textAus der Verordnung über die Festsetzung des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft (vom 12.September 1990)



Aus der Verordnung über die Festsetzung des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft (vom 12.September 1990):


§ 3 Schutzzweck

(1) Die Errichtung des Nationalparks dient dem Schutz der vorpommerschen Boddenlandschaft, der Bewahrung ihrer besonderen Eigenart, Schönheit und Ursprünglichkeit. Im einzelnen wird mit der Erklärung zum Nationalpark die Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes, insbesondere die durch menschliche Eingriffe nicht gestörte Entwicklung der Oberflächenformen und der Lebensgemeinschaften natürlicher Neulandbildungen, der Ablauf der natürlichen Prozesse in den Flachwassergebieten der Bodden und die natürliche Waldentwicklung auf Dünen und Strandwällen des Darß und Zingst gesichert bzw. gefördert. Der Nationalpark dient gleichzeitig der Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes der durch menschliche Eingriffe veränderten Salzgrasland- und Moorflächen sowie der Sicherung der Vielfalt der Pflanzen- und Tierwelt. Dazu gehören:

  1. Die Erhaltung der wichtigsten Wasser- und Watvogelbrutplätze an der deutschen Ostseeküste,
  2. die Sicherung ungestörter Rast- und Winteraufenthaltsbedingungen für ziehende Wasservögel, insbesondere den Kranich (bestätigtes Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung laut Ramsar-Konvention),
  3. die Erhaltung von mehreren Brutplätzen des Seeadlers und anderer bestandsbedrohter Großvogelarten.


(2) In dem Nationalpark wird keine wirtschaftsbestimmte Nutzung bezweckt; er soll aber zur Strukturverbesserung der angrenzenden Gebiete dienen.

§ 4 Schutzzonen

(1) Das Gebiet des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft wird in die Schutzzonen I und II gegliedert. (...)

§ 5 Gebote

(1) Im Nationalpark ist es geboten,

  1. in der Schutzzone I vorrangig durch geeignete Schutzmaßnahmen die ungestörte Entwicklung natürlicher und naturnaher Lebensgemeinschaften zu sichern, sowie gestörte Lebensgemeinschaften in natürliche oder naturnahe Zustände zu überführen, insbesondere durch
    a) Einstellung der wirtschaftlichen und militärischen Nutzungen nach einem mit der Nationalparkverwaltung abzustimmenden Zeitplan,
    b) schrittweise Entnahme von nichteinheimischen
    Baumarten und Rückbau aller Entwässerungseinrichtungen,
    c) Bestandesregulierungen von wildlebenden Tierarten entsprechend den Zielsetzungen des Nationalparks durch das Nationalparkamt oder im Auftrage des Nationalparkamtes.
  2. In der Schutzzone II vorrangig durch gezielte Pflege und Renaturierungsmaßnahmen die biotoptypische Mannigfaltigkeit der heimischen Pflanzen- und Tierwelt zu erhalten und zu fördern, insbesondere
    a) die schrittweise Umwandlung der Waldbestände, so daß langfristig eine Überführung in Schutzzone I möglich wird,
    b) die Walderneuerung vorrangig über Naturverjüngung zuzulassen,
    c) die Pflege der Graslandflächen durch Mahd und Beweidung ohne Düngung zu gewährleisten,
    d) die Erholungsnutzung so zu gestalten, daß Beeinträchtigungen der Naturausstattung vermieden oder verringert werden,
    e) durch geeignete Maßnahmen der Verkehrs- und Besucherlenkung den Ruhecharakter des Gebietes insgesamt stärker auszuprägen,
    f) Bestandesregulierungen von wildlebenden Tierarten entsprechend den Zielsetzungen des Nationalparks nach Maßgabe des Nationalparkamtes vorzunehmen.



  3. (2) Zur Umsetzung der in Abs. 1 genannten Gebote sowie zur Erhaltung, Pflege und Entwicklung des Nationalparks, soll in angemessener Frist ein Pflege- und Entwicklungsplan erstellt werden.