textDie Rolle von Naturschutz und Landschaftspflege im Küstenschutz

Die Aufgabe des staatlichen Küstenschutzes besteht im direkten Schutz der Menschen und Sachwerte in den zusammenhängend bebauten Gebieten an der Küste. Er ist damit auf den Vorteil des Menschen ausgerichtet. Durch Naturschutz und Landschaftspflege sollen jedoch umfassend die Grundlagen für alles Leben erhalten und somit auch die Existenzgrundlagen des Menschen gesichert werden. Mit der Anerkennung der Küstendynamik, also der natürlichen Veränderlichkeit der Küste, haben beide Gebiete die gleiche Ausgangsbasis für die Durchsetzung ihrer Ziele. Küstenveränderungen werden weder als Störfälle noch als Umweltschaden betrachtet! Im besonderen Maße gilt dies für die Nationalparke »Vorpommersche Boddenlandschaft« und »Jasmund« mit 58 km bzw. 10 km Außenküste, wo grundsätzlich alle natürlichen Veränderungen zugelassen werden, sofern nicht Menschenleben gefährdet sind.

Trotzdem können aufgrund der verschiedenen Zielsetzungen Konflikte zwischen den Belangen des Küstenschutzes auf der einen Seite sowie des Naturschutzes und der Landschaftspflege auf der anderen Seite entstehen. Hier muß im Einzelfall geprüft, bewertet und entschieden werden. Grundlage dafür ist einerseits die Gesamtbewertung der Leistungen und Funktionen der jeweiligen Landschaft, andererseits die Prüfung der realen Notwendigkeit und Möglichkeit, mit Schutzmaßnahmen nachhaltig menschliche Interessen zu schützen. Sind Menschenleben bedroht, ist deren Sicherung oberstes Gebot. Unabhängig davon sind jedoch Ausgleichs und / oder Ersatzmaßnahmen erforderlich, wenn die Vorhaben des Küstenschutzes Eingriffe in Natur und Landschaft im Sinne der Naturschutzgesetzgebung darstellen.

Gesichtspunkte des Naturschutzes und der Landschaftspflege sind in der konstruktiven Gestaltung notwendiger Küstenschutzmaßnahmen zu berücksichtigen. Dies gilt speziell für alle Maßnahmen des biologischen Küstenschutzes, aber auch für die Baustoffe bei technischen Eingriffen. So sind im Küstenschutz generell natürliche Baustoffe wie Sand, Kies, Lehm, Holz, Faschinen und Naturstein zu verwenden. Die Verwendung naturfremder Stoffe wie Beton und Stahl ist nur dann zulässig, wenn eindeutig belegt werden kann, daß natürliche Baustoffe keine funktionsgerechte Lösung ermöglichen.


Quelle:www.um.mv-regierung.de, 12.1.05