflanze.

Auf der Insel Poel ist der Raps schon lange heimisch. Ende des 19. Jahrhunderts begann Hans Lembke, Jahrgang 1877 aus Malchow, mit der Züchtung von Rapspflanzen, um die Ernteerträge zu verbessern. Innerhalb kürzester Zeit erzielte er die ersten Erfolge. „Lembkes Winterraps“ wurde zu einer sehr gefragten Sorte bei Mecklenburgs Landwirten und war in Mitteleuropa und Teilen Osteuropas bis in die 60er Jahre führend. Poel wurde als optimaler Züchtungsstandort weltweit bekannt.

In der Folgezeit entstanden durch Züchtung verschiedenste Sorten, die den unterschiedlichen Anforderungen zur Verwendung als Speiseölraps, Schmierölraps, Biodieselraps und Viehfutter gerecht werden.

Auf Poel wird heute jedes Jahr die „Rapsblütenkönigin“ gekrönt, ein Denkmal für Hans Lembke erinnert vor seinem Geburtshaus in Malchow an das Lebenswerk des Pflanzenzüchters.

 

4.3. 

Fischerei

Abb. 4.4, Der Hafen von Kirchdorf.

In den Häfen der Insel Poel kann man den Fischern bei ihrer Arbeit zusehen. Sie fahren zum Netze setzen mit den flackernden roten oder schwarzen Fähnchen weit nach draußen, kommen wieder zurück, warten eine Weile, fahren wieder aufs Meer und haben dann einiges an Fisch an Bord.
Auf der Insel sind 19 Fischereibetriebe registriert. Für 15 Fischer ist dies ihre Haupterwerbsquelle, vier betreiben die Fischerei zum Nebenerwerb.

Vor Poel werden zum Beispiel Dorsch, Flunder, Scholle, Kliesche, Steinbutt, Hering, Aal, Lachs und Meerforelle gefangen.
Dabei entfallen auf den Hafen Timmendorf im Jahr 180 bis 220 Tonnen Fisch, die Fischer des Kirchdorfer Hafens fischen 20 bis 30 Tonnen. Die Mengen variieren, je nach dem wie gut die Fangmöglichkeiten sind, und wie die Höhe der Fangquoten liegt.
Die Fische werden entweder direkt von Bord verkauft oder die Fischereigenossenschaft „Wismarbucht“ übernimmt den Vertrieb.

Auf Poel wurde die Fischerei erst nach 1871 zu einem eigenständigen Gewerbe. Im Jahr 1900 gab es auf der Insel 100 hauptberufliche Fischer, 1947 waren 55 Fischerboote registriert.

Eine Besonderheit auf Poel ist der Krabbenfang. Die Saison beginnt Anfang Juni und geht bis ca. 10. August. Einige Poeler Fischer teilen die Fangplätze in jedem Jahr neu unter sich auf. Bei Sonnenuntergang werden die Krabbenkörbe ausgelegt, bei Sonnenaufgang wieder eingeholt. Pro Nacht können in einem guten Jahr 200 bis 300 kg Krabben pro Fangstelle ins Netz gehen.

 

4.4. 

Industrie

Große Industriebetriebe gibt es auf Poel nicht. Die größte Rolle in der Wirtschaft spielen Tourismus und Landwirtschaft. Auf Poel sind einige Handwerker (beispielsweise Elektroinstallateure, Sanitär- und Heizungsbauer, Tischler) ansässig, in Kirchdorf wird eine kleine Schiffswerft betrieben, in der Holzboote gebaut und Reparaturen durchgeführt werden.

Die Rapszüchtung ist auf Poel sehr wichtig (siehe Kapitel Landwirtschaft).
Außerdem ist das 1992 gegründete Unternehmen „Prophyta – Biologischer Pflanzenschutz GmbH“ in Malchow ansässig. Es entwickelt, produziert und vermarktet biologische Produkte, Verfahren und Dienstleistungen für den integrierten Pflanzenschutz.
In erster Linie werden Präparate auf Basis lebender Mikroorganismen hergestellt. Das Produkt Contans®WG ist das erste in Deutschland zugelassene biologische Fungizid. Dr. Peter Lüth, der Geschäftsführer erhielt 2002 für seine Forschung und Produktion den Deutschen Umweltpreis.
Zur Zeit laufen eine Reihe von Forschungsprojekten, die alle zum Ziel haben, umweltfreundliche, biologische Pflanzenschutzmittel unter Verwendung von Mikroorganismen zu entwickeln.

Außerdem hat der Fachbereich Maschinenbau, Verfahrens- und Umwelttechnik der Fachhochschule Wismar eine Zweigstelle in Malchow. Dort ist auch das Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung angesiedelt. Somit hat die kleine Insel Poel auch eine Bedeutung für die akademische Ausbildung und Wissenschaft.

 

5. 

Natur- und Küstenschutz

Die Insel Poel ist ein Knotenpunkt der Vogelfluglinie von Norden nach Süden.
Hier rasten Vögel, die noch weiter in den Süden fliegen wollen, es kommen aber auch zahlreiche Arten zum Brüten auf die Insel bzw. die angrenzende Vogelschutzinsel Langenwerder.
Die schützenswerten Tierarten sollen einen ökologisch intakten Lebensraum vorfinden. Aber auch die besondere Flora der Insel mit beispielsweise selten gewordenen, salzliebenden Pflanzen muss erhalten werden.
Neben den Naturschutzgebieten Langenwerder und Fauler See (siehe „Naturschutzgebiete“) sind auch an der Poeler Ostküste meerwasserbeeinflusste Areale unter Schutz gestellt.

Darüber hinaus wird versucht, die Küstenlinie durch verschiedene Maßnahmen in ihrer heutigen Form zu erhalten, und den Abbruch der Steilküste zu verringern (siehe „Küstenschutz“).

Abb. 5.1, Sonnenstrahlen auf der Ostsee
Foto: Julia Goldhammer 2004
 

5.1. 

Naturschutzgebiete Langenwerder und Fauler See

Naturschutzgebiet Langenwerder

Langenwerder, eine kleine Insel aus Strandwällen und Dünen mit einer Fläche von 21,40 ha liegt direkt nördlich des Ortes Gollwitz. Bereits 1920 beschloss der Verein „Jordsand“, die 1000 m lange und zwischen 200 und 450 m breite Insel für Seevögel zu schützen. 1924 wurde das mecklenburgische Naturschutzgesetz erlassen, unter dessen Schutz die Insel Langenwerder fiel. 1937 trat ein weiteres Gesetz in Kraft. Somit ist Langenwerder das älteste Seevogelschutzgebiet Mecklenburgs.

Auf der Insel finden viele Küstenvögel gute Brutmöglichkeiten. Besonders die Sturmmöwe hält sich zur Brutzeit gern auf Langenwerder auf. Mit 3000-4000 Paaren befindet sich hier die größte Brutkolonie Mecklenburg-Vorpommerns.
Weitere Brutvögel sind: Silber- und Lachmöwe, Küsten-, Fluß-, Zwerg- und Brandseeschwalben. An Limikolen (Watvögeln) sind Austernfischer, Sandregenpfeifer und Rotschenkel vertreten.
Für die Brandgans wurden künstliche Nisthöhlen angelegt, dadurch ist sie nun ständiger Brutvogel auf Langenwerder. Ständig brüten auch die Stockenten, weitere Wasservögel auf der Insel sind Mittelsäger, Löffel- und Schnatterenten. Nicht nur Vogelarten sind auf Langenwerder beheimatet. Neben Schermaus, Feldmaus und Brandmaus, die eine wichtige Nahrungsquelle für durchziehende Greifvogelarten darstellen, sind auch der Feldhase und das Hermelin heimisch. Ab und zu versucht der Rotfuchs, sich auf der Insel niederzulassen. Er stellt allerdings eine ernste Gefahr für die Brutvögel und ihren Nachwuchs da. Mit der Wechselkröte ist auch die Klasse der Lurche vertreten.

Die Insel ist für öffentliche Besucher gesperrt. Es befindet sich auf ihr nur eine Forschungsstation des Fachbereichs Biologie der Universität Rostock. Die Vögel werden hier von Biologen und Mitgliedern des Vogelschutzvereins „Jordsand“ eingefangen und untersucht. Jungvögel werden beringt, bei Vögeln, die schon einen Ring besitzen, wird die Nummer abgelesen, um die Wanderungsroute nachvollziehen zu können.
Surfer und andere Wasserfahrzeuge müssen einen Abstand von mindestens 100 m zur Insel einhalten. Mit dem Fernglas sind vom Gollwitzer Ufer aber gut Beobachtungen der Vögel möglich.

Abb. 5.2, Die Küstenseeschwalbe brütet am offenen Strand

Fauler See

Seit 1978 steht ein weiteres Gebiet von 70 ha im Südwesten der Insel unter Naturschutz. Der Faule See mit Rustwerder, den umgebenden Salzwiesen von Gausurt/Hinterwangern bis Brandenhusen ist besonders schützenswert, da hier ein einzigartiges System von Strandwällen und verlandenden Flächen mit Uferröhrricht und Flachwasserbuchten vorhanden ist.

Der Strand ist der einzige der Insel, der nicht durch Badebetrieb beeinträchtigt wurde. Die vorhandene, artenreiche Salzflora muss in ihrer Vielfalt erhalten bleiben, auch um Vögeln einen Lebensraum zum Rasten und Brüten zu bieten.

Vom Weg von Hinterwangern zum Strand und vom Hof Brandenhusen kann der interessierte Besucher einen Blick auf das Naturschutzgebiet Fauler See werfen.

 

5.2. 

Küstenschutz

Nach jedem Hochwasser mit Sturm kann man Veränderungen an der Küste erkennen. Durch den natürlichen Vorgang der Erosion und Sedimentation an der Küste bricht an den Steilküsten Material ab, an seichten Stellen in ruhigen Buchten wird hingegen Sand abgelagert.

Bereits seit 1865 versuchen die Poeler Einwohner, ihre Küsten mit den unterschiedlichsten Maßnahmen zu schützen. Im November des Jahres 1872 gab es ein Sturmhochwasser, das an verschiedenen Küstenabschnitten zwischen 15 und 30 m der Küste abbrechen ließ.
Die Ufer sollten nun nicht mehr beliebig betreten werden und Seetang, Sand und Steine nicht mehr entnommen werden. Allerdings wurden weiterhin Gesteinsblöcke, Sand und Kies von den Stränden entnommen um sie als Baumaterial zu verwenden. Dies trug nicht wenig zum Rückgang der Küste bei. An der Nordküste wurden für den Straßenbau noch Anfang des 20. Jahrhunderts große Steine vom Strand entfernt, sodass diese als natürliche Wellenbrecher fehlen und somit die Ostseewellen mit mehr Kraft an den Strand rollen.

Im Winter 1929/1930, nach dem Bau der Hafenmolen in Timmendorf-Strand, bildete sich hinter der neuen Südmole bei Sturmhochwasser ein Neerstrom (Strudel). Dieser spülte große Bereiche des Ufers weg. In der Folge wurde noch ein Steinwall an die Südmole angebaut und der Hafen ausgebaggert. Das dabei zutage kommende Material wurde hinter die Südmole gespült.
Diese anthropogenen Eingriffe in die natürlichen Strömungsverhältnisse hatten zur Folge, dass sich das südlich angrenzende Gebiet zu dem Areal mit dem stärksten Küstenabbruch entwickelte. Nördlich des Hafens lagert sich dafür Sand ab und bildet einen 90 m breiter Sandstrand.
Am Strand des schwarzen Buschs wurden 1937/38 Buhnen angelegt. Hier sollte sich Sand im Bereich des Kurhaus-Badestrandes ablagern.

Von 1962 bis 1972 wurden entlang der gesamten Außenküste von Gausurt im Süden bis Gollwitz im Nordosten ein Küstenschutz-Waldstreifen angepflanzt. Dieser sollte mehrere Vorteile bewirken: neben der Verminderung des Küstenabbruchs und dem Schutz der an die Küste angrenzenden Äcker vor Wind wurde auch Lebensraum für viele Vogelarten geschaffen. Dieser 80 ha große Waldstreifen veränderte das Aussehen der bis dahin unbewachsenen Küste extrem.

Die Dünen bei Schwarzer Busch und Timmendorf-Strand werden durch eine Einzäunung vor Zerstörung bewahrt. Hinweisschilder erläutern den Urlaubsgästen den Sinn dieser Absperrung.

Um die Kirchsee zu erhalten, die sonst schon längst durch den Brandenhusener Haken von der Ostsee abgeschnürt wäre, wird immer wieder die Fahrrinne zum Kirchdorfer Hafen ausgebaggert.

Abb. 5.4, Steilküste auf der Insel Poel
 

6. 

Probleme und Perspektiven

Auf der Insel Poel gibt es verschiedene Probleme, die sich allerdings nicht sehr von anderen Regionen unterscheiden. Zum einen der Konflikt zwischen touristischer Nutzung der Natur und Naturschutz, zum anderen die Probleme durch die Nutzung der Küste, der Küstenabbruch, der durch anthropogene Eingriffe noch verstärkt wird. Außerdem gibt es einen gewissen Anteil an jungen Menschen, die es eher in die Städte zieht und die deshalb auch aufgrund besserer Chancen auf dem Arbeitsmarkt von der Insel abwandern.

Abb. 6.1, Luftbild von Südwesten.
 

6.1. 

Probleme

Ein Konfliktpunkt auf der Insel Poel ist der Tourismus. Er beeinträchtigt teilweise die Natur und die Poeler Bevölkerung.

Auf den Strandabschnitten ist durch den Badebetrieb die natürliche Vegetation gestört worden. Außerdem stellt sich die Frage, ob weiterhin ein Ferienhaus nach dem anderen neu gebaut werden soll, um von steigenden Gastzahlen zu profitieren. Es sollte auch ans Wohl der Einheimischen gedacht und nicht jeder Quadratmeter der Küste zugebaut werden.

Ganz aktuell besteht dieses Problem in Timmendorf-Strand, wo ein Gelände in unmittelbarer Nähe zu Leuchtturm und Hafen mit neuen Ferienhäusern bebaut werden soll. Die Preise der bebauten Grundstücke sind hoch, so dass sich die wenigsten Poeler eine solche Immobilie leisten könnten. Somit wird das Land Auswärtigen vermacht.

Jedoch profitieren viele Einwohner der Insel Poel von den Massen an Touristen, sei es als Strandkorbvermieter, Gaststättenbesitzer, Fahrradverleiher, Supermarktbetreiber etc. Andere wiederum klagen über das hohe Verkehrsaufkommen an den Sommerwochenenden, wenn es hunderte von Gästen an die Strände von Timmendorf und Schwarzer Busch zieht.

Abb. 6.2, Schwäne auf der Kirchsee

Foto: Julia Goldhammer 2004
 

6.2. 

Perspektiven

Durch das hohe Erholungspotential ist Poel prädestiniert für den Tourismus. Allerdings muss die Waage gefunden werden zwischen wirtschaftlich gewinnbringendem und umweltverträglichem Tourismus.

Wird die für die Erholung des Menschen und das gesamte Ökosystem so wertvolle, teilweise noch ursprüngliche Natur auf Poel geschützt, ist damit auch eine weiterhin hohe Urlauberzahl garantiert. Fast alle Touristen kommen nach Poel, um sich in der Natur zu erholen, die Stille und Ruhe zu erleben und zu genießen.

Abb. 6.3, Segelboote im Hafen von Timmendorf-Strand
 

7. 

Quellen