Disclaimer:
Der "Küstenatlas Ostsee" umfasst unabhängige regionale Module zu einzelnen Küstenzonen. Die einzelnen Module sind zum Selbststudium gedacht und richten sich an Fachleute, Studenten aber auch Touristen, die einen kurzen Überblick über die verschiedenen Küstenzonen der Ostsee erhalten möchten. Der Küstenatlas wurde von Studenten im Rahmen des Geographiestudiums an der Universität Kiel erarbeitet.

St. Petersburg

Autor: Gonne Witt

Juni 2006

Abb. 0.1: Eremitage in St. Petersburg
St. Petersburg ist mit ca. 4,6 Mio. Einwohnern im geographischen Stadtgebiet nach Moskau die zweitgrößte Stadt Russlands. Durch den Ostseezugang am Finnischen Meerbusen stellt die ehemalige Hauptstadt Russlands schon seit langer Zeit einen wichtigen nach Westen orientierten Standort für Russland dar. Ebenso ist sie mit knapp 60° nördlicher Breite die nördlichste Millionenstadt der Welt.
 

1. 

Kenndaten zur Region

Abb. 1.1: St. Petersburg Historische Karte (um 1888)

St. Petersburgs Stadtfläche beträgt rund 2000 km², wodurch sich eine Einwohnerdichte von ungefähr 2300 Einwohner pro km² ergibt. Die Stadt liegt im Nordwesten Russlands an der Mündung der Newa bei 59° 56' N, 30° 16' O. Sie war mehr als 200 Jahre lang die Hauptstadt des Landes. Da die Stadt nur 3 Meter über NN liegt, stellen Hochwasser eine große Bedrohung für sie dar.

In der Stadt wohnen etwa 3% der gesamten russischen Bevölkerung, wobei Schätzungen zu Folge etwa 17000 Straßenkinder in den Gassen leben. Ca. die Hälfte der Bevölkerung lebt dabei unter der Armutsgrenze.

Knapp 90% der Einwohner sind Russen; die restlichen 10% verteilen sich auf Juden, Weißrussen, Ukrainer und sonstige Gruppen. Die russisch-orthodoxe Religion macht den Großteil in St. Petersburg aus.

St. Petersburg gilt als Industriezentrum mit den Schwerpunkten Maschinen- und Schiffbau, Elektronik und Kernenergetik.

 

2. 

Natur und Landschaft

Inhaltsverzeichnis:
2. Natur und Landschaft
2.1. Klima
2.3. Naturraum
2.4. Gewässer
Abb. 2.1: Blick auf den Fluss Newa
 

2.1. 

Klima

St. Petersburg hat eine Durchschnittstemperatur von 5,0° C und einen Jahresniederschlag von 621 mm. Aus dem Klimadiagramm erkennt man sofort das durchgehend humide Klima der Stadt. Mit Durchschnittstemperaturen von bis zu 18° C im Sommer ist diese Jahreszeit mild, wohingegen im Winter eher kalte Temperaturen mit Monatsdurchschnittswerten von bis zu -8° C vorherrschen.

Abb. 2.1.1: Klimadiagramm St. Petersburg

Die Stadt liegt genau im Grenzbereich zwischen maritimen und kontinentalen Klima. Das Wetter kann sehr wechselhaft sein, so dass die Durchschnittswerte im Klimadiagramm nicht als homogene Werte aufgefasst werden können. Ein Indiz für die Kontinentalität des Klimas bietet die Temperaturamplitude der Monatsdurchschnittswerte von ca. 26° C. Zum Vergleich: Kiel hat als weiter südlich gelegene Ostseestadt eine Amplitude von gerade einmal 17° C.

Der meiste Niederschlag fällt mit bis zu 80mm in den Sommermonaten, wo wegen der Nähe zum nördlichen Polarkreis die Sonne fast ganztägig scheint.


Zieht man zum Vergleich die Klimadaten des schwedischen Göteborgs zu Rate, so stellt man fest, dass sich hier das maritimere Klima abzeichnet. Alleine die Durchschnittstemperatur ist mit 7,8° C deutlich höher, wobei Göteborg allerdings etwas weiter südlich, aber auch auf ca. 4 Metern über NN gelegen ist. Ebenso fällt hier mit 791mm sichtlich mehr Niederschlag pro Jahr.
 

2.2. 

Geologie, Boden und Entstehung

Das Osteuropäische Tiefland – in welchem St. Petersburg liegt – erstreckt sich über 4 Mio. km². Es grenzt im Norden an die Barentssee, im Westen an den Baltischen Landrücken, im Süden an die Kaspische Senke und im Osten an das Ural-Gebirge. Somit erstreckt es sich fast über den gesamten europäischen Teil Russlands.

Abb. 2.2.1: Russland topographisch

Das Osteuropäische Tiefland ist entstanden, da es in diesem Teil der Erde in der jüngeren Erdgeschichte zu keinen größeren Graben- oder Gebirgsbildungen im Zuge von plattentektonischen Prozessen gekommen ist. Dieses Flachland besteht aus wenigen Landrücken und lang gestreckten Niederungen, in denen es selten zu Erhebungen über 300 Metern kommt. Es finden sich hier sowohl Erdöl- wie auch Erdgasvorkommen, Eisenerze, Steinkohle und Braunkohle als wichtige Bodenschätze.

Es gibt im Osteuropäischen Tiefland zumeist Podsol-Böden, die aus Sanden, Lehmen und Moränen entstanden sind.

 

2.3. 

Naturraum

  Zum Lesen

Der boreale Nadelwald – auf russisch: Taiga – ist der nördlichste Waldtyp der Erde. In diesem Naturraum befindet sich St. Petersburg. Sie grenzt nördlich an die Tundra und südlich an die Mischwälder. Im Gegensatz zu eben diesen Mischwäldern ist der boreale Nadelwald relativ artenarm, jedoch nicht wie die Tundra vegetationslos. Es herrschen zumeist Nadelbäume vor, die hervorragend mit dem relativ sauren Podsol auskommen. Ebenso kommen Nadelbäume mit einer wesentlich kürzeren Vegetationsphase als Laubbäume aus, da ihr Photosyntheseapparat – speziell die Nadeln – ganzjährig einsatzbereit ist.

Nadelbäume wachsen demnach aber auch relativ langsam, verwurzeln nicht sehr tief im Boden und bilden auch nicht so dicke Stämme aus wie Laubbäume. Dafür wachsen sie sehr einheitlich, was das Roden dieser Wälder und die Verarbeitung des Holzes vereinfacht.

Abb. 2.3.1: Aufnahme eines Taigagebietes
  Zum Lesen

Bezeichnend ist, dass die Nadelbäume durch die herabfallenden Nadeln den ohnehin sehr sauren Podsol qualitativ noch weiter verschlechtern. Waldbrände helfen hier, den Boden von den Nadeln zu befreien und den pH-Wert zu erhöhen, um ihn wieder fruchtbarer zu machen.

In der Taiga gibt es eine ausgedehnte Artenvielfalt bei den Tieren. Viele Raubtiere sind hier heimisch; besonders erwähnenswert sind hierbei Wölfe, Bären und der Sibirische Tiger, welcher die größte Raubkatze der Welt ist. Problematisch für die vielen Raubtiere ist die zunehmende Zerstörung ihres Lebensraums und die Jagd durch die Menschen, wodurch einige Arten schon im Bestand bedroht sind. Der Sibirische Tiger ist beispielsweise mit geschätzten 450 freilebenden Exemplaren extrem bedroht – in Gefangenschaft leben mehr Tiere als in Freiheit. Im Gebiet um St. Petersburg ist er schon komplett ausgestorben.

 

2.4. 

Gewässer

Abb. 2.1: Blick auf den Fluss Newa
  Zum Lesen

Kennzeichnend für St. Petersburg ist die 74km lange Newa, welche den östlich von St. Petersburg liegenden Ladogasee über den Finnischen Meerbusen mit der Ostsee verbindet. Es ist möglich, vom Inneren Russlands durch verschiedene Flüsse und Kanäle schließlich über die Newa in die Ostsee zu gelangen, wodurch sich in St. Petersburg der wichtigste Ostseehafen Russlands entwickelt hat.

Der nahe an der finnischen Grenze gelegene Ladogasee ist der größte Süßwasser-Binnensee Europas. Der See hat eine maximale Tiefe von 225 Metern bei einer mittleren Tiefe von 52 Metern.

St. Petersburgs Stadtfläche besteht zu ca. 10% aus Wasser; die Landfläche teilt sich in 42 Inseln. Diese Inseln waren früher durch verschiedene Kanäle miteinander verbunden, die mittlerweile aus Bedarf an mehr Baufläche zumeist zugeschüttet wurden. Daher lässt sich die ursprüngliche Inselstruktur in der Stadt auch nicht mehr wirklich nachvollziehen.

Durch die bereits erwähnte tiefe Lage der Stadt ist sie besonders anfällig für Hochwasserschäden. Die katastrophalsten Fluten waren 1824 und 1924 mit jeweils mehreren hundert Toten. Diese Hochwasser rühren zumeist von starkem Westwind her, der das Wasser der Ostsee durch den Finnischen Meerbusen zur Newa drückt und somit einen Abfluss der Newa weitestgehend verhindert. In den 70er Jahren des 20. Jahrunderts wurde daher ein Schutzdamm in der Stadt errichtet, der die Einwohner vor solchen Katastrophen bewahren soll.

 

Problematisch für die Stadt war mehrfach bereits die Entsorgung der Abwässer. Einerseits ist diese Entsorgung auf den ersten Blick durch die Newa sehr einfach. Auf der anderen Seite ist das Newawasser bereits durch viele am Fluss gelegenen Fabriken sehr verschmutzt, weshalb St. Petersburg bereits mehrfach von wassergebundenen Epidemien heimgesucht wurde.

 

 

3. 

Geschichte und Kultur

Inhaltsverzeichnis:
3. Geschichte und Kultur
Abb. 3.1: Das Bernsteinzimmer - gleichsam zeigt es Geschichte und Kultur
 

3.1. 

Historischer Abriss

Vom 9. bis zum 12. Jahrhundert gehört das Gebiet des späteren St. Petersburgs zum Fürstentum Nowgorod, das im 9. Jahrhundert mit dem Großfürstentum Kiew vereinigt worden war. Dieses Gebiet war in der Folgezeit stark umkämpft von Schweden und Russen. Nach der Rückeroberung der schwedischen Festung Nyenschanzs an der Newa durch die Russen wird am 16. Mai 1703 der Grundstein der Peter- und Paul-Festung auf der Haseninsel gelegt. Es ist somit das Gründungsdatum St. Petersburgs. Der Gründungsvater Peter der Große benannte die Stadt aber nicht nach sich selbst, sondern nach dem Heiligen Petrus.

Abb. 3.1.1: Peter der Große

Einzig die Lage als „Tor zum Westen“ war ausschlaggebend dafür, dass hier eine Stadt gegründet wurde. Der Boden und die tiefe Lage machten es den Arbeitern sehr schwer, hier eine Stadt zu errichten. Die Stadt wurde somit auf Pfählen errichtet, um eine gewisse Stabilität in die Bauwerke zu bekommen. Durch Seuchen starben schon bei der Gründung der Stadt mehrere Tausend Menschen, weshalb man St. Petersburg auch als „auf Skeletten gegründet“ bezeichnet.

Nachdem Russland Schweden 1710 bei Poltawa geschlagen hat, wird der weitere Ausbau der Stadt immer weiter vorangetrieben – vornehmlich durch Leibeigene und Zwangsansiedlungen im Stadtgebiet.

1712 wird St. Petersburg zur Hauptstadt Russlands ernannt; Moskau bleibt aber weiterhin Krönungsstadt der Zaren, so dass hier ein Prestige-Kampf zwischen den beiden größten russischen Städten entbrennt.

Beim Tode Peters des Großen 1725 zählt die Stadt bereits mehr als 70000 Einwohner und entwickelt sich somit sehr gut, verliert aber 1727 wieder den Hauptstadtstatus an Moskau, um ihn dann einige Jahre später wieder zurück zu gewinnen.

Der prunkvolle Ausbau St. Petersburgs setzt sich über die nächsten Jahrzehnte fort, so dass die Stadt Ende des 18. Jahrhunderts als schönste, eleganteste und auch reichste Stadt Europas gilt.

1837 verkehrt die erste russische Eisenbahn zwischen St. Petersburg und Zarskoje Selo. Schon damals zählt die Stadt mehr als 500000 Einwohner.

Die erste russische Revolution 1905 hat als Schauplatz den Schlossplatz in St. Petersburg. Am 18. August 1914 wird der Name der Stadt in Petrograd russifiziert.

Nach dem ersten Weltkrieg verliert Petrograd endgültig den Hauptstadtstatus an Moskau und wird 1924 nach Lenins Tod ihm zu Ehren in Leningrad umbenannt.

Während des zweiten Weltkrieges zerstören die Deutschen viele Zarenresidenzen in der Stadt. Die Stadt wird ca. 900 Tage blockiert, wodurch nach Schätzungen mehr als 1 Mio. Menschen in der Stadt ihr Leben verlieren.

Seit September 1991 heißt Leningrad wieder St. Petersburg und feiert 2003 seinen 300. Geburtstag. Ein Stück des alten Glanzes der Stadt ist wiederhergestellt.

Abb. 3.1.2: Prunk im Metrotunnel
 

3.2. 

Kultur und Sehenswürdigkeiten

In St. Petersburg befinden sich ca. 40 verschiedene Theater, wobei das Mariinski-Theater eines der bekanntesten Opernhäuser der Welt ist. Ebenso lebten in der Stadt viele russische Komponisten wie Pjotr Iljitsch Tschaikowski und Igor Strawinsky.

Besonders geprägt hat die Stadt die Entwicklung des Balletts. Die berühmteste Ballettschule der Welt – die Waganowa Ballettakademie – wurde hier im Jahre 1738 gegründet und ist bis heute maßgeblich an der Weiterentwicklung des Balletts beteiligt.

Für viele Schachspieler ist das russische St. Petersburg auch heute noch eine der wichtigsten Städte für ihren Sport. Zar Nikolaus II. hat 1914 hier zum ersten Mal den Titel eines Schach-Großmeisters verliehen. Seitdem hat St. Petersburg viele Größen des Schachsports hervorgebracht – zum Beispiel Michail Botwinnik, Boris Spasski und Viktor Kortschnoi.

Auch literarisch hat die Stadt einiges zu bieten; es gibt mehrere eindrucksvolle Bibliotheken, worunter sich auch die Saltykow-Schtschedrin-Bibliothek befindet, welche einst als russische Nationalbibliothek gegründet wurde. Heute ist diese Bibliothek nach der Lenin-Bibliothek in Moskau mit ca. 30 Millionen Büchern wenigstens noch die zweitgrößte des Landes.

Architektur

Wenn man St. Petersburg zum ersten Mal betritt, so fällt einem gleich der stark westeuropäisch geprägte Baustil auf – diesen findet man in anderen russischen Städten nicht in dieser Deutlichkeit.
Die vorherrschenden Baustile sind Barock, Klassizismus, Historismus und Jugendstil; teilweise finden sich auch Bauwerke der Moderne in der Stadt. Hierzu zählt zum Beispiel die Deutsche Botschaft.
Im Gegensatz zum Europäischen Barock zeichnet sich der Russische dadurch aus, dass die Gebäude noch farbenfroher, die Fassaden noch reicher geschmückt und die Grundrisse noch deutlich komplizierter wurden. Ein besonders gutes Beispiel hierfür ist der Winterpalast, der zur Eremitage gehört, in welchem sich einst das berühmte Bernsteinzimmer befand.

Der Schlossplatz


Der Schloss- oder Alexanderplatz ist der größte und imposanteste Platz der Stadt. Im Norden des Platzes ist die einstige Zarenresidenz, der atemberaubende barocke Winterpalast von dem italienischen Architekten Rastrelli, zu bewundern. Im Süden steht das anschließend vom Architekten Carlo Rossi errichtete klassizistische Generalstabsgebäude mit seinem Triumphbogen. In der Mitte des Platzes befindet sich die Alexandersäule, die zu Ehren Alexanders des Großen und seiner Armee den Sieg über Napoleon demonstrieren soll. Dieser Platz ist - wie bereits erwähnt - Schauplatz der Russischen Revolution von 1905, der nachhaltig in die Geschichte der Stadt und des Landes unter dem Schlagwort "Bluter Sonntag" eingegangen ist.

Abb. 3.2.1: Winterpalast von der Newa aus aufgenommen

Die Admiralität


Mit ihrer nadelförmig vergoldeten Turmspitze ist die Admiralität eines der berühmtesten Wahrzeichen St. Petersburgs. Für die meisten Einwohner stellt sie – und nicht etwa der Schlossplatz – den Mittelpunkt der Stadt dar.
Die Admiralität ist ein mächtiger, klassizistischer Bau auf U-förmigem Grundriss mit einer 407m langen Hauptfassade sowie zwei jeweils 163m langen Seitenflügeln, welcher zwischen 1806 und 1823 entstanden ist. Mit ihrem reichen Skulpturenschmuck soll sie die Stärke Russlands als Seemacht darstellen; es wurden hier bis 1844 Schiffe gebaut. Heute dient die Admiralität als Hochschule für Marineingenieure.

Die Eremitage

Gegründet wurde die Eremitage von der russischen Zarin Katharina der Großen, die 1764 ungefähr 225 Gemälde und ein Jahr später ca. 1000 Bilder erworben hat. Diese Bilder wurden zunächst im Winterpalast ausgestellt. In den nächsten Jahren kamen immer mehr Bilder hinzu, so dass 1797 bereits knapp 4000 Gemälde zu dieser Sammlung zählten. Die nächsten Zaren ließen die Eremitage und vor allem die Zahl der Exponate stetig vergrößern und eröffneten schließlich auch den Museumsbetrieb.
Einen sehr guten Einblick in die Eremitage und auch viele Hintergrundinformation über den Bau und die Exponate gibt der Film „Russian Ark“, welcher 2002 erschienen ist.

Die Eremitage ist heute eines der größten und bedeutendsten Kunstmuseen der Welt. Es sind in ca. 1000 Sälen mehr als 60000 Exponate ausgestellt. Im zugehörigen Archiv befinden sich noch weitere ca. drei Millionen Ausstellungsstücke.
Die Eremitage besteht aus einem Komplex mit mehreren im 18. und 19. Jahrhundert entstandenen Bauwerken: die alte Eremitage, die neue Eremitage, das Eremitage-Theater und der Winterpalast. Heute zählt auch noch ein Teil des Generalstabsgebäudes dazu, welches sich gegenüber des Winterpalasts befindet.
Die Eremitage zählt 3 bis 4 Millionen Besucher im Jahr, was noch einmal die Bedeutung dieses Museums unterstreicht.

Abb. 3.2.2: Eremitage bei Nacht
 

4. 

Wirtschaft und Tourismus

Inhaltsverzeichnis:
4. Wirtschaft und Tourismus
4.1. Tourismus
4.4. Verkehr
Abb. 4.1: Blick auf St. Petersburg
 

4.1. 

Tourismus

  Zum Lesen


Der Tourismus ist ein sehr stark wachsender Wirtschaftszweig in St. Petersburg. Wie man im obigen Abschnitt über Kultur bereits ausschnittsweise erkennen konnte, gibt es in der Stadt eine Vielzahl touristischer Attraktionen, die auch sehr stark frequentiert werden. Dies geht bereits so weit, dass die Stadt an der Newa weltweit bereits zu den zehn attraktivsten Reisezielen für Touristen zählt.

 
Gleichzeitig stieg stetig die Zahl der Übernachtungen an, welche einen übermäßig großen Aufschwung im Jahr 2003 hatte, was durch das bereits erwähnte Stadtjubiläum und die damit verbundenen Feierlichkeiten erklärt werden kann. Es ist aber seitdem kein weiterer Aufschwung mehr zu erkennen, was sich vor allem dadurch erklären lässt, dass die Eintrittspreise in den Museen und die Übernachtungskosten sehr stark gestiegen sind (ca. 25%), um die Restaurationsmaßnahmen für die Jubiläumsfeier bezahlen zu können. Ein weiterer Grund für zuletzt sinkende Besucherzahlen ist die Gefahr von Terroranschlägen und Geiselnahmen. Gleichzeitig stieg in den letzten Jahren die Zahl der Überfälle auf Ausländer rapide an, so dass viele potentielle Besucher der Stadt diese lieber meiden und ihren Urlaub in statistisch gesehen sichereren Städten verbringen.


Insbesondere Individualtouristen werden durch komplizierte Einreiseformalitäten und Sprachprobleme generell von einer Einreise nach Russland abgeschreckt. Dies wurde von den russischen Behören so erkannt und man versucht, dem entgegenzuwirken, indem die Einreisebestimmungen besonders für Europäer vereinfacht werden sollen.
Ein Vorteil für die Stadt an der Newa ist sicherlich, dass sie einen direkten Ostseezugang hat und somit auch Zielhafen (bzw. Stop-over-Hafen) für verschiedene Kreuzfahrtschiffe ist.

 

4.2. 

Landwirtschaft und Fischerei

Die Gegend um die Newa-Mündung war noch nie sonderlich geeignet für die Landwirtschaft, da die Böden wenig fruchtbar sind und immer wieder große Überschwemmungen die Ernte zerstört haben. Ebenso zeigt das Klimadiagramm der Stadt, dass auch keine lange Vegetationszeit aufgrund der nördlichen Lage vorhanden ist. Somit wurden sich schon in früheren Zeiten die nötigen Lebensmittel aus der Umgebung besorgt. Auch heute werden fast alle Lebensmittel in die Stadt importiert.

In St. Petersburg sind viele Ostseefischer mit ihren Booten stationiert, was sich einzig durch die Lage erklären lässt. Die Gewässer direkt um St. Petersburg sind sehr verdreckt, so dass hier Fischerei so gut wie gar nicht stattfindet. Die Fischer müssen also weit hinaus fahren, um genügend qualitativ hochwertigen Fisch zu fangen, was auch nur in den Sommermonaten möglich ist.

 

4.3. 

Industrie und Wirtschaft

St. Petersburg gilt neben Moskau als Zentrum russischer Forschung und Entwicklung, so dass sich hier auch viele Betriebe aus eben der Forschung und Entwicklung befinden. Auch nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion konnte die Stadt hierbei ihre Stellung wahren.

Industrie- und Hafenanlagen an der Newa

Aus der verarbeitenden Industrie finden sich hier sehr viele Betriebe mit Schwerpunkt auf dem Schiff- und Maschinenbau. Hierbei ist anzumerken, dass alle russischen Eisbrecher mit Atomantrieb auch heute noch in St. Petersburg gefertigt werden.
Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Radioelektronik und hierbei besonders die Richtung Luft- und Raumfahrt. Außerdem besitzt die Stadt Möbel-, Nahrungs- und erdölverarbeitende Industrie. In den letzten Jahren konnte sich aber auch die IT-Branche in der Stadt weiter festigen. Bekannte international agierende Unternehmen wie Wrigley, Ford und Coca-Cola investieren viel Geld in St. Petersburg. Dennoch ist Deutschland wichtigster Außenhandelspartner der Stadt.

Zur Zeit der Sowjetunion war St. Petersburg der Hauptflottenstützpunkt wegen des direkten Zugangs zur Ostsee und damit zum Westen. Auch heute noch sind in der Stadt sehr viele Kriegsschiffe und vor allem U-Boote stationiert.

 

4.4. 

Verkehr

St. Petersburg ist ein sehr wichtiger Verkehrsknotenpunkt für Russland; hier befindet sich der größte Hafen des Landes, der sehr bedeutend für den osteuropäischen sowie für den nordasiatischen Raum ist. Über die Newa ist auch das Landesinnere Russlands auf dem Seeweg zu erreichen. Hierzu müssen die Schiffe durch die Stadt fahren, was zumeist nachts geschieht, da dann zahlreiche Klappbrücken in der Stadt für die Schiffe geöffnet werden.


Über die Ostsee sind Häfen wie Königsberg, Stockholm und auch Kiel über Fährverbindungen zu erreichen. Schwierig wird die Fahrt in den Wintermonaten, da St. Petersburg sehr weit nördlich gelegen ist und somit mit zugefrorenen Wasserstraßen zu kämpfen hat. Aus diesem Grunde sind atombetriebene Eisbrecher dauerhaft in der Stadt stationiert.

Ein Straßenbahn-Triebwagen (LWS-86) auf Petersburger Straßen

1955 eröffnete in der Stadt das weltweit tiefste U-Bahn-Netz; die Metro ist deshalb so tief gelegen, weil die sumpfigen Böden ein solches Vorhaben nicht erlaubt hätten. Also musste man auf den tiefer gelegenen Granit zurückgreifen, um dort die Metro zu bauen. Die Metro hat inzwischen vier Linien; zusätzlich hat die Stadt das größte Straßenbahnnetz der Welt, welches bereits 1863 durch eine Pferdebahn eröffnet wurde.


Abb.: Metrostation ( Station Sportiwnaja)

Die besondere Bedeutung St. Petersburgs für Russlan zeigt sich auch dadurch, dass hier die erste russische Eisenbahnlinie begann. Ebenso gab es hier den so genanten Nordexpress, der die Stadt direkt mit der französischen Hauptstadt Paris verband. Auch heute fahren von hier aus viele Eisenbahnlinien mit Zielbahnhöfen wie Moskau, Helsinki oder Berlin.

St. Petersburg besitzt zwölf Autobahnanschlüsse, wobei zurzeit noch eine weitere um die Stadt herum gebaut wird, welche teilweise (der östliche Teil) bereits eröffnet worden ist.

Die Flughäfen Pulkowo I und Pulkowo II liegen gut 10 Kilometer südlich der Innenstadt und bilden eine Flugverkehrsanbindung St. Petersburgs an inländische und ausländische Flughäfen.

 

5. 

Natur- & Küstenschutz

Inhaltsverzeichnis:
5. Natur- & Küstenschutz
Abb. 5.1: Blick nach St. Petersburg
 

5.1. 

Naturschutz

In St. Petersburg und der direkten Umgebung gibt es bisher noch kein ausgewiesenes Naturschutzgebiet. Das nächste Naturschutzgebiet ist der Nationalpark Ladogasee.

Zwar wurden nach dem Zerfall der Sowjetunion viele Gespräche in dieser Richtung geführt, jedoch kam man zu keinem Ergebnis. Gerade aber auch wegen der extrem verschmutzten Gewässer in diesem Gebiet wird von Naturschützern immer wieder gefordert, hier tätig zu werden.

In früheren Zeiten genügte die Newa, um die Abwässer St. Petersburgs aufzunehmen und zu reinigen. Auch heute noch würde der Fluss die Abwässer verkraften. Problematisch ist, dass die Newa den Ladogasee entwässert; dieser ist durch viele an ihm gelegene Fabrikanlagen extrem verschmutzt, so dass die Abwässer von St. Petersburg noch verstärkend hinzukommen. Es gibt zwar Kläranlagen in der Stadt, jedoch gelangt immer noch fast 1/3 der Abwässer der Stadt ungeklärt in die Newa. St. Petersburg gilt somit als eine der am stärksten verschmutzten Städte Russlands.
Industrie- und Hafenanlagen an der Newa
 

5.2. 

Küstenschutz

St. Petersburg wird statistisch gesehen jedes Jahr ungefähr zwei Mal von einem Hochwasser heimgesucht, da die Stadt – wie bereits erwähnt – sehr niedrig gelegen ist. Seit Stadtgründung zählt die offizielle Statistik bereits knapp 300 Hochwasserereignisse. Diese Hochwasser entstehen dadurch, dass durch kräftigen und lang anhaltenden Westwind das Wasser der Ostsee quasi in die Stadt gedrückt wird. Bei nur 2 Metern Wasserstandserhöhung der Newa werden bereits 6% der Stadtfläche St. Petersburgs überflutet. Bei 5 Metern sind es bereits 30%.
Die dabei auftretenden Überschwemmungen gefährden nicht nur die Gebäude in der Innenstadt, sondern sie fordern auch immer wieder Opfer in der Bevölkerung. Selbstverständlich sind dies nicht die einzigen Beeinträchtigungen, die durch solche Hochwasser ausgelöst werden – der Verkehr in der Innenstadt kommt auch vollständig zum Erliegen.

Abb. 5.2.1: Marble Palace

Natürlich wurde dieser Missstand von den örtlichen Behörden schon vor langer Zeit erkannt, jedoch gibt es bis heute kein Mittel, welches die Stadt vollständig schützen könnte. 1978 wurde mit dem Bau eines Dammes quer durch die Newa-Bucht begonnen, der jedoch 1980 schon wieder eingestellt wurde, da er die Wasserzirkulation unterbrach und das ohnehin schon schlechte Wasser noch weiter verdreckte. 
1990 wurde Bau des Dammes wiederaufgenommen. Der Damm hat mehrere Durchlässe, die sich im Falle eines anstehenden Hochwassers schließen lassen. Diese Durchlässe sorgen dafür, dass weiterhin eine Wasserzirkulation stattfinden kann und somit auch die Wasserqualität nicht noch zusätzlich vermindert wird.
Dieser Schutzdamm ist bis heute noch nicht fertig gestellt worden. Dies liegt zum einen daran, dass die Stadt nicht genügend Geld dafür aufbringen kann; andererseits ist immer noch nicht sicher, ob sich die Wasserqualität nicht doch weiter vermindern wird. Schlimmste Befürchtungen besagen, dass sich die gesamte Bucht von St. Petersburg in einen riesigen Sumpf verwandeln könnte.
Neuere Projekte, welche die gesamte Ostsee betreffen, sehen auch St. Petersburg als Problemfall an und suchen dort nach Lösungen. Konkrete Maßnahmen sind jedoch bis heute nicht erfolgt.
 

6. 

Probleme und Perspektiven

Inhaltsverzeichnis:
6. Probleme und Perspektiven
 

6.1. 

Probleme in der Region

Das größte Problem wurde bereits im fünften Kapitel angesprochen: die Verschmutzung der Gewässer um die ehemalige Hauptstadt Russlands. Diese Verschmutzung geht besonders in die Zeit der Sowjetunion zurück, wo sich absolut nicht um eine Reduzierung der Verschmutzung bemüht wurde. Und dies nun wieder aufzuholen scheint unmöglich. Einerseits wird die Newa vom stark verschmutzten Ladogasee gespeist, andererseits fließen im Verlauf noch weitere Abwässer in sie hinein. Hier kann nur ein groß angelegtes Schutzprogramm helfen.

Im Sommer vermehren sich in den Gewässern in und um St. Petersburg die Blaualgen sehr rasant, so dass hier noch eine zusätzliche Gewässerverschmutzung vorherrscht, die für den Menschen gefährlich werden kann.

Ein weiteres Problem für St. Petersburg ist mit Sicherheit die hohe Armut der Menschen. Es wird geschätzt, dass fast 50% der Bevölkerung unter der Armutsgrenze leben, so dass es auch nicht weiter verwundert, dass die Kriminalität weiter ansteigt. Hinzu kommen noch viele Straßenkinder; die Anzahl wird auf 17000 geschätzt.

Durch den Anstieg der Kriminalität, durch komplizierte Einreiseverfahren und durch überteuerte Hotelpreise stellt sich St. Petersburg selbst ein Bein, um wieder mehr Touristen in die Stadt zu bekommen. Die Zahl der Übernachtungen geht seit 2003 stark zurück – und es sieht im Moment nicht nach einer Trendwende aus.
Abb. 6.2.1: Weiße Nächte von St. Petersburg
 

6.2. 

Zukunftsperspektiven

Potential für eine positive Perspektive bietet St. Petersburg allemal. Es ist die Kulturhauptstadt Europas und bietet auch ansonsten viele Sehenswürdigkeiten und interessante Kleinigkeiten. Die Frage ist nur, ob dieses Potential auch genutzt werden kann. Dazu ist es wichtig, dass die Stadtverwaltung, die russische Regierung und eventuell auch die Europäische Union hier zusammenarbeiten.
Besonders bedenklich scheint hierbei die Wasserqualität der Newa. Es sieht nicht so aus, als könnte hier kurzfristig Abhilfe geschaffen werden, so dass die Qualität sich wenigstens nicht weiter verschlechtert.
Es fehlt der Stadt an allen Ecken das Geld, um die Kulturdenkmäler auch instand zu halten. Ebenso verschlingen die Hochwasser jedes Jahr aufs Neue Unmengen an Geldern alleine für die Reparatur der zerstörten Häuser.
Gleichzeitig bereiten die immensen Unterschiede zwischen den einzelnen Bevölkerungsgruppen der Stadt große Sorgen. Keine Stadt kann es einfach so verkraften, wenn die Hälfte der Bevölkerung unter der Armutsgrenze lebt.

Somit bleibt abzuwarten, in welche Richtung sich die Kulturhauptstadt Europas entwickeln wird. Eines scheint jedoch klar: ohne große Investitionen wird die Stadt sich wohl nicht mehr lange halten können.

 

7. 

Quellen & Links

Internetquellen:


http://www.hermitagemuseum.org/

http://www.klimadiagramme.de/

http://www.erdkunde-wissen.de/erdkunde/land/europa/russland/geo.htm

http://www.blueplanetbiomes.org/taiga.htm

http://www.wikipedia.de

http://www.russlandjournal.de/russland/petersburg/verkehr.html

http://www.piter-tram.de/

http://www.unicef.de/

http://www.sanktpetersburg.ru/

http://www.entdecke-osteuropa.de/ru2.htm

http://www.petersburg-info.de/

http://www.sankt-petersburg.diplo.de/de/05/Hauptbereich__Wirtschaft.html

 

 

Buchquellen:

Brade, I. & Schulze, M. (1997): Russland aktuell. Selbstverlag Institut für Länderkunde: Leipzig

Diercke Drei – Universalatlas (2005). Westermann: Braunschweig

Karger, A. (1978): Sowjetunion. Fischer: Frankfurt

Lappo, M. & Hönsch, F. (2000): Urbanisierung Russlands. Borntraeger: Berlin, Stuttgart

Merian Reiseführer: St. Petersburg (2005)

Newig, J. & Theede, H. (1985): Die Ostsee - Natur und Kulturraum. Husum Druck: Husum