Disclaimer:
Dieses Lernmodul wurde vom Verein EUCC - Die Küsten Union Deutschland e.V. erstellt. Es ist im Rahmen des Forschungsprojekts „Interdisziplinäre Forschung zum Küstenzonenmanagement: Tourismus, Naturschutz und Baggergutverklappung in der Küstenregion Warnemünde-Kühlungsborn“ entstanden.

Strand- und Dünenmanagement am Beispiel Warnemünde

Zusammengestellt von
Diplom-Geographin Anke Vorlauf
Juni 2005

(letzte Aktualisierung: Juli 2008)

Erstellt durch die EUCC - Die Küsten Union Deutschland e.V. im Auftrag des Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) im Rahmen des Interreg IIIB-Projektes BaltCoast.

 

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis:
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5.2. Fazit
 

1. 

Einführung

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Brennpunkt Küstenzone

(PDF, 460,9 kB)

Weltweit stellen die Küstenräume der Erde wertvolle Übergangsbereiche zwischen Meer und Land dar. Diese Übergangsbereiche werden von Menschen, Tieren und Pflanzen als Lebensräume auf zum Teil sehr unterschiedliche Weise genutzt.

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Küstennutzung

(PDF, 16,6 kB)

Der Mensch siedelt, wirtschaftet und erholt sich in den Küstenräumen. Als Folge treten Interessenskonflikte beispielsweise zwischen den Belangen des Tourismus, der Energiewirtschaft, des Naturschutzes, der Schifffahrt und des Küstenschutzes auf. Eine Konfliktvermeidung bzw. die Lösung bereits bestehender Probleme kann aufgrund der Komplexität von Nutzungsinteressen nur mit Hilfe eines Integrierten Managements bewältigt werden.

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IKZM- was ist das?

(PDF, 13,8 kB)

Zu diesem Zweck wird seit einigen Jahren der Lösungsansatz eines Integrierten Küstenzonenmanagements (abgekürzt: IKZM) verfolgt. Allerdings zeigen anhaltende Probleme, Interessenskonflikte, gegenläufige und sich überlagernde Nutzungen, dass das Konzept des Integrierten Küstenzonenmanagements bzw. die Strukturen und Methoden dafür bislang nur wenig bzw. unzureichend in der Bundesrepublik Deutschland entwickelt sind.

Aus diesem Anlass wurde im Jahr 2001 für die Küste Mecklenburg-Vorpommerns (nordöstliches Deutschland) das Projekt „Interdisziplinäre Forschung zum Küstenzonenmanagement: Tourismus, Naturschutz und Baggergutverklappung in der Küstenregion Warnemünde-Kühlungsborn“ bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) beantragt und eine einjährige Vorstudie bewilligt.

In dem Ihnen hier zur Verfügung gestellten Informations- und Lernmodul „Strand- und Dünenmanagement am Beispiel Warnemünde“ werden Teilaspekte des Projektes vorgestellt. Einen wesentlichen Bestandteil des Projektes stellte dabei die Untersuchung des Konfliktfeldes Strandmanagement in dem Küstenort Warnemünde dar.

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Das Projekt „Interdisziplinäre Forschung zum Küstenzonemanagement: Tourismus, Naturschutz und Baggergutverklappung in der Küstenregion Warnemünde-Kühlungsborn“ war interdisziplinär ausgerichtet und wurde vom Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW), Ostseeinstitut für Seerecht und Umweltrecht (OSU) der Universität Rostock und vom Institut für Agrarökonomie und Verfahrenstechnik (IAV) der Universität Rostock betrieben. „Auf diese Weise werden aus den unterschiedlichen wissenschaftlichen Blickwinkeln die verschiedenen Problemkreise des Integrierten Küstenzonenmanagement (IKZM) im Untersuchungsgebiet näher beleuchtet“ (SCHMIDT, 2005, S. 8). Die Vorstudie des Projektes begann am 1.01.2002 und wurde nach einer einjährigen Laufzeit am 31.12.2002 abgeschlossen.

Ziel des Projektes war im Rahmen der Vorstudie exemplarisch für den Untersuchungsraum Warnemünde-Kühlungsborn die Konflikte zwischen den Bereichen Tourismus, Naturschutz und Baggergutverklappung und anderen Nutzungen zu dokumentieren, Nutzer und Entscheidungsträger zu benennen und zusammenzuführen, sowie Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen. „Dabei sollten die konkreten Bedürfnisse der Region und die praxisrelevanten Themen vor allem durch Rücksprache mit den regionalen Akteuren ermittelt und deren Vorschläge aufgegriffen werden. Die Schwerpunktsetzung war danach entsprechend zu modifizieren bzw. neu auszurichten. Die Forschungsthemen wurden daher nicht abstrakt von den Forschern vorgegeben, sondern orientierten sich an den Praxisproblemen“ (SCHERNEWSKI, GÄRTNER, SCHMIDT & HEGER, 2002, S. 4). Anhand von konkreten Beispielen sollten die „Akteure und Interessenten eines regionalen Küstenzonenmanagements von der praktischen Notwendigkeit und dem wirtschaftlichen Nutzen eines integrierten Planens und Handelns (...) [überzeugt werden und] modellhaft Perspektiven für ein langfristiges Management insbesondere der Küstengewässer [gezeigt werden]“ (SCHERNEWSKI, GÄRTNER, SCHMIDT & HEGER, 2002, S. 4). Ein weiteres Ziel der Vorstudie war die Erarbeitung notweniger Grundlagen, um die Fortführung des Projektes in einer groß angelegten Hauptstudie zu ermöglichen.

In der geplanten ungefähr dreijährigen Hauptstudie sollten die Wechselwirkungen zwischen sämtlichen Nutzungen im Bereich der Küstenzone und dem Hinterland umfassend untersucht und ausgewertet werden. Daher wurde bereits während der Vorstudie eine enge Zusammenarbeit mit den Gemeinden, Bürgern, Interessensvertretern und insbesondere mit den lokalen und regionalen Agenda-Büros angestrebt, um darüber eine zukünftige Einbindung eines IKZM in bestehende Strukturen zu ermöglichen. Das übergeordnete Ziel der Hauptstudie wäre die Erarbeitung und Integration eines funktionsfähigen Küstenzonenmanagements für die Region Warnemünde-Kühlungsborn gewesen. Das Konzept sollte sich später auf die gesamte Ostseeküstenregion von Mecklenburg-Vorpommern übertragen lassen. Leider wurde die Hauptstudie aufgrund finanzieller Engpässe der Förderorganisation nicht durchgeführt und die geleistete Vorarbeit konnte nur bedingt Früchte tragen (vgl. Kapitel 5).

 

1.1. 

Ziele und Konzepte des Projektes

Ziel des Projektes
Das wesentliche Ziel des Projektes „Interdisziplinäre Forschung zum Küstenzonenmanagent: Tourismus, Naturschutz und Baggergutverklappung in der Küstenregion Warnemünde-Kühlungsborn“ war die Erarbeitung und Integration eines funktionsfähigen Küstenzonenmanagements für die Region Warnemünde-Kühlungsborn. „Im Mittelpunkt des Projektes stand das Aufzeigen von Perspektiven für eine nachhaltige und zukunftsorientierte Entwicklung in der Küstenregion Warnemünde-Kühlungsborn sowie die Ausarbeitung von konkreten Lösungskonzepten unter Beteiligung aller Entscheidungsträger und Nutzer, welches durch das Verflechten von juristischen, sozioökonomischen und naturwissenschaftlichen Grundvorraussetzungen und Untersuchungen gewährleistet werden sollte. Daneben war das Definieren von allgemeinen wie auch konkreten Zielen speziell für diese Küstenregion eine primäre Aufgabe“ (SCHERNEWSKI, GÄRTNER, SCHMIDT & HEGER, 2002, S. 2).

  Zum Lesen

In der von der DBU bewilligten Vorstudie wurden - unter Berücksichtigung der aktuellen Nutzungen, Probleme und Defizite in der Küstenregion Warnemünde-Kühlungsborn - die Bereiche Tourismus, Naturschutz und Küstenschutz untersucht. Aufgrund ihrer Aktualität und der Präsenz der Themen in den Medien wurden für die Untersuchungsregion des Weiteren die drei Themenschwerpunkte Sportboothäfen, Baggergutverklappung und Strandmanagement gewählt und intensiv bearbeitet. Ziel war es, genauer die Konflikte zwischen Tourismus, Naturschutz, Baggergutverklappung, Strandmanagement, Sportboothäfe etc. zu untersuchen.

Um in der Küstenregion Warnemünde-Kühlungsborn ein Integriertes Küstenzonenmanagement initiieren und integrieren zu können, musste zunächst eine Entscheidungsbasis gelegt werden. Dafür wurden im Rahmen der Vorstudie folgende Fragestellungen erörtert:

  1. „Welche maritimen Entwicklungspotenziale gibt es und wie sollen diese genutzt werden?
  2. Wird ein Leitbild bzw. eine explizite Strategie zur Entwicklung der Küstenzonen benötigt?
  3. Welche weitergehenden Schutzmaßnahmen wären mit derartigen Ausdehnungen erorderlich?
  4. Droht ein Wildwuchs von Nutzungen auf den Meeren? Brauchen wir deshalb eine Raumordnung der Meere und wenn ja, wie soll diese aussehen?
  5. Welche Vor- und Nachteile würde eine Erweiterung des Zuständigkeitsbereichs der Kommunen in Richtung Meer mit sich bringen? Wollen die Kommunen das überhaupt?
  6. Wie kann man die Forderungen nach mehr Teilhabe, nach mehr Mitgestaltung durch die Regionen praktikabel umsetzen?
  7. Welche für die Entwicklung in Mecklenburg-Vorpommern bedeutsamen Herausforderungen stellen sich im Küstenbereich?
  8. Wie werden diese Herausforderungen bearbeitet? Welche Handlungsbedarfe liegen vor oder sind zu erwarten?
  9. Welchen Beitrag könnte dabei ein IKZM leisten?
  10. Welchen räumlichen, inhaltlichen und organisatorischen Anforderungen sollte ein solches IKZM genügen?
  11. Wie könnte ein IKZM in die vorhandenen adminstrativen und instrumentellen Strukturen eingegliedert werden?
  12. Wie sollten die Zuständigkeiten geregelt werden?
  13. Wer sollte beteiligt sein und wie können regionale und lokale Akteure eingebunden werden?“ (SCHMIDT, 2005, S. 11).

Um Antworten auf diesen Fragestellungen zu finden, wurde zunächst eine umfassende Bestanderhebung durchgeführt und die konkreten Fragestellungen, relevante Akteure, bestehende Konflikte und das bereits vorhandene Entwicklungspotenzial der Region erfasst. Das weitere Vorgehen wird im Folgenden näher beschrieben.

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Konzept (Methodik) der Studie
Zu Beginn der Vorstudie im Januar 2002 beschlossen die Projektmitarbeiter auf einem Projekttreffen zukünftig monatliche Treffen durchzuführen, um darüber eine kontinuirliche Abstimmung aufeinander zu gewährleisten. Um eine Entscheidungsbasis für ein regionales IKZM zu haben, wurde zunächst eine Bestandserhebenung eingeleitet. Mit Hilfe der Bestanderhebung sollten konkrete Fragestellungen, relevante Akteure, bestehende Konflikte und das vorhandene Entwicklungspotenzial erfasst werden. „Hierzu wurden vier Wege parallel verfolgt:

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Um die Bestandaufnahme möglichst effektiv zu gestalten, wurden in den ersten Monaten so genannte Amtshilfeschreiben an die betroffenen Gemeinden und staatlichen Ämter verschickt, die einen Bezug zu den Untersuchungsthemen (Küstenschutz, Tourismus, Regionalplanung, Naturschutz und Verklappung) aufwiesen. In den Amtshilfeschreiben wurde um die Einsicht in bereits existierende - für das IKZM relevante - Pläne, Programme und weitere Materialien gebeten, sowie um die Unterstützung des Projektteams durch die Bereitschaft zu Gesprächen und Beratungen. Des Weiteren wurde in den lokalen Zeitungen nach Artikeln zu den Untersuchungsthemen recherchiert und Protokolle von Gemeindesitzungen gesichtet.

Mit Hilfe dieser Arbeitsschritte wurden zum einen die Themenschwerpunkte immer weiter konkretisiert, zum anderen halfen die Gespräche mit den unterschiedlichsten Akteuren „Aufschluss über Möglichkeiten der Kooperation und über die unterschiedlichen Sichtweisen hinsichtlich der Notwendigkeit eines Integrierten Küstenzonenmanagements und dessen Funktionalität und Applikation in der Untersuchungsregion“ (SCHERNEWSKI, GÄRTNER, SCHMIDT & HEGER, 2002, S. 5) zu erhalten.

 

1.2. 

Untersuchungsgebiet

Als Untersuchungsgebiet für die Pilotstudie wurde die Küstenregion Warnemünde-Kühlungsborn gewählt. Die Küste zwischen den beiden Orten Warnemünde und Kühlungsborn ersteckt sich über 30km. „Landseitig wurden lediglich die Gebiete der unmittelbar an die Ostsee grenzenden Gemeinden berücksichtigt (Stadt Kühlungsborn, Stadt Bad Doberan, Gemeinde Wittenbeck, Gemeinde Bögerende-Rethwisch, Gemeinde Nienhagen, Gemeinde Elmenhorst-Lichtenhagen, Hansestadt Rostock); wasserseitig galt die 12-Seemeilenzone als Untersuchungsgrenze. Eine mögliche räumliche Ausdehnung wurde für die Hauptstudie vorbehalten“ (SCHERNEWSKI, GÄRTNER, SCHMIDT & HEGER, 2002, S. 5).

Karte 1: Karte des Untersuchunggebietes Warnemünde-Kühlungsborn
Quelle: SCHMIDT, 2005, S. 23
Die Küstenregion bietet sich als Untersuchungsraum an, da sich hier „küstenspezifische Nutzungsansprüche und mit Ihnen die Nutzungskonflikte [mehren], so dass hier die grundsätzlichen Fragen eines IKZM bestens erörtert werden können“ (SCHMIDT, 2005, S. 22). Dies zeigt sich u. a. auch darin, dass die Region zum einen im regionalen Raumordnungsplan Mittleres Mecklenburg/ Rostock als Tourismusschwerpunkt bzw. -entwicklungsraum ausgewiesen ist. Zum anderen stellt die Untersuchungsregion teilweise auch einen Vorsorgeraum für Naturschutz und Landschaftspflege dar, so dass u. a. zwischen Tourismus und Naturschutz Interessenskonflikte zu erwarten sind. „Der Küstenabschnitt deckt ein breites Spektrum unterschiedlicher wirtschaftlicher Entwicklungen ab und kann als repräsentativ für weite Teile der Küste Mecklenburg-Vorpommerns angesehen werden“ (SCHMIDT, 2005, S. 22). Damit eignet sich die Küstenregion als exemplarisches Untersuchungsgebiet, um ein funktionsfähiges Küstenzonenmanagement für die Region zu erarbeiten und das Konzept auf die gesamte Ostseeküstenregion von Mecklenburg-Vorpommern zu übertragen.

 

2. 

Strandmanagement

Der Themenkreis Strandmanagement war einer der drei Themenschwerpunkte der einjährigen Pilotstudie „Interdisziplinäre Forschung zum Küstenzonenmanagement: Tourismus, Naturschutz und Baggergutverklappung in der Küstenregion Warnemünde-Kühlungsborn“.

Der Schwerpunkt Strandmanagement wurde für das Pilotprojekt aus folgenden Gründen gewählt:
Erstens umfasst ein Strandmanagement den hoch sensiblen Strandbereich, der als Grenzraum zwischen Meer und Land den ökologisch und ökonomisch wichtigsten Bereich der Küstenzone darstellt. Im einzelnen bedeutet dies u. a., dass der Strand als Übergangszone zwischen Land und Wasser ein ökologisch wichtiger Lebensraum für Fauna und Flora ist. Für den Tourismus ist der Strandbereich als Erholung- und Freizeitraum wichtig und wird im Bereich des marinen Tourimus meist als wichtigstes Wirtschaftsgut betrachtet. Und im Bereich des Küstenschutzes werden die meisten Küstenschutzmaßnahmen in unmittelbarer Strandnähe durchgeführt (Bau von Buhnen, Erhaltung der Dünen, Bau von Deichen etc.)

Zum zweiten erfordern Brennpunkte wie beispielsweise eine zunehmende Strandversiegelung, Strandüberlastung, Strandverschmutzung und Dünenabtragung eine umsichtige Planung und Nutzung des Strandbereichs.
Aus diesen Gründen und der unmittelbaren Präsenz des Themas Strandmanagement in den lokalen Medien während der Untersuchung, wurden die Elemente eines Strandmanagements in der Untersuchungsregion Warnemünde-Kühlungsborn näher betrachtet und „die hier agierenden Interessensgruppen und ihre Verantwortlichkeiten dargestellt (...). Anschließend sollten die Nutzungskonflikte und die Problemfelder erörterte und Lösungsvorschläge angeboten werden“ (SCHMIDT, 2005, S. 80).

 

2.1. 

Brennpunkt Strand

Weltweit kommt den Küstengebieten der Erde eine besondere Bedeutung im Hinblick auf die Bereiche Ökologie, Ökonomie und Soziales zu. Für den wirtschaftlich wichtigen und zudem wachstumsintensiven Wirtschaftsbereich Tourismus stellen die Küstenräume ein äußerst wichtiges Wirtschaftsgut dar. Auf der anderen Seite gehören die Küstenräume auch zu den ökologisch reichsten und sensibelsten Räumen der Erde. Konflikte zwischen diesen Bereichen können daher nicht verwundern - frühzeitige Konfliktvermeidung oder -verringerung sollten ein wichtiges regionales Entwicklungsziel sein.

Im kleineren Maßstab trifft dies auch auf die Strandbereiche zu: weltweit reisen Millionen von Menschen zu Erholungszwecken an die Küsten und verbringen ihren Urlaub am Strand. Werbeslogans wie „Sonne, Sand und Mee(h)r“ locken sowohl Einheimische wie Touristen an die Sand- und Steinstrände dieses Planeten. Auch der Küste Mecklenburg-Vorpommern kommt eine hohe touristische und wirtschaftliche Bedeutung zu. Mehr als 50 % der Arbeitskräfte in der Untersuchungsregion sind vom Wirtschaftspfeiler Tourismus abhängig. Allerdings führen die hohe touristische Konzentration an den Küsten, die räumliche und stark saisonale Konzentration unterschiedlicher Nutzungen neben ökologischen Auswirkungen auch zu weitreichende wirtschaftliche Folgen. Daher hat sich die deutsche Tourismusbranche dem „nachhaltigen Tourismus“ als Leitbild verschrieben, der die ökologische, ökonomische und soziale Verträglichkeit des Tourismus fordert.

In dem schmalen Übergangsbereich zwischen Land und Wasser - dem Strand - treten aufgrund sich überlagender und zum Teil entgegenstehender Interessen zunehmend Probleme und Konflikte auf.

Beispiele für unterschiedliche Interessen, die in einem Strandbereich auftreten können, wären u. a. die Konfliktfelder zwischen:


Im einzelnen bedeutet dies, dass beispielsweise der Tourismus den Anspruch stellt, in einer touristisch genutzten Küstenregion einen gesäuberten, breiten Strand mit vielfältigen Freizeit- und Erholungsangeboten vorzufinden bzw. ihn dafür nutzen zu können. Dem stehen u. a. die Ansprüche des Naturschutzes entgegen, der einer uneingeschränkten Nutzung des Strandes durch Touristen und Einheimische oftmals kritisch gegenüber steht, um den ökologisch wertvollen und einzigartigen Übergangsbereich zwischen Land und Meer zu schützen. Ergänzend zu diesen bereits konkurrierenden Nutzungsansprüchen benötigt der Küstenschutz im Strandbereich Flächen z. B. für den Bau von Deichen und Buhnen bzw. zum Erhalt der Küstenanlagen wie beispielsweise der Befestigung von Stranddünen mittels Strandhafer.

Bereits diese wenigen Beispiele zeigen, dass es aufgrund unterschiedlicher Nutzergruppen und deren Interessen generell zu Konflikten im Strandbereich kommen kann. Mit Hilfe eines so genannten Strandmamagements könnten diese potentiellen Konflikte vermieden bzw. gelöst werden. Inwiefern dies tatsächlich möglich ist, sollte mit dem Themenschwerpunkt Strandmanagement in der Vortsudie des Projektes untersucht werden.

 

2.2. 

Potentielle Problem- und Konfliktfelder

Wie bereits in Kapitel 2.1 beschrieben, kommt es im Strandbereich zunehmend zu überlagernden und entgegenstehenden Interessen und damit zunehmend zu Problemen und Konflikten. Im Folgenden werden die im Rahmen der Bestanderhebung ausgemachten Konfliktfelder des Strandbereichs in der Untersuchungsregion beschrieben. Ergänzend dazu werden Beispiele aus der lokalen Presse angeführt, um zu zeigen, in welcher Form die Medien mit den Konflikten umgegangen sind und der lokalen Öffentlichkeit präsentiert haben.

Als Konfliktfelder wurden für den Strandbereich der Untersuchungsregion Warnemünde-Kühlungsborn folgende Bereiche benannt:


Diese Konfliktfelder werden nun im einzelnen erörtert. Das Konfliktfeld Dünenabtragung/ -abschiebung wird dabei (aufgrund des Themenschwerpunktes des Lernmoduls) ausführlicher behandelt, als die anderen Felder.

a) Dünenabtragung/ -abschiebung
Der Küstenort Warnemünde ist - wie die übrige Region - stark vom maritimen (Sommer-) Tourismus geprägt. Der Ort Warnemünde zählt zwar nur 6000 Einwohner, wurde im Untersuchungszeitraum (2002) aber von rund 675 000 Übernachtungsgästen besucht - nicht mitgezählt die große Zahl an Tagesgästen, die u.a. aus den Städten Rostock und Berlin für einen Ausflug ans Meer reisten. Diese Besucherzahl verdeutlicht, wie wichtig für den Küstenort Warnemünde (wie auch für andere Küstenorte) die Größe und Qualität eines Strandes als wichtiges Wirtschaftsgut ist.

Die Größe des Strandes in Warnemünde wird durch den - vorwiegend von West nach Ost vorherrschenden - Küstenparallelen Sedimenttransport bestimmt. Dieser Küstenparallele Sedimenttransport transportiert normalerweise Material von Erosionsküsten an die Akkumulationsküsten und versorgt darüber die Küstenlinien mit Sedimenten. Da aber an der Ostseite des Strandes in Warnemünde vor dem Eingang zum Rostocker Hafen eine Mole den küstenparallelen Sedimenttransport unterbricht, verbreitert sich der Strand an der Westseite der Mole ständig. Neben dem Strand erhalten aber auch die Dünen eine ständige Sedimentzufuhr. Besonders bei den aus Westen dominierenden Winden im Herbst und Winter wandert der Sand vom Strand an die Dünen und lässt die Dünen teilweise an die neun Meter hoch wachsen. In einigen Bereichen bleiben dann am Strand nur noch Kiese zurück und die Qualität des Sandstrandes wird stark beeinträchtigt.

Die ungewöhnliche Höhe der Dünen in Warnemünde führte dazu, dass in dem Küstenort eine Diskussion bezüglich einer Dünenabschiebung aufkam.
Das Konfliktfeld Dünenabtragung ergibt sich generell aus den unterschiedlichen Ansprüchen an den Strand, die beispielsweise zwischen Tourismus, Naturschutz und Küstenschutz aufkommen können. Die Frage, ob es zu einer Dünenabschiebung in einem Strandbereich kommt oder nicht, stellt sich dabei aber vorrangig in touristisch intensiv genutzten Räumen. Ansprüche der Tourismusbranche wie z.B. eine freie Sicht aufs Meer von Hotels, Restaurants und der Promenade aus oder der ungehinderte, d.h. unbeschwerte Zugang zum Strand und den dortigen Freizeitangeboten, führen meist dazu, dass eine Dünenabtragung diskutiert wird. Erscheint die Dünenabschiebung für die touristischen Belange als Lösung geeignet, treten dagegen z.B. die Ansprüche des Küstenschutzes. Ein weiterer Aspekt wären die Interessen des Naturschutzes bezüglich des Lebensraums Düne und ästhetische Ansprüche, d.h. unterschiedliche Wunschvorstellungen von einem schönen Strand erweitern die Diskussion.

Generelle Streitfragen, die sich im Zusammenhang mit einer Dünenabschiebung ergeben, wären z.B.: „Die Dünen abschieben oder nicht? Ganz oder nur teilweise? Nur alle 5-6 Jahre oder regelmäßig? Wer soll das Abschieben bezahlen? Sind Dünen Biotope oder u. U. gar nur ´künstliche Bauwerke`? Stehen die Dünen unter Naturschutz? Gab es früher schon solche Dünen? Wie werden sich die Dünen und ihr Bewuchs in Zukunft entwickeln? Was für Dünen benötigt der Küstenschutz? Kann mittels Abschiebung der Dünen und Umlagerung des Sandes die Strandqualität verbessert werden?“ (SCHMIDT, 2005, S. 89).

  Zum Lesen

Bereits vor aber auch während des Untersuchungszeitraumes wurden in dem Küstenort Warnemünde solche und ähnliche Fragestellungen diskutiert. Die Pressemitteilungen überschlugen sich: „Die Dünen wachsen uns in den Himmel“, „Dünen dienen dem Sand als Sprungschanze“, „Dünenstreit verlangt von allen Kompromisse“ etc. Bereits diese kurze Auflistung an Schlagzeilen, lässt das Konfliktpotential bezüglich einer Dünenabschiebung erkennen (vgl. die Pressemeldungen im Kasten „Zum Lesen“ rechts).

Warnemünde zeigte sich gespalten: während Naturschützer und einige Ortsansässige Warnemündes gegen eine Dünenabschiebung waren, und die hohe ökologische Bedeutung der Dünen als Lebensraum betonten, befürworteten Investoren und andere Ortsansässige eine Abschiebung, da sie einen freien Zugang zum Strand und eine ungestörte Sicht auf den Strand und das Meer als touristisch wichtiges Qualitätsmerkmal für wichtiger erachteten, als den Schutz dieser Dünen (vgl. die diversen Leserbriefe im Fensterlink „Zum Lesen“, die als Reaktion auf die Dünen-Diskussion an die Ostseezeitung geschrieben wurden).

Abb. 1: Pressemeldungen und Zeitungsausschnitte zur Dünenabschiebung
Quelle: eigene Zusammenstellung

Nach einer längeren Diskussion der Problematik einigten sich die Parteien auf eine regelmäßige – naturverträgliche - Abschiebung der Dünen. Dafür wurde der gesamte Strandbereich in 16 Planungsquadrate eingeteilt und ein Dünenabschiebungsplan aufgestellt. Dieser sah vor, dass pro Jahr je zwei Planquadrate abgeschoben werden. Damit würde jede Düneneinheit alle sieben Jahre abgeschoben werden und so ein unkontrolliertes Heranwachsen der Dünen auf mehrere Meter Höhe unterbunden werden. Die abgeschobenen Dünen könnten dann wieder mit Strandhafer bepflanzt werden und sich das Ökosystem erholen.

Ostseezeitung: Wochenendausgabe, 19./20. Januar 2002

Kompromiss zur Teepott-Düne ist jetzt gefunden
Naturschutz hat weiter hohe Priorität

Die Sanierung des Teepotts schien fast an der Dünenfrage zu scheitern. Jetzt wurde ein Kompromiss gefunden. Vor dem Teepott werden drei Felder abgeschoben, die übrigen Dünen sind tabu.

Warnemünde (OZ) Die Teepott-Sanierung hatte sich an der Frage zugespitzt, ob die Investoren Wolfgang Holz und Hilger Patzner die Dünen vor den Teepott abschieben dürfen oder nicht (OZ berichtete). Die Fronten waren festgefahren.

Die Warnemünderin Dr. Annette Boog sieht die betroffenen Dünen als Tabu-Zonen an. Aus ihrer Sicht lässt das Landesnaturschutzgesetz einen solchen Eingriff in ein gesetzlich geschütztes Biotop nicht zu. Sie akzeptiert auch nicht das Argument vom Gemeinwohl. Von einem „überwiegend öffentlichen Interesse“ könnte man reden, so Annette Boog, wenn die Funktionsfähigkeit von Bahn oder Post gefährdet wären oder eine Seuchengefahr abgewendet werden müsste. Im Gegenteil: „Die Erhaltung dieser Tabuzonen ist meines Erachtens ein überwiegendes Gemeinwohlinteresse, so dass eine Abschiebung in jedem Fall rechtswidrig wäre.“ Ähnlich argumentiert auch die Vorsitzende des Umweltausschusses des Ortsbeirates. Magdalene Flemming hat bereits im November das Umweltministerium in Schwerin schriftlich aufgefordert, gegenüber Oberbürgermeister Arno Pöker die „fachaufsichtlichen Informations- und Weisungsrechte kurzfristig wahrzunehmen“. Pöker hätte den Investoren nämlich versprochen, sich für ihre Wünsche einzusetzen.

Es musste also schnell eine Lösung gefunden werden, die vielleicht die letzte Chance zur Teepott-Sanierung wahrt und trotzdem den Naturschutz nicht aushebelt. Das scheint gelungen. Umweltsenator Dr. Wolfgang Nitzsche hatte am Donnerstagabend zu einer internen Beratungsrunde alle Fachleute eingeladen, die an der Entscheidung mitwirken. Der Leiter des Staatlichen Amtes für Umwelt und Natur, Hans-Joachim Meier, sein Abteilungsleiter Naturschutz, Dr. Christian Berg, der Leiter der unteren Naturschutzbehörde, Dr. Stefan Neubauer, und der Vorsitzende des Warnemünder Ortsbeirates Peter Brehm waren unter anderem dabei. „Wir sind zu einem Kompromiss gekommen“, fasst Senator Nitzsche das Ergebnis zusammen. Es wäre die bisher schwierigste Entscheidung seiner Amtszeit gewesen, erzählt Nitzsche. Er betont, dass alle Beteiligten „sehr verantwortungsbewusst“ gewesen sind. Auch „die Interessen der Naturschutzverbände sind sehr ernst genommen worden“.

Auch wenn Nitzsche erst den Oberbürgermeister über den Kompromiss informieren und noch nichts zum Inhalt sagen wollte, sickerte dessen Hauptaussage bis ins Ostseebad: Die Dünenfelder eins, zwei und drei am Teepott dürfen abgeschoben werden. Als Ausgleich bleiben alle weiteren Dünenfelder bis zur Nummer 15 (Höhe Hotel Neptun) tabu. Künftig werden dort Eingriffe kaum noch möglich sein.

Peter Brehm, der auch bei den Naturschutzverbänden sehr aktiv ist, war mit dem Ergebnis der Sitzung zufrieden: „Mit dem Kompromiss kann ich leben, zumal andere Dünenfelder nicht angetastet werden.“ Brehm bestätigt, wie sehr alle um den Kompromiss gerungen haben. „Wenn dieser Kompromiss nicht durchgeht, wüsste ich nicht, was dann noch machbar sein sollte.“ Peter Brehm sieht als positiven Nebeneffekt, dass mit dem abgeschobenen Dünensand eine deutliche Verbesserung der oft kritisierten Sandqualität in diesem Strandabschnitt erreicht werden kann. THOMAS STERNBERG
Quelle: http://www.ostseezeitung.de/archiv.phtml (20.06.2005)

Da sich aber die (potentiellen neue) Investoren und großen Hotelbetreiber vor Ort an den „zu groß gewachsenen“ Dünen störten, forderten sie eine häufigere Abschiebung ausgewählter Dünenbereiche. Die Investoren und Hoteliers setzten dabei gezielt ihre finanziellen Möglichkeiten als Druckmittel ein und drohten mit Entzug dieser Mittel, Verlagerung der Investitionen in andere Küstenregionen und Arbeitsplatzverlusten. Des Weiteren machten sie mit Hilfe der lokalen Medien „Stimmung“ für ihre Zwecke. Aufgrund der finanziellen Druckmittel kam es daher zu einer außerplanmäßigen Abschiebung von Dünen am Strand Warnemünde (vgl. den Artikel zur Investorenproblematik rechts im Link "Zum Lesen"). Die Aufregung darüber war hoch, und rührte den Konflikt Dünenabschiebung erneut auf.

Letztendlich bedeutete die außerplanmäßige Dünenabtragung aber auch, dass die unkontrollierte Abschiebung wie ein Bumerang auf die Tourismusbranche zurückkam: aufgrund der Abschiebung der Dünen wanderte der Sand bei Westwinden nun ungehindert an die Promenade und in den Ort Warnemünde – für den Tourismus (und vor allem für die Einheimischen) ein ungewünschter und vor allem unerfreulicher Nebeneffekt (vgl. den Artikel „Sand kam durch den Türschlitz“ in dem Fensterlink „Zum Lesen“). Schnell kamen wieder Rufe nach einem Dünenbewirtschaftungs- und Managementplan auf. Vor allem wurde in Warnemünde deutlich, dass ein Managementplan verbindlich sein muss, um wirksam greifen zu können, da die Pläne ansonsten – bei entsprechenden Druckmitteln – umgeworfen werden.
Des Weiteren zeigt dieses Beispiel, wie wichtig eine umfassende Informierung und Beteiligung aller betroffenen Gruppen ist. Wären Lokalbevölkerung und Touristen über alle Konsequenzen (sowohl wirtschaftlich, als auch ökologisch) informiert gewesen, hätten sie auf die Stimmungsmache der Investoren und Hoteliers womöglich anders reagiert und sich gegen eine Abschiebung entschieden.

Ein positives Beispiel für eine umfassende Informierung stellen z.B. die im Untersuchungszeitraum vom Staatlichem Amt für Umwelt und Natur (StAUN) herausgebrachten Informationsblätter zum Küstenschutz an der Küstenlinie Warnemünde-Kühlungsborn dar. Mit diesen Broschüren wurde die Lokalbevölkerung und die Touristen informiert und es konnte ein Verständnis für die Arbeit des StAUN und die Notwendigkeit eines Küstenschutzes geschaffen werden – einem weiteren Aspekt eines umfassenden Strandmanagement und auch eines Integrierten Küstenzonenmanagements. (Broschüre nicht mehr online verfügbar)

b) Sand- bzw. Strandaufspülung
Die Außenküste Mecklenburg-Vorpommerns erstreckt sich über 340km. Davon befinden sich über 70% im Rückgang, d. h. die Erosion an der Küstenlinie ist höher als die Akkumulation - die Sedimentbilanz damit negativ. Im Mittel beträgt der Rückgang 34m pro Jahrhundert. Um diesem Rückgang entgegenzuwirken, Menschen und ihr Hab und Gut vor Überschwemmungen zu schützen, werden u. a. Buhnen gesetzt, Deiche gebaut, Sand aufgespült, sowie Küstenwälder und Dünen gepflegt und geschützt.

Unter dem Begriff der Sandaufspülung wird die „derzeit effektivste technische und zu dem naturnahe Lösung zur zeitweiligen Behebung einer negativen Materialbilanz an der Küste (...) [verstanden]. Der natürliche Sedimentmangel wird hierbei durch Materialeingabe in Schorre, Strand und/ oder Düne ausgeglichen oder vermindert, ohne damit allerdings die Prozessursachen zu beeinflussen. Aufgespült wird Sand, der zuvor in etwa 10-15m Wassertiefe vom Meeresgrund gewonnen wurde. Wie lange die Wirkung einer solchen Aufspülung anhält, hängt sowohl von den Eigenschaften des aufgespülten Sandes als auch von dem Wellenklima ab“ (SCHMIDT, 2005, S. 87 zitiert nach HÜNICKE, 2001, S. 10f).

Problematisch an der Sandaufspülung ist zum einen, dass teilweise noch ungeklärt ist, welche ökologischen Auswirkungen eine Aufspülung mit sich bringt. Zum anderen fehlen vertrauenswürdige Vorhersageverfahren für das Verhalten der aufgespülten Sandstrände. Daher stellt sich aus ökonomischer Sicht grundsätzlich immer wieder die Frage, wie effektiv eine Aufspülung letzendlich ist und ob sie tatsächlich die kostengünstigste Variante darstellt. Im Hinblick auf die Akzeptanz von Sandaufspülungen muss angeführt werden, dass „trotz der weltweit verbreiteten Anwendungen von Sandaufspülungen das Verständnis für ihre Ausführung und Leistung immer noch unzureichend [ist]“ (SCHMIDT, 2005, S. 88 zitiert nach HÜNICKE, 2001, S. 10f.). Des Weiteren ergeben sich im Zusammenhang mit Strandaufspülungen hinsichtlich der Gewinnung der eingespülten marinen Kiese und Sande rechtliche Fragen und Probleme. Ferner muss noch der Forschungsbedarf im Bereich der Sandaufspülung angeführt werden. „Weder in Deutschland noch in anderen europäischen Küstenstaaten existieren allgemeingültige Richtlinien oder vertrauenswürdige Vorhersageverfahren für das mittel- bis langfristige Verhalten der aufgespülten Sandstrände. Die Gründe hierfür liegen in einem unzureichenden Monitoring, denn nur durch gezielte und kontinuirliche Beobachtung des gebietsspezifischen Verhaltens der aufgespülten Strände ist es möglich, Rückschlüsse für die Optimierung zukünftiger Aufspülungsprojekte abzuleiten“ (SCHMIDT, 2005, S. 88 zitiert nach HÜNICKE, 2001, S. 10f.).

Im Untersuchungsraum Warnemünde-Kühlungsborn ist der maritime Tourismus ein äußerst wichtiges Wirtschaftsgut. Da für den maritimen Tourismus ein breiter Strand eine wesentliche Grundlage darstellt, ist die Tourismusbranche in der Untersuchungsregion im Wesentlichen an der Erhaltung und Verbreiterung des Strandes interessiert. Folglich stellt der Bereich Sandaufspülung und Buhnenbau für den Tourismus den interessantesten Bereich des Küstenschutzes dar. „Durch Auspülung des Strandes und die dabei geschaffenen Aufhöhung und Verbreiterung von Strand und Schorre wird der Uferlinienrückgang verhindert und die Wellenintensität und damit die Erosion verringert. (...) Die mittlere Aufspülmengen belaufen sich auf 90 bis 150m³ Sand je lfd. Meter Küste. (...) Zur Verbesserung der Strandverhältnisse in Kühlungsborn Ost wurden 1961/62 20.000m³ Sand aufgeschüttet und 1998 188.000m³ Sand auf einer Strandlänge von 2km aufgespült. (...) Diese Maßnahmen werden mit Buhnenbauten, rechtwinklig zum Strand angeordneten Pfahlreihen kombiniert. Buhnen reduzieren die uferparalllelen Brandungslängsströmung und damit den Uferabbbruch. Die Lebensdauer von Holzbuhnen kann 40 bis 60 Jahre betragen. Durch den in den 90er Jahren erneut auftretenden Schilfbohrwurm (Teredo narvalis) wurden zahlreiche Buhnenanlagen vor allem im Bereich Kühlungsborn-Warnemünde geschädigt“ (SCHERNEWSKI, O. J., S. 5).

Im Fensterlink „Zum Lesen“ finden Sie Artikel der lokalen Zeitungen zum Konfliktfeld Sandaufspülung.

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c) Strandverschmutzung und -säuberung
Einen wichtigen Problemkreis am Strand stellt die Verschmutzung und Säuberung desselben dar. Ein sauberer Strand ist eine Grundvorraussetzung für einen florierenden Tourismus in einer Küstenregion.

Vorbildliche Badestellen können beispielsweise mit dem Umweltqualitätssymbol „Blaue Flagge“ ausgezeichnet werden und mit diesem Symbol für Ihren sauberen Strand werben, um so mehr Touristen in ihre Region zu locken (vgl. den Fensterlink „Zum Lesen“ mit Pressemeldungen bezüglich der „Blauen Flagge“).

Um mit einem sauberen Strand für eine Region werben zu können, müssen die Ortsansässigen den Strand allerdings regelmäßig säubern. Diese Säuberung bedeutet ebenso wie die Verschmutzung für das Ökosystem eine große Belastung, denn die Säuberung von Stränden wird meist durch spezielle Planierungs- und Säuberungsmaschinen durchgeführt, die nicht nur den Müll entfernen, sondern darüber hinaus auch angespülte Algen und Seegras.
Für Werbezwecke ist die Entfernung des „ökologischen“ Mülls zwar förderlich, für die Strandorganismen bedeutet es aber die Vernichtung ihrer Lebensgrundlage. Bei der Verschmutzung von Stränden mit Öl ist der Eingriff ins Ökosystem besonders groß: als Beispiel kann hier die Entsorgung von Öl im März 2000 in der Untersuchungsregion genannt werden. „In Warnemünde mussten 300 Einsatzkräfte per Hand die Ölklumpen absammeln und Kettenfahrzeuge haben an einigen Stellen den Sand bis zu 40 Zentimeter tief abgetragen. Insgesamt wurden 300 Kubikmeter Öl-Sand-Gemisch entsorgt“ (SCHERNEWSKI, o. J., S. 10).

Ein weiterer Aspekt ist, dass durch die Maschinen in den Sand eine Bewegung gebracht werden kann, die zu einer Instabilität der - für den Küstenschutz teilweise wichtigen - Vordünen führen kann.
Des Weiteren können die juristischen Fragen bezüglich der Strandsäuberung angeführt werden. Juristisch betrachtet stellt die Strandverschmutzung und -säuberung vor allem aufgrund unterschiedlicher Eigentumsverhältnisse und Fragen der Kreislaufwirtschaft und des Abfallrechtes Probleme dar.

In dem Fensterlink „Zum Lesen“ werden die beschrieben Aspekte in den Pressemeldungen weiter verdeutlicht.

Abb. 2: Pressemeldungen und Zeitungsausschnitte zur Strandverschmutzung
Quelle: eigene Zusammenstellung

d) Meerwasserqualität
Ein weiteres Konfliktfeld im Strandbereich stellt die Meerwasserqualität dar. „Grundlage für die Bewertung der Badewasserqualität ist die 1976 erlassene EU-Badewasser-Richtlinie. Während der Badesaison entnehmen die Hygieneämter an allen zugelassenen Badestellen 14-tägig Wasserproben und untersuchen diese auf gesamt- und fäkal-coliforme Bakterien, physiko-chemische Parameter (...) und erkennbare Verschmutzungen. Bei Bedarf wird das Untersuchungsprogramm auf weitere Parameter wie Viren, Ammonium, Nitrat, Pestiziden, Cyanide, Schwermetalle etc. ausgedehnt. Seit 1996 erfüllen alle Ostsee-Badestellen in der Region Warnemünde-Kühlungsborn die strengen Richtwerte und verfügen damit über eine einwandfreie hygienische Badewasserqualität“ (SCHERNEWSKI, o. J., S. 7). Besonders saubere Strände und sauberes Wasser können (wie bereits unter c) erörtert) mit dem Umweltsymbol „Blaue Flagge“ ausgezeichnet werden.

  Zum Lesen

Im Untersuchungszeitraum titelten die lokalen Zeitungen bezüglich der Sauberkeit ihrer Strände und des Meerwassers u. a. mit Meldungen wie „Klarer als Mineralwasser“ oder „Blaue Flagge: Hier ist alles O.K.“. Aber eine Auszeichnung mit dem Umweltqualitätssymbol bedeutet nicht zwingend, dass es der Umwelt in der „ausgezeichneten“ Region auch gut geht. Vielmehr ist die „Blaue Flagge“ für das Image einer Küsteregion relevant und wird als Marketinginstrument zur Tourismusförderung eingesetzt. Die Kriterien der „Blauen Flagge“ können sie auf der Homepage nachlesen.
Letzendlich bedeutet das touristische Interesse an einer guten Wasserqualität aber auch, dass sich die Tourismusbranche aktiv an einer positiven Entwicklung derselben beteiligt. Dies kann im Sinne einer Strandmanagemententwicklung nur positive Rückkopplungen bedeuten.

Abb. 3: Pressemeldungen und Zeitungsausschnitte zur Wasserqualität und zum Umweltsymbol „Blaue Flagge“
Quelle: eigene Zusammenstellung

e) Landschaftsbild
Ein weiteres Konfliktfeld kann sich für den Strandbereich aus den unterschiedlichen Vorstellungen bezüglich des Landschaftsbildes ergeben. Dabei geht es neben raumordnerischen, städtebaulichen und landschaftsplanerischen Fragestellungen vor allem um unterschiedliche ästhetische Vorstellungen.

Der touristische Wert einer Region ergibt sich u. a. aus dem Landschaftsbild, d. h. einem harmonischen Zusammenspiel von Natur, Meer und Siedlungen. „Eine unbedachte Bebauung kann das gewünschte Landschaftsbild schnell zerstören und negative Folgen auf die Attraktivität des Erholungsortes sowie die Umwelt haben“ (SCHMIDT, 2005, S. 96). Auf der anderen Seite fördert ein gut eingefügtes Bauwerk die Attraktivität einer Region. Die Bilder auf der rechten Seite sollen Ihnen ein paar Eindrücke des Landschaftsbildes der Untersuchungsregion vermitteln.
Anzumerken sei noch, dass während des Untersuchungszeitraums der Streit um den Bau einer futuristischen Marina an der Seebrücke von Kühlungsborn das Konfliktfeld Landschaftsbild zusätzlich anheizte.

f) Bauwerke und Strandversiegelungen
Bauwerke und Bauliche Maßnahmen für die Verkehrsinfrastruktur wie beispielsweise der Bau von Strassen, Promenaden, Plankenwege etc. versiegeln zunehmend den Strandbereich und schüren das Spannungsverhältnis zwischen den unterschiedlichen Nutzungs- und Schutzinteressen. Damit ist das Konfliktfeld Bauwerke und Strandversiegelung eng mit dem Konfliktfeld Landschaftsbild verbunden (vgl. die Bilder zum Landschaftsbild oben).
Eine gute Infrastruktur und Bauwerke wie z. B. Marinas erhöhen zwar auf der einen Seite die touristische Attraktivität einer Region, können bei unkontrollierten und übermäßigen Baumaßnahmen aber auch die Attraktivität des Landschaftsbildes und damit der Region schmälern. Die Pressemeldungen im Fensterlink „Zum Lesen“ verdeutlichen diese Problematik.

Das Thema Sportboothäfen (als Teil des Themenfeldes Infrastruktur und Bauwerke) und deren Folgen werden näher in Kapitel 4 erläutert.

g) Verklappung und Havarien
Ein weiterer Bereich, der negative Auswirkungen auf den Strand haben kann, stellt das Konfliktfeld Verklappung und Havarien dar. Pressemeldungen wie „Öl erstickt Leben in der Ostsee“ beschreiben die immer wieder an der Ostsee auftretenden Schwierigkeiten. Fragestellungen wie z. B. „Welche Gefahren gehen von der Verklappung für den Strandbereich aus? Was tun, wenn ein Öltanker direkt vor unserer Küste havariert? Belastet die Baggergutverklappung die Badewasserqualität? Besteht ein umfassender Schutz durch Kontroll- und Sicherheitsmaßnahmen? Welche Auswirkungen hätten verschmutzte Strände auf die Tourismusbranche und die Lebensqualität in der Küstenregion? Welche Schäden nimmt die Meersumwelt durch Verklappungen und Havarien? Welche nationalen und internationalen Kooperationen und Regelungen bestehen für diese Problematik?“ (SCHMIDT, 2005, S. 95-96) muss im Rahmen eines Strandmanagements begegnet werden.

Das Konfliktfeld Verklappung wird in Kapitel 3 „Baggergutverklappung“ ausführlicher erörtert.

 

2.3. 

Lösungskonzept Strandmanagement

Die in Kapitel 2.2 aufgeworfenen Fragestellungen und beschriebenen Brennpunkte, Problemfelder und Konflikte verdeutlichen die Notwendigkeit eines integrierten Managements für den Strandbereich im Untersuchungsraum Warnemünde-Kühlungsborn. Für einige der beschriebenen Konfliktfelder existieren bereits teilweise Lösungs- bzw. Managementkonzepte. Allerdings beschränken sich diese auf ausgewählte Konfliktfelder, die in der Regel konkurrierende Nutzungs- und Schutzansprüche ausklammern. Des Weiteren fehlt ihnen meist der Bezug zum angrenzenden Küstenmeer. In dem Fensterlink „Zum Lesen“ sind die einzelnen Konzepte aufgelistet. Aus dieser Auflistung geht auch hervor, dass die Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten für die vorhandenen Lösungskonzepte bei vielen unterschiedlichen Trägern liegt. Dadurch wird eine ganzheitliche und auf die vielen Teilaspekte/ Konflikfelder abgestimmte Lösung erschwert. Aus diesen Gründen erscheint - nach Ansicht des Projektteams - eine Entwicklung und Initierung eines ganzheitlichen und abgestimmten Managementkonzeptes für den Strandbereich notwendig und führt zu der Entwicklung eines Strandmanagementkonzeptes.

Unter dem Begriff des Strandmanagements wird „die Gesamtplanung des Strandbereichs, die sämtliche vorhandene oder zukünftige Schutz- und Nutzungsinteressen des Strandbereichs erfasst und deren Ansprüche und Konflikte unter Beachtung der Grundsätze der Nachhaltigkeit und anderer gesellschaftlicher Vorgaben regelt, [verstanden]“ (SCHMIDT, 2005, S. 81).

Die Aufgabe eines Strandmanagementkonzeptes ist die „systematische und planerische Verknüpfung der unterschiedlichen Pläne und Konzeptionen zu einem fachübergreifenden und regionsspezifischen Konzept“ (SCHMIDT, 2005, S. 105).

Bei der Entwicklung eines Strandmanagentplans sollten die bereits existierenden Pläne und Konzepte berücksichtigt und die dafür Verantwortlichen einbezogen werden. Im Hinblick auf die spezifischen Anforderungen jedes einzelnen Strandbereichs kann ein Strandmanagementplan nur in grundlegenden Fragestellungen allgemein gefasst werden. Für die einzelnen Strandabschnitte sind spezifische Pläne aufzustellen, die die speziellen Anforderungen und bestehende, sowie potentielle Konfliktfelder berücksichtigen. „Die regionalen und lokalen Strandmangementpläne aus dem gesamten Küstengebiet könnten dann als Grundbausteine in einem übergeordneten Küstenzonenmanagement integriert werden“ (SCHMIDT, 2005, S. 106) (vgl. dazu auch die Ausführungen in Kapitel 5).
 

3. 

Baggergutverklappung

Der Themenkreis Baggergutverklappung war ein weiterer der drei Themenschwerpunkte des Projektes „Interdisziplinäre Forschung zum Küstezonenmanagement: Tourismus, Naturschutz und Baggergutverklappung in der Küstenregion Warnemünde-Kühlungsborn“.

Für die Auswahl dieses Themenschwerpunktes waren folgende Gründe entscheidend:
Zum einen führen die Weiterentwicklung und Sicherung der Hafenfunktionen zu raumrelevanten Aktivitäten wie beispielsweise Baumaßnahmen, Vertiefungs- und Unterhaltungsbaggerungen in den Häfen und Fahrrinnnen, sowie zu Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen. Problematisch dabei ist u. a. das bei den Baumaßnahmen und Ausbaggerungen anfallende unbrauchbare Baggergut zu entsorgen. Die Entsorgung kann dabei entweder an Land auf Deponien oder auf See mittels Verklappung erfolgen und negative Auswirkungen auf die Meeresumwelt und den Uferbereich haben.

Zum anderen wirken sich die zunehmende Entwicklung des Schiffsverkehrs und die Verklappungsaktivtäten in der Ostsee ebenfalls auf die Meeresumwelt, aber auch den Uferbereich aus. Aufgrund der vielfältigen Zuständigkeiten erscheint hier eine einheitliche Lösung besonders schwierig, aber auch umso notwendiger.

  Zum Lesen

Bereits vor Beginn des Pilotprojektes stellte das Thema Baggergutverklappung in der Untersuchungsregion ein Brennpunktthema dar. Der Bau der Warnowquerung vor Kühlungsborn und das dabei anfallende und zu entsorgende Baggergut lösten in den Gemeinden der Küstenregion Warnemünde-Kühlungsborn, bei Touristen und Naturschützern große Proteste aus. Die lokalen Zeitungen titelten u. a. „Fassungslosigkeit und Entsetzen. Verklappung bedroht unsere sauberen Strände“, „Bäder an der Ostsee schlagen Alarm. Widerstand gegen Verklappung vor der Küste“ und „Der Kampf gegen die Mudde geht weiter. Jetzt startet Protestbrief-Aktion“ (vgl. die Pressemeldungen im Fensterlink „Zum Lesen“). Bereits diese wenigen Beispiele lassen das Konfliktpotenzial in diesem Bereich erkennen und begründen die Notwendigkeit eines Management.

 

3.1. 

Brennpunkt Baggergutverklappung

Unter dem Begriff der Verklappung wird „die Entsorgung von Abfällen im Meer [verstanden]. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um Klärschlämme, Industrieabfälle (...) oder Baggergut. (...) Baggergut ist Boden, Bodenmaterial oder Aushubmaterial mit unterschiedlichen Anteil an mineralischen und organischen Bestandteilen, das im Zuge der Gewässerunterhaltung und bei Gewässerbaumaßnahmen zur Gewährleistung der Sicherheit und Leichtigkeit des Schiffsverkehr und des Wasserabflusses im oder am Gewässer anfällt“ (SCHMIDT, 2005, S. 108).

  WWW-Link

Der „Fachausschuss Baggergut“ der „Hafenbautechnische Gesellschaft“ (HTG) informiert auf seiner Webseite umfassend über das Thema Baggergutverklappung. Über den WWW-Link rechts können Sie auf die Webseite der HTG gelangen - dort steht ihnen u.a. ein „Positionspapier“ zur Verfügung, dass die Verklappung detailierter erläutert.

Mittlerweile existieren eine Menge an nationalen und internationalen Gesetzen und Regelungen zur Verklappung. In Deutschland darf nur noch Baggergut und hiervon nur unbelastetes Material verklappt werden. Aber auch diese Verklappung bedeuten für das Ökosystem Ostsee eine Belastung. Das Ausbaggern des Baggerguts z. B. um Häfen und Wasserstraßen instand zu halten, beeinträchtigt die benthischen Lebensräume auf zwei Wegen: zum einen erdrückt das Baggergut die Pflanzen- und Tierwelt, Baggerschaufeln reißen Organismen aus ihrem Lebensraum. Zum anderen führt die Baggergutmasse - zumindest zeitweilig - zu einer Trennung von Wasser, Sauersoff, Nährstoffen und Licht. Des Weiteren bewirken sowohl das Ausbaggern als auch das Einbringen von Baggergutmasse eine erhöhte Menge an Schwebstoffen, die zu einer Wassertrübung führen kann. Ferner kann die Verdriftung der verklappten Sedimente die Fauna und Flora beeinträchtigen.

Neben diesen ökologischen Problemen treten bei der Baggergutverklappung auch Konflikte mit dem Fremdenverkehr auf. Das Interesse des Tourismus an der Verklappung rührt daher, dass im Zuge einer Verklappung ggf. eine Verschlechterung der Wasserqualität auftreten kann. Diese Wasserqualitätverschlechterung kann sich widerrum negativ auf die Attraktivität eines Strandbereiches auswirken (vgl. dazu die Ausführungen in Kapitel 2.2). Besonders die Verleihung des für touristische Marketingzwecke wichtigen Umweltqualitätssymbols „Blaue Flagge“ hängt von einem sauberen Strand und sauberen Wasser ab. Eine Verklappung von Baggergut vor einem touristisch intensiv genutzten Strandbereich kann für eine Region bedeuten, das sie das Umweltqualitätssymbol nicht verliehen bekommt - die Folge könnten rückläufige Tourimuszahlen sein.

Abb. 4: Pressemeldungen und Zeitungsausschnitte zum Thema Verklappung
Quelle: eigene Zusammenstellung
 

3.2. 

Lösungskonzept Baggergutmanagement

Ebenso wie für den Strandbereich existieren bezüglich der Baggergutverklappung mehrere internationale Regelungen und Abkommen, die einen gewissen Umgang mit Baggergut vorsehen. Übergeordnetes Ziel bei der Entwicklung und Initiierung eines ganzheitlichen und abgestimmten Baggergutmanagamentplans muss auch hier die Berücksichtigung aller existierenden Regelungen und Übereinkommen sein. Für einen Managementplan muss zwischen Naturschutz- und Meeresschutzbelangen, sowie den Ansprüchen des Fremdenverkehrs und der maritimen Wirtschaft abgewogen werden. Letzendlich kann auch für das Konfliktfeld Verklappung kein genereller, d. h. allgemeingültiger Plan aufgestellt werden - Einzelfälle benötigen eine gezielte Abstimmung.

  WWW-Link

Ein weiterer Aspekt, der bei der Aufstellung von Baggergutmanagmentplänen berücksichtigt werden muss, ist das Eintragen von (belasteten) Sedimenten aus dem Binnenland über Flüsse. Die Einleitungen von Sedminten im Binnenland, die über Flüsse in den Küstenbereich transportiert werden, können sich negativ in diesem auswirken. Daher spricht sich das Projektteam für ein „Flussgebiets-Sediment-Management“ aus, dass „die Verringerung der Schadstoffeinträge mit einem sinnvollen Umgang mit Baggergut übergreifend verbindet. Im nationalen und europäischen Rahmen sollte eine Vereinheitlichung im Umgang mit Baggergut angestrebt werden und die für einen sachgerechten Umgang erforderlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Dabei wären auch die Besonderheiten bei der gesicherten Ablagerung von Baggergut darzustellen und rechtlich zu verankern“ (SCHMIDT, 2005, S. 125). Im Rahmen der Bestandserhebung ermittelte das Projektteam, dass die von ihnen angestellten Überlegungen im europäischen Kontext bereits von dem thematischen Netzwerk „SedNet“ verfolgt werden. In dem Fensterlink „WWW“ können Sie auf der Webseite von SedNet näheres erfahren.

 

4. 

Sportboothäfen

Der dritte und letzte Themenschwerpunkt des Projektes „Interdisziplinäre Forschung zum Küstenzonenmanagement: Tourismus, Naturschutz und Baggergutverklappung in der Küstenregion Warnemünde-Kühlungsborn“ ist das Konfliktfeld Sportboothäfen.

Dieser Themenschwerpunkt wurde vom Projektteam aus folgenden Gründen gewählt:
Erstens wurden kurz vor Beginn des Pilotprojektes mehrere Sportboothäfen fertig gestellt bzw. während des Untersuchungszeitraums gebaut.

Zweitens „stellen Sportboothäfen mit ihren Wasser- und Landbauten komplexe Bereiche mit hoher Flächeninanspruchnahme dar, die einer Vielzahl von Nutzungsansprüchen und Schutzinteressen ausgesetzt sind und daher mit einem breiten Querschnitt von küstenspezifischen Problemkreisen verbunden sind“ (SCHMIDT, 2005, S. 27).

Drittens kommt Sportboothäfen eine große Bedeutung für die touristische Infrastruktur und den maritimen Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern zu. Im Rahmen der Bestanderhebung wurden die maritimen Tourismusangebote und Potenziale im Untersuchungsgebiet erfasst. Ferner wurden die Sportboothäfen im Untersuchungsgebiet Warnemünde-Kühlungsborn erfasst und beschrieben (vgl. SCHMIDT, 2005, S. 44-51).

Des Weiteren widmete sich das Projektteam während der Vorstudie „der konkreten Einbindung der rechtlichen Problemkreise und Fragestellungen bezüglich Sportboothäfen in einem integrierten Küstenzonenmanagement für die Küstenregion Warnemünde-Kühlungsborn, wobei aus juristischer Sicht insbesondere die Rechts- und Planungsgrundlagen für die Sportboothäfen und den Wassersport zusammengetragen und analysiert (...) [wurden]“ (SCHMIDT, 2005, S. 27) (vgl. die Ausführungen dazu bei SCHMIDT).

 

4.1. 

Brennpunkt Sportboothäfen

Unter dem Begriff des maritimen Tourismus werden alle Tourismusangebote, die auf dem offenen Meer, an Küstengewässern, auf Seen, Flüssen und Kanälen stattfinden, gefasst. Das Land Mecklenburg-Vorpommern bietet aufgrund seiner natürlichen Gegebenheiten mit 340km Ostsee-Außenküste, 1130km Boddenküste, 60 Inseln, 2013 Seen und ca 26.000km Fließgewässern besonders günstige Bedingungen für den maritimen Tourismus. Dieses Angebot wird durch die Einbindung der meisten Wasserflächen in Schutzgebiete und durch das kulturelle, architektonische und historische Angebot des Landes ergänzt. Lediglich das Angebot an Campingplätzen, ausgebauten und bewachten Stränden und Seebrücken, Regattarevieren, Sportboothäfen, Schiffsanlegern, Meeresmuseen etc. ist noch recht gering. Doch durch den Bau neuer Anlagen und der Ausweitung des maritimen Angebots beabsichtigt das Land Meckelnburg-Vorpommern und die Tourismusindustrie dies zu ändern. Aber wie bereits in Kapitel 4 eingangs erwähnt, erregten der Bau bzw. die Planung weiterer Anlangen im Untersuchungsgebiet die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit.

Im Rahmen der Vorstudie wurden u. a. die zwei Sportboothäfen „Sportboothafen Kühlungsborn“ und „Sportboothafen Hohe Düne“ erfasst und beschrieben. Für diese beiden ausgewählten Sportboothäfen benannte das Projekttteam folgende Nutzungskonflikte und Problemfelder:

  Zum Lesen
Einige dieser Konfliktfelder stießen bei der lokalen Presse und der Öffentlichkeit auf Interesse. In dem Fensterlink „Zum Lesen“ finden Sie einige Beispiele dafür zum nachlesen.
Abb. 5: Pressemeldungen und Zeitungsausschnitte zum Thema Sportboot-/ Yachthäfen
Quelle: eigene Zusammenstellung
 

4.2. 

Lösungskonzept Sportboothäfen

Ebenso wie bei den beiden Schwerpunktthemen Strandmanagement und Baggergutverklappung existieren auch für das Konfliktfeld Sportboothäfen bereits erste Konzepte, die es bei der Erarbeitung und Initiierung eines IKZM in der Untersuchungsregion Warnemünde-Kühlungsborn zu berücksichtigen gilt.

Eines der ermittelten Konzepte stellt das vom Ministerium für Bau, Landesentwicklung und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern in Auftrag gegebene und 1996 entwickelte „Standortkonzept für die Entwicklung eines Netzes von Sportboothäfen an der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns“ dar. Dieses Standortkonzept berücksichtigt sowohl die Interessen der Wirtschaft und der Regionalentwicklung als auch des Naturschutzes. Nach Ansicht des Projektteams sollte dieser integrative Ansatz auch in Zukunft gewahrt und weiterentwickelt, sowie später in ein übergeordnetes Küstenzonenmanagement eingebunden werden (vgl. dazu SCHMIDT, o. J., S. 76f.). Über den "WWW-Link" rechts gelangen Sie auf die Homepage von SuPortNet - einem weiteren Konzept für Sportboothäfen.

 

5. 

Ergebnisse des Projektes

Um eine nachhaltige und umweltschonende Entwicklung der Küstenregion Mecklenburg-Vorpommerns zu ermöglichen, war es Aufgabe des Projektes „Interdisziplinäre Forschung zum Küstenzonenmanagement: Tourismus, Naturschutz und Baggergutverklappung in der Küstenregion Warnemünde-Kühlungsborn“ eine erste Bestandsaufnahme durchzuführen.
Als Untersuchungsfelder wählte das Projektteam zunächst die drei Themen Tourismus, Naturschutz und Baggergutverklappung. „Eine weitere Themenkonkretisierung ergab sich durch die Kombination von Gesprächen mit den genannten Einrichtungen, aber auch mit Vertretern der Tourismusbranche bzw. der Touristik GmbH, der regionalen und lokalen Agenda-Initiativen, der Universität Rostock und den Naturschutzorganisationen, und von Recherchen verschiedener erschienener Artikel lokaler Zeitungen und Protokolle der Gemeindesitzungen. So kam es zu der neuen Ausrichtung auf die Themenschwerpunkte Verklappung, Strandmanagement sowie Sportboothäfen“ (SCHERNEWSKI, GÄRTNER, SCHMIDT & HEGER, 2002, S. 5). Des Weiteren gaben die Gespräche Aufschluss über Kooperationsmöglichkeiten. All diese Aspekte sind für die Erarbeitung eines regionalen IKZM und der Initiierung desselben in der Untersuchungsregion und dem Bundesland Mecklenburg-Vorpommern wichtig.

Als Ergebnis der Bestanderhebung und den Gesprächen mit regionalen Stakeholdern können folgende Aspekte aufgeführt werden:

Die hier kurz aufgeführten Rechercheergebnisse der Vorstudie ergaben für das Projekt folgende drei Arbeitsschwerpunkte:

  1. „Die Bereitstellung dreier Themenschwerpunkte zur exemplarischen Darstellung von Nutzungskonflikten in der Region, (...).
  2. Die Bereitstellung eines öffentlich zugänglichen Informationssystems in Form einer Internetseite (...).
  3. Die Frage danach, wie bestehende Strukturen und Konzepte genutzt werden können, um die Partizipation einerseits und die Stabilität und Langfristigkeit eines IKZM andererseits zu realisieren.
Neben der Arbeit an diesen drei Schwerpunktthemen bildetet außerdem die Teilnahme am Arbeitskreis ´Bewirschaftungskonzept Strand Warenmünde` (vgl. Kapitel 5.1) einen wesentlichen und praxisrelevanten Inhalt der Vorstudie“ (SCHERNEWSKI, GÄRTNER, SCHMIDT & HEGER, 2002, S. 7).

In den folgenden vier Unterkapiteln (5.1-5.4) werden diese vier Arbeitschwerpunkte bzw. die Ergebnisse des Projektes bezüglich dieser Schwerpunkte näher beschrieben.

 

5.1. 

Zusammenfassung der Ergebnisse

Strandmanagement, Baggergutverklappung und Sportboothäfen
Wie bereits in den vorrangegangenen Kapiteln beschrieben, wurde im Rahmen der Pilotstudie die drei Themenschwerpunkte Strandmanagement (Kapitel 2), Baggergutverklappung (Kapitel 3) und Sportboothäfen (Kapitel 4) bearbeitet, um exemplarisch bestehende und potentielle Konflikte in der Region aufzuzeigen. Für alle drei Thememschwerpunkte empfahl das Projektteam jeweils eine Berücksichtigung bereits existierender lokaler und regionaler Managementpläne aus dem gesamten Küstengebiet und eine Einbindung derselben als Grundbausteine in einem übergeordneten Küstenzonenmanagement. Des weiteren sah das Projektteam eine intensive Beteiligung aller Betroffenen als zwingend notwendig an. Nach Ansicht des Projektteams eigneten sich die gewählten Schwerpunkte bestens, „um ein regionales Integriertes Küstenzonenmanagement in der Küstenregion Warnemünde-Kühlungsborn zu initiieren und erfolgreich voranzutreiben. Bis dahin ist es [aber] noch ein weiter Weg und sind jede Menge begleitende wissenschaftliche Arbeiten und Untersuchungen erforderlich, die den bei den meisten Problemfeldern auftretenden Informationsmangel Abhilfe leisten vermögen“ (SCHMIDT, 2005, S. 78). Daher hätte das Projektteam nach Abschluss der Pilotstudie weitere Untersuchungen begrüßt. Bedauerlicherweise wurde aber nur die Vorstudie vom DBU gefördert und durchgeführt. Daher kann an dieser Stelle auch kein abschließendes Fazit gezogen werden: zu viele Fragestellungen sind nach Abschluss der Vorstudie noch offen geblieben.

Bereitstellung eines Informationssystems
Zu Beginn des Projektes wurde im Rahmen der Bestanderhebung festgestellt, dass es einen großen Mangel an Informationen zum Integrierten Küstenzonenmanagement im allgemeinen, als auch bezüglich spezifischer, regionaler Probleme gab. Dieser Mangel stand im Gegensatz zu dem Anspruch, dass für ein funktionierendes IKZM regionale Stakeholder und die Öffentlichkeit beteiligt werden müssen. Da aber als wesentliche Grundlage einer Partizipation das Vorhandensein und die Kenntnis ausreichender Informationen zu einem Thema angesehen werden, sah das Projektteam ihre Aufgabe auch darin, Informationen zu bündeln, ggf. enstprechend aufzuarbeiten und in geeigneter Form zur Verfügung zu stellen. Um diese Informationen auch einer möglichst breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, entschied sich das Projektteam, eine Internetseite zu erstellen. Mit Hilfe dieser Webseite sollten umfangreiche grundlegende Informationen bereitgestellt und eine Kommunikation zwischen Interessierten ermöglicht werden. Als weiteres Projektergebnis kann daher der Aufbau der Projekt-Homepage genannt werden. Auf dieser Internetseite werden zum einen Informationen zur Verfügung gestellt, zum anderen wird über das Projekt „Interdisziplinäre Forschung zum Küstenzonenmanagement: Tourismus, Naturschutz und Baggergutverklappung in der Küstenregion Warnemünde-Kühlungsborn“ im allgemeinen informiert und Ansprechpartner genannt.

  WWW-Link
Des Weiteren wurde im Rahmen des Projektes der erste deutschsprachige Newsletter zum Thema Integriertes Küstenzonenmanagement (IKZM) intiiert. Dieser Newsletter, genannt „IKZM-Aktuell“ informierte bereits während des Untersuchungszeitraumes über 400 Wissenschaftler, Planer, Stakeholder und sonstige Interessierte per E-Mail über das Integrierte Küstenzonenmanagement im speziellen und die Themen Meere und Küsten bzw. sie betreffende Aspekte im allgemeinen. Seit Januar 2004 heißt der Newsletter nun „Küsten-Newsletter“. Derzeit erreicht der Newsletter weit über 900 Abonnementen, weiter Interesierte rufen den Newsletter auf der Homepage des EUCC - Die Küsten Union Deutschland e.V. ab. In dem Fensterlink „Zum Lesen“ finden Sie den ersten, im Juni 2002 erschienenen Newsletter „IKZM-Aktuell Nr. 1“. Die übrigen Newsletter können Sie auf der Homepage des EUCC- Die Küsten Union Deutschland e.V. abrufen.

Förderung der Partizipation und Schaffung stabiler Strukturen
Der dritte Arbeitsschwerpunkt des Pilotprojektes umfasste zum einen die Frage, wie eine Partizipation in der Region und die Schaffung stabiler Strukturen für ein IKZM erreicht werden könnten. Zunächst gingen die Überlegungen dahin, ein IKZM-Forum einzurichten. Allerdings musste das Projektteam bereits zu Beginn der Untersuchung feststellen, dass die Anzahl der Akteure in der Region zu groß ist, um ein solches Forum einzurichten. Daher stellte sich als nächstes die Frage, inwiefern bestehende Strukturen genutzt werden könnten, um eine Partizpation zu erzielen und stabile Strukturen für ein regionales IKZM zu schaffen.

Zum zweiten beschäftigte sich das Projektteam mit der Fragestellung, auf welchem Wege die betroffenen Akteure und die einheimische Bevölkerung am besten erreicht werden könnten.
Diese zwei Überlegungen führten dahin, die regionalen Agenda-Büros für die Verbreitung des IKZM-Gedankens zu nutzen. „Es schien dem Projektteam naheliegend, dass die vorhandenen Agenda-Strukturen geeignet sind, um einen IKZM-Prozess auch längerfristig zu begleiten oder sogar zu tragen, eventuell in Form eines regelmäßigen Forums, so wie durch die Ausnutzung der bereits vorhandenen Kontakte, Strukturen und Werkzeuge zur Realisierung von Partizipation und Einbindung der Bürger. Aus diesem Grund wurde ein Treffen sämtlicher Agenda-Vertreter der Region vom Projektteam organisert und moderiert, um die Möglichkeiten und Grenzen einer solchen Kooperation zu diskutieren, sowie ein geeignetes und akzeptables Kooperationsmodell zu entwerfen. Wesentliche Ergebnisse der Diskussion waren, dass sich die Agenda-Vertreter sowohl eine Zusammenführung von Informationen als auch eine externe und neutrale Moderation von relevanten Themen durch unabhängige wissenschaftliche Einrichtungen wünschten. (...) Auch waren sich die Teilnehmer einig, dass ein Forum zur Abstimmung der Agenda-Aktivitäten in der Region sinnvoll wäre. (...) Mit der Verwirklichung dieses Kooperationsmodells (Moderation und Information durch das Projekt, Partizipation und Öffentlichkeitsarbeit durch die Agendastellen) können bereits wesentliche Grundbedingungen für ein funktionierendes IKZM geschaffen werden“ (SCHERNEWSKI, GÄRTNER, SCHMIDT & HEGER, 2002, S. 9).

  WWW-Link

Erwähnenswert erscheint in diesem Zusammenhang auch, dass einige Projektmitarbeiter im Zuge dieser Überlegungen und der Ergebnisse der Vorstudie den gemeinnützigen Verein „EUCC - Die Küsten Union Deutschland e. V.“ gründeten. Ziel des Vereins ist es, durch die Informationsbereitstellung und -verbreitung, Beratung, Aufklärung und Weiterbildung, sowie Veranstaltungen und Demonstrationsprojekten das Integrierte Küstenzonenmanagement in Deutschland zu fördern. Mittlerweile besteht der EUCC Deutschland im dritten Jahr, zählt über 90 Mitglieder und erreicht mit dem Küsten-Newsletter weit über 900 Abonnementen. Dazu kommen noch viele Interessierte, die sich auf der Homepage des Vereines umfassend informieren.

Arbeitskreis Strand
Im Rahmen der Untersuchung nahm das Projektteam Kontakt zur Tourismuszentrale Warnemünde auf und beratschlagte über eine Zusammenarbeit bezüglich der Strandbewirtschaftung. Man entschloss sich zur Teilnahme der Projektmitarbeiter am Arbeitskreis „Bewirtschaftungskonzept Strand Warnemünde“. Dieser Arbeitskreis hatte sich gebildet, um ein Konzept für die Bewirtschaftung des Warnemünder Strandes zu erarbeiten und so den unterschiedlichen Belangen des Naturschutzes, der Tourimuswirtschaft und des Küstenschutzes zu begegnen und gerecht zu werden. „Zu diesem Zweck wurden von der Tourimuszentrale [Warnemünde] drei Studien über den Warnemünder Strand in Auftrag gegeben: Über die touristische Wertschöpfung, über die Küstendynamik und über Aspekte der Landschaftspflege“ (SCHERNEWSKI, GÄRTNER, SCHMIDT & HEGER, 2002, S. 9). Der Arbeitskreis setzt sich aus Vertretern der Tourimuszentrale Warnemünde, des Staatlichen Amt für Natur und Umwelt (StAUN) Rostock, des Senatsbereichs für Wirtschaft und Tourimus der Hansestadt Rostsock, der IHK, des Amtes für Stadtgrün Rostock, der Universität Rostock sowie aus Naturschutzverbänden zusammen. Das Projektteam übernahm in den Arbeitskreis eine begleitende Funktion.

Die begleitende Funktion des Projektteams erlaubte dem Team den Einblick in einen ersten Versuch eines nachhaltigen Managements des Strandbereiches. Dabei konnte das Projektteam erste gute Ansätze für ein ausgewogenes Strandmanagement beobachten. Allerdings zeigte das Modell auch Schwächen: „So wurden längst nicht Vertreter aller betroffenen Bereiche geladen und der Weg der Erarbeitung des Konzeptes wurde einseitig von der Tourimus- und Wirtschaftsverwaltung der Hansestadt Rostock festgelegt, was zu Unausgewogenheiten und Voreingenommenheit führen könnte. Zudem fand nur eine unzureichende Öffentlichkeitsarbeit (...) statt“ (SCHERNEWSKI, GÄRTNER, SCHMIDT & HEGER, 2002, S. 10).

 

5.2. 

Fazit

Wie bereits ausführlich erörtert, war die wesentliche Aufgabe des Projektes „Interdisziplinäre Forschung zum Küstenzonenmanagement: Tourimus, Naturschutz und Baggergutverklappung in der Küstenregion Warnemünde-Kühlungsborn“ „das Aufzeigen von Perspektiven für eine nachhaltige und zukunftsorientierte Entwicklung in der Küstenregion Warnemünde-Kühlungsborn sowie das Einleiten der dafür notwendigen Schritte auf Grundlage von Gesprächen mit Vertretern aus Verwaltung, Verbänden, Vereinen und Wirtschaft zu aktuellen Problemen in der Region“ (SCHERNEWSKI, GÄRTNER, SCHMIDT & HEGER, 2002, S. 10). Zu diesem Zweck recherchierte das Projektteam, sammelte relevante Informationen, Fakten und Daten, führte Gespräche mit regionalen Akteuren und kontaktierte die regionalen Agenda-Büros.

  WWW-Link

Die einzelnen Aufgaben des Projektes und die Ergebnisse der Untersuchungen wurden bereits in den Kapiteln 1-5 ausführlich erörtert. Zusammenfassend lässt sich für das Pilotprojekt festhalten, „dass mangelnde Kenntnis der Aufgaben und Ziele von IKZM sowie die unzureichende Verfügbarkeit und Verbreitung von relevanten Informationen, Fakten und Daten wesentliche Hemnisse für ein erfolgreiches IKZM in dieser Region darstellen. Zum Abbau des bestehenden Informationsdefizits wurde als Lösungsansatz die Etablierung eines Informationssystems (...) gewählt. (...) Unterstützend zum Internetportal wurde (...) ein nationaler Newsletter (...) herausgegeben“ (SCHERNEWSKI, GÄRTNER, SCHMIDT & HEGER, 2002, S. 10). Als problematisch erachtete das Projektteam, dass das Projekt zeitlich begrenzt war und daher eine ständige Verbesserung und Weiterentwicklung der Internetseite und des Newsletter nicht gewährleistet werden konnte. Die Gründung des Vereins „EUCC - Die Küsten Union Deutschland e.V.“ ist ein erster Ansatz, um dieses Problem zu lösen und stabile Strukturen für ein IKZM in Deutschland zu schaffen. Als weitere Möglichkeit für den Aufbau beständiger Strukturen zog das Projektteam Kooperationen mit lokalen Agenda-Büros in Betracht. Die Aufbereitung des Projektes in diesem Informations- und Lernmodul ist ein weiterer Schritt in diese Richtung.

  WWW-Link
  WWW-Link

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass zwar das Konfliktpotenzial in der Küstenregion Warnemünde-Kühlungsborn sehr hoch ist, aber andererseits auch bereits erste Strukturen und Managementpläne für den Küstenraum bestehen. Bedauerlicherweise konnte nur die Vorstudie des Projektes durchgeführt werden. Zukünftig erscheint eine Einbindung der Wissenschaft zum Aufbau und zur Weiterentwicklung der genannten Initiativen und Informationsplattformen als dringend notwendig. „So ergaben die Erfahrungen aus dem Projekt ferner, dass bei der Umsetzung eines IKZM der Wissenschaft vor allem eine unterstützende und moderierende Aufgabe zuteil wird und diese von ihr auch wahrgenommen werden muss. Als ein weiteres wichtiges Aufgabenfeld der Wissenschaft stellte sich die Vermittlung von Wissen heraus. So besteht ein gestiegener Bedarf an entsprechenden Lernmaterialien und kostengünstigen Lehrveranstaltungen für die Vermittlung der Grundlagen des IKZM“ (SCHERNEWSKI, GÄRTNER, SCHMIDT & HEGER, 2002, S. 11). Dieser zuletzt genannte Punkt wird u. a. durch das Lernsystem IKZM-D LERNEN aufgegriffen. Und auch dieses Modul trägt zur Verbreitung von Informationen bei. Der Aspekt, für den Aufbau stabiler IKZM-Strukturen auf die lokalen Agenda-Büros zurückzugreifen, wird derzeit u. a. in dem Projekt „Integriertes Küstenzonenmanagement in der Oder-Mündungsregion“ (IKZM-Oder) aufgegriffen.

  Zum Lesen

Weitere Informationen finden Sie in dem Ergänzungsbericht von SCHMIDT (2005), der Ihnen rechts im Fensterlink als PDF-Dokument zur Verfügung steht.

 

6. 

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis:

Webseitenverzeichnis:

 

7. 

Impressum und Kontakt

Web-Seite: http://www.ikzm-d.de
Herausgeber: EUCC- Die Küsten Union Deutschland e.V.
Auftraggeber: Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW)
Webmaster: Dr. Steffen Bock
Zusammengestellt von: Diplom-Geographin Anke Vorlauf
Die Erarbeitung des Moduls "Strand- und Dünenmanagement Warnemünde" stützt sich im Wesentlichen auf die Materialen des Projektes "Interdisziplinäre Forschung zum Küstenzonenmanagement: Tourismus, Naturschutz und Baggergutverklappung in der Küstenregion Warnemünde-Kühlungsborn". Ich möchte an dieser Stelle Herrn Dr. Gerald Schernewski vom Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) für die Bereitstellung der Materialien danken.
Inhalt: Aufbereitung der Studie "Interdisziplinäre Forschung zum Küstenzonenmanagement: Tourismus, Naturschutz und Baggergutverklappung in der Küstenregion Warnemünde-Kühlungsborn".
Gewähr/ Haftung: Bei der Erstellung des Informations- und Lernmoduls wurde große Sorgfalt geübt. Trotzdem ist die Veröffentlichung sämtlicher Texte, Abbildungen etc. ohne Gewähr. Bei der Einstellung der Links waren uns keinen unsittlichen oder unseriösen Inhalte der verlinkten Seiten bekannt. Sollte Ihnen eine verlinkte Seite unseriös erscheinen, weisen Sie uns bitte darauf hin.
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Kontakt: Anke Vorlauf: vorlauf@eucc-d.de, Dr. Gerald Schernewski: schernewski@io-warnemuende.de