Disclaimer:
Der "Küstenatlas Ostsee" umfasst unabhängige regionale Module zu einzelnen Küstenzonen. Die einzelnen Module sind zum Selbststudium gedacht und richten sich an Fachleute, Studenten aber auch Touristen, die einen kurzen Überblick über die verschiedenen Küstenzonen der Ostsee erhalten möchten. Der Küstenatlas wurde von Studenten im Rahmen des Geographiestudiums an der Universität Kiel erarbeitet.

Turku & Naantali


Autor: Michael Busse

Mai 2006

Turku panorama late 19th century

Turku ist die älteste finnische Stadt und ein interessantes touristisches und kulturelles Ziel. Die exponierte Lage an der südwestlichen Schärenküste dient als Tor nach Finnland. Die Weltoffenheit der Stadt und die fortschrittliche Wirtschaft laden zum Kennenlernen der Region ein.
Das benachbarte Naantali bildet eine weitere, kleine kulturelle Hochburg und bildet in Kombination mit Turku eine interessante Agglomeration für Freunde der skandinavischen Kultur.
 
Inhaltsverzeichnis:
 Turku & Naantali
1. Kenndaten zur Region
2. Natur und Landschaft
2.1. Klima
2.2. Landschaft
2.3. Gewässer
3. Geschichte und Kultur
3.1. Historischer Abriss
3.2. Veranstaltungen
3.3. Sehenswürdigkeiten
4. Wirtschaft und Tourismus
4.1. Tourismus
4.2. Wirtschaft
4.3. Verkehr
4.4. Politik
5. Natur- & Küstenschutz
6. Probleme und Perspektiven
7. Quellen & Links
 

1. 

Kenndaten zur Region

Turku und Naantali sind zwei Städte in Finnland. Finnland liegt im Norden Europas zwischen dem 60. und 70. Breitengrad Nord und grenzt an Norwegen (gemeinsame Grenze: 716km), Schweden (gemeinsame Grenze: 580km), Russland (gemeinsame Grenze: 1270km) und an die Ostsee. Damit liegt es am Rande Skandinaviens.
Das Land wird von der Hauptstadt Helsinki aus regiert und als Amtssprache werden Finnisch (92%) und Schwedisch (5,5%) gesprochen. Beide Sprachen sind zudem Pflichtfach in der Schule. Mit 338.145 km² ist das Land das siebtgrößte Europas, wobei es auch Mitglied in der Europäischen Union ist. Daher wird auch der Euro als Währung verwendet. Aus den 5.249.034 Einwohnern (in 2005) resultiert eine geringe Bevölkerungsdichte von 15,5 Einwohnern pro km².
Abb. 1.1: Finnland
  Zum Lesen

Die Hafenstadt Turku (schwedisch: Åbo) liegt im Südwesten Finnlands und bildet mit etwa 175.000 Einwohnern (bei 306,40 km² Fläche) die fünftgrößte Stadt des Landes. Lediglich die Hauptstadt Helsinki (560.000 Einw.), Espoo (216.000 Einw.), Tampere (200.000 Einw.) und Vantaa (180.000 Einw.) sind einwohnerstärker. Turku profitiert z.Zt. von einer hohen Geburtenrate gegenüber der Sterberate. So wurden in 2005 etwa 150 mehr Personen geboren als starben. Die durchschnittliche Familiengröße beträgt bei 92.000 Haushalten 2,6 Personen, wobei etwa 28% der Familien kinderlos sind. Sogar 50% sind Single-Haushalte.

Naantali (schwedisch: Nådendal), die benachbarte Stadt Turkus, liegt in nur 15km Entfernung zu Turku und bildet trotz ihrer geringen Größe von nur 14.000 Einwohnern (bei 51,08 km² Fläche) ein touristisch interessantes Reiseziel.

Turku und Naantali liegen in der Provinz „Westfinnland“ (finnisch: Länsi-Suomi). Sie entstand 1997 aus den früheren Provinzen Vaasa, Turku-Pori, Keski-Suomi und Nordhäme. Die Landschaft „Eigentliches Finnland“ (finnisch: Varsinais-Suomi) bildet die nächste administrative Untereinheit, deren zentrale Stadt Turku ist.

 

2. 

Natur und Landschaft

Turku und Naantali liegen an der Ostseeküste Finnlands. Diese ist eine stark gegliederte Schärenküste.

Die unten stehende Abbildung zeigt die Region um Turku und Naantali (rote Kreise)

Abb. 2: Die Schärenküste Südwestfinnlands
 

2.1. 

Klima

Die bedeutendsten Faktoren, die das finnische Klima beinflussen sind die Ostsee, der Golfstrom und das überwiegend vorherrschende Kontinentalklima. Durch diese Faktoren erlebt das Land eine natürliche Temperatuanhebung, die für +5 bis +10° Temperaturunterschied zu Ländern in vergleichbarer Breitenlage verantwortlich ist.

Aufgrund der nördlichen Lage variiert die Tageslänge im Jahresverlauf stark. So wird es im Nordsommer (Juni & Juli) nachts kaum richtig dunkel und die Sonne geht nördlich des Polarkreises überhaupt nicht unter. In dieser Zeit werden zwar auch die höchsten Niederschläge verzeichnet, diese liegen jedoch deutlich unter den Werten der mitteleuropäischen Länder. Es werden dann Tageshöchsttemperaturen im Süden des Landes bis zu 28°C verzeichnet, die Wassertemperaturen der Binnenseen erreichen aufgrund ihrer geringen Tiefe oft 25° C.

Im Süden tritt der Zeitpunkt des Winterbeginns jahrlich sehr unterschiedlich ein, sorgt jedoch in der Regel von Dezember bis Anfang März für eine geschlossene Schneedecke. Der Schnee mildert auch die winterliche Dunkelheit in den einzelnen Landesteilen etwas ab.

Abb. 2.1.1: Klimadiagramm von Turku

In Turku liegen die durchschnittlichen monatlichen Niederschläge in allen Monaten über der möglichen Verdunstung. Somit herrscht ein feuchtes (humides) Klima vor. Im gesamten Jahr fallen 661mm Niederschlag verteilt auf 175 regnerische Tage. Die Jahresmitteltemperatur liegt bei 4,8°C, wobei die Durchschnittstemperatur in vier Monaten unter 0°C liegt (Dezember bis März). Im Sommer werden Durchschnittstemperaturen bis 16°C (Juli) erreicht. In 2005 betrug die Jahreshöchsttemperatur 30°C und das Jahresminimum betrug -22°C.

 

2.2. 

Landschaft

Das heutige Erscheinungsbild Finnlands wurde durch die letzte Eiszeit vor 10.000 Jahren geschaffen. Große Eismassen dehnten sich dabei von Norden kommend über Nordeuropa aus und überformten vorhandene Landschaftsformen indem sie Gesteine und Böden abtrugen und verformten. Beim Abschmelzen des Eises am Ende der Eiszeit hat das entstehende Schmelzwasser die Landoberfläche erneut geformt. Die dabei entstandenen Täler und Gruben wurden durch Schmelzwässer mit Wasser gefüllt und so entstand die reich gegliederte Seenlandschaft Finnlands.

Abb. 2.2.1: Die finnische Seenlandschaft

In der selben Zeit bildete eine große Ansammlung von Schmelzwässern den Vorläufer der heutigen Ostsee, der durch ständiges Anwachsen durch Schmelzwässer schließlich eine Verbindung zur Nordsee erlangte. Unter der verschwindenden Last, die durch das Schmelzen des Eises entstand begann sich die finnische Landmasse jährlich ein wenig aus den umliegenden Gebieten herauszuheben.

Ein weiteres Charakteristikum sind die Schären vor den Küsten Finnlands. Schären erscheinen uns heute als eine große Fläche bestehend aus kleinen Inseln. Ursprünglich waren sie jedoch Erhebungen und Senken im Inland, die durch die bereits erwähnte Eiszeit entstanden sind. Durch die Entstehung der Ostsee und den Meeresspiegelanstig wurden dann die zwischen den Erhebungen liegenden Täler überflutet und es entstanden die heutigen kleinen Inseln daraus. In der finnischen Schärenregion gibt es über 20.000 Inseln. Schären findet man insbesondere vor den Küsten Schwedens und Finnlands.

 

2.3. 

Gewässer

Der Fluss Aurajoki entspringt im lehmigen Hügelland um die Umgebung von Oripää und durchfließt auf seinem Weg zur Ostsee hin Pöytyä, Aura, Lieto und Kaarina und schließlich auch Turku. Dort mündet er in die Ostsee. Seine geringe Länge von nur 70km und seine geringe Wassertransportmenge von 7m³ pro Sek. (Jahresmittelwert) lassen nicht auf einen bedeutenden Fluss schliessen. Dennoch kommt ihm eine gewisse Bedeutung bei, die aus der Mündungslage von Turku resultiert.

Die Region, durch die der Fluss fließt, gilt in Finnland als Ursprungsort der Landwirtschaft. So konnten mehrere interessante archäologische Funde aus der Landwirtschaft gemacht werden, die bis in die Eisenzeit (550 v. Chr.) datiert werden können. Aus dieser Historie leitet sich auch der Name des Flusses ab. Das Wort "Aura" bedeutet im finnischen "Pflug", während "joki" das finnische Wort für "Fluss" ist. Wie zu erwarten ist, besteht auch heute noch eine große landwirtschaftliche Nutzung im Einzugsgebiet des Flusses. Aufgrund der daraus resultierenden Veränderungen in der Gewässerentwicklung und seiner Umlande schwankt die geführte Wassermenge des Flusses jahreszeitlich stark. In den kalten Monaten und den trockenen Sommermonaten führt der Fluss teilweise kein Wasser mehr in einigen seiner mündungsnahen Stromschnellen. Zur Schneeschmelze und nach starken Regenfällen kann die Wassermenge jedoch bis zu 300m³ pro Sek. betragen.

Durch die intensive landwirtschaftliche Nutzung ist das Wasser stark mit Nährstoffen angereichert und weist daher eine bräunliche Färbung auf. Um dieses belastete Wasser zukünftig nicht mehr ungehindert ins Meer gelangen zu lassen, sollen Dämme errichtet werden, um Algenblüten in den Sommermonaten zu verhindern.

Abb. 2.3.1: Der Aurajoki und sein braunes Wasser
 

3. 

Geschichte und Kultur

Abb. 3.: Mittelalter in Traditon und Moderne
 

3.1. 

Historischer Abriss

Mit der Missionierung Finnlands vom Westen aus im 12. Jahrhundert ging eine Kolonisation durch Schweden einher. Die Schweden ließen sich an den westlichen Küsten Finnlands nieder und prägten so die Kultur und Sprache insbesondere in Westfinnland. Daher ist heute in diesen Landesteilen der Anteil der schwedisch sprechenden Bevölkerung deutlich höher als in anderen Landesteilen.

Turku gilt als die älteste finnische Stadt. Die Region, in der die Stadt liegt, wurde bereits in der Steinzeit besiedelt. Dennoch ist das Gründungsjahr der Stadt bis heute unbekannt. Historiker legten das Gründungsjahr als Folge ihrer Nachforschungen auf 1229 n. Chr. fest, obwohl die erste urkundliche Erwähnung bereits 1154 n.Chr. zu verzeichnen ist. Die Wahl fiel auf 1229 n. Chr., weil damals Papst Gregor IX. den Bischoffssitz nach Turku verlegen ließ.

1280 n. Chr. wurde mit dem Bau der Turunlinna, der Burg Turkus, begonnen, nachdem hier bisher nur ein befestigtes Lager der stationierten Soldaten stand. Heute gilt dieser Ort zusammen mit der 1330 n. Chr. von einer Kirche, die der Jungfrau Maria gewidmet war, zum Dom geweihten Stätte, als einer der wertvollsten nationalen Schätze Finnlands. Im Mittelalter wurde der Dom durch Anbau erweitert.

Im 16. Jahrhundert erlebte die Burg ihren Hochpunkt. In dieser Ära lebten dort Herzog Johan und Katarina Jagellonica. Diese ließen auch das Renaissancestockwerk erreichten. Im selben Zeitraum wurde der Heilige Henrik als erster finnischer Bischof zum Schutzheiligen ernannt. Für Bischöfe, Kriegsherren und eine Königin diente der Dom als Begräbnisstätte.

1525 n. Chr. verlieh Gustav Vasa Turku die Stadtrechte. Damit ist Turku die älteste Stadt Finnlands. Im Jahr 1556 n.Chr. ernannte König Gustav Vasa seinen Sohn Johan zum Herzog von Finnland. Dieser baute die Burg von der Festung zum Schloss um und er ließ ebenfalls die Festsäle der Burg errichten. Insgesamt herrschten 13 Könige von dieser Festung aus.

Abb. 3.1.1: Die Burg von Turku
Abb. 3.1.2: Der Dom von Turku

Aufgrund ihrer frühen Entstehung nahm die Stadt stets eine Vorreiterrolle in vielen Belangen ein und bildete lange Zeit ein politisches und kulturelles Zentrum Finnlands. Die Bedeutung der Stadt zeigt sich an der Verlegung des finnischen Gerichtshofs im Jahr 1623 nach Turku. Schließlich wurde 1640 die erste Universität vom Generalgouverneur gegründet.

Mit der Eroberung Finnlands durch die Russen und die damit einhergehende Abgabe der schwedische Provinzen an den Zaren gingen drastische Veränderungen, insbesondere in Turku, einher. Denn auch die Staatsverwaltung und Behörden verließen die Stadt. 1812 musste Turku die Hauptstadtfunktion endgültig an Helsinki abtreten, da Helsinki näher an Russland gelegen ist und nicht so wie Turku zum westlichen Schweden ausgerichtret ist.

Ein Brand in 1827 zerstörte die Stadt weitgehend und sorgte für einen weiteren Rückschlag. Insbesondere da auch die Universität und ihre Bibliothek mit allen wissenschaftlichen Sammlungen betroffen waren. Der Wiederaufbau begann zwar schon im nächsten Jahr, aber das war trotzdem ein Grund, warum die 1640 in Turku gegründete, finnische Universität im Jahre 1828 nach Helsinki verlegt wurde. Das Resultat war, dass Turku mit der Verlegung der Universität nach Helsinki die letzte Bedeutung genommen wurde.

1918 erhielt Turku mit der die schwedischsprachigen Åbo Akademie erneut eine Universität und nach nur zwei Jahren erfuhr sie mit der Gründung der finnischsprachigen Universität Turku eine neue Wiederblebung. Daher trägt sie heute auch den Namen "Wiege der finnischen Kultur".

1941 wurde das Schloß bei Bombenangriffen schwer beschädigt. Es konnte aber bis 1961 restauriert werden. Heute ist das Schloß eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten.

Die Stadt schaffte den Wandel und bildet heute ein erneut wichtiges Zentrum in ihrer Region. Ein blühendes Beispiel dieses Wandels ist die Freedom of the Seas, die in der berühmten Schiffwerft in Turku gebaut wurde.

 

3.2. 

Veranstaltungen

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Anlässlich des 70. Geburtstages von Elvis Presley wurde vom 10. Juni bis zum 31. Juli 2005 die weltweit größte private Elvis-Sammlung, die jemals in Europa ausgestellt wurde, in der finnischen Stadt Naantali in der Nähe von Turku gezeigt. Hier konnten sich alle Fans mit Informationen über den King of Rock eindecken. Weiterhin konnte man eine Fotoausstellung zum Thema "Footsteps of Elvis" besuchen.

 

Rockfans kommen allerdings jährlich auf ihre Kosten. Denn dann findet das älteste Rockfestival des Landes, der Ruisrock, statt. Dieses Festival findet im August auf der Insel Ruissalo vor Turku statt. Turku bietet viele solcher Events und bildet damit einen Pfeiler seiner kulturellen Bedeutung und ist auch über die Grenzen des Landes für die musikalischen Events bekannt.

 

 

Weiterhin ist Turku in Finnland als "Christmas-City" bekannt. Hier werden jährlich von November bis Januar viele weihnachtliche Events veranstaltet. Die hohe Bandbreite reicht hierbei von Musikfestivals über Theateraufführungen bis hin zu den bekannten Weihnachtsmärkten.

Abb. 3.2.1: Die Weihnachtsstadt Turku
 

3.3. 

Sehenswürdigkeiten

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Das Schloss diente seit den Gründungszeiten jeher Verteidigungszwecken. Daher wurde es im Laufe der Jahrhunderte auch diverse male attackiert, belagert und teilweise auch zerstört. Als letztes schwerwiegendes Ereignis wurden die Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg bereits erwähnt. Dennoch wurde das Schloss jedes mal liebevoll restauriert.  

Heute sind die Verteidigungszwecke nicht mehr zeitgemäß für solch ein imposantes Bauwerk und es wurde für kulturelle Zwecke umfunktioniert. So befindet sich heute ein historisches Museum in der Vorburg. In diesem Museum kann man sich über die verschiedenen Epochen des Schlosses informieren. Touristen können sogar die Hauptburg mit ihren Festsälen und der Schlosskirche anschauen.

Die Innenstadt Turkus ist in fußläufiger Entfernung erreichbar. Der Marktplatz ist wie in vielen Städten der zentrale Punkt der Stadt. Hier findet wochtags immer vormittags ein Markt mit Verkauf von Gemüse, Obst, Blumen, Souvenirs, Textilien und vielen anderen Dingen statt. Hier ist auch der zentrale Anlaufpunkt für alle Stadtbusse.

Den Platz umgebend findet sich das so genannte Hansa-Zentrum. In diesem kann man ungezielt in zahlreichen Läden, Warenhäuser, Cafés und Restaurants seine Zeit verbringen. Aber auch anspruchsvollere Bauten laden zum Verweilen ein. So findet sich im nördlichen Bereich des Marktes die Orthodoxe Kirche. Dieses imposante und markante Bauwerk mit einer grünen Kupferkuppel wurde 1846 fertiggestellt und beherbergt kostbare Ikonen von Mönchen des berühmten Klosters Valamo. Zudem findet sich in unmittelbarer Entfernung zum Marktplatz eine weitere Sehenswürdigkeit. Die alte Markthalle. In dieser werden aus den hölzernen Marktstände der Bäcker, Gemüsehändler, Metzger und Fischhändler heraus meist lokale Waren angeboten.

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Traditionell kann man auch eines der ältesten Holzhäuser der Stadt bezeichnen. Das Qwensel-Haus ist eines der wenigen Gebäude, das den großen Brand von 1827 überstanden hat. Es wurde vor kurzem im Stil des 18. Jahrhunderts restauriert und darin ein Apothekenmuseum eingerichtet. Heute kann man alte Apotheker-Instrumente, Gefäße und die Wohnung des Apothekers besichtigen. Weiterhin laden ein Kunstmuseum mit finnischer Kunst, das Sibeliusmuseum mit Musikinstrumenten, ein altes Bürgerhaus mit Bevölkerungsgeschichte, das Biologische Museum mit Sammlungen von über 250 Tierarten, das Museumsschiff Sigyn, das Staatstheater und viele weitere zum Verweilen ein. So finden sich in Turku über zehn Galerien die sich mit Bildhauerei, Fotografie oder Malerei befassen.

Als weitere Sehenswürdigkeiten sind noch der Fernsehturm mit seinen 122 Metern Höhe aus dem Jahr 1964 und das Observatorium, das Rathaus, und das Forum marinum (Seefahrtsmuseum) zu nennen.

 

4. 

Wirtschaft und Tourismus

 

4.1. 

Tourismus

Wie bereits in Kapitel 3 deutlich wurde bietet Turku reichlich touristisch interessante Ziele. Die Stadt meistert den Spagat zwischen Moderne und Historie, Natur und Architektur sowie Kunst und Kultur. Um diesem Anspruch mit Nachdruck gerecht zu werden und weitere interessante Möglichkeiten für Besucher zu offenbaren wurde die "TurkuCard" eingeführt. Hierbei handelt es sich um eine Vorteilskarte, die den kostenlosen Eintritt zu vielen Sehenswürdigkeiten ermöglicht. Doch es werden noch weitere Vorteile eröffnet:

 

Die Turku-Card kann für Zeiträume von 24 oder 48 Stunden gekauft werden. Erhältlich ist sie in der Touristinformation und in fast allen Institutionen, die auch Vergünstigungnen mit der TurkuCard anbieten.

Auf dem Stadtplan befinden sich die touristisch interessanten Ausflugsziele (wie der Dom und die Burg) nördlich des Aurajoki. Das Viertel wird begrenzt von der Koulukatu, der Rautatienkatu und an den anderen beiden Seiten vom Wasser. In diesem Raum sind die vorgestellten Sehenswürdigkeiten konzentriert.

Abb. 4.1.1: Stadtplan von Turku
 

4.2. 

Wirtschaft

Der Name Turku lässt sich aus der alten finnischen Sprache ableiten und bedeutet „Marktplatz“ und ist ein Anzeichen dafür, dass Turku schon seit langen Zeiten ein wichtiger Handelsstandort ist. Die Bedeutung von Handel und Wirtschaft hat im Verlauf der Jahrhunderte auch nicht an Bedeutung verloren. Seit der Zeit der Hanse bis heute hat sich dies nicht verändert.

Die wichtigsten Branchen in Turku sind die Metall-, Pharma-, Lebensmittel- und chemische Industrie sowie die Telekommunikation. Weiterhin versucht man zielstrebig in der Bio-Branche Fuß zu fassen. Die meisten Unternehmen dieser Branchen haben sich im Wissenschaftspark Turku angesiedelt. Die Gründungszentren SciencePark, BioCity, PharmaCity und DataCity belegen eine moderen und offene Wirtschaftspolitik. Weitere Arbeitsplätze schaffen die Bildungseinruchtungen der drei Volluniversitäten. Daneben existieren mehrere Berufshochschulen . Da auch hier Forschung betrieben wird, ist Turku als ein Zentrum der Forschung in Finnland anzusehen. Das belegt die Tatsache, dass etwa ein Fünftel der Einwohner Studenten sind (31.000 in 2005).

Der Schiffbau hat in Turku ebenfalls eine große Tradition. Die renomierte, große Werft Aker-Finnyards AB ist weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Sie ist seit Jahren weltweit mit führend im Bau von Fähren und Kreuzfahrtschiffen und kann heute eine der größten Produktionsstätten für Schiffe in Europa vorweisen, so dass sie sogar Schiffe produzieren kann, die über den aktuellen internationalen Größenstandard (Panama-Schiffe) hinaus reichen. In Zahlen bedeutet dies: ein neu gebautes Dock von 365x80x10 Metern Ausmaßen, mit einem installierten Kran mit einer Hebekraft von 600 Tonnen. Aus diesen Hallen stammen zum Beispiel die "Mariner of the Seas" und die "Freedom of the Seas" der RCCI (Royal Caribbean Cruise Line). Beide Schiffe gehören zur Top10 der weltweit größten Kreuzfahrtschiffe. Die Color Fantasy wurde im Auftrag der Color Line ebenfalls in Turku gefertigt.

Trotz der aufgezeigten Wirtschaftszweige beträgt die Arbeitslosigkeit 12,1% der arbeitsfähigen Bevölkerung.

Abb. 4.2.1: Suomen Joutsen
 

4.3. 

Verkehr

 

In Turku ist einer von vier finnischen Flughäfen vorhanden. Neben Helsinki, Rovaniemi und Tamperer bietet Turku nationale und internationale Flüge an. Es werden jedoch insbesondere Flughäfen in anderen nordischen Ländern angeflogen.

 

Helsinki, Turku, Rauma, Kotka und Vaasa sind die größten Hafenstädte Finnlands. Als eine der wichtigsten Fährverbindungen gilt die Linie von Stockholm nach Turku mit der Silja Line und der Viking Line. Die Fahrzeit beträgt zwischen 12 und 16 Stunden. Weiterhin bietet die Stena Line zusammen mit der Viking Line ein Kombipaket bestehend aus einer Überquerung von Kiel nach Göteborg mit anschließender Weiterreise von Stockholm nach Turku an. Turku gilt als Ausgangspunkt der Fährlinien nach Stockholm und Åland.

Turku ist auch ein beliebter Anlaufpunkt für große Kreuzschifffahrtsgesellschaften. So laufen immer wieder Schiffe der Birka Line, der Costa, der Crystal, der Cunard, der Kristina Cruises, der Norwegian Cruise Line, der P&O, der Princess, der Radisson, der Seabourn und der Silversea in Turku ein.

Turku ist ebenfalls gut ans internationale Fernbussystem angeschlossen. So dienen hier kombinierte Bus-/Fährverbindungen als Reisemittel. Von vielen europäischen Städten aus werden die Fahrten nach Kopenhagen und Stockholm angeboten. Dort gibt es dann einen täglichen Anschluss zum Beispiel nach Turku.

Doch auch für motorisierte Personen bietet Turku als Knotenpunkt des Straßenverkehrs in Südwestfinnland einige Möglichkeiten. So ist Turku über eine der wenigen Autobahnen des Landes direkt an die Hauptstadtregion angebunden. Zusätzlich zu den Autofähren ist Finnland über den finnischen Teil Lapplands von Norwegen und Schweden kommend zu erreichen. Die Reise führt dann durch den nördlichen Polarkreis. Der alternative Landweg führt von Deutschland kommend über Polen, Litauen, Lettland und die Russische Föderation. 

Weiterhin gibt es kombinierte Zug-/ Fährverbindungen von Hamburg, Kopenhagen und Stockholm nach Turku. Es wurde auch ein verbraucherfreundlicher "ScanRail-Pass" eingeführt, der eine unbegrenzte Benutzung des Streckennetzes in Schweden, Dänemark, Norwegen und Finnland für den Zeitraum von 21 Tagen garantiert.

Für die Reisen in Finnland steht eine schnelle Eisenbahnverbindung z.B. von Turku nach Helsinki zur Verfügung 

In Turku waren in 2005 74.000 Autos angemeldet. Pro 1.000 Einwohner bedeutet dies einen Autobestand von 423 Autos. Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) transportierte 20.000.000 Passagiere. Das Schienennetz beförderte 1.830.000 Personen und der Flughafen transportierte 325.000 Passagiere.

 

4.4. 

Politik

Das Parlament der Stadt Turku setzt sich für 2005 bis 2008 wie folgt zusammen:

 

Bei der Wahl gab es eine Wahlbeteiligung von 56%.

 

5. 

Natur- & Küstenschutz

Aufgrund der immer noch anhaltenden Anhebung der Landmassen durch den Rückgang der Eismassen in der letzten Eiszeit gibt es in den Küstenregionen Finnlands keine nennenswerten Hochwasserprobleme. Die Landmassen heben sich im südlichen Finnland um etwa 1mm pro Jahr. Der prognostizierte Meeresspiegelanstieg bewegt sich in der selben Größenordnung.

Daher sind keine besonderen Maßnahmen zum Hochwasser- oder Küstenschutz notwendig. Weiterhin gibt es in der Region Turku keine nennenswerten Naturschutzgebiete.

 

6. 

Probleme und Perspektiven

Finnland gilt als eines der wohlhabenden Länder der EU. Die Wirtschaft in Turku läuft durch die Schifffaht sowohl in Bau als auch in Betrieb sehr gut. Ebenso gibt es bei den Forschungseinrichtungen derzeit eine gute Phase.

Als Kulturhochburg Finnlands ist die Region immer ein Magnet für Touristen, unterstützt von der weltoffenen Lage nach Europa. Die ankommende Passagierschifffahrt leistet ihren Beitrag dazu.

Im Bereich des Naturschutzes gibt es zur Zeit ebenfalls keine akuten Probleme. Damit reiht Finnland und auch Turku sich in die Reihe Skandinaviens ein, die momentan eine goldene Ära erlebt. Daher gelten die nordeuropäischen Staaten für viele Länder als derzeitige Zielvorstellung für das Erreichen der eigenen Standards.

 

7. 

Quellen & Links

http://www.stadt-koeln.de/europa/partnerschaften/artikel/00038/index.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Turku

http://de.wikipedia.org/wiki/Finnland

http://www.turkutouring.fi/public/default.aspx?nodeid=8726&contentlan=10

http://www.touristiklinks.de/laender/europa.php/finnland/reiseverkehr_international/

http://turkutouring.nebula.fi/etusivu_saksa.phtml

http://www.hanse.org/hanse_staedte_details.php?staedte_id=124&lg=de

http://wikitravel.org/de/Finnland