textVisbys Stadtmauer

Selbst heute noch hat die Stadtmauer auf den Besucher eine abweisend- bedrohende Ausstrahlung. Diese einmalige Wirkung des Bollwerks hat vor allen Dingen vier Ursachen: erstens ist die Mauer in ihrer vollständigen Höhe erhalten geblieben, zweitens ragen keine Häuser über die Mauerkrone, drittens bleibt die Bebauung der Altstadt auch durch das zum Meer hin abfallende Gelände unsichtbar und viertens haben Denkmalschutz und Stadtplanung dafür gesorgt, dass das Vorfeld der Mauer in seinem mittelalterlichen Zustand belassen wurde.

Der Beginn des Mauerbaus ist auf 1250 zu datieren. Anstifter zum Mauerbau war die ansässige deutsche Bevölkerung, die sich ohne Stadtmauer unsicher zu fühlen schien. Zudem wollten sie der Stadt vielleicht dadurch mehr Gewicht und Ansehen verleihen. Die Mauer am Meer ist der älteste Teil, anschließend wurde die Landmauer errichtet. Sie ist um einige Meter höher als die Seemauer und zeichnet sich durch zahlreiche Boden- und Satteltürme aus. Die Mauer schloß sowohl die damalige Kernstadt als auch die Außenbezirke mit ein. Insgesamt erreichte die Mauer eine Länge von 3,6 km.

Nach dem Bürgerkrieg zwischen Gotländern und Visbyern 1288 wurde die Mauer nochmals erhöht und mit drei mächtigen Tortürmen und 22 Satteltürmen ausgestattet.

Im 15 Jh. erhielt die Mauer ihren wichtigsten Anbau, das Schloß Visborg. Diese starke Befestigung war Schloß und Burg zugleich und wurde vom Deutschen Ritterorden am südlichen Ausläufer der Mauer errichtet. 1442 richtete sich der abgesetzte Unionskönig Erich von Pommern auf Visborg ein und baute das Schloß bis 1560 weiter aus. 1679 wurde Visborg dann von den Dänen in die Luft gesprengt, so dass heute nur noch die Ruine zu sehen ist.