2. Küstenschutz

Seit Menschen sich in Küstenregionen niederließen, mussten sie lernen mit der Kraft des Meeres umzugehen. Küstenschutzanlagen sollten das eigene Leben sowie das Hab und Gut der Küstenbevölkerung vor Sturmfluten sowie vor Küstenerosion schützen. Das heutige Küsteningenieurwesen, das sich mit der Errichtung und Instandhaltung baulicher Küstenschutzmaßnahmen beschäftigt, profitiert dabei von den gesammelten Erfahrungen2. Der Küstenschutz in Deutschland verfolgt das Ziel einheitliche Schutzstandards in bewohnten, überflutungsgefährdeten Küstenregionen sicherzustellen und Sachwerte zu schützen. Das bisherige Leitbild des Küstenschutzes ist geprägt vom Gedanken der Verteidigung der Küstenlinie, welche mit Hilfe traditioneller Maßnahmen umgesetzt wird. Durch den Klimawandel, wie auch aufgrund gesellschaftlicher Veränderungen, ergeben sich jedoch neue Herausforderungen in den Küstenregionen, die sich auch in veränderten Anforderungen an den Küstenschutz äußern. Daher ist ein Überdenken der traditionellen Leitbilder des Küstenschutzes erforderlich1.

Leitbild des Küstenschutzes im Wandel

Der Klimawandel verdeutlicht die Bedeutung der nachhaltigen Entwicklung der Küsten und drängt wegen des akuten Handlungsbedarfes zu Entscheidungen über zukunftsfähige Strategien des Küstenschutzes. Folglich werden zunehmend alternative Möglichkeiten im Küstenschutz aufgezeigt und diskutiert. Die Offenheit gegenüber innovativen Strategien und weitreichenden Veränderungen steigt. Dennoch muss der Küstenschutz auch in Zukunft ein ausreichendes Schutzniveau zuverlässig aufrechterhalten können, weshalb eine Einbindung der traditionellen, „harten“ (siehe Kapitel: Arten des Küstenschutzes) Küstenschutzmaßnahmen unabdingbar ist. Dabei wird die ökologische Aufwertung dieser Küstenschutzmaßnahmen in den Fokus rücken. Da die Auswirkungen und Folgen des Klimawandels lokal nicht mit hundertprozentiger Genauigkeit vorhergesagt werden können, werden verschiedene Modelle mit unterschiedlichen Anpassungsstrategien entwickelt. Die Ergebnisse dieser Modelle helfen bei der effizienten Planung und Ausgestaltung eines an den Klimawandel angepassten Küstenschutzes2.

Deicherhöhung am Nord-Ostsee-Kanal. ©Nardine Stybel/ EUCC-D

Literaturhinweise

  1. Dobers & Dehnhardt (2020): Verteidigung um jeden Preis? In: EUCC – Die Küsten Union Deutschland e.V. (Hrsg.), Meer & Küste – Deutsche Ostsee, V. 8, S. 24-25. Hier lesen.
  2. Tiede & Schlurmann (2020): Küsteningenieurwesen – Planen im Klimawandel. In: EUCC – Die Küsten Union Deutschland e.V. (Hrsg.), Meer & Küste – Deutsche Ostsee, V. 8, S. 22-23. Hier lesen.