Auf der Suche nach Möglichkeiten, um bestehende graue Küstenschutzbauwerke ökologisch aufzuwerten, rückt Treibsel ins Blickfeld. Treibsel ist ein Sammelbegriff für angelandete organische Biomasse, die überwiegend aus abgestorbenen Meerespflanzen besteht und durch Wellen und Strömungen an den Strand gespült wird1. Im Treibsel an MVs Stränden finden sich neben Seegras auch Rot-, Braun-, Grünalgen und Muscheln, selten auch anthropogene Bestandteile, wie Plastikpartikel. Der Strandanwurf ist lokal unterschiedlich und abhängig von den küstennahen Wasserpflanzen und Wetterbedingungen. An den Stränden kann Treibsel als Nahrungsgrundlage dienen und spielt eine wichtige Rolle für die Dünenbildung. Allerdings ist Treibsel an touristisch genutzten Stränden oft unerwünscht und wird deshalb in vielen Kommunen regelmäßig vom Strand entfernt2.

Das Potential von Treibsel zur Unterstützung des Küstenschutzes wurde in den vergangenen Jahren in Schleswig-Holstein erprobt. 2014 und 2018 errichtete Eckernförde jeweils eine 100m lange und 5m breite Treibseldüne. Diese Treibseldüne, also eine Düne die im Kern mit Treibsel gefüllt ist, wurde einem Deckwerk vorgelagert und bietet so zusätzlichen Schutz. Die Treibseldüne wurde angelegt, um sowohl die Erosion am Strand als auch die hohen Ausgaben der Treibselentsorgung zu vermindern2. Hierfür wurde zunächst ein circa 1,5m tiefer und 5m breiter Graben ausgehoben, der mit Treibsel verfüllt wurde und schließlich von einer Schicht des ausgebaggerten Sands bedeckt wird3. So ist äußerlich kein Unterschied zu einer herkömmlichen Düne ersichtlich. Abschließend wurde die Düne mit typischer Vegetation bepflanzt. Die Dünenvegetation profitiert von dem Treibselkern der Düne, da dieser Nährstoffe zur Verfügung stellt und als Wasserspeicher dient. Bislang überstanden die Dünen sämtliche Hochwasserereignisse2.

Faschinenartige Zäune aus Holzpfählen und Treibsel, sogenannte Treibselzäune, sorgen für eine gezielte Ablagerung des Strandsandes und verhindern so den Sandabtrag durch Verwehungen. Dadurch stellen Treibselzäune eine plastikfreie Alternative eines Sandfangzauns dar. Der Bau erfordert einen geringen technischen und finanziellen Aufwand. Durch die biologisch abbaubaren Materialien stellt die Entsorgung und die Degeneration des Materials durch das „Sandstrahlen“ am Strand kein Problem dar3.
Die Umsetzung solcher oder ähnlicher Maßnahmen bietet das Potential der ökologischen Aufwertung von grauen Küstenschutzmaßnahmen. Die Verwendung von Treibsel im Küstenbereich wird als sinnvoll erachtet, da der Rohstoff in seinem natürlichen System verbleibt und direkt vor Ort eingesetzt werden kann. Außerdem werden lange Transportwege des Treibsels vermieden. Für Gemeinden, die derzeit hohe Kosten für die Reinigung ihrer Strände und Küstenbereiche in Kauf nehmen und gleichzeitig über Küstenbereiche verfügen, die von Erosion betroffen sind, eröffnet die Verwendung von Treibsel im Küstenschutz eine mögliche Win-Win-Situation2.
Literaturhinweise
- Sterr, Ahrendt & Enderwitz (Hrsg.) (2019): Seegras und Treibsel – altbekannte Strandressource neu entdeckt. Coastline Reports 26, S. 21 -26. Hier lesen.
- Ahrendt (2019): Treibsel und Seegras im Küstenschutz. In: Sterr, Ahrendt & Enderwitz (Hrsg.): Seegras und Treibsel –altbekannte Strandressource neu entdeckt. Coastline Reports 26, S. 21 -26. Hier lesen.
- Packschies (2019): Die neuen Seegrasdünen in Eckernförde. In: Sterr, Ahrendt & Enderwitz (Hrsg..): Seegras und Treibsel – altbekannte Strandressource neu entdeckt. Coastline Reports 26, S. 27 -35. Hier lesen.