Disclaimer:
Der "Küstenatlas Ostsee" umfasst unabhängige regionale Module zu einzelnen Küstenzonen. Die einzelnen Module sind zum Selbststudium gedacht und richten sich an Fachleute, Studenten aber auch Touristen, die einen kurzen Überblick über die verschiedenen Küstenzonen der Ostsee erhalten möchten. Der Küstenatlas wurde von Studenten im Rahmen des Geographiestudiums an der Universität Kiel erarbeitet.

Hiddensee

Autorin: Meike Bald
Juni 2005

Die deutsche Insel Hiddensee liegt westlich von Rügen in der Ostsee. Sie ist die größte Insel innerhalb des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft. Die Gemeinde Hiddensee umfaßt die gesamte Insel und gehört seit dem 1. Januar 2005 zum Amt West-Rügen mit Sitz in Samtens, zuvor war sie eine amtsfreie Gemeinde.
Abb.1.2: Position der Insel auf einer Deutschlandkarte
 

1. 

Kenndaten zur Region

Die Insel Hiddensee liegt an der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns in dem Landkreis Nordvorpommern. Die wichtigsten, größeren Städte im Umland dieser Region sind die Städte Stralsund und Greifswald und die Insel Rügen.

Die Küsten Mecklenburg-Vorpommerns weisen insgesamt eine Länge von 1711 km auf, wovon rund 1357 km Boddenküste und 354 km Ostsee- oder Außenküste sind.

Die etwa 19 km2 große Insel ist Rügen, der größten deutschen Insel, im Westen als Wellenbrecher vorgelagert. Charakteristisch ist die lange Nord-Süd-Ausdehnung (ca. 17 km) bei einer nur geringen Breite mit 125 m an der schmalsten und etwa 2000 m an der breitesten Stelle.
Auf Hiddensee leben ca. 1200 Menschen in drei Dörfern. Den jährlich 700000 bis 1 Millionen Touristen stehen ca. 200000 Betten zur Verfügung. Der gesamte anfallende Müll wird per Schiff zum Festland transportiert.
Basisdaten

Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern
Landkreis: Rügen
Geografische Lage: 54° 33' n. Br.
13° 07' ö. L.
Höchster Punkt: Dornbusch 72 m ü. NN
Fläche: 18,99 km2
Einwohner: 1.122 (31. Dezember 2003)
Bevölkerungsdichte: 59 Einwohner/km2
Postleitzahl: 18565
Vorwahl: 038300
Kfz-Kennzeichen: RÜG
Gemeindeschlüssel: 13 0 61 017
Gemeindegliederung: 4 Ortsteile
Adresse der Amtsverwaltung: Dorfplatz 2 18573 Samtens
Adresse der Gemeindeverwaltung: Norderende 162 18565 Vitte

 Auf der Insel befinden sich vier größere Orte, welche im folgenden beschrieben werden:

Grieben mit seinen ungepflasterten Wegen und weissgetünchten Reetdachhäusern ist der älteste und kleinste Ort auf der Insel mit uralten Feldsteinmauern aus der Slawenzeit. Nördlich von Kloster erstreckt sich der Ort entlang des Boddens zum Enddorn hin.

Kloster war der Sitz des Zisterzienserordens, der vom 13. bis ins 16. Jahrhundert die Insel beherrschte. Etwa zwölf Mönche nebst einigen Laienbrüdern sollen jeweils auf Hiddensee gelebt haben. Die Zisterzienser spielen eine bedeutende Rolle bei der Entwicklung des Ackerbaus auf der Insel. Nach der Reformation wurden die Ländereien auf Hiddensee von einem herzoglichen Rentmeister verwaltet, das Kloster verfiel mit der Zeit und wurde im Dreißigjährigen Krieg vollends zerstört. Kloster ist heute mit Heimatmuseum, Inselkirche und Hauptmann-Haus das kulturelle Zentrum auf Hiddensee, zugleich Seebad, Künstlerkolonie, Bauerndorf und Feriendomizil. Der Ortsteil Grieben hat seinen bäuerlichen Charakter behalten.

Neuendorf ganz im Süden ist das stillste Dorf auf Hiddensee und steht komplett unter Denkmalschutz. Die Bewohner von Neuendorf mit seinem Ortsteil Plogshagen werden auch "De Süder" genannt. Der ursprüngliche Charakter des alten Fischerdorfes hat sich im Laufe der Jahrhunderte kaum geändert: Immer noch prägen weißgetünchte Reetdachhäuser auf grünen Wiesen das Ortsbild. Es gibt keine Mitte, keine Zäune, dafür Trampelpfade, breite Sandstrände und viel Platz. Auch fehlen die üblichen Gärten und Abgrenzungen, fast alle Häuser dort stehen frei und geräumig in der Landschaft, mit der Breit- und Eingangsseite nach Süden ausgerichtet. Die nördlichste Häuserzeile in Neuendorf wird "Schabernack" genannt.

Vitte, der Name des Ortes leitet sich von den Fischanlandeplätzen, den Vitten, ab, die im 13. und 14. Jahrhundert auf Rügen und Hiddensee entstanden. Vitte wird erstmals 1515 als Ortschaft mit 24 Katen erwähnt. In Richtung Neuendorf erstreckt sich das Süderende mit reetgedeckten Häusern und grünen Vorgärten; in Richtung Kloster das Norderende mit seinen typischen Fischerhäusern.

 

2. 

Natur und Landschaft

Inhaltsverzeichnis:
2. Natur und Landschaft
2.1. Klima
2.2. Geologie
2.3. Naturraum
2.4. Gewässer
 

2.1. 

Klima

Abb.2.1.2: Klimadiagramm Kap Arkona
Quelle: www.Klimadiagramme.de


Im Allgemeinen lässt sich das Klima der Küstenregionen der südlichen Ostsee in den Klimatyp der Gemäßigten Breiten einordnen. Dieses zeichnet sich vor allem durch deutliche jahreszeitliche Schwankungen mit hohen Temperaturunterschieden zwischen Sommer und Winter aus.

Die Insel Hiddensee und der Küstenraum Deutschlands im Allgemeinen wird zu dem Klimatyp kühlen Westküstenklima zusammengefasst. Der stark maritime Einfluss des Westwindgürtels sorgt in diesen Gebiete der höheren mittleren Breiten (35°-60°) für ganzjährige Niederschläge. Des Weiteren manifestiert sich der temperaturausgleichende Einfluss der Ostsee in relativ geringen Temperatur-Jahresschwankungen (Amplitude = 17-18 °C).

Der maritime Einfluss äußert sich in durchschnittlich niedrigeren Temperaturen im Frühjahr und Sommer und durchschnittlich höheren Temperaturen im Herbst und Winter als weiter im Binnenland. Der wärmste Monat ist der Juli, der kälteste der Monat Januar. Die Mittelwerte der Jahressummen der Niederschläge betragen zwischen 500 und 600 mm.

Das Klima der Küstenregionen lässt sich zudem im Vergleich zum Binnenland weiter durch folgende Merkmale abgrenzen:

1. geringere Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht
2. längere Sonnenscheindauer
3. höhere Luftfeuchtigkeit
4. größere Windgeschwindigkeiten


Das Küstenklima im speziellen wirkt sich ca. 20 km ins Landesinnere aus und verliert dann seinen Einfluss. Eine noch geringere Ausdehnung hat der Einfluss des eigentlichen Strandklimas. Es wirkt sich nur etwa 100 m landeinwärts aus. Es zeichnet sich insbesondere durch eine stärkere UV-Strahlung sowie einen erhöhten Salz- und Jodgehalt in der Luft aus. Obwohl das Küstenklima als relativ regenreich gilt, zeichnet sich dieser unmittelbare Küstenbereich durch deutlich geringere Niederschlagsmengen aus.
 

2.2. 

Geologie



Erdgeschichtlich betrachtet, ist die Vorpommersche Boddenlandschaft eine sehr junge Landschaft, die zu großen Teilen erst nach der letzten Eiszeit entstanden ist. Seine Genese und Ausprägung ist in einem engen Zusammenhang mit der Entwicklung der Ostsee zu sehen. So sind wesentliche Ereignisse bzw. Voraussetzungen für die Entstehung der Indel Hiddensee nacheiszeitliche Meeresspiegelanstiege und –absenkungen, so genannte Transgressionen und Regressionen.

Die Ostsee ist vor etwa 12.000 Jahren nach der letzten Vergletscherung, der Weichsel-Eiszeit, entstanden. Mit dem Abschmelzen der Gletscher und mit dem daraufhin ansteigenden Meeresspiegel - der Litorina-Transgression -, drang das Meer zunächst langsam in den Ostseeraum vor. Zu dieser Zeit lag der Meeresspiegel noch weit unter dem heutigen Niveau.



Landschaftliche Gliederung

Wie zahlreiche andere Gebiete Norddeutschlands ist auch Hiddensee überwiegend pleistozänen bzw. diluvialen Ursprungs. Während das Profil der nördlich an die Mittelgebirge angrenzenden Gegenden in Elster- und Saaleeiszeit geprägt wurde, geht die Herausbildung der Landschaften entlang der Ostseeküste und damit auch Hiddensees auf die Weichseleiszeit zurück. Hiddensee besitzt drei weichseleiszeitliche Geschiebemergelkerne, von denen einer der weithin sichtbare Dornbusch ist. Seither hat sich die Insel weiter verändert. Sie läßt sich heute in vier Landschaftsteile untergliedern:

- der Dornbusch
- das Flachland südlich vom Dornbusch mit dem langgestreckten Gellen als
südlichstem Abschluß

- die Halbinseln Alt- und Neubessin und
- die Fährinsel







Das pleistozäne Kernland, zu dem der nördlichste Inselteil, der Dornbusch, gehört, beinhaltet die Ortschaften Kloster und Grieben. Vitte und Neuendorf-Plogshagen werden zum sogenannten Süderland oder auch Hiddenseer Flachland gezählt. An den Dornbusch schließen sich die beiden Anlandungsarme Alt- und Neubessin an. Die Fährinsel stellt einen von drei pleistozänen Inselkernen dar. Diese Inselkerne (Gellen, Fährinsel, Dornbusch) sind Relikte von Endmoränenlagen. Bereits vor etwa 6.000 Jahren wurde der Gellen durch den steigenden littorinen Meeresspiegel überdeckt.

3.000 Jahre später folgte die Fährinsel, sodass heute nur noch der Dornbusch als aktiver Kern wirkt. Um diesen Kern aus Geschiebemergel bildeten und bilden sich Anlandungsgebiete, die größtenteils auch die beiden anderen Inselkerne umfassen.

Zu vorlittorinen Zeiten war Hiddensee Teil eines weiten Festlandes. Diese stark gegliederte Jungmoränenlandschaft ermöglichte es den Menschen des Mesolithikums dort zu leben. Zeugen davon sind relativ häufig zu findende Werkzeugrelikte aus Feuerstein. Ab und an sind auch Tonscherben aufzufinden. Geologisch und kulturhistorisch bedeutsam ist der sogenannte Cyprinenton, der die Basis für die Geschiebemergelablagerungen des Brandenburger, Pommerschen und Mecklenburger Stadiums bildet. Dieser graugrüne Ton enthält Foraminiferen und wurde zwischen 1755 und 1792 am Rennbaumhuk an der Nordwestküste Hiddensees abgebaut und zur Herstellung von edlem Steingut verwendet. Generell kann davon ausgegangen werden, dass Hiddensee (fast) nur von weichselzeitlichen Vorgängen beeinflusst wurde.

Der Leuchturm auf dem Dornbusch mit dem Neuen und dem Alten Bessin im Hintergrund.

Dornbusch
An dieser Stelle sei einmal kurz auf den grundsätzlichen (schematischen) Aufbau des Litorals (Küstenzone) einer Steilküste hingewiesen. Das reicht von etwa 10 m Wassertiefe bis hin zur ersten Bepflanzung an der Küste. Als erste erwähnenswerte Einheit ist die Schorre zu nennen, die Sandbänke beinhaltet. Diese Sandbänke führen zu einem Brechen der ankommenden Wellen. An die sogenannte Brecherzone schließen sich die Brandungszone sowie die Überspülungszone, an der vorwiegend kiesiges Material abgelagert wird, an. Der nachfolgende, durch Strandwälle gekennzeichnete, sogenannte trockene Küstensaum weist teilweise Brandungshöhlen im Kliff auf. Die Kliffranddüne wird oftmals mit Wald als Schutz vor Erosion bepflanzt.

Die mit 65 m höchste Erhebung des pleistozänen Inselkerns Dornbusch ist der Swantiberg an der nördlichsten Spitze Hiddensees. Wie bereits erwähnt, besteht der Dornbusch überwiegend aus Geschiebemergeln. An der nordwestlichen, bis 30 m hohen und ca. 4 km langen Steilküste ist vor allem der mittlere Geschiebemergel aufgeschlossen wobei auch die durch Gletschervorstöße eingefalteten Vorschuttsande zwischen oberem und mittlerem Geschiebemergel in Erscheinung treten. Sehr gut aushaltbar sind die ansonsten farblich schlecht vom verwitterten Mergel trennbaren Sandhorizonte aufgrund von zahlreichen Schwalbennestern, die bevorzugt in den im Vergleich zum Mergel weichen Sand gebaut werden. Deutlich erkennt man Deformationsstrukturen auch im Mergel. Teilweise können Verfaltungserscheinungen unterschiedlich farbiger Mergel beobachtet werden.

Der Geschiebemergel ist stark geklüftet und zeigt an diesen Klüften Oxidationserscheinungen. An anderen Stellen, vor allem in Verbindung mit den Vorschuttsanden, tritt Wasser aus und führt zu Bleichungen des Mergels. Der relativ dichte Mergel lässt kaum Wasser hindurch. Die Sande jedoch dienen über dem abdichtenden Mergel als wichtiger Grundwasserleiter.
Natürlich führt der Geschiebemergel auch Geschiebe, die, in großen Mengen herausgewittert, der Steilküste vorgelagert sind. Hauptsächlich Kalke, Granite, Gneise und Porphyre sind auszuhalten, in geringeren Mengen auch Quarzite und Sandsteine.
Neben den "gewöhnlichen" Geschieben sind allerdings auch geologisch besonders interessante Findlinge zu entdecken. So gibt es einige gekritzte Sandsteine sowie einen ca. 2x1x0,5m großen Granitblock, der zahlreiche basische, oval bis länglich ausgebildete Gesteinsstücke enthält. Eine Erklärung hierfür geben die unterschiedlichen Schmelzpunkte von basischen und sauren Gesteinen. Während eine granitische Schmelze aufsteigt und ihre Umgebung erhitzt, kommt es bei der darüberliegenden basischen Gesteinsdecke aufgrund der höheren Schmelztemperaturen zu keiner Aufschmelzung. Der aufsteigende Pluton drückt jedoch gegen diese Gesteinsdecke, sodass diese bruchtektonisch reagieren muss und Bruchstücke in die langsam auskühlende und letztendlich erstarrende Granitschmelze fallen.
Vorsicht ist geboten, wenn scheinbar natürliche Sedimentationsphänomene innerhalb der Steilküste anthropogen verursacht sind. So treten an manchen Stellen Rohre aus einem auf den ersten Blick ungestörten Sediment. Beim zweiten Hinsehen jedoch können konkave Schachtungsspuren ausgemacht werden.
Der Dornbusch ist ehemaliges Militärgebiet, war mit Bunkern bebaut und weist auch oberhalb der Steilküste typisch menschliche Einflüsse auf. So wachsen Brennnesseln, die für erhöhten Nährstoffeintrag sprechen und auch der eine oder andere Obststrauch ist aufzufinden. Die häufigste, natürlich vorkommende Pflanze ist jedoch der Sanddorn, der mit seinen gelblich-orangen Früchten Grundlage für unzählige Produkte wie Marmelade, Saft, Alkohol und vielem anderen ist.
Nachdem im 17. Jahrhundert nahezu der gesamte Wald Hiddensees gerodet wurde, begann man 1860 mit der Aufforstung auf dem Dornbusch.
Typische Vegetationen für diese Stauchendmoränenlandschaft sind Rote Heckenkirsche, Hasel, Weiß- und Kreuzdorn. Die Magerrasen werden überwiegend von Thymian, Walderdbeere, Golddistel, Grasnelken, Labkraut, Heidenelken und (einge-schleppten) Königskerzen bewachsen. Oft zu sehen sind in Schneisen gelegene Windflüchter, die durch Nordwestwinde ihre typische Form erhalten.
Der Dornbusch ist ein typisches Abtragungsgebiet. Durch die permanente Brandung verringert sich die Steilküste um ca. 30 cm pro Jahr. Anfang 2000 brachen östlich des Swantiberges ca. 120.000 m3 Steilküste ins Meer. Vor allem durch solche relativ seltenen, aber großen Ereignisse wird der Küstenrückgang vorangetrieben. Ein in Zukunft sicherlich abrutschender Bereich ist die Gegend um den Leuchtturm. Bereits heute kann man an der sogenannten Hiddenseer Leuchtturmspalte ca. 1-1,5 m Abrutschung ausmachen.

Alter und Neuer Bessin

Bessin und Flachland Hiddensees

Die vom Dornbusch abgetragenen Sedimente werden durch eine nord-nordöstliche Strömung an den Neuen Bessin angelagert. Der Neue Bessin wächst etwa 30 bis 60 cm pro Jahr und durchläuft die gleichen Prozesse wie schon zuvor der 3,3 km lange Alte Bessin. Ohne die künstliche Offenhaltung der Verbindung Vitter Bodden mit Libben hätten sich Neuer Bessin und der Bug Rügens längst zusammengeschlossen und einen weiteren Zugang zur Ostsee versperrt.
Das auf Hiddensee mittig und südlich gelegene, mit dem Gellen verbundene Flachland wurde überwiegend während der zweiten littorinen Phase durch Nord-Süd gerichteten und die beiden Inselkerne Gellen sowie Fährinsel verbindenden Sedimenttransport gebildet (NIEDERMEYER in DUPHORN, KLIEWE, NIEDERMEYER, JANKE, WERNER 1995). Das Material lagerte sich häufig in Strandwällen ab, von denen die heutigen Strandwallsysteme bei Vitte, in der Dünenheide, bei Neuendorf und auf der Fährinsel künden.


 

2.3. 

Naturraum



Zwischen der Halbinsel Darß-Zingst, der Insel Hiddensee und der Westküste der Insel Rügen liegt eine der wenigen noch weitgehend naturhaften Großlandschaften Mitteleuropas. Das Landschaftsbild dieser Küstenregion ist das Ergebnis einer natürlichen Küstenentwicklung und der Tätigkeit der seit Jahrhunderten in dieser Region lebenden Menschen. Die Landschaft wurde maßgeblich durch die letzte Eiszeit bestimmt.

Im Nationalpark gibt es umfangreiche Flachwassergebiete, die zahlreichen wirbellosen Tieren wie Würmern und Muscheln als Lebensraum dient. Sie sind Nahrungsquelle für eine nahezu unendlich große Anzahl von Zugvögeln. Berühmt sind einige Flachwassergebiete als bedeutendste Kranichrastplätze Mitteleuropas.

Ziel waldbaulicher Maßnahmen ist es, die vorhandenen Kunstforsten in naturnahen Wald zu verwandeln. Große Flächen natürlichen Waldes sind in den Kernzonen des Nationalparks bereits vorhanden und können sich durch Verzicht auf jegliche Nutzung weiterentwickeln.

In den vermoorten Senken zwischen den Strandwällen und Dünenzügen bilden sich Erlenbruchwälder, die bevorzugte und Laichgebiete für Amphibien sind.

Eine weitere sehr bedeutende Landschaftsform im Nationalpark sind die Röhrichtflächen, die sich als Saum um die gesamte Boddenküste entlangziehen.

Hiddensee ist die größte Insel des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft und beherbergt mit der Dünenheide und den Hutungen alte Kulturlandschaften einmaliger Schönheit, die als Insekten- und Pflanzenparadies auch weiterhin einer regelmäßigen Pflege bedürfen. Die großen Neulandbildungen im Nordosten und Süden Hiddensees, die durch abgetragene Sande, Kies und Steine des Steilufers an der Nordspitze "ernährt" werden, zählen zu den natürlichsten Gebieten und sind besonders geschützt. Neben dem Naturschutz soll der Nationalpark auch zur Erholung und Freizeitgestaltung seiner Besucher dienen. Ein Umfangreiches Wander- und Radwegenetz, Beobachtungsstände, die einen herrlichen Ausblick in die Landschaft gewähren, ermöglichen eigenständige und vielfältige Wanderungen im Nationalpark.


Windwatt am Gellen



Windwatten

Lebensraum der Extreme
Obwohl die Gezeiten der Ozeane im Bereich des Nationalparks kaum noch spürbar sind, treten Wasserstandsschwankungen auf, die v.a. durch Windeinwirkungen hervorgerufen werden. Man spricht daher bei den bei Niedrigwasser trocken fallenden Wattflächen des Nationalparks von Windwatten.
Dieser Lebensraum ist durch extreme Umweltbedingungen geprägt. Wochenlangem Trockenfallen folgt u.U. eine tagelange Überflutung, Salzarmut bei Regenfällen folgt ein extremer Anstieg der Salzkonzentration bei sommerlicher Verdunstung, und die tagsüber bei direkter Sonneneinstrahlung überhitzten Flächen kühlen des Nachts stark aus. Nur sehr wenige wirbellose Tierarten können daher im Windwatt existieren. Diese kommen dort aber in ungeheuren Individuenzahlen vor. Sie sind als Nahrung für viele im Nationalpark vorkommende Watvogelarten von entscheidender Bedeutung. Beispielsweise suchen Säbelschnäbler und Sanderlinge dort einen Großteil ihrer Nahrung.
Zusätzlich sind die Wattflächen ein sicherer Ruheraum für Vögel und Robben. In diesem offenen und übersichtlichen Biotop können Feinde von den ruhenden Tieren frühzeitig erkannt werden. Eine besondere Berühmtheit hat das Windwatt am Bock als Übernachtungsort von mehreren Tausend Kranichen auf dem alljährlichen Herbstzug erlangt.

Das Watt am Dornbusch
Unterhalb der Moränensteilküste des Dornbusch befindet sich eine Sonderform der Wattflächen. Dieses Watt ähnelt in weiten Bereichen einem Felswatt, denn es ist sehr reich an größeren Steinen. Flora und Fauna sind völlig anders als auf den übrigen Wattflächen. In den tieferen Bereichen ist ein dichter Bewuchs mit Blasentang und anderen Großalgen entwickelt. Von den durchziehenden Watvogelarten sind speziell an diesen felsigeren Ufertyp der Steinwälzer und der Meerstrandläufer angepasst.

Steilufer

Steilufer im Nationalpark
Steilküsten entstehen durch den natürlichen Landabtrag des Meeres. Dabei entstehen fast senkrecht abfallende vegetationsarme Pionierbiotope mit teils extremen mikroklimatischen Bedingungen. Diese aktiven Kliffs sind Primärbiotope für eine große Zahl von heute fast ausschließlich in der Kulturlandschaft vorkommenden Pflanzen- und Tierarten. Beispiele dafür sind sehr viele Ruderalpflanzen (Ackerkratzdistel, Huflattich u.a.) oder die Uferschwalbe.
Im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft kann man drei wichtige Typen von Steilküsten unterscheiden:

Moränensteilküsten: Abbruchkanten an Endmöränen der letzten Eiszeit. Hier steht lehmiges oder mergelhaltiges (d.h. kalkreiches) Bodenmaterial an. Sie befinden sich am Dornbusch, am Nordoststrand der Insel Liebitz, im Bereich Ostummanz und bei Barhöft.
Steilufer an holozänem Sand: Sie sind vor allem am Darßer Weststrand und am Zingster Nordstrand im Bereich der Sundischen Wiese vertreten.
Torfkliffs: Eine absolute Besonderheit des Nationalparks - Abbruchkanten an aus dem Bodden emporgewachsenem Torf. Sie sind besonders anschaulich am Ufer einiger Boddeninseln ausgebildet (Borner und Neuendorfer Bülten, Kirr, Barther Oie, Großer Werder, Heuwiese).

Flora und Vegetation Die unterschiedlich alten Uferabbrüche aktiver Kliffs bewirken ein kleinflächig wechselndes Vegetationsmosaik. Vor allem am Dornbusch kann man alle Entwicklungsstadien vom vegetationslosen vertikalen Kliff über Magerrasen und lückige Gebüsche bis hin zum am Steilhang wachsenden Wald hervorragend ausgebildet sehen. Floristisch besonders vielfältig sind die Magerrasenstadien. Nelken-Sommerwurz (Orobanche caryophyllea), Knöllchen-Steinbrech (Saxifraga granulata) und Weidenblättriger Alant (Inula salicina) wachsen hier. Zahlreiche lichtbedürftige Moose wie Pottia bryoides oder Thuidium abietinum kommen an den vegetationsarmen, frisch abgebrochenen Moränensteilufern vor. An solchen Standorten können diese Gewächse der Konkurrenz durch andere Pflanzenarten am ehesten entgehen.
Unterhalb der Kliffs liegt oftmals noch Abbruchmaterial am Strand, dessen Bewuchs schon stärker der Spülsaum-, Strand- oder Salzgraslandvegetation ähnelt, aber aufgrund der selteneren Überflutung auch weniger salzresistente Arten umfasst.

Die Tierwelt Charakteristisch für Steilufer ist eine reichhaltige Besiedlung durch bodengrabende Bienen, Grabwespen und Wegwespen. Darüber hinaus beherbergen Steilufer vielfältige Vorkommen anderer seltener Insekten. So hat am Dornbusch der farbenprächtige Goldpunkt-Laufkäfer (Calosoma auropunctatum) eines seiner wenigen Vorkommen in Mecklenburg-Vorpommern. Zahlreiche Arten haben an den Steilküsten des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft sogar ihr einziges im Land bekanntes Vorkommen.
Typisch für die Moränensteilküsten ist die Besiedlung mit Uferschwalben, die bis zu zwei Meter tiefe Brutröhren in die Steilkanten graben. Im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft leben mindestens 1.500 Brutpaare, allein weit über 1.000 am Dornbusch.
 

2.4. 

Gewässer

  Zum Lesen


Die Ostsee

Die Ostsee war und ist noch heute Initiator der Küstenbildung und prägt seit ihrer Entstehung die mecklenburgische Ausgleichs- und Boddenküste. Neben den Boddengewässern stellt sie zudem einen sehr wichtigen marinen Lebensraum dar. Besonders die Flachwasserzonen der Ostsee sind essentiell für viele Lebewesen, vor allem für Wasser- und Watvögel. Im "Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft" nimmt das Brackwassermeer mehr als die Hälfte der gesamten Nationalparkfläche ein.



Die Bodden
Bodden sind durch Inseln oder Landzungen vom Meer abgetrennte flache Küstengewässer. Anderswo benennt man einen derartigen Lebensraum als Lagune. Aber die Menschen der Region hatten schon immer ihren eigenen Kopf, und so wurde statt des romantischen Wortes mit Südseeklang der Begriff "Bodden" kreiert. Er ist niederdeutschen Ursprungs und bedeutet "Boden" oder "Grund". Er bezieht sich auf die Flachheit dieser Gewässer. Der Lebensraum Bodden unterscheidet sich stark von dem der Ostsee. Wesentliche Unterschiede sind beispielsweise der geringere Salzgehalt, der fehlende Seegang und der erheblich größere Nährstoffreichtum.

Die beiden Boddenketten im Nationalpark
Im Nationalpark gibt es zwei große Bodden: Die Darß-Zingster Boddenkette, die durch die Halbinsel Darß-Zingst von der Ostsee getrennt wird und die westrügenschen Bodden, bei denen die Insel Hiddensee die Barriere zur offenen Ostsee bildet. Die Westrügenschen Bodden haben im Durchschnitt einen höheren Salzgehalt als die Darß-Zingster-Boddenkette. Während in der Darß-Zingster-Boddenkette überwiegend große Schlammflächen das Sediment bilden, besteht der Bodengrund in weiten Teilen der Westrügenschen Bodden aus Sanden. Die Sauerstoffversorgung im Sediment ist in den westrügenschen Bodden daher meist besser. Die Lebensgemeinschaften der Darß-Zingster Boddenkette wurden in den letzten Jahrzehnten wesentlich stärker verändert als jene der westrügenschen Bodden, vor allem durch Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft und der Entwässerung der Moore. Aufgrund der darauf folgenden starken Planktonentwicklung beträgt die Sichttiefe in den Gewässern der Darß-Zingster-Boddenkette oft weniger als 1 Meter.

Lebensgemeinschaften
Großflächige Rasen verschiedener Armleuchteralgen und der Meer-Salde bilden die Unterwasservegetation der Bodden. In nährstoffreichen Boddengewässern wächst weiträumig das Kamm-Laichkraut. Tiefere Bereiche (oft schon ab 70 cm) sind aufgrund von Lichtmangel unbewachsen.
Bei den größeren bodenlebenden Wirbellosen sind in den salzreicheren Bodden vor allem eine Reihe von Borstenwurmarten sowie Herz- und Sandklaffmuscheln bedeutsam und sehr häufig. Sie sind die Grundlage für die reichen Fisch- und Vogelbestände.

Im Gebiet der Darß-Zingster Boddenkette kommen 48 Fischarten regelmäßig vor: 22 Süßwasser-, 5 Wander- und 21 Meeresfischarten. Typische Süßwasserfische sind Brasse, Plötze, Zander oder Flussbarsch , häufige Meeresfische Hering, Sprotte, Hornfisch, Sand- und Strandgrundel, Grasnadel, Kleine Schlangennadel und Flunder. In den Boddengewässern findet eine große Zahl unterschiedlicher Wasservögel ihre Nahrung: Schnatterente, Löffelente oder Stockente sind Pflanzenfresser. Von den in Bodennähe lebenden Wirbellosen leben Reiherente , Bergente oder Tafelente. Fischfressende Vögel sind Kormoran, Mittelsäger, Gänsesäger, Zwergsäger, Haubentaucher und Graureiher .
Die großen Wasserflächen der Bodden dienen als wichtige Schlaf- und Ruheplätze für Gänse. Ab Juli sammeln sich dort bis zu 40.000 Graugänse zum Weiterzug nach West- und Südeuropa. Daran anschließend erreichen im September Blässgänse und Saatgänse die Boddengewässer des Nationalparks. Im Herbst rasten dort insgesamt ca. 100.000 Grau-, Saat- und Blässgänse.

 

3. 

Geschichte und Kultur

Inhaltsverzeichnis:
3. Geschichte und Kultur
3.1. Geschichte
3.2. Kultur
 

3.1. 

Geschichte

  Zum Lesen


Historische Zeittafel

Erste menschliche Besiedelung waren in der mittleren und jüngeren Steinzeit. Nachdem im 6. Jahrhundert n. Chr. die germanische Bevölkerung den südlichen Ostseeraum verlassen hatte, kamen die Ranen (Slawen), die 1168 von König Waldemar von Dänemark durch die Eroberung der Festung Arkona auf Rügen vertrieben wurden. Hiddensee stand dadurch unter dänischer Hoheit. Am 13. April 1296 wurde die Insel Hiddensee so wie sie vom Salzmeere umflossen vom Rügenfürst Wizlaw II. dem Kloster Neuenkamp geschenkt. Hier sollte eine Zisterzienserabtei namens Nikolaikamp (der Heilige Nikolaus ist der Schutzpatron der Seefahrer) entstehen, tatsächlich hieß das Kloster aber während der gesamten Zeit des Bestehens Kloster Hiddensee. Zeitgleich mit dem Aufbau des Klosters wurden in den Jahren 1302 bis 1306 auf dem Gellen im Süden der Insel die Gellenkirche, ein kleines Leuchtfeuer, Luchte genannt, sowie der erste Hafen gebaut.

1322 wurde eine kleine Mauerkirche (Laienkirche), wie damals bei den Zisterziensern üblich, im heutigen Ortsteil Kloster in der Nähe des Klostertores gebaut. Mit der Überführung des Taufsteines aus der Gellenkirche in die neue Kirche wurden von da an bis heute die seelsorgerischen Aufgaben von hier aus ausgeführt. Im Jahr 1325 fiel die Insel an die Herzöge von Pommern-Wolgast.

1536, nach der Reformation, wurde das Kloster aufgelöst. Während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) wurde auf Anordnung von Wallenstein im Jahr 1628 der Eichenmischwald auf dem Dornbusch abgebrannt. Damit wollte man den Dänen die Insel als Holznutzgewinnung entziehen. 1648 (bis 1815) wird Hiddensee schwedisch. Von 1754 an bis 1780 ist Joachim Ulrich Giese Eigentümer der Insel und beginnt, um Fayencen herzustellen, mit dem Abbau von Ton. Etwa im Jahr 1781 wird in Kloster die auch heute noch stehende Pfarrkirche im spätgotischen Stil errichtet.

1801 bis 1944 Vom Jahr 1815 an ist Hiddensee mit Vorpommern preußisch (bis 1945). Vom Stralsunder Kloster zum Heiligen Geist wird die Insel 1835 erworben und 1837 (Plogshagen) sowie 1840 (Kloster) werden die ersten Schulen gebaut. In den Jahren zwischen 1854 und 1864 wurden im Rahmen der Ablösung der Reallasten (Bauernbefreiung) auch auf Hiddensee die Grundstücksverhältnisse neu geordnet. Während dieser Zeit, ab 1861, wurde mit der Wiederaufforstung des Dornbusch begonnen. Jeweils in den Jahren 1864 und 1872 wurde die Insel von schweren Sturmfluten heimgesucht, bei der Ersteren zerbrach Hiddensee in zwei Teile, was nur durch Menschen Hand rückgängig gemacht werden konnte, nach der zweiten Sturmflut wurde der bis heute berühmte Hiddenseer Goldschmuck (eine Wikingerarbeit aus dem 10. Jahrhundert) gefunden. Eine Replik davon kann man heute im Heimatmuseum Hiddensee besichtigen, das Original wird im Kulturhistorischen Museum in Stralsund verwahrt.

1874 wird der Amtsbezirk Hiddensee gebildet und 1888 werden in Kloster der Leuchtturm auf dem Dornbusch und der Hafen fertiggestellt, sowie die Seenotrettungsstation. Von 1892 an verkehren erstmals regelmäßig Dampfer zwischen Stralsund und Kloster. Ab 1905, mit Gründung des Arztzweckverbandes, wurde der erste Arzt auf Hiddensee eingestellt und 1927 wurde die Insel an das Stromnetz angeschlossen. 1930 wurde die biologische Forschungsstation und 1936 die Vogelwarte gegründet. Zwischen 1937 und 1939 wurden die drei Gemeinden auf der Insel zur Gemeinde Hiddensee vereint.

1945 bis 1989 Im Jahr 1945 wird Hiddensee am 4./5. Mai von sowjetischen Truppen besetzt. Im selben wie im folgenden Jahr wird im Rahmen der Bodenreform der Gutshof Hiddensee in 18 Neubauernstellen aufgeteilt. Bei den Gemeinderats-, Kreis- und Landtagswahlen erhält die SED 1946 ca. 70% der Stimmen. 1952 wird die Fährverbindung zwischen Seehof auf Rügen und der Fährinsel eingestellt. 1962 wird mit dem Deichbau zwischen Kloster und Vitte begonnen.
 

3.2. 

Kultur



Sehenwürdigkeiten

Kloster
Steilufer auf der Insel Hiddensee
Dünen auf Hiddensee
Leuchtturm Dornbusch
Gerhart-Hauptmann-Haus (Kultur und Museum)
Inselkirche (derzeitiger Pfarrer: Manfred Domrös)
Lietzenburg (Sehenswürdigkeit)
Torbogen vom alten Kloster (Sehenswürdigkeit)
Heimatmuseum der Insel
Galerie am Torbogen






Neuendorf
Leuchtfeuer Neuendorf
Gemeindehaus "Uns Tauflucht" (Gottesdienste und Kultur)





Vitte
Nationalparkhaus Hiddensee
Karusel (Asta-Nielsen-Haus)(Sehenswürdigkeit)
Blaue Scheune (Sehenswürdigkeit)
Henni-Lehmann-Haus (Kultur)
Zeltkino
Seebühne (Figurentheater)
Galerie am Seglerhafen



Leuchttürme
Leuchtturm auf dem Dornbusch
Leuchtfeuer von Hiddensee am Gellen

Leuchtturm Dornbusch
Im Norden der Insel, auf dem sogenannten Hochland von Hiddensee, steht das Wahrzeichen der Insel, der Hiddenseer Leuchtturm.
Leuchtturmnummer: C2588
Koordinaten: 54°36'Nord, 13°07'Ost
Amtl. Bezeichnung: Leuchtfeuer Dornbusch/Hiddensee
Standort: Im Dornbusch auf dem Bakenberg, 72 m über dem Meeresspiegel
Baujahr: 1887/88 (Umbau 1927-29)
Höhe Turm: 28 m
Höhe Galerie: 20 m
Höhe über n.N.: 99,5 m
Kennung (Identifikation): 2,4 s hell, 7,6 s dunkel
Lampenleistung: 2000W (Halogenmetalldampflampe)
Sichtweiten: weiß 24,9 sm (45 km), rot 21,3 sm (38 km)

Leuchtturm Gellen
Im Süden der Insel, auf dem Gellen, steht ein Leuchtfeuer (Quermarkenfeuer).
Leuchtturmnummer: C2586
Koordinaten: 54°30'Nord 13°05'Ost
Amtl. Bezeichnung: Leuchtfeuer Gellen/Hiddensee
Baujahr: 1905
Höhe: 12 m
 

4. 

Wirtschaft und Tourismus

Inhaltsverzeichnis:
4. Wirtschaft und Tourismus
4.1. Tourismus
4.3. Fischerei
4.4. Industrie
4.5. Verkehr
 

4.1. 

Tourismus



Die Insel lebt heute hauptsächlich vom Tourismus. Fast jeder Hausbesitzer vermietet Unterkünfte an Feriengäste. Besonders in Vitte sind in den letzten Jahren einige Ferienhäuser und Ferienwohnungen neu entstanden. Auch Tagestouristen sind eine große Einnahmequelle. Da diese aber hauptsächlich zwischen Vitte und Kloster verkehren, bietet die Insel den übernachtenden Gästen noch eine Menge ruhiger Plätze in der Natur und am Strand (besonders ruhig zwischen Vitte und Neuendorf) an, insbesondere nach 17.00 Uhr ist es wieder sehr ruhig. Aufgrund dessen ist die Insel ein sehr beliebtes Urlaubsziel von Menschen, die in erster Linie die pure Erholung suchen (es gibt keine Diskothek auf Hiddensee). Man sollte in der Hauptsaison ohne fest gebuchte Unterkunft auf keinen Fall mit der letzten Fähre kommen.

 

4.2. 

Landwirtschaft



Landwirtschaft nur nebenbei

Das Gebiet des Nationalparks ist spätestens seit dem frühen Mittelalter dauerhaft besiedelt. Bereits im 12. Jahrhundert finden im Zuge der deutschen Ostkolonisation umfangreiche Waldrodungen statt. Mit der einsetzenden Beweidung der Küstenüberflutungsmoore entstehen im Hoch- und Spätmittelalter die noch heute landschaftsprägenden Salzweiden an den Boddenufern auf Standorten, die zuvor vom Wald, vor allem aber von Röhrichten bewachsen waren.

Die Landwirtschaft ist lange Zeit auf den Inseln und Halbinseln des Nationalparks überwiegend nur ein Nebenerwerb zu Fischerei und Seefahrt. Angesichts der überwiegend für den Ackerbau nur schlecht geeigneten Standorte und der insgesamt schlechten Erreichbarkeit wird sich das auch in den folgenden Jahrhunderten nicht ändern. Entsprechend gering ist der Drang, die Landschaft für landwirtschaftliche Zwecke umzugestalten. Lediglich die Waldrodung schreitet weiter voran, Holz ist als Brennstoff und für den Schiffbau begehrt. Noch im 18. Jahrhundert haben die Wälder auf Darß und Zingst aber eine größere Ausdehnung als heute. Sie reichen zu dieser Zeit vielerorts noch bis an die Boddenufer. Auf Hiddensee und Ummanz herrscht jedoch bereits ein akuter Holzmangel. Als Brennstoff wird hier - wie später auch auf Darß und Zingst - Torf gestochen.

Erst im 19. Jahrhundert beginnt der Bau von Entwässerungsgräben, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch von kleineren Deichen. Ab 1870 werden Sundische Wiese und Ummanz eingedeicht und der Prerowstrom wird zur Ostsee hin geschlossen. Der Fang von Seefischen im Bodden ist nun kaum mehr möglich. Die Armut auf dem Darß wächst; ein regionaler Bevölkerungsrückgang ist die Folge. In den neu entstandenen Poldern ist die Landwirtschaft aufgrund lang andauernder Staunässe kaum profitabel. Der Bau von Windschöpfwerken verbessert die Situation, kann die durch den Deichbau verursachten Probleme jedoch nicht völlig lösen.





Aufschwung des Tourismus

Zum Anbruch des 20. Jahrhunderts begrüßt man schon regelmäßig Touristen auf Darß und Zingst. Ein lang anhaltender Aufschwung des Fremdenverkehrs bringt den in der heutigen Nationalparkregion wohnenden Menschen eine neue Einkommensquelle, die die schwindenden Erträge aus Schiffbau, Schifffahrt und Fischfang ersetzen kann.

In den 60er und 70er Jahren wird mit komplexen Meliorationsmaßnahmen die Landschaft für eine industriemäßige Rinderproduktion umgestaltet. Großflächige und tiefgreifende Landschaftsveränderungen finden vor allem auf Darß und Zingst statt, aber auch auf Ummanz werden große Flächen umgebrochen und entwässert. Nicht ganz so einschneidend sind die Meliorationsmaßnahmen auf Hiddensee. Zeitweise bewirtschaftet ein einziger landwirtschaftlicher Betrieb annähernd die gesamte Fläche des Nationalparks - vom Fischland bis nach Westrügen. Gülle- und Abwassereinleitungen aus der industriellen Landwirtschaft belasten die Boddengewässer stark. Nach den mittelalterlichen Rodungen markiert die Melioration der offenen und halboffenen Landschaften auf Darß/Zingst und Ummanz für die industriemäßige Rinderaufzucht in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts den größten Landschaftswandel in der Region.

Trotz der Melioration sind natürliche und naturnahe Landschaftsausschnitte erhalten geblieben. Zahlreiche seit 1957 ausgewiesene Naturschutzgebiete haben natürliche und naturnahe Landschaftsteile gesichert. Mit der Ausweisung des Nationalparkes und der Wiedervereinigung fand die intensive Landbewirtschaftung ein Ende. Die meliorierten Flächen werden extensiviert und in einen naturnäheren Zustand überführt, einige sollen vollständig aus der Nutzung entlassen werden.

 

4.3. 

Fischerei



Die Fischerei ist seit Jahrhunderten ein traditioneller Erwerbszweig auf Hiddensee. Heute gibt es noch 28 Haupterwerbsfischer. Sie fischen in den Bodden und in der küstennahen (bis 12 Seemeilen) Ostsee. Mit 18 Fischkuttern landen sie jährlich etwa 330 Tonnen Fisch an. Gefischt werden Hering, Dorsch, Hornfisch, Flundern, Steinbutt, Aal, Hecht und Barsch. Dorsch- und Heringsfang sind quotiert, alle anderen Fischarten können frei gefischt werden. Für den Dorsch wird die Quote jährlich abgefischt.

Allerdings erfuhr die Fischerei in den letzten zehn Jahren einen Niedergang. Durch neue Einschränkungen und Verbote sowie der Öffnung neuer Märkte ließ die Zahl der Fischer von 64 (Jahr 1990) auf 28 (Jahr 2000) schrumpfen. Vor 1989 wurde gemeinschaftlich in sogenanten "Partien" (Kollektive oder neudeutsch: Teams) gefischt. Neben dem Hering wurden im Schaproder /Vitter Bodden und auf der offenen See auch Aal, Hecht Barsch und Plötze nachgestellt. Während früher das traditionelle Handwerk auf die Söhne vererbt wurde, haben derzeit nur wenige Jugendliche Lust auf den unattraktiven Beruf des Fischers. Das man dennoch auf das Gewerbe setzt und dieses breiter darstellt, zeigt der Ausbau des Fischerei-Hafens in Vitte, der 1998-2000 umgestaltet wurde und sich heute attraktiv präsentiert. Von einer gepflegten (Fisch-) Gaststätte über Frischfischverkauf bis hin zu kleineren Shops kann der Besucher aus einem reichhaltigen Erlebnisangebot schöpfen.

 

4.4. 

Industrie





Industrie ist auf der Insel Hiddensee nicht vorhanden.



 

4.5. 

Verkehr



Der private Kfz-Verkehr ist auf der gesamten Insel verboten und da es nur wenige Ausnahmen wie Polizei, Feuerwehr, Krankenwagen, Arzt, Versorgungs- und Havariefahrzeuge gibt, ist die Insel nahezu autofrei. Ein großer Teil der genannten Ausnahmen fährt im Elektrobetrieb. Laut Satzung der Gemeinde müssen Waren, die ein Gewicht von 2 t nicht überschreiten, mit Pferd und Wagen transportiert werden.



Ein Kutscher auf Hiddensee


Diese Pferdefuhrwerksunternehmer bieten auch den Touristen und Tagesgästen Kutschfahrten im Kremserwagen (eine Art von Planwagen) über die Insel in bestimmten Routen, aber auch individuell abgestimmte Fahrten, an. Teilweise wird in den Hauptsaisonzeiten auch eine Art Linienverkehr mit den Pferdewagen angeboten.

Zwischen den Ortsteilen Grieben, Kloster, Vitte und Neuendorf verkehrt außerdem ein kleiner Linienbus der Rügener Personen- und Nahverkehrsgesellschaft (RPNV). Ursprünglich wurde dieser als Schulbus von der gemeindeeigenen Kurverwaltung eingesetzt, um sicherzustellen, dass die Schulkinder bei Wind und Wetter sicher in der Schule in Vitte ankommen, nahm er aber dennoch auch normale Fahrgäste auf bzw. wurde auch zu bestimmten Anlässen als Zubringerdienst genutzt. Da dies einem reinen Schulbus aber eigentlich untersagt ist und für den normalen Personenverkehr entsprechende Genehmigungen nicht erteilt waren, wurde der Betrieb im Jahr 2003 in die RPNV eingegliedert. Dennoch gilt nach wie vor, dass die Schulkinder Vorrang haben.
Ansonsten wird auf Hiddensee zu Fuß gegangen oder Fahrrad gefahren.

 

5. 

Natur- und Umweltschutz

Inhaltsverzeichnis:
5. Natur- und Umweltschutz
 

5.1. 

Naturschutz



Nationalpark Vorpommersche Boddenlanschaft

Seit 1990 ist Hiddensee Bestandteil des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft.

Der Nationalpark umfasst eine Fläche von 805 km2, wovon 118 km2 Land- und 687 km2 Wasserflächen (Ostsee und Boddengewässer) einnehmen.Der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft beinhaltet Ostsee- und Boddengewässer sowie Landflächen Vorpommerns im Bereich der Halbinsel Darß-Zingst sowie der westlich der Insel Rügen gelegenen Gewässer. Er liegt in einem landschaftlich vielfältig strukturierten Raum, der gleichzeitig eines der wichtigsten Tourismusgebiete des Landes Mecklenburg-Vorpommern ist.

Der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft stellt einen repräsentativen Ausschnitt der vorpommerschen Ausgleichsküste sowie der Flachwasserzone der Ostsee als größtem Brackwasserlebensraum der Erde dar. Er umfasst:

- erdgeschichtlich sehr junge Landschaftsformen, die von einer innigen Durchdringung von Land- und Wasserflächen mit hoher Küstendynamik gekennzeichnet sind,

- Flachwasserökosysteme der Ostsee,

- Windwatten, Sandhaken, Nehrungen, aktive Kliffs, Strände und Dünen,

- zwei Boddenketten als vollständige Flachwasserökosysteme mit Brackwasserröhrichten und Küstenüberflutungsmooren,


- Waldökosysteme mit vollständigem Spektrum von Pionier- zu Klimaxgesellschaften und deren natürliche Waldränder bzw. Kampfzonen an wachsenden und zurückschreitenden Meeresküsten und Boddenufern.



International bedeutende Vogelarten im Nationalpark
Quelle: Landesamt für Forsten und Großschutzgebiete Mecklenburg Vorpommern, 2002


Definiton "Nationalpark" vom Umweltministerium Mecklenburg Vorpommern:

Nationalparke (NLP) sind rechtsverbindlich festgesetzte einheitlich zu schützende Gebiete, die

1. großräumig und von besonderer Eigenart sind,

2. in einem überwiegenden Teil ihres Gebiets die Voraussetzungen eines Naturschutzgebiets erfüllen und

3. sich in einem überwiegenden Teil ihres Gebiets in einem vom Menschen nicht oder wenig beeinflussten Zustand befinden oder geeignet sind, sich in einen Zustand zu entwickeln oder in einen Zustand entwickelt zu werden, der einen möglichst ungestörten Ablauf der Natur-vorgänge in ihrer natürlichen Dynamik gewährleistet".



Für den nachhaltigen Schutz der Dynamik und Artenvielfalt der Boddenregion versucht der Nationalpark zwei verschiedene Schutzkategorien umgesetzt. Die Ziele und Gebote der beiden Schutzzonen sind in der „Verordnung über die Festlegung des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft“ aus dem Jahr 1990 festgelegt:

§ 5 Gebote

(1) Im Nationalpark ist es geboten,

1. in der Schutzzone I vorrangig durch geeignete Schutzmaßnahmen die ungestörte Entwicklung natürlicher und naturnaher Lebensgemeinschaften zu sichern, sowie gestörte Lebensgemeinschaften in natürliche oder naturnahe Zustände zu überführen, insbesondere durch
a) Einstellung der wirtschaftlichen und militärischen Nutzungen nach einem mit der Nationalparkverwaltung abzustimmenden Zeitplan,
b) schrittweise Entnahme von nichteinheimischen
Baumarten und Rückbau aller Entwässerungseinrichtungen,
c) Bestandesregulierungen von wildlebenden Tierarten entsprechend den Zielsetzungen des Nationalparks durch das Nationalparkamt oder im Auftrage des Nationalparkamtes.

2. In der Schutzzone II vorrangig durch gezielte Pflege und Renaturierungsmaßnahmen die biotoptypische Mannigfaltigkeit der heimischen Pflanzen- und Tierwelt zu erhalten und zu fördern, insbesondere
a) die schrittweise Umwandlung der Waldbestände, so daß langfristig eine Überführung in Schutzzone I möglich wird,
b) die Walderneuerung vorrangig über Naturverjüngung zuzulassen,
c) die Pflege der Graslandflächen durch Mahd und Beweidung ohne Düngung zu gewährleisten,
d) die Erholungsnutzung so zu gestalten, daß Beeinträchtigungen der Naturausstattung vermieden oder verringert werden,
e) durch geeignete Maßnahmen der Verkehrs- und Besucherlenkung den Ruhecharakter des Gebietes insgesamt stärker auszuprägen,
f) Bestandesregulierungen von wildlebenden Tierarten entsprechend den Zielsetzungen des Nationalparks nach Maßgabe des Nationalparkamtes vorzunehmen.

Gesamtflächen der Schutzzonen I und II:
Schutzzone I: 143 qkm = rund 18 % der Nationalparkfläche
Schutzzone II: 662 qkm = rund 82 % der Nationalparkfläche




 

5.2. 

Küstenschutz



Die Küsten der mecklenburgischen Ostsee und Bodden sind im stetigen Wandel und zeichnen sich durch Prozesse der Abrasion und Akkumulation aus. Eine Folge ist eine ausgeprägte Ausgleichküste mit einem Wechsel von Steil- und Flachküsten.

Der Küstenraum ist gleichzeitig ein wichtiger Kultur-, Wirtschafts- und Lebensraum für den Menschen. Tatsache ist auch, dass sich 70 % Außenküsten im Rückgang befinden (durchschnittlich 34 m pro Jahrhundert), also zunehmend durch Küstenerosion gekennzeichnet und bedroht sind.

Küstenschutzmaßnahmen ergeben sich somit aus den unterschiedlichen, anthropogenen Nutzungsansprüchen, die einen Rückgang der Küste, und damit einen Landverlust, nicht vereinbaren können.

Im Wesentlichen dienen Maßnahmen des Küstenschutzes:

1. der Reduzierung und Verhinderung des Küstenrückgangs
2. und dem Schutz vor Sturmfluten


Die Insel ist in ihrer landschaftlichen Eigenart gefährdet. Besondere Gefahren drohen immer dann, wenn Meteorologen starke Stürme voraussgen, wenn Orkane die Ostseebrandung in Sturmfluten, richtiger: in Sturmhochwasser verwandeln.

Der Mensch stand lange diesen Naturgewalten völlig hilf- und tatenlos gegenüber. Man sah am Dornbusch große Teile der Steilküste abbrechen und ins Meer stürzen und folglich das Hochwasser von der Binnenküste her das Flachland überschwemmte und die Kulturen vernichtete, wie die Flut auch noch seewärts den Außenstrand überspülte und Häuser und Stallungen "unter Wasser" setzte.

Im folgenden werden die verschiedenen Maßnhamen des Küstenschutzes auf der Insel Hiddensee erläutert:

Hiddensee ist schon allein aufgrund der geringen Breite und der überwiegend nur 1-2 m über NN liegenden Flächen äußerst stark überschwemmungsgefährdet. Besonders der Bereich zwischen Vitte und Kloster ("Fluttore") wurde schon mehrmals bei Sturmereignissen durchbrochen. Zwei längliche Restseen zeugen davon.

Die drei wohl am häufigsten auf Hiddensee verwendeten Küstenschutzverfahren sind Buhnenreihen, Schutzdämme sowie Raudeckwerk.





Die Buhnenreihen sollen vorrangig den Küstenlängstransport mindern oder ganz und gar aufhalten. So besteht zwischen Gellen um Hartem Ort auf 8,7 km Länge etwa 140 Buhnenreihen mit im Schnitt je über 100 einzelnen Buhnen. Häufig sieht man die Auswirkungen der Buhnen anhand der meist nördlich der Buhne seewärts verlängerten und südlich der Buhne landwärts zurückgesetzten Strandlinie.

Jedoch sind Buhnen sehr pflegeintensiv, da durch Eisdruck oder durch Ausspülungen Buhnen zerstört werden. Schon bei geringem Verlust an Buhnenpfählen kann die Effektivität dieser Schutzmaßnahme nicht mehr gewährleistet werden.



Eine wesentlich erfolgreichere Küstenschutzmaßnahme war der Bau des Huckedamms (1937-1939) nordwestlich von Kloster. Der Wall besteht aus bindemittellos ineinander gesteckten Pyroxenit-Blöcken und ist so konzipiert, dass er sich selbst zusammenhält und in sich verkeilt.
Nach Süden erweitert wurde dieses Bauwerk durch Aufschüttung eines ca. 1 km langen Steinwalles aus Lausitzer Granodiorit (1963-1964). In den Jahren 1973 bis 1978 erfolgte eine nochmalige Verlängerung bis Harte Ort. Der Huckedamm war ursprünglich auf einer Länge von 4,5 km geplant - erreicht wurden nur ca. 400 m. Mit diesem Damm jedoch bildete sich aus einer ständig erodierten, spärlich bewachsenen bis freien Fläche ein heute stabiles und bewaldetes Kliff mit großem vorgelagerten Sandstrand.

Boddenseitig wurden zwischen 1963-1965 und 1979-1985 ca. 2 km Deiche aufgeschüttet.



Eine weitere auf Hiddensee (südlich Harte Ort) angewandte Methode zum Schutz der Küste ist das sogenannte Raudeckwerk. Zwischen 1971 und 1980 wurden Bruchstücke Lausitzer Granodiorits auf den seeseitigen Deichen in Bitumen eingebettet und im Laufe der Zeit mit Sand überweht. Das Raudeckwerk soll die ins Hinterland und längs der Küste wehenden Sande auffangen und somit Grundlagen für den Bewuchs und damit für eine Stabilisierung des Deiches schaffen.



Als weitere Schutzmaßnahmen bleiben zu nennen die Bewaldung größerer Areale sowie das Aufspülen von Boddensanden (zum Beispiel an die zwischen Kloster und Vitte befindliche Außenküste sowie zwischen Neuendorf und Gellen).





Küstenschutzmaßnahmen an den Küsten Mecklenburg Vorpommerns bis 1994
Quelle: http://www.um.mv-regierung.de/kuestenschutz/bschutz/ks_8vorhandene.htm
 

6. 

Probleme und Perspektiven

Inhaltsverzeichnis:
6. Probleme und Perspektiven
6.1. Probleme
 

6.1. 

Probleme



Probleme an den Steilküsten

Die Steilküsten unterliegen wegen ihrer geringen Flächenausdehnung einer ständigen potentiellen Gefährdung. Trittschäden durch Besucher können große Anteile dieses Biotoptyps zerstören. Allein deswegen sollten Sie sich unbedingt an das Betretungsverbot der Steilufer halten. Außerdem ist das Klettern am Steilufer keineswegs ungefährlich. Die Verhinderung der Erosions- und Abbruchprozesse durch Küstenschutzmaßnahmen ist der "Tod" des Steilufers. Wenn keine Uferabbrüche mehr stattfinden, verschwinden die meisten der typischen (und seltenen) Besiedler des Steilufers, denn im Laufe der Zeit geht mit fortschreitender Sukzession der offene, vegetationsarme Charakter dieses Lebensraumes verloren. Die typischen Tier- und Pflanzenarten sind jedoch auf weitgehend vegetationslose oder vegetationsarme Abbruchkanten angewiesen. Sie können dies sehr gut am Dornbusch beobachten. Ein Teil des Steilufers ist durch den Bau der Huckemauer festgelegt worden. Die typischen offenen Bodenflächen, die großen Staudenbestände und Uferschwalbenkolonien werden Sie in diesem Bereich nicht mehr finden.



Probleme durch Küstenschutzmaßnahmen

Die Dynamik wird an vielen Stellen durch den Bau von Küstenschutzanlagen wie Buhnen und Deichen stark eingeschränkt. Diese Maßnahmen führten zu einem erheblichen Verlust an natürlichen Überflutungsräumen und deren spezialisierten Ökosystemen. Neben dem Schutz von Siedlungen dienen diese Küstenschutzmaßnahmen vor allem der Ausweitung landwirtschaftlicher Nutzflächen.



Probleme durch Tourismus

Jährlich besuchen etwa 700000 bis 1 Millionen Touristen die Region Hiddensee. Einerseits ist der Tourismus der wichtigste Wirtschaftfaktor, andererseits bedeutet er auch eine erhebliche zusätzliche Belastung durch ein hohes Verkehrsaufkommen, zunehmenden Bootsverkehr, Ausbau touristischer Infrastruktureinrichtungen und ökologisches Fehlverhalten vieler Urlauber.

  Zum Lesen


Probleme der Boddengewässer

Die Boddengewässer besitzen die Funktion einer natürlichen Nährstoffsenke, die den Eintrag von Nährstoffen in die Ostsee abpuffert. Durch diffuse und direkte Einträge aus der Landwirtschaft, Industrie, Gewerbe und kommunalen Abwässern wird der natürliche Prozess der Eutrophierung auf bedenkliche Weise beschleunigt. Aus diesem Grund befinden sich die Boddengewässer heute in einem hocheutrophen Zustand. Die Überbelastung der Gewässer mit Nährstoffen führt zu einem vermehrten Algenwachstum. Dieses wiederum verursacht ein Sauerstoffdefizit und eine erhöhte Schlickakkumulation mit negativen Folgen für das gesamte Ökosystem Bodden.

 

6.2. 

Perspektiven



Um die Probleme auf der Insel Hiddensee lösen, muss es einer Zusammenarbeit aller im Gebiet wirkenden Interessensgruppen kommen. Vorrangiges Ziel ist die Verbesserung der Wasserqualität von Bodden und Ostsee. Dies könnte durch eine Verminderung der diffusen Einträge aus der Landwirtschaft und den Ausbau von Kläranlagen erreicht werden. In Bezug auf den Küstenschutz ist zu überlegen, wie notwendig eingedeichte landwirtschaftliche Nutzflächen sind und ob eine partielle Rückdeichung nicht eine sinnvolle Entlastung des Küstenökosystems darstellen würde. Um die Belastungen durch den Tourismus zu reduzieren, empfiehlt sich eine gezielte Lenkung der Besucherströme. Auf den weiteren Ausbau touristischer Infrastruktur sollte wenn möglich verzichtet werden. Vielmehr sollte versucht werden, die bestehenden Kapazitäten besser auszunutzen. Eine ökologische Sensibilisierung der Touristen durch Umweltbildung könnte zu einer Entlastung beitragen.

 

7. 

Quellen - Links - Glossar

Glossar

Transgression
Übergreifen des Meeres auf Festlandflächen infolge einem eustatischen Meeresspiegelsanstieges oder einer Festlandsenkung.

Eustatische Meeresspiegelschwankungen
Schwankungen des Meeresspiegels durch Masseverlagerung des Wassers infolge klimabedingter Änderungen des globalen Wasserhaushaltes mit verschieben der Anteile Wasser/Eis im globalen Klima- Wasserhaushaltssystem.

Regression
Rückzug des Meeres Infolge langzeitig und großräumig wirksamer Bewegungen oder globaler Wasserhaushaltsänderungen, aufgrund derer bisher marine Bereiche zu Festland werden.

Abrasion
Die abtragende Wirkung der Prozesse der Brandungserosion bzw. der Brandung an der Küste von großen Seen oder Meeren.

Akkumulation
Die Ansammlung von Verwitterungs-, Abtragungs- und Bodenmaterial mit Veränderung der Relief- bzw. Küstenform.



Literatur

Landesamt für Forsten und Großschutzgebiete Mecklenburg Vorpommern (2002): Nationalparkplan (Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft): Bestandsanalyse, Malchin
Landesamt für Forsten und Großschutzgebiete Mecklenburg Vorpommern (2002): Nationalparkplan (Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft): Leitbild und Ziele, Malchin
Hagge, H./ Liedl F.(Hrsg.)(1996): Ostsee-Nationalparks: Fischland, Darß, Zingst, Hiddensee, Rügen, Ellert&Richter, Hamburg, S. 52 – 55
Goudie, A. (2002): Physische Geographie – Eine Einführung, 4. Aufl., Spektrum Akademischer Verlag GmbH, Heidelberg ? Berlin, S. 418 – 421
Regionaler Planungsverband Mittleres Mecklenburg/Rostock(1994): Regionales Raumordnungsprogramm-Mittleres Mecklenburg/Rostock, Rostock
Leser, H. (1997): Diercke-Wörterbuch Allgemeine Geographie

Internet
http://www.hiddensee-planer.de/fischer.html
http://www.hiddensee.de
http://www.insel-hiddensee.de
http://pharm1.pharmazie.uni-greifswald.de/allgemei/hiddense.htm
http://www.um.mv-regierung.de/kuestenschutz/bplan/gp_2_natVerh.html
http://www.geoberg.de/text/geology/05010101.php
http://www.ikzm-d.de/main.php?page=9,61