textEXKURS: Dünenentwicklung bis hin zum Dünenkiefernwald

Aus: Hagge, H./ Liedl F.(Hrsg.)(1996): Ostsee-Nationalparks: Fischland, Darß, Zingst, Hiddensee, Rügen, Ellert&Richter, Hamburg, S. 52 – 55

Dünen können sich nur dort bilden, wo der Strand breit genug ist, so dass der Wind den Sand, der zuvor vom Wasser angelagert worden ist, weitertransportieren kann. Die Dünenentwicklung beginnt mit der Primärdüne, auch Vordüne genannt, deren Entstehung im Windschatten kleinster Gegenstände wie zum Beispiel von Holzstücken oder Muschelschalen-Ansammlungen beginnen kann. Primärdünen werden im Wesentlichen mit der Strandquecke und seltener mit Strandhafer besiedelt. Mit fortschreitender Vergrößerung der Primärdünen entwickeln sich diese zu Weißdünen, sofern starke Winde sie an dieser Stelle nicht vorher wieder gänzlich abtragen und eventuell an anderer Stelle aufbauen.

Weißdünen werden von charakteristischen Dünengräsern wie Strandhafer und Strandroggen mit ihrem tiefen und weit verzweigten Wurzelwerk besiedelt, womit ein entscheidender Schritt zur Festlegung der Dünen getan ist. Mit weiterer Entwicklung der Weißdünen kommen Rotschwingel, Sand-Stiefmütterchen und die Stranddistel hinzu. Letztere ist auch in Mecklenburg Vorpommern sehr selten geworden und wird in der Roten Liste als vom Aussterben bedroht aufgeführt. Im Verlauf der Dünenentwicklung gehen ältere Weißdünen in das Stadium der Grau- und dann anschließenden Braundüne über. Die Graudüne verdankt ihren Namen ihrer Trockenrasen-Vegetation, die aus Silbergras, Schafschwingel, Sandsegge, Rotem Straußgras, Flechten und Moosen zusammengesetzt ist. Hier hat sich bereits eine dünne Humusdecke auf den weitestgehend ruhenden Dünen gebildet. Im Frühsommer prägen das hellgelb blühende Kleine Habichtskraut und die blau-violett blühenden Stiefmütterchen die Graudünen. Im Sommer bilden die hellblau blühenden Bergsandglöckchen und seltener die rosa Grasnelke Farbtupfer in der Graudünen-Landschaft.

Die Vegetation des Stadiums der Braundüne besteht hauptsächlich aus den Zwergsträuchern Besenheide, Krähenbeere, Kriechweide und in den feuchteren Dünentälern aus Glockenheide. Im Braundünenstadium, das auf dem Darß 30 bis 50 Jahre anhält, siedeln sich bereits die ersten Kiefern und auch Wachholder an und leiten den Übergang zum natürlichen Dünenkiefernwald. Der Vegetationskundler F. Fukarek sieht die Bedeutung der Krähenbeeren-Polster für die Waldentwicklung vor allem darin, dass sie Räume mit höherer Luftfeuchtigkeit und Luftruhe darstellen, in denen anfliegende Kiefernsamen besser keimen können als in den Trockenrasen der Graudünen, die kaum einen Windschutz bieten können.
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Ein natürlicher Dünenkiefernwald, gegenwärtig der eigentliche „Naturwald“ des Neudarß, befindet sich nördlich des Leuchtturmweges, der von Prerow aus zum Leuchtturm am Darßer Ort führt. Wenn man diesen Weg entlangwandert, bekommt man einen sehr guten Einblick in den lichten Waldtyp, wie er auf etwa 300 Jahren alten Dünen des Neudarß ohne Beeinflussung standortgerecht ausgebildet ist.